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Die 23. Ausgabe des Raumfahrt-Klassikers. In den SPACE-Jahrbüchern halten wir für Sie die aktuellen Entwicklungen in der Raumfahrt fest. Sachkundig, pointiert, aktuell und spannend Rocket Lab auf der Überholspur *** Stoke Space: Vollständig wiederverwendbar *** Der neue Blick auf Indiens Raumfahrtprogramm *** Starship: Etwas ins Stocken geraten *** Artemis II: Vor dem Mondflug *** Das libanesische Raumfahrtprogramm *** Willy Leys letzte Reise *** Die europäischen Träger – Ein Statusbericht *** Die besten Raumfahrtbücher 2025/2026 *** Gigantische Spiegel im All Fit wie Apollo Dystopie & Utopie – Ein Interview mit Rainer Zitelmann *** SF-Wettbewerb 2025 mit Micro SF *** Raumfahrtchronik, Raumfahrtstatistik, Raumfahrt- Panorama und vieles mehr...
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Seitenzahl: 345
Veröffentlichungsjahr: 2026
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SPACE 2026
Das aktuelle Raumfahrt-Jahrbuch mit allen Starts
Eugen Reichl
Web: www.space-jahrbuch.de / E-Mail: [email protected]
1. Auflage, November 2025
Copyright © by VFR e. V., München
Alle Rechte vorbehalten
Initiator: Verein zur Förderung der Raumfahrt e. V., www.vfr.deHerausgeber: Thomas Krieger
Lektorat: Heimo Gnilka, Margit Drexler, Thomas Krieger, Michael Erle, Stefan Schiessl
Titelmotiv: NASALayout & Satz: Stefan Schiessl, www.exploredesign.de
ISBN: 978-3-944819-58-7 eBook(PDF)
Inhalt
Editorial 4
Themen im Fokus 10
Rocket Lab auf der Überholspur 12
Vollständig wiederverwendbar – Stoke Space 26
Eine kleine Geschichte der indischen Raumfahrt 36
Das Ende des Starship? 54
Artemis II: Vom Start bis zur Landung 70
Das libanesische Raumfahrtprogramm 78
Willy Leys letzte Reise 84
Die europäischen Träger – ein Statusbericht 90
Die besten Raumfahrtbücher 100
Gigantische Spiegel im All 110
Ausstellung „Fit-wie-Apollo“ – Zeitreise ins Jahr 1966 118
Von Dystopien und Utopien 122
Science Fiction Kurzgeschichten-Wettbewerb 130
Nachtrag SF-Wettbewerb 2024: „Das Konzert“ von Peter F. Kuhn 132
Platz 3: „Der kleinen Schwester große Reise“ von Christian Eckhard Jäkel 140
Platz 2: „Surfin“ von Tobias Lagemann 148
Platz 1: „Die Kinder von Cassiopeia“ von Randolf Eilenberger 154
Science Fiction Mikro-Stories – Sehr kurz und sehr gut 159
Raumfahrt-Jahreschronik 162
September 2024 164
Oktober 2024 170
November 2024 177
Dezember 2024 182
Januar 2025 190
Februar 2025 195
März 2025 201
April 2025 207
Mai 2025 214
Juni 2025 221
Juli 2025 227
August 2025 234
SPACE-Panorama 242
Fakten, Fakten, Fakten 260Das Raumfahrtjahr 2024 – Fakten & Highlights 262
Die Starts des Jahres 2024: Überblick und Vergleich 272
Chronologie der Weltraumstarts im Jahr 2024 281
Bemannte suborbitale Flüge in 2024 288
Entwicklung der Weltraumstarts in Diagrammen 290
Weltraumstarts Januar bis September 2025 mit Ausblick bis Dezember 2025 292
Glossar 300
Raumfahrt-Geschichte in Jahrestagen 302
Editorial
Liebe Leserin, Lieber Leser,
wenn ich das Raumfahrtjahr 2025 mit einem einzigen Begriff charakterisieren sollte, dann fällt mir dazu nur das Wort „tumultös“ ein. Es war ein Auf und Ab mit allem, was das Genre zu bieten hat. Aufstiege und Abstürze, Explosionen und Erfolge, Trauriges und Heiteres.
