Silberlinge - Jim Butcher - E-Book
Beschreibung

Harry Dresden, Chicagos einziger praktizierender Berufsmagier, sollte froh sein, dass die Geschäfte zur Abwechslung mal ganz gut laufen. Aber jetzt bekommt er mehr, als er eigentlich wollte: Ein Duell mit dem Kämpen des Roten Hofes der Vampire, den Harry töten muss, um den Krieg zwischen Vampiren und Magier zu beenden ... Profikiller, die Harry als Zielscheibe benutzen ... Das verschwundene Turiner Grabtuch ... Eine Leiche ohne Kopf und Hände, die er für die Polizei von Chicago identifizieren soll ... Ganz zu schweigen von der Rückkehr von Harrys Exfreundin Susan, die noch immer mit ihrem halbvampirischen Wesen kämpft und in deren Leben es einen neuen Mann zu geben scheint. An manchen Tagen zahlt sich das Aufstehen einfach nicht aus. Egal, wie viel man berechnet.

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Seitenzahl:511

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Autor: Jim Butcher

Deutsch von: Jürgen Langowski

Lektorat: Angela Troni

Art Director: Oliver Graute

Umschlagillustration: Chris McGrath

© Jim Butcher 2003

© 2009 der deutschsprachigen Übersetzung bei Droemersche

Verlagsanstalt Th. Knaur Nachf. GmbH & Co. KG, München

© 2012 der vorliegenden Ausgabe Feder&Schwert GmbH

E-Book-Ausgabe

ISBN 978-3-86762-125-0

Originaltitel: Death Masks

Silberlinge ist ein Produkt von Feder&Schwert unter Lizenz von Jim Butcher 2011. Alle Copyrights mit Ausnahme dessen an der deutschen Übersetzung liegen bei Jim Butcher.

Dieses Werk wurde vermittelt durch die Literarische Agentur Thomas Schlück GmbH, 30827 Garbsen.

Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck außer zu Rezensionszwecken nur mit schriftlicher Genehmigung des Verlags.

Die in diesem Buch beschriebenen Charaktere und Ereignisse sind frei erfunden. Jede Ähnlichkeit zwischen den Charakteren und lebenden oder toten Personen ist rein zufällig.

Die Erwähnung von oder Bezugnahme auf Firmen oder Produkte auf den folgenden Seiten stellt keine Verletzung des Copyrights dar.

www.feder-und-schwert.com

Zum Gedenken an Plumicon und Ersha,

die gefallenen Helden

1. Kapitel

Manche Dinge passen einfach nicht zusammen, etwa Öl und Wasser oder Orangensaft und Zahnpasta.

Das gilt auch für Magier und das Fernsehen.

Die Scheinwerfer blendeten mich, ihre Hitze ließ mir Bäche von Schweiß übers Gesicht laufen, die das pfannkuchendicke Make-up, das mir ein gestresster Handlanger ein paar Minuten vorher im Gesicht verteilt hatte, wegzuspülen drohten. Auf den Kameras blinkten Lichter, die Erkennungsmelodie der Talkshow lief, und das Studiopublikum skandierte: „Lar-ry, Lar-ry, Lar-ry!“

Larry Fowler, ein kleiner Mann mit einem makellosen Anzug, trat durch die Doppeltür im Hintergrund des Studios und marschierte zur Bühne. Er setzte sein Zahnpastalächeln auf und schüttelte einem Dutzend Zuschauer, die an den Enden der einzelnen Reihen saßen, im Vorbeigehen die Hände. Die Zuschauer pfiffen und jubelten. Ich zuckte in dem Lärm zusammen, unter meinem weißen Anzughemd und der Jacke lief mir der Schweiß über die Rippen. Vorübergehend spielte ich mit dem Gedanken, schreiend hinauszulaufen.

Glauben Sie aber bitte nicht, ich hätte Lampenfieber gehabt. Ganz und gar nicht. Es war einfach nur ziemlich heiß auf der Bühne. Nervös leckte ich mir über die Lippen und vergewisserte mich für alle Fälle, wo die Notausgänge waren. So etwas ist gut zu wissen, falls man schleunigst das Weite suchen muss. Die Lichter und der Lärm machten es mir schwer, meine Konzentration zu halten, und der Zauber, den ich um mich gewirkt hatte, ließ ein wenig nach. Ich schloss einen Moment die Augen, bis er sich wieder stabilisiert hatte.

Neben mir saß ein dicker Mann mit einem Kahlkopf, etwa Ende vierzig und mit einem Anzug bekleidet, der erheblich besser war als meiner. Mortimer Lindquist wartete gelassen und mit höflichem Lächeln, murmelte aber ohne die Lippen zu bewegen: „Geht’s Ihnen nicht gut?“

„Ich habe Wohnungsbrände erlebt, die angenehmer waren als das hier.“

„Sie haben um dieses Treffen gebeten, nicht ich“, erwiderte Mortimer. Mit gerunzelter Stirn beobachtete er Fowler, der gerade einer jungen Frau die Hand schüttelte. „So ist das Showgeschäft.“

„Wird es lange dauern?“, fragte ich Morty.

Er blickte zum freien Stuhl neben ihm und einem weiteren neben mir. „Zwei Überraschungsgäste. Es könnte wohl eine Weile dauern. Sie zeichnen alles auf und schneiden später die besten Stücke zusammen.“

Ich seufzte. Direkt nachdem ich meine Arbeit als Privatdetektiv aufgenommen hatte, war ich schon einmal in der Larry Fowler Show gewesen, und das hatte sich als kapitaler Fehler erwiesen. Ich hatte danach gegen eine ganze Woge von Beschimpfungen ankämpfen müssen. „Was haben Sie denn herausgefunden?“, fragte ich.

Mort warf mir einen nervösen Blick zu. „Nicht sehr viel.“

„Nun machen Sie schon, Mort.“

Er öffnete den Mund, aber dann bemerkte er, dass Larry Fowler bereits die Treppe herauflief und die Bühne betrat. „Zu spät. Warten wir auf die Werbeunterbrechung.“

Larry Fowler tänzelte auf uns zu und schüttelte erst mir und dann Mort ausgiebig und mit maßlos übertriebener Begeisterung die Hand. „Willkommen in der Show“, sagte er in ein Handmikrofon. Dann wandte er sich zur nächsten Kamera um. „Hexerei und Zauberei – Fälschung oder fabelhaft? Als ersten Studiogast begrüße ich das Chicagoer Medium und den medialen Berater Mortimer Lindquist, der bereit ist, uns in sein geheimes Wissen einzuweihen.“

Die Zuschauer applaudierten höflich.

„Neben ihm sitzt Harry Dresden, Chicagos einziger professioneller Magier.“

Diesmal kicherten die Leute, während sie klatschten. Ich kann nicht behaupten, dass ich schockiert war. Die Menschen glauben heutzutage nicht mehr an das Übernatürliche, denn was in dieses Reich gehört, macht ihnen Angst. Es ist viel bequemer, sich einzureden, niemand könnte mit magischen Mitteln zuschlagen und einen töten, und dass Vampire nur in Filmen vorkämen und Dämonen nichts als psychische Fehlfunktionen seien.

