Verlag: BookRix Kategorie: Gesellschafts- und Liebesromane Sprache: Deutsch Ausgabejahr: 2018

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Sicherung: Wasserzeichen

E-Book-Beschreibung Schneeflockennovelle - Anja Stephan

Es ist Frühling, doch der Winter hält noch einmal Einzug zu Ingrids Hochzeit. Das ist kein gutes Zeichen, findet sie. Ihre arrangierte Ehe mit Landwin soll den Frieden zwischen ihren Ländern besiegeln, jedoch hatte sich Ingrid eine andere Zukunft für sich vorgestellt. Während ihre Schwestern ihren Träumen folgen, kann sie sich nur schwer an den Gedanken gewöhnen, den Rest ihres Lebens als Erzherzogin zu verbringen. Und auch wenn ihr Zukünftiger das Idealbild eines Mannes darstellt, sieht sie schnell, dass sich ihre Herzen nicht füreinander erwärmen können. Das passende Herz findet sie dagegen in jemandem, von dem sie es nicht erwartet hätte.

Meinungen über das E-Book Schneeflockennovelle - Anja Stephan

E-Book-Leseprobe Schneeflockennovelle - Anja Stephan

Anja Stephan

Schneeflockennovelle

BookRix GmbH & Co. KG80331 München

Impressum

Schneeflocken-novelle

 

Anja Stephan

 

 

 

Copyright © 2018 Anja Stephan

c/o Papyrus Autoren-Club

R.O.M. Logicware GmbH

Pettenkoferstr. 16-18

10247 Berlin

 

Cover: Grit Richter, Art Skript Phantastik Design

Lektorat: Rohlmann & Engels, Chemnitz

ebook: Bookrix

 

Alle Rechte vorbehalten.

  

 

 

 

Inhalt

 

der nordwind pfeift,

wirbelnder schnee fällt zuhauf

sei gut zu mir, liebe mich,

fass meine hand, nimm mich bei dir auf.

 

 

Shi-King Chinesische Liedersammlung,

8. -6. Jh. v. Chr.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Neuschnee

 

Die Wolkendecke hing schwer und dunkel über Ingrids Zukunft. Sie stand in ihrem Zimmer und wurde auf den wichtigsten Tag in ihrem Leben vorbereitet. Eine Zofe hockte auf dem Boden und zupfte an ihrem Kleid herum. Eine andere zog an Ingrids Haaren und steckte die dunklen Locken zu einem Kunstwerk hoch. Sie arbeitete bereits seit einer Stunde daran herum und wahrscheinlich würde sie genauso so lange benötigten, um die Frisur wieder zu lösen.

Ingrid schob den Vorhang zur Seite und spähte neugierig aus dem Fenster. Der Hof war leer bis auf das Personal, das bereits in Reih und Glied vor dem Eingang wartete. Der Schnee war unberührt, doch bald würden die Gäste eintreffen und die Flocken der letzten Nacht aufwirbeln. Es war Frühling, aber der Schnee war noch einmal zurückgekommen. Letzte Woche hatten sie bereits in der Sonne auf dem Rasen gesessen und ein Picknick veranstaltet. Doch ausgerechnet zur ihrer Hochzeit begann es, wieder zu schneien und der Winter legte ihrer Welt ein kaltes weißes Band ums Herz.

Die Bediensteten schienen nervös zu sein. Ständig tanzte einer aus der Reihe, um sich aufzuwärmen.

Einige rieben sich die Hände und hauchten sie an, andere zupften und zogen an ihren Uniformen. Ingrid bemitleidete die Dienerschaft. Und sie wusste auch, dass sich ihre Eltern längst in der Empfangshalle positioniert hatten. Alle warteten auf die Gäste, die sich verspäteten. Ihr zukünftiger Ehegatte und seine Familie würden mit den Kutschen kommen müssen. Ein Automobil war bei dieser Witterung absolut ungeeignet. Das Schloss ihrer Eltern befand sich am Rande der Hauptstadt. Vor ihnen die labyrinthartigen Straßen, hinter ihnen der Wald.

»Hast du ihn gesehen?«, fragte Ingrid und schaute nach unten.

»Nur kurz bei den Verhandlungen und darüber habe ich Euch schon berichtet«, nuschelte Celeste zu ihren Füßen und starrte konzentriert auf den Saum ihres Kleides.

»Und wie findest du ihn?«

»Er sieht gut aus, finde ich.« Sie steckte die Nadel auf ein kleines Kissen, das an ihrem Handgelenk befestigt war.

»Na wenigstens etwas.« Ingrid seufzte schwermütig.

»Eure Schwester Mercia war sehr angetan von dem jungen Mann«, ließ Barbara hinter ihr verlauten und pikste ihr mit einer Haarklemme in die Kopfhaut. Ingrid zuckte zusammen und wollte mit der Hand ihren Hinterkopf abtasten, doch die Zofe klatschte ihr auf die Finger. Ingrid ließ die Hand sinken und hielt sich am Vorhang fest.

