Schneegeschichten - Johannes Schweikle - E-Book
Beschreibung

In der Hitze der indischen Großstadt Mumbai fragt ihn Mister Pramod: 'Tell me, my friend: Was ist eigentlich Schnee?' Johannes Schweikle ist auf die Reise gegangen, um diesem wundersamen Stoff nachzuspüren. Herausgekommen ist ein Lesebuch mit Reportagen und Porträts. Sie erzählen von originellen Menschen aus der Eis- und Winterwelt: vom Erfinder des Skilifts im Schwarzwald, von den Helfern beim Abfahrtslauf in Kitzbühel. In Grönland begibt sich der Autor auf die Spuren von Fridtjof Nansen, der auf dem Umweg über die Arktis die Ski zu uns gebracht hat. In der Schweiz befragt er einen Schneeforscher über die Zukunft des Winters. In Norwegen muss er eine Nacht in einer Schneehöhle überstehen. In den Dolomiten besichtigt er die aberwitzigen Überreste des Winterkrieges im Hochgebirge. Facettenreich zeigt dieses Buch, wie sich Widersprüche unserer Zeit gewissermaßen im Schnee abbilden. Jedes Jahr erhoffen wir uns einen Rückweg in das Glück der Kindheit und wünschen uns weiße Weihnachten. Aber der Asphalt auf den Straßen soll bitte schwarz und trocken bleiben. Und für den Skiurlaub wird der Kunstschnee im Dreischichtbetrieb produziert …

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Seitenzahl:233

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Schneegeschichten

Johannes Schweikle

SCHNEE

GESCHICHTEN

Unterwegs zum vergänglichen Glück

Flipflops kann jeder

Erwartungen

Der Himmel ist hell. Die Sonne scheint in einem seltenen Licht, es leuchtet durchsichtig grau. Ein Mädchen fährt Fahrrad, mit Schwung nimmt es die Brücke zur Altstadt. Das Kind tritt energisch und beugt sich über den Lenker. Der Prinzessinnenwimpel, der es im Verkehr schützen soll, wedelt an seiner elastischen Stange hin und her. Auf dem Gehweg weicht ein Fußgänger erschrocken zurück. Der Vater, der auf einem Mountainbike hinter seiner Tochter herfährt, lächelt stolz.

Unvermittelt lenkt das Kind nach rechts, steigt ab, lehnt sein Rad ans Geländer und beugt den Kopf in den Nacken, soweit der lila Helm das zulässt. Es streckt beide Hände aus und schaut erwartungsvoll in den Himmel. Der schwarze Riemen spannt unter dem Kinn, aber das Gesicht strahlt, als die erste Flocke auf der Handfläche landet. Sie ist weich wie Flaum. Für einen Augenblick bekommt sie eine klare Form. Kurz leuchtet ein Stern, mit fein verästelten Strahlen. Die Flocken sind groß und schweben langsam vom Himmel. Sobald sie auf dem Fluss landen, verschwinden sie spurlos, das Wasser bleibt dunkelgrün und glatt.

»Können wir einen Schneemann bauen?«, fragt das Kind.

»Jonathan wartet«, sagt der Vater.

Ein Streifen weißer Samt legt sich auf das Geländer. Der Asphalt auf der Brücke bleibt schwarz. Ein Auto rollt über die feuchte Fahrbahn. Das Fahrzeug heißt Extra-Cross. In der Werbung fährt es in die große Freiheit abseits der Straßen. Seine Reifen sind walzenbreit, das Profil ist tiefschneetauglich, jedes Rad wird einzeln angetrieben. Es heißt, das Fahrwerk sei intelligent.

Auf der Brücke hat der Geländewagen nicht einmal Matsch zu bewältigen. Mit Eis ist nicht zu rechnen, der harte Bruder des Schnees bleibt fern. Aber der Mann am Steuer guckt grimmig auf die Zumutung, die vom Himmel auf seine beheizten Außenspiegel fällt.

Der Verkehrsfunk warnt vor Behinderungen auf der A 8, im Anschluss fragt die Moderatorin: »Könnt ihr euch mental noch auf Schnee einstellen?«

Außer dem Mädchen am Geländer hat niemand Zeit zum Staunen. Die Erwachsenen bewegen sich auf der Brücke wie Regentropfen, schnell und geradlinig. Das Kind versteht den Schnee. Die Flocken lassen sich treiben, manchmal ändern sie die Richtung.

»Der Klimawandel wird überschätzt«, schimpft eine Frau, »Weihnachten war wieder grün. Und jetzt das.« Sie kommt aus der Einkaufspassage, ist angezogen wie für eine Bergtour: Trekkingschuhe, Daunenweste, Rucksack mit Wildnistatze.

