So lernen Sieger - Gunther Karsten - E-Book

So lernen Sieger E-Book

Gunther Karsten

4,6
11,99 €

oder
  • Herausgeber: Mosaik
  • Kategorie: Lebensstil
  • Sprache: Deutsch
  • Veröffentlichungsjahr: 2012
Beschreibung

Erfolgreiches Lernen war noch nie so einfach

Ob Berufstätige, Schüler oder Studenten – lebenslanges Lernen ist Thema für jedermann. Gedächtnisweltmeister Dr. Gunther Karsten zeigt, wie man richtig lernt: effizient, konzentriert, gezielt und erfolgreich. Übersichtlich strukturiert präsentiert er 50 Lerntipps, die jeder ganz einfach umsetzen kann. Er erklärt anschaulich, wie man Gedächtnistechniken (z.B. Mnemotechnik, Loci-Methode), Lernmethoden (z.B. Mind-Mapping, Analogie-Methode) und Mentaltricks (z.B. Visualisieren, Emotionalisieren) erfolgreich anwendet. Neueste wissenschaftliche Erkenntnisse kommen dabei genauso zum Tragen wie altbewährte Eselsbrücken. Jeder Tipp wird mit einem praktischen Anwendungsbeispiel erläutert. Ein Selbsttest hilft dabei, den eigenen Lern-Quotienten zu ermitteln und zu optimieren.

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EPUB
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Seitenzahl: 279

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Wer sagt, »Du musst heutzutage nichts mehr wissen, du musst nur wissen, wo du es nachschlägst«, hat meiner Meinung nach etwas missverstanden.

JIMMY WALES, Begründer von www.wikipedia.org

(der größten Sammlung menschlichen Wissens im Internet)

Inhaltsverzeichnis

Vorwort1 - Der Einstieg: Warum das Lernen lernen?
Wie du dieses Buch lesen solltestWie du deinen Lernquotienten (LQ-Wert) bestimmen kannstWie du die Verbesserung deiner Lerneffektivität feststellen kannstWie du aktiv auf www.Lerntipps-vom-Weltmeister.de mitwirken kannstWie du deine Lerneffektivität mit anderen vergleichen kannstWie du dir deine Lern-Zukunft vorstellen kannst (Lernerfolgs-Storys)
2 - Lerntipps aus der wissenschaftlichen Forschung
Tipp1 - Serieller Positions-Effekt
Copyright

Bild 4

Vorwort

»So lernen Sieger – Die 50 besten Lerntipps« bringt eigene Erinnerungen an ein Forschungsprogramm zurück, das meine Kollegen und ich in den 1980er-Jahren am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung durchgeführt haben.1 Wir haben unsere Versuchsteilnehmer in einigen der im Buch beschriebenen Mnemotechniken unterrichtet, z. B. einer Kombination aus der Loci-Methode (Tipp 31) und der Ziffer-Konsonanten-Kodierung (Tipp 37). Ein für uns damals unerwarteter Befund war, dass eine 70-jährige Frau es schaffte, 120 Zufallszahlen, die ihr im Acht-Sekunden-Takt einzeln nacheinander präsentiert wurden, in der richtigen Reihenfolge wiederzugeben. Es hatte immerhin 16 Minuten gedauert, bis sie alle Zahlen aufgenommen hatte! Nun handelte es sich hierbei um die Teilnehmerin, die sich im Verlauf von 30 Übungssitzungen als die mit dem größten Lernpotenzial erwiesen hatte.

Es gab natürlich auch Teilnehmer, denen solche Leistungen nicht mehr möglich waren. Insgesamt aber trifft es sicher zu, dass Lerntipps, wie sie in diesem Buch beschrieben werden, mit großer Wahrscheinlichkeit vom jungen bis ins hohe Alter wirksam sind, wenn zwei Voraussetzungen erfüllt sind: Gesundheit und regelmäßiges und gezieltes Üben.