Insgesamt ging es mit der Raumfahrt, vor allem mit ihrem kommerziellen Teil, mächtig voran. Zu erkennen war das an den weiterhin enorm steigenden Startzahlen. Ich habe bereits in der vorherigen Ausgabe unseres Jahrbuches von einer goldenen Phase der Raumfahrt gesprochen. Diese Aussage gilt weiterhin und mehr denn je.
Einen der „Aufstiege und Abstürze“ haben wir in zwei Kurzbeiträgen im Raumfahrt-Panorama thematisiert: Die Ernennung von Jared Isaacman durch Donald Trump zum NASA-Administrator, und wenige Monate darauf die Rücknahme dieser Ernennung, gerade als sie eben vom Senat bestätigt worden war. Nicht ohne Ironie ist der Umstand, dass eben jetzt (ich schreibe dieses Editorial am 24. Oktober 2025) Isaacman nun erneut als Kandidat für diese Position gehandelt wird.
Ein bisschen hat das wohl mit Elon Musk zu tun, der Anfang des Jahres noch „Everybody’s darling“ im Weißen Haus war, danach (vor allem wegen zu kritischer Äußerungen zu Trumps Finanzpolitik und einem heftigen Streit mit dem Präsidenten darüber) in Ungnade fiel, doch nun – gegen Jahresende – wieder zu einem etwas normalisierten Verhältnis zu Trump zurückgefunden hat. Es geht auch nicht anders, die beiden brauchen einander.
Zum Thema Explosionen und Erfolge gäbe es ebenfalls einiges zu berichten (die Alpha von Firefly ist hier ein Kandidat). Aber bleiben wir doch gleich bei SpaceX und Elon Musk, denn die Starship-Entwicklung hatte beides zu bieten. Vier Explosionen in Folge folgten zwei erfolgreiche Tests. Man kann schon gespannt sein, was das Jahr 2026 bringen wird. Eins ist sicher: Die ersten Flüge der neuen Jahres von der Starbase aus werden von der brandneuen zweiten Startanlage erfolgen. Die Rampe 1, von der aus bislang alle elf der so genannten „Integrated Flight Tests“ erfolgten, wird abgebaut und danach vollständig neu wiedererrichtet.
Zum Thema „Traurig“: Es leben nicht mehr viele der Mondflieger aus dem Apollo-Programm und es wäre schön, wenn zumindest einer noch die nächste bemannte Landung nach Apollo 17 erleben würde. Jim Lovell hat es leider nicht geschafft, obwohl er 97 Jahre alt geworden ist. Er war einer von nur drei Menschen, die zweimal zum Mond geflogen sind.
Eher erheiternd ist ein Vorfall (wenngleich nicht für den Hersteller Space One) der sich beim Erstflug der KAIROS-Rakete zutrug. Dort wurde die perfekt funktionierende Rakete fünf Sekunden nach dem Liftoff vom automatischen Flugabbruchsystem gesprengt, weil die Grenzwerte dafür zu konservativ eingestellt gewesen waren. Zu viel Vorsicht schadet manchmal auch.
Raumfahrt spielt sich auch im Jahr 2025 vor allem in den USA und in China ab. Europa läuft weiterhin weit abgeschlagen hinterher, noch hinter Russland, noch hinter Indien und Japan. Doch inzwischen gibt es schon den einen oder anderen Silberstreifen am Horizont. Das europäische „Missionskonto“ durfte nach einem All-time-low im Jahre 2024 mit nur drei Orbitalstarts wieder leicht steigen, und ist heuer (es sind noch zehn Wochen zum Jahresende, als diese Zeilen entstehen) auf sieben angewachsen. Darunter auch der bereits in einer sehr frühen Flugphase gescheiterte Erstflug der Spectrum-Rakete von Isar Aerospace.