»Du bist ungerecht zum Winter«, sagt ihr Mann, »hast du den nassen August schon vergessen?« Er trägt den Korb: Spargel, Erdbeeren, Hasen in Lila und Gold.

Der schönste Schnee fällt kurz vor Ostern. Der Zauber, der so unverhofft vom Himmel schwebt, trifft auf ein ungnädiges Publikum. Es hat genaue Erwartungen an das Glück.

Nansens Gespür für Schnee

Die Abfahrt endet dort, wo der Schnee das Meer berührt. Der schmale Strand ist gerade mal eine Skilänge breit. Neben einem Büschel Algen steige ich aus der Bindung. Vor mir stakst Jens über glitschig grüne Steine und fängt an zu suchen. Sein dünner Bart, den er unter dem Kinn zu einem Zopf geflochten hat, weht im Wind.

Am Rand einer Eisplatte wird er fündig. Mit dem Taschenmesser öffnet Jens eine schwarze Muschel. Er löst das Fleisch aus der Schale, skeptische Blicke ringsum. Dann schlürft er Skifahrer die Meeresfrucht, verzieht genießerisch die Lippen und sagt: »Dafür lass ich jede Auster stehen!«

An dieser Küste ist die Welt auf Urformen reduziert. Es gibt nur das Meer und die Berge. Die Wellen branden an unberührten Schnee. Alles, was an Menschen erinnert, ist weit weg. Keine Straße führt zu diesem Ufer. Nirgendwo steht ein Haus oder eine Hütte, kein Sessellift kratzt an der Landschaft. Wir sind in der Arktis. In Grönland, hart am Polarkreis, gehen wir auf Skitour.

Der letzte Außenposten der Zivilisation hieß Maniitsoq. In dieser kleinen Siedlung an der Westküste stiegen wir aus einer feuerroten Propellermaschine. Bunte Holzhäuschen waren in den Schnee gesprenkelt, daneben standen Plattenbauten. Auf dem Friedhof ragten verwitterte Holzkreuze über ein graphitgraues Meer. Wir gingen an Bord eines Segelschiffs. Die »Rembrandt van Rijn« hat einen blauen Rumpf, drei Masten und einen Kapitän mit wetterfestem Vollbart. Für eine Woche wird dieses Schiff unsere schwimmende Hütte sein. Hinter den Bullaugen schlafen und essen wir, auf Meereshöhe brechen wir jeden Tag zu einer Skitour auf. Die Mannschaft, ein Expeditionsleiter und vier Bergführer kümmern sich um 25 Gäste.

Als Skifahrer bewegen wir uns an diesem Ufer zurück zu den Ursprüngen. Am 2. Mai 1888 brach der norwegische Polarforscher Fridtjof Nansen (1861–1930) zu einer Expedition nach Grönland auf. Mit fünf Gefährten wollte er diese 1.200 Kilometer breite Insel durchqueren. Er wusste nicht genau, was ihn hinter dem Küstengebirge erwartete. Ob diese terra incognita tatsächlich im Innern grün war, wie der Wikinger Erik, genannt der Rote, im 10. Jahrhundert behauptet hatte. Statt Palmen fand Nansen das Inlandeis. Es bedeckt ganz Grönland. Auch heute, in Zeiten des Klimawandels, ist dieser Eisschild an manchen Stellen noch mehr als drei Kilometer dick.

Im Rucksack habe ich den Reisebericht, den Nansen über seine Expedition geschrieben hat. Sehr gelassen schildert er die Strapazen der Stürme. Langsam und stetig bewegten sich die Pioniere durch die kalte Wüste, in der die Temperaturen auf 45 Grad unter Null sanken. Die Bärte der Männer hingen voller Eis und froren mit den Kapuzen zusammen. Weil das Wasser knapp war, verzichteten sie auf das Waschen, Kleider zum Wechseln schleppten sie auch nicht mit. Den Lesern in der Zivilisation erklärt Nansen: »Leider schulden wir es der Wahrheit, zu gestehen, dass wir uns ganz außerordentlich wohl dabei fühlten.«

1891 erschien das Buch in deutscher Übersetzung: »Auf Schneeschuhen durch Grönland«. Dieser Titel führt auf eine falsche Spur, denn Nansen benutzte keine Schneeschuhe im heutigen Sinne, sondern Ski. Diese norwegische Errungenschaft war damals außerhalb Skandinaviens kaum bekannt. Wohl deshalb griff der Übersetzer zu dem Wort »Schneeschuh«.

Nansen schreibt: »Die Ausführung der ganzen Expedition war auf die Überlegenheit der Schneeschuhe über jedes andere auf Schneeflächen in Anwendung kommende Beförderungsmittel begründet.« So ergab sich ein nicht zu unterschätzendes Nebenprodukt dieser Forschungsreise: Nansens Buch machte die Ski in Mitteleuropa bekannt. Auf dem Umweg über Grönland kamen sie zu uns. In Todtnau im Schwarzwald gründeten Pioniere noch im Erscheinungsjahr des Buchs den ersten deutschen Skiclub – und ernannten Fridtjof Nansen zum Ehrenmitglied.

