Erhalten Sie Zugang zu diesem und mehr als 300000 Büchern ab EUR 5,99 monatlich.
In einem Altbau in Berlin-Treptow leben sieben Nachbarn ein scheinbar unbeschwertes Leben - ahnungslos, dass das Haus eine dunkle Vergangenheit birgt. Vor zwanzig Jahren zerstörte ein Alptraum aus Gewalt genau in diesem Haus die Kindheit von Finn, Leo und Melanie. Jetzt kehren die Schatten zurück - grausamer und unaufhaltsam. Die jungen Bewohner werden in einen tödlichen Rachefeldzug gezogen, der ihre Sicherheit zerstört und ihr Leben für immer verändert. Manche Alpträume enden nie - und manche Monster kehren zurück, wenn man sie am wenigsten erwartet. 'Schreie im Schatten - Die Saat der Rache' ist der erste Band der Schatten Triologie. Ein mitreißender Thriller, der tief unter die Haut geht und nach mehr verlangt.
Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:
Seitenzahl: 551
Veröffentlichungsjahr: 2025
Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:
Autorin, Isabel Stern, geboren 1979, lebt seit über zwanzig Jahren in Berlin und hat dort ihre Leidenschaft für das Schreiben entdeckt. Neben ihrer Tätigkeit als Autorin engagiert sie sich in einer Hilfsorganisation, wo sie Menschen in schweren Lebenslagen unterstützt –
eine Arbeit, die sie inspiriert und ihr Gespür für menschliche Abgründe schärft. In ihren Thrillern verbindet Isabel spannende Plots mit tiefgründigen Charakteren, die ebenso komplex wie authentisch sind. Abseits des Schreibens liebt sie es, neue Ideen zu entwickeln, mit Freunden Zeit zu verbringen und im Alltag kleine Geschichten zu entdecken, die oft der Anfang für ein neues Buch sind.
In einem alten Berliner Altbau führen sieben junge Nachbarn ein scheinbar idyllisches Leben. Sie teilen Lachen, Rituale und eine tiefe Freundschaft – doch hinter der Fassade lauert etwas Dunkles. Vor zwanzig Jahren war dieses Haus ein Ort des Grauens. Drei Kinder wurden hier gefangen gehalten, gequält und ihrer Kindheit beraubt. Die Narben dieser Zeit haben sie nie verlassen, die Schatten ihrer Vergangenheit sind nie wirklich verschwunden. Nun, da das Haus neue Bewohner hat, regt sich das Böse erneut. Alles beginnt mit harmlos wirkenden Nachrichten, die auf den Handys der Nachbarn auftauchen. Zunächst reagieren die sieben Freunde mit Spott und Humor – ein schlechter Scherz, ein Zufall, nichts weiter. Doch die Nachrichten hören nicht auf. Sie werden persönlicher, bedrohlicher. Schon bald wird klar: Jemand zieht die Fäden, jemand spielt mit ihnen. Ein perfides, gnadenloses Spiel, dessen Regeln sie nicht kennen. Was anfangs belanglos scheint, wird zu einem Albtraum, der sie an ihre Grenzen treibt. Doch anstatt sich der Angst zu beugen, stellen sie sich der wachsenden Bedrohung – gemeinsam. Für die drei Kinder von damals geht es um mehr als nur einen Kampf – es ist die Abrechnung mit den Dämonen, die sie seit zwanzig Jahren verfolgen. Doch die Dunkelheit, die in den Wänden dieses Hauses lauert, wird sich nicht ohne Widerstand vertreiben lassen. Wie weit würdest du gehen, um die Wahrheit ans Licht zu bringen? Manche Albträume enden nie. Manche Wunden reißen immer tiefer auf. Und manche Monster kehren zurück, wenn du glaubst, sie längst besiegt zu haben.
Tagebucheintrag – Melanie, 9 Jahre alt
*Datum unbekannt*
Ich weiß nicht, welchen Tag wir heute haben. Es fühlt sich an, als wäre hier unten keine Zeit mehr. Die Wände sind so kalt, und ich höre sie immer noch schreien, auch wenn sie längst aufge-hört haben. Finn sagt, ich soll still sein, sonst kommt er wieder. Aber wie kann man still sein, wenn man solche Angst hat? Leo hat mich heute angelächelt, glaube ich. Zum ersten Mal seit Tagen. Oder sind es Wochen? Sein Gesicht sieht so blass aus, seine Augen ganz leer. Finn redet kaum noch, er starrt nur in die Dunkelheit, als ob er jemanden se-hen würde, den wir nicht sehen können. Ich will sie beide nicht allein lassen, aber ich weiß nicht, wie lange ich das noch aushalte. Ich höre seine Schritte. Er kommt immer dann, wenn die Stille schwer wird, wie ein Schatten, der sich lautlos nähert. Ich verachte ihn. Und Klaus. Sie sind die Monster, die dieses Haus vergiften. Finn sagt, wir müssen durchhalten, doch in mir wächst die Dunkelheit, und ich weiß nicht, wie lange ich noch stark bleiben kann. Falls jemand das hier jemals findet: Bitte vergiss uns nicht.
„Unheilvolle Nachrichten“
Der Beobachter
Das Netz war ausgeworfen
„Ein halbes Jahr später – Blut ruft nach Blut“
Die Morgensonne tauchte den Balkon von Hannahs Wohnung in warmes, goldenes Licht. Es war einer dieser perfekten Junitage in Berlin, an denen der Himmel in einem klaren Blau strahlte und die Luft frisch und nach Sommer roch. Hannah lehnte sich entspannt an das schmiedeeiserne Geländer und ließ ihren Blick über die grünen Baumkronen schweifen, die sich sanft im Wind wiegten. Von hier oben, im dritten Stock ihres Altbauhauses in dem Berliner Bezirk Treptow, hatte sie einen wunderbaren Blick auf das ruhige Viertel. Die Spree war nur einen kurzen Spaziergang entfernt, und irgendwo in der Ferne konnte sie das leise Plätschern des Wassers erahnen. Endlich Urlaub. Zwei Wochen lang keine Frühschichten in der Psychiatrie, keine hektischen Übergaben, keine schwerwiegenden Gespräche mit Patienten oder deren Angehörigen. Als Pflegerin in einer psychiatrischen Klinik war Hannah oft körperlich und emotional an ihre Grenzen gestoßen. Jetzt konnte sie endlich durchatmen. Mit einer dampfenden Tasse Kaffee in der Hand atmete sie tief ein und schloss für einen Moment die Augen. Das hier war Glück, davon war sie überzeugt. Einfach nur dastehen, den Morgen genießen und wissen, dass der Tag noch komplett vor ihr lag. Hannahs Wohnung war gemütlich und mit Liebe eingerichtet. Pflanzen, Bilderrahmen und selbstgesammelte Fundstücke aus Flohmärkten zierten die Räume. Ihre Balkontür stand weit offen, und durch die Wohnung zog eine leichte Brise, die die weißen Gardinen sanft tanzen ließ. Ein leichtes Lächeln spielte um ihre Lippen, während sie ihren Kaffee nippte. Ja, heute würde sie sich nichts vornehmen. Einfach nur den Tag genießen und vielleicht später an der Spree entlangspazieren. Ein dumpfes Geräusch von unten im Haus ließ sie kurz aufhorchen. Doch die Ruhe kehrte sofort zurück, und Hannah zuckte mit den Schultern. Wahrscheinlich hatte jemand aus der WG wieder versucht, mit zu viel Schwung die Haustür zu schließen. Sie nahm einen weiteren Schluck Kaffee und beschloss, sich davon nicht stören zu lassen. Stattdessen zog sie sich an, schnappte sich ihre Tasche und machte sich auf den Weg zur Bäckerei Blume um die Ecke. An ihrem ersten Urlaubstag wollte sie sich einen Cappuccino und ein frisches Croissant gönnen, draußen im kleinen Außenbereich der Bäckerei sitzen, ein Buch aufschlagen und einfach entspannen. Und natürlich wollte sie Iris, der Besitzerin der Bäckerei, kurz Hallo sagen. Iris war eine immer gutgelaunte ältere Frau mit einer positiven Ausstrahlung, die jedem Kunden das Gefühl gab, willkommen zu sein. Der Tag war zu schön, um sich Gedanken zu machen Hannah schloss die Wohnungstür leise hinter sich und lief die knarrenden Holzstufen nach unten. Wie jeden Morgen beschloss sie, die kritischen Blicke der antiken Treppe zu ignorieren, die bei jedem Schritt protestierend ächzte. Kaum hatte Hannah die erste Etage erreicht, öffnete sich die Tür von Uwe Möller einen Spalt breit, als hätte er genau auf ihre Schritte gewartet. Sein Kopf tauchte im Türrahmen auf, die schiefe Brille auf seiner Nase glitzerte im schwachen Licht. Es war wie ein Markenzeichen – dieser winzige Makel, der ihn auf seltsame Weise menschlich und vertraut machte. „Guten Morgen, Hannah! Schon früh unterwegs, was?“ Seine Stimme klang freundlich, fast zu freundlich. „Guten Morgen, Herr Möller! Ja, ich gönne mir einen Cappuccino bei Iris – mein erster Urlaubstag. Das muss gefeiert werden!