So bitterkalt - Johan Theorin - E-Book

So bitterkalt E-Book

Johan Theorin

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Beschreibung

Kaum ein Bewerber findet den Weg nach Valla an die schwedische Westküste.Jan Hauger besitzt viel Erfahrung und glänzende Zeugnisse. Doch es ist keinZufall, dass sich der junge Erzieher in dem abgelegenen Kinderhort vorstellt.Durch einen unterirdischen Gang ist der Hort mit der psychiatrischen Klinikverbunden. So sollen selbst die als gefährlich eingestuften Insassen durchden Kontakt zu ihren Kindern schneller ins Leben zurückfinden. Damit hatJan kein Problem – aber er hat auch ein unliebsames Geheimnis. Denn unterseiner Aufsicht ging ein Kind verloren, das erst nach Tagen auf noch immerungeklärte Weise wieder auftauchte. Und das ist nicht der einzige Fleckauf Jan Haugers Weste. Warum will er ausgerechnet in Valla arbeiten? Undwas verbindet ihn mit dem psychopathischen Mörder Ivan Rössl, der seitJahren in der Klinik behandelt wird? Johan Theorins Thriller jagt eiskalte Schauer über den Rücken und lässtnicht nur seine Opfer vor Angst über die Dunkelheit der menschlichen Psycheerstarren.

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www.piper.de

Übersetzung aus dem Schwedischen von Susanne Dahmann

Vollständige E-Book-Ausgabe der im Piper Verlag erschienenen Buchausgabe

1. Auflage 2012

ISBN 978-3-492-95854-7

© 2011 Johan Theorin

Die Originalausgabe erschien 2011 unter dem Titel » Sankta Psyko «bei Wahlström & Widstrand, Stockholm.

Deutschsprachige Ausgabe:

© 2012 Piper Verlag GmbH, München

Published by arrangement with Bonnier Group Agency, Stockholm, Sweden.

Umschlaggestaltung: Cornelia Niere, München

Umschlagabbildung: J-P Lahall/gettyimages

Datenkonvertierung E-Book: Kösel, Krugzell

Lieber Ivan, kann man jemandem, den man noch nie gesehen hat, einen Liebesbrief schreiben? Ich versuche es zumindest. Schließlich habe ich Dich nur auf den Bildern in den Zeitungen gesehen. Schwarz-weiße Pressefotos unter schrecklichen, schreienden Überschriften, die »Ivan Rössel, den wahnsinnigen Kindermörder«, oder wie sie Dich auch immer nennen, zeigen sollen.

Die Bilder sind hart und ungerecht, aber ich habe sie trotzdem oft angeschaut. Mit dem Blick aus Deinen Augen hat es etwas Besonderes auf sich, er ist so ruhig und klug – und doch so durchdringend. Du scheinst die Welt so zu sehen, wie sie ist, und es kommt mir so vor, als würdest Du mich völlig durchschauen. Ich wünschte, Du könntest mich auch in Wirklichkeit betrachten. Ich würde Dich so gern kennenlernen.

Einsamkeit ist etwas Schreckliches, und leider habe ich im Laufe der Jahre meinen Teil davon genossen. Bestimmt fühlst Du Dich in Deinem verschlossenen Zimmer hinter der Krankenhausmauer auch manchmal einsam. In der Stille spätnachts, wenn niemand sonst auf der Welt mehr wach ist ...Man wird so leicht von der Einsamkeit eingesogen und am Ende von ihr erstickt.

Ich schicke Dir ein Foto von mir mit, das an einem warmen, sonnigen Tag im letzten Sommer aufgenommen wurde. Wie Du siehst, habe ich helle Haare, aber eine Vorliebe für dunkle Kleidung. Ich hoffe, dass Du mich anschauen willst, so wie ich die Bilder von Dir angeschaut habe.

Jetzt werde ich für dieses Mal Schluss machen, aber ich möchte Dir gern wieder schreiben. Ich hoffe, dass dieser Brief Dich auch auf der anderen Seite der Mauer erreicht. Und ich hoffe, dass Du irgendeine Möglichkeit hast, mir zu antworten.

Gibt es etwas, was ich für Dich tun kann?

Ivan, ich tue alles.

Alles.

1 – Routinen

Und doch fängt jeder an derselben Stelle an;

wie kommt es, dass die meisten ohne Schwierigkeit weiterkommen,

einige wenige aber den Weg verlieren?

John Barth; Ambrose im Juxhaus

1

»Achtet auf unsere spielenden Kinder!«, liest Jan durch das Seitenfenster des Taxis. Der Text ist auf ein blaues Plastikschild gemalt, und darunter steht die Ermahnung: LANGSAM FAHREN.

»Verdammte Kinder!«, ruft der Fahrer.

Jan fällt nach vorn. Das Taxi ist um eine Ecke gebogen und musste abrupt vor einem Dreirad bremsen, das ein Kind mitten auf der Straße hat stehen lassen.

Die Straße liegt in einem Wohnviertel mit Einfamilienhäusern in der Stadt Valla. Jan sieht niedrige Holzzäune vor weißen Steinhäusern und dann das große Warnschild.

Achtet auf unsere spielenden Kinder. Doch obwohl da ein Dreirad steht, sind die Straßen leer. Hier gibt es keine Kinder, auf die man achten könnte.

Vielleicht sind sie alle in den Häusern, denkt Jan. Eingesperrt.

Der Fahrer, der mit seiner zerfurchten Stirn, dem weißen Weihnachtsmannbart und einem müden Blick aussieht, als stünde er kurz vor der Rente, mustert ihn im Rückspiegel. Jan ist diese müden Blicke gewohnt, die gibt es überall.

Bis zu der Vollbremsung und dem Fluch hat der Fahrer so gut wie nichts gesagt, doch als er wieder anfährt, stellt er plötzlich eine Frage: »Sankt Patricia ... arbeiten Sie da oben?«

Jan schüttelt den Kopf. »Nein, noch nicht.«

»Aha. Wollen Sie sich bewerben?«

»Ja.«

»Ach so«, erwidert der Fahrer.

Jan sagt nichts weiter, sondern senkt den Blick. Er will nicht zu viel von sich erzählen, und er weiß nicht, was er über das Krankenhaus sagen darf.

Der Fahrer plaudert weiter: »Sie wissen sicher, dass es noch einen anderen Namen für das Haus gibt, oder?«

Jan blickt wieder auf. »Nein. Welchen denn?«

Der Fahrer lächelt ein wenig über sein Lenkrad hinweg.

»Das erzählen die Ihnen da oben bestimmt selbst.«

Jan sieht zur Seite, auf die Reihen der Einfamilienhäuser, und denkt an den Mann, den er bald treffen wird. Doktor Patrik Högsmed, Chefarzt. Sein Name stand unter einer Stellenanzeige, die Jan Mitte Juni entdeckt hatte:

ERZIEHER(IN)/VORSCHULLEHRER(IN)für »Die Lichtung« als Vertretung gesucht.