Seit ich sein Buch zum ersten Mal gelesen habe, träume ich vom Schnee in Grönland.

Die Ski sind älter als das Rad. Bei einer Ausgrabung im Nordwesten Russlands fanden Wissenschaftler in Vis, einem Dorf in der Nähe von Sosnogorsk, Fragmente von Skiern. Sie datierten ihr Alter auf 8.300 Jahre. In China wurden Ski auf Felszeichnungen entdeckt, die älter sein sollen als 10.000 Jahre. Auf jeden Fall nahm die Entwicklung der Ski im 19. Jahrhundert in Norwegen eine entscheidende Wendung: Aus einem Gebrauchsgegenstand, den Jäger und Soldaten zur Fortbewegung nutzten, wurde ein Spaßgerät. Und Sondre Norheim wurde der erste Star des Skisports. 1825 in Morgedal in der Telemark geboren, wuchs er in einem Gelände auf, das für Skifahrer ideal ist. Der Vater war Bauer, seine Hütte lag am Waldrand. Der Hang unter dem Hof war abschüssig, aber nicht so steil wie das Hochgebirge.

Sondre Auversen Norheim tüftelte. Schließlich hatte er Ski, die in der Mitte tailliert waren. Eine Bindung aus geflochtenen Weidenruten gab auch der Ferse Halt. Diese beiden Details waren entscheidend. Sie machten es möglich, die Bretter kontrolliert zu bewegen. Und das konnte Norheim: 1868 gewann er in Oslo, das damals Kristiania hieß, den ersten landesweiten Skiwettbewerb der Norweger. Sondre Norheim war so ausdauernd, wie man es im Schnee sein muss. Aber er hatte auch die andere Eigenschaft, die jeder Skifahrer braucht: Er war mutig. Sein Mut hatte einen fließenden Übergang ins Tollkühne, der Kerl soll über die Dächer von Hütten gesprungen sein. Die Chronisten hielten seine Bestleistung fest: Von einer Schanze flog er 30,5 Meter weit.

Die Skifahrer aus der Telemark wurden zu den Helden des jungen Fridtjof Nansen. Als Abiturient gewann er das Skispringen in Kristiania. Vier Jahre später arbeitete er als Kurator in der zoologischen Abteilung des Museums von Bergen. Das Gebirge, das zwischen dieser Hansestadt an der Küste und Kristiania liegt, hielt Nansen für kein nennenswertes Hindernis. Er schnallte die Ski an und lief ein paar hundert Kilometer, um wieder am Springen in der Hauptstadt teilnehmen zu können. Diesmal gewann er nicht, die Zeitung »Bergens Tidende« vermerkte am 16. Februar 1884: »Fridtjof Nansen war nicht so gut disponiert wie ehedem; aber er war ja auch von Laerdal aus über die Berge gegangen und hatte nicht die erforderliche Zeit zum Ausruhen gehabt.« Solche Touren gaben Nansen das Selbstbewusstsein für Grönland. Für die Expedition wählte er den schwierigen Weg. Er ließ sich von einem Schiff vor der Ostküste absetzen. Doch bevor er das Ufer der Insel betreten konnte, musste er mit seinen fünf Kameraden in zwei lächerlich kleinen Booten einen Weg durch das Treibeis finden. Im Chaos der Schollen drifteten sie hilflos nach Süden, auf das offene Meer zu. Erst nach vier prekären Wochen auf Wasser und Eis konnte die eigentliche Reise an Land beginnen, am 15. August 1888.

Es wäre auch einfacher gegangen. An der Westküste gab es Außenposten der Zivilisation, dort liefen Schiffe regelmäßig eisfreie Häfen an. Doch aus psychologischen Gründen entschied sich Nansen für den Start an der öden Ostküste. Entwaffnend offen schreibt er: »Auf diese Weise brach man alle Brücken hinter sich ab, man hatte nicht nötig, die Mannschaft vorwärtszutreiben – die Ostküste würde kaum einen Einzigen zur Umkehr verlocken, während vor uns die Westküste lag, die uns mit allen Annehmlichkeiten der Zivilisation winkte und zu sich zog.«

Als die »Rembrandt« aus dem kleinen Hafen von Maniitsoq ausgelaufen ist, haben wir uns unter Deck eingerichtet. Wir sind in schmalen Doppelkajüten untergebracht. Zwei Betten übereinander. Wer oben schläft, kann nur runterklettern, wenn der untere Platz macht. Die Skistiefel stehen vor den Kabinen im Gang, aber niemand beklagt sich über die Enge. An Bord hat sich eine internationale Gruppe eingefunden: Larena aus Seattle, Delphine aus Südfrankreich, dazu die üblichen Tiefschneeverdächtigen aus Österreich, Deutschland und der Schweiz. Alle sind auf der Suche nach dem besten Schnee. Hannes aus Bayern ist auch schon in Japan Ski gefahren.

