Sophienlust Staffel 2 – Familienroman - Patricia Vandenberg - E-Book
Beschreibung

-Staffel 2- Hier erhalten Sie die nächsten zehn Folgen in einer Ausgabe! Serienbeschreibung: Diese beliebte Romanserie der großartigen Schriftstellerin Patricia Vandenberg überzeugt durch ihr klares Konzept und seine beiden Identifikationsfiguren: Denise von Schoenecker verwaltet das Erbe ihres Sohnes Nick, dem später einmal, das Kinderheim Sophienlust gehören wird. E-Book 11: Geborgenheit in Sophienlust E-Book 12: Für dich tun wir alles E-Book 13: Vati darf sich nicht scheiden lassen E-Book 14: Das Gelöbnis am Krankenbett E-Book 15: Ria und Ruth - die Zwillinge E-Book 16: Karina braucht dringend Hilfe E-Book 17: Du sollst Mutterliebe nicht vermissen E-Book 18: Jerry wünscht sich einen großen Bruder E-Book 19: Nun bist du daheim, Susan E-Book 20: Gaston, der Sohn des Diplomaten

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Inhaltsverzeichnis

E-Book 11: Geborgenheit in Sophienlust

E-Book 12: Für dich tun wir alles

E-Book 13: Vati darf sich nicht scheiden lassen

E-Book 14: Das Gelöbnis am Krankenbett

E-Book 15: Ria und Ruth – die Zwillinge

E-Book 16: Karina braucht dringend Hilfe

E-Book 17: Du sollst Mutterliebe nicht vermissen

E-Book 18: Jerry wünscht sich einen großen Bruder

E-Book 19: Nun bist du daheim, Susan

E-Book 20: Gaston, der Sohn des Diplomaten

Sophienlust -11-

Geborgenheit in Sophienlust

Roman von Patricia Vandenberg 

Der letzte Schein der untergehenden Sonne tauchte die hellen Möbel des Kinderzimmers in ein rosiges Licht. In der Ecke zwischen Ofen und Wand kauerte Malu. Sie drückte ihr Gesicht gegen das schwarzgraue Fell des Wolfsspitzes, den sie mit den Armen fest umschlungen hielt.

»Ach, Benny, ich fürchte mich so. Gut, dass du wenigstens bei mir bist. Warum muss Mutter immer mit Vati streiten? Er ist doch so lieb und so gut.«

Malu zuckte zusammen, als jetzt eine Tür mit lautem Knall ins Schloss fiel. Die Stille, die der vorangegangenen lauten Auseinandersetzung folgte, war fast noch bedrohlicher als der Streit.

Benny versuchte aus Malus Umklammerung herauszukommen. Er fiepte leise vor sich hin.

»Ob sie jetzt weggegangen ist, Benny?«, flüsterte Malu. »Gehst du mit mir nachsehen?«

Sie ließ den Hund frei und erhob sich. Auf Zehenspitzen schlich sie zur Tür und öffnete sie einen Spalt.

Kein Laut war zu hören. Malu lief, gefolgt von Benny, zum Wohnzimmer. Leise drückte sie die Klinke nieder. Sie atmete auf, als sie sah, dass ihr Vater allein war.

Daniel Kollberg stand am Fenster. Sein Gesicht zeigte einen Ausdruck tiefen Kummers. Er drehte sich um, als er nun Malus Stimme hinter sich hörte und versuchte den Ernst mit einem Lächeln wegzuscheuchen.

»Vati, ist sie weg?«, fragte Malu. »Wir haben uns sehr gefürchtet, Benny und ich.«

Daniel Kollberg trat rasch auf seine Tochter zu. Er legte den Arm um die Schulter des Mädchens.

»Ja, wir sind allein, Malu. Es wird sich alles ändern.«

»Mutter ist für immer gegangen?« Malus Stimme zitterte leicht. Wenn sie auch von ihrer Mutter wenig Liebe erfahren hatte, so traf es sie doch, dass diese weggegangen war, ohne ihr Lebewohl zu sagen.

»Ja, Malu. Ich glaube, dass es so am besten ist. Sie hat sich doch immer von uns fortgesehnt. Ich will jetzt versuchen, dir Vater und Mutter zugleich zu sein.«

Malu schluckte. Dann lächelte sie tapfer. »Mit dir ist es am schönsten, Vati. Und vielleicht finden wir eine neue Mutti. Weißt du, so eine, die dich und mich richtig lieb hat, und Benny auch. Eine Mutti, die will, dass man sie lieb hat, und die nie, nie weggehen würde.«

Daniel Kollbergs Griff um Malus Schulter wurde fester. Das Kind war alles, was ihm geblieben war von der großen Liebe, von dem heißen Wunsch, dass seine Ehe gut und unzerbrechlich sein möge. Doch das Schicksal hatte es anders gewollt. Seine Frau war einfach gegangen. Zu dem anderen Mann, der ihr mehr bieten konnte, und mit dem sie schon bald ins Ausland reisen würde. Bis zuletzt hatte er um Malus willen versucht, seine Ehe aufrechtzuhalten. Doch dann hatte er schließlich einsehen müssen, dass der ständige Streit für das Kind schlimmer war, als wenn es künftig keine Mutter mehr hatte.

»Ich glaube, mein Schätzchen, das ist gar nicht so einfach. Ich denke, es wird besser sein, wenn wir beide für uns bleiben. Ich komme abends immer ganz bald vom Büro nach Hause, und dann haben wir Zeit füreinander.«

»Ja, Väterchen, und ich kann immer alles aufräumen. Und Spiegeleier und Bratkartoffeln kann ich ja auch machen. Vielleicht lerne ich noch was dazu.«

Daniel musste trotz seines Kummers lächeln, als er Malus ernsthaftes Gesicht sah.

»Du glaubst nicht, dass ich es lernen kann?«, fragte Malu. Sie war ein bisschen beleidigt, weil sie ihren guten Willen so verkannt sah. »Ich bin ja nicht mehr so klein. Schließlich bin ich schon zwölf Jahre alt.«

»Ich bin davon überzeugt, dass du es lernen würdest, Schätzchen. Du bist aber trotz deiner zwölf Jahre noch ein kleines Mädchen. Du sollst spielen, und fröhlich sein, wenn du deine Schulaufgaben gemacht hast. Ernsthafte Pflichten kommen noch früh genug auf dich zu. Wir werden genau überlegen, wie wir alles einteilen. Hast du mit Benny schon den Abendspaziergang gemacht?«

Malu schüttelte den Kopf. »Noch nicht. Ich habe mich ja nicht aus meinem Zimmer herausgetraut. Kommst du mit uns? Das wäre fein.«

Benny raste bellend zur Tür, als er sah, dass sein kleines Frauchen den Wintermantel anzog.

»Pst, Benny. Mach doch nicht so’n Krach«, belehrte ihn Malu ernsthaft. »Du weißt doch, Vati bekommt so leicht Kopfweh. Und dein Gebell ist ja wirklich nicht das allerschönste.«

Benny verstummte sofort. Doch er legte den Kopf schief und warf Malu einen anklagenden Blick zu. Seine buschige Rute wedelte aufgeregt.

»Siehst du, du glaubst es mir ja nie. Aber Benny versteht wirklich alles, was ich zu ihm sage. Da hast du jetzt den besten Beweis.«

»Ich habe nie daran gezweifelt, dass Benny der allerklügste Hund ist, den es gibt. Komm jetzt, wir wollen ihn nicht länger warten lassen.«

Sie verließen die Wohnung und stiegen die vielen ausgetretenen Stufen hinab. Draußen war es nasskalt. Ein unfreundlicher Wind wehte.

Es schnitt Daniel Kollberg ins Herz, dass er auch in diesem Winter nicht genügend Geld gehabt hatte, um Malu den längst benötigten neuen Wintermantel zu kaufen. Er wünschte sich sehnlichst, dass er wenigstens einmal Glück im Lotto haben möge. Es müsste ja nicht gleich eine halbe Million sein. Nur gerade so viel, dass er Malu mal ein bisschen verwöhnen könnte. Ein paar tausend Euro vielleicht. Seine Frau hatte ihm so oft vorgehalten, dass er ein Versager sei, dass er allmählich selbst daran glaubte. Er würde ewig der kleine Buchhalter bleiben. Der wirtschaftliche Aufschwung war an ihm vorbeigegangen, es war für ihn nur ein Wort.

Der stechende Schmerz im Rücken, den Daniel Kollberg in der letzten Zeit schon öfter gespürt hatte, zwang ihn jetzt dazu stehen zu bleiben. Malu, die mit Benny ein Stück voraus war, wandte sich um.

»Was hast du, Vati? Ist dir nicht gut?«

Sie kam zurück und fasste nach der Hand des Vaters. Angst stand in ihren schönen grünen Augen, die so durchsichtig und klar schimmerten wie ein Bergwasser.

Daniel zwang sich zu einem Lächeln. »Es ist nichts weiter, Schätzchen. Mein Rücken tut mir mal wieder weh.«

»Komm, wir gehen nach Hause. Benny hat seine Geschäfte erledigt. Du legst dich ins Bett, und ich mache dir eine Wärmflasche. Vielleicht wäre auch Kamillentee gut.«

Daniel spürte den Schmerz so stark, dass er am liebsten aufgeschrien hätte. Doch er wollte Malu nicht noch mehr beunruhigen.

*

»Aber das ist doch auf die Dauer kein Zustand, Daniel?«

Malu wollte nicht lauschen. Doch Tante Helmas schrille, laute Stimme drang bis in den letzten Winkel der kleinen Wohnung.

