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»... rufe ich die Göttinnen und Götter mit der Bitte, auf diese heilige Stätte zu blicken, wo Menschen sie wieder verehren und ihnen und der Großen Göttin ein Belante-Feuer darbringen wollen. Ich lade die angerufenen Geister und Götter ein, sich mit uns gemeinsam vor der Großen Göttin an ihrem höchsten Festtage zu verbeugen, vor ihr, die die Liebe und das Leben, das Universum, die Erde und alles ist, was besteht ...« - Gilbert von Luck beschreibt seine Avalon-Reise humorvoll, kritisch und der Großen Göttin ergeben - interessant für alle Freunde Avalons, Anhänger der Großen Göttin und all jene, die meinen, sie wären z. B. nach dem Lesen der »Nebel von Avalon« mit ihren Erkenntnissen oder Gefühlen allein. Die Neuauflage wird durch eine Buchbesprechung der »Nebel von Avalon«, Gedichte, Fotos, Aufsätze zu den Jahreskreisfesten und einen Bericht über Beltane in Glastonbury ergänzt.
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Seitenzahl: 101
Veröffentlichungsjahr: 2016
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Gilbert von Luck
SEHNSUCHT NACH AVALON
Fragmente für die Große Göttin
Engelsdorfer Verlag
Leipzig
2016
Bibliografische Information durch die
Deutsche Nationalbibliothek:
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet
diese Publikation in der Deutschen
Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische
Daten sind im Internet über http://dnb.dnb.de
abrufbar.
Copyright (2016) Engelsdorfer Verlag Leipzig
Alle Rechte beim Autor
Lektorat: Wilhelm Handke
Copyright der Abbildungen: siehe
Abbildungsverzeichnis
Hergestellt in Leipzig, Germany (EU)
www.engelsdorfer-verlag.de
Eine zugegebenermaßen subjektive Buchbesprechung
Da liest man seit Jahren in jeder freien Minute. ‘Zigmal läuft man in Romanboutiquen und Büchereien an dem Buch vorbei. Schließlich drückt einem eine Bekannte das Buch in die Hand, das sie aussondert, und wie es der Zufall will, hat man gerade nichts anderes zu lesen. Über 1100 Seiten!
Ich lese bis mir die Augen zufallen. Aufgewühlt kann ich nicht einschlafen. Nach zwei Stunden Schlaf ruft der Wecker zum Arbeitstag.
Ich bin Romanliebhaber, gerade des Genres SF und dessen, was man oft geringschätzig als Horror bezeichnet. Marion Zimmer-Bradleys Werk hat mit Fiktion zu tun, allerdings solcher mit historischem Hintergrund. Abgeklärt bin ich aufgrund literarischer Konsum-Erfahrung auch. Meist lächle ich gönnerhaft, wenn ich lese: so wenig Neues, so viele Romane schon, die mich in ihren Bann zogen, faszinierten oder schwärmen ließen. Doch kein Roman hat mich je so sehr ergriffen wie Die Nebel von Avalon:
Die Römer zogen sich aus Britannien zurück. Von Avalon und den Druiden toleriert, breitete sich das Christentum über die Instrumentalisierung von Schuld immer weiter aus. Mit der Machtzunahme der Christen einher ging der Prozess ihrer Missbilligung des Alten Glaubens. Der Kontrast zwischen der Religion der Liebe, der Toleranz und Lebensbejahung Avalons und der Großen Göttin einerseits und dem Dogmatismus, der Finsternis und neurotischen Engherzigkeit des damaligen Christentums andererseits wird deutlich.
Die Druiden wissen (und verkünden immer wieder die altbekannte Weisheit), dass der Glaube der Menschen ihre Welt und Wirklichkeit formt, und demgemäß versinkt Avalon immer weiter hinter den Nebeln im Sommersee und in den Unschärfen der Zeit. Was ihr folgte, ist bekannt: das Zeitalter der Dunkelheit, der Menschenverbrennungen, der Krankheiten, Religionskriege und des Imperialismus.