»Wenn Mercia ihn hübsch findet, kann er nur hässlich sein«, stellte Ingrid enttäuscht fest. Sie selbst kannte ihren Zukünftigen lediglich von den unscharfen Bildern, die die Zeitungen abdruckten. Sein Gesicht hatte direkt neben ihrem geprangt und sie wurden als das wunderschönste Paar der Geschichte bezeichnet.

In den letzten zwei Jahren war sie auf diese Vereinigung vorbereitet worden. Sie kannte seinen Stammbaum, die politischen Verhältnisse seines Landes, sogar sein Lieblingsessen und sie wusste, dass er im Krieg des Königs diente. Ein Soldat. Sie würde einen Soldaten heiraten. Das war nicht unbedingt das, was sie sich vorgestellt hatte.

Das Mädchen am Boden kicherte.

Ingrid war nicht zum Lachen zumute. Jedes Mal, wenn sie ein Treffen anberaumt hatten, war er in einem der vielen Krisengebiete gebraucht worden. Die Ehe war keine freiwillige Angelegenheit, sondern Bestandteil eines Friedensvertrags. Sie waren das Mittel, um einen Krieg beizulegen.

»Wie hieß er gleich?«

»Wie oft wollt Ihr den Namen noch vergessen?« Barbara trat ein paar Schritt von ihr weg.

»Landwin«, antwortete Celeste.

Ingrid rollte mit den Augen. »Landwin. Ingrid und Landwin. Klingt nicht gut.«

»Das sagt Ihr jedes Mal.«

Ingrid spürte, wie eine Haarklemme ihre Kopfhaut schrammte, und verzog das Gesicht.

Das Mädchen grinste, erhob sich und klatschte in die Hände. »In der Zeitung stand, er soll bei den Frauen beliebt sein.«

»Wahrscheinlich bei all seinen Mätressen.«

»Also bitte, nicht immer dieser Zynismus«, beschwerte sich Barbara.

Eine Kutsche fuhr in den Hof und schrieb ein Muster in den Schnee. Ingrid hielt den Atem an. Die Räder und das Dach waren aus Gold, der Rumpf dunkelgrün. Die Farben von Gelderburg. An der Tür ein riesiges Wappen mit Schwert und Zahnrad der Industrienation. Durch die Reihe der Diener ging ein Ruck, mit einem Mal bewegte sich niemand mehr.

Neben Ingrid quetschte sich Celeste vor das Fenster. Auch die Friseurmeisterin konnte sich nicht gegen ihre Neugier wehren. Nach der ersten Kutsche folgten weitere, die das Wappen von Gelderburg trugen. Nach und nach füllte sich der Hof. Die Nation allein benötigte schon einen großen Teil des Platzes. Und am Abend, wenn die Gäste zum Empfang kämen, würden sogar noch mehr Kutschen den Hof zustellen.

»Ich habe ein ganz mieses Gefühl«, raunte Ingrid.

»Das sagt Ihr auch jedes Mal.« Celeste schüttelte verständnislos den Kopf.

Ingrid seufzte laut.

Schließlich öffneten sich die Türen der ersten Kutsche.

Die drei Frauen hielten den Atem an.

Es klopfte an der Zimmertür.

»Herein!«, rief Ingrid, ohne den Blick vom Hof zu wenden. Ein breiter Hut wurde sichtbar, reich geschmückt mit einer Feder. Danach folgte ein Mann von beachtlichem Umfang.

Jemand trat in ihr Zimmer. »Die Gäste sind soeben eingetroffen. Ihr sollt Euch bereit machen.«

Aber Ingrid war zu ungeduldig und zu neugierig, bis zu ihrem Auftritt zu warten. Sie eilte in ihrem schweren Kleid die Flure entlang, hastete die Treppen hinunter und kam hinter einer Säule zum Stehen. Von dort aus würde sie die Halle gut überblicken und ein Auge auf ihren Zukünftigen werfen können.

Sie hatte gerade Position bezogen, da ging die Eingangstür auf. Ein einzelner Herold mit einem Stab in der Hand betrat die Halle und verkündete die Ankunft seiner Herrschaften. Ingrid konnte sich all die Titel nicht merken, die er herunter ratterte, als hätte er im Leben nichts anderes gemacht. Und kaum hatte er die letzte Silbe ausgesprochen, traten die Eltern ihres Zukünftigen ein. Die Erzherzogin war genauso schlank wie ihre eigene Mutter, sah aber jünger aus. Ingrids Mutter zählte bereits fünfzig Jahre, bemühte sich aber ständig, ihre jugendliche Erscheinung aufrecht zu erhalten. Die Erzherzogin von Gelderburg hatte ihr kräftiges dunkles Haar zu einem dicken Kranz geflochten, der wie eine Krone auf ihrem Haupt saß. Ingrids Mutter hatte ihre Haare zu einem kunstvollen Geflecht anordnen lassen. Ihre Bewegungen waren so erhaben, dass es aussah, als würde sie über den Teppich schweben.