Das trifft ganz und gar nicht zu, aber man kann mit dieser Einstellung ruhiger schlafen.

Obwohl ich an derartige Verleugnungen gewöhnt bin, wurde mein Gesicht heiß. Ich mag es nicht, wenn man mich auslacht. Alte, halb vergessen geglaubte Verletzungen mischten sich mit meiner Nervosität, und ich bemühte mich erneut, den Dämpfungszauber zu erhalten.

Ja, ich meine einen Zauberspruch. Ich bin nämlich tatsächlich ein Magier, ich arbeite mit der Magie. Mir sind Vampire, Dämonen und viele andere Wesen begegnet. Ich habe noch die Narben und kann es beweisen. Das Problem ist allerdings, das die moderne Technik versagt, sobald ein Magier in der Nähe ist. Computer stürzen ab, Glühbirnen brennen durch, Autoalarmanlagen spielen aus keinem erkennbaren Grund verrückt. Ich hatte mir einen Zauber zurechtgelegt, mit dem ich die Ausstrahlung meiner Magie wenigstens vorübergehend unterdrücken konnte, um nicht gleich die komplette Studiobeleuchtung und alle Kameras in die Luft zu jagen oder den Feueralarm auszulösen.

Das war auch so schon eine komplizierte Angelegenheit und ein schwieriger Zauber dazu. Bisher war es einigermaßen gut gegangen, aber dann zuckte gleich neben mir ein Kameramann zusammen und riss sich den Kopfhörer herunter, der eine pfeifende Rückkopplung von sich gab.

Ich schloss die Augen, schob mein Unbehagen und meine Verlegenheit beiseite und konzentrierte mich auf den Zauber. Die Rückkopplung hörte auf.

„Nun gut“, sagte Larry nach einer halben Minute Vorgeplänkel. „Morty, Sie waren schon mehrmals als Gast in dieser Show. Würden Sie unseren Zuschauern bitte noch einmal erklären, was Sie tun?“

Mortimer riss die Augen weit auf und flüsterte: „Ich treffe mich mit den Toten.“

Die Zuschauer lachten.

„Etwas ernsthafter ausgedrückt, ich führe Seancen durch“, fuhr Mortimer fort. „Ich bemühe mich, Menschen zu helfen, die einen nahen Angehörigen verloren haben, wenn sie mit den Verstorbenen im Jenseits Kontakt aufnehmen möchten, um irgendetwas zu klären, das hier auf der Erde ungeklärt blieb. Außerdem biete ich Weissagungen an, die meinen Klienten bei wichtigen Entscheidungen helfen. So kann ich sie vor möglichen Gefahren warnen.“

„Wirklich“, sagte Larry. „Könnten Sie uns dies einmal demonstrieren?“

Mortimer schloss die Augen und legte die Fingerspitzen der rechten Hand auf den Nasenrücken. Dann tönte er mit Grabesstimme: „Die Geister sagen mir … dass bald noch zwei weitere Gäste eintreffen werden.“

Die Zuschauer lachten, und Mortimer nickte grinsend. Er wusste, wie man mit einem großen Publikum umgehen muss.

Larry lächelte nachsichtig. „Und warum sind Sie heute hier?“

„Ich will einfach nur die Menschen auf die übersinnliche und paranormale Ebene aufmerksam machen. In einer neueren Umfrage erklärten fast achtzig Prozent der erwachsenen Amerikaner, dass sie an die Existenz von Geistern der Toten, von Gespenstern, glauben. Ich will den Menschen nur helfen zu erkennen, dass Geister tatsächlich existieren und dass es gar nicht wenige Leute gibt, die eigenartige, unerklärliche Begegnungen mit ihnen hatten.“

„Vielen Dank. Harry – ich darf Sie doch Harry nennen?“

„Aber klar, Sie sind der Boss“, erwiderte ich.

Larrys Lächeln gefror ein wenig. „Können Sie uns etwas über Ihre Arbeit erzählen?“

„Ich bin Magier“, sagte ich. „Ich finde verlorene Gegenstände, untersuche paranormale Vorfälle und bilde Menschen aus, die Schwierigkeiten damit haben, wenn sich ihre Fähigkeiten auf einmal entfalten.“

„Trifft es nicht auch zu, dass Sie für eine Sondereinheit der Chicagoer Polizei arbeiten?“

„Gelegentlich“, räumte ich ein. Ich wollte nach Möglichkeit nicht über die Polizei reden, denn die Verantwortlichen dort wären sicher nicht begeistert, wenn sie in der Larry Fowler Show zum Gespött gemacht würden. „Viele Polizeibehörden im ganzen Land beauftragen freie Berater, wenn alle anderen Möglichkeiten ausgeschöpft sind.“

„Warum sind Sie hier?“

„Weil ich pleite bin und Ihr Produzent mir das doppelte Honorar zahlt.“

Wieder lachten die Zuschauer, dieses Mal etwas freundlicher. Larry Fowlers Augen blitzten hinter der Brille ein wenig ungehalten, und sein Lächeln ähnelte eher einem Zähneknirschen. „Jetzt mal im Ernst, Harry. Was haben Sie uns mitzuteilen?“

„Meine Gründe sind die gleichen, die auch Mort… äh, Mortimer hier genannt hat“, erwiderte ich. Das entsprach der Wahrheit. Ich war gekommen, um Mort zu treffen und einige Informationen von ihm zu erhalten. Er war gekommen, um mich zu treffen, weil er nicht in meiner Nähe gesehen werden wollte. Man könnte sagen, dass ich nicht bei allen Zeitgenossen den besten Ruf genieße.

„Sie behaupten also, Sie könnten magische Dinge tun“, sagte Larry.

„Ja.“

„Könnten Sie uns das vielleicht vorführen?“, drängte Larry.

„Das könnte ich, aber ich halte das für keine gute Idee.“

Larry nickte und warf einen vielsagenden Blick in Richtung Publikum. „Warum?“

„Das würde wahrscheinlich Ihrer Studioeinrichtung sehr schaden.“

„Aber natürlich“, sagte Larry. Er zwinkerte dem Publikum zu. „Das wollen wir nach Möglichkeit vermeiden, nicht wahr?“

Einige Leute lachten, ein paar andere johlten. Mir kamen Szenen aus Carrie und Der Feuerteufel in den Sinn, doch ich beherrschte mich und erhielt den Dämpfungszauber aufrecht. Schließlich bin ich ein Meister der Selbstbeherrschung. Dennoch blickte ich einmal mehr sehnsüchtig zum Notausgang hinter der Bühne.

Larry absolvierte den Gesprächsteil der Talkshow und redete über Kristalle, ESP und Tarotkarten. Meist antwortete Mort. Ich steuerte hin und wieder etwas Einsilbiges bei.

Nach einigen Minuten sagte Larry: „Wir sind gleich wieder da, bleiben Sie dran.“ Bühnenhelfer hoben Schilder mit der Aufschrift APPLAUS, und die Kameras hielten auf die pfeifenden, johlenden Zuschauer.

