Schokolade macht schlau und andere Medizinmythen - Marleen Finoulst - E-Book

Schokolade macht schlau und andere Medizinmythen E-Book

Marleen Finoulst

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Beschreibung

Schokolade macht schlau und andere Medizinmythen Ist glutenfreie Ernährung ungesund? Haben Frauen, die gut schlafen, besseren Sex? Hilft Gin wirklich beim Abnehmen? Ist Kaffee nun gesund oder ungesund? Hilft Hühnerbrühe gegen Erkältungen? Werden Sie ständig von erstaunlichen Gesundheitsmeldungen überrascht? Ein gesundes medizinisches Alltagswissen In "Schokolade macht schlau" klärt Stiftung Warentest Gesundheitsmythen auf, mit denen wir täglich in den Medien konfrontiert werden. Für dieses Buch wurden eine Vielzahl gegenwärtig kursierender Medizinmythen zusammengetragen: Die Autoren, Ärzte und Mitarbeiter des belgischen Zentrums für Evidenzbasierte Medizin, prüfen ihren Wahrheitsgehalt und zeigen locker und unterhaltsam, was wirklich in den Studien hinter den Meldungen steht.

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Marleen Finoulst, Patrik Vankrunkelsven

Schokolade macht schlau und andere Medizin­mythen

Inhalt

Beeinflusst Musik unseren Geschmackssinn?

Macht eine Woche ohne Facebook glücklicher?

Schädigen Kopfbälle das Gehirn?

Schützen drei bis vier Tassen Tee am Tag vor Demenz?

Ist glutenfreie Ernährung ungesund?

Schadet eine Kniearthroskopie mehr, als sie hilft?

Beseitigt Sport die negativen Auswirkungen von Alkohol?

Ist es gesund, jeden Tag kalt zu duschen?

Helfen Granatäpfel gegen das Altern?

Braucht man bei Geburten im Wasser keine Betäubung?

Haben Frauen, die gut schlafen, besseren Sex?

Helfen Fitness-Armbänder beim Abnehmen?

Helfen E-Zigaretten dabei, das Rauchen aufzuhören?

Hilft Hühnerbrühe gegen Erkältungen?

Sollten wir öfter kurz vom Schreibtisch Aufstehen?

Wie viele Eier Pro Woche sind Gesund?

Fördert Bewegung auch die Geistige Fitness?

Hält ein Hund Senioren Fit und gesund?

Verhindern Mundmasken das Eindringen von Feinstaub?

Reicht es, sich nur am Wochenende zu bewegen?

Ist ein Glas Bier oder Wein pro Tag schon ungesund?

Ist Honig gesünder als Zucker?

Machen Nudeln doch nicht dick?

Ist Rosmarin gut fürs Gedächtnis?

Bringt der Einsatz von Zahnseide einen Nutzen?

Ist abgepackter Salat ungesünder als lose Ware?

Gesund abnehmen mit einer fettreichen Diät?

Kann man mit Sudoku sein Gedächtnis trainieren?

Können Medienberichte der Gesundheit schaden?

Macht Stress dick?

Verlängern ein paar Nüsse am Tag das Leben?

Führt Schlafmangel zu Übergewicht?

Leben Grosseltern, die ihre Enkel betreuen, länger?

Machen Getränke mit Kohlensäure dick?

Entwickeln Sich Kinder mit Haustieren Gesünder?

Helfen Probiotische Joghurts bei Demenz?

Leiden Pfadfinder seltener unter Depressionen?

Sollten Vier Monate alte Babys Alleine Schlafen?

Erhöht Bildschirmaktivität Diabetesrisiken Bei Kindern?

Erhöht Stress bei Schwangeren das ADHS-Risiko?

Erhöhen Antibiotika das Darmkrebsrisiko?

Erhöht das Wohnen an der Strasse das Demenzrisiko?

Schaden Handys der Spermaqualität?

Schützt Das Radfahren Vor schweren Erkrankungen?