»Möchtest du mir sagen, was ich daran ändern soll, Helma?«

Daniel Kollberg sah seine Schwester fragend an. Er hatte sich noch nie sonderlich gut mit ihr verstanden. Seit sie damals eine sogenannte gute Partie gemacht hatte, fühlte sie sich über ihre beiden Geschwister erhaben. Ihr Mann, der ein hoher Beamter gewesen war, war vor wenigen Jahren verstorben und hatte seiner Witwe und seinem Sohn eine stattliche Pension hinterlassen. Dazu kam noch ein beträchtliches Vermögen von der Familie ihres Mannes. Doch sie hatte ein kaltes Herz und dachte nur an sich.

»Du siehst aus, als seist du schwer krank«, stellte Helma herzlos fest. »Wenn du auch noch Hausmann spielst, wirst du eines Tages zusammenklappen. Du musst Marie-Luise fortgeben.«

»Fortgeben?« Daniel sah seine Schwester ungläubig an.

»Ja! Mach doch nicht gleich so ein Gesicht, als würde deshalb die Welt untergehen. Eines Tages musst du dich sowieso von ihr trennen. Sie wird heiraten oder so was. Da kommt es doch nicht darauf an, ob sie schon jetzt in einem Heim oder so lebt.«

»In einem Heim oder so«, wiederholte Daniel. »Du kannst doch gleich sagen, was du meinst: Waisenhaus! Denn woher sollte ich wohl das Geld nehmen für ein Internat oder so was. Es ist ja reizend von dir, dass du dir den Kopf über unser Wohlergehen zerbrichst. Doch was ich tue, das musst du schon mir überlassen.«

»Jetzt bist du schon wieder beleidigt. Dabei habe ich es doch nur gut gemeint.«

»Ich weiß. Du meinst immer alles nur gut. Du hast doch auch ein Kind. Würdest du dich von ihm trennen?«

»Ich bitte dich. Bei uns ist das doch etwas anderes. Hans ist sehr sensibel, und schließlich war sein Vater ein ordentlicher, charaktervoller Mensch. Wer weiß, ob Marie-Luise nicht genauso wird wie ihre …«

»Jetzt ist es genug, Helma«, unterbrach Daniel seine Schwester barsch. »Du musst mich jetzt entschuldigen. Ich habe Malu versprochen, einen Spaziergang mit ihr zu machen.«

»Bitte, wenn du meine Sorge nicht anerkennst«, meinte Helma spitz. »Das hat man davon, wenn man sich um andere Leute Gedanken macht.« Sie pflückte mit spitzen Fingern ein Hundehaar von ihrem Kleid. »Und dieser grässliche Köter! Dass du das erlaubst, dass er überall herumspringt? Hunde sind Krankheitsträger, und es ist bodenlos leichtfertig, einem Kind zu erlauben, so ein Tier herumzutragen und womöglich noch mit ins Bett zu nehmen.«

Daniel war zur Tür gegangen und öffnete sie.

»Wiedersehen, Helma.«

»Ich gehe schon«, rief sie empört. »Du brauchst mich nicht erst hinauszuwerfen.«

Daniel atmete erleichtert auf, als die Korridortür hinter ihr zufiel. Was sich Helma so dachte. 

Als ob er sich von Malu trennen würde. Sie allein gab seinem Leben Inhalt und Freude.

»Malu«, rief er. »Malu, komm doch. Wir wollen gehen.«

Von Malu kam keine Antwort, und Daniel ging in ihr Zimmer hinüber.

Malu lag auf dem Bett. Ihre schmalen Schultern bebten vor Schluchzen, und Benny saß neben ihr und stieß sie immer wieder mit der Schnauze an. 

»Warum weinst du, Schätzchen?« Daniel hob ihr tränenüberströmtes Gesicht zu sich empor.

Malu schluckte. »Ich hasse sie! Sie ist böse. Wie kann sie nur deine Schwester sein, Vati? Wirst du tun, was sie gesagt hat? Muss ich von dir weggehn? Und Benny …«

Wieder begann sie zu schluchzen.

»Glaubst du wirklich, dass ich mich von dir trennen würde, Malu? Und was Benny für dich ist, das weiß ich doch auch. Tante Helma hat doch nicht über uns zu bestimmen. Sie bildet sich nur ein, dass sie sich in alle Dinge einmischen könnte. Komm, putz dir die Nase, und weine nicht mehr.«

Er hatte ein Taschentuch genommen und wollte es Malu reichen. Doch dann besann er sich eines andern. Er tupfte ihr behutsam die Tränen von Augen und Wangen und hielt ihr das Tuch dann vor die Nase, so, wie er es früher gemacht hatte, als sie noch ein kleines Kind war.

»Na also. Jetzt hast du wieder blanke Augen, Schätzchen. Und nun wirst du ganz schnell das dumme Gerede von Tante Helma vergessen.«

»Ich wollte, ich hätt’s nicht gehört. Aber sie schreit so laut, dass man alles mitkriegt, auch wenn man nicht lauschen will.«

Daniel nickte. »Ich weiß, Malu. Doch sobald wird sie sicher nicht wiederkommen. Hast du noch Lust auf unsern Spaziergang?«

Malu sah zum Fenster. Es schneite in dichten Flocken.

»Vielleicht wär’s auch ganz schön, wenn wir Halma spielten oder Dame. Dein Rücken tut dir doch immer weh, wenn du spazieren gehst. Und ich möchte nicht, dass du Schmerzen hast.«

»Also gut, dann bleiben wir hier. Ich stelle uns Äpfel in die Bratröhre, die lassen wir brutzeln und bestreuen sie nachher mit Zucker und Zimt. Das magst du doch.«

Einträchtig saßen sie danach beisammen. 

Daniel bereitete es sichtlich Vergnügen zu sehen, mit welchem Feuereifer Malu bei der Sache war.

*

Der nächste Tag war ein Samstag. Daniel hatte keinen Dienst, und Malu musste nicht in die Schule.

Das Kind war schon zeitig aufgestanden. Leise wie ein Mäuschen schlich sich Malu in die Küche und bereitete das Frühstück zu. Heute wollte sie Vatilein einmal verwöhnen. Wenn sie in die Schule ging, dann stand er immer als Erster auf.

Sie deckte den Tisch im Wohnzimmer und stellte den Kaffee unter die Haube. Dann weckte sie den Vater.

»Du hast das wirklich gut gemacht«, lobte Daniel sie, als sie sich das Frühstück schmecken ließen. »Einen so guten Kaffee koche ich nicht einmal.«

Dabei dachte er bekümmert daran, dass Malu die doppelte Portion Kaffeepulver verbraucht hatte. Bis zum Gehaltsempfang waren noch einige Tage, und er besaß doch nur noch ein paar Euro.

Später räumten sie gemeinsam die kleine Wohnung auf. Es war kurz vor dem Mittagessen, als es klingelte.

Malu machte die Tür auf und flog mit einem Jubelruf Tante Irene um den Hals. Dann begrüßte sie ihre Kusine Hilde, die schon eine hübsche junge Dame war.

»Das ist fein, dass ihr kommt. Vatilein, Tante Irene und Hilde sind da!«

Irene Walters war Daniels älteste Schwester. Sie war das genaue Gegenteil von Helma. Doch leider durfte sie das nur zeigen, wenn ihr Mann nicht dabei war. Kurt Walters war ein Tyrann, vor dem Irene und Hilde zitterten. Seiner Wesensart nach hätte er viel besser zu Helma gepasst. Aber Irene liebte ihn, und so ordnete sie sich willig unter.

»Hilde, pack doch bitte die Tasche aus. Vielleicht kann Malu dir dabei helfen. Da ist ja auch Benny.«

Sie beugte sich hinab und tätschelte den Hund, der dann Hilde begrüßte.

»Ich habe euch ein paar Konserven und noch einiges mitgebracht«, sagte Irene zu Daniel, als sie mit ihm im Wohnzimmer war.

»Danke, Irene. Was sagt denn Kurt dazu?«

»Der braucht ja nicht alles zu wissen«, tat Irene seine Frage ab. »Ich weiß doch, dass du es gebrauchen kannst. Hast du denn die Scheidung nun bald hinter dir?«

Daniel nickte. »Ich denke, dass sie in der nächsten Woche ausgesprochen wird. Du weißt ja, dass sie es sehr eilig hatte. Ich hätte mich nicht so lange dagegen sträuben sollen.«

Irene sah den Bruder mitleidig an. Sein Gesicht war eingefallen, und unter seinen Augen lagen tiefe Schatten.

»Das sagst du jetzt. Aber man hofft doch immer, dass sich wie durch ein Wunder alles ändert. Wie findet sich Malu in alles? Weiß sie eigentlich, dass die Trennung endgültig ist?«

»Ich spreche nicht mit ihr darüber. Doch sie ist ja nicht mehr so klein. Und außerdem hat ihre Mutter alles getan, um Malus kindliche Liebe in Abwehr zu verwandeln. Wenn du so willst, dann sind wir beide jetzt glücklich und zufrieden.«

Irene zweifelte daran, dass Daniel glücklich war. Doch er würde sich damit abfinden, dass man nichts erzwingen konnte. So wie sie sich damit abgefunden hatte, dass sie Kurt nicht ändern konnte.