Am nächsten Morgen tönt um 7.30 Uhr die freundliche Stimme des Expeditionsleiters aus dem Lautsprecher über der Koje: »Guten Morgen, wir haben blauen Himmel, eine leichte Brise und sechs Grad minus«, sagt Christoph Gnieser, »um acht Uhr ist das Frühstück fertig.« An der Wand hinter dem Stockbett rasselt die Ankerkette, dann gluckert Wasser gegen den Rumpf. Unser Schiff nimmt Fahrt auf, über Nacht lag es in einer geschützten Bucht ohne Seegang vor Anker.

Kurz vor zehn gehen wir von Bord. Bis zum Ufer sind es keine 200 Meter. Aber dieser kurze Weg in den Schnee führt über das eisige Meer. Das Wasser hat gerade mal drei Grad. Wer hier hineinfällt und keinen Neoprenanzug trägt, erreicht das nahe Ufer nicht lebend. Jeder muss eine Schwimmweste über seine Skiklamotten ziehen, bevor er auf einer Leiter ins Schlauchboot klettern darf. Der Matrose von den Philippinen hat sein Gesicht bis zur Nase mit einem schwarzen Tuch vermummt, seine Augen schützt er mit einer dicken Skibrille. Weil das Wasser so kalt ist, riecht es nicht nach Salz und nicht nach Meer. Es riecht nach gar nichts. Bevor wir an Land dürfen, wird jeder von einem Bergführer gecheckt. Er prüft, ob das Lawinensuchgerät eingeschaltet und der Klettergurt angelegt ist. Als ich die Steigfelle unter meine Ski schnalle, sichert der Expeditionsleiter mit seinem Gewehr die Gruppe. Für den Fall, dass ein hungriger Eisbär um die Ecke biegt.

An dieser Küste gibt es kein Flachland. Die langsame Annäherung an das Gebirge entfällt. Keine Hügel, kein Vorgeplänkel, gleich am Meer türmen sich die Berge in den Himmel.Sie sind keine 2.000 Meter hoch,aber so ausdrucksstark wie Viertausender in den Alpen. Ein schroffes Massiv baut sich zu einem Doppelgipfel auf. Er sieht aus wie der Sattel für ein Riesenpferd. Die Berge lassen ahnen, mit welcher Gewalt der Sturm hier wütet. An einer steilen Flanke hat er den Schnee zu mächtigen Schuppen geformt. Oben am Grat ragt eine Wechte über die Felswand. Wie eine weiße Welle, die jeden Augenblick brechen kann. Der Meeresarm, an dem wir die Ski anschnallen, heißt Ewigkeitsfjord. Tiere sind hier so selten wie Menschen. Kein Eisbär kommt, eine Möwe landet auf einer Eisscholle, die durchsichtig aus dem Wasser glitzert. Im Schnee ist die Spur eines Polarfuchses zu sehen. Ansonsten ist er unberührt, die Kristalle glänzen wie silberne Pailletten in der Sonne. Nach zwei Stunden Aufstieg taucht plötzlich ein Schneehase auf. Kann sein, dass wir die ersten Menschen sind, die er sieht. Auf jeden Fall hat er keine Angst. Er bleibt mit angelegten Löffeln ruhig sitzen und beobachtet, wie ich mich zwei Skilängen vor seiner Nase bergauf bewege. Wer von uns beiden ist der Exot? Meine Pfoten sind merkwürdig lang, aber im Tiefschnee ungemein praktisch.

Ringsum ist es still. Keiner redet, der Bergführer spurt in stetigem Tempo. Ich denke kleine Gedanken vor mich hin, und niemand stört. Die ganze Welt hat sich auf zwei Farben reduziert: Weiß und Blau. Nichts Buntes lenkt ab von diesem großen Kontrast, kein Baum wirft einen Schatten. Der Schnee ist hier kein flüchtiges Glück, das morgen schon schmelzen kann.

Nach 1.000 Höhenmetern erreichen wir einen weitläufigen Sattel. Am Rand hat der Wind einen riesigen Kolk in den Schnee gefräst, in dem tiefen Spalt zwischen Gletscher und Fels leuchtet ein gewaltiger Granitbrocken rosa. Mit der Zeit entwickle ich ein Gespür für die Schattierungen. Der Himmel strahlt in einem tiefen Blau, das zum Horizont hin immer heller wird. In der Ferne, wo das Inlandeis wie ein Leintuch glatt über die Insel gezogen ist, wirkt das Licht fast weiß. Tief unter mir zeichnet der Ewigkeitsfjord eine dunkle Kontur in die Landschaft. Vor der Küste verlieren sich Schären im Meer, silbrig weiß. Eigentlich darf nur der, der die Farbe dieser Wellen gesehen hat, das Wort »marineblau« benutzen.