Können Mobiltelefone Hirntumore verursachen?

Verursacht eine Pille gegen Haarausfall Impotenz?

Verursachen Erfrischungsgetränke Diabetes?

Hilft ein gesunder Lebensstil Demenz vorzubeugen?

Ist die Kombination Alkohol und Energydrinks Riskant?

Welchen Effekt hat Ernährung auf die Gesundheit?

Was sind die besten Mittel bei Erkältung?

Macht zu wenig Schlaf hässlich?

Macht Gin dünn?

Macht Schokolade schlau?

Werden Hypochonder Schneller Krank?

Fördert Übergewicht elf Krebsarten?

Sind Gesundheits-Apps ein Gewinn für die Medizin?

Ist Händewaschen mit kaltem Wasser effektiv?

Stört Bildschirmaktivität Den Schlaf von Kindern?

Schaden Amalgamfüllungen Der Gesundheit?

Haben fitte Frauen ein geringeres Demenzrisiko?

Macht eine lange Schul- und Studienzeit kurzsichtig?

Machen Antidepressiva dick?

Nachwort

Glossar

Impressum

Einleitung

Kann ein umgedrehter Metalllöffel verhindern, dass der Inhalt einer Sektflasche schal wird? Nein, denn bei vergleichenden Studien findet sich kein Unterschied bei der Anzahl der Kohlensäureperlen in geöffneten Sektflaschen, die mit einem Löffel versehen wurden, und bei denen, in denen keiner steckte. Um zu wissen, ob eine Behauptung richtig oder falsch ist, muss sie untersucht werden – am besten in einer vergleichenden Analyse. Das Wiegen und Messen halb voller Sektflaschen hat ergeben, dass ein Löffel im Flaschenhals keine Auswirkung auf den perlenden Effekt des Inhalts hat. Messen ist Wissen: Was für den Metalllöffel-Mythos gilt, trifft auch auf viele Behauptungen und medizinische Behandlungsweisen zu. Zur Überprüfung einer Behauptung bieten vergleichende Studien die beste Basis. Diese Studien müssen von guter wissenschaftlicher Qualität sein: objektiv, kontrolliert, und die untersuchten Effekte sollten am besten mit einer Kontrollgruppe verglichen werden.

Solche wissenschaftlichen Studien bilden die Grundlage für die sogenannte evidenzbasierte Medizin, kurz EbM. Damit ist eine Heilkunde gemeint, die sich auf wissenschaftliche Belege stützt.

Die Ergebnisse wissenschaftlicher Studien finden auch ihren Weg zu den zunehmend kritischen Patienten und Bürgern, die leider immer wieder von sensationsheischenden Medienberichten auf die falsche Fährte gelockt werden. Befunde aus Studien werden dort allzu häufig übertrieben dargestellt – sowohl von den Berichterstattern als auch von den Forschern. Journalisten stehen unter Zeitdruck, Forscher unter Veröffentlichungsdruck. Die Wissenschaftler stellen aus diesem Grund ihre neusten Erkenntnisse gern ins Rampenlicht und spannen manchmal sogar eine Public-Relations-Agentur vor ihren Karren, um die breite Masse zu erreichen. So kommt es, dass eine Studie über „die Auswirkungen von Alkohol auf das Suchverhalten von Mäusen in einem Labyrinth“, die garantiert keine Presseaufmerksamkeit erzielen würde, von einer Public-Relations-Agentur beschrieben wird als Studie, die zeigt, dass „Champagner gut für das Gedächtnis“ ist. Oder man liest, dass ein Ei täglich das Wachstum von Kindern anregt, obwohl dies nur bei Kindern in Entwicklungsländern getestet wurde, bei denen ein Wachstumsrückstand durch Unterernährung festgestellt worden war.

So bekommen medizinische Studien regelmäßig einen kleinen Dreh, der Aufmerksamkeit wecken soll, und landen später als undifferenzierte Nachrichten in den Medien. Harmlos ist das nicht. Ungenaue oder falsche Gesundheitsinformationen können weitreichende Folgen haben wie Geldverschwendung, unnötige Ängste und überflüssige Behandlungen.