“ erwiderte sie mit einem Lächeln, obwohl sie innerlich kurz den Atem anhielt. Er schob seine Brille zurecht und lächelte zurück, ein Lächeln, das irgendwo zwischen herzlich und forsch pendelte. „So gehört sich das. Urlaub sollte man genießen, wie einen guten Wein – nicht hektisch hinunterkippen, sondern langsam auskosten.“ Hannah lachte höflich. „Da haben Sie recht. Und, haben Sie heute Morgen schon Ihre Beatles aufgelegt?“ fragte sie, in dem Versuch, das Gespräch locker zu halten. „Aber natürlich,“ antwortete er mit einem Zwinkern. „‚Here Comes the Sun‘. Passt doch hervorragend zu so einem Morgen, finden Sie nicht?“ Seine Stimme war warm, aber da war etwas in seinem Blick – ein Funkeln, das sie nicht deuten konnte. „Perfekte Wahl,“ stimmte sie zu, während sie sich instinktiv eine Haarsträhne hinter das Ohr strich. Sie mochte die Beatles, aber diese Unterhaltung hatte etwas Mechanisches, fast als würde sie in eine Rolle gedrängt. „Na, dann will ich Sie nicht aufhalten. Grüßen Sie Iris von mir und genießen Sie Ihren Cappuccino!“ Er tippte sich mit dem Finger an die Brille, eine kleine, eigenartige Geste, bevor er die Tür langsam wieder schloss. „Mache ich. Einen schönen Tag noch, Herr Möller,“ sagte Hannah und wartete, bis die Tür endgültig ins Schloss gefallen war. Erst dann setzte sie ihren Weg fort, spürte aber, wie sich ein leichter Schauer über ihren Rücken legte. Es war nicht das erste Mal, dass sie diese seltsame Unruhe in seiner Nähe gespürt hatte. Herr Möller war charmant, fast zu charmant – und immer präsent. Er schien jede Bewegung im Treppenhaus wahrzunehmen, als würde er in seiner Wohnung nur darauf warten, dass jemand vorbeikam. Seine Freundlichkeit hatte eine leise, ungreifbare Schärfe, wie ein Messer, das verborgen unter einem samtigen Tuch lag. Hannah schüttelte den Kopf, um den Gedanken loszuwerden. Herr Möller war ein älterer Mann, ein Nachbar wie viele andere. Und doch... irgendetwas an ihm ließ sie nie ganz los. Ohne weiter zu zögern, öffnete sie die Haustür und trat hinaus in die milde Morgenluft. Sie atmete tief ein, und das Unbehagen, das sie kurz zuvor bei Herrn Möller verspürt hatte, löste sich auf, als hätte es nie existiert. Auf dem Weg zur Bäckerei Blume drang die Sonne nur zögernd durch die dichten Baumkronen, ihr Licht tanzte in flackernden Mustern auf dem Boden. Die Vögel lieferten sich ein beinahe übertriebenes Konzert, das den Morgen lauter machte, als er sein sollte. Jeder Schritt auf dem Kiesweg fühlte sich an wie ein Moment der Flucht – ein kurzer, friedlicher Augenblick, der wie ein winziger Urlaub wirkte, fern von allem, was sonst auf sie wartete. Die Glocke über der Tür der Bäckerei gab ein helles Klingeln von sich, als Hannah eintrat. Der Duft von frischem Gebäck und starkem Kaffee schlug ihr entgegen, schwer und einladend zugleich, wie eine vertraute Umarmung. Hinter der Theke stand Iris, ihre blaue Schürze wie immer makellos, ein warmes Lächeln auf den Lippen. Sie hob die Hand, als sie Hannah entdeckte. „Hannah, Urlaub, richtig? Der perfekte Morgen für so etwas!“ rief Iris fröhlich. „Absolut richtig. Ein Cappuccino, ein Croissant – und bitte einen Platz in der Sonne!“ antwortete Hannah, ein Hauch von Erleichterung in ihrer Stimme. „Das lässt sich einrichten. Setz dich, ich bring dir alles.“ Mit einem Zwinkern verschwand Iris hinter der Kaffeemaschine, die ein leises Fauchen von sich gab, als würde sie die Vorfreude auf den Cappuccino teilen. Hannah trat hinaus in den kleinen Außenbereich und ließ sich an einem der Tische nieder. Die Sonne kitzelte ihre Haut, während sie ihr Buch aufschlug. Um sie herum klang das dezente Klirren von Tassen, untermalt vom gleichmäßigen Brummen der Stadt.
Die Hektik der letzten Wochen fiel von ihr ab wie ein zu enger Mantel, der endlich abgelegt werden durfte. Der Cappuccino dampfte verlockend, und das Croissant vor ihr strahlte in perfektem Goldbraun, als würde es um ihre Aufmerksamkeit wetteifern. Hannah lehnte sich zurück, ließ den Moment auf sich wirken, und ein zufriedenes Seufzen entkam ihr. Sie legte die Beine lässig auf den freien Stuhl gegenüber und erlaubte sich ein leises Lächeln. Ja, genau so hatte sie sich diesen Urlaub vorgestellt – und genau so durfte es weitergehen.! Gerade als sie den ersten Schluck Cappuccino nahm und das samtige Milchschaumbartgefühl auf ihrer Oberlippe genoss, vibrierte ihr Smartphone auf dem Tisch. „Echt jetzt?“, murmelte sie und zog das Handy zu sich heran. Eine SMS. „39ksld3@!NACh0##skdls?//q8p9_Bar - Hannah runzelte die Stirn und las die Nachricht noch einmal. Vielleicht war sie ja verschlüsselt? Eine Geheimbotschaft? Ein Hilferuf aus einer Parallelwelt? Oder – realistischer – ein gelangweilter Teenager, der ein paar zufällige Tasten gedrückt hatte. „Ach komm schon“, sagte sie zu sich selbst und zog die Augenbrauen hoch. „Nicht in meinem Urlaub!“ Sie drückte mit theatralischer Entschlossenheit auf Blockieren und legte das Handy wieder auf den Tisch. „Gelangweilter Teenager, Spam-Bot, Egal. Ich lasse mir meinen ersten Urlaubstag nicht verderben.“ Sie nahm einen weiteren Schluck Cappuccino und biss genüsslich in ihr Croissant, wobei sie ein paar Krümel auf ihrem Kleid verteilte. „Sehr elegant, Hannah. Sehr elegant.“ Ein leichter Wind wehte über die Terrasse, und sie blätterte entspannt in ihrem Buch. Kein Stress. Keine Sorgen. Nur Croissants und Cappuccino. Doch ein kleiner Gedanke nagte an ihr: Was, wenn es doch etwas Wichtiges gewesen war? Vielleicht ein geheimes Zeichen von einer Untergrundorganisation? Oder eine Warnung vor einem Alien-Angriff? „Hör auf, Hannah. Du schaust eindeutig zu viele Thriller, “ murmelte sie und zwang sich, den Blick wieder auf die Buchseiten zu richten. Iris kam mit einem freundlichen Lächeln aus der Bäckerei und stellte ihr einen zweiten Cappuccino hin. „Gönn dir, Hannah. Urlaub ist schließlich Urlaub!“ „Danke, Iris. Du bist die Beste.“ Iris zwinkerte ihr zu und verschwand wieder im Inneren des Ladens. Hannah lehnte sich zurück, schloss für einen Moment die Augen und hörte das leise Klappern von Geschirr und das Gemurmel anderer Gäste. Alles gut. Nichts kann diesen Urlaub ruinieren. Oder?
Hannah hatte gerade die perfekte Stelle in ihrem Buch gefunden – die Hauptfigur stand kurz davor, ein Geheimnis zu lüften – als sie plötzlich von einem lauten, vertrauten Ruf aus ihren Gedanken gerissen wurde: „Haaaannah!“ Sie hob den Kopf und sah Mustafa, Moritz und Johannes auf sie zukommen. Mustafa, der selbst mit zwei Einkaufstaschen in den Händen noch so lässig aussah, als wäre er gerade einem Werbeplakat für Studentenmode entsprungen. Moritz, mit seinem wilden Lockenkopf und dem ewigen „Ich habe die letzte Nacht nicht geschlafen“-Blick. Und Johannes, der stets so aussah, als wäre er auf dem Weg zu einem Vorstellungsgespräch – inklusive Hemd und makelloser Frisur. „Na, Urlauberin! Du wirkst ja fast so entspannt wie eine Katze in einem Sonnenstrahl.!“ rief Mustafa und grinste breit. „Morgen, Jungs! Wo führt euch der Weg hin? Bibliothek? Anatomie-Seminar? Der nächste OP-Saal?“ fragte Hannah grinsend. „Einkaufen“, seufzte Moritz und hob demonstrativ seine Einkaufsliste in die Luft. „Das Studentenleben besteht eben nicht nur aus Koffein und Prüfungsstress. Ab und zu braucht man auch… Brot.“ „Und Klopapier“, ergänzte Johannes trocken. „Und sehr wichtig: Schokolade!“ fügte Mustafa hinzu und nickte dabei so ernst, als ginge es um eine lebensrettende Operation. „Ihr seid wirklich die drei Musketiere des WG-Lebens“, sagte Hannah schmunzelnd und klopfte auf den freien Stuhl neben sich. „Setzt euch, ihr habt euch eine Pause verdient.