Dagegen wirkte ihr Mann, als würde er stampfen. Ingrid wusste, dass er ein Kriegsheld war und neben ihrem Vater für den König gekämpft hatte. Allerdings hatte der Mann seine sportliche Gestalt, die er damals gehabt haben musste, längst eingebüßt – zumindest, wenn man den Erzählungen ihres Vaters Glauben schenkte. Er sah aus wie eine Kugel. Eine Kanonenkugel. Ingrid grinste breit. Die Verfeindung zwischen ihren Ländern war erst zustande gekommen, als sich Gelderburg immer schneller zu einer Industrienation entwickelt hatte und immer häufiger auf die Rohstoffe anderer Länder angewiesen gewesen war. Rothreich war an Rohstoffen reich, wollte aber nicht seine gesamten Ressourcen hergeben.

Die zwei jungen Männer, die hinter dem Paar folgten, konnte Ingrid nicht ausreichend begutachten, der Erzherzog versperrte ihr die Sicht.

Ihre Eltern traten vor und begrüßten freudig die Besucher. Anschließend gingen sie zusammen in den Saal, in dem die abschließenden Gespräche geführt werden sollten, bevor sie ihren Auftritt haben sollte und die Verträge unterzeichnet wurden. Dadurch erhielt sie freie Sicht auf die zwei jungen Männer. Sie waren beide gleich groß, nur hatte der eine dunkle Haare, der andere helle. Im Vorfeld hatte man ihr beigebracht, dass ihr Bräutigam einen älteren Bruder hatte, nur konnte man nicht auf Anhieb erkennen, wer der Ältere war. Einer von ihnen hatte sich mächtig herausgeputzt und trat in der offiziellen Uniform der königlichen Garde auf.

Der andere war eher unscheinbar gekleidet, beinahe bescheiden, als wolle er keine Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Sie tippte darauf, dass der Schönling ihr Bräutigam war, er kam der unscharfen Ablichtung in der Zeitung am nächsten. Dicht hinter den Eltern stolzierte er umher wie ein Zinnsoldat.

Sie hatte sich damals heimlich eines der Bilder in der Zeitung ausgeschnitten und in eine Schublade ihrer Frisierkommode gelegt. Ihre Schwestern beteuerten, er wäre ein sehr schöner Mann. Doch sie konnte sich einfach nicht für ihn erwärmen. Denn was würde ihr ein schönes Gesicht nützen, wenn er ein kaltes Herz hatte?

Ingrid verzog verzweifelt das Gesicht. Ein Zinnsoldat würde mit ihr bestimmt nicht auf Wanderschaft gehen oder sie auf die Jagd mitnehmen. Er würde ihr den Ring an den Finger stecken und ihre Aufgabe als erfüllt ansehen, sobald sie ihm einen Sohn geschenkt hatte. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte sie gehofft, sie könnte auch in einer Ehe frei sein und ihre eigene Welt entdecken wie ihre Schwestern es taten. Doch nun sah es ganz so aus, als würde sie den Rest ihres Lebens ein einsames Dasein fristen müssen. Sie opferte ihr Leben für den Frieden.

Sie reckte sich, um dem Weg der Familien zu folgen. Der dunkelhaarige Mann sah nach oben in ihre Richtung. Ihre Blicke trafen sich. Er blieb kurz stehen und sah sie stirnrunzelnd an. Ingrid reckte ihr Kinn vor. Der Mann ging weiter und verschwand im Zimmer, hinter ihm fiel die Tür ins Schloss.

Sie atmete aus und entspannte sich.

»Hast du deinen Bräutigam schon gesehen?«

Ingrid fuhr herum. Ihre Schwestern hatten sich ebenfalls hinter der Säule versammelt. Amalia spitzte süffisant die Lippen. Als einzige ihrer vier Schwestern hatte Amalia keine elegante Hochsteckfrisur erhalten. Das wäre auch etwas schwierig gewesen, denn sie trug ihre Haare seit der letzten Expedition kurz wie ein Mann. Ihr Vater hatte beinahe einen Herzinfarkt erlitten, als er seine Älteste bei ihrer Rückkehr hatte begrüßen wollen, und hatte mehrere Wochen versucht, sie von den Vorteilen einer langen, lockigen Haarpracht zu überzeugen. Ein Unterfangen, an dem er kläglich gescheitert war. Denn seit Amalia in den Genuss eines Kurzhaarschnitts gekommen war, lag ihr nichts ferner, als sich ihre Haare wieder wachsen zu lassen und sich damit wieder den Qualen durch den Hoffriseur auszusetzen. Außerdem hatte Ingrid ihre abenteuerlustige Schwester seither beinahe ausschließlich in Hosen gesehen. Dass sie heute ein Kleid trug, war ihrer Zuneigung geschuldet. Sie wollte die künftigen Schwiegereltern ihrer Schwester nicht verschrecken, indem sie in Männerkleidung auftrat.

»Ich beneide dich«, schwärmte Mercia und wischte Ingrid ein imaginäres Staubkorn von der Schulter. »So ein schöner Mann.«

»Du kannst gern mit mir tauschen.«

Lucrecia legte ihre Hand auf Ingrids Arm und lächelte aufmunternd. »Das wird schon alles gut werden.«