Über einen schmalen Grat geht es zum Gipfel. Keiner sagt: Ah, da vorne, der Großglockner! Der Berg hat keinen Namen, genauso wenig wie die meisten anderen Berge um uns herum. Ich fühle mich wie Nansen. Der hat einen Berg nach dem Geldgeber seiner Expedition benannt, Gaméls Nunatak.

Der Geschäftsmann Augustin Gamél war Däne. Er kannte Nansen nicht persönlich, aber im Gegensatz zu dessen Landsleuten glaubte er an sein Projekt. Die norwegische Regierung lehnte es ab, das riskante Unternehmen finanziell zu unterstützen. Eine norwegische Zeitung verhöhnte den Pionier vor seinem Aufbruch in die Arktis als lebensmüden Spinner: »Im Juni dieses Jahres wird Herr Konservator Nansen eine Vorstellung im Schneeschuhlaufen mit Weitsprung auf dem grönländischen Inlandseise geben. Feste Sitzplätze in den Eisspalten. Rückfahrkarten sind überflüssig.« Als die Expedition erfolgreich war, feierte Norwegen Nansen als Helden.

Es ist schön, dass der Mann, der schon vor dem Aufbruch an den Erfolg dieser Forschungsreise geglaubt hat, verewigt ist. Gaméls Nunatak ist 1.896 Meter hoch. Auf meiner Karte sind nur die herausragenden Gipfel Grönlands namentlich gekennzeichnet. Der höchste ist 3.694 Meter hoch und heißt Hvitserk, aber er ist weit weg. Der Berg, auf dem wir stehen, bringt es knapp auf 1.400 Meter. Zu Ehren der Französin in meiner Gruppe nenne ich ihn Col de la Delphine.

Wenn ich in den Alpen abseits der gewalzten Pisten fahren will, sitzt meistens eine Sorge unter der Mütze: Hoffentlich finde ich einen unverspurten Hang für die Abfahrt. Wenn es über Nacht geschneit hat, stürzen sich die Powderfreaks am Morgen auf die erste Gondel. Spätestens um elf sind am Arlberg rund um St. Anton alle schönen Hänge zerpflügt. Aber am Col de la Delphine gibt es keinen Lift und keine Seilbahn, deshalb liegt auch am frühen Nachmittag ein endlos langer Hang unberührt unter uns. Wir ziehen die Steigfelle ab, ich hole mein Wurstbrot aus dem Rucksack und trinke in aller Gemütsruhe Tee. Es kann uns ja keiner in die Quere kommen. Wir haben den Berg für uns allein. Ach was, nicht nur den Berg: das ganze Gebirge!

Ich mache Rast im unbekannten Land. Diese Wildnis ist ein Paradies. Der Schnee hat alles mit einer weichen Hülle überzogen, Staub und Stolpersteine sind verschwunden. Die weiße Weite wirkt grenzenlos. Und der Wind ist still. Die Sonne scheint so warm, dass die Handschuhe am Rucksack baumeln. Die Ärmel habe ich bis über die Ellbogen hochgekrempelt. Es ist Ende April, der arktische Winter zeigt sein freundliches Gesicht.

Bei der Abfahrt wirkt der Hang, als ob ein Gatter geöffnet würde. Ein Rudel, das lange eingepfercht war, tobt los. Ringsum die pure Lust an der Bewegung. Ich kann fliegen. Für einen Moment sind beide Ski in der Luft, dann tauchen sie ein in den Tiefschnee, der bis zur Hüfte stiebt, pressen ihn zusammen und heben wie auf einem Trampolin wieder ab. Ich gleite einen Berg hinunter, der mit luftig geschlagener Sahnecreme überzogen ist.

Der obere Teil der Abfahrt lag im Schatten. Plötzlich schwinge ich in die Sonne. Das Licht wirkt so intensiv wie eine Explosion. Ich fahre mich in einen Rausch, und den anderen geht es genauso. Beim Abschwingen drücken Männer ihre Ekstase in Einwortsätzen aus:

Wahnsinn. Geil. Ein Schweizer sagt: Huere guet.

Vielleicht 100 Meter über dem Strand hält der Bergführer an, greift zu seinem Funkgerät und gibt durch: »Rainer an Brücke – wir brauchen in zehn Minuten das Schlauchboot.« Der Kapitän bestätigt, kurz darauf leuchtet ein orangefarbener Punkt auf dem dunklen Fjord. Das ist die Allwetterjacke des Matrosen, der uns abholen kommt.