“ Keine zwei Sekunden später saßen die drei Jungs bereits auf den freien Stühlen, als wären sie mit Sekundenkleber daran festgeklebt. Moritz klaute sich ein Stück von Hannahs Croissant, während Johannes sich daran machte, seine Einkaufsliste akribisch neu zu sortieren. „Dieses Wochenende ist Lernen angesagt“, erklärte Mustafa mit einem dramatischen Seufzen. „Moritz muss sich durch die Neuroanatomie kämpfen, Johannes lernt für seine nächste mündliche Prüfung, und ich… naja, ich werde dafür sorgen, dass die WG nicht abbrennt.“ „Ehrlicher wäre zu sagen: Du lernst fünf Minuten und scrollst dann zwei Stunden auf Instagram, “ murmelte Johannes ohne von seiner Liste aufzublicken. „Fake News!“ Mustafa hob entrüstet die Hände. Hannah grinste breit und nippte an ihrem Cappuccino. Sie mochte die drei. Ihre Gespräche waren immer eine Mischung aus Halbwissen, echtem Wissen und einer guten Portion Selbstironie. Außerdem hatte sie festgestellt, dass das Zusammenleben der drei weniger eine geordnete Wohngemeinschaft als vielmehr eine Mischung aus Reality-Show und chaotischem Versuchslabor war. „Eigentlich ist es doch nett bei uns im Haus, oder?“ sagte sie plötzlich und schaute nachdenklich in die Runde. „Alle verstehen sich, man grüßt sich, man leiht sich Zucker oder… Aspirin nach langen Nächten.“ „Das stimmt,“ nickte Moritz. „Fast wie eine große WG, nur dass jeder seine eigene Küche hat.“ „Und keine von uns explodiert ist… bisher“, fügte Johannes hinzu und zwinkerte. „Wir sollten mal ein Haus Fest machen“, schlug Mustafa vor und stieß mit seinem imaginären Cappuccino-Glas gegen Hannahs Tasse. „Alle zusammen. Hannah, Patrick, Sina, David von oben, und natürlich Iris mit ihren magischen Croissants.“ „Oh ja, Herr Möller wird begeistert sein, wenn er seine Beatles-Platten gegen unsere Spotify-Playlist antreten lassen muss, “ sagte Hannah und lachte. Die Gruppe blieb noch eine Weile sitzen, plauderte über das Studium, WG-Chaos und die neuesten Skandale aus der Welt der Medizin. Iris schaute zwischendurch kurz vorbei, brachte noch einen Cappuccino für die Jungs und kommentierte trocken: „Wenn ihr meine Stühle kaputtwippt, müsst ihr sie ersetzen, klar?“ „Versprochen, Iris!“ rief Mustafa mit seiner charmantesten Stimme. Hannah lehnte sich zurück, lauschte dem Geplapper und dachte zufrieden: So fühlt sich Urlaub an. Kein Stress, nur Cappuccino, Croissants und ein bisschen WG-Chaos in freier Wildbahn. Hannahs Blick glitt über die Jungs, während sie in ihren Cappuccino nippte. Die Atmosphäre war entspannt, der Morgen warm, und die Gespräche drehten sich um belanglose, aber schöne Dinge. Doch dann passierte es. Fast zeitgleich vibrierte es in drei Hosentaschen und auf Hannahs Tisch. Mustafa zog sein Handy heraus, Moritz fummelte aus seiner Hoodie-Tasche das Smartphone hervor, und Johannes sah aus, als hätte ihn jemand mitten in einer Herz-OP gestört. Hannahs Handy vibrierte noch einmal kurz nach, als ob es auch noch einmal Hallo sagen wollte. „Was zur…?“, murmelte Moritz und entsperrte sein Handy. „Ich hab auch eine SMS bekommen“, sagte Johannes mit einem Stirnrunzeln. Hannahs Magen zog sich leicht zusammen. „Moment… eine SMS? Ihr auch?“ Drei nickende Köpfe. Vier Paar Augen starrten auf ihre Displays. Die Nachrichten sahen alle ähnlich aus „39kslN@!lp0##sNachbdls?//q8p9_“ wirre Zeichen, Zahlen und Symbole, als hätte jemand mit dem Kopf auf einer Tastatur geschlafen. „Das… das ist doch totaler Quatsch“, sagte Johannes langsam. „Vielleicht ein technischer Fehler?“ murmelte Moritz und rieb sich die Stirn. Hannahs Handy lag noch entsperrt auf dem Tisch, die Zahlen und Zeichen leuchteten ihr entgegen. „Ich… ich habe vorhin auch so eine Nachricht bekommen. Von einer anonymen Nummer. Ich dachte, es wäre einfach nur Spam.“ Für einen Moment herrschte Stille. Die Geräusche der Stadt verschwammen in den Hintergrund. Selbst Iris, die gerade einer Kundin ein Baguette einpackte, schien weit weg zu sein. „Okay, das ist seltsam“, sagte Moritz schließlich. Hannah fühlte, wie ihre Schultern sich verkrampften. Ihr Urlaub. Ihr perfekter, entspannter Urlaub. Das hier fühlte sich nach… nach irgendetwas anderem an. Etwas, das sie nicht wollte. „Ach, Leute! Kommt schon!“ Mustafa lehnte sich zurück, hob seine Hände in einer theatralischen Geste und setzte sein breitestes Grinsen auf. „Das ist Spam. Irgendein gelangweilter Hacker-Nerd hat sich in die SMS-Server eingeklinkt und schickt jetzt jedem in Berlin irgendeinen Unsinn. Vielleicht ist es auch ein Marketing-Gag. Wer weiß, vielleicht kommt gleich die nächste Nachricht: ‚Kaufen Sie jetzt das brandneue Cyber-Toastbrot 3000! ‘“ Moritz schnaubte, Johannes schmunzelte kurz, aber Hannah konnte nicht wirklich lachen. Ihr Blick blieb auf der seltsamen Nachricht hängen. „Es ist trotzdem komisch…“ murmelte sie, mehr zu sich selbst als zu den anderen. „Ja, seltsam ist es schon, “ sagte Johannes nachdenklich. „Aber Mustafa könnte recht haben. Vielleicht ist es wirklich nur Spam. Wer würde sich denn die Mühe machen, uns vieren solche Nachrichten zu schicken?“ „Genau!“ Mustafa schnippte mit den Fingern. „Wir sind wichtig, aber nicht so wichtig.“ Hannah atmete tief durch. Nicht in meinem Urlaub. Nicht heute. Nicht jetzt. „Leute, ehrlich gesagt… ich will mich damit nicht beschäftigen. Ich habe Urlaub. Ich will Cappuccino trinken, Croissants essen und in Ruhe mein Buch lesen. Soll die anonyme Nummer doch vor sich hin texten. Ist mir egal.“ Sie nahm ihr Handy und drückte entschieden auf Blockieren. Dann schob sie es demonstrativ zurück in ihre Tasche. „Und damit ist das Thema für mich erledigt.“ Mustafa hob die Hände. „Jawohl, Chefin! Zurück zu den wichtigen Dingen: Wie isst man ein Croissant, ohne danach auszusehen, als hätte man ein ganzes Sandkornparadies auf sich verteilt?“ Johannes seufzte, Moritz schüttelte den Kopf, und Hannah zwang sich zu einem Lächeln. Sie wollte nicht, dass diese seltsame Nachricht ihre Laune ruinierte. Doch tief in ihrem Bauch blieb ein kleiner, kalter Knoten, den sie nicht so einfach ignorieren konnte. Die Sonne schien weiter warm auf die Terrasse, und das Leben um sie herum schien völlig normal. Doch irgendwo, tief in Hannahs Gedanken, schlich sich der Gedanke ein: Was, wenn das doch kein Zufall war?
Sina lehnte sich an das schmiedeeiserne Geländer ihres Balkons und ließ den Blick über die ruhige Straße schweifen. Die alten Bäume spendeten angenehmen Schatten, Vögel zwitscherten irgendwo im Grün, und die Atmosphäre war… friedlich. Fast zu friedlich, wenn sie an ihr altes Leben in Friedrichshain dachte, wo sie rund um die Uhr entweder Techno-Beats oder betrunkene Nachtschwärmer unter ihrem Fenster hatte. Doch leise fragte sich Sina, warum sie eigentlich immer noch so ein mulmiges Gefühl hatte, wenn sie an Friedrichshain dachte. Eigentlich war es ein netter Kiez – Cafés, Straßenmusik, charmante Altbauten. Aber dann war da Olaf. Ihr Exfreund. Hochgradiger Narzisst mit einem Ego, das vermutlich eigene Postleitzahlen hatte. Sie schnaubte leise und klopfte sich selbst auf die Schulter. „Gut gemacht, Sina. Wenigstens einen Dämon hast du erfolgreich aus deinem Leben verbannt.“ Jetzt fühlte sie sich befreit. Baumschulenweg – ein idyllischer Fleck im grünen Gürtel Berlins, der trotzdem erstaunlich zentral liegt. Der Name klingt zwar mehr nach einer Seitenstraße, in der man sich hoffnungslos verfahren hat, aber nein, es ist tatsächlich ein ganzer Bezirk. Ein kleiner Geheimtipp, den die Touristen offenbar übersehen haben – oder bewusst meiden, weil hier keine Souvenirshops mit „I ♥ Berlin“-Tassen an jeder Ecke stehen. Warum sich die Besuchermassen lieber in Berlin-Mitte stapeln, bleibt ein Rätsel. Vielleicht mögen sie ja den besonderen Nervenkitzel, ständig von einem E-Roller überfahren zu werden. Baumschulenweg hingegen? Ein ruhiges, charmantes Stück Berlin, das seinen Bewohnern ein echtes Zuhause bietet – und Sina gefiel dieser Gedanke. Drei Wochen wohnte sie jetzt hier, im schönen Altbau in Treptow, direkt neben Hannah. Eine Wohnung, die sie sich mit etwas – sagen wir – kreativem Storytelling bei der Bewerbung gesichert hatte. „Gutbezahlte Bürokauffrau“ klang eben besser als „Teilzeit-Bürohilfe mit laufender Umschulung zum Büromanagement“. Aber hey, manchmal musste man eben ein bisschen… flexibel mit der Wahrheit umgehen. „In dieser Stadt kriegt man sonst doch nie eine Wohnung“, murmelte sie zu sich selbst und zuckte mit den Schultern. Ihre alten WG-Freundinnen waren immer noch auf der Jagd nach einer bezahlbaren Bleibe, während sie hier oben stand und die grüne Idylle um sich herum genoss. Ein leises Lächeln stahl sich auf ihre Lippen. Ja, das war die richtige Entscheidung. Sie zog ihr Handy aus der Tasche und blickte erneut auf die merkwürdige SMS. „39kslN@!lp0##sNachbdls?//q8p9_ “
