Verlag: Coppenrath Kategorie: Für Kinder und Jugendliche Sprache: Deutsch Ausgabejahr: 2011

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E-Book-Beschreibung Solange du schläfst - Antje Szillat

So idyllisch das kleine Dorf Malhausen ist, die sechzehnjährige Anna fühlt sich dort alles andere als wohl. Doch dann trifft sie auf Jérome, der ebenso wie sie ein Aussenseiter im Dorf ist, und plötzlich ist nichts mehr, wie es war. Trotz zahlreicher Widerstände entwickelt sich zwischen den beiden eine zarte, bedingungslose Liebe. Eines Abends jedoch, nach einem Dorffest, verschwindet Jérome spurlos und wird am nächsten Tag mehr tot als lebendig auf einem nahe gelegenen Feld gefunden. Schnell verbreitet sich im Dorf das Gerücht, dass Jérome mit Drogen gedealt haben soll. Anna ist verzweifelt und will die Anschuldigungen gegen Jérome einfach nicht glauben. Doch dann hört sie mit einem Mal eine vertraute Stimme in ihrem Kopf und sieht Bilder, die nicht ihrer Erinnerung entstammen ...

Meinungen über das E-Book Solange du schläfst - Antje Szillat

E-Book-Leseprobe Solange du schläfst - Antje Szillat

ISBN 978-3-649-60994-0 (eBook)

eBook © 2011 Coppenrath Verlag GmbH & Co. KG, Münster

Alle Rechte vorbehalten, auch auszugsweise

ISBN 978-3-649-60291-0 (Buch)

© 2011 Coppenrath Verlag GmbH & Co. KG

Alle Rechte vorbehalten, auch auszugsweise

Umschlagbild: Felicitas Horstschäfer

Lektorat: Jutta Knollmann

Satz: Sabine Conrad, Rosbach

www.coppenrath.de

Prolog

Er lag auf dem Feldweg, völlig unbeweglich, ein Bein eigenartig vom Körper weggedreht, das Gesicht blutüberströmt. Der Regen hatte seine Kleidung durchnässt und den Boden in eine schlammige Masse verwandelt.

Er atmete flach. Seine Augenlider zuckten, aber er verspürte keine Schmerzen. Noch nicht einmal die beißende Kälte drang zu ihm vor.

Viele Stunden lag er nun schon hier. Starr und unfähig, sich zu bewegen. Am Leben, doch nur noch ein paar Herzschläge vom Tod entfernt.

Ihr Gesicht tauchte vor ihm auf. Sie lächelte. So zärtlich, dass ihm Tränen in die Augen stiegen.

Wie wunderschön sie ist. Und so stark und mutig. Ich liebe sie. Ich liebe sie mehr als mein Leben, dachte er.

Er versuchte, ihren Namen zu rufen. Immer wieder und wieder. Doch es kam kein Laut über seine Lippen.

1.

Da musst du jetzt durch, dachte ich, als ich quer durch die Aula lief und dabei von zahlreichen neugierigen Augenpaaren verfolgt wurde.

Den ganzen Vormittag über ging das schon so. Sie starrten mich an, tuschelten hinter meinem Rücken, kicherten albern oder zeigten mit dem Finger auf mich.

Guck mal da, die Neue …

Natürlich war mir klar gewesen, dass der erste Tag an der neuen Schule nicht gerade leicht werden würde, aber dass ich so unter Beobachtung stehen sollte, darauf war ich nicht vorbereitet. Und dann noch dieser nervige Christoph, der sich in der ersten Stunde prompt neben mich gesetzt und mich ohne Unterbrechung mit seinen schwachsinnigen Geschichten zugetextet hatte.

Als ich mich in der Pause auf den Weg zur Bibliothek machte, atmete ich auf. Der Flur dorthin war menschenleer. Anscheinend würde ich wenigstens dort meine Ruhe haben. Es kribbelte leicht in meinem Bauch, als ich die Hand auf die Türklinke legte.

Ich stutzte und rüttelte heftig an der Klinke. Die Tür war verschlossen.

Vor Enttäuschung zog sich mein Magen zusammen. Warum konnte ich dem ganzen Theater nicht wenigstens für ein paar Minuten entfliehen?

Seufzend suchte ich die Tür nach den Öffnungszeiten ab. Schließlich entdeckte ich sie auf einem kleinen weißen Zettel, inmitten von Plakaten über anstehende Sportturniere, Infos zu AGs und Theateraufführungen.