Artus, Sohn der Linie der Göttin und derjenigen der Könige und Herzöge, wird Großkönig und einigt Britannien dank der ihm von der Göttin verliehenen Macht. Doch seiner Macht und seiner christlichen Gattin wegen verrät er Avalon. Erst im Todeskampf weiht er sich ihr wieder und findet zurück zur Großen Göttin und zur Herrin vom See. Morgaine ist Hohepriesterin, Herrin vom See und Inkarnation der Großen Göttin auf Erden geworden. Zerrissen im Kampf für die Einheit Britanniens und den Erhalt Avalons in dieser Welt muss sie versagen. Doch sie wächst über sich hinaus, kämpft märtyrerhaft und trägt letztendlich dazu bei und versteht, dass die Große Göttin das, was das Christentum an Hellem und Schönem beinhaltet, von Avalon in die ‘reale Welt’ überträgt. Denn ohne die Große Göttin, die ja Naturgewalt und Lebenskraft ist, würden selbst heute die Felder verdorren!
Ungefähr 1500 Jahre lag Avalon nun hinter den Nebeln des Vergessens und der Missachtung. Nur in Sagen und Märchen lebte sie in unserer Zeit fort, und die Kinder, die bekanntlich ohne Gefühl für Zeit Vergangenes und Zukünftiges in die Gegenwart verdichten, glaubten an sie in dem Moment, in dem sie von ihr hörten. Wie wenig Zeit verging demzufolge dort in den 1500 Jahren, bis sich das Christentum zu überleben begann?
Schon vor Veröffentlichung des Buches gab es in Großbritannien den „Orden der Großen Göttin“. Aufgeforstet wird auch wieder und der vorhandene Wald – wenigstens besser als früher – geschützt – vielleicht sogar ein heiliger Hain?
Vor mir liegt ein Fischer-Taschenbuch des 890. Tausends vom November 1993. Über 1 Million Bücher sind jetzt im deutschen Sprachraum verbreitet, etliche mehr in Englisch und vielen anderen Sprachen. Millionen Menschen könnten mittlerweile Kunde von Avalon vernommen haben. 1982 erschien das Buch in den USA. Im selben (!) Jahr veröffentlichte der Brite Brian Ferry mit seiner Rockmusikgruppe Roxy Music den Titel Avalon, eine eigenwillige Huldigung an die Große Göttin („I see you coming out of nowhere“). Nach dem Titel wurde das ganze Album benannt, beides wurde ein Riesenerfolg.
Wer ist eigentlich gegenwärtig Merlin von Britannien?
Das, was die Menschen glauben, was sie zu wissen meinen und was sie hoffen, formt diese Welt. Jeder Mensch, der Seele hat und ‘Die Nebel von Avalon’ liest, hofft inständig für Avalon, liebt sie und mancher betet danach für sie. Jeder Leser glaubt unwillkürlich an Avalon, er erbebt bei ihrem Untergang und lebt mit ihrem Aufleben auf. Bald muss es mehr Menschen so gehen, als damals in Britannien, Irland und der Bretagne gelebt haben.
Richten wir unsere Aufmerksamkeit auf überraschende geographische Neuigkeiten aus England, auf solche eben, mit denen in unserer ach so erforschten Welt niemand mehr gerechnet hat.
Viermal, zur Sommersonnenwende 98, zu Beltane 99, Beltane 2000 und Beltane 2003, war ich nun in Glastonbury. Mir erschien es, als rücke Avalon unserer Welt wieder in kleinen Schritten näher.
Der Wille der Göttin geschehe!
Vornehm und komfortabel reist der moderne Pilger nicht zu Fuß oder auf einem Esel, sondern fliegt: Freund Wilm gelang es drei Wochen vor Reiseantritt nicht mehr, einen Fährplatz zu erhalten, also blieb nur der Flug, diesmal von Schönefeld. Es war meine zweite Reise nach Glastonbury, nachdem ich bereits 1998 während der Sommersonnenwende dort war.