Was soll das denn?“ murmelte sie und schob mit einem genervten Seufzen ihren Daumen auf Blockieren. „Spam. Muss Spam sein. Oder irgendein gelangweilter IT-Student, der ein bisschen Chaos stiften will.“ Damit war das Thema für sie erledigt. Zumindest versuchte sie es sich einzureden. Sie nahm noch einen tiefen Atemzug, genoss die frische Luft und das leichte Rauschen der Blätter. Im Vergleich zu Friedrichshain war das hier wie ein Spa-Aufenthalt. Nicht zu still, nicht zu hektisch – genau das richtige Maß an Stadtleben. Die Spree war nur ein paar Gehminuten entfernt, Cafés mit süßen Terrassen und exzellentem Cappuccino um die Ecke, und sie hatte bereits ein paar Nachbarn kennengelernt. Alles schien perfekt. „Na los, Sina, genug verträumt. Schuhe an und ab an die Spree, “ sagte sie zu sich selbst, drehte sich um und ging zurück ins Wohnzimmer. Sie zog ihre weißen Sneakers an, griff nach ihrer Sonnenbrille und war gerade auf dem Weg zur Tür, als ihr Handy erneut vibrierte. Eine neue SMS. Sina blieb stehen. Ihr Herzschlag beschleunigte sich leicht, als sie das Display ansah. „39ksld3@!Na0##chdls?//q8p9bar_“
„Was zur…?“ murmelte sie und starrte auf die kryptischen Zeichen. Das war nicht normal. Zwei solcher Nachrichten innerhalb von zwanzig Minuten? Und wieder von einer anonymen Nummer. Sie biss sich auf die Unterlippe, ihre Finger schwebten über dem Blockier-Button. Dann schüttelte sie den Kopf. „Das kann doch nicht sein…“. Kurz zögerte sie, dann schob sie das Handy in ihre Tasche. Vielleicht würde ein Spaziergang helfen, ihren Kopf freizubekommen. Sie zog die Tür hinter sich zu, lief die Treppe hinunter und begegnete im Flur Herrn Möller, der mit einem Stapel Schallplatten unter dem Arm seine Wohnungstür aufsperrte. „Na, junge Dame! Schöner Tag heute, nicht wahr?“ sagte er freundlich. Sina zwang sich zu einem Lächeln. „Ja, wirklich wunderschön. Perfektes Wetter für einen Spaziergang.“ Herr Möller nickte zufrieden, während im Hintergrund gedämpfte Beatles-Musik aus seiner Wohnung erklang. Als Sina die Haustür öffnete und hinaustrat, konnte sie Mustafa, Moritz, Johannes und Hannah noch immer draußen vor der Bäckerei sehen. Sie saßen beisammen, sprachen angeregt – und irgendwie hatten alle ihre Handys in der Hand. Ein komisches Gefühl kroch in ihre Magengrube. Vielleicht sollte ich nachher mit Hannah reden…Doch jetzt wollte sie erst einmal ans Wasser. Sie steckte ihre Kopfhörer in die Ohren, schob ihre Sonnenbrille auf die Nase und ließ die Sonne auf ihre Schultern scheinen, während sie zur Spree lief. Alles wird gut. Bestimmt. Moritz schob seinen Stuhl zurück und stand auf. „So, Jungs, genug über geheimnisvolle SMS und Hacker-Theorien philosophiert. Dieses Wochenende steht Neuroanatomie auf dem Plan. Lernen, lernen, lernen!“ „Oh nein, das klingt ja nach Spaß pur, “ sagte Mustafa trocken und rutschte langsam, fast widerwillig, von seinem Stuhl. „Ich komme mit, “ sagte Hannah spontan und griff nach ihrer Tasche. „Ein bisschen Bewegung schadet nicht, und ehrlich gesagt… dieser SMS-Kram geht mir gerade ein bisschen zu sehr in den Kopf. Frische Luft hilft bestimmt.“ Die Gruppe verabschiedete sich von Iris, die gerade begann, die Tische abzuwischen, und machte sich gemeinsam auf den Weg. Sie bogen in die ruhige, von Bäumen gesäumte Straße ein, und während Mustafa und Johannes sich bereits über Lernpläne stritten („Ich fang mit Herzklappen an! Nein, du fängst mit den Hirnlappen an!“), fiel Hannah etwas auf. Ein Stück vor ihnen lief Sina. Ihre Kopfhörer steckten in den Ohren, und ihr Blick war fest auf ihr Handy gerichtet. Sie lief langsam, fast gedankenverloren, ihre Daumen flogen über das Display, und sie schien völlig in ihre eigene Welt abgetaucht zu sein. „Seht mal da vorne“, sagte Hannah leise und zeigte auf Sina. „Sieht aus, als wäre sie auch gerade… na ja, beschäftigt mit ihrem Handy.“ Moritz hob eine Augenbraue und grinste. „Ach komm, Hannah. Das ist Berlin. Die Hälfte der Leute hier starrt den ganzen Tag auf ihr Handy. Wahrscheinlich liked sie gerade ein Avocado-Toast-Bild oder sucht nach der nächsten Yoga-Session.“ „Vielleicht aber auch nicht“, entgegnete Hannah und schob die Hände in ihre Jackentaschen. „Was, wenn sie auch so eine Nachricht bekommen hat?“ Moritz zuckte mit den Schultern, sein Grinsen verblasste leicht. „Ja… eigentlich ist das nicht mal so unwahrscheinlich. Wenn wir vier schon solche SMS bekommen haben, dann vielleicht auch andere.“ „Kommt, wir fragen sie einfach mal“, schlug Hannah vor und beschleunigte ihre Schritte. Mustafa und Johannes folgten, während Moritz noch kurz stehen blieb, die Stirn runzelte und in Gedanken versunken murmelte: „Was, wenn das kein Zufall ist?“ Die Gruppe holte Sina rasch ein. Hannah tippte ihr leicht auf die Schulter, und Sina zuckte erschrocken zusammen. Ihre Kopfhörer fielen halb aus ihren Ohren, und sie schaute überrascht auf „Oh! Ihr seid es… Hey!“ sagte Sina, noch etwas außer Atem. „Alles okay bei dir?“ fragte Hannah sanft. „Du sahst gerade so… na ja, konzentriert aus.“ Sina zögerte kurz, dann zeigte sie auf ihr Handy. „Ja… ich hab eine komische SMS bekommen. Zweimal sogar. Irgendwelche wirren Zahlen und Zeichen. Ich dachte erst, es wäre Spam, aber jetzt… keine Ahnung.“ Mustafa pfiff leise durch die Zähne. „Na, das wird ja immer besser. Willkommen im Club der mysteriösen Nachrichten, Sina.“ Sina sah die Gruppe an, ihre Stirn legte sich in Falten. „Ihr habt auch welche bekommen?“ Vier Köpfe nickten gleichzeitig. Für einen Moment herrschte Stille. Nur das entfernte Rauschen der Stadt und das Zwitschern der Vögel füllten die Luft. „Okay, das ist… seltsam“, sagte Johannes schließlich und schob seine Brille zurecht. „Das klingt langsam nicht mehr nach normalem Spam.“ „Vielleicht sollten wir das jemandem melden?“ fragte Sina unsicher. „Der Polizei? Was sollen wir denen denn sagen? ‚Hallo, wir haben eine komische SMS bekommen, bitte sperren Sie das Internet‘?“ Mustafa versuchte zu scherzen, aber man merkte, dass selbst ihm die Situation langsam unangenehm wurde. Hannah verschränkte die Arme vor der Brust. „Vielleicht sollten wir einfach… aufmerksam bleiben. Vielleicht ist es ja wirklich nur irgendeine dumme Spam-Welle. Aber falls noch etwas kommt, sollten wir uns austauschen. In unserer kleinen Hausgemeinschaft sind wir ja ziemlich gut vernetzt.“ Sina nickte langsam. „Ja, das klingt vernünftig.“ „Also gut, dann… zurück zum Alltag?“ fragte Moritz mit einem gezwungenen Lächeln. Sina steckte ihre Kopfhörer in die Tasche und seufzte leise. „Ja… ich wollte eigentlich an die Spree. Ein bisschen spazieren gehen und abschalten.“ „Gute Idee“, sagte Hannah sanft. „Genieß deinen Spaziergang, Sina. Und wenn noch etwas kommt – lass es uns wissen.