Larry warf mir einen genervten Blick zu und stakste hinter die Bühne, wo er eine Maskenbildnerin wegen seiner Frisur zur Schnecke machte.

Das war die Gelegenheit, mich zu Mort hinüberzubeugen und ihn zu fragen: „Also, was haben Sie herausgefunden?“

Der pummelige Ektomant schüttelte den Kopf. „Nichts Konkretes. Ich muss erst wieder lernen, mit den Toten Kontakt aufzunehmen.“

„Trotzdem, Sie haben in dieser Hinsicht mehr Informanten als ich“, antwortete ich. „Meine Quellen verfolgen nicht sehr aufmerksam, wer in der letzten Zeit gestorben ist, deshalb erfahre ich nicht viel. Lebt sie denn wenigstens noch?“

Er nickte. „Ja, sie lebt noch. So viel weiß ich sicher. Sie ist derzeit in Peru.“

„In Peru?“ Einerseits war ich sehr erleichtert, dass Susan noch lebte, andererseits wunderte ich mich, was sie dort zu suchen hatte. „Das ist doch das Revier des Roten Hofs.“

„In gewisser Weise“, bestätigte Mort. „Allerdings sind die meisten in Brasilien und Yucatàn. Ich habe zwar versucht, ihren genauen Aufenthaltsort herauszufinden, wurde aber abgeblockt.“

„Von wem?“

Mort zuckte mit den Achseln. „Das kann ich nicht sagen, tut mir leid.“

„Nein, schon gut. Vielen Dank, Mort.“

Dann lehnte ich mich zurück und dachte über die Neuigkeiten nach.

Susan Rodriguez arbeitete als Reporterin für eine Illustrierte namens Midwestern Arcane. Schon kurz nachdem ich mein Büro eröffnet hatte, war ihr Interesse an mir erwacht. Sie hatte mich erbarmungslos verfolgt, um mehr über die Wesen herauszufinden, auf die ich in der Nacht traf. Wir lernten uns näher kennen, und bei unserem ersten Date lag sie am Ende mitten in einem Gewitter nackt auf der Straße, während Blitze ein Krötenmonster in klebrige Stücke zerhackten. Danach hatte sie über einige Begegnungen mit Wesen, die mit meinen Fällen zu tun gehabt hatten, in einer populären Kolumne berichtet.

Zwei Jahre später war sie mir trotz meiner Warnungen heimlich in ein Vampirnest zu einem großen Fest gefolgt. Eine Edle des Roten Hofs der Vampire hatte sie geschnappt und die Verwandlung von einer Sterblichen in eine Vampirin in Gang gesetzt. Das war die Rache für etwas gewesen, das ich ihr angetan hatte. Die adlige Vampirin hatte sich aufgrund ihrer Stellung am Roten Hof für unantastbar gehalten und gehofft, ich würde davor zurückschrecken, mich mit dem ganzen Hof anzulegen. Sie hatte gedroht, zwischen dem Weißen Rat der Magier und dem Roten Hof der Vampire würde ein weltweiter Krieg ausbrechen, wenn ich Susan gewaltsam befreien würde.

Ich hatte mich für den Kampf entschieden.

Die Vampire konnten mir nicht verzeihen, dass ich ihnen Susan entrissen hatte, wahrscheinlich nicht zuletzt, weil eine ganze Reihe von ihnen, darunter mehrere Adlige, im Laufe der Auseinandersetzung verbrannt waren. Deshalb wollte Mort sich auch nicht mit mir blicken lassen. Er hatte mit dem Krieg nichts zu tun, und so sollte es auch bleiben.

Jedenfalls war Susans Transformation noch nicht vollendet, doch sie spürte bereits den Blutdurst der Vampire, und wenn sie dem jemals nachgab, dann würde sie unwiderruflich zum Roten Hof gehören. Ich hatte ihr einen Heiratsantrag gemacht und ihr versprochen, einen Weg zu finden, um ihr die Menschlichkeit zurückzugeben. Sie hatte abgelehnt und die Stadt verlassen, um allein damit zurechtzukommen. Ich wollte sie immer noch aus ihrer Not befreien, hatte aber seit ihrem Verschwinden nur ein paar Postkarten von ihr bekommen.

Vor zwei Wochen hatte die Redakteurin des Arcane mich angerufen, mir mitgeteilt, Susan habe ihre Kolumne noch nicht geschickt, und mich gefragt, wie man sie erreichen könne. Das wusste ich nicht, doch ich hatte mich daraufhin ein wenig umgehört und mich schließlich an Mort Lindquist gewandt, der mit seinen Kontakten in der Geisterwelt möglicherweise mehr Erfolg hatte als ich.

Auch er hatte nicht viel anzubieten, aber immerhin hatte ich nun erfahren, dass sie noch lebte, und war halbwegs beruhigt.

Inzwischen lief wieder die Erkennungsmelodie, und Larry kehrte auf die Bühne zurück. Die Lautsprecher quietschten und kreischten, als er zu sprechen begann. Meine Kontrolle ließ mit jeder Minute weiter nach, denn der Dämpfungszauber war erheblich schwieriger zu halten, als ich es mir vorgestellt hatte. Ich konzentrierte mich mühsam, und die Lautsprecher beruhigten sich und knackten nur noch gelegentlich.

„Willkommen zur Fortsetzung der Show“, sagte Larry in eine Kamera. „Heute unterhalten wir uns mit den Meistern des Paranormalen, die hierher gekommen sind, um unserem Studiopublikum und Ihnen zu Hause ihre Geheimnisse zu offenbaren. Zur Vertiefung der Diskussion habe ich zwei Experten mit gegensätzlichen Standpunkten hinzugebeten. Hier sind sie.“

Das Publikum applaudierte, als von entgegengesetzten Seiten zwei Männer die Bühne betraten.

Der Erste setzte sich auf den Stuhl neben Morty. Er war ein wenig größer als der Durchschnitt und schmal, seine Haut war von der Sonne dunkel und ledrig. Sein Alter war schwer zu schätzen, vermutlich war er zwischen vierzig und sechzig. Seine grauen Haare waren akkurat geschnitten, und er trug einen schwarzen Anzug mit einem weißen Stehkragen, der ihn als Pfarrer auswies, dazu einen Rosenkranz und ein Kruzifix um den Hals. Lächelnd nickte er Mort und mir zu und gab Larry die Hand.