Der Text unter der Überschrift ähnelte vielen anderen, die er bereits gelesen hatte:

Sie sind Erzieher(in) und/oder Vorschullehrer(in), gerne männ­lich und jünger, da wir eine gleichberechtigte und gemischte Personalgruppe anstreben.

Als Mensch ruhen Sie in sich selbst und sind offen und ehrlich. Sie mögen Spiele und Musik und alle Arten kreativer Tätigkeit. Unsere Vorschule liegt in einer reizvollen Umgebung, deshalb sollten Sie Ausflüge in Wald und Flur schätzen.Sie wollen aktiv für eine positive Stimmung in der Vorschule sorgen und sich gegen alle Formen von Diskriminierung stellen.

Vieles davon traf auf Jan zu. Er war ein junger Mann, ausgebildeter Vorschullehrer, er mochte Spiele, und er hatte in seiner Jugend eine Weile Schlagzeug gespielt, allerdings meist für sich allein.

Diskriminierungen konnte er aus persönlichen Gründen nicht leiden.

Aber war er offen und ehrlich? Je nachdem. Auf jeden Fall war er gut darin, offen zu wirken.

Schlussendlich war es die Adresse der Kontaktperson, die Jan dazu veranlasst hatte, die Anzeige auszuschneiden. Der Ansprechpartner hieß Oberarzt Dr. Patrik Högsmed, und seine Anschrift lautete: Geschäftsleitung, Forensische Psychiatrische Klinik Sankt Patricia, Valla.

Es war Jan schon immer schwergefallen, sich selbst anzupreisen, doch die Anzeige hatte mehrere Tage auf dem Küchentisch gelegen und ihn angestarrt, und irgendwann hatte er doch dort angerufen.

»Högsmed«, sagte eine leise Männerstimme.

»Doktor Högsmed?«

»Ja?«

»Ich heiße Jan Hauger, und ich interessiere mich für die freie Stelle.«

»Welche Stelle?«

»Die Stelle als Vorschullehrer bei Ihnen. Ab September.«

In der Leitung war es kurz still, ehe Högsmed antwortete: »Aha, ja, die ...«

Högsmed sprach leise, er wirkte zerstreut. Doch dann antwortete er mit einer Frage: »Und warum interessieren Sie sich für die Stelle?«

»Nun ...« Die Wahrheit konnte Jan nicht sagen, also hätte er jetzt anfangen müssen, zu lügen oder zumindest Dinge zu verschweigen. »Ich bin neugierig«, erwiderte er deshalb einfach nur.

»Neugierig«, echote Högsmed.

»Ja ... auf den Arbeitsplatz und auf die Stadt. Ich habe hauptsächlich in Einrichtungen in größeren Städten gearbeitet, und ich fände es spannend, an einen kleineren Ort zu ziehen und zu sehen, wie es dort in einer Vorschule zugeht.«

»Gut«, hatte Högsmed gesagt. »Allerdings ist das hier eine etwas spezielle Einrichtung für Kinder, weil deren Eltern bei uns Patienten sind ...«

Dann hatte er ausgeführt, warum Sankt Patricia überhaupt eine Vorschule hatte: »Wir haben sie vor einigen Jahren als Versuchseinrichtung eröffnet. Die Grundidee beruht auf Forschungsergebnissen, wonach die Beziehung zu den Eltern absolut entscheidend für die Entwicklung kleiner Kinder ist, um sozial reife Individuen werden zu können. Sowohl temporäre als auch dauerhafte Aufenthalte in Kinderheimen bringen immer gewisse Probleme mit sich, und hier in Sankt Patricia wissen wir, wie wichtig es ist, dass Kinder einen regelmäßigen und stabilen Kontakt zu beiden biologischen Eltern haben, und zwar trotz der speziellen Umstände. Und auch für den betroffenen Elternteil ist der Kontakt zum Kind natürlich wichtiger Bestandteil der Behandlung.« Der Doktor machte eine Pause und fügte dann hinzu: »Das ist es schließlich, was wir hier in der Klinik machen: Wir behandeln. Wir bestrafen nicht, egal, was unsere Patienten auch immer getan haben.«

Jan hatte zugehört und dabei bemerkt, dass der Doktor nicht das Wort »heilen« verwendet hatte.

Högsmed hatte das Gespräch mit einer raschen Frage beendet: »Wie klingt das für Sie?«

Jan fand, dass es interessant klang, und er hatte eine Bewerbung mit einem beigefügten Lebenslauf geschickt.

Anfang August hatte Högsmed dann zurückgerufen. Jan war in der Auswahl eine Runde weitergekommen, und der Doktor wollte ihn kennenlernen. Sie hatten einen Termin in der Klinik vereinbart, und gegen Ende des Gesprächs sagte Högsmed: »Eine Bitte habe ich noch, Herr Hauger.«

»Ja?«

»Bringen Sie einen Ausweis mit, Ihren Führerschein oder Ihren Pass, damit wir uns versichern können, wer Sie sind.«

»Ja, ja, natürlich.«

»Und noch eine letzte Sache, Herr Hauger ... tragen Sie keine scharfen Gegenstände bei sich, denn dann werden Sie bei uns nicht in die Klinik gelassen.«

»Scharfe Gegenstände?«

»Scharfe Gegenstände aus Metall, also ... keine Messer.«

Jan kam – ohne scharfe Gegenstände – gegen dreizehn Uhr, eine halbe Stunde vor dem Bewerbungsgespräch, mit dem Zug in Valla an. Er behielt die Zeit im Auge, war aber immer noch ganz ruhig. Er würde ja keinen Berg besteigen müssen, sondern hatte nur ein Bewerbungsgespräch vor sich.

Es war ein sonniger Dienstag Anfang September, und die Straßen der Stadt um den Bahnhof herum waren hell und trocken, aber menschenleer. Er war zum ersten Mal in Valla, und als er auf den Bahnhofsvorplatz trat, wurde ihm klar, dass niemand wusste, dass er hier war. Niemand. Der Oberarzt von Sankt Patricia wartete natürlich auf ihn, doch für Doktor Högsmed war er nur ein Name und ein Lebenslauf.

War er bereit? Natürlich. Er zog die Jackettärmel herunter und glättete seinen blonden Haarschopf, dann ging er zum Taxistand. Dort wartete ein einziger Wagen.

»Klinik Sankt Patricia. Wissen Sie, wo das ist?«

»Aber ja.«

Der Fahrer sah zwar aus wie der Weihnachtsmann, war aber nicht ebenso freundlich; er faltete wortlos seine ­Zeitung zusammen und ließ den Motor an. Als Jan sich auf dem Rücksitz niedergelassen hatte, begegneten sich ihre Blicke für eine halbe Sekunde im Rückspiegel, als wollte der Weihnachtsmann prüfen, ob Jan auch gesund sei.

Er hatte erwogen, den Fahrer zu fragen, ob er denn wisse, was für eine Art Klinik Sankt Patricia sei, doch sein Blick war eindeutig.