Wenn die Zeiten stimmten, musste die Bibliothek jetzt eigentlich geöffnet sein.

»Und warum ist die Tür dann bitte schön verschlossen?!«, regte ich mich auf.

Erneut griff ich nach der Klinke, um nach längerem wütendem Rütteln letztendlich doch einzusehen, dass die Tür sich nicht öffnen ließ.

»Scheiße!«

Am liebsten hätte ich gegen die Scheibe getreten. Meinen ganzen Frust an der doofen Tür abgelassen. Und vielleicht hätte ich genau das im nächsten Moment getan, wenn ich nicht plötzlich das Gefühl gehabt hätte, dass mich jemand beobachtete.

Ich fuhr herum und blickte direkt in die braunen Augen eines großen dunkelhaarigen Jungen, der kaum älter zu sein schien als ich.

»Geschlossen?«, fragte er.

Ich nickte und machte einen Schritt zur Seite.

»Typisch. Die Kauert ist mal wieder krank. Das geht jetzt schon ’ne halbe Ewigkeit so. Aber bis die sich mal um ’ne Vertretung kümmern … Da lassen sie die Bibliothek lieber wochenlang zu.«

»Aha«, murmelte ich und musterte den Jungen dabei verstohlen. Seine etwas dunklere Hautfarbe und das halblange, leicht gelockte Haar gefielen mir.

»Ich heiße übrigens Jérôme«, sagte er und sah mich an.

Irgendetwas lag in seinem Blick, eine Offenheit und Intensität, die mich völlig unvorbereitet traf.

»Ähm, hi … i-ich bin Anna«, stammelte ich.

Jérôme hob die Hand, als ob er mir zuwinken wollte. »Hi, Anna!« Er grinste. Ein Grübchengrinsen. »Bist du neu an der Schule?«

Ich nickte. »Seit heute.«

»Verstehe«, erklärte er mitfühlend.

Wir schwiegen eine Weile. Er schien darauf zu warten, dass ich noch etwas sagte, aber mir fiel beim besten Willen nicht ein, was ich Kluges oder Witziges von mir geben könnte. Alles, was ich zustande brachte, war ein peinliches Fiepen. »Alle starren mich an. Das nervt.«

Zu allem Überfluss spürte ich, wie mir langsam die Röte den Hals hinauf ins Gesicht stieg, und ich wollte nur noch weg.

Jérôme schien mir meine Verlegenheit nicht anzumerken oder er ignorierte sie einfach. »An welcher Schule warst du vorher?«, fragte er.

Ich holte tief Luft und zwang mich zu einer betont lässigen Körperhaltung. »Auf dem Kippenberg-Gymnasium in Bremen.« Und weil sich das in meinen Ohren wirklich einigermaßen normal angehört hatte, fügte ich schnell hinzu: »Jetzt sind wir aber aufs Land gezogen und deshalb musste ich die Schule wechseln.«

Jérôme grinste. »Echt? Ich bin auch ’ne Weile in Bremen zur Schule gegangen.«

»Ach so.«

Ach so? Geht’s noch? Was für einen Schwachsinn laberst du da eigentlich?

Erneut entstand eine Pause zwischen uns. Ich gab vor, interessiert die Bilder an den Wänden zu betrachten, während Jérôme mit der Spitze seines linken Schuhs einen imaginären Stein hin und her rollte.

Schließlich räusperte er sich, nickte mir kurz zu und sagte: »Dann mach’s mal gut. Vielleicht sieht man sich ja bei Gelegenheit.«

»Ja, vielleicht«, bemühte ich mich, ebenso unverbindlich zu antworten.

Geschafft! In letzter Sekunde erreichte ich den Schulbus. Ich hatte meinen ersten Tag an der neuen Schule hinter mich gebracht. Keuchend kramte ich meine Monatsfahrkarte aus dem Rucksack und zeigte sie dem Busfahrer. Der warf einen kurzen Blick darauf und nickte. Dann schaute er wieder nach vorn, startete den Motor und fuhr los.

Schwankend bahnte ich mir einen Weg durch den schmalen Gang und ließ mich auf den erstbesten freien Platz sinken.

»Puh, das war knapp«, sagte ich zu mir selbst.