“ Die Gruppe trennte sich. Sina lief weiter Richtung Ufer, während Hannah, Moritz, Mustafa und Johannes den Weg zurück zum Wohnhaus einschlugen. Doch keiner von ihnen konnte das mulmige Gefühl ganz abschütteln, das diese seltsamen Nachrichten hinterlassen hatten. Irgendetwas stimmte hier nicht. Der Weg zurück zum Altbauhaus war von einem merkwürdigen Schweigen begleitet. Selbst Mustafa, der sonst immer einen lockeren Spruch auf den Lippen hatte, starrte nachdenklich auf den Boden. Hannah spürte, wie sich ihre Schultern verkrampften, während sie versuchte, die seltsame Stimmung mit einem kleinen Scherz aufzulockern. „Na, Jungs, wer von euch meldet sich freiwillig für die nächste Hacker-Olympiade? Vielleicht knacken wir ja das SMS-Rätsel schneller als gedacht.“ Mustafa schnaubte leise, Johannes grinste schwach, und Moritz zuckte nur mit den Schultern. „Solange wir kein Virus eingefangen haben und morgen unsere Bankkonten leer sind, bin ich zufrieden.“ „Warte… haben wir etwa schon die ‚Panikstufe Online-Banking‘ erreicht?“ Mustafa hob dramatisch die Arme. „Okay, ab jetzt kein Internet mehr! Ich werde ein Einsiedler in Brandenburg!“ Die Gruppe lachte leise, aber das Lachen hielt nicht lange an. Hannah blieb kurz stehen und sah zu den Fenstern ihres Wohnhauses hinauf. Das Gebäude wirkte plötzlich etwas weniger einladend, die alten Fassaden und die verschnörkelten Balkongeländer warfen seltsame Schatten im nachmittäglichen Licht. „Leute, ernsthaft… was, wenn das mehr ist als nur Spam?“ fragte sie leise. Moritz sah sie an und schob die Hände in die Taschen seiner Jeans. „Dann… na ja, dann werden wir es wohl bald herausfinden, oder?“ Hannah seufzte und lief die Stufen zum Eingang hoch. Die Tür schwang knarrend auf, und der vertraute Geruch des Altbaus – eine Mischung aus Holz, altem Putz und einem Hauch von frisch gebrühtem Kaffee aus irgendeiner Wohnung – umfing sie. Herr Möller kam gerade aus seiner Wohnung im ersten Stock und trug eine Tasse Kaffee in der Hand. „Na, die Jugend! Ihr seht aus, als hättet ihr ein Gespenst gesehen.“ „Fast, Herr Möller, fast“, murmelte Hannah und versuchte zu lächeln. „Ach, wenn’s mal wieder um diesen neumodischen Technikquatsch geht – lasst euch gesagt sein, Vinylplatten sind wie der Opa, der immer noch mit einem Handy mit Wählerscheibe ankommt, aber immer noch cooler ist als alles andere. Während die digitale Welt uns mit einem Klick bombardiert, dreht sich das alte Vinyl ganz entspannt weiter.“ Herr Möller zwinkerte ihnen zu und schlurfte mit seinen Hausschlappen zurück in seine Wohnung, während im Hintergrund „Let It Be“ von den Beatles leise aus den Lautsprechern erklang. „Okay, Leute, ich bin dann mal in meiner Höhle. Hirnlappen warten auf mich, “ sagte Johannes und verschwand Richtung WG im Erdgeschoss. Mustafa folgte ihm, während Moritz und Hannah die Treppen nach oben nahmen. „Kommst du noch kurz mit zu mir?“ fragte Hannah, als sie die dritte Etage erreichten. Moritz nickte. „Klar, ich hab eh noch keinen Bock, mich jetzt sofort in Bücher zu stürzen.“ In Hannahs Wohnung roch es nach Vanillekerzen und frischer Wäsche. Die großen Zimmer waren liebevoll eingerichtet, und der Balkon ließ ein angenehmes Licht in den Raum fallen. „Setz dich. Ich mach uns einen Kaffee.“ Während Hannah in der Küche hantierte, zückte Moritz sein Handy und scrollte noch einmal durch die SMS. Diese wirren Zeichen – sie sahen nicht nach Zufall aus. Irgendwie schien es… als würden sie einen Code ergeben. „Hannah, hast du deine SMS noch?“ fragte er plötzlich. Hannah stellte die beiden dampfenden Tassen auf den Tisch und zog ihr Handy hervor. „Ja, ich hab sie noch nicht gelöscht. Aber bringt uns das was?“ Moritz hielt die beiden Handys nebeneinander und verglich die Nachrichten. „Schau mal. Bei uns beiden tauchen manche Zeichen wiederholt auf. Das hier zum Beispiel: ‚#9‘ und ‚/p‘.“ Hannah beugte sich über die Bildschirme und runzelte die Stirn. „Du glaubst also, dass das… irgendeine Art Code ist?“ „Vielleicht. Oder vielleicht hab ich einfach zu viel ‚Sherlock Holmes‘ gelesen.“ Moritz ließ das Handy sinken und seufzte. „Ehrlich gesagt hab ich keine Ahnung. Aber irgendwas daran… fühlt sich komisch an.“ Draußen hörte man Schritte auf der Treppe. Ein Blick auf den Balkon zeigte Sina, die unten vor dem Haus stand und unsicher zu Hannahs Fenster hochblickte. Hannah öffnete die Balkontür und rief nach unten: „Sina? Alles okay?“ „Ich… ich wollte eigentlich nur kurz fragen, ob ihr noch irgendwas Neues rausgefunden habt. Diese SMS… ich krieg sie nicht aus dem Kopf, “ rief Sina zurück und trat nervös von einem Fuß auf den anderen. „Komm hoch!“ rief Hannah, und wenige Minuten später saß Sina mit am Küchentisch. „Was, wenn das eine Warnung ist? Oder eine Drohung? Oder vielleicht… ach, ich weiß auch nicht.“ Sina klang müde. Hannah nahm einen Schluck Kaffee und sah ihre Nachbarn an. „Egal, was das ist, wenn noch eine Nachricht kommt, sagen wir uns gegenseitig Bescheid. Deal?“ Moritz und Sina nickten. „Und vielleicht… können wir ja wirklich versuchen, herauszufinden, ob das Ganze einen Sinn ergibt“, fügte Moritz hinzu und tippte erneut auf die kryptischen Zeichen auf seinem Handy. Die Mittagssonne schien inzwischen hell über Berlin, ein Hauch von Sommer erfüllte die Luft. Doch in Hannahs Wohnung hing eine unsichtbare Anspannung, die niemand so recht abschütteln konnte. Während die letzten Sonnenstrahlen durch die Fenster von Hannahs Wohnung fielen, klopfte es plötzlich an der Tür. Hannah zuckte leicht zusammen, bevor sie zur Tür ging und sie öffnete. Davor stand Patrick aus der zweiten Etage – gutaussehend wie immer, mit seinem perfekt sitzenden Hemd und dem zerzausten Haar, das trotzdem irgendwie gestylt aussah. In der einen Hand hielt er sein Handy, in der anderen einen halb geleerten Kaffeebecher. „Hey Hannah, Moritz, Sina… ich hoffe, ich störe nicht. Aber…“ Er hielt sein Handy hoch. „Habt ihr auch so eine seltsame SMS bekommen?“ „Komm rein, Patrick. Du bist nicht allein, “ sagte Hannah und machte ihm Platz. Patrick trat ein, sah sich kurz um und setzte sich dann auf den freien Stuhl am Küchentisch. „Also, ich dachte erst, das wäre irgendein Fehler oder Spam. Aber ich bin gerade in einer TeamsBesprechung gewesen und konnte mich nicht konzentrieren, weil mich das so irritiert hat.“ „Willkommen im Club“, sagte Moritz trocken und zeigte auf sein Handy. „Das kann doch kein Zufall sein, oder? sechs von uns im selben Haus bekommen dieselbe Art von Nachricht?“ fragte Sina, ihre Stimme zitterte leicht. Patrick lehnte sich zurück und rieb sich nachdenklich über das Kinn. „Vielleicht sind unsere Nummern in irgendeinem Leak aufgetaucht. Datenklau oder so etwas? Das passiert ja ständig.“ In diesem Moment ging die Balkontür quietschend auf, und David, der Influencer aus der Dachgeschosswohnung, steckte seinen Kopf herein. Wie so oft hatte er es geschafft, vom Dachgeschoss bis hinunter zu Hannahs Balkon zu klettern – ein waghalsiger Spaß, den er sich regelmäßig gönnte.. „Hey Leute! Party und ich bin nicht eingeladen? Das geht ja mal gar nicht.“ David, in lässiger Sportkleidung und mit seiner charakteristischen Sonnenbrille auf dem Kopf, betrat den Raum. Sein Handy baumelte in der Hand. „Okay, ich wollte nur kurz fragen… ähm, hat jemand von euch auch so eine super seltsame SMS bekommen? Irgendwelche random Zeichen und Zahlen?“ „Nummer sieben“, murmelte Hannah und schüttelte den Kopf. „Jetzt ist es offiziell – das ist kein Zufall mehr.“ David setzte sich auf die Tischkante, seine sportliche Art schien für einen Moment von echter Besorgnis durchbrochen zu werden. „Also, ich bekomme echt viele DMs und irgendwelche Spam-Sachen. Aber das hier… das ist anders. Es fühlt sich irgendwie… gezielter an.“ Die Gruppe sah sich an. Patrick, der immer einen kühlen Kopf bewahrte, hob die Hand, als wolle er Ordnung ins Chaos bringen. „Okay, fassen wir mal zusammen: Wir sieben, Bewohner desselben Hauses, haben alle eine oder mehrere kryptische Nachrichten bekommen. Niemand von uns kann sich erklären, was sie bedeuten, und sie kamen alle ungefähr zur selben Zeit.“ „Das klingt wie der Anfang von einem richtig schlechten Thriller-Film“, warf David ein und grinste schief.
