Beschreibung

Im Jahre 2011 verlieh die UNESCO den Wäldern um Serrahn im Ostteil des Müritz- Nationalparks das Prädikat Weltnaturerbe. Der Titel stellt diese wertvollen Relikte großer naturbelassener Buchenwälder auf eine Stufe mit so bedeutenden Landschaften wie den Galapagosinseln, dem Yellowstone oder Grand Canon Nationalpark. Die Biologen Dr. habil. Hans-Jürgen Spieß und Dr. Peter Wernicke stellen die urtümlichen Buchenwälder Serrahns, ihre wechselvolle Geschichte, die Besonderheiten der Wälder, Moore und Seen sowie die vielfältige Tier- und Pflanzenwelt in prägnanten Texten und eindrucksvollen Fotos vor. Die von der letzten Eiszeit geprägten Serrahner Berge dienten den Großherzögen von Mecklenburg-Strelitz seit 1849 als Wildpark für ihre Jagden, dessen eingeschränkte forstliche Nutzung den alten Baumbestand sicherte. 1952 zu einem der größten komplexen Naturschutzgebiete der DDR erhoben, blieben große Teile unbewirtschaftet. Es entwickelten sich urwaldartige Lebensräume, wie sie andere Tieflandbuchenwälder nicht mehr besitzen. Das hügelige Waldland voller Seen und Moore mit seinem hohen Totholzanteil umfasst eine Vielzahl seltener Biotope. 1990 wurde das Naturschutzgebiet Teil des Müritz-Nationalparks. Die Autoren plädieren eindringlich für die Bewahrung dieses einzigartigen, verletzlichen Weltnaturerbes und laden mit Ausflugstipps und Wanderempfehlungen zum eigenen Erkunden ein.

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Hans-Jürgen Spieß und Peter Wernicke

Serrahn – Weltnaturerbe

im Müritz-Nationalpark

Gedruckt mit freundlicher Unterstützung von:

der Ursula-Merz-Stiftung Berlin

der Gesellschaft für Naturschutz und Landschaftsökologie e. V. Kratzeburg

der GTA-Geoservice GmbH Neubrandenburg

Frau Ilse Jaszcz, Klein Vielen

Frau Dr. Regina Spieß, Klein Vielen

Bibliographische Information der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliographie; detaillierte bibliographische Daten sind im Internet über https://dnb.d-nb.de abrufbar.

Serrahn – Weltnaturerbe im Müritz-Nationalpark

Hans-Jürgen Spieß / Peter Wernicke

Rangsdorf: Natur+Text 2013; 156 S.; 24 x 22 cm

ISBN 978-3-942062-07-7

© Verlag Natur+Text GmbH

Friedensallee 21, D-15834 Rangsdorf, Tel. 033708 / 20431

[email protected]; www.naturundtext.de

Layout und Satz: Reinhard Bär

1. digitale Auflage 2013

Digitale Veröffentlichung: Zeilenwert GmbH

Das Werk ist urheberrechtlich geschützt.

ISBN 9783942062107

Zwergschnäpper

Inhalt

Cover

Titel

Copyright

Inhalt

Vorwort

Der Wildpark Serrahn und das Schweizerhaus (von W. Karbe geschrieben im November 1941)

Ein Wort zum Verständnis

Das Schweizerhaus

Geschichte der Siedlung Serrahn

Das Naturschutzgebiet Serrahn und die Biologische Station

Die Gründung des NSG „Großer Serrahn und Schweingartensee“

Serrahn wird zu einem Zentrum der Natuschutz-forschung

Das Naturschutzgebiet wird vergrößert

Ausbau der Biologischen Station in den 1980er Jahren

Wildforschung und Staatsjagd

Die Wendezeit 1989/90 – Serrahn wird Nationalparkteil

Serrahn – Teil des Müritz-Nationalparks

Wälder

Entwicklung des Waldes nach der Eiszeit

Die Spuren des Großherzogs in den Serrahner Bergen

Auf dem Weg zum Urwald

Die Grünower Buchen

Erlenwälder – Entwicklungschance durch Wasser

Kiefernwälder – Beginn der Entwicklung zum Buchenwald

Die Pflanzen- und Tierwelt der Buchenwälder

Seen

Großer Serrahnsee

Schweingartensee

Zwirnsee, Großer Fürstenseer See und Hinnensee

Moore – Lebensräume zwischen Land und Wasser

Kesselmoore

Verlandungsmoore

Moorrenaturierungen

Pflanzen und Tiere der Moore

Naturerlebnis Serrahn

Region Zinow, Serrahn und Carpin mit dem Weltnaturerbegebiet.