Der Erwerb von geistigen Fertigkeiten unterscheidet sich im Grundsatz nicht von musikalischen oder sportlichen Fertigkeiten. Lernen, Klavier zu spielen, befähigt nicht zum Trompetespielen, obwohl man sich vermutlich leichter tut, Letzteres zu lernen, wenn man das Erste bereits bewältigt hat. Vor diesem Hintergrund sollte man eher nicht ganz allgemein über das »schlechte Gedächtnis« klagen, sondern ganz konkret das Gedächtnis- oder Lernproblem benennen, das wirklich stört und für dessen Beseitigung man auch bereit ist, die Zeit aufzuwenden, die für den Erwerb jedes einzelnen Lerntipps erforderlich ist. Die Verbesserung des Namensgedächtnisses erfordert ein anderes Trainingsprogramm als die Verbesserung des Textverständnisses.

Wenn man die Fertigkeit für den Alltag tauglich werden lassen möchte, dann reicht es leider auch nicht zu verstehen, wie die Fertigkeit im Prinzip funktioniert. Wie im Sport erfordert der Erwerb sehr viel Übung; im Idealfall sollte die Anwendung eines Lerntipps automatisch ausgelöst werden. Schafft man diese Stufe, dann gilt auch für geistige Fertigkeiten, was beispielsweise Skifahrern und Tänzern sehr vertraut ist: Auch nach sehr langen Pausen fällt es erstaunlich leicht, diese Fertigkeiten wieder abzurufen. Anders als vieles andere, was wir erleben oder lesen, scheinen wir fertigkeitsgebundene Verhaltensabläufe kaum zu vergessen. Ich prüfe seit meiner damaligen Forschung einmal oder zweimal im Jahr, ob meine Gedächtnistechnik noch funktioniert, beispielsweise zur Demonstration in einer Gedächtnisvorlesung. Bisher ging immer alles noch gut …

Eine Besonderheit dieses Buches ist es, dass sein Autor Gedächtnisweltmeister ist. Er gehört damit zu einer kleinen Gruppe von Menschen, die in der Kulturgeschichte einen festen Platz gefunden haben. Dr. Gunther Karsten erwähnt die lange Tradition der Gedächtniskunst, die seit den alten Griechen belegt und ein fester Bestandteil der abendländischen Kunst- und eben auch Kulturgeschichte ist. Wer sich davon gefangennehmen lassen möchte, dem sei vor allem das Buch The Art of Memory von Frances Yates empfohlen. Wenn man in früheren Zeiten die Gedächtniskunst bis ins Kleinste beherrschte, sprach man von Gedächtniskünstlern, heutzutage ist die höchste Auszeichnung der Titel Gedächtnisweltmeister. Der Begriff Künstler trifft genau, was damals wie heute gilt: dass mit Kreativität und Fantasie (Tipp 13) beim Prozess des Lernens auch eine erstaunliche Ästhetik von Gedankenbildern entstehen kann – letztlich einer der entscheidenden Faktoren für herausragende Behaltensleistungen! Was ich damit meine, versteht man, sobald man die Lerntipps selbst ausprobiert.

REINHOLD KLIEGL, PhD

Professor für Psychologie (Universität Potsdam)

Leibniz-Preis-Träger der Deutschen Forschungsgemeinschaft

1

Der Einstieg: Warum das Lernen lernen?

Bild 5

Vielleicht stellst du dir, lieber Leser, genau diese Frage, wenn du mein Buch in Händen hältst! Denn egal, wie alt du bist, musstest du ja bereits seit Jahren oder Jahrzehnten in deinem Leben viele Dinge lernen und hast somit das Lernen immer wieder praktiziert. Wenn du die Tätigkeit des Lernens also schon Hunderte oder Tausende Stunden vollzogen hast (und sicherlich auch recht erfolgreich), warum solltest du dich dann noch mit einem Buch beschäftigen, das das Lernen lehrt?

Du wirst dich vermutlich auch nicht damit beschäftigen, wie man »atmet«, »sieht« oder »geht«, denn auch das tust du (fast) seit deiner Geburt und beherrschst es bestimmt bereits ganz ausgezeichnet. Doch der große Unterschied zwischen den erwähnten Fähigkeiten (Gehen, Sehen, Atmen) und dem Lernen besteht darin, dass wir noch genauso gehen, sehen und atmen wie unser Vorfahre, der wissenschaftlich als Homo erectus bezeichnete Mensch vor 1,8 Millionen Jahren, als er seine »fortschrittlichen« Faustkeile und sonstigen Steinwerkzeuge herstellte.