Sie fuhren vom Bahnhofsvorplatz auf eine Straße, die parallel zu den Zuggleisen verlief, dann nahmen sie eine kurze Unterführung unter den Gleisen hindurch. Auf der anderen Seite standen mehrere große braune Ziegelbauten mit Fassaden aus Stahl und Glas, die wie ein Krankenhaus aussahen. Vor dem breiten Eingang sah Jan zwei gelbe Notarztwagen stehen.

»Ist das hier Sankt Patricia?«

Doch der Weihnachtsmann schüttelte den Kopf. »Nee, hier sind die Leute normal krank, nicht verrückt. Das ist das Bezirkskrankenhaus.«

Die Sonne schien noch immer, keine Wolke stand am Himmel. Nach dem Krankenhaus bogen sie links ab, fuhren einen steilen Hügel hinauf und rollten in das Wohnviertel, wo ein Schild um Rücksicht auf die Kinder bat.

Achtet auf unsere spielenden Kinder.

Jan muss an all die Kinder denken, auf die er im Laufe der Jahre geachtet hat. Keines war je sein eigenes gewesen, sondern er war dafür angestellt, sich um sie zu kümmern. Doch sie wurden in gewisser Weise zu seinen Kindern, und wenn seine Vertretungszeit beendet war, war es immer schwer, sich von ihnen zu trennen. Oft weinten sie beim Abschied. Manchmal weinte er auch.

Plötzlich fällt sein Blick auf ein paar Kinder zwischen den Häusern – vor einer Garage spielen vier Jungs von ungefähr zwölf Jahren Feldhockey.

Sind Zwölfjährige denn wirklich noch Kinder? Wann hören Kinder auf, Kinder zu sein?

Jan lehnt sich in den Autositz zurück und schiebt alle tiefer gehenden Fragen beiseite. Jetzt muss er sich darauf konzentrieren, klare Antworten zu geben. Bewerbungsgespräche sind anstrengend, wenn man etwas zu verbergen hat, und wer hat das nicht? Jeder hat seine kleinen Geheimnisse, über die er nicht sprechen möchte. Auch Jan. Aber gerade heute dürfen sie nicht zum Vorschein kommen.

Vergiss nicht, dass Högsmed Psychiater ist.

Das Taxi verlässt das Wohngebiet und fährt durch einige Viertel mit niedrigen Reihenhäusern. Dahinter erstreckt sich eine große Wiese, die an eine mindestens fünf Meter hohe, grüne Betonmauer grenzt. Auf der Mauerkrone verläuft in dünnen Linien fest gespannter Stacheldraht.

Fehlen nur noch hohe Türme mit bewaffneten Wachleuten.

Hinter der Mauer erhebt sich fast wie ein Schloss ein großes, graues Steinhaus. Jan sieht nur den oberen Teil, schmale Fensterreihen unter einem langen Ziegeldach. Viele der Fenster sind mit Gittern versehen.

Dort hinter den Gittern sitzen sie, denkt Jan, die Gefährlichsten der Gefährlichen. Die man nicht auf die Straße lassen kann. Und dorthinein gehst du jetzt.

Er spürt, wie ihm das Herz in der Brust schneller schlägt, als er an Alice Rami denkt und an die Möglichkeit, dass sie in diesem Moment da sitzt und durch eines der Gitter zu ihm herübersieht.

Ruhig, ganz ruhig.

Jan ist ein Mensch, der in sich selbst ruht, und er liebt Kinder wirklich. Das wird Doktor Högsmed schon begreifen.

In die Betonmauer ist ein breites Stahltor eingelassen, doch davor herrscht Halteverbot, also bleibt das Taxi auf der Wendeplatte stehen. Jan ist angekommen. Das Taxameter zeigt sechsundneunzig Kronen. Er gibt einen Hunderter nach vorn.

»Stimmt so.«

»Aha.«

Der Weihnachtsmann scheint nicht sonderlich begeistert über das Trinkgeld, von vier Kronen kann man keine Weihnachtsgeschenke für die Kinder kaufen. Daher steigt er nicht aus dem Wagen, um Jan die Tür zu öffnen.

»Viel Glück mit dem Job«, brummt der Fahrer nur, als er die Quittung durch das halb heruntergekurbelte Seitenfenster reicht.

Jan nickt und rückt sein Jackett zurecht.

»Kennen Sie jemanden, der dort arbeitet?«, fragt er noch schnell.

»Nicht, dass ich wüsste«, erwidert der Weihnachtsmann. »Aber die meisten, die da oben arbeiten, halten sowieso die Klappe, damit ersparen sie sich eine Menge Fragen über die Leute da drin.«

Jan sieht, dass sich in der Mauer neben dem breiten Tor eine kleinere Tür geöffnet hat. Dort steht jemand und wartet auf ihn, ein Mann um die vierzig mit schwarzer Drahtbrille und dickem braunem Haar. Auf die Entfernung erinnert er ein wenig an John Lennon.

Lennon ist von Mark Chapman erschossen worden, denkt Jan. Warum erinnert er sich jetzt daran? Weil dieser Mord Chapman über Nacht weltbekannt machte.

Wenn Rami in Sankt Patricia ist, welche Berühmtheiten werden dann wohl noch dort weggeschlossen sein?

Vergiss es, sagt eine innere Stimme. Und vergiss auch den »Luchs«. Konzentriere dich auf das Bewerbungsgespräch.

Der Mann an der Mauer trägt keinen weißen Arztkittel, sondern nur eine schwarze Hose und ein braunes Jackett, trotzdem ist es offensichtlich, um wen es sich handelt.

Doktor Högsmed rückt seine Brille zurecht und konzentriert sich auf Jan. Die Beurteilung hat bereits begonnen.

Jan wendet sich ein letztes Mal an den Taxifahrer. »Können Sie jetzt den Namen sagen?«

»Welchen Namen?«

Jan deutet mit einem Nicken auf die Betonmauer. »Den Namen des Krankenhauses ... Wie nennen es die Leute?«

Der Weihnachtsmann antwortet nicht gleich, sondern lächelt amüsiert über Jans Neugier.

»Sankt Psycho«, sagte er schließlich.

»Was?«

Der Taxifahrer zuckt die Schultern. »Grüße an Ivan Rössel ... Der soll doch hier einsitzen.«

Dann wird das Fenster hochgekurbelt, und das Taxi fährt davon.

2

Nein, das ist kein gewöhnlicher Stacheldraht auf der Krone der Mauer rund um die Klinik Sankt Patricia, das bemerkt Jan, nachdem er das Tor passiert und Doktor Högsmed die Hand geschüttelt hat. Es ist Elektrodraht, ein meterhohes Stromgatter, ausgestattet mit Leuchtdioden, die an jedem Pfeiler rot blinken.