Startpunkt Zinow

Ausgangspunkt Dianenhof bei Carpin

Region Fürstensee – Wokuhl

Region Grünow – Steinmühle

Ausgangspunkt Steinmühle

Ausgangspunkt Grünow

Fachtafeln

Walter Karbe

Eisvorstoß im Serrahner Gebiet

UNESCO Welterbe

Forstwirtschaft und Nachhaltigkeit

Pilze

Buchen

Urwälder

Deutschland – ein Buchenland

Armleuchteralgen (Characeen)

Wollgräser

Moore als Archive der Zeitgeschichte

Sonnentau

Literatur

Anhang

Zeittafel

Glossar

Abbildungen

Die Autoren

Summary

Vorwort

Der kleine Ort Serrahn mit seinen wenigen Einwohnern bietet kaum Anlass für die Veröffentlichung eines Buches. Doch der Ortsname steht auch für eines der wertvollsten und beeindruckendsten Naturschutzgebiete Deutschlands, den über sechstausend Hektar großen östlichen Teil des Müritz-Nationalparks. Die alten Buchenwälder um Serrahn wurden im Sommer 2011 in die Welterbeliste der UNESCO aufgenommen. Die Wurzeln des Schutzgebietes lassen sich bis in das 19. Jahrhundert zurück verfolgen, als der damalige Großherzog Georg von Mecklenburg-Strelitz in den Wäldern des Gebietes aus jagdlichen Gründen einen Wildpark einrichtete. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden große Bereiche zum Naturschutzgebiet und mit der politischen Wende 1990 Teil des Müritz-Nationalparks. Der Wald mit seinen mächtigen Buchen, wie sie sonst kaum noch in Deutschland zu finden sind, kann sich natürlich entwickeln. Er vermittelt den Eindruck eines Urwaldes, wie er in Mitteleuropa einst weit verbreitet war. Heute gibt es solche Wälder in Europa kaum noch und dies war der Anlass, sie in die Weltnaturerbeliste aufzunehmen.

Dass das möglich wurde, ist der Verdienst vieler Personen, die mit den unterschiedlichsten Aufgaben und Absichten in Serrahn wirkten. Durch ihre Tätigkeit haben sich die Wälder, die vielfältigen Moore und klaren Seen sowie eine artenreiche Tier- und Pflanzenwelt bis heute erhalten. Sie bilden in ihrer Verzahnung einen besonders wertvollen und schützenswerten Naturraum und vermitteln einen Eindruck davon, wie die norddeutschen Lebensräume unter natürlichen Verhältnissen aussehen würden.

Die wesentlichen Entwicklungsabschnitte vom Wildpark zum Nationalpark, die Besonderheiten der Natur des Serrahner Gebietes, dessen Bedeutung als Gegenstand der Naturschutzforschung und das Wirken von Personen und Institutionen wie der Biologischen Station sind Themen des Buches.

Es soll zugleich einen Beitrag leisten zur Unterstützung der Umsetzung der Weltnaturerbeverpflichtung und nicht zuletzt auch Anregungen für naturkundliche Wanderungen durch die ausgedehnten Wälder entlang von Seen und Mooren geben sowie Verständnis für das Schutzziel Serrahns wecken.

Blick über das Serrahnbruch auf die mit Buchenwäldern bestandene Endmoräne, an deren Rand sich die Gebäude der kleinen Siedlung Serrahn befinden.