Im Gegensatz dazu sind die Anforderungen an das heutige Lernen dramatisch gestiegen! Unsere natürliche Fähigkeit zu lernen wurde zum höchsten Kulturgut unserer Gesellschaft erhoben, weshalb wir im flottesten Falle nach 25 000 Stunden Lernzeit aus der Schule entlassen werden. Oder gar erst nach 25 Jahren der Ausbildung als promovierter Akademiker endlich in den Beruf einsteigen dürfen (wobei wir dann bereits fast 40 Prozent unserer durchschnittlichen Lebenszeit »verbraucht« haben). Und dann geht selbstverständlich auch in jedem Beruf das Lernen ohne Unterlass weiter, ob nun durch Fortbildungen, Weiterbildungen, Zusatzqualifikationen, das Lesen von Fachzeitschriften, das Aneignen von neuen Arbeitstechniken oder einfach durch das fachliche »Am-Ball-Bleiben«.

Um diese gewaltige geistige Aufgabe souverän bewältigen zu können, ist es in der Tat erforderlich, das Lernen zu lernen, und zwar unter Nutzung aller bisherigen über das Lernen bekannten wissenschaftlichen Erkenntnisse, unter Anwendung aller effizienten Lernmethoden und Lerntechniken und unter Einsatz aller mentalen Fähigkeiten, die wir Menschen im Laufe der Evolution entwickelt haben.

Genau das ist das Anliegen meines Buches: dir zu helfen, den Entwicklungssprung vom durchschnittlichen Homo sapiens zum hoch entwickelten, an die Anfordernisse unserer Informationswelt optimal angepassten »Homo studiosus« zu schaffen.

Wie du dieses Buch lesen solltest

Zu diesem Zweck stelle ich dir 50 Lerntipps vor, die ich in fünf Bereiche aufgeteilt habe. Du brauchst das Buch aber nicht unbedingt von vorne nach hinten durchzulesen, sondern kannst ruhig mit den Tipps anfangen, die dich am meisten interessieren oder neugierig machen. Jene Tipps, die du im Grunde schon gut kennst, kannst du auch nur überfliegen und so Zeit sparen.

Der Aufbau der Kapitel mit den einzelnen Lerntipps folgt immer dem gleichen Schema: Am Anfang steht eine kurze beschreibende Erklärung des Lerntipps. Danach wird er detailliert erläutert. Im Anschluss daran folgt ein Informationskasten – entweder mit einer den Lerntipp betreffenden wissenschaftlichen Studie (»Aus der Wissenschaft«) oder mit Anwendungsbeispielen aus der Praxis (»Aus der Praxis«). Zusätzlich habe ich noch zahlreiche Anekdoten und Aphorismen eingestreut, um die Lektüre des Buches einprägsamer, kurzweiliger und spannender zu gestalten.

Außerdem habe ich als Anrede das »Du« gewählt; ich hoffe, auch ein älterer Leser stört sich nicht daran. Insbesondere durch meine vielen Vorträge und Seminare habe ich die Erfahrung gemacht, dass ich mein Wissen der Zuhörerschaft in einer lockeren, entspannten und freundschaftlichen Atmosphäre viel leichter vermitteln kann. Und diese für das Lernen optimale Atmosphäre entsteht viel eher durch das offene »Du« als durch das steife »Sie«.

Nicht immer war es möglich, jeden der 50 Lerntipps ganz ausführlich zu behandeln. Falls du nun einen etwas komplexeren Lerntipp sehr interessant findest (z. B. Mind Mapping, Loci-Methode, Master-System, PQ5R-Methode) und noch nicht viel darüber weißt, rate ich dir, zu weiterführender Literatur zu greifen, um noch mehr Einzelheiten und Finessen zu erfahren (am Ende des Buches findest du eine Auflistung entsprechender Literatur). Trotzdem habe ich versucht, jeden Lerntipp so eingehend zu beschreiben, dass du ihn meistens gleich in die Praxis umsetzen kannst.