Sieben, das liest sich nicht schlecht, aber man muss es ins Verhältnis setzen zu den insgesamt etwa 310 Starts, die wir bis Jahresende weltweit erwarten können. Mehr als 160 davon werden alleine aus den USA kommen, mehr als 80 aus China.
Aber es gab natürlich auch viele positive Highlights in der weltweiten Raumfahrt. Meine drei Favoriten unter den Top-Ereignissen 2025 sind:
Die Starship-Testmissionen IFT-10 und IFT-11. Nach einer Durststrecke zwischen Januar und August, bei der vier Starships in Folge explodierten (eines davon auf dem Teststand) kam SpaceX bei der Starship-Entwicklung erst Ende August wieder auf den Erfolgspfad zurück.Der erfolgreiche Jungfernflug des New Glenn, der drittgrößten aktiven Trägerrakete der Welt. Er erfolgte im Januar.Und die Landung des Blue Ghost von Firefly Aerospace auf dem Mond. Es war dies die erste erfolgreiche private Mondlandung.Mein „Aufsteiger des Jahres“ ist in diesem Jahr Stoke Space. Wir haben dem Unternehmen deswegen auch gleich einen Artikel gewidmet. Die Nova, so der Name der Rakete, welche das Unternehmen grade entwickelt, ist voll wiederverwendbar und soll den Raumtransport in der unteren Mittelklasse mit Nutzlasten bis drei Tonnen revolutionieren.
Der „Sonderklasse-Award“ kann erneut an niemanden anderen als SpaceX gehen. Als Stichworte seien hier nur drei Begriffe genannt: Starlink, Starship, Startrate. Auch wenn nicht immer alles klappt, wie beim Starship-Technologieprogramm, der Vorsprung von SpaceX gegenüber der Konkurrenz ist immens.
Noch einen „Daueraufsteiger“ haben wir, nämlich die hierzulande wenig beachtete chinesische Raumfahrt. Sie brachte unbeirrbar und stetig ihr bemanntes Mondprogramm weiter voran. In Wenchang entstehen gerade gewaltige Infrastrukturanlagen, statische Brennläufe der Langer Marsch 10-Mondrakete sind in diesem Jahr erfolgt, ein so genannter Launch Pad-Abort-Test mit dem Mengzhou-Raumschiff verlief erfolgreich ebenso wie die Landeversuche des bemannten Lanyue-Mondlanders. Das selbst gesetzte Ziel, bis 2030 Menschen auf den Mond zu bringen, scheint aus aktueller Sicht gut erreichbar.
Nun zu unserem traditionellen „Sneak Preview“ in die diesjährige Ausgabe.
Den Leitartikel haben wir unserem letztjährigen Aufsteiger des Jahres, nämlich Rocket Lab, gewidmet. Dieses Unternehmen hört nicht auf, zu beeindrucken. Deshalb finden wir, dass Rocket Lab auf der Überholspur ist.
Auch unserem diesjährigen Aufsteiger des Jahres, Stoke Space, widmen wir einen Artikel. Er trägt den Titel Vollständig wiederverwendbar – Stoke Space. Er zeigt die Richtung, in der es bei diesem ungemein innovativen Unternehmen geht.
Indiens Raumfahrtprogramm ist im Westen weitgehend ein unbeschriebenes Blatt. Das Land steht an der Schwelle zu bemannten Einsätzen. Wir wollen mit Einer kleinen Geschichte der indischen Raumfahrt aufrollen, wie es dazu kam und wie es in Zukunft mit der indischen Raumfahrt weitergeht.
Das Starship-Technologieprogramm hatte 2026 eine recht gemischte Bilanz. Wir berichten darüber in unserem ArtikelDas Ende des Starship?
Anfang 2026 werden wir erstmals wieder seit mehr als 53 Jahren eine bemannte Mondmission erleben. Keine Landung, aber immerhin eine Umfliegung des Erdtrabanten. Der Artikel Artemis II – Vom Start bis zur Landung beschäftigt sich mit dem Ablauf dieser Mission und zeigt, was wir von ihr erwarten können.