„Ich möchte Ihnen nun Pater Vincent vorstellen, der den weiten Weg vom Vatikan hierher gekommen ist. Er gilt in der katholischen Kirsche als führender Gelehrter und Forscher auf dem Gebiet der Hexerei und der Magie und beschäftigt sich sowohl mit der historischen als auch mit der psychologischen Perspektive. Pater, willkommen in unserer Show.“

Vincents Stimme klang ein wenig heiser, doch er sprach Englisch mit jenem kultivierten Akzent, der anscheinend als Kennzeichen einer teuren Ausbildung gilt. „Danke, Larry. Ich freue mich, hier zu sein.“

Dann fiel mein Blick auf den zweiten Mann, der sich neben mir niedergelassen hatte. „Von der Universität von Brasilien in Rio de Janeiro begrüßen wir Doktor Paolo Ortega, den weltberühmten Forscher, der schon viele übernatürliche Legenden widerlegt hat.“

Larry wollte noch etwas anderes sagen, doch ich hörte es nicht mehr, sondern starrte nur den Mann neben mir an, während die Erinnerungen wach wurden. Er war von mittlerer Größe und recht kräftig gebaut, mit breiten Schultern und einem voluminösen Oberkörper. Seine Haut war dunkel, die schwarzen Haare ordentlich gekämmt, und der grau und silbern schimmernde Anzug war modisch und geschmackvoll.

Er war ein Herzog vom Roten Hof – ein alter, äußerst gefährlicher Vampir, der mich nun aus weniger als einem Meter Entfernung anlächelte. Mein Puls stieg von sechzig auf hundertfünfzig Millionen, und die nackte Angst durchzuckte mich mit silbernen Blitzen.

Gefühle haben große Kraft. Sie sind der Brennstoff für einen großen Teil meiner Magie. Als mich die Angst packte, verdoppelte sich schlagartig der Druck, den mein Dämpfungszauber eindämmen musste. In der nächsten Kamera blitzte es, eine Rauchwolke stieg auf, und der Kameramann taumelte zurück und riss sich mit einem Fluch, den sie auf jeden Fall herausschneiden mussten, den Kopfhörer herunter. Es roch nach verbranntem Gummi, die Rauchwolke über der Kamera verdichtete sich, und in den Studiolautsprechern kreischten Rückkopplungen.

„Tja“, sagte Ortega halblaut, „wie schön, Sie mal wieder zu sehen, Mister Dresden.“

Ich schluckte und durchwühlte hektisch meine Hosentaschen, in denen ich ein paar magische Hilfsmittel zur Selbstverteidigung verstaut hatte. Ortega legte mir eine Hand auf den Arm. Es sah überhaupt nicht so aus, als strengte er sich dabei an, doch es fühlte sich an wie ein Schraubstock. Die Schmerzen schossen durch meinen Ellenbogen bis zur Schulter hinauf. Ich sah mich um, aber im Augenblick starrten alle die ausgefallene Kamera an.

„Immer mit der Ruhe“, sagte Ortega mit starkem südamerikanischem Akzent. „Ich bin nicht gekommen, um Sie vor laufender Kamera zu töten. Ich will mit Ihnen reden.“

„Lassen Sie mich sofort los.“ Meine Stimme klang dünn und bebend. Das verdammte Lampenfieber.

Er ließ los, und ich zog abrupt den Arm zurück. Die Mitarbeiter rollten die rauchende Kamera hinaus, und ein Regisseur mit einem Kopfhörer machte mit einer Hand eine Geste, dass es weitergehen sollte. Larry nickte und wandte sich an Ortega.

„Tut mir leid, das schneiden wir später heraus.“

„Kein Problem“, versicherte Ortega ihm.

Larry hielt einen Moment inne, dann fuhr er fort: „Doktor Ortega, herzlich willkommen in der Show. Sie sind berühmt für Ihre Analysen paranormaler Phänomene auf der ganzen Welt, und Sie haben bewiesen, dass eine große Zahl sogenannter übernatürlicher Vorfälle im Grunde nur raffinierte Tricks waren. Können Sie uns etwas mehr darüber erzählen?“

„Aber gern. Ich untersuche diese Phänomene schon seit einer ganzen Reihe von Jahren und bin noch nie auf ein Ereignis gestoßen, das sich nicht auf ganz natürliche Weise hätte erklären lassen. Die angeblichen Kornkreise etwa waren nichts anderes als die Freizeitbeschäftigung einer kleinen Gruppe britischer Bauern. Andere Ereignisse waren gewiss sehr ungewöhnlich und dennoch beileibe nicht übernatürlich. Hier in Chicago gab es beispielsweise einen Krötenregen, den dutzende, wenn nicht hunderte Menschen in einem Stadtpark beobachteten. Später stellte sich heraus, dass ein ungewöhnlich starker Sturm die Kröten an einem anderen Ort ausgehoben und hierher befördert hatte.“

Larry nickte ernst. „Dann glauben Sie also nicht an übernatürliche Ereignisse.“

Ortega lächelte selbstgefällig. „Ich würde gern glauben, dass diese Dinge wahr sind, Larry. Es gibt viel zu wenig Magie in der Welt. Aber ich fürchte, Tatsache ist, dass es sich stets um einfachen, primitiven Aberglauben handelt, auch wenn wir alle irgendwo tief in unserem Herzen gern an Wunderwesen und fantastische Kräfte glauben würden.“

„Dann sind also die Anwender der übernatürlichen Disziplinen in Ihren Augen …“

„Scharlatane“, erwiderte Ortega wie aus der Pistole geschossen. „Damit will ich natürlich nicht Ihre Gäste beleidigen. Alle sogenannten Medien, vorausgesetzt, sie machen sich nicht selbst etwas vor, sind in Wirklichkeit nur geschickte Schauspieler, die etwas von der menschlichen Psychologie verstehen und dies auszunutzen wissen. Sie täuschen die Gutgläubigen und spiegeln ihnen vor, sie könnten mit den Toten Kontakt aufnehmen oder Gedanken lesen, oder sie seien gar selbst übernatürliche Wesen. Wenn ich mir ein wenig Mühe gebe und die richtige Umgebung schaffe, dann könnte ich sicherlich jeden in diesem Raum davon überzeugen, dass ich ein Vampir bin.“

Die Zuschauer lachten, ich dagegen starrte Ortega finster an, während die Frustration in mir wuchs und den Dämpfungszauber erneut unter Druck setzte. Die Luft rings um mich wurde merklich wärmer.

Ein zweiter Kameramann schrie erschrocken auf und riss sich die quietschenden Kopfhörer herunter, während seine Kamera sich langsam um sich selbst drehte und die Stromkabel um das Gestell wickelte, auf dem sie stand.

Die Schilder mit der Aufschrift „AUFNAHME“ erloschen. Larry marschierte zum Rand der Bühne und brüllte den armen Kameramann an. Von der Seite erschien der Regisseur mit verlegener Miene, auf den Larry gleich danach seine Aufmerksamkeit richtete. Der Mann ließ die Beschimpfungen mit stoischer Geduld über sich ergehen und untersuchte die Kamera. Er murmelte etwas in sein Headset, dann rollte er zusammen mit dem erschütterten Kameramann das kaputte Gerät hinaus.

Larry verschränkte unterdessen ungeduldig die Arme vor der Brust und wandte sich an seine Gäste. „Es tut mir leid. Geben Sie uns ein paar Minuten Zeit, damit wir eine Reservekamera holen können. Es wird nicht lange dauern.“

„Kein Problem“, versicherte Ortega ihm. „Wir können uns ja einstweilen unterhalten.“

Dann fasste Larry mich ins Auge. „Geht es Ihnen nicht gut, Mister Dresden? Sie wirken ein wenig bleich. Möchten Sie vielleicht etwas trinken?“

„Ich ganz sicher“, sagte Ortega, der mich keinen Moment aus den Augen ließ.