Wenn du dich in das Buch vertiefst, wird dir auffallen, dass einige für das Lernen wesentliche Aspekte, wie der Schlaf oder unsere Emotionen, mehrmals die Grundlage für einen Lerntipp darstellen. Das Motiv hierfür ist die immense Bedeutung dieser Faktoren für das Lernen, und zwar bedingt durch die verschiedenen Facetten, unter denen ihre Wirksamkeit für das Lernen zu sehen ist. Zudem ist es sicherlich auch nachzuvollziehen, dass die 50 Lerntipps nicht völlig separat voneinander stehen, sondern es teilweise auch Überschneidungen geben kann (z. B. ist ein Hauptaspekt bei der Mind-Mapping-Methode die in einem anderen Lerntipp erwähnte Visualisierung).

Wie du deinen Lernquotienten (LQ-Wert) bestimmen kannst

Wie effektiv lernst du bereits? Um deine Effektivität beim Lernen bestimmen zu können, führe ich in diesem Buch den Begriff Lernquotient (LQ) ein. Dieser Wert gibt an, in welchem Ausmaß du alle hier beschriebenen Lerntipps nutzt. Um deinen persönlichen LQ-Wert am Ende des Buches zu erhalten, musst du nur, nachdem du ein Kapitel über einen Lerntipp gelesen hast, eine Selbstbeurteilung abgeben, und zwar mit einer Punktzahl von 0 (diesen Lerntipp nutze ich gar nicht) bis 10 (diesen Lerntipp nutze ich immer oder sehr intensiv). Hierbei ist zu beachten, dass du dir auch dann eine hohe Punktzahl geben kannst, wenn du dich früher irgendwann einmal intensiv mit dem Lerntipp beschäftigt hast und ihn daher bereits gut kennst, er aber aus irgendwelchen Gründen für dich nicht relevant ist. Auch wenn deine Beurteilung natürlich eine rein subjektive Selbsteinschätzung ist, erhältst du trotzdem eine sehr wertvolle und hilfreiche Aussage über dein Lernverhalten (gleichwohl wäre es förderlich, durch die Diskussion und den Vergleich mit anderen deinen Wert ein wenig zu »objektivieren«).

Es gibt noch einen weiteren triftigen Grund, weshalb du eine Punktbewertung für jeden Lerntipp vornehmen solltest: Indem du über deine bisherige Nutzung des Lerntipps reflektierst, befasst du dich eingehender mit meinen Erläuterungen dazu und speicherst sie dadurch fester und nachhaltiger ab. Man kann auch sagen, dass du durch deine Selbsteinschätzung eine höhere Verarbeitungstiefe bei der Informationsaufnahme erreichst.

Am Ende jedes der fünf Hauptkapitel, die immer zehn Lerntipps umfassen, kannst du dann deine zehn einzelnen Punktbewertungen addieren und so deine Lerneffektivität bezüglich eines Themenbereichs bestimmen. Nach der Lektüre des gesamten Buches addierst du die Punkte von sämtlichen 50 Lerntipps, wodurch du deinen LQ-Wert erhältst.

LQ steht für Lernquotient in Anlehnung an den IQ (Intelligenzquotient). Er ist der Quotient aus deiner Punktzahl und der Maximalpunktzahl von 500 Punkten und gibt dir deine Lerneffektivität hinsichtlich aller im Buch beschriebenen Lerntipps an. Wo wirst du liegen?

Wie du die Verbesserung deiner Lerneffektivität feststellen kannst

Anhand der Lernquotient-Tabelle am Ende des Buches kannst du auch unmittelbar sehen, in welchen Bereichen des Lernens du schwächer als in anderen der insgesamt fünf Lernbereiche bist. Sicherlich ist es ratsam, gerade in solchen schwächeren Bereichen deine Lerngewohnheiten zu überdenken, meine Lerntipps aufzugreifen und sie für eine gewisse Zeit auszuprobieren.

Einige Tipps können dir sehr schnell helfen (z. B. die Marker-Methode oder der Priming-Effekt), da sie leicht umzusetzen sind. Bei anderen dauert es dagegen etwas länger, bis du sie beherrschst oder deine Lerngewohnheiten umstellst (z. B. Master-System, Mind-Mapping oder Loci-Methode).