Glauben Sie beispielsweise, dass Wundermittel zur Fettverbrennung Ihrem Bauch oder Ihrem Doppelkinn zu Leibe rücken, geben Sie vielleicht unnötig Geld aus. Sind Sie der Meinung, Sie müssten eine Detox-Kur machen, um Giftstoffe aus Ihrem Körper zu befördern, haben sie sich zu 100 Prozent hereinlegen lassen, denn solche Kuren sind blanker Unsinn. Vielleicht haben Sie gelesen, dass Deodorants Brustkrebs verursachen, Milch schädlich für die Gesundheit ist oder in Flugzeugen allerlei Giftstoffe durch die Luft schwirren, dann macht Ihnen das unnötig Angst. Angenommen, Sie glauben als frischgebackene Eltern, eine Impfung gegen Masern verursache Autismus, und lassen deswegen Ihr Kind aus den besten Absichten heraus nicht impfen – dann gehen Sie das Risiko ein, dass es später vielleicht einen Hirnschaden aufgrund einer Maserninfektion erleidet. Besonders Kleinkinder sind in Deutschland aus Forschersicht noch immer unzu­reichend gegen Masern geimpft, die Masernfälle haben sich verdreifacht. Bundesweit erkrankten 2015 nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) knapp 2 500 Menschen an Masern.

Was ist wahr und was nicht? Wer kann noch unbesorgt ein Glas Wein trinken, von einem zweiten gar nicht zu reden? Bei der Vielzahl an Informationen zu Gesundheitsthemen ist es heute nicht einfach, die Spreu vom Weizen zu trennen. Kürzlich fragte ein wirklich kluger Kollege, ob es noch in Ordnung sei, Milch zu trinken, er habe irgendwo gelesen, Milch sei ungesund. Seine Eltern haben sich diese Frage wahrscheinlich nie gestellt. Doch heute scheint vieles, das früher als sicher galt, ungewiss.

Institutionen wie die Stiftung Warentest in Deutschland und das Zentrum für Evidenzbasierte Medizin (CEBAM) in Belgien helfen, die Nachrichten zum Thema Gesundheit zu verstehen. Denn die Flut an Informationen erzeugt viel Verwirrung, was dazu führt, dass eine Menge Unsicherheit zu dem Punkt, was überhaupt gesund ist, herrscht. Nachzulesen sind die von Experten geprüften Informationen unter anderem auf den Internetseiten der Institutionen.

Das Internet ist heute zur wichtigsten Quelle für Gesundheitsinformationen geworden: Viele Menschen ziehen Doktor Google zurate und informieren sich online über Krankheiten und Medikamente. Studien zeigen, dass über die Hälfte der Gesundheitsinformationen im Internet falsch, übertrieben, kommerziell gefärbt oder überholt sind. Früher war der Hausarzt die am häufigsten zurate gezogene Quelle für Fragen zur Gesundheit, heute googeln wir. Das scheint einfacher, preiswerter und vor allem weniger zeitraubend zu sein. In der Realität hat die Internetrecherche auf eigene Faust jedoch eine Menge Nachteile gegenüber einem Gespräch mit einem Arzt oder Apotheker. Eigentlich bräuchten Patienten eine Gebrauchsanleitung für zielgerichtetes und kritisches Googeln nach Krankheitssymptomen.

In diesem Buch finden Sie eine Auswahl der interessantesten Artikel der Website der CEBAM. Die Artikel nehmen Bezug auf Meldungen, die es in die Nachrichten schafften und die Experten für Sie analysieren und kritisch unter die Lupe nehmen, damit Sie genau wissen, wie Sie diese Nachrichten interpretieren müssen. Beim Lesen erfahren Sie nicht nur Spannendes und Wissenswertes, sondern auch, wie Sie generell kritisch mit Gesundheitsberichten in den Medien umgehen.