„Ich lasse Ihnen etwas bringen.“ Damit ging Larry von der Bühne ab, um seine Frisur nachzubessern.

Mort hatte Pater Vincent bereits in eine leise Unterhaltung verwickelt und mir unmissverständlich den Rücken gekehrt. So wandte ich mich wieder vorsichtig und nicht ohne Befürchtungen an Ortega und kämpfte meine Wut und die Angst nieder. Normalerweise ist es nützlich, wenn ich ungeheure Angst habe, denn die Magie entsteht aus Gefühlen, und Todesangst ist ein starker Brennstoff. Hier im Studio konnte ich jedoch unmöglich Stürme oder Blitze heraufbeschwören. Es waren zu viele Unschuldige in der Nähe, und allzu leicht hätte ich versehentlich jemanden verletzen oder gar töten können.

Außerdem hatte Ortega recht. Dies war nicht der richtige Ort, um zu kämpfen. Es traf wohl zu, dass er mit mir reden wollte, denn sonst hätte er mich einfach im Parkhaus überfallen können.

„Na gut“, willigte ich ein. „Was haben Sie zu sagen?“

Er beugte sich ein wenig zu mir herüber, um leise sprechen zu können. Innerlich zuckte ich zusammen, ließ mir jedoch nichts anmerken. „Ich bin nach Chicago gekommen, um Sie zu töten. Allerdings habe ich einen Vorschlag zu machen, den Sie sich vielleicht vorher anhören möchten.“

„Sie müssen dringend an Ihrer Verhandlungstechnik feilen“, gab ich zurück. „Ich habe ein Buch darüber gelesen, das Sie gern mal ausleihen können.“

Sein Lächeln war völlig humorlos. „Der Krieg, Dresden. Der Krieg zwischen Ihrem und meinem Volk ist für uns beide viel zu kostspielig.“

„Krieg ist ganz allgemein gesagt ein ziemlich dummer Weg“, antwortete ich. „Ich wollte ihn jedenfalls nicht.“

„Aber Sie haben ihn begonnen“, widersprach Ortega. „Sie haben ihn aus prinzipiellen Erwägungen begonnen.“

„Weil ein Menschenleben auf dem Spiel stand.“

„Wie viele weitere könnten Sie jetzt retten, wenn Sie dem ein Ende setzen würden?“, fragte Ortega. „Nicht nur Magier leiden darunter. Da wir uns auf den Krieg konzentrieren müssen, fällt es uns schwerer als sonst, die wilderen Angehörigen unseres Hofs unter Kontrolle zu halten. Wir missbilligen sinnlose Tötungen, doch verletzte oder führerlose Angehörige unserer Höfe töten mitunter, auch wenn es nicht wirklich nötig ist. Es würde hunderten, wenn nicht tausenden Menschen das Leben retten, wenn der Krieg jetzt beendet würde.“

„Jeden Vampir auf dem Planeten zu töten, würde zum gleichen Ergebnis führen. Was wollen Sie nun eigentlich?“

Er zeigte mir lächelnd die Zähne. Es waren ganz normale Zähne, keine langen Reißzähne oder so was. Die Vampire des Roten Hofs sehen durchaus menschlich aus – bis sie sich in ein Wesen verwandeln, das aus einem schrecklichen Albtraum stammen könnte. „Ich will darauf hinaus, dass der Krieg nachteilig und wenig wünschenswert ist. Sie sind für mein Volk der symbolische Auslöser, Sie sind der Streitpunkt zwischen uns und Ihrem Weißen Rat. Sobald Sie tot sind, werden beide Seiten Friedensverhandlungen aufnehmen.“

„Wollen Sie mich bitten, mich hinzulegen und zu sterben? Das ist kein besonders freundliches Angebot. Sie sollten wirklich mal dieses Buch lesen.“

„Ich mache Ihnen folgendes Angebot: Stellen Sie sich mir in einem Kampf Mann gegen Mann.“

Beinahe hätte ich ihn ausgelacht. „Warum sollte ich das tun?“

Seine Augen verrieten nicht, was in ihm vorging. „Wenn Sie zustimmen, werden die Krieger, die ich in die Stadt mitgebracht habe, nicht gezwungen sein, Ihre Freunde und Verbündeten anzugreifen. Die sterblichen Mörder, die wir rekrutiert haben, werden ihr letztes Stichwort nicht bekommen und darauf verzichten, eine Reihe von Klienten zu töten, die in den letzten fünf Jahren Ihre Dienste in Anspruch genommen haben. Ich denke, ich muss keine Namen nennen.“

Meine Furcht und mein Zorn hatten sich schon fast gelegt, aber jetzt waren sie mit voller Wucht wieder präsent. „Es gibt keinen Grund dazu“, sagte ich. „Wenn Sie gegen mich Krieg führen wollen, dann tun Sie es.“

„Mit Freuden“, sagte Ortega. „Ich billige solche Taktiken nicht. Stellen Sie sich mir nach den Bedingungen des Abkommens zum Duell.“

„Was passiert, nachdem ich Sie getötet habe?“ Ich war nicht sicher, ob ich ihn töten konnte, aber es gab keinen Grund, ihn das wissen zu lassen. „Dann fängt der nächste heißblütige Rote Herzog wieder von vorne an, oder wie?“

„Wenn Sie mich besiegen, willigt der Hof ein, dass diese Stadt zum neutralen Gebiet erklärt wird. Alle, die hier leben, darunter Sie selbst, ebenso Ihre Freunde und Partner, werden von der Bedrohung eines Angriffs befreit, solange sie hier sind.“

Ich starrte ihn einen Augenblick an. „Chicagoblanca, was?“

Er zog fragend eine Augenbraue hoch.

„Schon gut, das ist zu neu für Sie.“ Ich wandte den Blick ab und leckte mir den Schweiß von der Oberlippe. Ein Bühnenhelfer kam mit zwei Flaschen Wasser und reichte sie Ortega und mir. Ich trank einen Schluck. Der Zauber stand inzwischen so stark unter Druck, dass farbige Pünktchen vor meinen Augen tanzten.

„Sie müssen dumm sein, mich zum Duell zu fordern“, sagte ich. „Selbst wenn Sie mich töten, würde Sie mein Todesfluch treffen.“

Er zuckte mit den Achseln. „Ich bin nicht so wichtig wie das Wohl des Hofes. Dieses Risiko gehe ich ein.“

Bei den Toren der Hölle. Ehrenhafte, mutige, sich selbst aufopfernde Verrückte sind so ziemlich die schlimmsten Gegner, mit denen man es überhaupt zu tun bekommen kann. Ich versuchte es mit einem letzten Ausweichmanöver und hoffte das Beste. „Das müsste ich allerdings schriftlich haben, und der Rat bekommt eine Kopie. Es müsste von allen anerkannt und offiziell nach dem Abkommen besiegelt werden.“

„Stimmen Sie dem Duell zu, wenn dies geschieht?“

Ich holte tief Luft. Natürlich hatte ich keine große Lust, gegen ein übernatürliches Ungeheuer anzutreten. Ich hatte Angst vor Vampiren. Sie waren stark, viel zu schnell und außerdem extrem widerlich. Ihr Speichel war ein Sucht erzeugendes Rauschmittel, und ich war ihm lange genug ausgesetzt gewesen, um hin und wieder ein eigenartiges Jucken zu verspüren und mich zu fragen, wie es wohl wäre, wenn ich eine weitere Dosis bekäme.