Wenn du dann nach einer gewissen Zeit des Ausprobierens, Erlernens und Anwendens der Lerntipps neugierig geworden bist, inwieweit sich deine Lerneffektivität gesteigert hat, rate ich dir, nach circa drei bis sechs Monaten die Tipps nochmals anzuschauen und erneut zu beurteilen, wie intensiv du nun die 50 Lerntipps in dein Lernverhalten integriert hast. Ich hoffe sehr, dass dann dein LQ-Wert deutlich höher liegt als bei deiner ersten Beurteilung!

Wie du aktiv auf www.Lerntipps-vom-Weltmeister.de mitwirken kannst

Die 50 hoffentlich für dich sehr hilfreichen Lerntipps aus diesem Buch findest du auch auf meiner Website www.Lerntipps-vom-Weltmeister.de – allerdings nur als Kurzbeschreibung. Die Webseite startet mit jeweils einem Tipp aus jedem der fünf Lernbereiche, wobei die Tipps dann wöchentlich erweitert werden. Aufschlussreich für alle, die am Thema Lernen Interesse haben, ist, dass die User selbst darüber abstimmen können, ob sie einen Lerntipp für sinnvoll halten oder nicht. Oder sie können angeben, ob sie ihn bisher noch nicht genutzt haben (z. B. weil sie ihn vielleicht noch nicht kannten). Somit kannst du dort einsehen, welche Tipps von allen anderen Lerninteressierten als besonders probat erachtet werden und welche nicht, da diese Tipps dann im Ranking (das wöchentlich aktualisiert wird) ganz oben stehen.

Mein Wunsch an DICH: Mach bitte auch DU bei der (kostenlosen) Abstimmung auf www.Lerntipps-vom-Weltmeister.de mit und trage so dazu bei, die »Besten der Besten« zu finden!

Übrigens kannst du mir gerne weitere Tipps, die du neben meinen 50 Lerntipps noch als wichtig einschätzt, zumailen. Unter »Leser-Lerntipps« ergänze ich auf meiner Webseite meine Lerntipps um weitere sinnvolle Tipps, die ebenfalls das Lernen effektiver gestalten können oder zu mehr Freude beim Lernen führen.

Wie du deine Lerneffektivität mit anderen vergleichen kannst

Zudem kannst du auch deinen Anfangs-LQ-Wert (also deinen beim ersten Durchlesen meines Buches erhaltenen Wert) und deinen End-LQ-Wert (nach deiner erneuten Selbstbewertung etwa drei bis sechs Monate später) auf der Webseite www.Lerntipps-vom-Weltmeister.deeintragen. Dadurch ergibt sich ein Mittelwert aller interessierten und aktiven Leser, und du bekommst ein direktes Feedback, wo du bezüglich deiner Lerneffektivität stehst.

Wie du dir deine Lern-Zukunft vorstellen kannst (Lernerfolgs-Storys)

Es ist im Grunde belanglos, wie gescheit du bist, in welche Klasse du gehst, in welchem Semester du studierst oder welche berufliche Laufbahn du eingeschlagen hast – jeder kann sich noch verbessern und sein Gehirn noch optimaler nutzen. Seine mentalen Möglichkeiten besser auszuschöpfen, bedeutet dabei nicht unbedingt, von morgens bis abends ununterbrochen zu büffeln, sich tagein, tagaus im stillen Kämmerlein Wissen reinzuschaufeln oder ein zurückgezogener Bücherwurm oder unbeliebter Streber zu werden (leider hat der Begriff »Streber« bei uns eine negative Bedeutung, obgleich es doch toll ist, nach mehr Können und Wissen zu streben). Denn wie du sehen wirst, gibt es in der Tat Methoden, Techniken, Strategien und wissenschaftliche Erkenntnisse, mit denen man zwar nicht ganz ohne Anstrengung, aber dennoch relativ leicht deutlich effektiver lernen kann.

Als zusätzliche Motivation und damit du erkennst, welche Triumphe eigentlich beim Lernen für die Schule, das Studium, die Ausbildung oder den Beruf möglich sind, habe ich die beeindruckenden Lernerfolgs-Storys einiger Personen aus meinem Leben zusammengestellt. Somit darfst du mir glauben, dass auch für dich erstaunliche Lernleistungen möglich sind, auch wenn du sie jetzt vielleicht noch für völlig unmöglich hältst!

