Schwimmen mit Sehbehinderung - Silvia Stoll - E-Book

Schwimmen mit Sehbehinderung E-Book

Silvia Stoll

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Beschreibung

Examensarbeit aus dem Jahr 2006 im Fachbereich Sport - Sportmedizin, Therapie, Ernährung, Note: 1,0, Universität Konstanz, Sprache: Deutsch, Abstract: Sport wird in der heutigen Zeit immer populärer. Firmen stellen eigens Personal dafür ein, um ihre Mitarbeiter körperlich fit zu halten. So ist Sport mittlerweile zu einem wichtigen sozio-ökonomischen Faktor geworden. Der Sportsektor ist in den europäischen Ländern für ca. 2% des Bruttoinlandprodukts verantwortlich. Hans Lenk (Karlsruher Philosoph und Olympiasieger im Ruder- Achter) sieht im Sport ein „Medium der Kunst, ein ausgewogenes, vitales und spannendes Leben zu führen.“ Dies gilt selbstverständlich nicht nur für gesunde Menschen, sondern genauso für Personen mit Behinderungen. Darüber hinaus kann Sport Behinderten oft noch mehr bieten als gesunden Menschen. Beispielsweise können Blinde und Sehbehinderte lernen, den fehlenden visuellen Sinn durch eine „sehr gut entwickelte und überdurchschnittlich koordinierte Motorik“ auszugleichen. Nach Karl Quade vom Deutschen Behindertensportverband ist Deutschland inzwischen auf einem extrem hohen Entwicklungsniveau des Behindertensports, mit dem vor einigen Jahrzehnten noch niemand gerechnet hätte. Die Möglichkeiten im Behindertensport reichen vom Gesundheitssport über den Freizeit- und Breitensport bis hin zum Hochleistungssport, und die Palette der Sportarten, die von Behinderten betrieben werden, entwickelt sich beständig weiter. So ist mittlerweile auch das Sportangebot für Blinde und Sehbehinderte sehr umfangreich geworden - dies ist vor allem den Aktivitäten des Deutschen Behinderten-sportverbands, zahlreicher Vereine sowie Blindenschulen und -hochschulen zu verdanken. Welcher Sport tatsächlich betrieben werden kann, hängt vor allem von der Behinderung ab. Das Spektrum möglicher Sportarten für Blinde und Sehbehinderte ist breit gefächert und reicht von Leichtathletik über Judo bis zum Tanzen. Empfehlenswert sind nach PROKOP besonders Übungen mit Geräten. Für Blinde ist es oft schwer, die eigene Körperlage zu kontrollieren, da die Raum-orientierung hauptsächlich über die Augen stattfindet. Aus diesem Grund stellt Schwimmen eine gut geeignete Sportart für Blinde und Sehbehinderte dar. Der Sportler kann den Raum zu jeder Zeit erfühlen. [...]

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Veröffentlichungsjahr: 2006

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Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung - Problemstellung
2. Schwimmen und Sehbehinderungen
2.3 Schwimmen als Sportart
2.3.1 Bewegungsbeschreibungen der einzelnen Lagen
2.4 Ergebnisse auf diesem Gebiet
3. Konzeption des Schwimmunterrichts
3.2 Ziele
3.3 Einzelfall Tobias
4.2.1 Videoanalyse 1 (5. Unterrichtsstunde)
4.2.2 Videoanalyse 2 (16. Unterrichtsstunde)
5. Diskussion
6. Fazit und Schlussbetrachtung

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Wissenschaftliche Arbeit für das 1. Staatsexamen zum Thema:

1aus: http://www.absv.de/blindenschrift/

Schwimmen mit Sehbehinderung ~ Wissenschaftliche Arbeit für das 1. Staatsexamen ~ Silvia Weible

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1. EINLEITUNG - PROBLEMSTELLUNG3

1. Einleitung - Problemstellung

Sport wird in der heutigen Zeit immer populärer. Firmen stellen eigens Personal dafür ein, um ihre Mitarbeiter körperlich fit zu halten. So ist Sport mittlerweile zu einem wichtigen sozio-ökonomischen Faktor geworden. Der Sportsektor ist in den europäischen Ländern für ca. 2% des Bruttoinlandprodukts verantwortlich. Hans Lenk (Karlsruher Philosoph und Olympiasieger im Ruder- Achter) sieht im Sport ein „Medium der Kunst, ein ausgewogenes, vitales und spannendes Leben zu führen.“2

Dies gilt selbstverständlich nicht nur für gesunde Menschen, sondern genauso für Personen mit Behinderungen. Darüber hinaus kann Sport Behinderten oft noch mehr bieten als gesunden Menschen. Beispielsweise können Blinde und Sehbehinderte lernen, den fehlenden visuellen Sinn durch eine „sehr gut entwickelte und überdurchschnittlich koordinierte Motorik“3auszugleichen.