»Willkommen.« Högsmed betrachtet ihn durch die dicken Brillengläser, ohne zu lächeln. »Haben Sie gut hierhergefunden?«

»Ja, kein Problem.«

Die Betonmauer und der Elektrodraht erinnern Jan an eine Palisade wie bei einem Tigergehege. Doch auf der Kiesfläche rechts neben der Pforte entdeckt er ein kleines Stückchen Alltag: einen Fahrradständer. Herren- und Damenfahrräder, ausgerüstet mit Fahrradkörben und Reflektoren, stehen in einer Reihe nebeneinander. Eines hat sogar einen Kindersitz auf dem Gepäckträger.

Die Stahltür macht ein klickendes Geräusch, sie wird von unsichtbaren Händen zugezogen.

»Nach Ihnen, Herr Hauger.«

»Danke.«

Durch eine Gefängnismauer zu treten, das ist, als würde man die ersten Schritte in die Öffnung einer pechschwarzen Grotte machen. Eine isolierte und fremde Welt.

Die Tür gleitet hinter ihnen ins Schloss. Das Erste, was Jan innerhalb des Mauerrings sieht, ist eine lange weiße Überwachungskamera, deren Linse direkt auf ihn gerichtet ist. Die Kamera, schweigend und bewegungslos, ist auf einen Pfeiler neben der Pforte montiert.

Dann entdeckt er noch eine Kamera auf einem anderen Pfeiler näher am Krankenhaus und weitere am Gebäude selbst. »Gelände videoüberwacht«, warnt ein gelbes Schild an der Wand.

Sie gehen an einem Parkplatz vorüber, auf dem ebenfalls Schilder angebracht sind: »Reserviert für Krankentransport«, steht auf einem und auf einem anderen: »Reserviert für Polizei«.

Jetzt kann Jan die gesamte hellgraue Vorderfassade der Klinik überblicken. Das Gebäude ist fünf Stockwerke hoch und hat lange Reihen schmaler Fenster. Um die Fenster des untersten Stockwerks windet sich eine Art Efeu wie ein Lindwurm.

Jan fühlt sich unwohl auf diesem Vorplatz, gefangen zwischen Steinmauer und Klinik. Er zögert, aber der Doktor geht ihm mit eiligen Schritten weiter voraus bis zu der stählernen Eingangstür der Klinik. Sie ist verschlossen, doch der Oberarzt schiebt eine Magnetkarte in einen Schlitz in der Tür und winkt in die nächstgelegene Kamera, und nach einer halben Minute klickt das Schloss.

Sie betreten einen Vorraum mit einem verglasten Empfang und einer weiteren Kamera. Hier riecht es nach Schmierseife und nassem Stein, der Fußboden ist frisch gewischt. Hinter dem dunklen Glas am Empfang sitzt ein breitschultriger Schatten.

Ein Krankenhauswärter. Jan fragt sich, ob er wohl bewaffnet ist.

Der Gedanke an Gewalt und Waffen lässt ihn auf Geräusche von den Patienten horchen, doch die sind wahrscheinlich zu weit weg. Weggeschlossen hinter Stahltüren und dicken Mauern. Und warum sollte man sie auch hören? Sie werden ja wohl kaum brüllend oder lachend mit Metallbechern an die Gitterstäbe schlagen. Ihre Welt besteht vermutlich eher aus stillen Räumen und leeren Fluren.

Der Doktor hat etwas gefragt. Jan sieht ihn fragend an. »Entschuldigung?«

»Der Ausweis«, wiederholt Högsmed. »Haben Sie ihn dabei, Herr Hauger?«

»Natürlich ... hier.«

Jan fingert in seiner Jackentasche herum und reicht ihm dann seinen Pass.

»Behalten Sie ihn«, sagte Högsmed. »Klappen Sie nur die Seite mit Ihren Angaben zur Person auf, und halten Sie die vor diese Kamera hier.«

Jan hält den Pass hoch. Es klickt in der Kamera. Jetzt ist er registriert.

»Gut. Dann sollten wir noch einen Blick in Ihre Tasche werfen.«

Jan muss die Tasche öffnen und vor dem Wärter und dem Doktor den Inhalt herausholen: ein Päckchen Taschentücher, eine Regenjacke, eine zusammengefaltete Göteborgs-Posten ...

»Jetzt können wir gehen.«

Der Doktor winkt dem Wachmann hinter der Scheibe zu, danach führt er Jan durch einen großen Bogen, wahrscheinlich ein Metalldetektor, und weiter zu einer Tür, die er aufschließt.

Jan kommt es vor, als würde es immer kälter, je tiefer sie in die Klinik hineingehen. Nach drei weiteren Stahltüren stehen sie in einem Flur, an dessen Ende eine einfache Holztür ist. Högsmed öffnet sie.

»So, hier halte ich Hof.«

Jan betritt ein ganz gewöhnliches Büro. Die meisten Gegenstände im Zimmer des Arztes sind weiß, von den Tapeten bis hin zu den gerahmten Diplomen neben den weißen Bücherregalen. Aber auf dem großen Schreibtisch, neben einigen Papierstapeln, scheint etwas Persönliches zu stehen, nämlich das Bild einer jungen Frau, die glücklich, aber erschöpft aussieht und ein neugeborenes Baby im Arm hält.

Doch Jan entdeckt rechts auf dem Tisch noch etwas anderes, eine Sammlung Mützen und Hüte. Fünf Stück, recht abgenutzt. Die blaue Dienstmütze eines Wachmanns, eine weiße Schwesternhaube, ein schwarzer Borsalino, eine grüne Jägermütze und eine rote Clownperücke.

Högsmed deutet darauf. »Nehmen Sie sich eine, wenn Sie möchten.«

»Wie bitte?«

»Ich lasse meine neuen Patienten immer eine der Kopfbedeckungen auswählen und dann aufsetzen«, erklärt Högsmed. »Dann sprechen wir darüber, warum er oder sie ausgerechnet diese Mütze ausgewählt hat und was das bedeuten könnte. Sie dürfen das gern auch tun, Jan.«

Jan streckt die Hand zu den Kopfbedeckungen aus. Er würde am liebsten die Clownperücke nehmen, aber was symbolisiert die wohl? Ist es nicht besser, eine hilfsbereite Krankenschwester zu sein? Ein guter Mensch. Oder ein Firmendirektor mit Borsalino, der für Klugheit und Wissen steht?

Seine Hand beginnt leicht zu zittern. Schließlich lässt er sie sinken.

»Ich muss wohl verzichten.«

»Warum?«

»Nun ... ich bin schließlich kein Patient.«

Högsmed nickt kurz. »Aber ich habe gesehen, dass Sie im Begriff waren, den Clown zu wählen, Jan. Und das ist interessant, denn Clowns haben oft Geheimnisse. Sie verbergen etwas hinter einer lachenden Maske.«

»Ach, ehrlich?«

Högsmed nickt erneut. »Der Serienmörder John Gacy arbeitete bis zu seiner Festnahme als Clown in Chicago. Er fand es schön, vor Kindern aufzutreten, und Serienmörder und Sexualstraftäter sind natürlich auf eine Art auch Kinder, sie betrachten sich selbst als Mittelpunkt der Welt und sind nie erwachsen geworden.«

Jan erwidert nichts darauf, aber er versucht zu lächeln. Högsmed sieht ihn ein paar Sekunden lang an, dann dreht er sich um und zeigt auf einen Kiefernholzstuhl vor dem Schreibtisch.