Kim, 8 Jahre: Meine Tochter Kim musste für eine anstehende Klassenarbeit die zehn wichtigsten Sicherheitsaspekte in Bezug auf Strom und Elektrizität lernen. Im Grunde hatte sie diesen Lernstoff auch verstanden. Doch es kam schnell Frustration auf, als sie alle zehn Punkte aus dem Gedächtnis wiedergeben sollte, denn trotz größter Anstrengung fehlten ihr immer wieder vier oder fünf wichtige Punkte. Sie fing schon zu quengeln an und wollte aufgeben. Ich erklärte ihr dann, was es mit den Speicherfaktoren des Gedächtnisses auf sich hat und wie man sie für diese Lernaufgabe einsetzen kann. Nach kurzer Zeit kam dann bei ihr wieder Freude beim Lernen auf. Und am nächsten Morgen zählte sie gleich nach einem strahlenden »Guten Morgen« ganz selbstbewusst alle zehn Lerninformationen so locker auf, als wäre es ein Kinderspiel – was es übrigens nun auch für sie war! Ein paar Tage später brachte sie voller Stolz die zensierte Klassenarbeit nach Hause, sie hatte eine »1« bekommen – wow!

Clemens, 17 Jahre: Als Gymnasiast hat Clemens alle bedeutsamen Kerninformationen des ganzen Schuljahres in Philosophie mittels der Speicherfaktoren Transformation, Assoziation und Lokalisation gelernt. Über 150 solcher Einzelinformationen, wie die Namen aller behandelten Philosophen, deren Grundthesen, die zugrunde liegenden Argumentationsketten und berühmte Aphorismen, speicherte er auf diese Weise sicher ab. Das Resultat: Er schrieb mit einer »1« als Note mit großem Abstand die beste Jahresabschlussklausur!

Boris, 23 Jahre: Als Informatik-Student hat Boris nebenbei noch Betriebswirtschaftslehre studiert. Aus Zeitmangel besorgte er sich für die Hauptprüfungen immer erst am Freitag das Vorlesungsskript bzw. die Lehrbücher und arbeitete sie übers Wochenende durch. Dabei nutzte er sehr ausgiebig die sogenannte Loci-Methode und legte damit die Hauptinformationen des Prüfungsstoffs auf circa 200 bis 300 mentalen Ankerpunkten ab, die er dann in der Prüfung gezielt abschritt und dadurch wiedergeben konnte. Nach seiner Aussage war die Topnote »Sehr gut« für ihn immer sicher; wobei er nie verstehen konnte, warum die meisten anderen Studenten viele Wochen oder gar Monate für ihre Prüfungsvorbereitungen benötigten.

Michaela, 38 Jahre: Meine Frau Michaela (ehemals auch erfolgreiche Gedächtnissportlerin) hatte sich nach vielen Jahren der Mutterrolle für eine Stelle als Internationale Sales-Managerin bei einer Röntgengeräte-Vertriebsfirma im tiermedizinischen Bereich beworben. Tatsächlich hatte sie den Job auch bekommen und sollte sich nun innerhalb von zwei bis drei Monaten hauptsächlich zu Hause in das komplexe Fachgebiet einarbeiten. Beim Lernen griff sie natürlich auf ihre noch vom Gedächtnissport geläufigen Lerntechniken zurück, nutzte zudem u. a. die Memo-Mapping-Methode und beachtete die wichtigsten (in diesem Buch beschriebenen) Grundprinzipien für ein effektives Lernen. Du kannst dir kaum vorstellen, wie verdutzt der Chef war, als sie sich bereits nach etwas mehr als zwei Wochen von ihm testen ließ und sie alles bis ins kleinste Detail wusste. So etwas hatte er in seiner 15-jährigen Firmengeschichte noch nicht erlebt!