Der Wildpark Serrahn und das Schweizerhaus (von W. Karbe geschrieben im November 1941)

Ein Wort zum Verständnis

Im ersten Abschnitt kommt mit dem Heimatforscher Walter Karbe ein Autor zu Wort, dessen Wirken in besonderer Weise dem Serrahner Gebiet verbunden ist. Seine Texte aus dem Jahre 1941 zur Beschreibung des Gebietes, seiner Flurnamen und naturkundlichen Besonderheiten sind ein einmaliges historisches Zeugnis und geben einen hervorragenden Eindruck vom damaligen Zustand des Gebietes. Er fand und untersuchte zwischen 1939 und 1955 die alte Dorfstelle Saran und entwickelte so eine starke Beziehung zum Gebiet des heutigen Nationalparkteils Serrahn. Die ungewohnte, altmodische Sprache Karbes versetzt den Leser oder jetzigen Besucher von Serrahn zurück in die Vergangenheit und vermittelt dabei einen Eindruck der Entwicklung der letzten 80 Jahre, wie es kein moderner Text vermag. Viele der Flurnamen und Sachverhalte, die Karbe beschreibt, werden in den anderen Abschnitten aufgegriffen.

Der am 9.04.1877 in Trechwitz bei Brandenburg geborene Walter Karbe war nach verschiedenen Tätigkeiten in Deutschland und Schweden ab 1914 Bibliothekar und Konservator in Neustrelitz. Zahlreiche Grabungen, Studien und daraus entstandene Veröffentlichungen machten ihn zu einem renommierten Heimatforscher der Region. 1941 wurde er Naturschutzbeauftragter im Kreis Stargard. 1945 am Ende des Zweiten Weltkrieges schützte er unter Einsatz seines Lebens die Landesbibliothek in Neustrelitz. 1947 begann er seine heimatgeschichtlichen und volkskundlichen Untersuchungsergebnisse in der „Kulturgeschichte des Landes Stargard von der Eiszeit bis zur Gegenwart“ niederzuschreiben (2009 wurde dieses umfassende Werk von G. Tschepego und P. Schüßler herausgegeben). Am 25.10.1956 starb W. Karbe in Neustrelitz. Sein Nachlass wird im Karbe-Wagner-Archiv in Neustrelitz aufbewahrt.

Dort wo der sogenannte Strelitzer Bogen, welcher zur nördlichen der beiden baltischen Endmoränen gehört, seine größte Breite erreicht und am weitesten nach Süden vorstößt, liegt der Wildpark (Serrahn – d. Autoren). Daher kommt es, dass dies Waldrevier als ein geologisches Schulbeispiel für die Ausbildung und das Aussehen von Endmoränen dienen kann. Die Vielgestaltigkeit, starke Kuppierung und Steilheit der Rücken und Kuppen, verbunden mit einer sehr starken Steinbestreuung, heben den Moränenzug deutlich und klar aus dem Umland heraus.

Eisvorstoß im Serrahner Gebiet

Vor etwa 400.000 Jahren kam es zu einer starken Abkühlung des Klimas. Gewaltige Eismassen bildeten sich und drangen mehrfach von Skandinavien kommend bis in den nord- und mitteldeutschen Raum vor. Die mehrere hundert Meter hohen Gletscher führten Erde, Steine und Geröll mit und schoben dieses Material vor sich her. Der letzte große Eisvorstoß, der vor etwa 115.000 Jahren begann und vor 10.000–12.000 Jahren endete, drang bis in das heutige Serrahner Gebiet vor. Kamen die Gletscher zum Stillstand, blieben vor dem Eisrand als Endmoränen bezeichnete Erhebungen zurück. Das Zurückweichen des Gletschers erstreckte sich über Jahrhunderte. Infolge von Klimaschwankungen kam es zu wiederholten Vordring- und Rückzugsphasen des Eises. Dabei bildete sich die stark gegliederte, bei Serrahn bis zu 2 km breite Endmoränenlandschaft aus. Teilweise erhebt sich diese Hügelkette mehrere Dutzend Meter über die umliegenden Flächen. Die Böden, die sich unter dem Gletscher befanden, werden als Grundmoränen bezeichnet. Das beim Auftauen der Gletscher abfließende Wasser spülte im Bereich der Gletscherzungen häufig tiefe Rinnen aus, die sich später mit Wasser füllten. So haben die Kräfte der Eiszeit eine abwechslungsreiche Landschaft geformt, die sich durch eine Vielfalt an Lebensräumen auf engem Raum auszeichnet.

