Seelen am Abgrund - Bernd Schuster - E-Book

Seelen am Abgrund E-Book

Bernd Schuster

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Beschreibung

Anlageberater Robert Lasalle pflegt in den 90-er Jahren im schicken München Grünwald seinen aufwändigen und schillernden Lebensstil. Nach der brutalen Entführung seiner schönen Lebensgefährtin Sandra ist nichts mehr so, wie es war... Was zum Teufel hat sie mit CIA, Mafia und islamischen Terroristen zu tun? Der prickelnde, amüsant kredenzte Thriller findet im bayerischen Voralpenland sein originelles Ende.

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Seitenzahl: 310

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Kurzexposée: 

Anlageberater Robert Lasalle pflegt in den 90-er Jahren in

München- Grünwald seinen aufwändigen und schillernden Lebensstil. Nach der Entführung seiner schönen Lebensgefährtin Sandra ist nichts mehr so, wie es war....

Was zum Teufel hat sie mit CIA, Mafia und islamischen Terroristen zu tun?

Seelen am Abgrund........

Ein Thriller

von

München-Grünwald , 90er- Jahre des vorigen Jahrhunderts

Die Augustnacht ist drückend schwül. Enge in der Brust schiebt Schweißperlen auf nackte Haut, die einem Rinnsal gleich das weiße Bettlaken durchnässen. An Schlaf ist nicht zu denken. Angst lässt die Augenlider zittern, der Atem ist flach, der Herzschlag flattert.

Alles könnte so schön sein! Neben Robert liegt bäuchlings ein blondes, langbeiniges Wesen mit lockigem Engelshaar und weichem, weißen Flaum auf der leicht bronzierten, feuchten und nackten Haut. Die mädchenhaft schlanken Beine sind leicht gegrätscht. Ein Bein ist im rechten Winkel angezogen, das Bettlaken zerwühlt . Es trägt Spuren nächtlicher Leidenschaft. Robert gleitet aus dem Spielfeld der Lüste. In den Schläfen hämmert arhythmisch sein Pulsschlag. Das Champagnerglas zerbricht unter nackten Fußsohlen. Verflucht! Rote Kleckse ergießen sich auf den cremefarbenen und fast neuen Teppichboden eines Schlafzimmers der opulenten Walmdachvilla. Grünwald im Isartal bei München gilt als bevorzugte Adresse der „Reichen und Schönen“. Zudem ist dort der Gewerbesteuer-Hebesatz niederer als in München selbst, was nicht wenige Firmen und Gewerbetreibende auch der Steuer wegen an diesen illustren Ort lockt.

Im Kleiderschrank gibt es Handtücher, um ein noch größeres Blutbad zu verhindern. Die schmucke Villa mit Swimmingpool ist gemietet, der schwarze 12-Zylinder BMW und das Porsche-Cabriolet in der Doppelgarage sind geleased. Robert ist 38, kinderlos geschieden und seit 15 Jahren freier Anlageberater. Einer der Besten! Nebenbei studiert er in München Betriebswirtschaftslehre und macht seinen Diplom-Betriebswirt. Seit einigen Jahren weiß er intuitiv, dass er eigentlich ein Vermögenszerstörer ist.

Die monatlichen Festkosten liegen bei gut 25.000 DM, die Einnahmen sind hoch, aber unsicher. Das einzig Sichere sind die hohen monatlichen Ausgaben. Dabei sein ist alles! Wer beim Jetset punkten und Geschäfte abschließen will, muss mit dem Klienten auf Augenhöhe sein. Diese Augenhöhe ist teuer und nervenaufreibend. Die Provisionen für abgeschlossene Geschäfte sind unsittlich  hoch. Ein Fuß steht dabei meist im Gefängnis.........

Der Zweck heiligt die Mittel. Landschaften in der ehemaligen DDR werden laut Aussage des Bundeskanzlers blühen und die 50 % Weichkosten der Immobilienprojekte tilgen. Robert redet sich vieles schön. Heute ist Zahltag!

Die Hausbank will Geld sehen, sonst droht die Kündigung der Dispo-Kreditlinie und sofortige Rückzahlung von einigen Hunderttausenden, die Robert nicht hat. Das bedeutet die sofortige Zwangsvollstreckung und das komplette Karriere-Aus! Da schöne Frauen keine armen Verlierer lieben, auch das „Aus“ des bisher gewohnten „Dolce Vita“. Armut macht elend und hässlich!

Robert entspricht optisch dem smarten Vorbild erfolgreicher, aalglatter Geschäftsleute, die gut bei „Dallas“ oder „Denver“ mitspielen könnten. Sportlich, redegewandt, immer gut gekleidet, oberflächlich freundlich ,stets braun gebrannt mit Waschbrettbauch. Auch im „Leo´s“ Fitnessstudio an der Leopoldstrasse ließen und lassen sich auf dem Laufband mit dem durchwegs wohlhabenden Klientel gute Geschäfte einfädeln und nebenbei in ähnlichem Stil elegant gleich dazu noch hübsche Damen anbaggern. Robert ist ein wahrer Meister des Kontaktens und der Anbahnung. Wäre sein Bettgestell nicht aus Chrom, sondern aus Holz, könnte dieses die pro Dame eingeritzten Kerben nicht mehr aufnehmen.

Im, mit Mahagoniholz getäfelten Warteraum für „Private Banking“ Kunden des renommierten Münchner Geldinstitutes stöckelt eine junge Dame im grauen Business-Anzug auf Robert zu. Kaffee oder Soft-Drink? „Danke- ein Mineral mit Sprudel!“ Direktor Dr. Meier ist noch im Mandantengespräch und bittet um etwas Geduld....

Die Minuten werden zu einer guten halben Stunde, Roberts Handflächen sind feucht .Kalter Schweiß kriecht trotz arbeitender Klimaanlage ähnlich wie bei einer drohenden Zahnarztbehandlung unter den Achselhöhlen hervor und durchnässt das Designerhemd.Nach außen hin „Pokerface“. Dieses und seine Kunst, im richtigen Moment cool zu bleiben und zu bluffen hat ihm schon manchen großen Abschluss gerettet. Heute geht es um „Barfuß oder Lackschuh“! Die Gefahr des bodenlosen Absturzes aus dem Himmel zur Sozialhilfe ist für den 38-Jährigen nicht gerade nervenberuhigend. Dr. Roland Meier erscheint im tadellosen ,dunkelgrauen Zweireiher mit Einstecktuch und dazu passender Fliege. Das blasse, kantige Gesicht wirkt streng und unpersönlich. Entschuldigung Herr Lasalle, ich habe sie warten lassen. Die Stimme klingt hohl und nicht melodisch. Sie verstehen- dringende Geschäfte... Robert versteht...