In der letzten Zeit war ich nach Einbruch der Dunkelheit kaum noch draußen unterwegs gewesen, und zwar unter anderem, weil ich keine Lust hatte, immer wieder Vampiren zu begegnen. Ein Duell wäre ein fairer Kampf, und ich hasse faire Kämpfe, weil man dabei viel zu schnell verliert, wie es mal eine mörderische Feenkönigin ausdrückte.

Doch ob ich mich nun auf Ortegas Angebot einließ oder nicht, ich musste so oder so gegen ihn kämpfen und vermutlich an einem Ort und zu einer Zeit, die mir höchst ungelegen kommen würden. Außerdem zeigte er nicht das übergroße Selbstvertrauen und die Überheblichkeit, die ich von anderen Vampiren kannte. Sein ganzes Gebaren sagte mir, dass es ihm vor allem um mein Ableben ging, ganz egal, wie es dazu käme. Nicht nur das, ich war sicher, er würde Wort halten und über Menschen herfallen, die mir wichtig waren, wenn ich nicht einwilligte.

Das perfekte Klischee eines Filmbösewichts.

Und ein unglaublich wirkungsvolles Druckmittel.

Ich würde gern behaupten, ich hätte alle Fakten abgewogen und sei voller Vernunft zu der rationalen Entscheidung gekommen, ein kalkuliertes Risiko einzugehen, aber so war es nicht. In Wahrheit dachte ich vor allem daran, dass Ortega und Konsorten den Menschen, die mir wichtig waren, etwas antun könnten, und sofort war ich wütend genug, um ihn auf der Stelle anzugehen. Mit zusammengekniffenen Augen sah ich ihn an und machte mir nicht einmal die Mühe, meine Wut zu zügeln. Der Dämpfungszauber bröckelte, und ich hatte nicht die Nerven, ihn weiter zu erhalten. Schließlich brach er völlig zusammen, und die aufgestauten wilden Energien rasten lautlos und unsichtbar durchs Studio.

Die Lautsprecher auf der Bühne knisterten und rauschten, bevor sie mit lautem Knacken ausfielen. In den Scheinwerfern über uns blitzte und knackte es, dann ging ein Funkenregen auf die Bühne nieder. Eine der beiden noch aktiven Kameras explodierte und fing Feuer, bläuliche Flammen schlugen aus dem Gehäuse. Aus sämtlichen Steckdosen in der Wand stoben orangefarbene und grüne Funken. Larry Fowler sprang mit einem erschrockenen Schrei auf und schlug auf seinen Gürtel, ehe es ihm gelang, sein schmorendes Handy auf den Boden zu werfen. Das Licht erlosch, die Zuschauer gerieten in Panik und schrien.

Ortega, nur noch von den rieselnden Funken beleuchtet, machte eine grimmige und irgendwie begierige Miene. Tiefe Schatten tanzten über sein Gesicht und spiegelten sich in seinen riesigen dunklen Augen.

„Na schön“, sagte ich. „Geben Sie mir das schriftlich, dann bin ich dabei.“

Die Notbeleuchtung flammte auf, der Feueralarm schlug an, die Menschen stolperten eilig zu den Ausgängen. Ortega lächelte jetzt breit, huschte von der Bühne herunter und verschwand im Dunkeln.

Leicht zitternd stand ich auf. Anscheinend war irgendetwas heruntergefallen und hatte Mort am Kopf getroffen. Er hatte eine kleine, stark blutende Platzwunde am Schädel und schwankte bedenklich, als er aufzustehen versuchte. Pater Vincent und ich stützten den kleinen Ektomanten auf beiden Seiten und schleppten ihn zum Notausgang.

Draußen bugsierten wir ihn eine Treppe hinunter, bis wir endlich das Gebäude verlassen konnten. Die Chicagoer Polizei war schon mit blinkendem Blaulicht im Einsatz. Auch die Feuerwehr und ein paar Krankenwagen rückten gerade an. Wir lieferten Mort bei einer Gruppe von Zuschauern mit kleineren Verletzungen ab und zogen uns zurück. Nach der Anstrengung beobachteten wir ein wenig atemlos die Sanitäter, die sich um die Verletzten kümmerten.

„Ich muss Ihnen etwas beichten“, sagte Pater Vincent schließlich.

„He“, erwiderte ich. „Glauben Sie nicht, dass mir die Ironie entgeht.“

Vincent verzog die ledrigen Lippen zu einem gequälten Lächeln. „Ich bin nicht nur nach Chicago gekommen, um in der Sendung aufzutreten.“

„Nein?“

„Nein. Eigentlich bin ich vor allem hier, weil …“

„Weil Sie mit mir reden wollen“, unterbrach ich ihn.

Er zog die Augenbrauen hoch. „Woher wissen Sie das?“

Seufzend fischte ich die Autoschlüssel aus der Tasche. „Es ist mal wieder einer dieser Tage.“

2. Kapitel

Ich setzte mich in Bewegung und bedeutete Pater Vincent, mir zu meinem Auto zu folgen. Das tat er auch, und ich schritt so schnell aus, dass er Mühe hatte, mir zu folgen.

„Allerdings“, sagte er, „muss ich auf strikter Vertraulichkeit bestehen, wenn ich Ihnen mein Problem schildere.“

Mit gerunzelter Stirn antwortete ich ihm: „Sie halten mich doch im besten Fall für einen Verrückten und im schlimmsten Fall für einen Scharlatan. Warum soll ich dann für Sie einen Auftrag übernehmen?“

Nicht, dass ich ihn abweisen würde. Ich wollte den Auftrag durchaus übernehmen. Genauer gesagt brauchte ich das Geld. Meine finanzielle Situation war nicht ganz so katastrophal wie im vergangenen Jahr, doch das bedeutete lediglich, dass ich die Gläubiger nur noch mit einem Baseballschläger statt mit einem Revolver abhielt.

„Wie ich hörte, sind Sie in diesem Bereich der beste Privatdetektiv in der Stadt.“

Misstrauisch beäugte ich ihn. „Dann geht es also um etwas Übernatürliches?“

Er verdrehte die Augen. „Nein, natürlich nicht. Ich bin doch nicht naiv. Aber soweit ich weiß, kennen Sie sich in der okkultistischen Szene besser aus als jeder andere Privatdetektiv in der Stadt.“

„Oh“, antwortete ich. „Das meinen Sie.“

Nach kurzem Nachdenken musste ich sogar einräumen, dass er vermutlich recht hatte. Die okkultistische Szene, die er meinte, war die übliche New-Age-Gemeinde, die es in jeder großen Stadt gibt, mit Kristallkugeln, Tarotkarten, Handlesen. Die meisten Jünger waren harmlos, viele besaßen sogar geringfügige magische Fähigkeiten. Hinzu kamen noch die Feng-Shui-Künstler, ein paar Wicca-Leute verschiedener Spielarten und Geschmacksrichtungen, ein paar halbwegs begabte Medien, die Religion mit ihrer Magie vermengten, dazu einige Voodoo-Anhänger, ein paar Santerianer und eine Handvoll Satanisten, all das garniert mit reichlich jungen Menschen, die gern Schwarz trugen – und schon hat man das, was die meisten Leute als „okkultistische Szene“ bezeichnen.