»Hi, Anna«, hörte ich plötzlich jemanden neben mir sagen.

Ich wandte erstaunt den Kopf und blickte zum zweiten Mal an diesem Tag in Jérômes grinsendes Gesicht.

»Oh, hi!«, sagte ich und bekam wie auf Kommando feuchte Hände.

Bitte nicht, Anna. Mach dich nicht schon wieder total lächerlich!, beschwor ich mich.

»Wohin musst du?«, fragte Jérôme.

»Mahlhausen.«

»Ach nee«, sagte er und lächelte verschmitzt.

»Was ist?« Irritiert strich ich mir eine lange dunkle Strähne aus dem Gesicht.

»Da wohne ich zurzeit auch«, erklärte Jérôme.

»Wo denn genau?«, fragte ich überrascht. »Ich hab dich bisher noch nie dort gesehen.«

Was einem Wunder nahekommt bei 532 Einwohnern, fügte ich in Gedanken hinzu.

»Richtung Tönisberg. Das letzte Haus vorm Waldrand. Ist so ’n kleiner Hof.«

»Ach, da bin ich mal dran vorbeigeritten. Hab mich schon gefragt, wer dort wohl lebt.«

Schlagartig verdunkelte sich Jérômes Gesicht. So als ob jemand die Vorhänge zugezogen hätte. »Na, jetzt weißt du’s ja«, sagte er knapp.

Was war denn mit dem auf einmal los? Hatte ich was Falsches gesagt?

Na, dann eben nicht, dachte ich und kramte mein Geschichtsbuch hervor. Ich schlug es auf und versuchte, mich auf den Text über das Zeitalter des Imperialismus zu konzentrieren.

»Hausaufgaben?«, hörte ich Jérôme nach einer Weile vorsichtig fragen.

»Sieht ganz so aus«, brummte ich.

»Wenn du Hilfe brauchst … Ich hab in der Zehnten ein Referat darüber gehalten. Das ist noch irgendwo auf meinem Rechner.«

»Schön für dich.« Ich schaute nicht auf. »Aber ich denke, ich schaff’s auch allein.«

Für den Rest der Fahrt herrschte Funkstille zwischen uns. Erst als der Bus in Mahlhausen anhielt, ich hektisch mein Buch in die Tasche warf und vom Sitz aufsprang, unternahm Jérôme einen erneuten Versuch. »Du kannst es dir ja noch mal überlegen.«

Langsam drehte ich mich zu ihm um. »Was?«

»Die Sache mit dem Referat. Mein Angebot steht.«

Einen Moment schaute ich ihn an, bevor ich gleichgültig mit den Schultern zuckte. »Danke«, sagte ich und wandte mich ab.

So schnell wie möglich verließ ich den Bus und drehte mich kein einziges Mal zu Jérôme um.

Als ich das Auto meiner Mutter auf dem Hof entdeckte, atmete ich erleichtert auf. In ein leeres Haus zu kommen, war so ziemlich das Letzte, was ich nach dem Vormittag gebrauchen konnte.

Ich drückte auf den Klingelknopf. Von drinnen erklangen Schritte, dann wurde die Tür geöffnet und das Gesicht meiner Mutter tauchte im Türrahmen auf.

»Hi, mein Schatz. Hast du deinen Schlüssel vergessen?«

»Nö, ich hatte keine Lust, in meiner Tasche zu wühlen«, gab ich zu.

Claudia hob die Augenbrauen und musterte mich skeptisch. »Nicht so gut gelaufen, dein erster Tag, was?«

Ich nickte und kaute auf der Unterlippe herum.

»Das wird schon, Anna. Der erste Tag ist immer irgendwie doof.« Claudias Stimme klang sanft. Sie nahm mich in die Arme und strich mir zärtlich über den Kopf.

