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Im kalten Winter des Jahres 1943, tief in der weiten Steppe südlich des Don, begegnen sich deutsche Kriegsgefangene und sowjetische Soldaten unter dramatischen Umständen. Friedrich Wolf, ein deutscher Arzt und Schriftsteller, erzählt eine bewegende Geschichte von Menschlichkeit und Solidarität inmitten der Grausamkeiten des Zweiten Weltkriegs. Mit "Siebzehn Brote" taucht der Leser in die erschütternden Erlebnisse jener Tage ein und erfährt, wie kleine Gesten des Mitgefühls und der Güte selbst in den dunkelsten Stunden Hoffnung spenden können. Diese Erzählung, basierend auf wahren Begebenheiten, erinnert uns daran, dass Mitgefühl und Menschlichkeit immer ihren Platz haben, auch im Angesicht des Krieges. Ein E-Book, das die Vergangenheit lebendig macht und uns zum Nachdenken über die Werte von Frieden und Solidarität anregt.
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Seitenzahl: 10
Veröffentlichungsjahr: 2024
Friedrich Wolf
Siebzehn Brote
ISBN 978-3-68912-056-6 (E–Book)
Die Erzählung ist 1953 entstanden.
Das Titelbild wurde mit der KI erstellt.
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Es war in der winterlichen Steppe südlich des Don am 21.Januar 1943, als sich die Geschichte mit den siebzehn Broten zutrug. Weshalb ich mich des Datums noch so genau entsinne? Man wird es sogleich erfahren.
Die 6. Hitlerarmee war nach Ablehnung des Kapitulationsangebotes auf einen noch engeren Raum zurückgeworfen worden. Von Marinowka bis Dimitrijewka zog sich der eiserne Ring der sowjetischen Truppen um die zerschlagene 6. Armee. Dennoch hatten sich in der riesigen Weite der Wintersteppe kleine Splitter deutscher Einheiten nachts der Umklammerung entziehen und nach Westen abirren können. So stießen wir eines Morgens im Frühnebel auf die Offiziersgruppe und Ordonnanzen eines Regimentsstabes mit ihrem Oberst E. Der Oberst war nicht wenig erstaunt, als er vor sowjetischen Truppen stand; er gab sich mit seinen Leuten sofort gefangen; er ließ uns dabei wissen, dass er – als zum „Führerstab“ gehörig – auf eine besondere Behandlung rechne. Da diese Eröffnung nicht die gewünschte Wirkung hatte, wurde er schweigsamer. Aus seinen Papieren ging hervor, dass er aus Dresden stammte. Nun war ich von 1912 bis 1914 als Assistenzarzt in Dresden tätig gewesen und fragte auf gut Glück, wie es denn seinem Verwandten E. gehe, dessen historisches Drama damals an der königlichen Bühne gespielt wurde. Der Oberst starrte mich wie eine Geistererscheinung an. Denn erstens handelte es sich tatsächlich um seinen Vetter. Und dann – wie kam ein fremder Mensch in einem russischen Schafspelz in der winterlichen Donsteppe dazu, seinen Vetter zu kennen? Ich erklärte dem Herrn Oberst, das sei im Augenblick unwesentlich. Im weiteren Gespräch stellte sich dann heraus, dass der Oberst ein passionierter Rosenzüchter war und den einen „persönlichen Wunsch“ äußerte, in einem wärmeren Klima, wenn möglich in Taschkent, sich der Rosenzucht widmen zu können. „So wäre uns allen geholfen“, erklärte er weise.
Das war am 20.Januar.
Anders verhielten sich jene vierzig deutschen Landser, die wir am nächsten Morgen trafen. Sie äußerten nicht den Wunsch, als Rosenzüchter nach Taschkent gebracht zu werden; sie äußerten überhaupt keinen Wunsch; sie lagen völlig apathisch und kraftlos in einem Hohlweg im Schnee. Ihre ausgemergelten Gesichter waren grau bis grauschwarz. Offenbar hatten sie sich seit Tagen nicht gewaschen und auch nichts gegessen. Es waren Versprengte verschiedener Truppenteile der deutschen 6. Armee, die, nach Westen fliehend, sich bis hierher geschleppt hatten.
