Sonne satt am Rentnerpool - Holm Roch - E-Book

Sonne satt am Rentnerpool E-Book

Holm Roch

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Beschreibung

Eine bunte Zusammenstellung von Erlebnissen aus einem Hotel östlich von Antalya, angefangen vom Zusammentreffen mit einem Dauerduscher über die Möglichkeiten der Selbstdarstellung auf dem eigenen T-Shirt bis zur Weihnachtsbäckerei mitten im Sommer. Weniger eine Reisebeschreibung als vielmehr ein satirisch getönter Kommentar zu den Abgründen und den liebenswert-komischen Seiten des modernen Massentourismus.

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Seitenzahl: 39

Veröffentlichungsjahr: 2014

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Holm Roch

Sonne satt am Rentnerpool

Urlaubsnotizen aus der Türkei

 

 

 

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Inhaltsverzeichnis

Titel

Vorwort

Der Reißverschluß

Auf in die Sonne

Der Dauerduscher

Seliges Nichtstun

Die Sparlampe

Frank und frei

O Tannenbaum

Orientierungshilfe

Serviervorschläge

Medienerziehung

Abschwirren

In der Heimat nichts Neues

Wo bleibt der Bauchtanz?

Sicher ist sicher

Geheimnisse der Evolution

Armer kleiner Fernseher

Abschiede

Wenn das Zweite zum Ersten wird

Laubenpieper

Gastfreundschaft

Eine neue Weltordnung

Dann integriert euch mal

Angriff der Killerbienen?

Kriegsbemalung

Glückliches Afrika

Schweizer Präzision

Willkommen in Memmingen

Impressum

Vorwort

Immer wenn in Deutschland die Gräserpollen fliegen und bei mir heftige Niesanfälle auslösen, flüchte ich in den Orient. Hier an der Südküste der Türkei, östlich von Antalya, wächst kein Gras und folg­lich gibt es auch keine Pollen. Anstelle verquolle­ner Augen und Ge­danken behalte ich einen klaren Kopf und kann endlich den The­men, die im Leben wirklich wichtig sind, in Ruhe nachgehen. Dabei sind die folgenden Notizen entstan­den. Sie greifen Erlebnisse und Ge­danken auf, die mir wäh­rend sieben solcher Reisen durch den Kopf gegangen sind.

Im Juni herrscht in der Türkei Sonne ohne Ende, die Tempera­turen steigen von Tag zu Tag, manchmal klettert die Anzeige bis zur 43-Grad-Marke. Regen ist so gut wie unbekannt. Zwar bauen sich im Laufe des Tages mächtige Gewitterwolken auf, aber gegen Abend verschwinden sie sang- und klanglos hinter dem Taurusgebirge. Man muss also höllisch aufpassen, keinen Son­nenbrand zu bekommen, je­denfalls dann, wenn man stän­dig faul am sogenannten Rentnerpool herumliegt. Mein Hotel bietet sei­nen Gästen neben dem Strand, an dem es extrem heiß ist und die Menschen wie Sardinen in der Dose la­gern, zwei unterschiedliche Pools zur Auswahl an, einen mit viel Animati­on und den sogenann­ten „Rentnerpool“. Am erste­ren treffen sich vorwiegend junge, sport­liche Gäste, während meine Alter­sklasse sich eher am deutlich ruhi­geren Rentner­pool versamm­elt. Da liegt man dann träge auf seiner Liege, stu­diert die BILD-Zeitung, liest einen Krimi, stopft sich Stöpsel mit Musik ins Ohr, geht mal eine Runde Schwimmen, lässt sich wieder trocknen, plauscht auch mal mit den Nachbarn auf der nächsten Liege – und wundert sich, wie langsam die Zeit ver­geht.

Das Leben im Hotel bietet Anregungen zum Nachdenken in Hülle und Fülle, angefangen von Ein­schlafproblemen über das Zusammen­treffen mit origi­nel­len Menschen bis hin zu Fragen der Politik, der Medienkom­petenz und der Nutzung des Inter­nets. Zu sol­chen The­men finden sie auf den folgenden Seiten eine Reihe von Kurz- und Kürzestgeschich­ten, Gedankensplit­tern und Kommentaren.

Viel Vergnügen bei der Lektüre dieser satirisch-ironisch ge­stimmten Texte

wünscht Holm Roch

Der Reißverschluß

Die Reise fängt gut an. Auf dem Dortmunder Flughafen steht vor mir in der Warteschlange ein junge Frau in engen Jeans. Sie hat nicht nur einen knackigen Po, sondern auch einen auffälli­gen Reißverschluss, der nicht vorn, son­dern hinten angebracht ist. Ein echter Hingucker! Das Teil setzt na­türlich bei den Um­stehenden einige Phantasien über seine Verwen­dung frei. Viel­leicht könnte man ja solche Reißverschlüsse auch in ande­ren Körperzonen an­brin­gen. Ein gewal­tiger Auftrieb für die Reiß­verschlussindustrie wäre die Folge. Besonders in Län­dern, wo sich Frauen nur völlig verhüllt in der Öffentlich­keit zeigen dür­fen, könnte daraus ein echter Hype werden.

Auf in die Sonne

Blauer Himmel über Antalya. Das ist auch nicht überraschend, denn hier an Türki­schen Südküste reg­net es im Sommer so gut wie nie. In den vergange­nen sechs Jah­ren habe ich nur einmal einen kurzen Re­genschauer erlebt. Bes­te Voraussetzungen also für eine boomende Tourismusindustrie. Immer neue Hotelkom­plexe werden hochgezo­gen. Der Strand ist schon ziemlich zu ge­baut, jetzt kommt die zweite und die dritte Reihe dran. Man­che dieser Neu­bauten sind bombasti­sche Paläste mit Säulenrei­hen und antiken Standbildern - alles aus nachgemachtem Mar­mor. Überhaupt wirkt hier manches übertrie­ben. Das fängt schon im Bus an und setzt sich bei den Verkehrsampeln fort.

Der Bus, der mich vom Flughafen nach Side in mein Hotel bringt, hat vorn neben dem Kopf des Fahrers einen großen Bildschirm. Dar­auf ist die ganze Zeit über die Landschaft, durch die wir fahren, zu sehen. Die Autostraße schwingt sich mal nach links, mal nach rechts, andere Fahrzeuge werden über­holt, Ortschaften tauchen auf und ver­schwinden wieder, Moscheen re­cken ihre Minarette gen Himmel und Reklameta­feln werben um unsere Auf­merksamkeit. Offenbar nimmt eine versteckte Kamera alles auf, was auf uns zukommt (die Zu­kunft!) und schickt die Bilder auf den Bildschirm neben dem Fahrer. Ein netter technischer Gag, aber man könnte ja auch di­rekt durchs Fenster nach draußen schauen.