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Die junge Studentin Emma Carter wird Nacht um Nacht von einem Albtraum heimgesucht, der sie in die Finsternis wirft, ihr die Luft zum Atmen raubt, sie in Todesangst versetzt. Und er erscheint erschreckend real. Doch schon bald wird Emmas Albtraum nicht mehr das Einzige sein, was ihren Verstand auf die Probe stellt...
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Seitenzahl: 91
Veröffentlichungsjahr: 2017
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Die junge Studentin Emma Carter wird Nacht um Nacht von einem Albtraum heimgesucht, der sie in die Finsternis wirft, ihr die Luft zum Atmen raubt, sie in Todesangst versetzt. Und er erscheint erschreckend real. Doch schon bald wird Emmas Albtraum nicht mehr das Einzige sein, was ihren Verstand auf die Probe stellt...
Jason M. Hell studierte deutsche Literatur- und Sprachwissenschaft sowie Alte Geschichte in Rostock. Schon während des Studiums übte er erste redaktionelle Tätigkeiten aus, schrieb sowohl Texte für Webseiten als auch Artikel für eine Lokalzeitschrift und fungierte als Korrekturleser. Nach seinem Studium begann er mit der Veröffentlichung von Kurzromanen und machte somit sein Hobby zum Beruf. Zurzeit lebt und arbeitet er in Rostock.
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Emma erwachte allmählich und öffnete vorsichtig die Augen, nachdem sie sich diese zuvor gerieben hatte. Doch dann erschauderte sie: Um sie herum war es noch immer dunkel. Emma konnte nicht das kleinste Licht erkennen. Erschrocken schloss sie die Augen und öffnete sie sogleich wieder, doch es blieb dunkel.
Emma nahm die Hände vor ihr Gesicht und versuchte, irgendetwas vor sich in der Finsternis zu ertasten. Und tatsächlich, nur ein oder auch zwei Handlängen vor ihren Augen, stieß sie auf hartes, kaltes Gestein.
Sie geriet in Panik, fing zu schreien an und wollte sich hektisch aufrichten, doch sie stieß sofort mit dem Kopf gegen das Gestein über sich und fiel unsanft zurück. An ihrer rechten Schläfe spürte sie einen starken Schmerz und wie eine warme, leicht klebrige Flüssigkeit aus der dortigen Wunde floss. Emma stöhnte und krümmte sich vor Schmerz, während ihr Blut ins Auge lief und es ihr schwerfiel zu atmen.
Dann hielt sie sich mit der rechten Hand ihre blutende Verletzung am Kopf und versuchte sich herumzudrehen. Dabei löste sich etwas Erde über ihr und rieselte ihr direkt ins Gesicht. Nicht sofort realisierend, was ihr dort gerade entgegenfiel, erschrak Emma und schrie kurz angewidert auf.
Für einen kurzen Moment hielt sie inne, holte tief Luft durch den Mund und drehte sich weiter herum, bis sie letztendlich auf der rechten Seite ihres Körpers lag. Während sie mit ihrer rechten Hand weiter ihre Wunde hielt, versuchte sie mit der linken abermals, etwas vor sich in der Dunkelheit zu ertasten. Doch auch dieses Mal stieß sie schon unmittelbar vor ihrem Gesicht auf harte Erdmassen.
Emma wurde erneut panisch. Sie schlug und trat gegen die Wand vor sich, doch es rührte sich nichts. Als ihre Kräfte schwanden, schrie sie um Hilfe. Aber ihre Schreie verstummten bald wieder und Tränen folgten ihnen. Dabei weinte Emma so sehr, dass ihr letztlich die Luft fehlte, um überhaupt nochmals schreien zu können. Verzweifelt fragte sie sich, was ihr überhaupt passiert sei und warum gerade sie so etwas erleben musste.
Plötzlich spürte sie, wie es um ihre Beine herum nass wurde. Weinend und nach Luft ringend presste sie vor Scham ihre Hände in den Schritt.
»Oh Gott«, wimmerte sie leise, »warum tust du mir das an?«
Dann wurde sie endlich ohnmächtig.
Ruckartig schlug Emma die Augen auf und schreckte in ihrem Bett hoch.
»Es war nur ein Albtraum«, sagte sie zu sich selbst, während sie sich schwer atmend im Zimmer umsah. Es war dunkel und kalt, aber sie befand sich definitiv nicht in irgendeinem Erdloch. Kaum als sie das erkannt hatte, suchte sie mit ihren Händen das Bett und ihre Beine nach Feuchtigkeit ab, doch sie konnte keine entdecken.