So blieben wir eine Weile stehen. Schließlich löste ich mich aus der Umarmung, räusperte mich leise und sagte mit betont heiterer Stimme: »Du hast sicher recht. Und wie war dein Vormittag?«

Meine Mutter seufzte tief. »Kommt ganz darauf an, wie man es betrachtet. Eigentlich wollte ich mindestens ein Kapitel schaffen. Aber dann bin ich in den Stall gegangen und habe Rashun und Maschagar auf die Weide gelassen. Darüber habe ich irgendwie die Zeit vergessen … zum Schreiben bin ich dann gar nicht mehr gekommen.«

Ich konnte mir ein Grinsen nicht verkneifen. »Das wird schon, Claudia.«

Sie knuffte mich in den Oberarm. »Du sollst dich nicht dauernd über deine inkonsequente Mutter lustig machen!«

»Das würde ich doch niemals tun«, erklärte ich noch immer grinsend, »aber es ist schon Wahnsinn, was für ein Aufwand betrieben wurde, damit du endlich ungestört schreiben kannst. Und dann sitzt du bei den Pferden herum und träumst.«

Schlagartig wurde Claudia ernst. »Du bereust den Umzug schon, stimmt’s?«

Ich wusste nicht, was ich darauf antworten sollte. Im Moment kam es mir wirklich wie ein Riesenfehler vor, dass ich den Plänen meiner Eltern zugestimmt hatte.

»Wenn wir in Bremen mehr oder weniger unsere Zelte abbrechen, dann nur, wenn jeder von uns hundertprozentig dahintersteht«, hatte mein Vater erklärt, und ich war mir sicher, dass er es genauso gemeint hatte. Damals hatte ich eingewilligt. Aber da hatte ich mir das Leben auf dem Land auch noch ganz anders vorgestellt. Bevor meine Eltern den Kaufvertrag für den kleinen Resthof unterschrieben hatten, war mir das Ganze hier viel freundlicher und verlockender vorgekommen. Endlich die Pferde am Haus. Nicht mehr jeden Tag mit der Straßenbahn in den fünf Kilometer entfernten Reitstall fahren. Ausreitgelände so weit das Auge reichte … Hier ging es Rashun und Maschagar richtig gut. Besonders Rashun hatte sich in den letzten vier Wochen verändert. Mein sonst so hypernervöser Vollblutaraber war richtig gelassen geworden. Und das lag eindeutig am Ortswechsel. Davon war ich fest überzeugt.

Aber die Dorfbewohner gingen mir schon jetzt gehörig auf den Geist. Neulich hatten drei Nachbarinnen unangekündigt vor unserer Tür gestanden, um sich Claudias Aussteuerwäsche anzugucken. Stühlerücken hatten sie das genannt. Verrückt! Und dann dieses ständige Geglotze. Als ob wir gemeingefährliche Terroristen wären, die ihr Dorf in die Luft sprengen wollten.

Unwillkürlich musste ich an den dicken rothaarigen Besitzer des kleinen Supermarkts denken – ein unangenehmer Typ, der einen mit seinen Blicken geradezu durchlöcherte – und schüttelte mich angewidert.

Aber wollte ich deswegen wirklich wieder zurück nach Bremen? In unsere Stadtwohnung? In mein altes Leben, das zwar völlig okay gewesen war, aber auch nicht gerade besonders aufregend?

In diesem Augenblick fiel mir Jérôme wieder ein. Ich wunderte mich noch immer, warum er auf einmal so abweisend zu mir gewesen war. Aber da war noch mehr, das ich mir einfach nicht erklären konnte. Als ich ihm das erste Mal in die Augen geblickt hatte, war plötzlich so eine beruhigende Wärme in mir aufgestiegen. Irgendwie hatte mich dieser Blick berührt. Und gleichzeitig hatte ich das Gefühl gehabt, den Boden unter den Füßen zu verlieren …

Jérôme passte absolut nicht in dieses schreckliche Kaff mit seinen rechtschaffenen Einwohnern, die jeden Samstag die Straße vor ihrem Haus kehrten und die Fenster putzten. Er schien hier genauso wenig hinzugehören wie ich, Lichtjahre vom eigentlichen Leben entfernt, in einer Welt, in der die Uhren noch ganz anders tickten.

Warum war er bloß hier? Warum war ich hier? Weshalb hatte ich gedacht, es wäre eine gute Idee hierher zu ziehen?

Klar, für meine Eltern war dieses ruhige, beschauliche Dorf sicher ein Segen. Ich konnte gar nicht sagen, wie lange meine Mutter schon davon träumte, aufs Land zu ziehen, um in Ruhe schreiben zu können. Und mein Vater, ein echter Workaholic, war seit dem Umzug auch viel entspannter, obwohl er nun jeden Tag beinah eineinhalb Stunden nach Bremen in seine Kanzlei fahren musste.