Wer oder was sind Stiftung Warentest und CEBAM?

Die Stiftung Warentest wurde 1964 auf Beschluss des Deutschen Bundestages gegründet. Sie führt mit wissenschaftlichen Methoden vergleichende Tests von Waren und Dienstleistungen durch. In einigen Bereichen, etwa bei Impfungen und Medikamenten, kommen auch Methoden der evidenzbasierten Medizin zum Einsatz.

Das belgische Zentrum für Evidenzbasierte Medizin (Centrum voor Evidence-Based Medicine, CEBAM), das die in diesem Buch zusammengestellten Studien analysiert und bewertet hat, ist ein medizinisch-wissenschaftliches Institut, das über seine Internetseite Ärzten und Pflegekräften hilft und sie dazu ermutigt, in ihrer täglichen Praxis evidenzbasiert zu arbeiten.

CEBAM ist zudem der belgische Zweig der internationalen Cochrane Collaboration, eines riesigen Netzwerks von Wissenschaftlern in der ganzen Welt, das sich zum Ziel gesetzt hat, Medizin auf der Basis aussagekräftiger wissenschaftlicher Belege weiterzuent­wickeln. Der aktuelle Direktor Patrik Vankrunkelsven ist Koautor dieses Buchs.

Sowohl CEBAM als auch die Stiftung Warentest greifen Medienberichte auf, tragen Studien und Fakten zusammen und relativieren mit ihren Untersuchungen übertriebene Hoffnungen ebenso wie überzogene Ängste.

+++ Ob uns etwas schmeckt oder nicht, wird von einer Menge Faktoren bestimmt. Nicht nur Geschmack, auch Duft, Mundgefühl, Temperatur und Aussehen beeinflussen uns. Eine neue Studie behauptet, auch die Musik spiele eine Rolle dabei, wie uns etwas schmeckt.+++

Beeinflusst Musik unseren Geschmackssinn?

Forscher aus den Niederlanden, Belgien und Großbritannien haben überprüft, welchen Einfluss Musik auf die Beurteilung des Biergeschmacks hat. Dazu wurden 340 Freiwillige einem Geschmackstest unterzogen. Die Teilnehmer probierten zweimal dasselbe Bier, hörten dabei aber unterschiedliche Musik. Eine weitere Gruppe beurteilte den Biergeschmack, ohne Musik zu hören.

Die Teilnehmer wussten nicht, dass sie zweimal dasselbe Bier testeten. Sie sollten auf einer Punkteskala angeben, ob es ihrer Ansicht nach süß, bitter oder sauer schmeckte und ob es ihrer Ansicht nach viel oder wenig Alkohol enthielt. Die Geschmackstests fanden in einer möglichst neutralen Umgebung statt.

Hörten die Teilnehmer bei der Bierprobe Musik mit hohen Tönen (fröhliche Musik, die ihnen gefiel), schmeckte ihnen das Bier süßer, als wenn sie Musik mit schrägen Tönen oder vielen Bässen hörten. Basslastige Musik führte dazu, dass sie den Alkoholprozentsatz höher schätzten und das Bier bitterer fanden.

In einem Experiment mit Schokoladeneis kam man zur gleichen Schlussfolgerung: Das Eis schmeckte süßer, wenn angenehme Musik gehört wurde.

Die Wissenschaftler erklären dies mit der Interaktion zwischen positiven Gefühlen, die beim Hören von fröhlicher, angenehmer Musik entstehen, und der Geschmackswahrnehmung im Gehirn. Wollte man diese Behauptung belegen, müsste man während solcher Experimente jedoch das Gehirn analysieren.

In welchem Maße die Ergebnisse brauchbar sind, bleibt fraglich. Es gibt viele Faktoren, die die Geschmackswahrnehmung beeinflussen, sodass nicht klar ist, welchen Einfluss Musik dabei haben kann. Restaurantbesitzern klingt es vielleicht wie Musik in den Ohren, das Geschmackserlebnis bei einem Essen so zu steigern. Statt Crème brûlée mit Erdbeeren stünde dann vielleicht Crème brûlée mit fröhlicher Musik­begleitung auf der Karte.