Wie jeder Endmoränenzug, so wird auch der unsrige an einer ganzen Reihe von Stellen durchbrochen und zwar sind das diejenigen Stellen, an denen sich einst das Schmelzwasser durch die Gletschertore hindurch in das Vorland ergoss. Unter der Eisdecke schmolz immer etwas Eis ab. Die Schmelzwässer sammelten sich in unter dem Eis liegenden Rinnen, die in die hinter der Endmoräne liegende Grundmoräne eingeschnitten und mit Sand ausgefüllt werden konnten, und flossen durch Gletschertore hindurch nach außen ab.

Sumpfporst

Moosbeere

Wasserfeder

Schlangenbärlapp

Weißes Schnabelried

Im Wildpark selbst findet sich das schöne Beispiel eines solchen Tores, das einen Durchbruch durch den Strelitzer Bogen darstellt, am Südende des Schweingarten Sees bei der Willerts Mühle, ein zweiter in unmittelbarer Nähe seines Ostrandes bei der Steinmühle. Nimmt man hierzu noch die verschiedenen Gewässer, die der Wildpark umfasst, sowie die vielen, zwischen den Rücken und Kuppen eingebetteten kleinen alluvialen (mit erdgeschichtlich jungen Ablagerungen gefüllten – d. Autoren) Senken, in denen entweder Wasser, Abschlämmmassen oder humose Bildungen enthalten sind, so wird der landschaftliche Reiz dieser Gegend ohne weiteres klar.

Von den Gewässern innerhalb des Wildparks sind Serrahn- und Schweingarten-See die bedeutendsten. (…)

Der Schweingartensee ist etwa 2 km lang und in mehrere große Becken gegliedert. Das Bild zeigt den See im Jahr 1998.

Seit dem Straßenbau nach Woldegk, wegen dessen der Wasserspiegel des Serrahn erheblich gesenkt wurde, besteht der Große Serrahn jetzt aus zwei getrennten Wasserflächen, während der Kleine schon fast zugewachsen ist. Erhebliche Verlandungen haben sich gebildet, die meist Schwingrasen bilden und mit ihrem teilweise abgestorbenen Bestand von Moorkiefern einen eigentümlichen Anblick gewähren.

Über die hier sich findende interessante Pflanzengemeinschaft hat der Neustrelitzer Botaniker Carl Kraepelin im Jahr 1871 folgendes veröffentlicht: „Sind die ausgedehnten Sumpfwiesen an der Lieps im Allgemeinen noch gut passierbar, so kann man von den Morästen der Serrahnschen Seen nicht dasselbe behaupten, vielmehr sind die Mäher genötigt, durch lange neben einander gelegte Stangen sich Zugang zu dem üppigen Graswuchs dieser weiten Moorflächen zu verschaffen. Hier nun ist es, wo sich die Sumpfflora in ihrer ganzen Pracht entfaltet, wo in manchen Jahren alles übersäet ist von blühenden Meesien, wo Sphagnum subsecundum und squarrosum (Torfmoosarten), sowie Hypnum trifarium (Laubmoosart) in üppigster Weise fruktifizieren. Vor allen Dingen jedoch sind es die hier vorkommenden Gefässpflanzen, welche unser Interesse erwecken. Am Rande der Seen wetteifern Lycopodium annotinum (Sprossender Bärlapp) und Selago (Tannenbärlapp) in massigem Auftreten, während im Inneren des Moores Lycopodium inundatum (Sumpf-Bärlapp), Vaccinium oxycoccos (Moosbeere) alle Drosera- (Sonnentau) und 3 Untriculariaarten (Wasserschlauch), Cladium (Binsenschneide), Rhynchospora alba (Weißes Schnabelried), Eriophorum alpinum (Alpenhaargras) und Malaxis (Einblatt) abwechselnd den Vorrang behaupten.“