An Bord der »Rembrandt« besorgt sich Jens in der Kombüse eine Zitrone. Am Strand hat er ein paar Dutzend Miesmuscheln gesammelt, gemeinsam mit Wolfgang und Michael knackt er sie. Dazu trinken sie einen fruchtigen Sancerre. Wer keine rohen Meeresfrüchte mag, setzt sich mit einer Dose Bier an Deck, streckt die Beine Richtung Reling und blinzelt in die Sonne. Larena aus Seattle schwärmt: »Wir haben erst ein bisschen an den Möglichkeiten gekratzt. Hier gibt es noch so viel unbefahrenes Gelände!«

Manuel aus der Schweiz erzählt, wie er in den Alpen unter eine Lawine kam. Es brauchte einige Operationen und viel Zeit, bis er sich wieder frei bewegen konnte. Jetzt glänzen seine Augen von der Abfahrt vom Col de la Delphine. Er sagt: »Ich habe gemerkt, dass ich dem Schnee nicht böse sein muss.«

Eine dünne Eishaut schimmert auf dem Fjord. An seinem Ende ragt ein Gletscher über das Wasser. Wild zerklüftet, aber freundlich hellblau. Die Eisblöcke sind so groß wie Hochhäuser, Käptn Sven hält Respektsabstand.

Während wir im Schnee waren, hat die Mannschaft das Schiff geschrubbt. Die Kajüten sind so sauber, dass alle Hüttenwirte der Alpen staunen würden. Jede Kabine hat eine eigene Dusche. Das Wasser kommt so heiß, dass ich aufpassen muss, mit dem Dampf nicht den Rauchmelder auszulösen. An der Leiter des Stockbetts hängen Socken und Steigfelle, die Lüftung an Bord funktioniert erstaunlich gut. Die nassgeschwitzten Innenschuhe meiner Skistiefel gebe ich ab, sie werden über Nacht im Maschinenraum getrocknet.

Zum Abendessen gibt es grönländischen Heilbutt, als Nachtisch wird Pannacotta serviert. An allen Tischen ist die Stimmung aufgekratzt. Bei Rotwein werden Aufstieg und Abfahrt diskutiert. Gegen halb zehn steht die Sonne so tief, dass gleißendes Licht durch die Bullaugen fällt. Es blendet, einer steht auf und schließt die Klappen aus Gusseisen, die man sonst nur bei schwerem Seegang braucht.

Draußen treibt ein kleiner Eisberg vorbei. Er leuchtet wie durchsichtiges Glas. Die Berge am Ufer glühen rot, rosa Wolken ziehen über den klaren Himmel der Arktis. Es ist Ende April, erst nach Mitternacht wird es dunkel.

An der Bar steigt die Stimmung. Ich setze mich mit Nansen in eine ruhige Ecke. Frei von aller Larmoyanz beschreibt er die Leidensbereitschaft, mit der er seine Grönlandexpedition überstand. Eisern rationierte er die Lebensmittel. Es gab hauptsächlich Knäckebrot und Trockenfleisch, den Höhepunkt der Mahlzeiten bildete die Fettration: Pro Woche bekam jeder ein halbes Pfund Butter zugeteilt. Aber die Kalorien reichten nicht. Otto Sverdrup fragte Nansen, ob er die Stiefelschmiere trinken könne – sie bestand aus gekochtem Leinöl. Sein Kamerad Samuel Johannessen Balto wurde an keinem einzigen Tag satt. Ole Nielsen Ravna, ein schweigsamer Rentierzüchter aus Lappland, versank in trübe Stimmung. Er ließ alle Hoffnung fahren, jemals wieder seine Heimat zu sehen.

Fridtjof Nansen erreichte am 3. Oktober 1888 die Westküste Grönlands. Er hatte Pech: Das letzte Schiff war gerade Richtung Europa abgesegelt. Das nächste würde erst im Frühjahr kommen, also mussten die Teilnehmer seiner Expedition einen langen, dunklen Winter in Godthaab verbringen, der heutigen Inselhauptstadt Nuuk. Dieser Hafen liegt ein paar Fjorde südlich von uns.

Nansen haderte nicht. Er ließ sich auf das Leben der Inuit ein. Sie zeigten ihm, wie man mit einem kleinen Kajak den großen Heilbutt fängt. Dieser Fisch wird ein paar Hundert Kilo schwer. Wenn einer angebissen hatte, wählte der Inuit eine archaische Technik: Weil er beide Hände zum Paddeln brauchte, nahm er die Leine zwischen die Zähne und schleppte so den schweren Fang an Land.