„Nun..Herr Lasalle, ich will gleich zum Punkt kommen. Ihre Zahlen sind bedenklich. Ihre Ausgaben übertreffen seit geraumer Zeit Ihre Einnahmen und Ihr letzter Bauträger, für den Sie bei Potsdam Häuser verkauft haben, ist insolvent geworden. Es fehlen nun die, unserem Institut von Ihnen seit 3 Monaten zugesagten, angeblichen Provisionen von 550.000 DM. Ich muss Sie leider auffordern, Ihren Minussaldo von rund 400.000 DM innerhalb von 14 Tagen glatt zu stellen. Danach wird die persönliche Zwangsvollstreckung betrieben werden. Beleihbare Werte sind ja keine zusätzlichen vorhanden.“

“.. Es sei denn“.......Direktor Meier räuspert sich und blickt Robert verschwörerisch und jovial an:

„Sie sind ein sehr guter Verkäufer Herr Lasalle !Wir wollen Ihnen gerne helfen, wenn Sie uns helfen....“

Lasalle:„Wie kann ich Ihnen helfen?“

Meier :„Nun- eine Großbank hortet immer ein paar Problemfälle. Ich meine -ein paar, nun sagen wir mal „schlecht zu veräußernde Immobilien“.

Lasalle: „Sie meinen „problematische Schrottimmobilien , also „Leichen im Keller“?

Meier: „Nun, so würde ich das nicht bezeichnen!“

Lasalle: „Was erwarten Sie von mir?“

Meier : „Sie sind ein begnadeter Verkäufer, der einem Eskimo einen Kühlschrank verkaufen kann! Solche Talente haben wir in unserem Institut nicht!“

„Helfen Sie uns und wir, sagen wir mal-erhöhen Ihre Dispo-Kreditlinie um weitere 50.000.....Sind Sie bei uns?“

Lasalle: „Welch andere Wahl bliebe mir?“

Meier : „Nun- wohl keine.....“

Lasalle: „Dann bitte ich um einen Cognac ....“

Meier : „Aber gern, auf gute Geschäfte..“

Sie erhalten nach Verbriefung und Finanzierungszusage den über den Verkaufspreis hinaus erzielbaren Mehrerlös. Wie hoch Sie diesen ansetzen, überlassen wir Ihnen selbst. Wir finanzieren bei entsprechender Bonität gern 100%

zuzüglich aller Nebenkosten und Ihres Mehrerlöses.

Lasalle: „Ich danke Ihnen für dieses Gespräch! Auf gute Geschäfte!“

(Lasalle telefoniert im BMW mit dem Autotelefon): Isabel, mein Schatz, ich vermisse Dich! Lass uns nach Schloss Berg am Starnberger See fahren. Ich möchte mit Dir fein zum Abendessen gehen.....

Der Pulsschlag wird stabil, die Situation ist gerettet. Mindestens 2 Monate Luft zum Durchatmen, eine halbe Ewigkeit!

(Isabel erscheint mit dunklen Strähnen im blonden Schopf im kleinen, fast durchsichtigen „Schwarzen“ auf hohen Pumps mit römischen, dünnen Lederriemchen um die schlanken Waden.):

„Hallo Robbi-Cherie, alles klar bei Dir? Du schaust gut und erfolgreich aus, mein wilder Tiger!“

Lasalle: „Alles bestens! Super! Du hast den Körper einer Göttin!“

(Setzt sie auf das Geländer am Bootssteg …....)

(Abendessen im Restaurant „Schloss Berg“ )

Isabel : „Ich nehme die gegrillten Scampis und dazu ein Glas Chablis.....“

„Schatzi- wann heiratest Du mich? Ich will mindestens zwei Kinder von Dir! Wann machen wir endlich Urlaub? Ich will nach Ibiza , faul mit Dir am Strand liegen und mit Dir kuscheln!....“

Isabel:

Isabel Müller ist 28 Jahre jung, Diplom- Sportlehrerin und als freiberufliche Personal- und Fitness-Trainerin tätig. Die gebürtige Münchnerin lernt Robert im „Englischen Garten“ am Monopteros kennen. Ihr gefällt auf Anhieb seine weltmännische Art, sein gutes Aussehen, seine souveräne Art, sie direkt anzusprechen, sowie - natürlich nicht zu vergessen- seine finanzielle Großzügigkeit.

Als momentaner Single kündigt sie nach kurzer Zeit ihr 2-Zimmer Appartement in Schwabing und zieht zu ihm in seine Villa nach Grünwald. Sie glaubt, in Robert einen Sechser im Lotto gefunden zu haben. Sie ist schwer verliebt....

Havelland- Brandenburg- neue Bundesländer (kurz danach)

„Hier entsteht eine exklusive Wohnresidenz mit komfortablen Einfamilienhäusern am neuen Yachthafen“. Das Bauschild thront auf einem lehmig-braunen Hügel neben tiefen Spuren eines Caterpillers. 25 baugleiche Fertighäuser lehnen wie mit einem Lineal gezogen an diesem Hügel. Unten dümpelt die braune Brühe eines Seitenarmes der Havel. Von einem Hafen keine Spur. Von Menschen ebenso nicht. Robert ist kein Baufachmann, doch er erkennt blitzartig, dass das keine normale Baustelle, sondern ein Millionengrab ist, in dem Einlagen westdeutscher Kapitalanleger und zusätzlich noch Steuergelder vergraben sind und weiterhin vergraben werden sollen. Er wird der Henker sein! Jedem Eskimo seinen Kühlschrank! Es gibt hier weder eine funktionierende Kanalisation noch irgendeine Infrastruktur. Das nächste Dorf mit einem „Tante-Emma“ Laden ist 3 Kilometer entfernt, der nächste Supermarkt 10 Kilometer.

Dr. Meier hat gesagt, dass das schon noch werden wird. Seine Bank hat die Bauträgerfinanzierung übernommen. Leider ist der alte Bauträger pleite gegangen. Das Projekt soll nun so abgewickelt werden, dass die Bank maximalen Profit macht. Daher stehen auch als Anfang der noch zu bauenden 100 weiteren Häuser nur mal als Appetithappen 25! Es wird einen neuen Bauträger geben, der genau das tun wird, was die Bank vorgibt. Lasalle verkauft!

Robert steigt beißender Magensaft in die Kehle. Fast muss er sich übergeben. Er hat gesehen, was er sehen musste. Er wird es sich jetzt virtuell so zurecht biegen, dass daraus ein stimmiges Verkaufsgespräch werden wird. Er hat das schon oft gemacht und es nach einiger Zeit dann sogar selbst geglaubt. Eine Art der Autosuggestion, die dank des hohen Henkerlohnes und der damit verbundenen Annehmlichkeiten des „Dolce Vita“ aus der Not eine Tugend macht.