Das ist die eigentliche Nachricht:

+++ Geschmackswahrnehmung ist komplex und wird von vielen Faktoren bestimmt. Möglicherweise auch durch Musik.+++

Um diese Studie geht´s sonicseasoningbeer.tumblr. com.

+++ Ein dänisches Experiment zeigt, dass Face­book unser Wohlbefinden negativ beeinflusst. Die gute Nachricht ist, dass sich sehr schnell – innerhalb von einer Woche – die Lebensqualität verbessert, wenn man Facebook nicht mehr nutzt. +++

Macht eine Woche ohne Facebook glücklicher?

Über das soziale Netzwerk Facebook fanden Forscher der Universität Kopenhagen 1 905 Dänen, die an einem Experiment teilnahmen. Die Versuchspersonen, vor allem Frauen (86 Prozent), waren im Durchschnitt 34 Jahre alt und hatten jeweils rund 350 Facebook-Freunde. Im Schnitt verbrachten sie pro Tag eine Stunde auf Facebook. Die Teilnehmer der Studie wurden in zwei Gruppen eingeteilt: Die erste Gruppe wurde gebeten, eine Woche lang bei Facebook nicht aktiv zu sein, während die zweite Gruppe zur Kontrolle einfach weiterhin wie gewohnt Facebook besuchte. Zu Beginn und am Ende füllten die Teilnehmer Fragebögen zu ihrem Wohlbefinden, der allgemeinen Zufriedenheit und ihren Emotionen aus. Außerdem wurden sie detailliert zu ihrer Facebook-Nutzung befragt – unter anderem dazu, ob sie neidisch wurden, wenn sie Fotos glücklicher Freunde sahen, ob sie selbst aktiv Fotos einstellten oder ob sie vor allem die Chroniken von Freunden anschauten. Das Experiment zeigt, dass Menschen, die Facebook eine Woche lang nicht aufrufen, allgemein zufriedener sind und sich emotional besser fühlen. Das gilt vor allem für diejenigen, die das Netzwerk intensiv nutzen, selbst jedoch eher passiv sind, die wenig posten und eher neidisch auf die Fotos und Geschichten von Freunden reagieren. Die Forscher kamen zu dem Schluss, dass intensive Nutzer gut daran tun, hin und wieder eine Facebook-Pause einzulegen.

Bei dieser Studie handelt es sich um eine gut durchgeführte Untersuchung. Die Ergebnisse bestätigen, was frühere Studien auch schon ahnen ließen: Der nicht abreißende Strom auf Facebook mit Fotos von Erfolgen und zur Schau gestelltem privatem Glück kann eine negative Wirkung auf Nutzer haben. Das gilt erst recht, wenn solche Fotos Neid wecken und Nutzer sich andauernd durch die Bilder ihrer vermeintlich glücklichen Facebook-Freunde scrollen und selbst wenig aktiv sind, ihr Leben auf Facebook zu teilen.

Die Studie unterliegt jedoch auch einigen Einschränkungen. Das Experiment dauerte nur eine Woche. Die Teilnehmer waren überwiegend junge Frauen. Alle wussten, was untersucht werden sollte. Das kann Erwartungen geweckt und das Ausfüllen der Fragebögen beeinflusst haben. Übrigens wurde nicht kontrolliert, ob die „behandelte Gruppe“ effektiv eine Woche lang nicht auf Facebook war. Außerdem werden Zufriedenheit und Emotionen nicht ausschließlich von Facebook beeinflusst.

Die Forscher betonen, dass Facebook nicht „schlecht“ ist und auch Vorteile bietet. Dazu gehören die Möglichkeiten, Kontakt mit Freunden und Familie zu halten, zu chatten, Nachrichten zu teilen oder sich zu verabreden. Facebook-Kontakte können echte „Face to Face“-Kontakte jedoch nicht ersetzen. Es ist wichtig, sich klarzumachen, dass Facebook-Nutzer hauptsächlich erfreuliche Dinge posten, während sie Kummer und mögliche Rückschläge nicht öffentlich sichtbar machen.