»Unwillkürlich fühlt man sich wohl in der Gesellschaft dieser Menschen«, schreibt Nansen. »Ihr unschuldiges Wesen, ihre anspruchslose Zufriedenheit und Güte wirken ansteckend und vertreiben allen Missmut, alles unruhige Sehnen.« Den Winter in Grönland empfand er als glückliche Auszeit. »Es ist so frisch hier draußen am Rand des Meeres«, notiert er am 28. Februar 1889. »Die menschliche Gesellschaft, ihre großen Gedanken und ihr großes Elend – alles liegt gleich fern – nur das Gefühl der Freiheit, die reine Freude am Leben ist geblieben.«

Vieles von diesem Grönlandgefühl hat sich gehalten. Eine große Ruhe liegt über dem Ewigkeitsfjord, die Grundgeräusche des Alltags dringen nicht hierher. Kein Smartphone klingelt, unser Schiff schwimmt fernab der digitalen Netze. Wir segeln mit dem Rücken zur Welt, niemand wischt auf seinem Computer herum. Macht Putin die Ukraine platt? Wie hat Bayern gegen Madrid gespielt? Keiner tippt beim Essen schnell mal eine SMS.

Wie wird die Rückkehr in die Zivilisation?

Am 30. Mai 1889 kehrte Fridtjof Nansen im Triumph nach Norwegen zurück. Das halbe Volk stand an der Küste, die ganze Hauptstadt jubelte dem Schiff zu, das die Helden aus Grönland zurückbrachte. Ole Nielsen Ravna, der stille Mann aus Lappland, stand an der Reling, schaute skeptisch auf die Menschen und sagte: »Ja, sehr hübsch – wenn es nur alles Rentiere wären!«

Die Inuit sind toll

Wenn ich erzähle, dass ich an einem Schneebuch schreibe, kommt ziemlich schnell der Hinweis: Die Inuit haben ja 30 verschiedene Wörter für Schnee! Manchmal fällt die Zahl noch größer aus. Hin und wieder höre ich von 40 oder 50 unterschiedlichen Wörtern. Der Rekord in der Welt meines Hörensagens liegt bei 100. Aber egal – in jedem Fall schwingt Bewunderung mit für die Völker des arktischen Nordens.

Das ist nett gemeint. Doch in der Sache ist es falsch.

Dieser Irrtum der Moderne kam folgendermaßen zustande: Im 19. Jahrhundert wähnte sich Europa hoch erhaben über die primitiven Eingeborenen des Eises. Als Fritjof Nansen nach Grönland fuhr, erlebte er protestantische Missionare, die den Inuit ihre heidnischen Sitten austreiben wollten. Besonders streng waren die Deutschen aus Herrnhut – sie verboten das Tanzen. Nansen schüttelte fassungslos den Kopf. Wie kann man das größte Vergnügen eines Volkes, das gegen Hunger und Kälte ums Überleben kämpft, zur Sünde erklären?

Im selben Jahrzehnt wie Nansen brach der deutsche Geograph Franz Boas (1858–1942) zu einer Expedition in die Arktis auf. Er lernte Inuktitut, die Sprache der Inuit. Nach seiner Rückkehr stülpte er als Wissenschaftler das Denken seiner Zeit um. Jede Kultur ist relativ und aus sich selbst heraus zu verstehen, sagte Boas. Es gibt nicht den großen Maßstab des weißen Mannes, mit dem er die Zivilisation anderer Völker messen könnte.

Franz Boas wurde Professor für Anthropologie an der Columbia University in New York. Die Inuit waren für ihn keine unterentwickelten Menschen – ganz im Gegenteil. Er zeigte, wie sich die Lebensweise der Nomaden des Nordens in ihrem Vokabular widerspiegelt. Im Jahr 1911 erklärte Boas, dass an der Stelle, wo der Engländer nur das Wort »snow« kennt, der Inuk vier unterschiedliche sprachliche Bedeutungseinheiten unterscheide: Schnee am Boden, fallender Schnee, driftender Schnee und Schneewehe.

So kam ein populärer Irrtum in die Welt. Landauf, landab wird er als wissenschaftliche Erkenntnis gehandelt. Wer behauptet, die Inuit hätten 34 oder meinetwegen auch 69 Wörter für Schnee,übersieht einen wichtigen Umstand: Die Eskimosprachen sind polysynthetische Sprachen. Das heißt: Wenn ein Deutscher von »gerade frisch gefallenem Schnee« spricht, verbindet der Inuk diesen komplexen Ausdruck zu einem Wort.

Es ist schön, dass die Eskimos sich so genau mit dem komplizierten Stoff befassen, der ihr Leben prägt. Und es ist schön, dass wir nicht mehr auf sie herunterschauen. Aber es wäre ein Fortschritt, mit der Verklärung der Inuit, Kalaallit und Yupik aufzuhören. Denn trotz Zentralheizung ist unsere Wahrnehmung der Natur auch wieder nicht so minderbemittelt, dass wir nur ein Wort für Schnee hätten.