Die Schnauze seines 3er Miet- BMW´s erreicht nach gut 3 Stunden Rückfahrt im „Stop & Go“ Modus den Berliner Kurfürstendamm. Lasalle ist im Hotel Bristol Stammgast. Schon vor der Wende verkauft er in West-Berlin erfolgreich Dachgeschosse und denkmalgeschützte Sanierungsobjekte. Die Qualität dieser Sanierungen ist meist dürftig, dafür sind die Verkaufspreise und Provisionen hoch. Doch unter dem Strich und mit den hier gegebenen, sehr hohen Steuerabschreibungsmöglichkeiten rechnet es sich auf dem Papier vorzüglich und ist für den Anleger auf den ersten Blick recht spannend.

Robert war und ist ein geschickter Meister der Erzeugung eines zum Kauf animierenden Umfeldes. Nicht selten fliegen Steuerberater und Wirtschaftsprüfer, von hohen Steuern geplagten Zahnärzten und anderen Freiberuflern, auf seine Kosten meist mit PAN AM in die damals noch geteilte Stadt. Sein Rahmenprogramm startet je nach Art der Kaufinteressenten beispielsweise im KADEWE in der Feinkost Abteilung bei frischen Austern und einem Glas Kir Royale. Abends kommt dann Cabaret mit den Berliner Stachelschweinen und ein schönes Dinner bei einem Edelitaliener an die Reihe. An der Bristol Bar warten wie zufällig bereits zwei bildhübsche, von Lasalle über das gesamte Jahr nach außen hin unerkannt „gecharterte“ Studentinnen. Jede erhält von ihm für ihre diskreten Dienste eine steuerfreie, monatliche Studienbeihilfe von 2000.-DM. Er hat sie beide natürlich vorher persönlich mit seinem Charme umgarnt und selbst getestet. Die jungen Damen gaukeln seinen Mandanten vor, etwas ganz Besonderes zu sein und eine tolle Ausstrahlung zu haben. Sie sind dabei recht überzeugend. Meist geht für Lasalle diese Taktik auf und somit rechnet sich die hohe Ausgabe. Etliche Mandatsträger können sich nach der Überquerung der Zonengrenze nicht mehr an ihre Ehefrauen erinnern. Nach dem opulenten Frühstück finden die Objektbesichtigungen der Berater für die meist zuhause gebliebenen Mandanten im Rahmen einer großräumigen Umfahrung des Sanierungsobjektes aus dem Taxi statt.

Dank der, durch die angenehme, aber kurze Nacht sehr positiven und weichzeichnenden Grundstimmung sind die Mandatsträger gut gelaunt und kooperativ. Wieder in München leisten die durch sie gut und sicher beratenen Investoren in der Regel gern und widerstandslos beim Notar ihre Unterschrift, um ihre Steuern gezielt in Vermögen umzuwandeln. Es gibt meist über einige Jahre deutlich überzogene Mietgarantien, durch die sich die Projekte gut rechnen. Dadurch wird das wahre Ausmaß der Investitionen erst später und erst nach und nach sichtbar. Da ist es dann aber schon zu spät. Juristisch klagen ist in der Regel sinnlos. Die Kosten sind hoch, die Sache ist verschleiert und der Ausgang ungewiss. Zudem neigt der Mensch im Laufe der Zeit dazu, sich in sein Schicksal zu fügen. Lasalle ist selten jemand direkt böse.

Dank seiner stets herzlichen Art und Hilfsbereitschaft lenkt er geschickt mögliche Attacken , die ihm gelten könnten, in andere Richtungen und auf andere.

Chemnitz-Deutschland- Neue Bundesländer

Karl Marx Stadt heißt nun Chemnitz. Schöner wird diese Stadt davon auch nicht. Es gibt hier allerdings das „Kuckuk´s Nest“, ein Lokal, in welchem täglich Fasching gefeiert wird . Katharina Witt, die berühmte Eisprinzessin, wurde hier geboren . Zudem stehen hier jede Menge mausgrauer, alter Immobilien, die trotz mancher Bombennacht des 2. Weltkrieges, wenngleich manchmal von Granatsplittern durchsiebt, aufrecht stehen geblieben sind. 40 Jahre Planwirtschaft des „Arbeiter- und Bauernstaates“geben dem Gelände dann noch den letzten Rest. Im sogenannten Schlossplatz-Viertel befinden sich angeblich die besten Lagen. Das Wichtigste beim Immobilienkauf sind bekanntlich 3 Dinge: 1. die Lage, 2. die Lage und 3. die Lage! Dazu noch Steuergeschenke und 100% Abschreibung auf die geplanten Sanierungskosten, die bei dem noch stehenden , denkmalgeschützten Schrott über 80% der Gesamtinvestition ausmachen. Das ergibt beim richtigen Grenzsteuersatz des Anlegers eine geile Rechnung, die seine Ortsbesichtigung eigentlich überflüssig macht. Mieter werden billig heraus gekauft , oder notfalls einfach Strom und Wasser abgestellt. Im Winter versagt die Heizung, bis das letzte alte Mütterlein freiwillig ins Altersheim geht, oder sich das Leben nimmt. Seelische Depressionen sind im Alter nicht selten und Überreaktionen üblich!

Robert verkauft den aufgemotzten Schrott zu hause bei München souverän nach dem ihm vorliegenden, in Hochglanz gedruckten Bauträgerprospekt. Kaum ein Interessent fährt je zum Schauplatz seiner Investition , unterschreibt jedoch notariell, persönlich besichtigt zu haben. Bekanntlich ist der Steuerspartrieb größer als der Sexualtrieb! Der verkaufte Laden hat keine eigene Eingangstür, obwohl sie im Prospekt eingezeichnet ist. Kunden müssen erst durch den normalen Mietereingang eintreten.

Das merkt der Käufer erst nach einem Jahr, als sich kein Mieter für den Laden findet. Der Bauträger findet, dass dies kein besonderer Mangel sei. Einen Prozess gibt es aus gerichtlichen Termingründen erst 5 Jahre später. Lasalle wird wahrheitsgemäß aussagen. Zu Gunsten des Käufers wird vom „Landgericht München I“ die Rücknahme des Kaufobjektes durch den Bauträger und Verkäufer entschieden. Leider ist dieser Bauträger mittlerweile insolvent. Dem Kläger bleiben Anwalts- und Gerichtskosten und der Laden.