„Oder wie der Anfang von etwas, das vielleicht ziemlich ernst werden könnte“, erwiderte Sina leise. Hannah stand auf und lief nervös durch die Küche. „Ich wollte doch einfach nur Urlaub haben. Cappuccino, Croissant, ein gutes Buch – war das zu viel verlangt?“ Moritz lachte trocken. „Tja, scheinbar schon. Willkommen in deinem persönlichen Escape Room, Hannah.“ „Vielleicht sollten wir die Nachrichten vergleichen“, schlug Patrick vor und legte sein Handy auf den Tisch. „Gibt es Gemeinsamkeiten, wiederkehrende Muster oder irgendetwas, das uns Hinweise liefert?“ Einer nach dem anderen legten sie ihre Handys auf den Tisch. Sieben Displays leuchteten im schummrigen Licht der Küche auf, alle mit denselben wirren Zeichen, Zahlen und Symbolen. „Warte mal,“ sagte David plötzlich und deutete auf die Nachrichten. „Seht ihr das? Da sind immer wieder dieselben Zahlenreihen. 4-7-2… und hier 9-A-3.“ „Das sieht aus wie… ein Code, “ murmelte Sina und lehnte sich näher an den Tisch. „Vielleicht GPS-Koordinaten?“ schlug Patrick vor. „Oder ein Passwort für irgendetwas?“ fügte Moritz hinzu. Hannah fuhr sich durchs Haar und starrte die Handys an. „Ganz egal, was es ist – irgendjemand hat das an uns geschickt. Das war kein Zufall. Das war Absicht.“ Ein kurzer Moment der Stille lag über der Gruppe. Draußen war die Straße ruhig, und irgendwo in der Ferne hupte ein Auto. „Okay,“ sagte Patrick schließlich mit seiner ruhigen, bestimmten Stimme. „Wir sollten das nicht ignorieren. Aber wir sollten auch nicht in Panik geraten. Vielleicht können wir zusammen herausfinden, was dahintersteckt.“ „Wir könnten uns morgen treffen und die Nachrichten genauer analysieren“, schlug Sina vor. „Vielleicht gibt es einen Zusammenhang, den wir jetzt noch nicht sehen.“ David klatschte in die Hände. „Leute, das wird ein Abenteuer! Mystery Squad Berlin, ich sehe schon den Titel meines nächsten TikToks: ‚Wie sechs Nachbarn ein Rätsel knacken! ‘“ „David, das ist kein Social-Media-Content!“ schnappte Hannah, konnte sich aber ein Grinsen nicht verkneifen. Hannah ließ sich auf ihren Stuhl fallen. Ihr Blick fiel auf die sechs Handys, die kurz zuvor nebeneinander gelegen hatten. Wer auch immer diese Nachrichten geschickt hatte – es fühlte sich nicht nach einem Zufall an. Und das bedeutete, dass jemand ein Ziel hatte. Doch welches? Hannah lehnte sich zurück, die Arme vor der Brust verschränkt. Ihr Blick wanderte von Patrick zu David, von Sina zu Moritz. Die Atmosphäre im Raum war aufgeladen, fast greifbar. „Wisst ihr, was mir gerade aufgefallen ist?“ begann Hannah langsam, ihre Stimme ruhig, aber mit einem leicht zittrigen Unterton. „Warum war eigentlich unser erster Gedanke, ob die anderen auch so eine SMS bekommen haben? Warum sind wir nicht einfach davon ausgegangen, dass es nur Spam war, irgendein blöder Zufall? Stattdessen… hatten wir sofort das Gefühl, dass es uns alle betrifft. Dass es… gezielt war.“ Die anderen schwiegen, aber Patrick hob nachdenklich eine Augenbraue. „Du hast Recht. Als ich die Nachricht bekommen habe, hatte ich sofort das Bedürfnis, nachzufragen, ob noch jemand betroffen ist. Normalerweise würde ich so etwas einfach löschen und weitermachen.“ „Und ich bin direkt hoch zu euch, ohne groß nachzudenken“, fügte David hinzu und spielte nervös mit seiner Sonnenbrille. „Es war wie ein Impuls. Ein Gefühl, dass das hier… na ja, größer ist als eine einfache Spam-Nachricht.“ „Das ist doch gruselig, oder?“ sagte Hannah, während sie eine Hand durch ihr langes, brünettes Haar gleiten ließ. „Als ob wir alle denselben Gedanken hatten, ohne miteinander zu sprechen. Eine Art kollektiver… Reflex.“ Sina schlang ihre Arme um sich selbst und schaute nachdenklich auf die Tischplatte. „Vielleicht, weil die Nachricht einfach so… seltsam war. Sie hat etwas mit uns gemacht. Eine Mischung aus Neugier und… Unbehagen.“ Moritz nickte langsam. „Ja, und das macht es ja noch seltsamer. Diese Nachrichten sind nicht bedrohlich formuliert, es steht nichts Klartext-mäßiges drin. Aber trotzdem hatten wir alle dieses Gefühl. Als ob… als ob sie für uns bestimmt waren.“ „Und noch etwas“, fügte Patrick hinzu, seine Stimme fest und sachlich wie immer. „Normalerweise, wenn man so etwas bekommt, denkt man vielleicht kurz darüber nach, lacht darüber, löscht es und vergisst es wieder. Aber wir… wir sind hier und reden ernsthaft darüber. Das bedeutet doch, dass irgendetwas daran anders ist. Irgendetwas, das wir nicht fassen können.“ Ein kalter Schauer lief Hannah über den Rücken. Sie nahm ihre Tasse und hielt sie fest, als könne der warme Kaffee sie vor diesem merkwürdigen Gefühl schützen, das sich in ihrer Magengrube festgesetzt hatte. Moritz grinste. „Ach Leute, interpretieren wir da doch nicht so viel rein. Wir kennen uns inzwischen ganz gut, und wenn irgendetwas passiert, denken wir automatisch: Hat er auch ’ne Nachricht bekommen? Bin ich die Einzige? Klar, es ist irgendwie seltsam, dass wir alle diese SMS bekommen haben. Aber psychologisch ist das ganz gut zu erklären.“ „Und wie?“, fragte Hannah und sah ihn mit neugierigem Blick an. Moritz lehnte sich zurück, verschränkte die Arme hinter dem Kopf und grinste breit, als hätte er gerade die Weisheit persönlich gepachtet. „Na gut, Frau Doktor Hannah, ich erkläre es dir – psychologisch fundiert und absolut kostenlos.“ Hannah hob eine Augenbraue. „Ich bin gespannt.“ „Also“, begann Moritz und machte eine bedeutungsvolle Pause, „das Ganze ist ein klassisches Beispiel für Gruppendynamik gepaart mit einer Prise selektiver Wahrnehmung. Wenn wir alle gleichzeitig eine mysteriöse SMS bekommen, springt unser Gehirn sofort auf Alarmstufe Rot: Achtung, du bist nicht allein! Hier passiert was Großes! Das ist wie bei diesen Horrorfilmen, wo alle Teenager gleichzeitig eine Nachricht vom unbekannten Killer bekommen. Nur dass unser Killer vermutlich ein Werbe Bot mit Rechtschreibschwäche ist.“ Ein leises Kichern ging durch die Runde. „Und außerdem“, fuhr Moritz fort, „sind wir Menschen ja Herdentiere. Wenn der eine nervös wird, spüren das die anderen sofort. Das hat schon bei den Höhlenmenschen funktioniert: Einer schreit Tiger! und alle anderen sprinten los – ob da wirklich ein Tiger war oder nur ein schlecht gelauntes Eichhörnchen, spielt keine Rolle.“ Hannah lachte und schüttelte den Kopf. „Also, kurz gesagt: Wir sind alle leicht hysterisch und interpretieren zu viel in ein paar Buchstaben auf einem Display.“ „Exakt!“, bestätigte Moritz und zeigte mit beiden Zeigefingern auf sie. „Psychologie ist manchmal erstaunlich simpel. Und jetzt gönne ich mir noch einen Schluck Kaffee, bevor hier jemand anfängt, Alufolienhüte zu basteln.“ Sina rieb sich die Schläfen, atmete tief durch und rief plötzlich: „Stopp! Hört auf zu reden und schaut euch die Nachrichten nochmal genau an!“ Ihre Stimme schnitt durch das Gemurmel wie ein scharfes Messer. Alle Blicke richteten sich auf sie, fragend, irritiert. Patrick hob eine Augenbraue, während die anderen schweigend ihre Handys auf den Tisch legten. „Hört zu“, fuhr Sina fort und ihre Stimme war jetzt ruhiger, aber bestimmt. „Es ist eigentlich kein Wunder, dass wir sofort aneinander gedacht haben, als wir diese Nachrichten bekamen. Ich bin zwar nur eine kleine Bürohilfe, aber mein Bruder… naja, der ist so ein IT-Nerd. Er hat mir, ob ich wollte oder nicht, ein paar seiner Tricks gezeigt.“ Ein leises Murmeln ging durch die Runde, doch Sina hob die Hand. „Schaut genauer hin, zwischen den Zeichen und Buchstaben in diesem Code… erkennt ihr es nicht? Das Wort NaCb. Es versteckt sich geschickt dazwischen, oder? Ich vermute, es bedeutet Nachbar. Bei jedem von uns ist es ein wenig anders eingefügt, aber es ist eindeutig da. Die Struktur des Codes bleibt intakt, die Zeichenfolge unversehrt, doch dieses Wort schiebt sich dazwischen, als ob es darauf warten würde, entdeckt zu werden.“ Ihr müsst nur genau hinsehen – mit ein bisschen Fantasie könnt ihr es erkennen.“ Ein Moment gespannter Stille folgte. Dann begann Patrick leise zu fluchen, während die anderen ihre Handys wieder anstarrten. Und plötzlich schien der Raum vor konzentriertem Schweigen zu vibrieren. David sprang plötzlich vom Tisch auf, wobei sein Stuhl ein unangenehmes Quietschen von sich gab. Mit ernstem Blick und leicht erhobenem Zeigefinger sagte er bestimmt: „Okay, Leute! Bevor wir uns hier weiter in Vermutungen und Spekulationen verlieren, sollten wir einen klaren Plan aufstellen.“ Er ließ seinen Blick durch die Runde schweifen, seine Stimme ruhig, aber eindringlich. „Wir treffen uns morgen früh. Mit Kaffee – viel Kaffee. Dann nehmen wir uns diese Nachrichten vor, vergleichen sie genau und schauen, ob wir irgendwelche Muster oder noch mehr Gemeinsamkeiten erkennen können.“ Sina hat das Wort „Nachbar“ im Code entdeckt, und unbewusst haben wir es alle ebenfalls wahrgenommen. Wie sonst hätten wir sofort aneinander gedacht, als die Nachricht auf unseren Handys erschien? Für einen Moment wussten sie nicht, was sie sagen sollten. Hannah hob eine Hand. „Und wenn es kein weiteres Muster gibt?“ David zuckte mit den Schultern. „Dann gründen wir einen Detektivclub und lösen den Fall trotzdem. Wer bringt die Lupen mit?“ Ein leises Lachen ging durch die Runde, und die Spannung löste sich ein wenig. David setzte sich wieder und murmelte noch: „Außerdem wollte ich schon immer mal Chief Inspector David auf meiner Visitenkarte stehen haben…“ „David hat recht“, stimmte Patrick zu und zog sein Handy aus der Tasche. „Aber bis dahin sollten wir einfach versuchen, den Abend ruhig ausklingen zu lassen. Vielleicht klärt sich alles von selbst auf.“ Patrick stand auf und streckte sich. „Gut. Morgen also. Sagen wir… 10 Uhr bei Hannah? Wir bringen Kaffee und Croissants mit.“ Die Gruppe nickte zustimmend, und nach und nach verließen die Nachbarn Hannahs Wohnung. Hannah saß noch immer auf ihrem Sofa, die Beine unter sich verschränkt, und starrte aus ihrem Fenster. Von draußen drang das leise Summen der Stadt herein, ab und zu unterbrochen von einem vorbeifahrenden Auto oder dem Lachen von Menschen, die den warmen Sommertag genossen. Ihr Blick fiel wieder auf ihr Handy, das stumm und unschuldig auf dem Couchtisch lag. „Komm schon, Hannah“, murmelte sie zu sich selbst. „Es ist nur eine Nachricht. Irgendein Blödsinn von einem gelangweilten Spinner oder vielleicht ein Algorithmus, der Amok läuft und zufällig das Wort ‚Nachbar‘ darin versteckt.“ Sie redete sich das ein, versuchte, ihre Gedanken zu ordnen, doch der Zweifel blieb. Warum hatten alle im Haus genau dieselbe SMS bekommen? Und warum hatten sie sofort das Gefühl gehabt, miteinander reden zu müssen? Na klar, weil in jeder Nachricht versteckt das Wort ‚Nachbar‘ auftauchte. Das konnte doch kein Zufall sein, oder? „ Ein dumpfes Geräusch aus dem Flur ließ sie zusammenzucken. Sie stand langsam auf und schlich zur Wohnungstür. Durch den Türspion sah sie Herrn Möller, den älteren Nachbarn aus der ersten Etage. Er trug seinen alten Bademantel und kratzte sich am Kopf, während er scheinbar unschlüssig in der Mitte des Flurs stand. In seiner Hand hielt er… ein Handy? Hannah öffnete vorsichtig die Tür. „Herr Möller? Alles in Ordnung?“ Herr Möller sah auf und lächelte gequält. „Ach, Hannah! Gut, dass Sie da sind. Ich wollte nicht stören, aber… sagen Sie mal, haben Sie auch so eine seltsame Nachricht bekommen?