»Hm, das sind leckere Sachen«, meinte Malu, als sie die Aufschriften auf den einzelnen Dosen sah. »Lieb von Tante Irene, dass sie uns so was schenkt. Du riechst fein, Hilde.«

»Das ist Kölnisch Wasser, Malu. Ich würde ja lieber mal ein richtiges Parfüm benutzen, doch das erlaubt Vater nicht.«

»Aber du bist doch schon erwachsen! Du gehst doch nicht mehr in die Schule, sondern arbeitest«, meinte Malu verwundert. »Ich wollte, ich wäre auch schon groß. Dann könnte ich Vati viel mehr helfen und auch Geld verdienen, damit wir ein bisschen mehr hätten. Dass man überhaupt so viel Geld braucht. Es wäre doch viel besser, wenn alle Leute gleich viel hätten.«

»Besser wär’s schon, Malu. Aber leider ist es nun mal nicht so.«

Tante Irene und Hilde blieben zum Mittagessen. Daniel hatte einen großen Topf Erbsensuppe gekocht, der eigentlich für den nächsten Tag hatte reichen sollen. Doch dank Irenes Güte hatte er ja jetzt wieder einen kleinen Vorrat.

*

Malu war gerade aus der Schule gekommen. Benny begrüßte sie mit freudigem Gebell und rannte dann zu seiner Futterschüssel. Er fraß immer erst, wenn Malu zu Hause war.

Malu erschrak, als es läutete. Bevor sie die Tür öffnete, legte sie erst die Sicherheitskette vor. Ihr Vater hatte ihr das eingeschärft.

»Mach auf, Kind. Deinem Vater ist schlecht geworden. Ich habe ihn nach Hause gebracht.«

Malus Knie schlotterten, als sie hinter dem großen Mann ihren Vater sah. Er war ganz bleich und sah so aus, als würde er jeden Augenblick umfallen. Malu beeilte sich, die Kette wegzunehmen, und öffnete die Tür weit. Dann lief sie zum Schlafzimmer und riss auch hier die Tür auf. Sie schlug die Bettdecke zurück.

Daniel Kollberg atmete schwer, doch er bemühte sich, Malu beruhigend zuzulächeln.

»Nur ein kleiner Schwächeanfall, Schätzchen. Der wird bald vorübergehen.«

»Vergiss nicht, den Arzt zu bestellen, Kollberg«, sagte sein Kollege. »Wenn du mir die Adresse gibst, dann fahre ich eben vorbei.«

»Ich gebe Ihnen die Adresse«, sagte Malu. Sie dachte an den netten Doktor, der gleich um die Ecke wohnte und der ihr mal den Hals ausgepinselt hatte, als sie so schlimm erkältet gewesen war. »Soll ich Ihnen eine Tasse Kaffee machen?«, fragte sie, weil sie auch schon gehört hatte, wenn jemand zu Besuch gewesen war.

»Nein, lass nur, kleines Fräulein. Ich muss gleich wieder weg. Schreib mir die Adresse bitte auf.«

Malu tat das und brachte den Kollegen des Vaters zur Tür.

»Vielen Dank auch, dass Sie sich so lieb um Vati gekümmert haben«, sagte sie wohlerzogen.

Als sie die Tür hinter ihm geschlossen hatte, lief sie gleich zu ihm.

»Bleib noch einen Augenblick draußen, Malu. Ich will mich ausziehen. Ich rufe dich dann.«

Malu ging niedergeschlagen in die Küche.

»Was mag Vatilein denn nur fehlen, Benny? Sicher hat er zu viel gearbeitet. Meinst du, dass er bald wieder gesund wird?«

Benny wedelte mit dem Schwanz. 

»Ich bete für Väterchen. Und wenn ich morgen in die Schule gehe, dann bringe ich dem heiligen Antonius eine Kerze. Er wird sicher helfen.«

»Wau«, machte Benny, und Malu war überzeugt, dass er derselben Ansicht war wie sie.

»Ich komme, Vati«, rief sie, als sie des Vaters Stimme hörte.

Daniel Kollberg hatte sich einen frischen Schlafanzug genommen. Obwohl er bis zum Hals zugedeckt war, fror er.

»Ich mache dir einen heißen Tee, Väterchen. Dann wird dir auch wärmer. Und ich lasse die Türen auf, dann kommt Wärme aus der Küche. Wie geht es dir denn jetzt?«

»Schon wieder viel besser, Schätzchen. Ich glaube, das ist eine Grippe. Du solltest besser nicht so nahe an mich herankommen, sonst stecke ich dich auch an.«

»Nein, nein, ich werde nicht krank. Was sollte wohl aus Benny werden, wenn wir beide im Bett liegen müssten? Der Doktor kommt sicher ganz bald und macht dich wieder gesund.«

»Bestimmt, Schätzchen.«

Malu setzte Wasser für Tee auf. Dann kam der Arzt.

Dr. Kramer tätschelte ihre Wangen, rief Benny ein freundliches Wort zu und verschwand dann im Schlafzimmer, dessen Tür er fest hinter sich zuzog.

»Welche Beschwerden haben Sie, Herr Kollberg?«

»Es muss so eine Art Schwächeanfall gewesen sein, Herr Doktor. Ich hatte in der letzten Zeit privat sehr viel Aufregung. Möglich, dass sich das so niedergeschlagen hat.«

»Hm. Kann sein. Muss aber nicht. Schmerzen haben Sie keine?«

»Hin und wieder Stiche im Rücken. Doch die gehen dann wieder vorüber.«

Dr. Kramer hatte seine Tasche geöffnet und nahm das Stethoskop heraus. Er horchte Daniel ab und untersuchte ihn gründlich.

»Sie müssen ein paar Tage liegen bleiben, Herr Kollberg. Und dann kommen Sie zu mir in die Praxis. Ich kann Sie hier nicht so untersuchen, wie es erforderlich ist.«

»Was fehlt mir denn? Ist es etwas Ernstes? Ich war doch immer gesund! Ich kann es mir einfach nicht erlauben, krank zu sein. Wer sollte sich um Malu kümmern?«

»Jetzt sind Sie krank und brauchen vor allem Ruhe, Herr Kollberg. Ihre Malu ist ja ein vernünftiges kleines Mädchen. Für ein paar Tage kommt sie ohne Ihre Hilfe aus. Ich schreibe Ihnen etwas auf. Das nehmen Sie bitte nach Vorschrift. Übermorgen komme ich wieder. Und bitte, bleiben Sie wirklich liegen. Wenn Sie meine Anordnung nicht befolgen, dann wird der nächste Zusammenbruch ärger sein. Falls Sie mich brauchen, schicken Sie bitte Malu zu mir.«

»Hängt mein Zustand mit diesen Rückenschmerzen zusammen, Herr Doktor?« Daniel sah den Arzt forschend an.

»Das kann ich jetzt noch nicht sagen. Die weitere Untersuchung wird uns Klarheit bringen. Machen Sie sich keine Sorgen, Herr Kollberg.«

Er drückte Daniel die Hand und ging. Malu und Benny begleiteten ihn. Das Kind wollte die Medikamente für den Vater aus der Apotheke holen.

Daniel lag da und starrte die Decke an. Was würde nun werden? Und vor allem, wer würde sich um Malu kümmern, wenn er wirklich ernsthaft krank werden sollte? Wenn er vielleicht sogar ins Krankenhaus musste?

Daniel Kollberg stöhnte leise auf. Er war sich seiner Ohnmacht dem grausamen Schicksal gegenüber klar bewusst.

Arme kleine Malu. Ihr junges Leben hatte bisher weiß Gott unter keinem guten Stern gestanden. An sich selbst wollte Daniel gar nicht denken. Seine unglückliche Ehe hatte irgendetwas in ihm zerbrochen. Und er wünschte so sehr, dass Malu es einmal besser habe, dass sie auch Sorglosigkeit und Freude kennenlerne.

Er schloss die Augen. Schwäche und Müdigkeit überwältigten ihn. Bald schlief er ein und hörte nicht, dass Malu zurückkehrte.

Malu hatte ein winziges Sträußchen Schneeglöckchen bei der Blumenfrau an der Ecke erstanden. Als sie sah, dass ihr Vati die Augen geschlossen hatte, zog sie sich behutsam zurück.

Sie spürte, dass sie hungrig war. In der Aufregung hatte sie das Essen völlig vergessen. Sie nahm den Topf mit dem Rest Suppe vom Vortag aus dem Kühlschrank und erhitzte sie. Doch als sie heißhungrig die Suppe löffelte, fiel ihr ein, dass der Vater ja auch noch nichts gegessen hatte. Sie musste ihm etwas von der Suppe aufheben. Sie wusch das Geschirr ab und setzte sich dann an ihre Schularbeiten. Sie war sehr stolz darauf, dass sie aufs Gymnasium gehen und fremde Sprachen lernen durfte. Und es war ihr Ehrgeiz, fleißig zu sein und so ihre Dankbarkeit zu beweisen.

»Malu, Schätzchen, bist du da?«

»Ich bin hier, Vati. Ich komme.«

Malu nahm das Glas, in das sie die Schneeglöckchen gestellt hatte, und lief ins Schlafzimmer hinüber.

»Die hab ich dir mitgebracht,Väterchen. Hoffentlich freust du dich.«

»Sie sind wunderschön, Malu.« Daniel hatte so ein dummes Würgen im Hals.