Gott sei Dank!, dachte sie und ließ erleichtert den Kopf zurück auf das Kissen fallen. Schlafen konnte und wollte sie jedoch nicht mehr. Zu sehr musste sie an diesen merkwürdigen Traum denken, zu sehr wühlte er ihre Gedanken auf, denn er erschien ihr so schrecklich real. Er war noch nie so real, dachte Emma, als sie sich daran erinnerte, dass sie jenen Traum nicht zum ersten Mal durchleben musste.
Sie strich sich mit der Hand durch ihren Pony und versuchte sich zu beruhigen. Und langsam schien ihr Puls tatsächlich wieder etwas langsamer und ihre Gedanken klarer zu werden. Aber nichtsdestotrotz bereitete Emma das wiederholte Auftreten desselben Traumes Sorgen. Die Tatsache, dass der Albtraum dieses Mal erschreckend real wirkte, verstörte sie und verschaffte ihr eine Gänsehaut.
Emma schaltete ihre Nachttischlampe ein und stand aus dem Bett auf. Der eisige Raum ließ sie frösteln, weshalb sie sogleich das Fenster schloss. Danach setzte sie sich zurück aufs Bett, wickelte sich in ihre Decke und ließ den Blick in ihrem Zimmer kreisen. Dabei fiel ihr das Notizbuch auf, welches zwischen der kleinen Lampe und dem Wecker auf dem Nachttisch lag. Sie nahm es in die Hand und blätterte darin, ohne zu wissen, wonach sie eigentlich suchte.
Stimmt ja, meine Zwischenprüfung, dachte sie frustriert, nachdem sie ein paar Zeilen gelesen hatte. Zwischen ihren stichpunktartigen Aufzeichnungen fielen ihr außerdem die notierten Daten einiger Bücher auf, welche sie sich noch aus der Universitätsbibliothek ausleihen wollte, da sie diese für ihre Prüfungsvorbereitungen brauchte.
Emma ließ die Hände mitsamt dem Büchlein in den Schoß fallen, schloss die Augen und holte tief Luft. Dann sah sie auf den Wecker.
In nicht mal mehr einer halben Stunde macht die Uni-Bibliothek auf, überlegte sie und bemerkte, wie ungern sie eigentlich aus dem Bett steigen wollte. Aber schon im nächsten Moment musste sie wieder an ihren Albtraum denken.
»Ach, scheiß’ drauf!«, sagte Emma zu sich und stieg aus dem Bett. »Lieber lern’ ich, als dass ich weiter an diesen blöden Traum denken muss! Ist sowieso viel wichtiger.«
Emma zog ihr Schlaf-Shirt aus und ließ es neben sich auf den Boden fallen. Dann wechselte sie ihr Unterhöschen und sammelte diverse Kleidungsstücke zusammen, die im ganzen Zimmer verteilt zu sein schienen. Zuerst suchte sie dabei nach bestimmten Teilen, aber schon nach kurzer Zeit dachte sie, dass sie so früh am Morgen sowieso kaum einer Menschenseele begegnen würde, erst recht nicht in der Uni-Bibliothek. Und später, wenn sich ihre Gedanken dann auch nicht mehr so sehr um irgendwelche gruseligen Albträume drehen würden, könnte sie sich immer noch wieder eleganter kleiden.
Im Badezimmer angekommen, sah Emma in den Spiegel und nahm sich aus alter Gewohnheit die Lidschattenpalette samt Pinsel aus dem Schrank. Gerade als sie den Lidschatten auftragen wollte, fiel ihr jedoch ein, dass sie ihr äußeres Erscheinungsbild ja eigentlich gerade in der Prioritätenliste nach unten verschoben hatte. Daher verstaute sie ihre Utensilien wieder im Badschrank, kam allerdings nicht an der Bürste vorbei, welche sie geschwind durch ihr langes, schwarzes Haar gleiten ließ, um sich zumindest ein wenig zurechtgemacht zu wissen.
Zurück in ihrem Zimmer, setzte Emma ihre Brille auf, griff sich die nächstbeste Jacke und ihre Umhängetasche sowie das Notizbuch und lief die Treppe nach unten. Dort schlüpfte sie in ihre Stiefeletten und verließ das Haus in Richtung der Universitätsbibliothek.
Als Emma dort angekommen war, verstaute sie ihre Tasche in einem der Schließfächer und begab sich anschließend auf die Suche nach der benötigten Literatur. Alsbald stellte sie fest, dass es in der Tat unnötig gewesen wäre, sich in der üblichen Art und Weise aufzuhübschen, da bis auf das Personal und einige wenige Kommilitonen tatsächlich kaum jemand in der Bibliothek anzutreffen war.