»Setzen Sie sich, Jan.«

»Danke, Herr Doktor.«

»Natürlich bin ich Arzt, aber nennen Sie mich bitte einfach Patrik.«

»In Ordnung ... Patrik.«

Das klingt irgendwie falsch, findet Jan. Er will einen Doktor nicht mit dem Vornamen ansprechen. Mit einem raschen Blick auf den Oberarzt lässt er sich auf dem Besucherstuhl nieder, senkt die Schultern und versucht, sich zu entspannen.

Doktor Högsmed ist jung für seine Position als Chef einer ganzen Klinik, aber ganz gesund scheint er nicht zu sein. Seine Augen sind feucht und wirken blutunterlaufen.

Und kaum dass sich Högsmed ebenfalls gesetzt hat, lehnt er sich in seinem Bürostuhl zurück, nimmt die Brille ab und starrt mit aufgerissenen Augen an die Decke.

Jan fragt sich im Stillen, was der Doktor da macht, bis er sieht, dass Högsmed ein kleines Fläschchen Augentropfen hervorgeholt hat. Er drückt drei Tropfen in jedes Auge. Dann blinzelt er die Tränen weg.

»Hornhautentzündung«, erklärt er. »Auch Ärzte können krank werden, das vergisst man manchmal.«

Jan nickt.

»Ist es ernst?«, fragt er höflich.

»Nicht besonders, aber die Lider fühlen sich jetzt seit einer Woche an wie Sandpapier.« Er beugt sich vor und blinzelt weiter dünnflüssige Tränen weg, dann setzt er die Brille wieder auf. »Nun, Jan, willkommen, wie gesagt. Sie wissen wahrscheinlich, auf welchen Namen der Volksmund unsere gerichtspsychiatrische Klinik getauft hat?«

»Getauft?«

Der Oberarzt reibt sich das rechte Auge. »Wie das Krankenhaus unten in der Stadt genannt wird. Also: Kennen Sie den Spitznamen von Sankt Patricia?«

Den kennt Jan natürlich seit einer Viertelstunde, der Name kreist zusammen mit dem Namen des Mörders Ivan Rössel in seinem Kopf, seit er das Gelände betreten hat, doch er sieht sich trotzdem um, als würde die Antwort irgendwo an der Wand geschrieben stehen.

»Nein«, lügt er, »wie wird die Klinik denn genannt?«

Högsmed sieht etwas angespannt aus. »Das wissen Sie sehr gut.«

»Vielleicht ... Der Taxifahrer hat auf dem Weg hierher einen Namen gesagt.«

»Ach ja?«

»Ja. Ist es ›Sankt Psycho‹«?

Der Oberarzt nickt rasch, die Antwort scheint ihn aber dennoch zu betrüben. »Stimmt, einige Außenstehende sagen ›Sankt Psycho‹. Sogar ich habe den Namen ein paarmal gehört, und es geschieht nicht oft, dass ich ...« Hög­smed hält inne und lehnt sich ein wenig vor. »Doch wir, die wir hier im Haus arbeiten, benutzen den richtigen Namen: Forensische Psychiatrische Bezirksklinik Sankt Patricia. Oder wir sagen – wenn die Zeit knapp ist – einfach ›Die Klinik‹. Und das erwarte ich auch von Ihnen, sollten Sie hier angestellt werden ...«

»Selbstverständlich«, versichert Jan und begegnet Högsmeds Blick. »Ich mag Spitznamen sowieso nicht.«

»Gut.« Der Oberarzt lehnt sich wieder zurück. »Sie werden, wenn Sie die Stelle bekommen, ohnehin nicht hier in der Klinik arbeiten. Die Räume der Vorschule liegen außerhalb der Mauer.«

»Ach so?« Das ist neu für Jan. »Sie ist also nicht hier im Haus?«

»Nein, die ›Lichtung‹ ist in einem eigenen Gebäude untergebracht.«

»Aber wie machen Sie das dann ... mit den Kindern?«

»Wie machen wir was?«

»Ich meine, wie treffen die Kinder denn ihre Eltern?«

»Wir haben ein besonderes Besuchszimmer. Die Kinder kommen durch eine Schleuse dorthin.«

»Eine Schleuse?«

»Es gibt einen unterirdischen Gang«, erklärt Högsmed, »und einen Fahrstuhl.«

Dann nimmt er eine Mappe vom Schreibtisch. Jan erkennt sie, das ist seine Bewerbung. Im Anhang liegt ein Auszug aus dem Strafregister, der beweist, dass Jan Hauger niemals wegen eines Sexualverbrechens verurteilt worden ist. Jan ist daran gewöhnt, einen solchen Auszug von der Polizei einzuholen – wenn man mit Kindern arbeiten möchte, wird das verlangt.

»Dann wollen wir mal sehen ...« Högsmed kneift die roten Augen zusammen und beginnt, langsam in den Papieren zu blättern. »Ihr Lebenslauf sieht ja sehr gut aus. Nach dem Abitur waren Sie zwei Jahre lang Kin­derpfleger in Nordbro. Dann Ausbildung zum Erzieher in Uppsala und anschließend mehrere Vertretungsstellen in unterschiedlichen Tagesstätten und Vorschulen in Göteborg, und in letzter Zeit waren Sie ein wenig arbeitslos.«

»Nur einen guten Monat«, beeilt sich Jan zu betonen.

»Aber Sie haben neun verschiedene Vertretungsstellen in sechs Jahren gehabt«, sagt Högsmed. »Stimmt das?«

Jan nickt schweigend.

»Und noch keine Festanstellung, oder?«

»Nein«, erwidert Jan. Und nach einer Pause erklärt er: »Aus unterschiedlichen Gründen. Hauptsächlich deswegen, weil ich meist eine Elternzeitvertretung hatte, und die Leute immer auf ihre Stellen zurückgekehrt sind.«

»Verstehe. Und bei uns geht es ja auch um eine Vertretung«, stellt der Doktor fest. »Zunächst einmal bis zum Jahreswechsel.«

Jan kann die vage Andeutung, dass er ein rastloser Mensch sei, nicht unwidersprochen lassen. Er deutet auf seine Bewerbungsmappe.