Swe Chooi, 58 Jahre: Vor einigen Jahren konnte ich mich bei einer Veranstaltung in Asien selbst von einer unglaublichen Gedächtnisleistung überzeugen. Dort durfte ich die Behauptung eines mir seit Jahren bekannten Mannes von fast 60 Jahren überprüfen, dass er nämlich das ganze 1774 Seiten umfassende »Oxford-Wörterbuch« im Gedächtnis abgespeichert hätte. Dafür drückte er mir das monströse Werk lächelnd in die Hände und bat mich, irgendeine englische Vokabel auszuwählen, er würde dann deren Nummer (all die zigtausend Vokabeln sind durchnummeriert) sowie die englische Definition der Vokabel fast wortwörtlich aufsagen. Und tatsächlich, als ich ihm eine willkürlich herausgesuchte Vokabel nannte, musste er nur zwei bis drei Sekunden überlegen, sagte mir die korrekte Kennzeichnungsnummer (so etwas wie »Das ist das 37 394ste Wort«) und die genaue Definition. Alle weiteren Testfragen beantwortete er ebenfalls hundertprozentig richtig. Verblüffend! Doch auch er benutzte lediglich die in meinem Buch beschriebenen Lern- und Merkstrategien, wie die Schlüsselwortmethode, den Speicherfaktor Visualisation und die Loci-Methode!

Ich hoffe, diese ersten authentischen Anekdoten haben dich angespornt und neugierig gemacht auf das spannende Abenteuer Lernen!

2

Lerntipps aus der wissenschaftlichen Forschung

Tipp1

Serieller Positions-Effekt

Bild 6

Einer der aus der Gedächtnisforschung bekannten klassischen Effekte ist der Serielle Positions-Effekt. Hierunter versteht man, dass bei der Darbietung von mehreren Informationen über einen gewissen Zeitraum hinweg hauptsächlich die am Anfang sowie am Ende dargebotenen Informationen im Gedächtnis behalten werden. Diese allgemeine Erkenntnis hat weitreichende Konsequenzen für ein effizientes Lernen.

Im Grunde kennen die meisten von uns den Seriellen Positions-Effekt bereits von einem Vortrag oder einer Rede. Man erinnert sich dabei in der Regel am deutlichsten an den Anfang und an das Ende. Dies ist auch einer der Gründe, weshalb diese beiden Teile vom Redner im Vorfeld besonders gut ausgearbeitet werden sollten.

Wissenschaftlich wurde dieses Gedächtnisphänomen, dass seriell – also nacheinander – dargebotene Informationen nicht gleich gut behalten werden, sondern je nach Position besser oder schlechter, in den letzten Jahrzehnten immer wieder bestätigt. Übrigens differenziert man noch zwischen dem sogenannten Primacy-Effekt, mit dem die gute Erinnerung an die Anfangselemente einer Auflistung bezeichnet wird, und dem Recency-Effekt, worunter man die gute Behaltensleistung der letzten Items einer Liste an Informationen versteht.

Doch tritt dieser Effekt nicht nur bei zeitlich kurzen Informationsdarbietungen (wie Listen von Wörtern, Vorträgen etc.) auf, sondern auch beim Vorlesungsstoff über ein ganzes Semester. So versagten Studenten in den Prüfungen eher bei Fragen zum Vorlesungsstoff, der aus der Mitte des Semesters stammte, als bei den Fragen zum Stoff des Semesteranfangs oder -endes.

Ich möchte mich weniger mit den wissenschaftlichen Erklärungsansätzen für dieses Gedächtnisphänomen beschäftigen, sondern eher praktische Hinweise und Tipps geben, wie du es für deine Lernoptimierung einsetzen kannst:

Man sollte den mittleren Teil eines umfangreichen Lernstoffs intensiver bearbeiten und häufiger wiederholen.Insbesondere in der Mitte von Lernabschnitten sollte man sich noch einmal energisch aktivieren und motivieren, um das Aufmerksamkeitsniveau in dieser kritischen Phase zu erhöhen.Präsentationen, Vorträge etc. sind so zu gestalten, dass am Anfang und am Ende wichtige Informationen kommen, jedoch im mittleren Teil die interessanten und spannenden Informationen. Oder man reichert diesen mittleren Teil durch fesselnde Anekdoten oder eine unterhaltsame Darbietung an, um die Erinnerungsschwächen auszugleichen.Am Ende einer Lerneinheit sollte eine kurze Zusammenfassung stehen. (Im Unterricht z. B. könnte der Lehrer immer einen Schüler die Schulstunde kurz und kompakt zusammenfassen lassen, wobei die anderen Schüler kritisch zuhören und notfalls ergänzen.)Die Lerneinheiten sind sowohl zeitlich als auch von der Stoffmenge her möglichst klein zu halten, sodass für jede Lerneinheit immer wieder der (positive!) Primacy- sowie Recency-Effekt zur Wirkung kommen kann. Eine solche Lerneinheit sollte bei intensivem Arbeiten 30 bis 45 Minuten nicht überschreiten. Bei eher lockeren, thematisch sehr interessanten Lernstoffen kann sich eine Lerneinheit auf maximal 90 Minuten erstrecken.