Auf meinem Handy steht da so ein… ja, ein völliger Unsinn!“ Hannah spürte, wie sich ein eiskalter Knoten in ihrem Magen zusammenzog. „Sie auch?“ Herr Möller nickte und hielt ihr das Handy hin Auf dem Bildschirm flimmerten erneut kryptische Zeichen und Zahlen auf, ähnlich wie bei ihr und den anderen: 39kslN@!lpNachb0##skdls?//q8p9_.
Doch eines stach sofort ins Auge – das Wort „Nachbar“ war, wenn auch nicht vollständig ausgeschrieben, deutlich zwischen den Symbolen versteckt... „Ich wollte ja eigentlich nie so ein modernes Gerät haben“, murmelte Herr Möller, während er sich den Nacken rieb. „Aber meine Nichte hat mir das eingeredet, falls mal was passiert. Na ja, jetzt hab ich das Ding und bekomme sowas hier.“ Hannah zwang sich zu einem Lächeln. „Herr Möller, Sie sind nicht allein. Fast alle im Haus haben diese Nachricht bekommen. Vielleicht ist das einfach ein blöder Zufall, aber… es fühlt sich komisch an.“ Herr Möller nickte langsam. „Ja, das tut es.“ Er sah sich im Flur um, als würde er erwarten, dass jemand aus dem Schatten tritt. „Na ja, ich wollte Sie nicht stören, junge Frau. Ich werde jetzt eine Platte auflegen, das beruhigt die Nerven.“ „Das klingt nach einem guten Plan“, sagte Hannah sanft und sah ihm nach, wie er in seine Wohnung zurückging. Als sie ihre Tür wieder schloss, lehnte sie sich dagegen und schloss für einen Moment die Augen. Jetzt auch Herr Möller. Das konnte kein Zufall mehr sein. Sie nahm ihr Handy vom Couchtisch und tippte in ihre Nachbarschaft-WhatsApp Gruppe. Hannah: Leute, Herr Möller hat auch so eine SMS bekommen. Das ist doch kein Zufall mehr. Morgen um 10 Uhr bei mir – lasst uns wirklich versuchen, das zu analysieren. Sofort floppten die ersten Antworten auf. Patrick: Alles klar, ich bring Kaffee mit. David: Bin dabei. Mystery Squad Berlin ist am Start! Sina: Ich werde da sein. Moritz: Okay, bis morgen. Hannah legte das Handy zur Seite und versuchte, tief durchzuatmen. Vielleicht würde es morgen Klarheit geben. Vielleicht würden sie ein Muster erkennen oder etwas finden, das all das erklärte. Aber tief in ihrem Inneren hatte sie das Gefühl, dass dies erst der Anfang war. Draußen schimmerte der Vollmond durch die Blätter der Bäume, während der Altbau still und friedlich in der nächtlichen Sommerluft lag. Nur in sechs verschiedenen Wohnungen leuchteten kleine Bildschirme und warfen ein unheimliches Licht auf nachdenkliche Gesichter. Am nächsten Morgen begann ein neuer Tag, voller ungelöster Fragen. Die Sonne stieg langsam über die Dächer von Baumschulenweg empor, während Hannah ihre Wohnungstür öffnete. In der Küche legten die ersten Sonnenstrahlen goldene Muster auf den Boden, als es an der Tür klopfte. Patrick stand dort, in einem perfekt gebügelten Hemd, mit einer großen Kanne Kaffee in der Hand und einem breiten Grinsen im Gesicht. „Guten Morgen, Nachbarin! Wie versprochen, frischer Kaffee für uns!“ Er trat ein und stellte die Kanne auf den Tisch, wo schon Tassen bereitstanden. Kurz darauf polterten Mustafa und Moritz in die Wohnung. Mustafa trug ein völlig zerknittertes T-Shirt, auf dem „Trust me, I’m (almost) a doctor“ stand, und Moritz wirkte wie jemand, der erst nach drei Espresso in vollständige Sätze fassen konnte. „Wir haben Croissants mitgebracht!“ verkündete Mustafa und hielt eine Tüte hoch. „Sie sind vielleicht schon kalt, aber hey, gute Absichten zählen, oder?“ „Definitiv“, sagte Hannah lachend und nahm die Tüte entgegen. David kam mit einer viel zu großen Sonnenbrille herein und grüßte mit einem halbherzigen Winken. „Sorry, ich habe bis spät in die Nacht ein Video geschnitten. Aber für ein Live-Event wie dieses bin ich natürlich dabei.“ Sina erschien als Letzte. Sie trug eine gemütliche Strickjacke und hatte zwei kleine, sorgsam gefaltete Notizbücher unter den Arm geklemmt. „Ich dachte, wir machen uns vielleicht Notizen. Irgendjemand muss ja hier strukturiert denken.“ „Oh, Sina, “ sagte Patrick und legte eine Hand dramatisch auf sein Herz. „Die Welt braucht mehr Menschen wie dich. Du bist der Fels in unserer chaotischen Brandung.“ Hannah musste lachen. Es fühlte sich fast normal an, wie sie hier saßen, Kaffee tranken und Croissants aßen, während sie über eine mysteriöse SMS redeten, die vielleicht bedeutungslos war… oder vielleicht auch nicht. Das Chaos nimmt seinen Lauf „Okay, fangen wir an“, sagte David und setzte seine Sonnenbrille ab, als wäre er in einem Actionfilm. „Wer hat seine SMS noch?“ Alle zückten ihre Handys. Sechs Displays leuchteten auf, jedes zeigte die gleiche Art von kryptischen Zeichen. Hannah betrachtete die wirren Buchstaben und Zahlen und schüttelte den Kopf. „Ehrlich, es sieht aus wie etwas, das ein gelangweilter Teenager in einem Hacker-Forum aufgeschnappt hat“, murmelte Moritz. Mustafa kratzte sich am Kopf. „Vielleicht sind wir Teil eines geheimen Experiments? So etwas wie ‚Wie lange dauert es, bis ein Haufen durchschnittlicher Berliner dem Wahnsinn verfällt? ‘“ „Du meinst, wir sind das Experiment?“ fragte Sina und zog eine Augenbraue hoch. „Na ja, “ Mustafa zuckte mit den Schultern. „Wenn das bekannt wird, könnten wir wenigstens etwas daraus machen. ‚Mystery-SMS-Crew 2024‘ wäre doch ein guter Name.“ David grinste breit. „Ich hätte schon ein Logo im Kopf.“ Hannah lachte kurz, aber das flaue Gefühl in ihrem Magen verschwand nicht. „Leute, im Ernst. Das ist nicht normal. Acht Leute, ein Haus, und wir alle bekommen so eine Nachricht. Da stimmt was nicht.“ Der Wandel der Atmosphäre In diesem Moment vibrierte Davids Handy. Alle Köpfe ruckten herum. „Nicht schon wieder…“ murmelte er, während er aufs Display starrte. Es war eine neue Nachricht. Aber diesmal war sie anders. Keine wirren Zeichen. Nur ein einzelnes Wort: „SCHLÜSSEL“ Stille breitete sich aus. Selbst Mustafa sagte nichts mehr. „Was… was soll das hei-ßen?“ fragte Sina leise. Patrick nahm sein Handy aus der Tasche. „Hat sonst jemand auch…?“ Alle sahen auf ihre Bildschirme. Nein, diesmal war es nur David. „Okay, okay, lasst uns mal einen Moment ruhig bleiben“, sagte Hannah und hob die Hände, als wollte sie die aufkommende Panik im Raum ersticken. „Es ist nur ein Wort. Vielleicht… vielleicht bedeutet es nichts. Oder vielleicht ist es ein Fehler.“ „Ein Fehler?“ David sah sie an, seine Stimme war angespannt. „Hannah, diese ganze Sache ist kein Fehler. Das hier wird langsam… unheimlich.“ „Vielleicht… sollten wir das melden?“ schlug Moritz zögernd vor. „Bei wem denn?“ Mustafa breitete die Arme aus. „‚Hallo, Polizei? Ja, wir haben da eine komische SMS bekommen, und jetzt haben wir Angst vor einem Wort. ‘ Klingt glaubwürdig.“ Hannah lehnte sich gegen die Küchenzeile und schloss die Augen. „Ich glaube, wir müssen erst mal einen Schritt zurücktreten. Vielleicht klärt sich das von selbst. Vielleicht hören die Nachrichten einfach auf.