Lasalle hat seine Schuldigkeit getan und bedauert das tragische Einzelschicksal. Seine Provisionen sind geflossen und mittlerweile nach dem Durchlauferhitzerprinzip längst im Kreislauf des täglichen Lebens versickert. Somit hat sich Robert um sein Vaterland als Steuerzahler verdient gemacht. Ihn zu verklagen wäre aufgrund der sogenannten Prospekthaftung zwar für den Investor theoretisch sinnvoll , aber mangels finanzieller Masse des Herrn Lasalle wohl lediglich ein weiterer Kostenfaktor.

-Schatz, was ist los mit Dir? Sandra beugt sich über ihn und tupft seine fiebrige Stirn.

Robert hat schlecht geträumt und wälzt sich im Schlaf .

Wieder mal Albträume! Da ist das Gesicht der uralten, runzligen Frau, die ihn damals in Chemnitz weinend gebeten hatte, nicht aus ihrer Wohnung, in der sie 40 Jahre lebte, ausziehen zu müssen. Sie wollte nicht ins Altersheim. Sie steht mit bösen Blick und ohne Gebiss vor Robert . Sie sticht ihm ihr langes Küchenmesser immer und immer wieder in die Brust.

-“Du bist schuld,- Du bist ein Mörder!!“

Die alte Frau hat vor wenigen Monaten den Gashahn aufgedreht. Nun ist sie wieder da, oder ist Robert ihr schon nachgefolgt? Die Schmerzen in seiner Brust sind fast unerträglich. Traum und Wirklichkeit verschwimmen zu einer diffusen Masse. Da ist auch Herr Schmidt, der freundliche und gutgläubige LKW- Fahrer , junger Vater einer Familie mit 2 kleinen Kindern . Über Robert hatte er auf Kredit und mit Beleihung seines geerbten Reihenhäuschens einen „todsicheren“ Aktienfonds gekauft . Der Fonds war tatsächlich todsicher , das heißt, das Geld war sicher weg. Wie heißt es so schön in Beraterkreisen:“ Herr Kunde, Ihr Geld ist nicht weg, es hat nur ein anderer“! Nun ist Herr Schmidt tot, nachdem er seiner Frau nicht sagen wollte , dass das Häuschen zwangsversteigert wird. Er leitete lieber die Abgase seines LKW in die Fahrerkanzel . Niemand gibt Lasalle dafür die Schuld. Gier frisst eben Hirn! Nun steht Herr Schmidt regungslos mit traurigen, anklagenden Augen vor Lasalle, dem das Blut in den Adern gefriert.

Sandra:„Schatz, was ist mit Dir? Soll ich den Arzt holen?“

Robert: „Nein- es geht schon, bring mir bitte ein Aspirin! Danke!“

Eine eiskalte Dusche bringt ihn ins Leben zurück. Sport und Bewegung mit Ausdauercharakter in Form eines 10-Kilometer Laufes an der Isar bringen auch die Laune zurück. Nun- er kann doch wirklich nichts dafür! Er hat doch niemanden mit Vorhalten eines Revolvers zu irgendetwas gezwungen. Wenn er es nicht tun würde, dann eben ein anderer. Manche Dinge im Leben müssen einfach getan werden, wenn man zu den Erfolgreichen gehören will. Verdammte Sensibilität- Nur die Harten kommen in den Garten!

Sandra hat Isabel abgelöst. Aus blond mach brünett. Der Abschied ist kurz und heftig. Isabel hat schnell herausgefunden, dass es für Robert auch trotz ihrer Beziehung weitere Damen gibt.

Daraufhin zieht sie sofort aus und zieht traurig aber konsequent einen Schlussstrich. Auch Sandras Beine sind lang und schön gedrechselt. Auch sie fährt gerne Cabrio und badet nackt im hauseigenen Pool. Sandra ist 15 Jahre jünger als Robert und macht sich gut an seiner Seite.

Mein Haus, mein Porsche, mein Reitpferd , meine Lebensgefährtin!

Mit einem Unterschied zu vorher: Sandra ist von Robert im dritten Monat schwanger! Er weiß es noch nicht!

Das wäre neu und ganz besonders für Lasalle, der insgeheim doch davon träumt , sich einmal zu reproduzieren. Ist es Liebe? Oder ist es nur Sex? Im Reigen der vielen weiblichen Optionen ging der Sinn für Tiefgang völlig verloren.

„Robbi , ich fahr mal schnell frisches Baguette holen!“

2 Stunden später

Die Hausglocke läutet: „Grüß Gott, Kripo München, Kommissar Erich Freiberger. Mein Kollege Ludwig Braun.“

„Sind Sie Herr Robert Lasalle? Hier ist unser Ausweis!“

Lasalle (geschockt): „Ja“

„Gehört Ihnen der schwarze Porsche 911 Cabrio mit dem amtlichen

Kennzeichen M-L 11?“

Lasalle: „Ja, was ist denn los?“

„Nun- es wurde beobachtet, dass eine braun gelockte Dame, die in Grünwald aus Ihrem Wagen gestiegen ist , von 2 Männern gewaltsam in eine dunkelblaue Limousine gezerrt wurde. Ist die Dame Ihre Bekannte?“

Lasalle leichenblass.“ Ja, um Gottes Willen, Sandra.“

Freiberger: „Wie noch?“

Lasalle tonlos : „Unterleitner“

Freiberger: „Wir lange ist sie schon weg? Ist Ihnen etwas Besonderes aufgefallen?“

Lasalle: „Ca. 2 Stunden, sie wollte nur ein Baguette beim Bäcker holen, aber sie geht manchmal noch ins „Italia“ auf einen Cappuccino und trifft dort gelegentlich Bekannte.“

Freiberger : „Wie lange sind Sie schon mit Frau Unterleitner zusammen und was arbeitet sie?“

Lasalle: „Ca. 4 Monate, sie hat Medizin studiert und wartet auf eine Ausbildungsstelle im Klinikum in Grosshadern“.

Freiberger: „Danke, bitte halten Sie sich zu unserer Verfügung und bleiben Sie telefonisch erreichbar. Sie haben doch sicher auch Mobilfunk? Wir informieren Sie, sobald wir etwas Neues wissen. Danke........“

Der Boden unter Robert beginnt zu schwanken......