»Wenn das so weitergeht, dann machst du’s nicht mehr lange«, hatte meine Mutter immer zu ihm gesagt. »Du musst unbedingt einen Ausgleich zum Job haben. Vielleicht können wir einen Ort finden, an dem du einen Gang runterschalten kannst.«

Na ja, das war Mahlhausen ganz bestimmt. Hier ging wirklich alles viel, viel langsamer. Und vielleicht hatte Claudia ja recht, möglicherweise war es genau das, was für uns im Moment am besten war.

Auch wenn dieser erste Schultag ätzend gewesen war. Morgen sah die Welt sicher ganz anders aus. Ich brauchte nur etwas Zeit. Nach und nach würde ich mich hier schon einleben. Bestimmt.

Und außerdem kannte ich ja ein hundertprozentiges Mittel gegen jede Art von Frust …

Eine halbe Stunde später hatten meine Mutter und ich unsere Pferde gesattelt und wir ritten Richtung Tönisberg in den Wald hinein.

Ich hatte den Weg vorgeschlagen. Vielleicht aus Neugierde, jetzt da ich wusste, wer auf diesem abgelegenen Hof lebte.

»Das ist ja einsam«, riss Claudia mich aus meinen Gedanken. »Wer hier wohl wohnt.«

Ich räusperte mich, weil ich plötzlich befürchtete, meine Stimme könnte versagen. »Ich habe denjenigen heute in der Schule kennengelernt.«

»Echt?« Claudia schaute mich mit großen Augen an. »Ein Lehrer?«

Ich schüttelte den Kopf und bemühte mich um einen möglichst gleichgültigen Gesichtsausdruck. »Nein, ein Schüler. Er heißt Jérôme.«

»Jérôme …«, wiederholte meine Mutter nachdenklich. »Hört sich französisch an.«

Ich zuckte mit den Schultern. »Keine Ahnung. Er spricht auf jeden Fall ohne Akzent. Nur seine Hautfarbe ist ein bisschen dunkler.«

Das Interesse meiner Mutter war geweckt. Schriftstellerkrankheit nannte mein Vater das. Claudia witterte einfach immer und überall eine Story.

»Ein farbiger Junge, der mutterseelenallein auf einem abgelegenen Hof lebt. Wie spannend.« Ihre Augen funkelten vor Aufregung.

Ich stöhnte genervt. »Was du dir schon wieder zusammenreimst. Außerdem ist er nicht richtig dunkelhäutig. Und dass er hier mutterseelenallein lebt, habe ich überhaupt nicht gesagt.«

»Coloured.«

»Was?«

»In Afrika bezeichnet man Mischlinge als Coloureds.«

»Mischlinge. Wie sich das anhört!«, blaffte ich sie an.

»Ich habe doch nur gesagt, dass man in Afrika …«, begann Claudia, sich zu verteidigen.

Doch ich verspürte nicht die geringste Lust, mir noch mehr von diesem Quatsch anzuhören. Ich trieb Rashun mit einem sanften Druck in die Flanken an. Augenblicklich verfiel er in einen kräftigen Galopp.

»Hey, warte!«, rief Claudia mir noch hinterher, aber ich tat so, als hörte ich es nicht.

2.

Jérôme hatte noch nie ein Mädchen getroffen, das ihn so umgehauen hatte wie Anna. Zunächst waren ihm vor allem ihre langen dunklen Haare und die bernsteinfarbenen Augen aufgefallen. Wie Schneewittchen, hatte er gedacht und sich in dem Moment noch nicht mal über diesen lächerlich-romantischen Vergleich gewundert. Ihre Stimme hatte so warm und weich geklungen wie Musik. Und dann dieses Lächeln. Es ging ihm direkt ins Herz, hatte etwas Magisches.

Natürlich war ihm ihre Verlegenheit aufgefallen und es hatte ihn sogar ein kleines bisschen amüsiert. Doch viel mehr hatte er sich darüber gefreut, weil er es als Zeichen deutete, dass es ihr ähnlich erging wie ihm.

Liebe auf den ersten Blick …

Mann, Jérôme, jetzt komm mal wieder runter!

Aber wie sie mich angeschaut hat … das war wie ein plötzlicher Schlag in die Magengrube, so mitten rein. Als würde ich von einer Sekunde auf die andere ins Weltall katapultiert und könnte auf einmal nach den Sternen greifen …

Oh shit, jetzt wurde es wirklich mit der Gefühlsduselei.

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