Das ist die eigentliche Nachricht:

+++ Die Studie zeigt, dass Menschen, die viel Zeit auf Facebook verbringen und manchmal beim Anblick der Bilder ihrer vermeintlich glücklicheren Freunde neidisch werden, gut daran tun, hin und wieder eine Pause einzulegen. Das soziale Netzwerk eine Woche lang nicht zu besuchen erhöht ihre Zufriedenheit und vermindert negative Emotionen.+++

UmdieseStudiegeht´s Tromholt M., The Facebook Experiment: Quitting Facebook Leads to Higher Levels of Well-Being. Cyberpsychology, Behavior, and Social Networking. Online veröffentlicht am 1. November 2016.

+++ Kopfbälle beim Fußball schädigen das Gehirn. Neue Studien zeigen, dass sie das Gedächtnis vorübergehend stark beeinträchtigen. In der Fußballwelt beurteilte man die Tests, auf denen die Studie beruht, als ziemlich extrem. +++

Schädigen Kopfbälle das Gehirn?

Für ein Experiment ließen schottische Wissenschaftler 19 Amateurfußballer Bälle mit dem Kopf zurückspielen. Die jungen Männer – im Durchschnitt 22 Jahre alt – sollten die Bälle innerhalb von 10 Minuten 20 Mal annehmen. Bei den Bällen handelte es sich um Standard-Fußbälle, die aus einer Entfernung von 6 Metern geschossen wurden und eine Geschwindigkeit von 39 Stundenkilometern erreichten. Unmittelbar danach sowie 24 und 48 Stunden später und nach zwei Wochen wurden die Fußballer Tests unterzogen. Diese sollten ihre Muskelreaktionen überprüfen, aber auch ihr Gedächtnis, ihre Konzentration und ihr Lernvermögen. Mit dem Experiment wollten die Wissenschaftler herausfinden, ob 20 Kopfbälle dem Gehirn Schäden zufügen.

Von Schäden im Sinne einer Gehirnerschütterung konnte man nicht sprechen, allerdings war die Reaktionsgeschwindigkeit der Muskeln ein wenig verlangsamt: Beinstrecken auf Kommando unmittelbar nach dem Kopfball erfolgte mit einer Verzögerung von 123 Millisekunden, während es vor dem Kopfball-Beschuss nur 117 Millisekunden waren. Gleich im Anschluss an die Kopfbälle erzielten die Fußballer im Schnitt auch etwas weniger Punkte bei Gedächtnistests und Lernaufträgen (mit einer um 67 Prozent höheren Fehlerwahrscheinlichkeit).

Nach 24 Stunden waren keine Unterschiede in Bezug auf die Reaktionsgeschwindigkeit der Muskeln und das Abschneiden bei Gedächtnistests und Lernauf­trägen mehr feststellbar.

Die Ergebnisse der Studie sind eher beruhigend: 20 Kopfbälle hatten einen zwar messbaren, aber eher kleinen funktionellen und vorübergehenden Effekt auf das Gehirn. Von einem bleibenden Schaden kann keine Rede sein, auch Anzeichen einer Gehirnerschütterung (Schwindel, Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen) traten nicht auf. Andererseits war die Studie auf lediglich 19 Personen beschränkt. Deshalb ist es nicht möglich, allgemeingültige Schlussfolgerungen aus ihr abzuleiten.

Zu dem Experiment gab es Kritik aus der Fußballwelt. In Wirklichkeit gäbe es nie oder sehr selten 20 Kopfbälle hintereinander, hieß es. Den schottischen Forschern zufolge handelt es sich bei dem Dauerbeschuss in Sachen Kopfbälle um eine durchaus übliche Praxis im Fußballtraining.