So fuhren wir denn mit einem Auto nach Rudow, im Süden von Berlin, parkten an der Hauptstraße, hielten das nächste Taxi an und ließen uns zum Flughafen bringen. Der Flughafen Schönefeld ist viel angenehmer als der in Tegel, es herrscht weniger Hektik und die Hallen sind licht- und luftdurchflutet, nicht von den Kopfschmerz auslösenden Vibrationen und dem unnatürlichen Luftdruck erfüllt, wie im klimaanlagenverseuchten Tegel. Auch fehlt den Gebäuden der deprimierend hässliche Anblick, der einen in Tegel bei der Rückkehr aus schöneren Gegenden übertrieben deutlich vermittelt, dass der Urlaub nun wirklich vorbei ist. Man muss auch nicht stundenlang zuvor da sein, sondern geht einfach in die Flughafenhalle, meldet sich an, wird durchleuchtet und durchsucht und betritt, wie ein normaler Reisender, über das Rollfeld, nicht durch einen aufgeblähten, überdimensionierten Kunstdarm, sein Flugzeug. Unseres ist klein, ich weiß nicht, welcher Typ. Jedenfalls erreichten wir in weniger als zwei Stunden London-Gatwick. Der Flugzeugführer war recht sportlich ambitioniert und flog ein paar ordentliche Kampfkurven. So waren wir froh, wieder festen Boden unter den Füßen zu haben. Ein Fluggast meinte: „Vielleicht hat der Pilot früher mal Gabelstapler gefahren.“
Nach einem langen Weg durch die Flughafenhallen, der zum Teil über schnelle Transportbänder in der Art ebenerdiger Rolltreppen führt, finden wir anhand konkreter Auskünfte und Hinweistafeln zu Bahnfahrkarten und zum Bahnhof und fahren mit der Regionalbahn rings um London herum nach Reading, wo wir in die Fernbahn in Richtung Cornwall umsteigen.
Während Wilm ununterbrochen isst, als wäre er all’ die Kilometer gelaufen, halte ich mich seit London an mein Mineralwasser.
Die Bahnfahrt führt durch eine Landschaft, die umso schöner und abwechselungsreicher wird, je weiter wir nach Westen gelangen. Davon war ich schon 1998 überrascht, dachte ich doch bei England bisher nur an Regen, Beton, Smog und Bombentrichter. Tatsächlich wechseln sich kleine Felder und Weiden, stets von Feldrainen, Hecken oder Knicks umgeben, mit kleinen Waldstückchen, Weilern, Kleinstädten und zunehmend häufiger mit schmalen Kanälen und vielen Teichen ab. Der Wald ist meist lichter Niederwald, der manchmal aber urwaldartig verdickt ist, voller Totholz und üppig nachwachsendem Grün, voller Verstecke und Geheimnisse, dunkel manchmal, märchenhaft und unheimlich zugleich.
Mir fällt auf, dass die Wäldchen meist durch Feldraine und Uferböschungen verbunden zu sein scheinen, und ich überlege ernsthaft, ob entlang dieser Linien und in den Wäldern wohl versteckt und vor der modernen Zivilisation verborgen das Alte Volk überlebt und mit seinen uralten Riten Britannien vor den größten Unbillen bewahrt haben mag. Es erfreut mich, gelegentlich an locker aufgeforsteten Flächen entlang zu fahren. Man nimmt hierfür ganz kleine Bäume, die vielleicht nur einen Meter groß sind und überlässt alles Weitere der Natur. Das ist billiger und ökologisch sinnvoll, eine beispielhafte Alternative zu unseren Schonungen, die ja oft auch noch von vornherein als Dickung mit nur einer Baumart angelegt werden. In England kennt man Pflanzen als Waldbäume, die bei uns fast nur als Sträucher bekannt sind, zum Beispiel Waldhülse (Stechpalme, Ilex), Weißdorn und Haselnuss sowie Holunder.
Während die Sonne untergeht, beobachte ich die Landschaft und Wilm die Landschaft, die Mädchen im Zug (Engländerinnen lesen Bücher, ein fast schon ungewohntes Bild) und sein Bier. Ich erkenne eben noch das berühmte Weiße Pferd, das schon seit Jahrtausenden vom Hang leuchtet, als ich am Himmel, von West nach Ost deutend, eine Wolke in Form eines goldenen Speers oder einer Schwertklinge entdecke. Wir denken, es müsste sich um den Kondensstreifen eines Flugzeuges handeln, obwohl diese Kondensstreifen sich sonst weit länger über den Himmel erstrecken.