Hätten Sie gedacht, dass es im Libanon jemals so etwas Ähnliches wie ein Raumfahrtprogramm gab? Unsere Gast-Autorin Janine Napirka liefert mit Das libanesische Raumfahrtprogramm den Beweis.
Eine außerordentlich mysteriöse Geschichte um den Raumfahrpionier Willy Ley bringt uns Dr. Wolfgang Both näher. Es handelt sich um Willy Leys letzte Reise.
Wie schon in den vergangenen Jahren beleuchten wir auch in SPACE 2026 Jahr die Situation auf dem europäischen Trägermarkt. Titel: Die europäischen Träger – Ein Statusbericht.
Und wie ebenfalls schon im letzten Jahr haben wir an allfällige Weihnachts-, Geburtstags- und sonstige Geschenke, und natürlich auch an das persönliche Lesevergnügen gedacht, und fünf unserer Ansicht nach gute aktuelle Raumfahrtbücher im Artikel Die besten Raumfahrtbücher besprochen, um Ihnen die Beschaffungsentscheidung zu erleichtern.
Ein weiterer Gastartikel kommt von Sirwan Aminy, der den bekannten Raumfahrt-Kanal „Mars Chroniken“ auf YouTube betreibt. In seinem Beitrag geht es um Gigantische Spiegel im All.
Heimo Gnilka berichtet über die vom VFR e.V. organisierte Raumfahrtausstellung Fit wie Apollo – Zeitreise ins Jahr 1966.
Und über Dystopien und Utopien sprechen wir mit dem bekannten Historiker, Soziologen, Unternehmer, Buchautor und Filmproduzenten Rainer Zitelmann.
Unser diesjähriger Science Fiction Wettbewerb befasste sich mit dem Thema Lichtsegelschiffe – Segeln im Sonnenwind. Ein Thema, das in der Science Fiction immer wieder gerne aufgegriffen wird. Wie stets finden Sie in der aktuellen Ausgabe von SPACE die drei ersten Preisträger. Ich kann nur sagen: es sind dramatische und spannende Stories. Jede von ihnen ist ein Lesegenuss.
Im VFR-Science Fiction Wettbewerb des letzten Jahres ging es um das Thema „Space Art – Kunst im Weltraum“. Der zweite Platz wurde damals wegen Punktgleichheit zweimal vergeben. Versehentlich haben wir aber nur eine der Geschichten gedruckt. Wir sind es dem letztjährigen Zweitplatzierten und Ihnen als Leser des SPACE-Jahrbuches schuldig, diesen Beitrag ebenfalls zu veröffentlichen, was wir in dieser Ausgabe gerne tun. Sie kommen somit zu einer spannenden Zusatzstory.
Die ultrakurzen Science Fiction Mikro-Stories haben seit einigen Jahren ihren festen Platz im Jahrbuch gefunden. Diese Geschichten sind in ihrem Umfang auf maximal 500 Zeichen inklusive der Leerzeichen beschränkt. Die Anzahl der Zusendungen ist immer wieder erstaunlich. In dieser Ausgabe stellen wir die nach unserem Dafürhalten zehn bemerkenswertesten Beiträge vor.
Auf unsere Rubrik Raumfahrt-Panorama September 2024 – August 2025 sind wir anfangs schon kurz im Zusammenhang mit Jared Isaacman eingegangen. Auch in diesem Jahr gibt es wieder 24 Kurzartikel zu wichtigen und interessanten Ereignissen des Berichtsjahres, die wir nicht in unseren Fachartikeln abdecken konnten.