Das ist die eigentliche Nachricht:

+++ Das Annehmen von 20 Kopfbällen in 10 Minuten führte bei einer kleinen Gruppe junger Amateurfußballer zu einer leichten vorüber­gehenden Verschlechterung der Ergebnisse von Gedächtnistests und der Muskelreaktionsgeschwindigkeit. Nach 24 Stunden ließ sich dieser Effekt nicht mehr feststellen. Es gab auch keine Anzeichen für eine Gehirnerschütterung. Die Studie ist zu begrenzt, um allgemeine Schlussfolgerungen ziehen zu können. Von Schäden oder einem massiv verschlechterten Gedächtnis nach Kopfbällen kann keine Rede sein.+++

UmdieseStudiegeht´s Di Virgilio T.G., Hunter A., Wilson L., u. a., Evidence for Acute Electrophysiological and Cognitive Changes Following Routine Soccer Heading. EBioMedicine. Online veröffentlicht am 22. Oktober 2016.

+++ Teatime! Wer täglich Tee trinkt, schützt sein Gehirn vor kognitivem Verfall, wie eine Studie aus Singapur zeigt. +++

Schützen drei bis vier Tassen Tee am Tag vor Demenz?

Chinesen glauben seit Langem, dass Tee gut für das Gehirn ist. Wissenschaftler der National University of Singapore wollten diese These untersuchen. Sie verwendeten die Daten einer Langzeitstudie, die Singapurer ab ihrem 55. Lebensjahr begleitet. Gesammelt wurden die Daten der Teilnehmer im Zeitraum von 2003 bis 2005. Ihre kognitiven Funktionen (Gedächtnis, Konzentrationsvermögen und anderes) wurden zwischen 2006 und 2010 erneut getestet.

Für die neue Teilstudie wurden die Daten von 957 Teilnehmern ausgewählt, die zu Beginn dieser Studie über normale kognitive Funktionen verfügten. 72 von ihnen zeigten am Ende der Folgeperiode Anzeichen von Demenz. Die Forscher befragten die Teilnehmer zu ihrem Teekonsum: welchen Tee sie tranken, wie oft und wie viel. Von den befragten Teilnehmern tranken 69 Prozent regelmäßig Tee. Anschließend untersuchten die Wissenschaftler, in welcher Beziehung der Teekonsum zum kognitiven Verfall stand. Sie stellten fest, dass 39 Personen (das entspricht 5,9 Prozent) unter den Teetrinkern und 33 unter den Nicht-Teetrinkern (was 11,1  Prozent entspricht) Demenz entwickelt hatten. Teetrinker hatten also ein nur halb so hohes Risiko, an Demenz zu erkranken, jedoch nur, wenn sie drei bis vier Tassen Tee am Tag tranken. Weniger oder mehr Tee zu trinken hatte nämlich keine Auswirkung auf das Demenzrisiko. Es gab noch eine weitere Einschränkung: Der günstige Einfluss von Tee auf das Gehirn traf nur auf weibliche Teilnehmer zu und bei ihnen nur auf diejenigen, die Träger eines Gens waren, das die Entwicklung von Demenz fördert. Die Forscher schlossen daraus, dass Tee hilft, einer Verschlechterung von Gehirnfunktionen im späteren Leben entgegenzuwirken.

Die Analyse stützt sich auf sehr wenige Studienteilnehmer, lediglich 72 Versuchspersonen zeigten Anzeichen von Demenz. Merkwürdig ist zudem, dass der günstige Effekt nur bei 3 bis 4 Tassen Tee täglich auftreten soll, bei 5 oder mehr jedoch nicht. Die Forscher hatten zwar verschiedene Beeinflussungsfaktoren berücksichtigt, aber wahrscheinlich spielen noch andere K Parameter eine Rolle. Dass sich der Effekt lediglich bei Frauen und denjenigen zeigen soll, die sowieso ein genetisch höheres Risiko haben, an Demenz zu erkranken, wirft erst recht Fragen auf.