»Die Kinder und die Eltern haben mich immer gemocht, und ich habe stets gute Zeugnisse bekommen.«

Der Doktor liest weiter in den Papieren und nickt. »Das sehe ich, sehr gute sogar ... von den letzten drei Arbeitsplätzen. Die empfehlen Sie alle.« Er lässt die Mappe sinken und sieht Jan an. »Und die anderen?«

»Die anderen?«

»Was meinten Ihre Vorgesetzten in den anderen Tagesstätten? Waren die unzufrieden mit Ihnen?«

»Nein. Das waren sie sicher nicht, aber ich wollte nicht jede einzelne positive ...«

»Ich verstehe«, unterbricht ihn der Doktor. »Zu viel Lob stinkt. Kann ich vielleicht jemanden anrufen in einer der früheren Tagesstätten?«

Der Doktor wirkt plötzlich munter und neugierig, und seine Hand liegt schon auf dem Hörer.

Jan sitzt schweigend mit halb geöffnetem Mund da. Die Mützen sind schuld, das ahnt er, alles nur, weil er den psychologischen Test von Högsmed abgelehnt hat. Er will den Kopf schütteln, aber sein Nacken fühlt sich steif an.

Nicht den »Luchs«, hofft er. Ruf gern die anderen an, aber nicht den »Luchs«.

Schließlich nickt er doch. »Natürlich, gern«, sagte er, »doch leider habe ich die Telefonnummern nicht hier.«

»Kein Problem, die finden wir im Netz.« Högsmed wirft einen letzten Blick auf die alten Arbeitgeber von Jan und tippt dann ein paar Buchstaben in den Rechner. Den Namen einer der ehemaligen Tagesstätten. Doch von welcher? Von welcher?

Von seinem Stuhl aus kann Jan keinen Blick auf den Bildschirm erhaschen, und er möchte sich nicht auffällig nach vorn beugen, um herauszufinden, ob Högsmed den »Luchs« anruft.

Warum hat er das Haus überhaupt in seinem Lebenslauf angegeben?

Neun Jahre ist das her! Ein einziger Fehler mit einem einzigen Kind, und das vor neun Jahren. Muss Högsmed jetzt genau darauf kommen?

Jan atmet ruhig und lässt die Fingerspitzen leicht auf den Oberschenkeln ruhen. Nur Verrückte fangen an, mit den Händen zu fuchteln, wenn sie unter Druck stehen.

»Gut, hier haben wir eine Nummer«, murmelt Högsmed und blinzelt in Richtung Bildschirm. »Dann werde ich da mal rasch anrufen ...«

Er greift zum Hörer, tippt ein halbes Dutzend Ziffern ins Telefon und wirft einen Blick auf Jan.

Jan versucht zu lächeln, hält aber den Atem an. Wessen Nummer hat der Doktor gewählt?

Ist da beim »Luchs« noch jemand aus seiner Zeit, jemand, der sich an ihn erinnern würde? An das, was im Wald geschehen ist?

3

»Hallo?«

Der Oberarzt hat jemanden erreicht, jetzt beugt er sich ein wenig über den Tisch.

»Ja, Patrik Högsmed hier. Ich würde gern jemanden sprechen, der bei Ihnen mit Jan Hauger zusammenge­arbeitet hat. Genau, H-A-U-G-E-R. Er war vor acht oder neun Jahren als Vertretung bei Ihnen.«

Vor acht oder neun Jahren. Jan senkt den Kopf, als er die Worte hört. Dann hat der Doktor also tatsächlich eine der Tagesstätten in Nordbro angerufen. Entweder den »Sonnenstern« oder den »Luchs«. Danach hatte Jan seine Heimatstadt verlassen.

»Das war vor Ihrer Zeit, Julia? Natürlich, aber gibt es vielleicht jemand anderen, der ... Gut, dann verbinden Sie mich mit der Leiterin. Ich bleibe dran.«

Es wird wieder still im Raum, so still, dass Jan hört, wie irgendwo draußen im Flur eine Tür geschlossen wird.

Nina. Plötzlich erinnert er sich, dass die Leiterin vom »Luchs« Nina Gundotter hieß. Seltsamer Name. Es ist viele Jahre her, dass er zuletzt an Nina gedacht hat – er hat alle Erinnerungen an den »Luchs« in eine Flasche gestopft und vergraben.

Die weiße Uhr an der Wand tickt, jetzt ist es Viertel nach zwei.

»Hallo?«

Der Oberarzt hat wieder jemanden in der Leitung, und Jan bohrt die Fingerspitzen in die Oberschenkel. Er hält die Luft an, während Högsmed sich erneut vorstellt und sein Anliegen vorbringt, ehe er verstummt und zuhört.

»Sie erinnern sich also an Jan Hauger? Wie gut. Was können Sie berichten?«, fragt er dann.

Stille. Der Oberarzt wirft Jan einen raschen Blick zu und lauscht.

»Danke«, sagte er nach einer halben Minute, »dann weiß ich Bescheid. Ja, ich werde ihn grüßen. Danke, vielen Dank.«

Er legt den Hörer auf und lehnt sich wieder zurück. »Noch ein gutes Zeugnis.« Er nickt Jan zu. »Das war Lena Zetterberg von der Tagesstätte ›Sonnenstern‹ in Nordbro, und sie hatte nur Gutes von Ihnen zu berichten. Jan Hauger war eine positive Erscheinung, verantwortungsbewusst, bei Eltern und Kindern beliebt. Bestnoten.«

Jan kann wieder lächeln. »Ich erinnere mich an Lena«, sagt er. »Wir kamen prima miteinander aus.«

»Nun gut.« Der Oberarzt steht auf und nimmt eine Plastikmappe vom Schreibtisch. »Dann werden wir mal zu unserer eigenen hübschen Vorschule gehen. Sie wissen doch wohl, dass es jetzt Vorschule heißt, oder?«

»Natürlich.«

Der Doktor hält Jan die Tür auf. »Der Begriff Tagesstätte ist ebenso unmodern geworden wie Kindergarten oder Spielgruppe«, erläutert er und fügt hinzu: »Und genauso verhält es sich natürlich mit psychiatrischen Begriffen. Wörter wie Hysteriker, Verrückter und Psychopath sind nicht mehr akzeptabel. Wir in Sankt Patricia sprechen nicht einmal mehr von kranken oder gesunden Personen, sondern ausschließlich von funktionsfähigen oder funktionsbeeinträchtigten Personen.« Er sieht Jan an. »Denn wer ist schon immer gesund?«

Das ist eine schwere Frage, und Jan antwortet nicht.

»Und was wissen wir eigentlich voneinander?«, fährt der Doktor fort. »Wenn Ihnen hier auf dem Flur ein Mann begegnen würde, wüssten Sie dann, ob er gut oder böse ist?«

»Nein. Aber ich würde doch annehmen, dass er mir wohlgesinnt ist.«

»Fein«, erwidert der Doktor. »Nur wer in sich selbst ruht, kann Vertrauen zu anderen haben.«

Jan nickt und folgt Högsmed den Gang entlang. Der Doktor hält wieder die Magnetkarte bereit.