»Du bist ein liebes Kind. Ich danke dir auch.«

»Geht es dir schon etwas besser, Väterchen? Ich habe dir Suppe aufgehoben und mache dir ein Butterbrot dazu. Möchtest du auch Tee?«

»Ein Schluck Suppe und ein Butterbrot würden mir guttun. Anschließend kann ich auch meine Medikamente nehmen. Jetzt hast du auch noch so viel Arbeit mit mir.«

Malu winkte ab. »Das darfst du nicht sagen, Vatilein. Ich tue doch alles gern für dich. Wie viel hast du schon für mich getan, und ich hab es überhaupt nicht gemerkt. Wenn du willst, dann lese ich dir nachher was vor. Ich habe meine Schularbeiten schon fertig.«

»Das wird wohl zu anstrengend für mich sein. Ich bin sehr müde, Schätzchen. Und ich will doch schnell wieder gesund werden, damit …« Er verstummte. Er wollte Malu keine Angst machen. Es war ihm klar, dass er sie fortgeben musste, wenn er länger bettlägerig sein sollte.

Malu wachte wie eine Krankenschwester darüber, dass der Vater alles aufaß und auch den Tee trank, den sie doch noch gekocht hatte. Da es inzwischen dunkel geworden war, zog Malu die Vorhänge zu und strich die Kissen glatt.

»Wirst du gleich schlafen, Väterchen?«

»Ich denke schon. Am besten gehst du auch bald ins Bett. Ich erlaube dir, noch eine Stunde zu lesen.«

»Danke, Vati. Schlaf gut. Und wenn du mich brauchst, dann rufe bitte ganz laut. Ich werde Benny sagen, dass er mich wecken soll, wenn ich es nicht höre.«

Sie schmiegte ihre Wange an die des Vaters und küsste ihn.

»Und recht gute Besserung wünsche ich dir. Gute Nacht, Vatilein.«

*

»Siehst du, Benny. Der heilige Antonius hat geholfen. Und der liebe Gott hat auch meine Gebete erhört. Sonst wäre Vatilein bestimmt nicht so schnell wieder gesund geworden.«

»Blaff«, machte Benny und legte den Kopf schief.

»Jetzt leg dich aber brav in dein Körbchen. Ich habe hier eine sehr kniff­lige Mathematikaufgabe zu lösen. Und Vati kommt bald nach Hause, da möchte ich doch fertig sein.«

Zur gleichen Zeit sah Daniel Kollberg immer wieder auf die hohe Summe, die auf dem Scheck stand. Noch begriff er nicht ganz, dass endlich das eingetreten war, wovon er so lange geträumt hatte. Er hatte im Lotto gewonnen.

Seine Hände waren kalt vor lauter Aufregung.

»Bitte, ich möchte nicht, dass das mit meinem Gewinn bekannt wird, Herr Direktor«, sagte er zu dem Chef des Lotterieunternehmens. 

»Ich habe nicht die Absicht, mein Leben zu ändern. Das Geld soll einmal meiner kleinen Tochter gehören. Und sie soll es erst bei ihrer Volljährigkeit erhalten.«

»Das liegt ganz bei Ihnen, Herr Koll­berg. Wir geben keinerlei Auskünfte über die Hauptgewinner. Am besten richten Sie sich zunächst bei einer neuen Bank ein extra Konto ein, worauf Sie Ihren Scheck einzahlen. Dann ist jedes Gerede von seiten Ihrer Hausbank ausgeschlossen. Ich wünschte, dass auch andere so vernünftig wären wie Sie. Aber leider, Geld ist eine verführerische Angelegenheit. Viele Leute glauben, dass man sich mit ein paar tausend Euro die ganze Welt kaufen und außerdem bis in alle Ewigkeit davon sorglos leben kann.«

»Ich weiß zu genau, wie es ist, wenn das Geld nie reicht. Ich werde bestimmt nicht leichtsinnig mit dem Gewinn umgehen. Natürlich werde ich für Malu ein paar hübsche Dinge kaufen, das eine oder andere, was sie schon längst nötig hatte. Und Benny soll endlich ein hübsches Lederhalsband und eine dazu passende Leine haben. Aber ich will Sie nun nicht länger aufhalten, Herr Direktor. Vielen Dank noch mal.«

Daniel barg den kostbaren Scheck in seiner abgewetzten Brieftasche, nahm seinen Hut und verließ das Büro.

Er beschloss, das Konto in der Bank an der Ecke zu eröffnen, an der er jeden Tag vorüberkam.

Man behandelte ihn sehr aufmerksam und zuvorkommend, als er die Höhe der Summe nannte, die er einzahlen wollte. Er überlegte lange, wie viel er abheben sollte, und entschied sich dann für tausend Euro, die er sich in kleineren Scheinen auszahlen ließ.

Auf dem Heimweg kaufte er zuerst einmal den hübschen roten Pullover und die dazu passende Mütze, Dinge, die er schon lange im Schaufenster bewundert hatte. Er wusste, dass Malu sich sehr darüber freuen würde. Dann kaufte er noch ein paar delikate Lebensmittel ein und beeilte sich danach, nach Hause zu kommen.

Er war nur noch ein paar Schritte von seinem Wohnhaus entfernt, als er wieder den Stich im Rücken verspürte. Er lehnte sich kurze Zeit gegen die Mauer eines Hauses und wartete, bis der Schmerz abgeklungen war. Zu Dr. Kramer war er noch nicht gegangen. Doch jetzt würde er es schnell nachholen. Jetzt, wo er das viele Geld besaß, konnte er etwas für seine Gesundheit tun. Und wenn er in die Klinik musste, war er jetzt dazu in der Lage, Malu in einem guten Kinderheim unterzubringen, in dem man vielleicht auch gegen Benny nichts einzuwenden hatte.

Malu erspähte den Vater vom Fenster aus. Sie war schon unruhig, weil er später kam als sonst. Noch immer hatte sie den Schock nicht überwunden, den ihr die plötzliche Krankheit des Vaters verursacht hatte.

Sie öffnete die Tür, lief ihm ein paar Treppen entgegen und streckte die Hände aus, um ihm die Päckchen abzunehmen.

»Lass nur, Schätzchen. Das muss ich selbst tragen. Da sind nämlich Überraschungen drin. Guten Abend, übrigens.«

»Guten Abend, Vati.«

Malu spitzte ihre Lippen und gab dem Vater einen Kuss.

»Was hast du für Überraschungen? Ist es etwas Schönes?«

»Nicht neugierig sein, du kleiner Naseweis. Sonst ist es doch keine Überraschung mehr.«

Sein Atem ging schnell. Das Reden und das Treppensteigen hatten ihn angestrengt.

In der Wohnung setzte er sich zuerst mal auf einem Küchenstuhl und ruhte sich aus. 

Nein, er musste morgen wirklich zu Dr. Kramer gehen. Irgendetwas würde der Arzt bestimmt tun können.

Malu nahm ihm den Mantel und den Hut ab und hing beides an die Garderobe. Dann kam sie wieder zurück und sah mit großen erwartungsvollen Augen auf die Pakete auf dem Küchentisch. Benny saß auf den Hinterbacken und starrte ebenfalls die Pakete an. Seine rosige Zunge glitt immer wieder blitzschnell über die schwarze Schnauze. Man sah ihm an, dass ihm das Wasser im Maul zusammenlief.

»Da werde ich euch wohl nicht mehr länger auf die Folter spannen können«, lächelte Daniel.

»Das ist ja wie Weihnachten. Genauso aufregend. Ganz so, als ob das Christkind jeden Augenblick mit dem Glöckchen läuten würde.«

»Noch ein paar Minuten, dann ist es so weit«, versprach Daniel. Er nahm die Pakete an sich und ging ins Wohnzimmer.

»Du musst hierbleiben, Benny«, sagte Malu. »Für dich soll es ja auch eine Überraschung sein.«

Der Hund ließ die Ohren hängen, als Malu ihn festhielt. 

Schließlich hatte er die köstlichen Düfte geschnuppert, die aus einem der Pakete kamen.

Malu schrie auf, als sie den Pullover und die Mütze sah, dann fiel sie dem Vater um den Hals. Daniel schluckte die Rührung hinunter. Er ließ sich von Malu umarmen.

»Ich muss ihn gleich anziehen! Hier, Benny, schau doch nur, so ein schöner Pullover, und dazu die passende Mütze!«

Doch diesmal fesselte Benny die große Wurst, die ihm Daniel in kleine Stücke geschnitten in seinem Napf auf den Boden gestellt hatte, entschieden mehr als der Ruf seiner kleinen Freundin.

»Wie schön«, sagte Malu andächtig, als sie sich im Spiegel betrachtete. »Nun bin ich genauso fein wie die Marlies aus unserer Klasse. Du weißt schon, der Vater von ihr hat ein großes Lederwarengeschäft. Wieso haben wir denn plötzlich so viel Geld?«

»Darüber sollst du dir nicht den Kopf zerbrechen. Ich habe Überstunden gemacht, und die bekomme ich ausbezahlt. Das ist das ganze Geheimnis. Zufrieden, Fräulein Neugier?«

Malu hatte einen roten Kopf bekommen.

»Ich wollte nicht neugierig sein. Entschuldige.«

»Schon gut, Schätzchen. Wenn du dich im Spiegel genug angeschaut hast, dann könnten wir vielleicht essen. Ich habe auch Krabbensalat mitgebracht.«

Krabbensalat aß Malu für ihr Leben gern. 

Doch es gab ihn höchst selten. Mal zu Weihnachten oder zu Ostern, oder wenn sie Geburtstag hatte. Die Überstunden mussten wirklich gut bezahlt worden sein.

Malu deckte den Tisch und schrie noch ein paarmal vergnügt auf, als sie entdeckte, welche Köstlichkeiten ihr Vater mitgebracht hatte.