Diese Studie lässt daher auch keine Aussage zum Zusammenhang von Teekonsum und der Entwicklung einer Demenzerkrankung zu. Wer sein Demenzrisiko senken will, sollte sich lieber auf ausgewogene Ernährung, ausreichend Bewegung und ein gesundes Körpergewicht konzentrieren.

Das ist die eigentliche Nachricht:

+++ Die Ergebnisse dieser Studie lassen keinesfalls den Rückschluss zu, dass Teetrinken das Demenzrisiko senken kann. +++

UmdieseStudiegeht´s Feng L., Chong M.S., Lim W.S., u. a., Tea consumption reduces the incidence of neurocognitive disorders: Findings from the Singa­pore longitudinal aging study. The Journal of Nutrition, Health and Aging. Online veröffentlicht am 15. Januar 2016.

+++ Wer Gluten im Essen meidet, ohne dass es dafür einen Grund wie etwa eine Allergie gibt, gefährdet möglicherweise seine Gesundheit. Keine oder weniger Vollkornprodukte zu essen erhöht das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Davor warnen amerikanische Magen-Darm-Spezialisten. +++

Ist glutenfreie Ernährung ungesund?

Seit Stars wie Gwyneth Paltrow und Russell Crowe auf glutenfreie Ernährung als Schlüssel für ein energiereicheres, schlankeres und gesünderes Leben schwören, ist die Ernährungsform im Aufwind. Der von ihnen geschmähte Inhaltsstoff Gluten ist ein Eiweiß, das in Getreide wie Weizen, Gerste, Dinkel vorkommt. Menschen, die an der Krankheit Zöliakie leiden, können kein Gluten verdauen. Die Folge sind massive Magen- und Darmprobleme. Zöliakie-Kranke müssen aus gesundheitlichen Gründen glutenfrei essen. Ob es für Menschen ohne Zöliakie auch einen gewissen Nutzen hat, glutenfrei zu essen, wurde zum ersten Mal in einer großen amerikanischen Studie untersucht. Anlass dafür war eine Anfrage des amerikanischen Verbands der Magen- und Darmspezialisten.

Die Forscher nutzten zwei große Datenbanken von Langzeitstudien (von 1986 bis 2010), in denen 110 017 Teilnehmer ohne Zöliakie ausführlich zu ihren Ess- und Trinkgewohnheiten befragt wurden. Die Teilnehmer beantworteten diese Fragebögen im Abstand von zwei Jahren. Aus den Antworten der Teilnehmer haben die Wissenschaftler die Menge an Gluten berechnet und die Befragten je nach Glutenkonsum in Kategorien eingeteilt (7,5 bis 10 Gramm täglich in der höchsten Gruppe, 2,6 bis 3,3 Gramm täglich in der niedrigsten). Außerdem wurde erhoben, dass insgesamt 6 529 Menschen (5,9 Prozent) während des Untersuchungszeitraums einem Herzinfarkt erlagen. Die Forscher stellten fest, dass die Teilnehmer mit dem höchsten Glutenkonsum seltener an einem Herzinfarkt starben als diejenigen, die am wenigsten Gluten zu sich nahmen.

Die Gruppe, die wenig Gluten aß, lebte allerdings auch im Allgemeinen ungesünder: Sie rauchte mehr, trank mehr Alkohol, aß mehr Fett und mehr rotes Fleisch. Bezog man diese Faktoren mit ein, war dieser Unterschied wieder zu vernachlässigen. Betrachtete man dagegen die Gruppe mit einem hohen Glutenkonsum aufgrund des Verzehrs vieler Vollkornprodukte wie Körnerbrot und Vollkornnudeln, hatten sie eine um 15 Prozent geringere Wahrscheinlichkeit, einen Herzinfarkt zu erleiden. Die Forscher schlossen daraus, dass eine glutenfreie Ernährung das Herzinfarktrisiko erhöht, und zwar vor allem deswegen, weil gesunde Vollkornprodukte vom Speiseplan gestrichen werden.