“ Aber niemand im Raum glaubte wirklich daran. Ein Gefühl von etwas Größerem, Die Gruppe saß noch eine Weile schweigend zusammen, jeder mit seinen eigenen Gedanken beschäftigt. Die vorherige Leichtigkeit war verflogen, und das Gewicht von etwas Unbekanntem hing nun in der Luft. Draußen schob sich eine dunkle Wolke vor die Sonne, und für einen kurzen Moment lag die Wohnung von Hannah im grauen Licht. David legte sein Handy langsam auf den Tisch. Das Wort „SCHLÜSSEL“ schien auf dem Display zu pulsieren, fast so, als würde es sie alle verspotten. Keiner wusste, was als Nächstes kommen würde. Aber jeder spürte es. Dies war kein Zufall mehr. Gerade als die bedrückende Stille die Gruppe vollständig einzunehmen drohte, klopfte es an der Tür. Ein lautes, energisches Klopf-Klopf-Klopf. Alle zuckten zusammen. Hannah öffnete die Tür, und Johannes stand davor – die obligatorische Thermoskanne mit grünem Tee in der einen Hand, ein zerfleddertes Lehrbuch in der anderen. „Hey Leute, ich wusste, ihr könnt nicht ohne mich weitermachen, “ sagte Johannes mit einem schiefen Grinsen und schob sich an Hannah vorbei ins Wohnzimmer. „Ich hab Moritz und Mustafa gesucht und dann in unserer WG nur eine Nachricht gefunden: ‚Bei Hannah, SMS-Konferenz, bitte Anwesenheitspflicht‘.“ „Johannes, du bist spät dran“, sagte Moritz und reichte ihm einen halb angebissenen Croissant. „Danke, Bruder. Frühstück für Nachzügler, das schätze ich.“ Johannes ließ sich in den Sessel plumpsen und nahm einen Schluck aus seiner Thermoskanne. „Okay, ich bin auf dem Laufenden – alle haben eine seltsame SMS bekommen, David hat jetzt eine mit dem Wort ‚Schlüssel‘ bekommen, und ihr guckt alle, als hättet ihr gerade erfahren, dass die Klausur von nächste Woche auf morgen vorverlegt wurde.“ „Ungefähr so fühlt es sich auch an“, murmelte David und sah erneut auf sein Handy. Johannes runzelte die Stirn. „Also gut. Ein Wort. ‚Schlüssel‘. Vielleicht ist es einfach nur ein Zufall. Oder vielleicht ein dämlicher Streich.“ „Vielleicht“, sagte Sina leise und spielte nervös mit ihrem Kugelschreiber. „Aber warum David? Warum nur er diesmal?“ Johannes zuckte mit den Schultern. „Vielleicht, weil er der Coolste von uns ist? Oder weil er die meisten Follower hat?“ David hob eine Augenbraue. „Johannes, wenn ich in einem mysteriösen Thriller der Hauptcharakter bin, kündige ich sofort meinen Influencer-Job.“ Ein kurzes Lachen ging durch die Gruppe, aber es war gezwungen. Die Atmosphäre blieb angespannt. Die Gruppe analysiert – oder versucht es zumindest „Okay, hören wir auf mit den Scherzen“, sagte Hannah schließlich und stellte die leere Kaffeekanne in die Spüle. „Hat irgendjemand von euch eine Theorie, die halbwegs Sinn ergibt?“ „Vielleicht ist es ein Phishing-Angriff?“ schlug Patrick vor und rückte seine Brille zurecht. „Ich meine, ich arbeite mit digitalen Verträgen, und es gibt ständig Betrugsversuche. Vielleicht sollte David den Link oder die Nachricht einfach löschen.“ „Da ist kein Link“, sagte David trocken und hielt das Handy hoch. „Nur ein Wort. ‚Schlüssel‘. Kein Anhang, kein Link, nichts.“ „Vielleicht sollten wir mal alle SMS-Nachrichten nebeneinander legen“, schlug Sina vor. „Gibt es irgendwelche weitere Muster? Das Wort Nachbarn haben wir bereits entdeckt, folgen noch Zahlenfolgen, Buchstaben, irgendetwas?“ Die Gruppe zog ihre Handys hervor, und die kryptischen Nachrichten leuchteten auf den Displays. Sie legten sie nebeneinander auf den Wohnzimmertisch und starrten darauf, als würden sie ein uraltes Rätsel betrachten. „Das sieht aus wie… ein Passwort, “ murmelte Johannes nachdenklich. „Oder ein Code, “ ergänzte Sina. Moritz tippte mit dem Finger auf sein Handy. „Aber wenn es ein Code ist, was sollen wir damit tun? Wo soll man das eingeben?“ „Vielleicht ist es ein Spiel?“ schlug Mustafa vor. „So eine Art Alternate Reality Game? Vielleicht gibt es irgendwo Hinweise.“ „Ein ARG?“ David zog die Augenbrauen hoch. „Das würde erklären, warum wir alle das bekommen haben. Vielleicht sind wir Teil von… irgendetwas. Aber wer steckt dahinter?“ Ein Moment der Erkenntnis – und eine neue Nachricht. Bevor jemand antworten konnte, vibrierte wieder ein Handy. Diesmal war es Johannes’. Die Gruppe hielt den Atem an, während er auf das Display schaute. Seine Augen verengten sich. „Was steht da?“ fragte Hannah mit belegter Stimme. Johannes hob das Handy und las langsam vor: „ÖFFNE ES.“ Niemand sagte ein Wort. Sina presste die Hand vor den Mund, David starrte auf die Tischplatte, Patrick nahm seine Brille ab und rieb sich die Augen. „Das… das fühlt sich nicht mehr wie ein Zufall an, “ flüsterte Sina schließlich. „Vielleicht… sollten wir aufhören, “ sagte Patrick zögernd. „Vielleicht sollten wir die Nummern einfach alle blockieren und das vergessen.“ „Und was, wenn wir das nicht können?“ sagte Hannah leise. „Was, wenn… wir es öffnen müssen?“ Johannes’ Finger schwebten über dem Display. „Leute, ich… ich weiß nicht, ob ich das will.“ „Tu’s nicht“, sagte David Schnell. „Noch nicht. Lass uns erst mal darüber nachdenken.“ Eine bedrückende Stille lag über der Gruppe, während sie einander ansahen. Die Leichtigkeit und der Humor vom Morgen waren vollständig verflogen. Draußen wurde der Himmel dunkler, obwohl es noch früher Nachmittag war. Etwas lauerte in den Nachrichten. Und sie waren mitten hineingeraten.
Hannahs Lachen klang dünn und zerbrechlich, wie ein Glas, das jeden Moment zerspringen könnte. Ihre Augen huschten von Gesicht zu Gesicht, und für einen kurzen Moment fühlte es sich an, als ob sie alle gleichzeitig dasselbe dachten, es aber niemand aussprechen wollte. „Warum ausgerechnet jetzt?“, meinte Patrick und rückte seine Brille zurecht. „Das Timing ist irgendwie merkwürdig.“ Als ob jemand genau wüsste, dass wir gerade hier sitzen und darüber reden.“ „Okay, stopp mal kurz“, unterbrach Mustafa und hob die Hände, als würde er einen Streit schlichten. „Das hier wird mir gerade zu viel. Vielleicht ist es wirklich nur ein Zufall, vielleicht sitzen irgendwo ein paar Kids und machen sich einen Spaß daraus, Leute mit random Nachrichten zu verwirren.“ „Aber warum wir? Warum gerade jetzt?“ fragte Sina und ihre Stimme zitterte leicht. „Das fühlt sich nicht an wie ein Zufall, Mustafa.“ Johannes ließ sein Handy sinken. „Vielleicht… vielleicht ist es das auch nicht. Aber vielleicht drehen wir uns auch einfach nur im Kreis. Wir haben keine Antworten, und jedes Mal, wenn wir darüber reden, fühlt es sich mehr an, als würde jemand direkt über unsere Schulter schauen.“ David verschränkte die Arme vor der Brust und lehnte sich zurück. „Das ist der Punkt, oder? Dieses Gefühl. Als würde uns jemand beobachten. Vielleicht ist das genau das Ziel dieser Nachrichten. Dass wir uns beobachtet fühlen. Dass wir anfangen, uns Fragen zu stellen, die wir nicht beantworten können.“ Einen Moment lang herrschte Stille. Nur das leise Summen des Kühlschranks war zu hören. Hannah rieb sich die Schläfen und sagte leise: „Gestern war noch alles normal. Am Morgen war ich glücklich auf meinem Balkon. Urlaub. Entspannung. Und jetzt… das hier.“ Patrick sah sie an und versuchte zu lächeln. „Hey, vielleicht sollten wir einfach eine Pause machen. Atmen. Darüber nachdenken, aber nicht jetzt. Vielleicht haben wir alle zu viel Kaffee getrunken und zu wenig geschlafen.“ Moritz hob seine Thermoskanne. „Ich stimme Patrick zu. Weniger Koffein, mehr Sauerstoff. Vielleicht sollten wir einfach alle kurz rausgehen, uns die Beine vertreten und in einer Stunde wieder zusammensitzen. Klarer