Und dass er für Benny das schöne Halsband und die Leine gekauft hatte, die sie in der Auslage immer so bewundert hatte, freute sie genauso wie ihr hübscher Pullover.

Sie betete an diesem Abend sehr lange und innig zum lieben Gott und flehte ihn an, dass er ihren Vati beschützen möge.

Wie gut, dass sie nicht ahnte, wie drohend der dunkle Schatten schon über ihrem Leben schwebte.

*

Daniel Kollberg saß mit sehr gemischten Gefühlen im Wartezimmer Dr. Kramers. Er war in der vergangenen Zeit mehrmals hier gewesen, da eine Unmenge von Einzeluntersuchungen notwendig gewesen waren. Und heute sollte er das Ergebnis erfahren.

Er blätterte in einer Illustrierten, legte sie aber gleich wieder zur Seite, weil er die vielen freizügigen Aufnahmen schon nicht mehr ansehen konnte.

»Guten Abend, Herr Kollberg. Bitte, nehmen Sie doch schon Platz.«

Dr. Kramer stand beim Waschbecken und wusch sich die Hände. Es dauerte eine Weile, bis er zum Schreibtisch kam und Platz nahm.

»So, jetzt habe ich jede Menge Zeit für Sie, Herr Kollberg. Rauchen Sie eine Zigarette mit mir?«

»Danke, gern.«

Daniel gab Dr. Kramer Feuer und zündete dann seine eigene Zigarette an. Gespannt wartete er darauf, dass der Arzt zu sprechen begänne.

»Sie machen mir Kummer, Herr Kollberg.«

Dr. Kramer versuchte vergeblich, einen scherzhaften Ton in seine Stimme zu legen. Schließlich musste er in seiner Praxis immer wieder die Patienten über ihren wahren Zustand hinwegtäuschen. Doch bei Daniel Kollberg war das etwas anderes. Er hatte eine Tochter. Und diese Tochter besaß niemanden auf der Welt als ihren Vater. Er durfte ihm die Wahrheit einfach nicht verschweigen. Nur, es war schwierig vorauszusagen, wie der Patient darauf reagieren würde.

Dr. Kramer blickte auf und begegnete Daniel Kollbergs Blick.

»Ich hatte schon eine so unbestimmte Angst in mir, Herr Doktor«, sagte Daniel schwer. »Bitte, sagen Sie mir die Wahrheit. Was muss ich tun, um wieder gesund zu werden?«

Erich Kramer liebte seinen Beruf. Doch es gab immer wieder Stunden, in denen er es verwünschte, Arzt geworden zu sein. In denen es ihm unendlich schwerfiel, dem ahnungslosen Patienten zu sagen, was er wusste. So viel er in solchen Momenten auch nach möglichst schonenden Worten suchte, im Endeffekt waren sie alle gleich. Sie sagten alle dasselbe aus: hoffnungslos, zu weit vorgeschritten.

»Ich fürchte, Herr Kollberg«, begann Dr. Kramer jetzt, »dass dieser Zeitpunkt schon überschritten ist. Wenn Sie eher gekommen wären, viel eher, dann hätte ich Ihnen vielleicht noch helfen können. Aber jetzt …«

Daniel Kollberg fühlte sich wie in Eis getaucht. Blitzschnell huschten allerlei Gedanken durch seinen Kopf. Vorstellungen, wie sich seine letzten Tage abspielen würden. Und über allem stand beherrschend die Angst um Malu.

»Ich kann es Ihnen nicht verschweigen, Herr Kollberg, weil ich glaube, dass Sie die Wahrheit vertragen können, und weil Sie so noch alles für Ihr Kind vorbereiten können.«

»Es war gut, dass Sie so offen zu mir gesprochen haben, Herr Doktor. Ich … habe letzthin einen Lotteriegewinn gemacht. Könnte eine Operation oder eine Kur mein Leben verlängern? Ich wollte dieses Geld unangetastet lassen, für Malu. Doch unter diesen Umständen …«

»Es fällt mir schwer, Ihnen sagen zu müssen, dass jede Hilfe zu spät kommt. Natürlich können Sie sich noch von einem Kollegen untersuchen lassen.«

»Ich habe Vertrauen zu Ihnen, Herr Doktor. Wozu soll ich mir mein Todesurteil zweimal bestätigen lassen? Trotzdem bin ich Ihnen dankbar dafür, dass Sie offen zu mir sind. Wie lange …, ich meine, wann wird es so weit sein?«

»Das ist schwer zu sagen. Es kann noch ein halbes Jahr dauern, vielleicht auch länger, oder vielleicht nicht so lange. Die Krankheit verläuft individuell völlig verschieden.«

Daniels Gesicht war so grau wie Lehm. Sekundenlang überkam ihn eine wilde Panik, eine verzweifelte Angst vor dem Tod, vor dem dunklen Nichts, aus dem es keine Rückkehr gab. Dann ebbte diese Erregung ab. Das Leben hatte ihn schon oft vor Tatsachen gestellt, die unabänderlich gewesen waren und in die er sich hatte fügen müssen. Dies würde die letzte sein.

»Mir bleibt wenigstens noch genügend Zeit, alles zu ordnen. Doch der Gedanke an Malu zerreißt mir fast das Herz. Sie ist ein so liebes und vernünftiges Kind, aber das Leben ist bisher nicht besonders liebevoll mit ihr verfahren. Mutterliebe hat sie nie kennengelernt. Und nun wird sie auch auf die ihres Vaters verzichten müssen.«

Dr. Kramer sah mitleidig auf den Mann, der vor ihm saß.

»Haben Sie keine Verwandten mehr, Herr Kollberg? Menschen, bei denen Malu ein neues Zuhause finden könnte?«

»Verwandte?« Daniel sah den Arzt an, als wache er aus einem schweren Traum auf. »Ja, doch, ich habe zwei Schwestern. Die eine ist kaltherzig und egoistisch, die andere, die sich bestimmt gern um Malu kümmern würde, hat einen hartherzigen Tyrannen zum Mann. Ich möchte Malu weder in der einen noch in der anderen Umgebung sehen. Aber das Waisenhaus …, ein schrecklicher Gedanke.«

Er senkte den Kopf und sah auf seine Hände, die wie im Krampf ineinander verschlungen waren.

Wie eine Vision erschien vor Dr. Kramer Gut Sophienlust. Das weiträumige schlossähnliche Haus, der große Park mit dem zauberhaften Teich, auf dem Seerosen schwammen und über dem Libellen im Sonnenlicht schillerten. Der große Gartenpavillon, aus dem das heitere Lachen der Kinder klang, wenn sie dort spielten. Das wäre ein Platz, an dem auch Malu geborgen und geliebt aufwachsen könnte, dachte er. Ein Platz, an den sie auch ihren geliebten Benny mitnehmen könnte.

Dr. Kramer überlegte weiter, dass es das Beste war, sich mit Werner in Verbindung zu setzen. Dr. Werner Baumgarten war ein Studienfreund von ihm. All die Jahre hatten sie in Verbindung miteinander gestanden, und erst vor Kurzem hatte er ein paar Tage im Haus des Freundes und im Kreise seiner reizenden Familie zugebracht. Bei der Gelegenheit hatte er auch Sophienlust kennengelernt, die wunderschöne und herzenswarme Denise von Schoenecker, die trotz ihrer bitteren Jugenderfahrung nicht die Liebe zu den Menschen verloren hatte, sowie Nick, ihren goldigen kleinen Sohn, und die vielen anderen Kinder, die auf Gut Sophienlust wieder aufgeblüht waren,wie Blumen, die zu lange im Schatten gestanden hatten.

»Vielleicht kann ich Ihnen helfen, Herr Kollberg. Doch es hängt nicht allein von mir ab, ob es möglich ist. Ich werde mich sofort erkundigen und Ihnen dann Bescheid zukommen lassen. Allerdings könnte ich mir denken, dass Ihr tragisches Schicksal den Sinn Ihrer Verwandten wandelt, und es ist für ein Kind immer gut, bei Blutsverwandten zu leben.«

»Das mag manchmal zutreffen, Herr Doktor. Andererseits sind Fremde oft liebevoller und herzlicher als die eigene Verwandtschaft. Ich danke Ihnen. Jetzt will ich Ihre Zeit nicht länger in Anspruch nehmen. Malu wird schon auf mich warten. Gott steh mir bei, dass es mir gelingt, ihr gegenüber so unbefangen zu sein wie immer.«

»Ich hätte gern mehr für Sie getan, Herr Kollberg. Und bitte, denken Sie daran, dass ich immer für Sie zu sprechen bin. Sobald ich etwas Genaues weiß, wegen des Platzes für Malu, werde ich Sie verständigen.«

Er drückte Daniels Hand mit beiden Händen und brachte ihn dann zur Tür.

*

Über Nacht war der Frühling gekommen. Der Kastanienbaum, der von Malus Fenster aus zu sehen war, hatte seine grünen Blätter auseinandergefaltet. Nun würde es nicht mehr lange dauern, bis er im Schmuck seiner rosa Kerzen zu bewundern war.

Malu liebte diesen Baum im Hof. Er war für sie so eine Art Gruß aus dem Park oder dem Wald. Früher, als sie noch sehr klein gewesen war, hatte sie sich immer brennend gewünscht, dass sie in einem hübschen Haus mit einem großen Garten leben dürfe. Sie hatte sich vorgestellt, dass sie ein Beet mit Blumen habe, das ihr ganz allein gehöre. Inzwischen wusste sie, dass auch die heißesten Wünsche manchmal nicht erfüllt wurden. Und so hatte sie sich mit »Ihrem« Kastanienbaum zufriedengegeben.