Neben den Artikeln und den Kurzgeschichten widmen wir einen wesentlichen Teil des Buches wie immer einer ausführlichen Dokumentation aller Raumfahrtstarts in der SPACE-typischen Berichtsperiode, die für den aktuellen Band vom September 2024 bis August 2025 reicht. Wir haben damit in den bislang erschienen 22 Bänden jede einzelne Mission, die seit 2003 in den Orbit oder darüber hinausging, im Detail dokumentiert. Aufgrund der steil wachsenden Anzahl an Starts mussten wir das Format dafür vor zwei Jahren umstellen, weil sonst das Jahrbuch aus allen Nähten platzen würde. Sie finden seither in unserer Raumfahrt-Jahreschronik einen kleinen „Anlauftext“ von jeweils etwa 500 Zeichen Länge, ausgestattet mit einem Bild und einem QR-Code. Der leitet Sie dann zur detaillierten, längeren Beschreibung des jeweiligen Starts zu einer externen Datei weiter.
Für die Zahlenfreaks und die Daten-Fans unter unseren Lesern haben wir wie jedes Jahr einen großen Block zur Raumfahrtstatistik des Berichtsjahres erarbeitet, und ganz hinten im Buch finden Sie wie immer ein Glossar und eine Raumfahrtgeschichte in Jahrestagen.
Am Schluss dieses Editorials ist wie jedes Jahr der Platz, denen zu danken, die wesentlich zum Entstehen dieser Ausgabe beigetragen haben. Das ist vor allem unser Grafiker und Ideengeber Stefan Schiessl, der dafür sorgt, dass jedes Jahr ein hochwertiges Buch entsteht. Unterstützend tätig war in diesem Jahr wieder Lothar Karl, der umsichtige Organisator des VFR-Science Fiction Kurzgeschichten- und Ultrakurzgeschichten-Wettbewerbs. Ein weiterer herzlicher Dank geht nach Berlin an unsere Lektorin Margit Drexler und nach Weilheim und Dachau, wo Heimo Gnilka und Michael Erle ebenfalls darüber wachen, dass das Buch so fehlerfrei wie möglich bei Ihnen auf dem Tisch liegt.
Wie immer noch einige Zeilen zu unserem Kontaktangebot. Sie können uns per E-Mail unter [email protected] erreichen. Auf unserem SPACE-Portal www.space-jahrbuch.de finden Sie alle Infos zu unserem Jahrbuch und seinem Entstehen sowie jede Menge weiteren Raumfahrt-Content. Diese Seite ist auch der Ort, an dem Sie die Bände vergangener Jahre nachbestellen können, die im Buchhandel möglicherweise schon vergriffen sind.
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Wenn Sie Kritik für uns haben oder Lob, Tipps oder Meinungen, ein Problem oder eine Frage zu den Inhalten, wenn Sie sich schon mal die Ausgabe für das nächste Jahr reservieren wollen oder gerne der Tochter oder dem Sohn eines oder mehrere der Bücher schenken wollen, gerne auch signiert: nehmen Sie über eine der vielfältigen Möglichkeiten Kontakt mit uns auf. Wir freuen uns auf Ihr Feedback.
Und jetzt hinein ins Raumfahrtgeschehen. Wir wünschen Ihnen viel Freude bei der Lektüre von SPACE 2026. Bleiben Sie uns weiterhin treu und gewogen.
Im Namen des SPACE-Teams, IhrEugen Reichl
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Rocket Lab.
Ein Blick in die Rocket Lab Range Control am Raumfahrtzentrum Mahia während des Starts der „Symphony In The Stars“-Mission am 28. Juni 2025.
Rocket Lab
Die Neutron gibt die zweite Stufe mit der Nutzlast frei. Künstlerische Darstellung.
Rocket Lab
Peter Beck
Rocket Lab auf der Überholspur
Es gibt einiges, was an Peter Beck Aufsehen erregt. Rein äußerlich ist es sein etwas rundliches Gesicht mit dem ungebändigten Lockenkopf, sein markanter neuseeländischer Dialekt und seine unbedingte Hingabe an die Raumfahrt, mit der er stark an den sechs Jahre älteren Elon Musk erinnert. Auch sein ansteckender Humor und seine Gabe, komplett natürlich zu sein. Er ist wie der Nachbar von nebenan, oder der „Schrauber“ im Blaumann, dem man im Baumarkt über den Weg läuft.