Natürlich fand man in diesem Gemenge hin und wieder auch echte Zauberer, Nekromanten, Monster und Dämonen. Die ernsthaften, bösen Mitspieler betrachteten diese Szene mit den gleichen Augen wie ein Zehnjähriger seine alten Bauklötze. Mein inneres Frühwarnsystem schlug Alarm.

„Wer hat Sie eigentlich an mich verwiesen?“

„Oh, ein Priester aus der Nähe“, erwiderte Vincent. Er zückte ein kleines Notizbuch und schlug den Namen nach. „Pater Forthill von Saint Mary of the Angels.“

Darauf blinzelte ich verdutzt. Pater Forthill und ich waren in religiösen Fragen alles andere als ein Herz und eine Seele, doch er war ein anständiger Kerl. Vielleicht etwas steif, aber ich mochte ihn und war ihm die eine oder andere Gefälligkeit schuldig. „Das hätten Sie gleich sagen sollen.“

„Dann übernehmen Sie den Fall?“, fragte Pater Vincent, während wir uns dem Parkhaus näherten.

„Zuerst würde ich zwar gern die Einzelheiten erfahren, wenn Forthill jedoch meint, ich könnte Ihnen helfen, dann werde ich es tun. Aber Sie müssen mein normales Honorar bezahlen“, fügte ich hastig hinzu.

„Selbstverständlich“, erwiderte Pater Vincent. Er spielte mit dem Kruzifix an seinem Hals. „Darf ich annehmen, dass Sie mir den Zauberer-Zirkus ersparen?“

„Magier“, erwiderte ich.

„Gibt es denn da einen Unterschied?“

„Zauberer treten auf Bühnen auf. Magier arbeiten mit echter Magie.“

Er seufzte. „Ich brauche keinen Unterhaltungskünstler, nur einen Privatdetektiv.“

„Dafür verlange ich nicht, dass Sie mir glauben, solange Sie mich nur bezahlen. Wir werden schon zurechtkommen.“

Unsicher sah er mich an. „Aha.“

Inzwischen hatten wir mein Auto erreicht, einen verbeulten alten VW-Käfer, den ich den „blauen Käfer“ nannte. Er hatte das, was manche Menschen als Charakter bezeichnen. In Wahrheit beruhte dieser Eindruck auf zahlreichen nicht zusammenpassenden Ersatzteilen. Der ursprüngliche Wagen war vielleicht wirklich einmal blau gewesen, inzwischen hatte er grüne, weiße und rote Bestandteile, nachdem die Originale auf die eine oder andere Weise beschädigt worden waren. Die Kofferraumhaube wurde nur noch von einem verbogenen Drahtkleiderbügel festgehalten, damit sie nicht aufsprang, wenn der Wagen über eine Bodenwelle fuhr, und die Stoßstange war immer noch verbeult, nachdem ich im vergangenen Sommer mit dem Auto ein Monster erlegt hatte. Vielleicht konnte ich sie reparieren lassen, wenn Vincent gut zahlte.

Er betrachtete blinzelnd den Käfer. „Was ist denn da passiert?“

„Bin vor Bäume gefahren.“

„Sie haben Ihr Auto gegen einen Baum gelenkt?“

„Nein. Mehrzahl. Bäume. Außerdem war noch ein Müllcontainer im Spiel.“ Schuldbewusst erwiderte ich seinen Blick. „Es waren kleine Bäume.“

Seine Unsicherheit vertiefte sich. „Aha.“

Ich schloss auf. Nicht, dass ich mir Sorgen gemacht hätte, jemand könnte mein Auto stehlen. Ein Autoknacker hatte mir sogar mal angeboten, mir zum Sonderpreis etwas Besseres zu beschaffen. „Wollen Sie mir die Details unter vier Augen erzählen?“

Pater Vincent nickte. „Ja, sicher. Wenn Sie mich zum Hotel fahren könnten? Dort habe ich ein paar Fotos, und …“

Ich hörte das Scharren der Schuhe auf dem Beton gerade rechtzeitig, um aus dem Augenwinkel den Killer zu bemerken, der sich eine Reihe weiter zwischen zwei geparkten Autos aufrichtete. Trübe spiegelte sich das Licht auf seiner Kanone, und ich sprang über die Haube des Käfers, um ihm zu entgehen. Dabei prallte ich gegen Pater Vincent, der erschrocken aufschrie, und als wir zu Boden gingen, begann der Mann zu schießen.

Es knallte nicht so laut, wie es sonst der Fall ist, wenn jemand eine Pistole abfeuert. Schusswaffen sind erheblich lauter als alles, was normale Menschen Tag für Tag hören. Diese Kanone brüllte, bellte oder knallte nicht. Sie gab ein lautes Geräusch von sich – etwa so, als hätte jemand ein dickes Wörterbuch auf den Tisch geworfen. Der Killer benutzte einen Schalldämpfer.

Ein Schuss traf mein Auto und prallte von der gekrümmten Haube ab. Die zweite Kugel zischte knapp an meinem Kopf vorbei, als ich noch mit Pater Vincent rang, die dritte zertrümmerte das Sicherheitsglas eines teuren Sportwagens, der nebenan parkte.

„Was hat das zu bedeuten?“, stammelte Pater Vincent.

„Halten Sie den Mund“, fuhr ich ihn an. Der Killer setzte sich in Bewegung, und ich hörte seine Schritte, als er mein Auto umrunden wollte. Ich kauerte bereits davor und fummelte an dem Draht herum, der die Haube festhielt. Endlich gab der Draht nach, die Haube klappte auf, und ich konnte den Kofferraum erreichen.

Als ich aufschaute, sah ich den Mann, mittelgroß und von normaler Statur, etwa Mitte Dreißig, bekleidet mit dunklen Hosen und einer Jacke, wie er eine kleinkalibrige Pistole mit einem dicken Schalldämpfer hob. Wieder schoss er, doch er hatte sich nicht die Zeit genommen, richtig zu zielen. Obwohl kaum noch sechs Meter entfernt, verfehlte er mich.

Ich nahm die Schrotflinte aus dem Kofferraum, legte den Sicherungshebel um und drückte eine Patrone in die Kammer. Der Killer riss die Augen weit auf und rannte sofort weg. Unterwegs schoss er noch einige Male auf mich und zerstörte einen Scheinwerfer des Käfers.