Benny hinter ihr fiepste leise.

»Möchtest du spazieren gehen? Ich würde auch gern zum Park laufen. Dort duftet es jetzt schon so wunderschön. Aber wir müssen auf Vati warten. Er hat versprochen, heute früher nach Hause zu kommen. Weißt du, Benny, ich bin sehr froh, dass er nächste Woche seinen Urlaub nimmt. Ich habe ja bald Osterferien, und dann haben wir den ganzen Tag füreinander. Vielleicht fährt er dann auch einmal mit uns zur Stadt hinaus. Dann kannst du laufen. Und es gibt da auch allerhand Interessantes für dich zu riechen: Mäuse und Hasen und noch viel mehr. Aber du darfst nur schnuppern, nicht hinter den Tieren hinterherlaufen und die erschrecken. Denn draußen in der Natur, da haben sie alle genügend Platz nebeneinander.«

Benny wedelte mit dem Schwanz und hob seine rechte Vorderpfote, die er Malu hinstreckte.

»Du willst mir versprechen, dass du den anderen Tieren nichts tust«, lachte Malu. »Das ist lieb von dir, Benny. Du bist mein allerschönster Hund.«

Sie tätschelte ihn, hob ihn dann hoch und trug ihn zum Straßenfenster. »Hier kannst du mit mir nach Vati Ausschau halten. Wenn wir ihn sehen, dann laufen wir ihm entgegen. So, bleib schön sitzen, und pass gut auf.«

Sie schob Benny das flache Kissen zurecht, und der Hund machte es sich auf der breiten Fensterbank gemütlich. 

Malu ging in das kleine Badezimmer und bürstete ihr Haar. Sie war stolz auf die seidigglänzende blonde Pracht. Sie bürstete sie und band sie zu einem dicken Pferdeschwanz zusammen.

»So, Benny, ich bin fertig. Jetzt werden wir ganz genau aufpassen.«

Doch so sehr sie sich auch beide bemühten. Daniel Kollberg war noch nicht zu entdecken. Er saß zu dieser Zeit im Büro des Notars Dr. Lohmeier und legte dem Notar eben seine Kontoauszüge vor.

»Wenn ich Sie richtig verstanden habe, Herr Kollberg, dann wollen Sie also Ihr Vermögen fest für Ihre Tochter anlegen.«

»Ja, das ist richtig, Herr Doktor. Nur, ich möchte nach Möglichkeit vorher bestimmen, wo Malu bis zu ihrer Volljährigkeit leben soll. Ich habe zwei Schwestern. Doch leider bin ich fast sicher, dass weder die eine noch die andere mein Kind zu sich nehmen will oder kann. Ich würde dafür etwas bezahlen. Eine ausreichende Summe, die Sie monatlich überweisen müssten. Nur möchte ich nicht, dass irgendjemand vorläufig etwas Genaues über meinen Reichtum erfährt. Der Rest des Geldes soll ausschließlich für Malu bleiben.«

»Ja, ich verstehe, was Sie meinen, Herr Kollberg. Das lässt sich einrichten. Eine Frage bitte. Sind Sie Witwer?«

»Nein. Ich bin geschieden. Meine ehemalige Frau hat bei der Scheidung ausdrücklich auf alle Rechte an Malu verzichtet. Sie war froh, dass das Gesetz ihr eine solche Möglichkeit ließ. Es besteht doch keine Gefahr, dass sie einen Anspruch auf mein Geld geltend machen kann?«

Sekundenlang dachte er erbittert daran, dass »sie« gewiss bei ihm geblieben wäre, hätte sie nur gewusst, dass er so viel Geld gewinnen und dass er sobald sterben würde. Doch es war gut, dass alles so gekommen war. Nun gehörte alles Malu.

»Nein, diese Gefahr besteht nicht. Wir werden ein Testament machen, und wenn Sie damit einverstanden sind, werde ich Ihnen Vorschläge unterbreiten, wie man den größten Teil des Geldes in mündelsicheren Papieren bis zur Volljährigkeit Ihrer Tochter anlegen kann. Einen gewissen Betrag lassen wir frei verfügbar für Kleidung, Ausbildung und so weiter. Anwälte und Notare haben genau wie Ärzte strenge Schweigepflicht. Niemand wird etwas davon erfahren, wie vermögend Ihre Tochter einmal sein wird.«

»Dann bin ich zufrieden, Geld ist etwas Gefährliches. Es verwandelt die meisten Menschen in Hyänen. Bisher konnte ich so wenig für mein Kind tun. Nun erlaubt mir das Schicksal wenigstens für Malus Zukunft zu sorgen.«

»Sie können sich ganz auf mich verlassen, Herr Kollberg. Ich werde das Testament vorbereiten, und Sie können auch noch einen persönlichen Brief für Ihre Tochter hinterlassen. Wenn ich alles entsprechend geregelt habe, werde ich Sie verständigen. Ich danke Ihnen für Ihr Vertrauen.«

Daniel beeilte sich auf dem Heimweg, als er den Glockenschlag von der nahen Kirche gezählt hatte. Malu würde sicher schon sehnsüchtig auf ihn warten. Heute war ein so schöner Tag – die Sonne schien golden und warm von einem wolkenlos blauen Himmel – dass Malu bestimmt damit gerechnet hatte, dass sie noch einen Spaziergang durch den Park machen würden. Diesen Wunsch wollte er ihr erfüllen.

Er fühlte sich in der letzten Zeit gar nicht mehr so schlapp und elend wie früher. Auch die heftigen Rückenschmerzen traten nur noch ab und zu auf. Manchmal glimmte in seinem Herzen ein winziger Hoffnungsfunke, dass sich Dr. Kramer in seiner Diagnose vielleicht doch geirrt habe. Aber er wollte diesen Regungen nicht nachgeben. Jetzt wollte er die Zeit nutzen, die ihm noch mit Malu verblieb.

»Er kommt, Benny, er kommt!«, schrie Malu, als sie den Vater entdeckte. »Rasch, komm runter von der Fensterbank. Warte, wir müssen doch deine Leine noch mitnehmen. Im Park darfst du doch nicht ohne Leine laufen.«

Daniel Kollberg lächelte, als er die beiden wie die wilde Jagd auf sich zukommen sah. Seit »sie« weg war, war Malu direkt aufgeblüht. Erst jetzt erkannte er, wie stark die seelische Belastung des Kindes in der Zeit seiner unglücklichen Ehe infolge der vielen Streitigkeiten gewesen war. Nicht immer war es richtig, eine Ehe um der Kinder willen aufrechtzuerhalten. Manche Kinder wurden erst wieder frei und fröhlich, wenn sie ganz genau wussten, zu wem sie gehörten.

»Vatilein, wo warst du nur so lange? Wir warten schon eine Ewigkeit auf dich, Benny und ich.«

Daniel begrüßte zuerst Malu und dann Benny, der immer eifersüchtig und unausstehlich war, wenn man sich nicht auch um ihn kümmerte.

»Ich hatte noch Verschiedenes zu erledigen. Doch ich habe mich dabei sehr beeilt. Ich weiß doch, wie sehr du dir einen Spaziergang wünschst. Was hältst du davon, wenn wir in den Park gehen und dort eine dicke Portion Sahneeis essen?«

Malus Augen leuchteten auf. Wie ein Kätzchen rieb sie ihre Wange an der Hand des Vaters.

»Wirklich, Väterchen! Ist das dein Ernst? Und Sahneeis? Können wir uns das denn leisten? Ich meine, es ist doch sehr teuer. Ich wäre schon mit dem Spaziergang zufrieden.«

Wieder einmal rührte Daniel die Bescheidenheit seiner Tochter. Er strich ihr über das schimmernde Haar.

»Wir können, Schätzchen. Ich habe nachgerechnet. Durch meine vielen Überstunden haben wir einen ganz hübschen Zuschuss. Außerdem mag ich es nicht, wenn du dir dein kleines Köpfchen zerbrichst. Verstanden?«

»Ja, Vati«, nickte Malu. »Ich tu’s ja auch nur, weil du so oft rechnen musst. Ich freu mich sehr. Nicht nur, weil es Eis gibt, sondern weil du mal viel Zeit für mich hast.«

»Warte nur, bis ich Urlaub habe. Dann bin ich immer für dich da.«

Malu reckte sich ein bisschen, damit sie sich beim Vater einhaken konnte. Benny trottete brav an der Leine nebenher.

Das hübsche Café lag inmitten des Parks auf einer kleinen künstlichen Anhöhe. Auf der Terrasse standen schon Tische und Stühle. Daniel und Malu fanden einen Tisch an der Balu­strade und hatten von dort einen freien Blick auf den Teich, auf dessen Wasser sich eine Schwanenfamilie und zahlreiche hübsche bunte Enten tummelten.

Der Hund hatte sich unter Malus Stuhl gelegt und die Vorderpfoten anmutig gekreuzt. Das Eis, das der Ober bald in großen Bechern brachte, war mit Früchten, Sahne und Waffeln verziert. Malu fragte: »Erlaubst du, dass ich Benny eine Waffel gebe, Väterchen?«

Obwohl Malu Waffeln selbst gern aß, brachte sie es doch nicht übers Herz, ihrem geliebten Benny diesen Leckerbissen vorzuenthalten.