»Dies hier ist tatsächlich der schnellste Weg zur Vorschule«, erklärt er, als er die Türen aufschließt. »Man kann auch durch den Krankenhauskeller gehen, doch der Weg ist verwinkelt und unfreundlich. Also gehen wir wieder aus dem Haus.«

Sie verlassen die Klinik auf demselben Weg, auf dem sie gekommen sind. Als sie am Empfang vorbeikommen, wirft Jan einen Blick auf das dicke Sicherheitsglas und fragt leise: »Aber manche Patienten hier sind schon gefährlich, oder?«

»Gefährlich?«

»Ja, gewalttätig?«

Högsmed seufzt, als würde er an etwas sehr Trauriges denken.

»Schon, aber am gefährlichsten für sich selbst. Manchmal auch gewalttätig gegen andere«, erklärt er dann. »Natürlich gibt es hier in der Klinik Menschen, die des­truktive Triebkräfte besitzen, antisoziale Männer und Frauen, die Dinge getan haben, die man böse nennen könnte.«

»Und die können Sie heilen?«, fragt Jan.

»Heilen ist ein großes Wort«, erwidert Högsmed und betrachtet die Stahltür vor sich. »Wir Therapeuten dürfen uns nicht in denselben finsteren Wald begeben, in den sich die Patienten verirrt haben. Wir müssen draußen im Licht stehen bleiben und versuchen, den Patienten zu uns herauszulocken.« Er macht eine Pause und fährt dann fort: »Wir können bei Gewaltverbrechern Muster erkennen, und ein gemeinsamer Nenner sind verschiedene Kindheitstraumata. Diese Menschen haben oft eine sehr schlechte Beziehung zu den Eltern gehabt, haben häufig Kränkungen und Ablehnung erfahren.« Er öffnet die Stahltür und sieht Jan an. »Und deshalb haben wir dieses Projekt, die ›Lichtung‹. Das Ziel unserer kleinen Vorschule ist es, das emotionale Band zwischen dem Kind und dem in die Klinik eingewiesenen Elternteil aufrechtzuerhalten.«

»Ist der andere Elternteil denn bei diesen Besuchen dabei?«

»Wenn er selbst gesund ist. Und am Leben«, antwortet der Doktor leise und reibt sich die Augen. »Das ist nicht immer der Fall, wir haben es nur selten mit sozial stabilen Familien zu tun.«

Jan fragt nicht weiter.

Schließlich treten sie wieder in den Sonnenschein hin­aus. Der Oberarzt blinzelt gequält ins Tageslicht.

»Nach Ihnen, Jan.«

Sie gehen zur Mauer. Erst jetzt fällt Jan auf, wie klar die Luft an diesem Tag im Frühherbst ist. Trocken und frisch.

Die Pforte in der Mauer gleitet auf, und Jan tritt hinaus. Hinaus in die Freiheit. Genauso fühlt es sich an, als er auf die Straße kommt, obwohl er natürlich das Krankenhaus, wann immer er wollte, hätte verlassen können. Ihn hätten keine Wachmänner aufgehalten.

Die Stahltür schnappt hinter ihnen zu.

»Hier entlang«, sagt Högsmed.

Jan folgt ihm die Steinmauer entlang und blickt nach Süden, zum Stadtrand hinüber. Hinter einem frisch gepflügten Acker liegen mehrere Viertel mit kleinen Reihenhäusern. Er überlegt, was die Hausbesitzer dort drüben wohl von der Klinik halten.

Als könnte er Jans Gedanken lesen, wirft auch Högsmed einen Blick auf die Reihenhausviertel. »Unsere Nachbarn«, sagte er. »Früher war die Stadt noch bedeutend kleiner, da lag das Krankenhaus hier draußen eher abgeschieden. Doch wir haben niemals irgendwelche Probleme mit Protesten oder Unterschriftensammlungen gehabt, wie das bei anderen psychiatrischen Kliniken vorkommt. Ich glaube, die Familien dahinten wissen, dass unsere Einrichtung sicher ist. Die Sicherheit aller ist unsere erste Priorität.«

»Ist schon mal jemand ausgebrochen?«

Jan merkt sofort, dass dies eine provokante Frage ist. Aber Högsmed hebt den Daumen.

»Ein Patient während meiner gesamten Zeit hier«, erzählt er. »Das war ein junger Mann, ein Sexualverbrecher, dem es gelungen war, aus heruntergefallenen Ästen in einer Ecke des Parks eine klapprige Leiter zu basteln. Er ist dann einfach über den Zaun geklettert und verschwunden.« Högsmed blickt wieder zu den Reihenhäusern hin­über und fährt fort: »Die Polizei hat ihn am selben Abend in einem Park aufgegriffen, da hatte er bereits Kontakt zu einem kleinen Mädchen aufgenommen. Offenbar saßen sie auf einer Parkbank und aßen Eis.«

Der Doktor sieht zu dem Elektrodraht auf der Mauerkrone hinauf und fügt hinzu: »Danach sind die Sicherheitsvorkehrungen noch mehr verschärft worden, aber ich glaube nicht unbedingt, dass etwas Gefährliches passiert wäre. Manchmal suchen Ausbrecher die Nähe von Kindern, um eine Art Geborgenheit zu spüren. In ihrem Innern sind sie klein und ängstlich.«

Jan erwidert nichts, sondern geht nur neben dem Doktor den Weg an der Mauer entlang. Er hat richtig geraten, sie sind unterwegs zu dem Holzpavillon, der nördlich des Krankenhauses liegt. Die »Lichtung«.

Kurz vor der Einrichtung wird die Mauer von einem hohen Zaun abgelöst, der oben ebenfalls mit Elektrodraht versehen ist.

Die Vorschule selbst ist lediglich von einem kleinen Holzzaun umgeben. Dahinter kann Jan mehrere Schaukeln, ein rotes Spielhaus und einen Sandkasten sehen – aber keine Kinder. Wahrscheinlich sind sie im Pavillon.

»Wie viele Kinder gehen momentan hierher?«, fragt er.

»Ein Dutzend«, antwortet Högsmed. »Drei Kinder wohnen derzeit aus unterschiedlichen Gründen rund um die Uhr hier, sechs oder sieben kommen tagsüber. Und dann haben wir noch ein paar, die nur hin und wieder hier betreut werden.« Er öffnet seine Mappe und nimmt ein Papier heraus. »Ach, übrigens, hier haben wir ein paar Regeln für den Umgang mit den Kindern. Die können Sie auch jetzt gleich lesen.«

Jan nimmt das Papier entgegen. Er bleibt vor dem Zaun der Vorschule stehen und beginnt zu lesen:

Personalregeln

1) Die Kinder der »Lichtung« und die Patienten der Psychiatrischen Klinik Sankt Patricia müssen von­einander ferngehalten werden. Das gilt RUND UM DIE UHR, abgesehen von den individuellen Besuchszeiten bei den Eltern der Kinder.

2) Das Personal der Vorschule hat KEINEN ZUTRITT zu den Pflegestationen des Krankenhauses. Ausschließlich die administrativen Räume des Krankenhauses dürfen vom Vorschulpersonal besucht werden.