Der Schweingartensee ist ausgezeichnet durch seine buchtenreiche Gestaltung, beruhend auf einer Anzahl von Halbinseln, deren drei hauptsächlichste Buch-, Lind- und Steinwerder genannt werden. Der letztere, langgestreckt und schmal, stellt mit seinen steinigen Buckeln einen untergetauchten Drumlingszug dar. Drumling ist ein nordisches Wort und bezeichnet einen länglichen bis oval-schildförmigen Rückenberg, der ungefähr senkrecht zur Endmoräne steht und im Querschnitt meist einen Sand- oder Kieskern unter einer Decke von Geschiebemergel zeigt. Der Steinwerder trägt seinen Namen zu Recht, denn auf ihm, namentlich an seiner höchsten Stelle, sind dieselben von den Steinschlägern, die anderwärts im Wildpark böse gehaust haben, durch ihre Lage gesichert, verschont geblieben. Ein besonders großer Block steckt allerdings gerade gegenüber in der Uferwand und auch der Lindwerder hat eine Anzahl Steine noch behalten, aber sonst ist von dem Geschiebereichtum des Reviers im Vergleich zu früher nicht mehr viel zu spüren und von so manchem stattlichen Findling zeugt nur noch ein Loch im Boden nebst herumliegenden Abfallstücken.

Von Süden erstreckt sich der Hinnensee, eine Bucht des Großen Fürsten-Sees in den Wildpark hinein, indem er durch den sogenannten Schwimmzaun gewissermaßen nach Aussen abgeriegelt ist.

Dicht neben ihm liegt der Güster-Pohl, so benannt nach den Fischen, die im Volksmund sonst „Breeden“ (Breite) heissen und nicht sehr geschätzt werden, aber wohl allerwärts vorkommen.

Ein anderes kleines Gewässer ist der Schwarze See östlich vom Schweingarten, romantisch, abgelegen und still, mit starker Verlandung und grotesken Uferbäumen, ein Motiv für Maler und Lichtbildner.

Zwischen dem Großen Serrahn und dem Thurower Heckenhaus liegt der Scharmünzel-See, kaum noch sichtbar, aber vermittels eines gewaltigen Durchstichs mit dem Kiebitz-Moor verbunden. Bei diesem letzterem hat die Verlandung von der Mitte aus begonnen und das Wasser bildet einen Ring um die so entstandene Insel. Kiebitze lassen sich hier jedoch nicht sehen, sie lieben solche eingeschlossenen Waldmoore nicht. Von diesen wäre noch zu nennen das Buhlblagen-Bruch, dessen eigenartiger Name von einer auch Drunkelbeere genannten Vaccinium-Art herkommt, deren Früchte aber als menschliche Nahrung nicht verwendet werden. Dicht dabei liegt der Grosse Rieg und die Duwichs Wiese. Duwich (Duwock) ist der Schachtelhalm oder Kattenstert, der als lästiges Unkraut auf Wiesen und Äckern zu finden ist. Auch ein Teufelsbruch gibt es hier in der Nähe, ein anderes in der Nordecke des Wildparks beim Priester-See und dieses wiederum reicht direkt an das Kotzenbruch heran. Letzteres steht mit einem Bächlein in Verbindung, Kotzengraben genannt, der das Wasser der Bergfelder Feldmark in das Bruch und von da in den Schweingarten führt. Dieses Bächlein enthält zwar meistens nicht viel Wasser, sein Bett ist aber ziemlich tief eingeschnitten und zum Glück noch nicht „korrigiert“, sodass es sich in mannigfaltigen Windungen durch den Buchenwald zieht, was einen erfreulichen Anblick gewährt.

Der Kotzengraben führt seit Jahrhunderten Wasser aus der Bergfelder Feldflur über das Kotzenbruch (früher Kossätenbruch genannt) dem Schweingartensee zu. Die mitgeführten Nährstoffe und das braune Moorwasser haben zu starken Beeinträchtigungen des ehemaligen Klarwassersees geführt.