Daniel nickte. »Ich weiß doch, dass es dir das Herz brechen würde, wenn dein Benny nicht wenigstens probieren dürfte.«

Eine Weile war Stille. Malu aß andächtig Löffel um Löffel der seltenen Köstlichkeit, und Daniel freute sich, dass es ihr schmeckte. Jeden Gedanken an das, was irgendwann in der nächsten Zeit unweigerlich eintreten würde, schob er weit von sich. Er war zufrieden, dass der unerwartet über ihn hereingebrochene Geldsegen es ihm erlaubte, seine Arbeit ganz aufzugeben und sich wirklich jede Stunde, die ihm noch verblieb, um Malu zu kümmern. Und er stellte zu seinem Erstaunen fest, dass es gar nicht so schwer war, mit Wissen um den Tod zu leben. Nur Malu … Die Ungewissheit über ihr Schicksal, das war etwas, was ihn noch quälte.

»Es scheint dir ja ausgezeichnet zu gehen, Daniel.«

Helmas schrille Stimme riss Daniel und Malu gleichermaßen aus ihrer zufriedenen Behaglichkeit. Benny stand auf und knurrte böse.

»Halt den grässlichen Köter fest. Der ist imstande und zerfleischt mich noch«, rief Helma und sprang hastig einen Schritt zurück. Dabei trat sie ihrem Sohn, der dicht hinter ihr stand, auf den Fuß.

»Pass doch auf, Mutter. Ich konnte ja nicht wissen, dass du dich vor der halben Portion Hund so fürchtest.«

Hans Röder war ein hochaufgeschossener, schlaksiger Junge von neunzehn Jahren. Sein Gesicht wäre auch hübsch gewesen, hätten seine Augen nicht einen so kalten Ausdruck gehabt.

Malu zitterte. Sie fürchtete nicht nur Tante Helma, sondern auch den Vetter, der immer irgendwelche Teufeleien im Sinn hatte. Dass ihre Angst berechtigt war, zeigte sich sogleich. Denn Hans trat an seiner Mutter vorbei auf den Stuhl zu, auf dem Malu saß. Sein Fuß zuckte nach vorn, um Benny einen kräftigen Tritt zu versetzen. Doch Malu ahnte seine Absicht. Sie fasste blitzschnell zu, hielt den Fuß fest – und Hans fiel der Länge nach zwischen die Tische. 

Vom Nebentisch riss er eine Kanne Kaffee mit herab, deren Inhalt sich über ihn ergoss, und seinen hellen Anzug mit hässlichen Kaffeeflecken färbte.

»Das ist infam«, schrie Helma wütend, als sie ihren Sohn in dieser unrühmlichen Lage sah. »Und an allem ist nur dieser Köter schuld. Man sollte ihn vergiften.«

»Entschuldigen Sie«, sagte da eine ältere Dame, die am Tisch neben Daniel und Malu saß. Sie hatte zuvor mit Vergnügen Vater und Tochter beobachtet und sich gefreut, dass keiner von beiden den manierlichen kleinen Hund vergessen hatte.

»Entschuldigen Sie, es geht mich zwar nichts an, doch bevor Sie hierherkamen, war der Hund mucksmäus­chenstill. Und ich habe genau gesehen, dass der junge Mann dem Hund einen bösen Tritt geben wollte. Dass er dabei gestolpert ist, ist nur die gerechte Strafe für seine beabsichtigte Rohheit.«

»Die Dame hat ganz recht«, mischte sich nun noch jemand ein. »Es wäre besser, Sie würden Ihren ungezogenen Sohn zur Ordnung rufen, und nicht dem kleinen Hund den Gifttod androhen.«

Helma wurde puterrot. Sie sah sich um. Doch alle, die in der Nähe saßen, schienen eindeutig Partei für Daniel und den Köter zu nehmen. Deshalb richtete sich ihr Zorn nun gegen Hans, der noch immer auf dem Boden lag.

»Steh auf«, herrschte sie ihn an. »Und komm jetzt. Wir werden unseren Kaffee woanders trinken, wo man nicht von Hunden und ungebildeten Menschen belästigt wird.«

»Einen Augenblick, meine Dame«, hielt die Stimme des Kellners sie zurück. »Sie müssen das zerbrochene Geschirr bezahlen. Schließlich hat Ihr Sohn es zerschlagen.«

Helma folgte dem Ober, und Hans schlich wie ein begossener Pudel hinterher.

»Warum sind nur manche Menschen so? Immer macht Tante Helma einem alle Freude kaputt.«

»Es tut mir leid, Schätzchen. Am Besten ist, wir vergessen das. Solche Menschen wie Tante Helma, die begegnen uns immer wieder. Man muss sie in Kauf nehmen.«

»Wie gut, dass du so ganz anders bist, Vati.«

Ein tiefer Seufzer folgte Malus Worten, dann beugte sie sich wieder über ihren Eisbecher.

So sah sie nicht den Schatten von Trauer, der für kurze Zeit Daniels Gesicht verdüsterte. Eines wusste er nach diesem Zwischenfall ganz gewiss, dass Helma niemals geeignet war, seiner kleinen Malu ein wirkliches Zuhause zu geben. Ganz abgesehen davon, dass sie dies wohl auch niemals anbieten würde.

Gottlob hatte Malu den hässlichen Zwischenfall schon wieder vergessen, als sie später durch den Park spazierten. Immer wieder blieb sie entzückt vor einem blühenden Strauch oder den duftenden Frühlingsblumen stehen.

*

Barbara Baumgarten übersah noch einmal den gedeckten Tisch auf der Terrasse. Sie freute sich auf Denises Besuch. Zwar wollte diese einiges mit ihrem Mann besprechen, doch etwas Zeit für einen kleinen Klatsch zwischen zwei Frauen würde gewiss bleiben.

»Gibt’s bald Kaffee, Barbara?«

Dr. Werner Baumgarten war auf die Terrasse getreten, ohne dass ihn Barbara hatte kommen hören. Sie ließ es gern zu, dass er sie umschlang und ihr einen raschen, liebevollen Kuss auf den Nacken drückte.

»Sobald Denise da ist, Werner. Ich zittere davor, dass dich gerade jetzt jemand braucht und du weg musst.«

»Vorläufig ist es noch nicht so weit. Wie ruhig es hier ist, wenn unsere Rangen nicht da sind. Es fehlt einem direkt was, findest du nicht auch?«

Barbare nickte lächelnd. »Ja, sie fehlen mir. Trotzdem bin ich ganz froh, dass ich mal ein paar Tage lang eine angefangene Arbeit auch zu Ende führen kann. Und Mama ist überglücklich, dass sie ihre Enkel nach Herzenslust verwöhnen kann. Doch da kommt ein Auto. Das wird Denise sein. Komm, wir gehen ihr entgegen.«

Arm in Arm gingen sie um das Haus herum zum Gartentor. Barbara freute sich, dass in ihrem Garten schon die ersten Tulpen blühten, obwohl es noch sehr früh im Jahr war.

Sie streckte Denise von Schoenecker beide Hände entgegen. Dann küsste sie sie auf die Wangen.

»Ein seltener, aber sehr lieber Besuch, liebe Denise. Du siehst schön und blühend aus wie immer. Kein Wunder, dass Alexander noch so verliebt in dich ist wie am ersten Tag.«

»Und ich in ihn«, erwiderte Denise fröhlich. »Wie machst du das nur, Barbara, dass bei dir schon jetzt die Tulpen blühen? Ein kleines Paradies ist euer Garten!«

»Sie hat da so geheime Zauberkräfte«, rief Werner vergnügt. »Du siehst es ja auch an mir, Denise. Mich hat sie fest am Gängelband. Es ist eben ihre Art, alles energisch zu betreiben.«

Denise ließ sich im Gartensessel nieder. Sie freute sich auf das kurze Zusammensein mit den beiden Menschen, die ihr lieb waren. Barbara goss den Kaffee ein und reichte die Platte mit dem selbst gebackenen Kuchen herum. Sie verhielt sich zunächst still, als Denise mit Werner einiges besprach, was die ärztliche Betreuung von Sophienlust betraf, und horchte erst auf, als Werner von dem Brief Dr. Kramers erzählte.

»Ein tragisches Schicksal, Denise. Erst diese unglückliche Ehe, die nun endlich gelöst ist, und nun steht das Kind dicht davor, Waise zu werden. Und den armen, todkranken Vater belastet neben dem Wissen um sein baldiges Ende auch noch die übergroße Sorge, was aus Malu werden soll.«

»Warum sagst du Denise nicht gleich, dass du ihr das in einer ganz bestimmten Absicht erzählst«, schaltete sich Barbara nun temperamentvoll ein. »Es gibt ja nun mal nur ein Sophienlust auf der Welt, und wo wäre die kleine Malu samt ihrem Hund wohl besser aufgehoben als dort, wo nicht nur ein Paradies für Kinder, sondern auch ein Tierparadies entstanden ist? Und das ist Denises Liebe zu den Menschen zu verdanken, besonders aber ihrer Liebe zu den Kindern und der Ernsthaftigkeit, mit der sie das Vermächtnis der Urgroßmutter Sophie von Wellentin erfüllt. Manchmal hab ich wirklich das Gefühl, dass sie einen verborgenen Heiligenschein um ihren hübschen Kopf trägt.«

Barbara sagte das ganz ernst. Man hörte aus ihren Worten den tiefen Respekt und die Bewunderung heraus, die sie für Denise empfand.