Peter Beck ist ein klassischer Selfmade-Man. Ein Typus, wie man ihn zeitlich eher am Ende des 19. oder Anfang des 20. Jahrhunderts verorten würden. Er hat kein College absolviert und schon gar keine Universität. Von seiner Ausbildung her könnte man ihn als Maschinenbau-Techniker bezeichnen, ein Handwerker. Er absolvierte eine Lehre beim neuseeländischen Haushaltsgerätehersteller Fisher & Paykel. Und das war es dann auch schon so ziemlich mit einer formellen Ausbildung. Zwischen 2001 und 2006 war er als Techniker bei der Industrial Research Ltd (einem staatlichen Forschungsunternehmen in Neuseeland) tätig, wo er sich mit Smart Materials, Verbundwerkstoffen und Supraleitern beschäftigte. Den ganzen riesigen Rest hat er sich autodidaktisch angeeignet, was ihn zu einem der weltweit führenden Raketen- und Produktionsexperten gemacht hat. Trotz seiner fehlenden universitären Ausbildung wurde er 2019 zum Adjunct Professor (außerplanmäßiger Professor) der Universität von Auckland berufen. 2006 gründete er das Unternehmen Rocket Lab. Um den Betrieb am Laufen zu halten musste er zunächst Eigenmittel aufbringen, und das war vor allem das Geld seiner Frau, aber es gelang ihm mit seiner gewinnenden Art zusätzlich schon früh eine erstaunliche Anzahl von Investoren zu mobilisieren. Vor Peter Beck und seinem Unternehmen Rocket Lab gab es übrigens in Neuseeland keine Spur irgendwelcher auch nur im Ansatz astronautischer Tätigkeit.
Rocket Lab entwickelte zunächst – quasi als Werbeträger – die Höhenforschungsrakete Atea-1, was in der Sprache der Maori ‚Weltraum‘ bedeutet. Die sechs Meter lange und 60 Kilogramm schwere Rakete absolvierte einen einzelnen erfolgreichen Start, der sie angeblich (Beck erzählt diese Geschichte immer etwas augenzwinkernd) auf eine Höhe von über 100 Kilometer brachte. Der Start erfolgte am 30. November 2009 vom Great Mercury Island aus. Die Investoren zeigten sich gebührend beeindruckt.
2010 begann Rocket Lab mit der Entwicklung der zweistufigen Mikro-Trägerrakete Electron, die Nutzlasten bis 225 Kilogramm in eine Erdumlaufbahn bringen können sollte (inzwischen ist die Nutzlastkapazität auf 320 Kilogramm gestiegen). Als Startplatz dafür wurde die Halbinsel Mahia an der Ostküste der neuseeländischen Nordinsel ausgewählt.
Für eine gute finanzielle Ausstattung trug neben der schon bestehenden Investorengemeinde auch eine Absichtserklärung des amerikanischen Operationally Responsive Space Office bei. Das erklärte sich bereit, Starts bei ihm zu beauftragen, wenn er denn einen Kleinträger zur Einsatzreife bringen sollte. Diese Zusage eines potentiellen institutionellen Kunden brachte zusätzliche Finanziers ins Unternehmen. Rocket Lab betreibt zwar große Teile seiner Entwicklungs- und Fertigungstätigkeit, sowie bis auf weiteres auch noch die überwiegende Starttätigkeit in Neuseeland, ist aber aus vermarktungstechnischen Gründen seit 2013 in den USA registriert. Um weiteren finanziellen Spielraum zu gewinnen ist Rocket Lab außerdem seit 2021 ein börsennotiertes Unternehmen. Die neuseeländischen Aktivitäten sind heute in einer Tochtergesellschaft ausgelagert. Auch wenn sich Rocket Lab in der Industrie aus gutem Grund als US-Unternehmen präsentiert, und seinen Hauptsitz in Los Angeles hat, ist immer noch fast die Hälfte der derzeit etwa 2.000 Angestellten in Auckland und am Startzentrum in Mahia mit seinen beiden Startanlagen beschäftigt.