Sandra

Dr. med. Sandra Unterleitner kommt im Frühjahr 94 nach München in die Stadt ihrer Träume. Das Medizinstudium an der Universität in Verona hat sie gerade „cum laude“ und mit Doktortitel abgeschlossen . Für die 25-Jährige ist die Welt in Ordnung. Im Herbst will sie sich am „Klinikum Grosshadern“ ihre Sporen verdienen und Kardiologin werden. Ihr Vater ist ein Südtiroler aus Meran , die Mutter stammt aus dem Libanon. Sandra hat die letzten 10 Jahre ihres Lebens mit den Eltern in Verona zugebracht. Ihr Vater arbeitet in der Pharmaziebranche. Seine Firma unterhält in Verona ein Büro. Genaueres weiß sie nicht, es hat sie auch nie besonders interessiert. Vater war nur öfter längere Zeit am Stück im Ausland und wirkte bei seiner Rückkehr manchmal etwas seltsam .......

Sandra spricht fließend Deutsch, Italienisch und Englisch. Spanisch und Französisch erlernt sie im Gymnasium als zusätzliche Wahlfächer und bei Auslandsaufenthalten. Arabisch bringt ihr ihre Mutter schon im Kindbett bei.

Hochgewachsen und schlank hat sie eine erotische und zugleich sehr natürliche Ausstrahlung. Ihr Teint ist frisch und immer gut gebräunt. Das leicht orientalisch geschnittene Gesicht mit den brauen, großen Mandelaugen und den langen Wimpern wird von einer wilden, lockigen, kastanienfarbenen Mähne eingerahmt.

Sie lernt Robert im Leo´s Fitnessstudio und kurz danach bei ihm zu hause näher kennen.

Auf der „Südlichen Münchner Straße“ in Grünwald in Höhe des Café Italia, steigt sie im Jogging- Anzug und mit weißen Turnschuhen aus Roberts Cabrio. Alles geht rasend schnell und wie in einem schlechten Film.... Zwei untersetzte Gestalten in schmuddelig wirkenden, dunklen Business Anzügen und dunklen Sonnenbrillen zerren sie blitzartig in eine, hinter ihr soeben geparkte, dunkelblaue „Jaguar Sovereign“ Limousine .

Das Nummernschild ist unkenntlich umgeklappt. Ein Handtuch, das seltsam riecht, wird auf ihr Gesicht gedrückt . Das ist der Filmriss......Außer einem leichten Röcheln bringt sie keinen Laut heraus..

Anscheinend hat niemand um 2 Uhr nachmittags etwas bemerkt. Es regnet und daher sitzt niemand auf der Terrasse des „Café Italia“....

Bis auf Herrn Walther, einen 70-jährigen Pensionisten, der tagsüber hinter den Stores seines Wohnzimmerfensters verborgen späht . Aus Langeweile oder aus Boshaftigkeit meldet er gerne Parksünder an die Polizei in Grünwald. Heute meldet er ausnahmsweise die Entführung einer attraktiven, jungen und brünetten Frau aus einem Porsche Cabrio.

Der diensthabende Beamte gibt die Meldung von der PI 32 Grünwald sofort ans Polizeipräsidium München weiter...

Verona- Italien

„Signore Unterleitner, telefono per favore, un signore senza nome, ma molto urgente…..“

Seine Sekretärin , Signora Tedeschi stellt durch...

„Unterleitner, pronto, Unterleitner......, chi parla?“

(In gebrochenem Italienisch mit arabischem Akzent): Das tut hier nichts zur Sache.

„Kommen Sie heute Nacht um Mitternacht in den Yachthafen „Sirmione 2“. Keine Waffe, keine Polizei- und erzählen Sie niemandem vom Anruf! Wir haben Ihre Tochter.., keine Polizei, sonst sehen Sie sie nie wieder....Das ist kein Scherz!!..Wir haben sie hier …...“ Freizeichen...

Unterleitner: „Was ist mit Sandra?....Wo ist sie?“......

Isola del Garda“ - Südlicher Gardasee

Alles dreht sich in Sandras Kopf, Brechreiz würgt die Kehle. Der Trainingsanzug ist besudelt . Es riecht erbärmlich nach Erbrochenem . Grauenhaftes Gefühl. Durch ihre Schwangerschaft wird ihr noch übler. Keine Ahnung, wie lange sie bewusstlos war und wo sie ist. In der engen, dunklen Kajüte des schlingernden Sportbootes brütet dumpfe Hitze. Der kernige Ton zweier starker Bootsmotoren dröhnt in Ihren Ohren. Neben dem sauren Geruch riecht es nach Benzin. Soll sie kotzen oder nicht?

Das Dröhnen nimmt ab, das Schlingern auch. Der Bootsrumpf stößt an etwas Hartes. Eine italienische Stimme und dann osteuropäische Laute. Klingt in ihren sprachlich geschulten Ohren serbokroatisch . Dort war gerade Krieg. Die Tür der Kajüte wird aufgerissen, der Strahl einer starken Taschenlampe blendet sie mitten ins Gesicht. Mitkommen, Du Schlampe!.....

Zwei brutale Hände packen sie , Schraubstöcken gleich, eine Kapuze wird ihr derb über den Kopf gezogen.

„Ein Mucks und wir ficken Dich, dass Du nicht mehr gerade stehen kannst, Du kleine Nutte“!

Sie stolpert über die Reling und wird unsanft auf den Steg gehievt. Danach geht es unsäglich lange über steinerne Treppenstufen hinauf. Unter der Kapuze bekommt sie kaum Luft. Die beiden, stark nach Schweiß riechenden Männer, schleifen sie brutal nach oben........

Karl Unterleitner- Verona

Unterleitner wählt die Nummer von Robert Lasalle:

„Hallo Herr Lasalle, entschuldigen Sie die Störung! Wir kennen uns noch nicht persönlich. Ich bin Sandras Vater. Sandra hat mir und meiner Frau von Ihnen erzählt. Ich habe Ihre Nummer von der Auskunft. Ich rufe Sie aus Verona an. Bitte kommen Sie rasch. Und bitte keine Polizei. Es geht um Sandra, Sie wurde entführt , Sie sollten das wissen. Wann können Sie da sein?“

Lasalle : „Ja, ich weiß, die Kripo war schon bei mir. Ich denke in gut 4 Stunden, wenn ich in keinen Stau komme. Ich soll mich der Polizei zur Verfügung halten. Sie erreichen mich immer unter meiner Autotelefonnummer.“

Unterleitner: „Rufen Sie mich nochmal an, wenn Sie kurz vor dem Gardasee sind! Danke!“

Drängend: „Und nochmals, unbedingt keine Polizei, sonst bringen die meine Sandra um!“

Kripo-München

Freiberger: „Erich, überprüfe bitte diesen Lasalle! Das Übliche, Bankverbindungen , etc., auch diese Sandra Unterleitner.....

Der Typ lebt ja wie die Made im Speck!............“

„Lugano- Schweiz“

Bei einer recht bekannten Schweizer Bank

Benvenuto al Ticino ! Willkommen im Tessin, in der, von der Sonne verwöhnten, italienischen Schweiz!