Circa 10 Minuten später mache ich Wilm auf eine noch unerklärlichere Himmelserscheinung aufmerksam: Nordwestlich von uns erstreckt sich unterhalb der durchbrochenen Hochbewölkung eine rote Schlangenlinie, viel zu tief und geschwungen für Kondensstreifen eines Flugzeuges, eine von der untergehenden Sonne beleuchtete Wolkenfront: Der rote Drache erhebt sich über Südwestengland! Wilm und ich sind Skeptiker, aber dieser Anblick ist schon mystisch und will sich uns nicht erklären! Wilm sucht seine Kamera hervor, doch die Erscheinung verschwindet hinter Wäldern und Hügeln. Als wir den Himmelsabschnitt wieder vor Augen bekommen, ist es zu spät und die Sonne wohl schon zu tief gesunken.
Castle Cary ist unsere Ankunftsstation, die naheste an Glastonbury. Man wäre auch mit einem Fernbus nicht näher heran gekommen. Die letzten circa 15 Meilen fahren wir für 18 Pfund (circa DM 55,-) mit einer Taxe. Diesmal klappt das. 1998 hatte ich ratlos auf dem Bahnhof, mitten in der Landschaft und ohne erkennbare, zugehörige Ortschaft, herumgestanden. Damals fiel mir bei der Rückreise die Namensverwandtschaft zu Schloss Chariot auf, verborgen im Feenland ...
Bei der Ankunft in unserer Unterkunft, Straße Bove Town 80 in Glastonbury, sind wir begeistert. Ein Jahrhunderte altes Haus wird uns geöffnet, Innenmauern aus Naturstein, eine Treppe führt in unser Zimmer. Gegenüber wohnt eine kanadische Studentin, die in Glastonbury ihre medizinisch- anthropologische Doktorarbeit schreibt.
Der Komfort unserer Unterkunft ist allerdings vorkriegsmäßig. In Deutschland würde man für solch eine Unterkunft im günstigsten Fall 12 DM zahlen, falls man überhaupt eine so einfache fände. In England zahlt man 15 Pfund, das sind 46 DM, aber es gibt nichts Preiswerteres, und wir haben eine Duschgelegenheit, auch wenn man sich verbrüht und überall stößt.
Hinter dem Haus liegt ein verträumter Courtyard, das ist ein dort üblicher, von Mauern oder Schuppen umsäumter, enger Garten, meist ein Wärmenest und durch die Umbauung windgeschützt, in dem es aus kleinen, ungepflasterten Flächen und Kübeln heraus üppig grünt und blüht. Der zunehmende Mond, zwei Tage vor dem Beltane-Vollmond, steht über dem Courtyard.
Es ist einfach romantisch! Aus Mauerritzen wachsen Farne und kleine, blühende Kräuter, Mauerpfefferarten und wunderhübsch blühendes Zymbelkraut, nichts ist glatt und egalisiert wie bei uns, wo die ‘Verschönerung’ oft alles Schöne zerstört.
Nach dem Frischmachen begebe ich mich im Dunkeln durch Glastonbury auf den Weg zu den heiligen Quellen. Dabei bewundere ich die gärtnerischen Anlagen.
Man versteht Gärten hier offenbar als etwas, worin Leben sein soll und üppiges Wachsen und Blühen, nicht wie bei uns als kitschige Ausstellung einiger möglichst steril wirkender Pflanzen von sonst woher zwischen Flächen peinlich nackt gehaltener Erde. Es dominieren auch die standortgerechten und einheimischen Pflanzen und man nutzt, was die Natur an Schönem von alleine wachsen lässt, statt es durch Coniferae zu ersetzen: mich begeisternde Stauden namens Red Valerian (Spornblume), hier nie gesehen und mir vorher nicht bekannt, die rote, kleine Kelchblüten dutzendweise hervorbringen, und sogar Zypressenwolfsmilch, die dort Beetränder säumt, bei uns unvorstellbar.
(Eigene Anmerkung: Im Frühjahr 2014 habe ich Zypressenwolfsmilch erstmals als Zuchtform mit etwas größeren Blüten im Angebot einer Berliner Baumschule gefunden.)