Nach Karl Quade vom Deutschen Behindertensportverband ist Deutschland inzwischen auf einem extrem hohen Entwicklungsniveau des Behindertensports, mit dem vor einigen Jahrzehnten noch niemand gerechnet hätte. Die Möglichkeiten im Behindertensport reichen vom Gesundheitssport über den Freizeit- und Breitensport bis hin zum Hochleistungssport, und die Palette der Sportarten, die von Behinderten betrieben werden, entwickelt sich beständig weiter.

So ist mittlerweile auch das Sportangebot für Blinde und Sehbehinderte sehr umfangreich geworden - dies ist vor allem den Aktivitäten des Deutschen Behinderten-sportverbands, zahlreicher Vereine sowie Blindenschulen und -hochschulen zu verdanken.

Welcher Sport tatsächlich betrieben werden kann, hängt vor allem von der Behinderung ab. Das Spektrum möglicher Sportarten für Blinde und Sehbehinderte ist breit gefächert und reicht von Leichtathletik über Judo bis zum Tanzen. Empfehlenswert sind nach PROKOP besonders Übungen mit Geräten4. Für Blinde ist es oft schwer, die eigene Körperlage zu kontrollieren, da die Raum-orientierung hauptsächlich über die Augen stattfindet. Aus diesem Grund stellt Schwimmen eine gut geeignete Sportart für Blinde und Sehbehinderte dar. Der Sportler kann den Raum zu jeder Zeit erfühlen. „Das Medium [Wasser] übt einen

2BACHMANN, K.:„Wie viel Sport braucht der Mensch“,aus: Geo Nr. 8/ August 2001

3PROKOP, L.: „Aufgabe:Behindertensport“;Brüder Hollinek Purkersdorf; 1998; Seite 83

4PROKOP, L.: „Aufgabe:Behindertensport“;Brüder Hollinek Purkersdorf; 1998; Seite 84

Schwimmen mit Sehbehinderung ~ Wissenschaftliche Arbeit für das 1. Staatsexamen ~ Silvia Weible

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höheren Druck auf die Haut aus, reizt damit stärker den Tastsinn und lässt uns unsere Körpergrenzen intensiver spüren“5

Die sich aufdrängenden Fragen sind:

•Welche Besonderheiten ergeben sich beim Schwimmen mit Sehbehinderung?•Was muss im Unterricht beachtet werden?•Was ist beim Lernprozess zu berücksichtigen?•Können Blinde in ihren Leistungen und Fähigkeiten beim Schwimmen mit

Sehenden verglichen werden?

Die vorliegende Arbeit versucht anhand eines Fallbeispiels, Möglichkeiten und Probleme beim Unterricht eines Schwimmers6mit Sehbehinderung aufzuzeigen. Im Mittelpunkt meiner Arbeit steht die individuelle Betreuung und Anleitung eines einzelnen Sehbehinderten. Eine weiterreichende und allgemeine Untersuchung auf dem Gebiet ‚Schwimmen mit Sehbehinderung’ würde den Rahmen dieser Arbeit übersteigen und ich möchte dazu auf die angegebene Literatur verweisen.

5BACHMANN, K.:„Wie viel Sport braucht der Mensch“,aus: Geo Nr. 8/ August 2001

6zur Vereinfachung beinhaltet der Begriff Schwimmer selbstverständlich auch die weibliche Form Schwimmerin; dies gilt für

alle noch folgenden Situationen

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2. SCHWIMMENUNDSEHBEHINDERUNGEN5

2. Schwimmen und Sehbehinderungen

2.1 Sehstörungen und Sehbehinderungen

Weltweit sind nach Angaben des Deutschen Roten Kreuzes (Stand: April 2004) ungefähr 40 Millionen Menschen ganz oder teilweise blind. In Deutschland leben etwa 155.000 blinde und etwa eine halbe Million hochgradig sehbehinderte Menschen.7

Blind ist nicht gleich blind - was im Volksmund oft als blind abgetan wird, muss in der Medizin genauer unterteilt werden. Sehschädigungen werden nach PAPE grob in drei Untergruppen aufgeteilt: Sehbehinderung, hochgradige Sehbehinderung und Blindheit.

Im allgemeinen Sprachgebrauch wird Blindheit und Sehbehinderung unter dem Oberbegriff Sehschädigung zusammengefasst.