Ich fang mal an: Sulz – Harsch – Firn –

Schnee, der den Weihnachtstruck von Coca-Cola zudeckt.

Herr Holle

Im November klingt Ischgl so: Fräse. Rüttler. Kreissäge. Eine Straße weiter: Bohrmaschine. Akkuschrauber. Druckluftpistole. Außer den Handwerkern ist kaum jemand im Dorf unterwegs. Alle Bars und Clubs, denen dieser Skiort seinen Ruf verdankt, haben geschlossen. Eine Stretchlimousine versperrt den Eingang zum »Pacha«. Sie macht Werbung für ein Getränk, das irgendwas mit Paris Hilton zu tun hat. Auf der schwarzen Motorhaube liegt der erste Schnee. Zirka fünf Zentimeter. Das Auto ist nicht für den Verkehr zugelassen. Ohne Nummernschild steht es vor der goldenen Tür.

Nur ein Hotel hat geöffnet. Ischgl liegt in Tirol, aber das Hotel heißt »Nevada«. Aus der Dusche kommt das Wasser braun und lauwarm. Der Wirt sitzt an der Bar, der Klempner sitzt neben ihm, aber der Wirt sagt: »Jo eh.«

Dreihundert Meter höher fährt Herr Holle mit seinem Allrad-Pickup durch 30 Zentimeter Pulverschnee. Er zeigt auf eine Kapelle und sagt: »Im Herbst machen wir immer eine Wallfahrt. Zur Muttergottes bei der Mittelstation.«

Beten Sie um Schnee? »Das jetzt nicht«, sagt Herr Holle.

Auf der Gampenalp, im Skigebiet von Ischgl, steigt er aus und stapft zielsicher zu einem Blechdeckel mitten in der Wiese. Er klappt ihn auf und steigt in einen schmalen Schacht. Unten öffnet er ein Ventil, dann zischt es. So laut wie bei einer Explosion, aber nicht so kurz. Minutenlang liegt der Lärm in der Luft. Im Hintergrund steht eine Heuhütte, neben dem Schacht ragt eine Lanze silbrig in den grauen Himmel.

Herr Holle heißt Erich Rudigier. Er ist der Chef der Schneemacher von Ischgl. Auf der Gampenalp muss er ein Problem lösen: Eine der zehn Meter hohen Lanzen lässt keinen Kunstschnee auf Piste 38 rieseln, weil ein Ventil undicht ist. Bevor er dieses auswechseln kann, muss er den Druck aus der Leitung ablassen. Deshalb der Lärm. Der Mann, den sie hier den Schneichef nennen, ist fast genauso alt wie das Skigebiet von Ischgl: Jahrgang 1960. Auch wenn er in der Pumpstation arbeitet, wo der Lärm noch lauter ist, trägt er nicht die Ohrenschützer, die in einem Kästchen an der Wand hängen. Die grau melierte Wollmütze muss reichen. Darunter sieht man schmale Augen und einen braunen Schnauzer.Der schwarze Skianzug, den alle Arbeiter der »Silvretta Seilbahn AG« tragen, hat auf der Schulter einen roten Streifen. Die Farbe ist von der Sonne ausgebleicht.

Der November ist für Herrn Holle der wichtigste Monat. Jetzt arbeiten 15 Mann in seinem Schneikommando. Im Dreischichtbetrieb rund um die Uhr. Am Ende des Monats will Ischgl den Winter mit einem Popkonzert eröffnen. Auf dem Parkplatz neben dem Dorf werden 20.000 Gäste erwartet.Nicht auszuschließen,dass die vor oder nach der Party tatsächlich Skifahren wollen. Da kann sich Ischgl nicht auf die Natur verlassen. Wer seiner Kundschaft alpinen Lifestyle verspricht, muss mehr als 30 Zentimeter Neuschnee bieten.

Ischgl liegt im engen Paznauntal, 1.377 Meter hoch. Ursprünglich führte von diesem Bergdorf kein fahrbarer Weg ins Inntal und nach Tirol. Nur über einen Weg nach Westen war Ischgl mit der Welt verbunden. Doch in der Kleinen Eiszeit dehnte sich der Jamtaler Ferner so weit aus, dass dieser Weg nicht mehr mit Pferden zu passieren war. Im 18. Jahrhundert kam der bescheidene Handel zum Erliegen, das Tal konnte seine Bewohner nicht mehr ernähren. Um nicht zu verhungern, verschickte Ischgl Schwabenkinder: Wer älter war als fünf Jahre, musste im März über das verschneite Gebirge marschieren, um sich den Sommer über als Arbeitskraft auf einem Bauernhof in Oberschwaben zu verdingen. Wer Glück hatte, wurde im November mit einem doppelten Satz Kleidung und ein paar Gulden wieder nach Hause geschickt. So ging das bis nach dem Ersten Weltkrieg.