Ich ging hinter dem Auto in Deckung und zählte die Schüsse. Es waren elf oder zwölf, als er aufhörte. Dann stand ich wieder auf, legte die Schrotflinte an und zielte. Der Killer verschwand hinter einer Säule und rannte weiter.

„Verdammt“, zischte ich. „Steigen Sie ein.“

„Aber …“, stammelte Pater Vincent.

„Steigen Sie gefälligst ein!“, herrschte ich ihn an. Ich stand auf, sicherte die Haube wieder mit dem Draht und glitt auf den Fahrersitz. Als Vincent neben mir saß, drückte ich ihm die Schrotflinte in die Hand. „Halten Sie die fest.“

Mit weit aufgerissenen Augen fummelte er damit herum, während ich den Motor des Käfers aufheulen ließ. Na ja, eigentlich heulte er nicht direkt auf. Ein Käfermotor heult nicht. Aber irgendwie knurrte er vernehmlich, und ich legte den ersten Gang ein, noch bevor der Priester die Tür ganz geschlossen hatte.

Gleich danach raste ich durch die Kurven der Ausfahrt.

„Was haben Sie vor?“, fragte Pater Vincent.

„Das war ein Auftragskiller des organisierten Verbrechens“, fauchte ich. „Die passen sicher an der Ausfahrt auf.“

Mit quietschenden Reifen fuhren wir um die letzte Kurve und näherten uns der Ausfahrt des Parkhauses. Irgendjemand rief etwas Atemloses, und auf der anderen Straßenseite stiegen gerade zwei große, unfreundlich wirkende Männer aus einem Auto. Einer hatte eine Schrotflinte, der andere eine schwere Halbautomatik, vielleicht eine Desert Eagle.

Den Ganoven mit der Schrotflinte erkannte ich nicht, aber der Dritte im Bunde war ein riesiger Mann mit rötlichem Haar und einem billigen Anzug – Cujo Hendricks, der wichtigste Vollstrecker des Verbrecherkönigs von Chicago, Gentleman Johnny Marcone.

Ich musste den Käfer in der Ausfahrt des Parkhauses auf den Gehweg lenken, um die Schranke zu umfahren, wobei ich auch einige Formschnittbüsche erwischte. Dann holperten wir den Bordstein hinunter auf die Straße, ich zog das Lenkrad abrupt nach rechts und gab Vollgas.

Im Rückspiegel konnte ich den ersten Killer beobachten, der inzwischen vor dem Notausgang stand und die Pistole mit dem Schalldämpfer auf uns richtete. Er feuerte noch einige Schüsse ab, von denen ich jedoch nur die letzten hörte. Von dort aus hatte er keine gute Schussposition, dennoch landete er einen Glückstreffer und zerstörte meine Heckscheibe. Ich schluckte erschrocken und bog an der nächsten Ecke trotz roter Ampel ab, wobei ich fast mit einem Umzugswagen zusammengestoßen wäre. Eilig fuhr ich weiter.

Zwei Blocks entfernt beruhigte sich mein Herzschlag so weit, dass ich nachdenken konnte. Ich hielt mich jetzt mehr oder weniger an die Geschwindigkeitsbegrenzung und dankte meinem Glücksstern, dass der Dämpfungszauber schon im Studio und nicht erst im Auto die Wirkung verloren hatte. Schließlich kurbelte ich die Scheibe herunter und streckte den Kopf hinaus, um zu erkunden, ob Hendricks und seine Kumpane uns folgten. Als ich niemanden entdeckte, beschloss ich, das Beste zu hoffen.

Ich zog den Kopf wieder ein und stellte fest, dass die Schrotflinte direkt auf mein Kinn zielte. Pater Vincent war kreidebleich im Gesicht und fluchte leise auf Italienisch.

„He!“, sagte ich und schob den Gewehrlauf fort. „Seien Sie mit dem Ding vorsichtig. Sie wollen mich doch nicht umbringen, oder?“ Dann legte ich den Sicherungshebel um. „Verstauen Sie die Waffe im Fußraum. Wenn uns ein Polizist damit sieht, sind wir dran.“

Pater Vincent schluckte schwer und versuchte, das Gewehr hinter dem Armaturenbrett verschwinden zu lassen. „Ist die Waffe denn illegal?“

„Illegal ist so ein starkes Wort“, antwortete ich abwesend.

„Oh Mann“, keuchte Pater Vincent. „Diese Leute – die wollten Sie umbringen.“

„Dazu sind Auftragskiller der Mafia gewöhnlich da“, stimmte ich zu.

„Woher wissen Sie denn, wer die waren?“

„Der Erste hatte eine Waffe mit Schalldämpfer. Es war ein guter Schalldämpfer aus Metall und Glas, kein billiges Plastikzeug.“ Wieder sah ich mich aufmerksam um. „Er benutzte eine kleinkalibrige Waffe und versuchte, sehr nahe heranzukommen, ehe er schoss.“

„Warum ist das so wichtig?“

Hinter uns war alles in Ordnung. Meine Hände zitterten, ich fühlte mich etwas schwach. „Es bedeutet, dass er leichte Munition benutzt hat, die nicht die Schallgrenze überschreitet. Wenn dies geschieht, verliert ein Schalldämpfer seinen Sinn. Als er merkte, dass ich bewaffnet war, rannte er sofort weg. Dabei deckte er sich selbst, und er wollte offensichtlich Hilfe holen. Er ist ein Profi.“

„Oh mein Gott“, stöhnte Pater Vincent.

„Außerdem habe ich einen der Männer erkannt, die am Ausgang gewartet haben.“

„Am Ausgang war noch jemand?“, fragte Pater Vincent.

„Und ob. Ein paar von Marcones Vollstreckern.“ Seufzend betrachtete ich die zerstörte Heckscheibe. „Verdammt. Wohin sollen wir jetzt fahren?“

Immer noch schockiert, beschrieb Pater Vincent mir den Weg, und ich konzentrierte mich auf die Straße, verdrängte das Flattern im Bauch und unterdrückte das Zittern meiner Hände. Ich komme meist nicht gut damit klar, wenn man auf mich schießt.

Hendricks. Warum zum Teufel ließ Marcone seine Killer auf mich los? Marcone war der König der Unterwelt, aber normalerweise ging er nicht so brutal vor. Seiner Ansicht nach war das schlecht fürs Geschäft, außerdem war ich der Ansicht gewesen, dass ich mit Marcone eine Art Abkommen hatte, oder wenigstens eine stillschweigende Übereinkunft, uns gegenseitig in Ruhe zu lassen. Warum also schlug er jetzt auf diese Weise zu?

Vielleicht hatte ich eine Grenze übertreten, von deren Existenz ich nichts wusste.

Ich warf einen Blick zu Pater Vincent, der erschüttert neben mir hockte.

Bisher hatte er mir nicht verraten, was er wollte, aber was es auch war, es war wichtig genug, um einen Mitarbeiter des Vatikans nach Chicago zu führen. Vielleicht sogar wichtig genug, um bei der Gelegenheit auch gleich einen neugierigen Magier umzubringen.

Oh Mann.

Was für ein mieser Tag.

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