Die für den Wildpark so charakteristischen tiefen Senken, von denen schon die Rede war, sind ursprünglich mit Eisblöcken ausgefüllt gewesen, die, von dem eigentlichen Gletscher getrennt, als Toteis sowohl an der Oberfläche lagen, als auch eingeschlossen und von Sand, Lehm und Geschieben überdeckt gewesen sind. Diese Eismassen sind nur langsam ausgeschmolzen und haben dabei natürlich auch die Oberflächenform der Endmoräne verändert. Eines der bemerkenswertesten dieser Löcher, die vom Eis ausgefüllt gewesen sein können, ist der Mückengrund westlich von Serrahn, der mit seiner Tiefe und Steilheit ein beachtenswertes Bild bietet. Früher hielt man diese Senken für Strudellöcher (Evorsionen), verursacht durch herabstürzende Schmelzwässer, doch davon ist jetzt nicht mehr die Rede. Steigen wir aus den Gründen auf die Höhen, so können wir es gleich südlich vom Forsthaus auf 121,4 m bringen und früher ging es noch 20 m höher, denn hier stand einstmals ein Turm, von dem man eine erstaunliche Umschau hatte. Der „Mittagsbaum“ auf dem Zierker Felde, weit hinter Neustrelitz, war deutlich zu erkennen. Über hundert Meter erheben sich ferner noch der Steiner-, Luchsen-, Zell- und Wurzelberg.

In einer Urkunde aus dem Jahr 1343 wird erstmalig ein Dorf Saran erwähnt. In dieser wird dokumentiert, dass Fürst Albrecht von Mecklenburg dem Kloster Wanzka alle Rechte an den Dörfern Thurowe, Saran und Brughowe verkauft. Von der Klosteranlage Wanzka ist die Kirche erhalten geblieben.

Nachdem nunmehr die Voraussetzung für das Weitere gegeben ist, wollen wir sehen, was für Ereignisse sich auf dem beschriebenen Grund und Boden abgespielt haben. Die ersten Spuren menschlicher Tätigkeit dürften bis in die mittlere Steinzeit zurückreichen. Aber sie sind äusserst schwach und finden sich in Gestalt von Feuersteinabfällen und Bruchstücken kleiner Schalen. (…)

Mit der Bronzezeit sieht es schon anders aus. Von den Rollbergen bei Koldenhof an finden sich, dem Zuge der Endmoräne folgend, viele Hügel, von denen so mancher zweifellos ein Grab der mittleren Bronzezeit ist. Südlich von Goldenbaum werden solche Hügel auf der Karte Hünengräber genannt und auch der Hünberg findet sich dort verzeichnet. So ist wohl anzunehmen, dass die Kette noch weiter bis in den Wildpark reicht, denn ganz ähnliche Hügel finden sich dort gleichfalls. Aber es ist oft schwer, natürliche Moränenkuppen von Grabhügeln zu unterscheiden; auch ist mancher Hügel, obwohl sicher von Menschenhand geformt, doch völlig fundleer und muss die Bedeutung eines Denk- oder Ehrenmales gehabt haben.

Die auf die Germanen in einigem Abstand folgenden Wenden machen sich gleichfalls bemerkbar. Wendische Topfscherben finden sich wiederum in der Eiskellerecke. Teilweise noch erhaltene Herdstellen wurden auf dem Dianenhöfer Försteracker am Abhang des Schlesersees untersucht. Auch gibt es solche auf dem Steinwerder, wo Spuren unbefugter Grabung noch sichtbar sind, und endlich finden sich Scherben, zunächst auf Maulwurfshaufen, gelegentlich der Suche nach der Dorfstätte am jetzt verlandeten Südende des Großen Serrahn im Bereich der neuen Försterkoppel. Indessen hatte der gefällige Maulwurf nicht nur wendische Scherben herausgebracht, sondern auch jüngere vom sogenannten Kolonialtyp, wie man sie auf den im Kreise Stargard auch sonst vorkommenden Dorfstätten zu finden pflegt.