Der Grad der Sehfähigkeit gilt als Maßstab, in welche Gruppe ein Sehgeschädigter eingestuft wird und wird meist in Prozenten, oft auch in Brüchen, jeweils bezogen auf das bessere Auge, angegeben:

Einen Gegenstand erst wahrzunehmen, wenn er lediglich 10 Meter von einem entfernt ist, bedeutet eine Sehleistung von nur noch 10%-eineSehbehinderungliegt vor.

Wir sprechen von einerhochgradigen Sehbehinderung,wenn jemand nur noch 5% der eigentlichen Sehschärfe besitzt:

Alsblindwird jemand ab einer Sehleistung von 2% bezeichnet.8

Dabei ist eine hochgradige Sehbehinderung gerade auf den Sport bezogen nicht eindeutig zu definieren. Eine Person mit einer hochgradigen Sehbehinderung hat im

7aus: www.dbsv.org

8aus: www.dbsv.org

Schwimmen mit Sehbehinderung ~ wissenschaftliche Arbeit für das 1. Staatsexamen ~ Silvia Weible

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2. SCHWIMMENUNDSEHBEHINDERUNGEN6

Gegensatz zu Blinden oft noch ein relativ gutes Orientierungsvermögen9, was bedeuten würde, dass er in einem sportlichen Wettkampf nicht als Blinder, sondern als Sehbehinderter starten kann.

Das Deutsche Rote Kreuz definiert Blindheit als „Unfähigkeit zu sehen: im Allgemeinen ein schwerer durch Brillen nicht mehr korrigierbarer Sehverlust“10. Zu dieser Definition hinzuzufügen wäre noch der Aspekt der Gesichtsfeldeinschränkung.

Nach dem Bundessozialhilfegesetz §24 gelten Personen als blind, wenn ihre „Sehschärfe auf dem besseren Auge nicht mehr als1/35beträgt, wenn das Gesichtsfeld dieses Auges bis auf 30 Grad oder weniger eingeschränkt ist oder weiter nicht mehr als1/20beträgt, wenn das Gesichtsfeld dieses Auges bis auf 15 Grad oder weiter eingeschränkt ist.“ Die Gesichtsfeldeinschränkung wird beachtet bei der Einteilung nach MERSI in funktional Blinde und funktional Sehende, sowie bei der Einteilung des Deutschen Roten Kreuzes in funktionale und praktische Blindheit.

2.1.1 Die Kamera im Kopf - ein medizinischer Exkurs

Durch die Zusammenarbeit von Augen, Sehbahn und bestimmten Zentren im Gehirn können wir sehen. Dabei vergleicht SCHNELL11die Augen mit Kameras, die die Bilder ans Gehirn schicken. Der Sehsinn ist zusammen mit dem Hörsinn der wichtigste Sinn des Menschen. Das Auge stellt entwicklungsgeschichtlich einen Teil des Gehirns dar. Es ist, in der schützenden knöchernen Augenhöhle (Orbita) gelegen, das auf Licht (elektromagnetische Wellen von 350 bis 800nm) ansprechende Organ, das zusammen mit dem Sehnerv (Nervus opticus) das Sehorgan bildet. Einfallende Lichtstrahlen werden durch das optische System (Hornhaut, Kammerwasser, Linse und Glaskörper) gebrochen und bilden das Betrachtete auf der Netzhaut ab. Auf der Netzhaut, bestehend aus Nervenzellen und -leitungen, werden elektrische Nervenimpulse freigegeben, die über den Sehnerv ins Gehirn geleitet werden.12Dort werden die Informationen verarbeitet und mit bereits vorhandenen Informationen aus dem Gedächtnis verglichen.

9aus: SCHERER, F.:„Sport mit blinden und sehbehinderten Kindern und Jugendlichen“;Reihe Motorik- Band 4; Hofmann

Schorndorf, 1983, Seite 10/11

10aus : LexikonDudenDas Neue Lexikon,3. Auflage, Band 8

11aus: SCHNELL, D:„Das kann ins Auge gehen… Was Aktive und Betreuer zur Sehleistung wissen sollten“;Bundesinstitut für

Sportwissenschaft und Deutscher Sportbund - Bereich Leistungssport; Neubert 1997; Seite 12

12aus: TROJAN, H.J.: „Sehen und Sport bei Kindern und Jugendlichen - Erfahrungen eines niedergelassenen Augenarztes“

in: Deutsches Grünes Kreuz„Gutes Sehen beim Sport“;Bericht über ein Symposium in München 11. Juni 1980, Seite 23

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