Auf dem Weg zu den Bücherregalen schritt Emma den hell erleuchteten Gang entlang. Dabei hatte sie ihren Blick gedankenversunken auf ihr Notizbuch gerichtet, mit dessen Hilfe sie sich noch einmal die gesuchte Literatur ins Gedächtnis holte. Ein heftiger Stoß gegen ihren Körper riss sie jedoch aus ihren Gedanken und sorgte darüber hinaus auch noch dafür, dass sie das Notizbuch fallen ließ.
»Ohje, Entschuldigung. Das wollte ich nicht!«, hörte Emma eine fremde Stimme schon im nächsten Moment sagen. Eine Kommilitonin hatte offenbar, genau wie Emma, sowohl ihre Gedanken als auch ihre Augen nicht auf den Weg vor sich gerichtet und war schließlich mit ihr zusammengestoßen. Im Gegensatz zu Emma hatte sie jedoch nicht nur ein einzelnes Buch, sondern gleich einen ganzen Schwung dicker Wälzer fallen lassen.
»Ja, kein Problem, ich war auch nur in Gedanken woanders«, antwortete Emma noch immer ein wenig überrascht und ging in die Hocke, um nach ihrem Notizbuch zu greifen und der Studentin, die nun vor ihr kniete, beim Aufheben ihrer Literatur zu helfen. Dabei stach Emma ein Exemplar besonders ins Auge, eines, auf welchem in großen Lettern „Die Traumdeutung“ stand.
»Hast du schon mal was von Freud gelesen?«, fragte die junge Frau, als sie sah, dass Emma jenes Buch in die Hand nahm und genauer beäugte.
»Nur Auszüge. Und das ist auch schon ziemlich lange her«, antwortete Emma und gab ihr das Buch zurück. Dabei sah sie ihrer Kommilitonin das erste Mal bewusst ins Gesicht: Sie war durchaus attraktiv, hatte blaue Augen und rote Haare, und irgendwie kam sie Emma bekannt vor.
»Sag mal, kennen wir uns vielleicht?«
»Ich glaub’ nicht«, entgegnete die Studentin und schüttelte dezent den Kopf.
»Hm, ich glaub’ aber doch«, gab Emma skeptisch zurück, worauf die Kommilitonin ein wenig verstört dreinblickte. »Oder«, schob Emma nach, »ich muss dich mit jemandem verwechselt haben.«
»Na gut, ich werd’ denn mal weiter. Hab’ noch viel zu tun. Und sorry noch mal«, meinte die junge Frau dann und ging, noch bevor Emma irgendetwas darauf erwidern konnte.
Nachdem Emma schließlich einige Bücher für ihre Prüfungsvorbereitung zusammengetragen hatte, begab sie sich zu einem der vielen Lese- und Arbeitsbereiche an den Fensterfassaden der Bibliothek, legte die gesammelten Werke dort ab und setzte sich.
Draußen war es noch immer dunkel. Emma sah durchs Fenster hinaus und schüttelte sich kurz vor Gänsehaut, als sie sich an die Kälte, der sie auf dem Weg zur Bibliothek ausgesetzt war, erinnerte. Dann schlug sie ihr Notizbuch auf und versuchte, mit dessen Hilfe einen Lernplan für sich zu entwickeln. Dabei machte ihr allerdings nicht nur ihre mittlerweile zurückgekehrte Müdigkeit zu schaffen, denn schon nach kurzer Zeit kam ihr wieder ihre Kommilitonin und deren Buch zur Traumdeutung in den Kopf.
Komisch, dachte Emma und gähnte. An wen erinnert sie mich bloß?
Emma legte ihren Stift beiseite und lehnte sich mit im Nacken verschränkten Händen zurück. Sie schloss die Augen und kam bereits nach kurzer Überlegung zu dem Schluss, dass sie sich wahrscheinlich gar nicht so viele Gedanken über ihre Kommilitonin machen brauchte.
Womöglich ist in irgendeinem meiner Kurse eine ähnlich aussehende Studentin, die ich schon mehrfach gesehen, aber nie bewusst wahrgenommen habe, schlussfolgerte sie und gab sich damit vorerst zufrieden. Doch damit lenkte sie den Fokus auf das Buch.
»Freuds Traumdeutung...«, murmelte Emma leise vor sich hin. Ob da wohl auch was Brauchbares zu meinem Albtraum drinsteht?, überlegte sie und gähnte erneut, diesmal allerdings bedeutend länger als noch kurz zuvor. Vielleicht sollte ich mir das einfach auch mal ausleihen und darin lesen. Dann werde ich ja sehen, ob mir das was bringt. Oder ich hätte auch einfach die Kommilitonin danach fragen können. Eventuell hätte die mir schon einen Hinweis geben können.