3) Das Vorschulpersonal ist verantwortlich dafür, die Kinder durch die Schleuse zwischen der »Lichtung« und der Besuchsabteilung des Krankenhauses zu begleiten. Die Kinder dürfen NICHT allein gehen.

4) Das Personal darf NICHT, unter keinen Umständen, den Besuch im Krankenhaus mit den Kindern besprechen oder Fragen über die Eltern der Kinder stellen. Solche Gespräche dürfen ausschließlich von Ärzten oder Kinderpsychologen geführt werden.

5) Ebenso wie die Angestellten des Krankenhauses unterliegt das Vorschulpersonal der absoluten SCHWEI­GEPFLICHT in Bezug auf alles, was die Psychiatrische Klinik Sankt Patricia betrifft.

Ganz unten ist eine gestrichelte Linie, und als Jan aufsieht, hält Högsmed ihm einen Stift entgegen.

Er nimmt ihn und schreibt seinen Namen auf die Linie.

»Gut«, sagt Högsmed. »Ich wollte Ihnen das gern jetzt schon vorlegen ... Jede Vorschule hat ihre eigenen Regeln, aber das kennen Sie ja, nicht wahr?«

»Natürlich.«

Doch derartige Regeln sind Jan bisher noch nie begegnet. Und die Order der Klinikleitung ist deutlich:

Schweige über Sankt Psycho.

Kein Problem. Jan war schon immer gut darin, Geheimnisse für sich zu behalten.

Luchs

Jan hatte als Zwanzigjähriger begonnen, in der Tagesstätte »Luchs« zu arbeiten, in demselben warmen Sommer, in dem Alice Rami ihr Debütalbum herausbrachte – diese beiden Ereignisse gehörten für ihn zusammen. Er hatte die Platte in einem Schaufenster entdeckt, hatte sie gekauft, mit nach Hause genommen und wieder und immer wieder abgespielt. Das Album hieß Rami und August, aber August war keine Person, sondern ihre Band, die aus zwei Jungs am Bass und am Schlagzeug bestand. Es gab ein Bild von ihnen zusammen mit Rami, zwei Jungs mit schwarzem, struppigem Haar, und sie stand mit ihren engelsgleich weißen Locken zwischen ihnen. Jan sah das Bild an und fragte sich, ob einer der beiden wohl ihr Freund war.

Tags darauf kaufte er sich einen billigen tragbaren CD-Spieler, um Rami hören zu können, wenn er zur Arbeit in die Tagesstätte ging. Der kürzeste Weg dorthin führte durch einen dichten Tannenwald. Er wanderte auf den Waldpfaden und lauschte ihrer flüsternden Stimme:

Mord ist immer Selbstmord;

ich töte dich und mich

Hass ist auch eine Liebe

Ich weiß, da hab ich dich.

Leben kann Tod sein

und stark ist auch schwach

es schreien die Lämmer täglich am Bach.

Andere Texte handelten von Macht, Finsternis, Medizin und Mondschatten. Jan hörte sie den ganzen Sommer unentwegt, bis er alle Songs auswendig kannte und das Gefühl hatte, Rami würde für ihn singen. Warum auch nicht? Es gab sogar einen Song auf der Platte, in dem der Name »Jan« vorkam.

Mitte August kamen mehrere neue Kinder in die Tagesstätte. Eines von ihnen war besonders: ein Junge mit blonden Locken.

Jan stand am Eingang zum »Luchs«, als der Junge ankam. Eigentlich sah er zuerst dessen Mutter: Sie kam ihm irgendwie bekannt vor. War sie berühmt oder eine alte Bekannte? Vielleicht fiel sie ihm einfach nur auf, weil sie älter aussah. Sie war bestimmt zwischen fünfunddreißig und vierzig, recht alt, um noch ein Kind in der Tagesstätte zu haben.

Dann fiel Jans Blick auf den Jungen – klein und schmal wie ein Stöckchen, aber mit großen blauen Augen. Fünf oder sechs Jahre alt. Er hatte goldblondes Haar, genau wie Jan in dem Alter, und trug eine enge rote Jacke. An der Hand seiner Mutter kam er auf die Tagesstätte zu, doch sie gingen an Jans Gruppe namens »Luchs« vorbei und nach nebenan zur Tür der »Braunbär«-Gruppe.

Was für ein ungleiches Paar, dachte er. Die Mutter war groß und schlank und trug eine hellbraune Lederjacke mit Pelzkragen, während ihr Sohn so klein war, dass er ihr kaum bis zu den Knien zu reichen schien. Er musste mit kurzen, schnellen Trippelschritten laufen, um mit seiner Mutter mithalten zu können.

Die Kleidung des Jungen wirkte für die Herbstkälte zu dünn. Er bräuchte mal eine neue Jacke.

Jan hatte gerade die Tür zum »Luchs« aufgesperrt und war mit einem halben Dutzend Kinder um ihn herum auf dem Weg in die Wärme, blieb aber stehen, als die Mutter und der Junge ankamen. Der Junge hatte den Blick auf den Boden gerichtet, aber die Mutter sah ihn kurz an und schenkte ihm ein unpersönliches Nicken. Er war ein Fremder für sie, ein namenloser Erzieher. Jan erwiderte das Nicken und blieb lange genug in der Tür stehen, um zu sehen, wie der Junge und seine Mutter den Hügel hinaufgingen und die Tür zum »Braunbär« aufzogen.

An der Außenseite dieser Tür hing ein aus einer Hart­faserplatte ausgesägter dunkelbrauner Bär, und an der Tür, die Jan für die Kinder aufhielt, hing ein gelber Luchs. Zwei Fleischfresser aus dem Wald. Von Anfang an, seit er im Sommer in der Tagesstätte begonnen hatte, fand Jan, dass die Namen falsch gewählt waren. Luchse und Braunbären waren doch keine freundlichen Wesen, sondern Raubtiere.

Der Junge und die Mutter waren verschwunden. Jan konnte nicht länger in der Tür stehen bleiben, er musste zu seiner eigenen Kindergruppe hinein. Aber das kurze Zusammentreffen vergaß er nicht.

Die Tagesstätte hatte auf ihren Rechnern Listen mit den Namen aller Kinder der Einrichtung gespeichert, und ehe Jan, begleitet von Alice Ramis Musik, nach Hause ging, schlich er ins Büro, um herauszufinden, wie der neue Junge in der »Braunbär«-Gruppe hieß.

Er entdeckte den Namen sofort: William Halevi, der Sohn von Roland und Emma Halevi.

Jan betrachtete die drei Namen lange. Da stand auch eine Anschrift, aber die interessierte ihn jetzt noch nicht. Es genügte ihm zu wissen, dass der kleine William den ganzen Herbst über in der Gruppe nebenan sein würde.

4

»Möchten Sie Kaffee, Jan?«, fragt Marie-Louise.

»Danke, gern.«

»Etwas Milch?«

»Nein danke.«

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