Mit der Electron betreibt Rocket Lab die weltweit am zweithäufigsten eingesetzten Orbitalrakete. Längst besteht das Betätigungsfeld des Unternehmens aber nicht mehr nur aus diesem einen Produkt. Die Firma bietet inzwischen ein breites Portfolio an Raumfahrtsystemen, Komponenten und Dienstleistungen an. Werfen wir einen Blick auf die wichtigsten der aktuellen Produkte. Da wären, alphabetisch geordnet, die…
…Electron, die erfolgreichste Kleinträgerrakete der Welt. Die haben wir oben beschrieben.…HASTE. Diese Abkürzung steht für Hypersonic Accelerator Suborbital Test Electron. Das ist ein zweistufiger Booster auf Basis der Electron für die Flugerprobung militärischer Hyperschall-Gleitkörper. Bislang wurden damit vier erfolgreiche Missionen abgewickelt, allesamt von der Rocket Lab-Startanlage 2 auf Wallops Island in Virginia aus (in der Terminologie des Spaceport-Betreibers MARS auch Pad 0C genannt). Also in den USA. …die völlig neuartige Neutron-Rakete mit ihren Archimedes-Triebwerken. Auch sie ist in diesem Artikel detailliert beschrieben.…Photon, ein kleines, modulares Satellitenbus-System, das als eigenständiges Raumfahrzeug oder als Nutzlast für interplanetare Missionen dient. Die Photon basiert auf der Curie-Kickstufe der Electron-Rakete und ist mit dem etwa 200 Newton Schub leistenden HyperCurie-Triebwerk für Bahnanpassungen ausgestattet. Die Photon wurde bislang erst einmal verwendet, und zwar bei der Capstone-Mondmission. Die Curie-Oberstufe dagegen, auf der die Photon basiert, wurde bereits in über 60 Missionen eingesetzt. Die Nutzlastkapazität beider Varianten beträgt etwa 170 Kilogramm. Die „Photon“ stellt eine 28-Volt-Stromversorgung, S-Band-Kommunikation und ein Terabyte an Speicherplatz zur Verfügung. …die Systeme Pioneer, Lightning und Explorer. Bei ihnen handelt es sich um eine Familie konfigurierbarer Satellitenplattformen für Erdbeobachtung, Kommunikation und Konstellationsaufbau.…Solargeneratoren für die Stromversorgung von Satelliten und Plattformen. Bislang hat Rocket Lab für etwa 1.100 Satelliten die Solargeneratoren geliefert, unter anderem für die One Web-Satelliten, die Doves von Planet Labs und die Lemur-Satelliten von Spire Global. Aber auch US-Mars-Missionen wurden mit Solargeneratoren von Rocket Lab bestückt. Rocket Lab liefert Solargeneratoren (Solarpaneele, Solarzellen und Arrays) über seine Tochtergesellschaft SolAero Technologies, die es 2022 übernommen hat.… Satellitenkomponenten und Subsysteme, Trennsysteme, Avionik und Carbon-Composite-Strukturen, sowie Standardsoftware für Satellitensteuerung, Missionssimulation und Bodenstationen.Rocket Lab plant zudem den Einstieg in den Bau von Satelliten für die Raketenabwehr und in Breitband-Netzwerke.
Werfen wir nun einen Blick auf eine der neuesten Errungenschaften des Unternehmens, den Startkomplex 3 (auch LC-3 oder Pad 0D genannt) am Mid-Atlantic Regional Spaceport (kurz: MARS) auf Wallops Island in Virginia. Der entstand für die exklusive Nutzung durch Rocket Labs neue Trägerrakete, die Neutron.