Die klimatisch begünstigte Südschweiz ist von Mailand nur 80 Kilometer entfernt und über die Autostrada in einer Stunde erreichbar. Hier gedeihen im milden, mediterranen Klima nicht nur Palmen, sondern auch Gelder auf verschwiegenen Konten italienischer und internationaler Anleger , bisher noch bestens geschützt durch das Schweizer Bankgeheimnis......

Bankdirektor Rainieri (in Zürich aufgewachsen): „Grüazi und herzlich Willkommen! Wie war die Anreise Herr Lombardi? Was haben wir denn heute? Wie immer in Bar? Heute 2,5 Mio. Laufen die Geschäfte gut?“

(Luigi Lombardi ...Brummt nur ....)

Ein Kurier, der als Mountainbike- Tourguide im italienisch-schweizerischen Grenzgebiet geführte Touren anbietet, hat ihm vor 2 Stunden kurz nach der Schweizer Grenze den Inhalt seines präparierten 30-Liter Transalp-Rucksacks in Folie eingeschweißt übergeben. 2,5 Mio. in großen Scheinen sind nicht so umfangreich, wie man vielleicht glauben könnte..

Rainieri: „Wir hätten da eine noch bessere Veranlagung für Ihre Einlagen. Anstelle der Nummernkonten bieten wir Ihnen die Möglichkeit der Gründung einiger Stiftungen. Das Ganze verpacken wir dann noch in den Mantel einer seriösen Lebensversicherung bei „Wilhelm Tell Life“.......“

„Unsere Experten machen das gerne für Sie und ganz wasserdicht........“

„Luaga ma mal auf Ihren Depotauszug. Da ischt mit dem heutigen Zugang und Zinsen ein aktueller Depotwert von 263,755 Mio. Schwyzer Franken. Das hätten Sie dann alles unter einer einzigen Policen Nummer, die auf einen anonymen Stiftungsnamen lautet.“

„Das isch dann noch wesentlich sicherer und besser fungibel. Sie haben jederzeit volle Verfügbarkeit... Ihre internationalen Immobilien-Beteiligungen könnten wir darin auch noch verhüllen...“

Lombardi: „Ich werde mit meinen Auftraggebern Rücksprache halten und gebe Ihnen Bescheid..“

„Arrivederci.......“

Rainieri: „Mercie und auf Wiedaluaga Herr Lombardi.....und immer gern zu Ihren Diensten....“

Robert Lasalle

Auch 12 Zylinder und 330 Pferdestärken helfen wenig, wenn sich der Urlauberstrom zäh wie Lava über die Brenner-Autobahn Richtung Süden wälzt. Robert verliert selten die Beherrschung, doch in einen persönlichen Entführungsfall war er noch nie verwickelt. Derzeit scheint sich alles gegen ihn verschworen zu haben. Er hat Angst um Sandra, sie fehlt ihm plötzlich sehr. Ein Leben ohne sie erscheint ihm sinnlos und leer. Er hat für die nächsten Tage alle Termine abgesagt.

Immer öfter ertappt er sich dabei, aus seinem, nach außen hin komfortablem ,aber irgendwie leerem Leben ausbrechen zu wollen. Es fehlt der Sinn! Er träumt von einem Leben als Tennislehrer oder einem Jahr als Senner auf einer Almhütte. Einmal ohne ständigen Leistungsdruck, Telefonate und den Computer sein! Dieser neue Druck kommt nun mehr und mehr dazu .Er hasst diese EDV und die ständige Präsenz durch das neue Telefon- Mobilnetz. Andererseits weiß er ganz genau, dass das die Zukunft sein wird. Wer das verschläft, wird automatisch den Anschluss verlieren. Was einerseits ein Segen ist, ist zugleich ein Fluch...

Sandra zeigt ihm eine andere Welt. Die Welt der Spontaneität und dass weniger manchmal mehr ist. Er hat das Gefühl, dass sie auch bei ihm bleiben wird, wenn er keine 12 Zylinder und keine Villa mehr besitzt.......Wenn sie zusammen nach einer schönen Bergwanderung bei Buttermilch und Käsebrot sitzen, ist beider Welt in Ordnung und sie sind sich dann ganz nah.....

Rachid Abu Ben Nursi

Rachid stammt aus Beirut im Libanon. Er studiert an der Sorbonne in Paris Chemie. Während des Studiums hat er in Paris ein Verhältnis mit Leila, Sandras späterer Mutter, die seine Landsmännin ist. Die studiert dort Medizin. Er ist sehr charmant, doch ihr ist dabei nie ganz geheuer.

Etwas Dämonisches im Blick von Rachid und seine hasserfüllte religiöse Einstellung als im Herzen fundamentalistischer Muslim gegenüber westlichen Gedanken und Lebensstil machen ihr Angst . Nach außen hin mimt Rachid überzeugend den smarten „Mann von Welt“.

Leila heiratet fast panisch in einer „Nacht und Nebelaktion“ den bodenständig wirkenden Südtiroler Karl Unterleitner, den sie in den Semesterferien beim Bergwandern in den Dolomiten kennen und lieben lernt. Für Rachid ist die Liebesbeziehung mit Leila nie erledigt. In hasserfüllten Gedanken wünscht er sich die Gelegenheit, es diesem Karl Unterleitner irgendwann heimzuzahlen. Mittlerweile sind fast 30 Jahre vergangen, doch die Gedanken an Vergeltung kommen nie zur Ruhe. Er wartet nur auf die richtige Chance......

Nun ist sie in Form der schönen Tochter Sandra da. Sogar noch besser als gedacht! Er kann 2 Fliegen mit einer Klappe schlagen! Rache und Nutzen zugleich. Rachids Laune ist fast prächtig.....

Nach Salo und an das Südwestufer des Gardasee finden nur wenige Touristen. Die Einheimischen bleiben hier in dieser Gegend, die toskanisch anmutet, meist unter sich. In der einstigen faschistischen Trutzburg Mussolinis stehen etliche pompöse ,aber verfallende Prunkbauten in Uferlage mit einem grandiosen Blick auf den sich im Nordosten über 2200 Meter hoch erhebenden „Monte Baldo“ .

Davor liegen einige kleine, subtropisch grün bewachsene Inselchen wie von einem Künstler eingefügt im tiefblauen See . Auf der Größten davon steht ein schöner Palast im venezianischen Stil. In einer, vor Wellen geschützten Bucht vor dieser Insel ankern bei schönem Wetter gerne exklusive Sportboote. Die Insel selbst ist im Privatbesitz und darf nicht betreten werden. Scharfe ,weiße Mastino-Kampfhunde kümmern sich darum......Wer der Besitzer ist, weiß so recht niemand. Manche haben eben Beziehungen, die weit nach oben reichen...