Die nachfolgende Grafik eines realen Experimentes zur Erinnerungsleistung bei zu lernenden Wortlisten zeigt zum einen recht deutlich den Seriellen Positions-Effekt. Andererseits wird auch ersichtlich, wie die in späteren Kapiteln beschriebenen Mnemotechniken die Vergessensrate im mittleren Hauptlernabschnitt stark eindämmen können (siehe auch Kasten »Aus der Wissenschaft«).

Bild 56

Den Versuchspersonen wurden insgesamt 20 Wörter für jeweils sieben Sekunden pro Wort gezeigt. Die Kurven geben die Wiedergabewahrscheinlichkeit für die einzelnen Wortpositionen in Abhängigkeit von der eingesetzten Lerntechnik an (Roediger, 1980). Es kam in diesem Versuchsteil bei der (sofortigen) Wiedergabe der Wörter nicht auf die genaue Positionsangabe an.

Weltrekord: Der Serielle Positions-Effekt im beschriebenen Experiment wäre schon bei einem mittelmäßigen Gedächtnissportler überhaupt nicht sichtbar, denn er/sie könnte immer alle 20 Wörter problemlos wiedergeben. Wenn man die später beschriebenen Gedächtnistechniken wirklich beherrscht, könnte man deutlich schneller und viel mehr Wörter memorieren (und nahezu fehlerfrei!). Der aktuelle Weltrekord liegt bei 300 korrekt an der richtigen Position memorierten Wörtern in 15 Minuten, also ein Wort alle drei Sekunden!

Erinnere dich also immer wieder an diesen wichtigen Behaltenseffekt für Anfang und Ende bei jedem Lernvorgang und nutze ihn!

AUS DER WISSENSCHAFT

In einer amerikanischen Studie (Roediger, 1980) hatten Versuchspersonen die Aufgabe bekommen, möglichst viele von 20 Wörtern zu behalten, die jeweils sieben Sekunden lang gezeigt wurden. Gleich danach mussten die behaltenen Wörter aus dem Gedächtnis aufgeschrieben werden. In der Grafik links sieht man deutlich den Seriellen Positions-Effekt bei allen eingesetzten Merkmethoden (d. h. mit höherer Wahrscheinlichkeit wurden Anfangs- und Endwörter behalten). Außerdem ist ersichtlich, dass der Einbruch der Merkleistung im mittleren Lernteil ganz gravierend ausfällt, wenn »normal«, also ohne Techniken gelernt wird. Nutzt man jedoch spezielle Mnemotechniken (wie die im Kapitel 3 beschriebenen), werden auch in mittlerer Position befindliche Wörter mit recht hoher Wahrscheinlichkeit im Gedächtnis behalten.

Übrigens: Wertet man nur die behaltenen Wörter, die exakt an die richtige Position von 1 bis 20 gesetzt wurden, zeigt sich ein noch drastischerer Unterschied. Ohne Lerntechnik ist im mittleren Bereich kaum ein Wort korrekt. Mit der effektivsten Loci-Gedächtnistechnik verbessert sich die Erinnerungsleistung um fast 150 Prozent (sofortige Wiedergabe) bzw. sogar um 350 Prozent (Wiedergabe nach 24 Stunden)!

Diesen Lerntipp nutze ich:

1. Auflage

© 2012 Wilhelm Goldmann Verlag, München, in der Verlagsgruppe Random House GmbH Umschlaggestaltung: Eisele Grafik-Design

Redaktion: Annette Baldszuhn Layout und Satz: Barbara Rabus Reproarbeiten: Lorenz & Zeller, Inning a. A.

CH · Herstellung IH

eISBN 978-3-641-08181-2

www.mosaik-verlag.de

www.randomhouse.de

Leseprobe

1

http://opus.kobv.de/ubp/volltexte/2009/4024/