Werner Baumgarten hatte zuerst etwas unwillig auf Barbara gesehen. Doch je länger sie sprach, desto mehr erkannte er, dass sie sich sehr eingehend mit Dr. Kramers Brief beschäftigt hatte.

»Erich hat Daniel Kollberg noch nichts davon gesagt, dass in Sophienlust vielleicht ein Platz für Malu wäre. Er wollte, dass ich erst einmal mit dir darüber spreche, bevor er dem Vater irgendwelche Hoffnungen macht.«

Denise hatte nachdenklich zugehört. Viele Gedanken gingen ihr durch den Kopf. Sicher, sie hatten schon viele Kinder auf Sophienlust, doch ein Plätzchen, an dem ein kleines Mädchen und sein Hund geborgen waren, würde sich schaffen lassen.

»Ich wäre schon bereit, die kleine Malu aufzunehmen, wenn es erst einmal so weit ist. Grässlich, es so aussprechen zu müssen. Und entsetzlich für den Vater, mit der Sorge belastet zu sein, was aus seinem Kind wird. Ich weiß, wie groß der Kummer ist, den man sich dann macht. Es geht einem ja weniger um sich selbst.«

»Du bist wirklich wunderbar, Denise!« 

Werner Baumgarten nahm impulsiv Denises Hand und küsste sie.

»Ach was, Werner, so wunderbar bin ich auch nicht. Ich hab nun mal die Menschen lieb. Und Alexanders Liebe gibt mir so viel Kraft. Ohne alle meine Kinder wäre das Leben nur halb so schön. Schreibe Dr. Kramer, dass er Herrn Kollberg sagen kann, dass seine Malu, welch ein hübscher Name, bei mir willkommen ist. Wenn er will, dann kann er ja ruhig einmal einen Besuch bei uns machen und sich Sophienlust ansehen.«

»Ich schreibe noch heute Abend, Denise. Ich weiß allerdings nicht, ob Herr Kollberg vermögend ist.«

»Du weißt, dass das nur eine untergeordnete Rolle spielt, Werner. Gottlob haben wir die Möglichkeit, auch ohne Bezahlung etwas Gutes tun zu können. Was die reichen Eltern mehr geben, kommt eben den bedürftigen Kindern zugute. Aber nun muss ich weg. Alexander ist daran gewöhnt, dass ich da bin, wenn er heimkommt. Es war schön wie immer bei euch. Danke für den reizenden Nachmittag.«

Barbara und Werner winkten Denise nach, solange sie den Wagen sehen konnten. Dann gingen sie zum Haus zurück.

»Weißt du, dass ich schon überlegt habe, ob wir die kleine Malu nicht zu uns nehmen sollten, wenn Denise keinen Platz gehabt hätte«, vertraute Barbara ihrem Mann an.

»Dann haben wir beide mit dem gleichen Gedanken gespielt, Babs. Und vielleicht können wir es später noch tun.«

Barbara blieb stehen, sah Werner an.

»Ein entsetzlicher Gedanke, dass es unserer Rasselbande einmal so ergehen könnte wie der armen kleinen Malu. Manchmal lässt die Gerechtigkeit dieser Welt schon sehr zu wünschen übrig. Anstelle des Vaters, der sein Kind liebt, hätte ja auch diese kaltherzige Mutter sterben können.«

Werner wollte etwas sagen, aber Barbara wehrte seinen Einwand ab, bevor er ausgesprochen war.

»Ich weiß schon, dass du so etwas nicht gern hörst. Aber manchmal muss ich meinem Herzen Luft machen.«

Als sie auf der Terrasse waren, klingelte das Telefon.

»Ich wusste doch, dass du noch mal weg musst, Werner. Morgen hole ich die Kinder. Dann bin ich wenigstens nicht mehr so allein und verlassen.«

Sie hörte Werner telefonieren und lief ins Sprechzimmer, um zu überprüfen, ob seine Arzttasche vollständig gepackt war. Dann eilte sie in die Garage und fuhr seinen Wagen hinaus.

»Danke, mein liebes Weib. Wenn man dich so reden hört, könnte man meinen, du hättest nicht das geringste Verständnis für meinen Beruf. Dabei ist es genau umgekehrt.«

»Pass auf dich auf, Werner«, sagte Barbara und gab ihrem Mann einen Kuss. »Ich liebe dich nun mal. Da muss ich mich eben mit allem, was zu dir gehört, abfinden. Und wenn du nicht Arzt sein könntest, dann wärst du doch nur ein halber Mensch. Das weiß ich ganz genau.«

»Dem Himmel sei Dank dafür, Barbara. Ich werde sehen, dass ich bald wieder hier sein kann. Auf Wiedersehen.«

*

Daniel Kollberg hatte schon immer eine Scheu davor gehabt, mit seinem Schwager Kurt zusammenzutreffen. Doch wenn er versuchen wollte, Malu im Hause seiner Schwester Irene einen Platz zu schaffen, dann musste er auch mit Kurt sprechen.

Er blieb vor dem kleinen Einfamilienhaus stehen. Sein Blick streifte gedankenvoll das weiße Emailschild.

– Kurt Walters, Steuerberater – stand in dicken schwarzen Buchstaben darauf.

Daniel drückte auf den Klingelknopf. Kurz darauf summte der elektrische Türöffner, das Gartentor sprang auf und in der geöffneten Haustür wurde Irene sichtbar.

»Daniel du«, rief sie erfreut. »Nett, dass du mal zu uns kommst. Bitte, komm doch herein. Kommst gerade recht zum Kaffee. Ich hab den Tisch schon gedeckt.«

Die Geschwister begrüßten sich mit einem Kuss, und Irene schloss hinter ihrem Bruder die Tür.

»Wie geht es Malu und dir? Ich wollte immer mal vorbeikommen, doch gerade jetzt habe ich einiges für Kurt zu schreiben gehabt. Du weißt schon, so Sachen, die die Mädchen vom Büro nicht unbedingt sehen müssen. Und daneben der Haushalt. Manchmal weiß ich wirklich nicht, wie ich das alles überhaupt schaffe, Kurt«, rief sie dann laut. »Der Kaffee ist fertig.«

Sie saßen schon am Tisch, als Kurt Walters eintrat. Immer wieder, wenn Daniel seinen Schwager sah, stellte er fest, dass er eigentlich auf den ersten Blick sehr nett und sympathisch, sogar gutmütig wirkte. Doch dass dieser Eindruck täuschte, hatte er leider schon zu oft erfahren.

»Tag, Daniel. Dir geht’s gut! Du lässt den lieben Gott einen guten Mann sein, während andere Leute arbeiten. Kein Wunder, dass du dabei auf keinen grünen Zweig kommst.«

Er nahm sich ein großes Stück Kuchen und bot die Kuchenplatte erst dann Daniel an.

»Danke, Kurt, ich habe keinen Appetit. Ich trinke nur eine Tasse Kaffee.«

Irene saß wie auf glühenden Kohlen. Es tat ihr weh, dass Kurt ihrem Bruder bei jeder Gelegenheit zu verstehen gab, dass er nicht viel von seinen beruflichen Qualitäten hielt.

»Wie geht es Malu, Daniel?«, fragte sie.

»Gut, Irene. Sie hat zu Ostern ein glänzendes Zeugnis nach Hause gebracht. Ich bin sehr stolz darauf, dass sie so gut lernt. Überhaupt macht sie mir nur Freude.«

»Ein Kind muss parieren«, rief Kurt Walters. »Wär ja noch schöner, wenn man es nicht dazu bringen könnte, etwas zu lernen. Es ist ja schließlich für seine Zukunft. Und Dankbarkeit dafür, dass man dafür sorgt, dass sie eine gute Schulbildung mitkriegen, kann man von Kindern ja wohl erwarten.«

»So kann man es auch sehen, Kurt. Aber jeder hat deine Einstellung nicht. Ich bin gekommen, weil ich etwas mit euch besprechen wollte.«

Daniel musste sich sichtlich einen Ruck geben. Doch es gab ja außer Irene niemanden, dem er die Sorge um Malu hätte anvertrauen können.

»Besprechen«, wiederholte Kurt Walters misstrauisch. »Das heißt doch wohl, dass du etwas von uns willst. Geld können wir selbst gebrauchen, davon haben wir nicht zu viel.«

»Bitte, Kurt, lass doch Daniel erst mal reden. Du weißt ja noch gar nicht, was er möchte. Wie kannst du gleich von Geld reden! Es bedrückt dich etwas, Daniel, nicht wahr? Ich hab’s dir schon angesehen, als du zur Tür hereinkamst.«

»Ich bin schwer krank«, sagte Daniel Kollberg nun ohne Übergang leise. »Ich habe nur noch ein paar Monate zu leben. Ich weiß es. Der Arzt hat es mir auf meine Bitte hin gesagt. Und jetzt quält mich der Gedanke, was aus Malu werden soll, wenn ich nicht mehr bin. Ich wollte euch fragen, ob ihr euch nicht ihrer annehmen könntet. Für ihre Ausbildung habe ich etwas zurückgelegt, und dann bekommt sie ja auch eine Waisenrente. Sie ist nicht verwöhnt und stellt keine Ansprüche. Nur … der Gedanke, dass sie ins Heim müsste, wenn ich tot bin, der ist mir unerträglich.«

Er zog sein Taschentuch aus der Tasche und tupfte sich den Schweiß von der Stirn. Er kam sich vor wie ein lästiger Bittsteller.

»Aber darüber brauchen wir doch gar nicht zu reden, Daniel«, rief Irene mit schwankender Stimme. »Selbstverständlich …«