Ältere , solvente Herren kaufen sich gerne etwas Jugend zurück , indem sie in der besagten Bucht vor der Insel junge, langbeinige und gertenschlanke junge Damen mit ihren PS-starken Spielzeugen der Edelbootsmarken „Riva“ oder „Abbate“ beeindrucken. Anstelle eines Badeanzugs tragen diese hübschen Geschöpfe zum Bräunen meist nur einige Quadratzentimeter Stoff oder auch gar nichts .. „La dolce vita....!“ Geld macht eben sexy.......

Rachids Haar ist graumeliert . Er strahlt nach außen hin den souveränen Charme eines Weltmannes von Typ eines Omar Sharif aus. Entspannt blicken unter schwarz-grauen Brauen seine schwarzen , wachen Augen auf den tiefblauen See und auf grüne Buchten, in denen schmucke, weiße Segel- und Motorboote schaukeln. Diese Augen können ganz plötzlich sehr böse funkeln...

Der „Segafredo“-Eiscafe in Salo im „Café Centrale“ direkt an der Seepromenade ist besonders lecker. Dazu lässt Rachid seine „Camel“ selten ausgehen. Er ist wie viele Orientalen leidenschaftlicher Kettenraucher.....

Bald wird er Unterleitner sehen. Seine Helfer werden ihn vom Yachthafen zu ihm bringen. Darauf freut er sich schon richtig....

Bogdan Dragic

In den letzten Jahren tobt in Titos ehemaligem Jugoslavien ein vernichtender Bürgerkrieg zwischen Kroaten, Serben und Bosniern. Unter der Regie des serbischen Führers Milosevic ist Bogdan Dragic als Organisator für sogenannte „ethnische Säuberungsaktionen“ verantwortlich. Dazu zählen unter anderem

Massenvergewaltigungen und die systematische Ermordung von Frauen und Kindern. Dragic ist der effektivste und brutalste Henker Milosevics. Nachdem das Gemetzel im Balkan vorbei ist, wird Bogdan arbeitslos und taucht unter. In seinem Metier in der Unterwelt bekannt, bleibt er nicht lange in diesem beruflichen Status. Die „Cosa Nostra“in Italien interessiert sich sehr schnell für Dragic und hat sofort für ihn Verwendung. Mitleid kennt Bogdan nur als Schwäche. Nachdem kroatische Freischärler in einer „Vergeltungsaktion“ seine Frau und seine 2 Töchter, die noch Kinder sind, brutal vergewaltigen und danach eiskalt umbringen, wird aus ihm ein noch größeres Monster. Sein Hass auf alles und jeden ist seither grenzenlos. Dieser Hass betrifft auch Menschen, die gar nichts mit seinem Schicksal zu tun haben.

Er ist eine wandelnde Tretmine, der Frauen als Ware wahrnimmt. Falls sie jung und hübsch sind, werden sie vergewaltigt. Wenn es keine weitere Verwendung z.B. als Zwangsprostituierte mehr für sie gibt, werden sie einfach „entsorgt“......

Seinen Opfern, die den Tod unmittelbar vor Augen haben, Schmerzen zu bereiten, empfindet er als persönliche Lust. Dadurch steigert sich sein Sexualtrieb und macht aus ihm ein unberechenbares, wildes Tier ohne jede menschliche Regung..

Sein jetziger Auftrag ist die Verschleppung einer jungen Frau aus München-Grünwald und deren lebendige „Überführung“ auf die „Isola del Garda“........

Kripo München

Freiberger zu Ludwig Braun : „Dieser Lasalle ist ein Windhund. Ein Leben ganz auf Pump. Riesige Kreditlinie, keine Guthaben. Alles gemietet und geleased. Bisher aber keine Vorstrafen. Soll ein ziemlicher Sonnyboy und Weiberheld sein. Hohe Einnahmen, hohe Ausgaben.“

„Typischer Anlageberater und Angeber. Auf so etwas stehen aber anscheinend viele attraktive Frauen. Da verdienen wir zu wenig, um bei solchen anzukommen........

Diese Sandra Unterleitner.... Super hübsch, blutjung und schon Ärztin. Da ließe ich mich auch gern behandeln.

Die Eltern wohnen in Verona.

Luggi, ruf den Lasalle an. Er soll morgen um 10 Uhr zu uns ins Präsidium kommen....

Und hol mal in Verona bei den Kollegen eine Auskunft über ihre Eltern ein!....“

Vereinigte Staaten von Amerika

Langley-Virginia - CIA Headquaters

Chief-Commander Oliver Freeman zu seiner farbigen Assistentin Condoleeca:

(Freeman um die 50, schon weißhaarig- groß und hager)

(Condoleeca – schwarz und anscheinend eine Liebhaberin amerikanischen Fastfoods- Alter schwer schätzbar)

„Wie steht´s mit Projekt „H4N2“ von Dr. Unterleitner.“

„Ist der schon wieder in Italien?“

„Der soll ganz dringend wieder hier antanzen!“

Sandra´s Vater

Dr. Karl Unterleitner promoviert als Biochemiker und Pharmazeut an der Universität in Wien. Sein Studium finanziert er sich in den Semesterferien zum großen Teil selbst als Bergführer in den Dolomiten. Er ist der Typ Naturbursche und Skilehrer. Groß, breitschultrig mit schwarzem, dichten Haar. Bald steigt er in den Bereichen Biochemie und Pharmazie zu einer von Fachleuten anerkannten Größe auf. Sein Erfindungsreichtum ist groß. Anlässlich einer Urlaubsreise in die Kapregion von Südafrika erhält er über einen Zulu-Häuptling , dessen Tochter er in den Drakensbergen aus Bergnot rettet, Zugang zu einem bisher unbekannten, natürlichen Medikament. Als bisher weltweit einziges wirkt es gegen eine neu entstandene , tödliche Art der Grippe. Diese kann vom Menschen auf Tiere und umgekehrt übertragen werden und führt unbehandelt nach wenigen Tagen meist zum Tod. Es hat weltweit schon Hunderte von Todesfällen gegeben. Das größte Problem ist die Übertragung des Virus durch Zugvögel, die oft Tausende von Kilometern unterwegs sind. Bei seinen Forschungen stellt sich heraus, dass das Medikament durch den Zusatz einer extrem seltenen Mohnart wesentlich verstärkt wird. Diese Mohnart wächst nur an einer Stelle der Welt. In einem abgeschiedenen Wadi der ägyptischen Sinai- Felswüste.