Im Waldgelände unter Laub oder Moos lassen sich solche schwer feststellen, jetzt aber hatten Kahlschlag und Maulwurf die nötigen Voraussetzungen gegeben und die Entdeckung war gemacht.

Bei der Anlage einer neuen Viehkoppel für die Tiere des Försters am Ufer des Haussees entdeckte Walter Karbe 1939 Tonscherben, die auf eine menschliche Siedlung hindeuteten. In jahrelanger Arbeit führte er Grabungen durch und legte dabei Reste des alten Sarans frei. Heute kennzeichnet ein Gedenkstein am Wanderweg von Zinow nach Serrahn diese Stelle.

Im Jahre 1343 verkaufte Fürst Albrecht von Mecklenburg unter Zustimmung seines Bruders Johann dem Kloster Wanzka alle fürstlichen Rechte in den Dörfern Thurowe, Saran und Brughowe. In Urkunden aus den Jahren 1408 und 1427 heist das zweite dieser Dörfer „to deme Sarne, tome Sarane, to deme Tzarane“. Dies Wort, auch in der Form Seran, Zeran und ähnlich, kommt in niederdeutschen Urkunden zuweilen vor und soll die durchlöcherte Kiste bedeuten, in welcher Aale aufbewahrt werden. In einer lateinischen Urkunde des Mittelalters heisst es „gurgustium theutonice zerran“, muss hier aber den Sinn von Aalwehr oder Aalfang haben. Cicero jedoch versteht unter gurgustium nur ganz allgemein eine Bude und so geht es denn hier wie so oft mit Namenserklärungen: man weiß nichts Rechtes damit anzufangen, zumal da in unserem Serrahn der Aalfang wohl kaum jemals irgendwelche Bedeutung gehabt hat.

Es wurde bisher immer angenommen, dass Saran und Brughowe in den Kämpfen zwischen Mecklenburgern und Märkern um das Jahr 1440 untergegangen seien, während Thorowe bekanntlich noch vorhanden ist. Von Brughowe ist bisher irgendwelche Spur noch nicht gefunden worden, Saran aber musste nach dem Scherbenbefund am ehemaligen Westufer des südlichen Seezipfels gelegen haben und an einer Stelle, die etwas zu versprechen schien, wurde der Spaten angesetzt.

Nach und nach wurde eine Steinpackung freigelegt, die in einer zum Teil stark gebrannten Lehmbettung lag, während sich über das Ganze das Wurzelwerk einer etwa 170-jährigen Kiefer erstreckte, von der sonst nur der Stumpf noch vorhanden war. Nachdem alles sorgfältig herauspräpariert war, konnte ein Zweifel darüber nicht mehr bestehen, dass man hier auf das einzige, sozusagen „monumentale“ Bauwerk des Ortes, nämlich den Backofen gestossen war. Denn eine Kirche oder Burg hatte das alte Saran nicht gehabt, die Häuser aber waren fundamentlose Lehmkaten, die nichts Dauerhaftes darstellten, zum Bau des Backofens, der ja in früheren Zeiten eine bedeutende Rolle spielte, waren jedoch ansehnliche Feldsteine verwendet worden, die durch den zusammengestürzten Lehmoberbau besonders fest verbunden waren. Von den Einzelheiten der „Architektur“, dem Ofenloch etc. war freilich nichts mehr zu erkennen, es war alles ein Klumpen, seine Bedeutung aber war klar. (…) In dem Sande nun, bis zu 3/4m Tiefe, wo er ganz hell war, lagen Scherben, zwar meist vereinzelt, aber sorgfältiges Graben und späteres Durchsuchen des Abraumes brachte doch eine erhebliche Menge zusammen. Wendische Scherben gab es nur wenige, desto mehr aber von dem unglasierten Geschirr des endenden Mittelalters.

Soweit entsprach der Befund dem auch sonst von Dorfstätten her bekannten, hier aber kamen auch glasierte Scherben und Reste von Glasflaschen oder Gläsern hinzu, die naturgemäß meist zuoberst lagen. Sonst gab es noch Hüttenlehm; von Metall nur einen ganz verrosteten Eisenhaken, sowie ein Knöpfchen.