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Studienarbeit aus dem Jahr 2007 im Fachbereich BWL - Wirtschafts- und Sozialgeschichte, Note: 1.4, Duale Hochschule Baden-Württemberg, Villingen-Schwenningen, früher: Berufsakademie Villingen-Schwenningen, Sprache: Deutsch, Abstract: „Reden ist Silber, Schweigen ist Gold“ 1 - jeder kennt dieses Sprichwort, aber meist wird es nur dann verwendet, wenn das Schweigen eines Menschen in bestimmten Situationen als wertvoller und angemessener als Reden angesehen wird. Wie fühlen sich aber Eltern, Erzieher 2 oder Lehrer, wenn ein Kind plötzlich aus für die Erwachsenen nicht erkennbaren Gründen schweigt; Tage, Wochen oder sogar Monate mit bestimmten Personen kontinuierlich nicht redet, obwohl es eigentlich sprechen kann und dies im familiären Umfeld und mit ihm nahe stehenden und lang bekannten Freunden auch tut? Wie empfindet dieses Kind und was bewegt es dazu, nicht mehr zu sprechen? Sind es Angst, Wut oder negative Erfahrungen aus der Vergangenheit? Diese Fragen sind besonders schwer zu beantworten, da das Kind nicht redet und seine Empfindungen nicht mitteilt, obwohl seine Sprechorgane physiologisch intakt sind, sondern schweigt. Es schließt damit alle Probleme in sich ein und grenzt sich selbst aus dem sozialen Gefüge aus. Hinzu kommt, dass dieses spezielle Störungsbild, das in der Fachsprache als selektiver Mutismus bezeichnet wird, bei Eltern und häufig selbst bei pädagogischen Fachkräften unzureichend oder gar nicht bekannt ist und somit oft Fehldiagnosen der Verhaltensursachen auftreten. Durch derartige Fehlinterpretationen des Schweigens wird das Kind zunächst als sehr schüchtern und zurückhaltend oder einfach nur trotzig empfunden. Bei länger andauerndem Ausgrenzen durch Nicht - Sprechen werden oftmals andere Störungen diagnostiziert, wie beispielsweise Autismus, was zu Therapieansätzen und Behandlungen führt, die dem Kind zur Überwindung seiner Störung wenig nützen, ja diese manchmal sogar verstärken. Die betroffenen Kinder werden dann häufig von Therapie zu Therapie weitergereicht, ohne jegliche Erfolge verzeichnen zu können. Daher ist es sehr wichtig, den selektiven Mutismus so früh wie möglich zu erkennen, um reale „Chancen für Rehabilitation und Therapieerfolg, die als Prävention vor der Pubertät von großer Bedeutung sind“ 3 , zu erlangen. Die Komplexität und Vielschichtigkeit des konkreten Störungsbildes des selektiven Mutismus bedürfen Behandlungsformen, die das Kind in seinem gesamten sozialem Umfeld mit all seinen Kontakten und Einflussfaktoren betrachtet und diese in eine mögliche Therapie einbezieht. [...]
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Veröffentlichungsjahr: 2012
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„Reden ist Silber, Schweigen ist Gold“1- jeder kennt dieses Sprichwort, aber meist wird es nur dann verwendet, wenn das Schweigen eines Menschen in bestimmten Situationen als wertvoller und angemessener als Reden angesehen wird.
Wie fühlen sich aber Eltern, Erzieher2oder Lehrer, wenn ein Kind plötzlich aus für die Erwachsenen nicht erkennbaren Gründen schweigt; Tage, Wochen oder sogar Monate mit bestimmten Personen kontinuierlich nicht redet, obwohl es eigentlich sprechen kann und dies im familiären Umfeld und mit ihm nahe stehenden und lang bekannten Freunden auch tut? Wie empfindet dieses Kind und was bewegt es dazu, nicht mehr zu sprechen? Sind es Angst, Wut oder negative Erfahrungen aus der Vergangenheit? Diese Fragen sind besonders schwer zu beantworten, da das Kind nicht redet und seine Empfindungen nicht mitteilt, obwohl seine Sprechorgane physiologisch intakt sind, sondern schweigt. Es schließt damit alle Probleme in sich ein und grenzt sich selbst aus dem sozialen Gefüge aus.
Hinzu kommt, dass dieses spezielle Störungsbild, das in der Fachsprache als selektiver Mutismus bezeichnet wird, bei Eltern und häufig selbst bei pädagogischen Fachkräften unzureichend oder gar nicht bekannt ist und somit oft Fehldiagnosen der Verhaltensursachen auftreten. Durch derartige Fehlinterpretationen des Schweigens wird das Kind zunächst als sehr schüchtern und zurückhaltend oder einfach nur trotzig empfunden. Bei länger andauerndem Ausgrenzen durch Nicht - Sprechen werden oftmals andere Störungen diagnostiziert, wie beispielsweise Autismus, was zu Therapieansätzen und Behandlungen führt, die dem Kind zur Überwindung seiner Störung wenig nützen, ja diese manchmal sogar verstärken. Die betroffenen Kinder werden dann häufig von Therapie zu Therapie weitergereicht, ohne jegliche Erfolge verzeichnen zu können. Daher ist es sehr wichtig, den selektiven Mutismus so früh wie möglich zu erkennen, um reale „Chancen für Rehabilitation und Therapieerfolg, die als Prävention vor der Pubertät von großer Bedeutung sind“3, zu erlangen.
Die Komplexität und Vielschichtigkeit des konkreten Störungsbildes des selektiven Mutismus bedürfen Behandlungsformen, die das Kind in seinem gesamten sozialen
1Sprichwort
2Die Verwendung der männlichen Form bei der Bezeichnung von Berufsgruppen und anderen Personen-
kreisen schließt in der gesamten Arbeit weibliche Personen mit ein.
3KATZ-BERNSTEIN 2005, 12
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Umfeld mit all seinen Kontakten und Einflussfaktoren betrachtet und diese in eine mögliche Therapie einbezieht. Das bedeutet, dass sowohl Eltern, als auch Erzieher oder Lehrer ausreichend über die Kommunikationsstörung informiert sein müssen, um in ihrem Umgang mit dem Kind optimal auf dessen Entwicklung hinarbeiten zu können. Ein gegenseitiger Informationsaustausch, die Koordination von regelmäßigen Interventionen sowie der Einsatz von Wissen aus anderen Fachbereichen sind daher unumgänglich. Doch wie können Erwachsene verstehen, was in dem Kind vor sich geht, was die Ursachen für sein Schweigen sind und wie kann ihm effektiv geholfen werden? Die folgende Arbeit soll dafür einige Anhaltspunkte liefern.