Zudem findet Unterleitner heraus, dass eine Kombination aus zerriebenen Knochen der in den Alpen heimischen Gämse mit den Bergkräutern der Drakensberge und mit dem Mohn der Sinai dieses neue Medikament entscheidend optimiert.

Wie durch Zufall erhält er ein sehr lukratives Angebot eines amerikanischen Pharmakonzerns in Washington D.C.

Der junge Familienvater nimmt dieses finanziell sehr verlockende Angebot an, da er trotz seiner Tätigkeit in den USA oft zu hause in Verona bei der Familie sein kann.

Seine Flugkosten werden von der Firma bezahlt. Seitdem gehört er der „Firma“........ Diese Firma existiert im Namen der CIA , was er noch nicht weiß. In der offiziellen Version ist er für einen amerikanischen Pharmakonzern tätig. Weder seine Frau Leila noch seine Tochter Sandra haben von diesen Hintergründen die leiseste Ahnung...

Die Firma unterhält in Verona unter dem Namen

„ Salus Vitae Italia S.R.L.“ eine Niederlassung. Gleich daneben liegt das altrömische Amphitheater, in dem im Sommer Opern aufgeführt werden.

Dr. Unterleitner entwickelt das bislang fehlende Impfserum gegen die neue, drohende Grippe-Pandemie.. Er ist dadurch zu einer extrem stark gefährdeten Person geworden, deren Bewegungsspielraum mit möglichst sofortiger Wirkung deutlich eingeschränkt werden muss. Dafür scheint es jetzt aber fast schon zu spät.

An seinem Wissen haben bereits gewisse Organisationen größtes Interesse..................

Brenner- Autobahn bei Trento

Nach der Mautstation bei Sterzing in Südtirol läuft der Verkehr nun wieder besser. Roberts BMW gleitet mit sanftem Turbinengeräusch elegant , aber weiterhin verhalten über viele Brücken und durch zahlreiche Kurven an Brixen und Bozen vorbei. Danach weitet sich das Etschtal . Robert lässt die Pferde nun etwas galoppieren. Die Geschwindigkeitsbegrenzung von 120 Km/h gilt überwiegend für Ausländer. Für italienische Ferraristi und Alfisti gelten meist individuelle Gesetze, da die meisten der Carabinieri Liebhaber italienischer Sportwägen sind und selbst im Dienst „Alfa Romeo“ fahren. BMW und Porsche-Fahrer werden üblicherweise bei Geschwindigkeitsvergehen drakonisch zur Kasse gebeten. Nur Bares ist Wahres! Nach Trento vor der Ausfahrt „Garda Nord“ meldet sich Lasalle via Autotelefon bei Sandras Vater.

„Hallo, ich werde bei Sirmione del Garda in der „Villa Eboli“ gleich nach Colombare übernachten. Können Sie in ca. 1 Stunde bis 19 Uhr dort sein? Alles klar, bis dann.....“

Robert erinnert sich gerne an seine Gardaseezeit zurück. Vor ca. 15 Jahren ist er Stammgast im Windsurf -Camp des damals legendären Sigi Hoffmann, der in Torbole ganz im Norden des Sees eine HiFly- Surfschule betreibt. 10 Jahre später übernimmt er bei Sirmione am Südufer des Sees den Vertrieb eines großen Bauprojektes für den deutschsprachigen Raum. In Seenähe entsteht zwischen Peschiera und Sirmione ein luxuriöses Dorf im toskanischen Baustil . Es wird mit Swimmingpool-Landschaften und mediterranen Pflanzungen durchsetzt. In der Endphase verfügt es nach einigen Jahren mit gut 300 geschmackvollen , ockerbraunen Häusern und Wohnungen zudem über einen Golf-Kurzplatz, Tennisplätze und ein Beachvolleyballfeld. Roberts Aufgabe besteht darin, Kaufinteressenten, welche sich überwiegend auf Annoncen in der „Süddeutschen Zeitung“ und der „Frankfurter Allgemeinen“ melden, das Gardasee-Gefühl näher zu bringen und damit den Weg zum Kaufabschluss zu ebnen.

Es werden hier weniger Immobilien, sondern eher italienische Lebensart verkauft. Diese übermittelt Lasalle wie immer und überall geschickt und gekonnt. Je nach Kunde steht auch eine Runde Golf auf den nahe gelegenen Golfplätzen „Gardagolf“ oder „Ulivi“ auf dem Programm. Robert , der über ein gutes Golf-Handicap verfügt ,gibt seinen Mitspielern dabei jovial und freundschaftlich etliche gute Ratschläge. Im Yachthafen von „Sirmione 2“ liegt die 45 Fuß lange Yacht der Edelmarke „Abbate“. Sie ist im Besitz des Immobilienpartners von Lasalle. Im rötlichen Abendlicht chauffiert Robert die Kaufinteressenten als Kapitän am historischen Sirmione vorbei. 2 melodiös dröhnende Volvo-Penta Maschinen mit zusammen knapp 1000 PS bringen die potenziellen Investoren in den Hafen von Lazise, welches am südlichen Ostufer des Gardasees gelegen ist. Die Tankfüllung von 800 Litern Superbenzin reicht nur für einige kurze Ausfahrten am Wochenende.

Das Boot ist das größte, das dort in den kleinen Hafen passt. Vor dem Nobelristorante „La Grotta“ ist bereits wie jedes Sommerwochenende von Lasalle inszeniert ,ein großer, länglicher 10er Tisch weiß gedeckt. Cameriére Luigi wartet schon mit serviler Freundlichkeit. Er kann sich seines guten Trinkgeldes sicher sein. Bei lukullischen, mediterranen Freuden und edlem „Lugana“ Weißwein, dessen Reben hier gleich um die Ecke am Südufer des Sees gedeihen, wird weiter italienische Lebensart zelebriert. Robert, ein Meister dieser Taktik zieht zusammen mit seiner 28-jährigen, blonden und attraktiven Assistentin Sabrina viele Blicke auf sich. Ihre blauen Augen strahlen. Das kurze, weiße Minikleid bringt ihre sportlichen, braun gebrannten Beine bestens zur Geltung. Auch das trägt dazu bei, manchen Interessenten zum Immobilienkauf zu bewegen und vom „Dolce Vita“ und noch mehr zu träumen. Beurkundungen finden gleich auf der Heimfahrt beim Deutsch- und Italienisch-sprechenden Hausnotar im Südtiroler Bozen statt. Vorher wechselt im Immobilienbüro bei Sirmione in der Regel bereits ein dickerer, brauner Briefumschlag mit einem Bündel höherer Banknoten als Inhalt den Besitzer.