Die Neutron stellt einen entscheidenden Fortschritt bei der Umstellung der Firma als Anbieter für Starts von Kleinträgerraketen hin zu solchen für mittelschwere Nutzlasten dar. Für das Unternehmen ist diese Anlage ein wichtiger Zwischenschritt zum Ziel der vollständigen Wiederverwendbarkeit von Trägerraketen.
Der neue Komplex ist Rocket Labs insgesamt vierter Startplatz. Das sind übrigens genauso viele wie SpaceX betreibt (wobei man zugeben muss: Die Raketen von SpaceX und die dafür notwendigen Anlagen sind in einer komplett anderen Größenordnung). Die neue Rampe befindet sich direkt neben dem Startplatz für die Electron- und HASTE-Raketen des Unternehmens. LC-3 ist eine robuste Anlage, die für den Betrieb mit hoher Frequenz konzipiert ist und aus Beton und Stahl in den für Rocket Lab typischen Farben Rot, Schwarz und Grau gebaut wurde.
Die Startrampe besteht aus rund 700 Tonnen Stahl. Die umfangreichen Betonverstärkungen sind da noch nicht mit eingerechnet. Sie ist so konstruiert, dass sie der erheblich größeren Dimension und Schubkraft der Neutron im Vergleich zur Electron-Rakete standhält, die seit 2019 vom nahegelegenen Pad 0C startet. Anfangs wird die Integration der Rakete mithilfe von Kränen geschehen, um das Fahrzeug auf dem Pad aufzurichten. Das ist aber nur die erste Iteration.
Zukünftige Upgrades umfassen eine spezielle Infrastruktur für das Heben und Integrieren vor Ort, eine verdoppelte Lagerkapazität für Treibstoff und Oxidator (also flüssiges Methan und flüssigen Sauerstoff) sowie zusätzliche Systeme zur Unterstützung schnellerer Durchlaufzeiten – mit dem Ziel der Wiederverwendbarkeit und der schnellen Abfolge der Missionen.
Ein beeindruckendes Merkmal des neuen Pads ist das fortschrittliche Flutungssystem, das Flammen, Hitze und Schallenergie beim Start dämpfen soll. Während der Einweihungszeremonie aktivierte es Beck per Knopfdruck, und hatte dabei nicht die Windrichtung berücksichtigt, worauf die Teilnehmer des Festaktes vollständig durchnässt wurden.
Peter Becks persönliche Geschichte und die seines Unternehmens ist gespickt mit solch anekdotischen Ereignissen, die das Unternehmen sehr sympathisch erscheinen lassen. Besonders bekannt ist die „Hut-fress-Wette“. Sie beruht darauf, dass Beck bei Entwicklungsbeginn der Electron mehrfach öffentlich kundgetan hatte, dass er eher seinen Hut essen würde (wörtlich: „I’ll eat my hat“), als auf die Wiederverwendbarkeit von Raketenstufen zu setzen oder etwas dergleichen zu entwickeln. Zu teuer, zu kompliziert, zu unwirtschaftlich war seine damalige Devise. Rocket Lab werde so etwas nie tun.
Bald schon war die Entscheidung aber klar in Richtung „Wiederverwendung“ gefallen. Sowohl bei der Electron, aber mehr noch bei der noch ganz am Anfang ihrer Entwicklung stehenden Neutron. Und so löste Beck im März 2021 seine Wette ein. In einem Promo-Video zur Neutron-Präsentation „aß“ Beck demonstrativ zwei Hüte (es waren zwei Takes nötig, schauen Sie es sich hier https://www.youtube.com/watch?v=Rafa_WBFIyE an), was – vielfach kopiert – viral ging. Es war natürlich keine echte Mahlzeit, sondern ein witziges Schauspiel, welches die Strategiewende bei Rocket Lab markierte. Die tatsächliche Erprobung der Wiederverwendbarkeit der Electron-Erststufe begann im November 2020. Eine erste erfolgreiche Bergung erfolgte 2022.
Diese witzige Inszenierung zeigt, dass Beck sich nicht scheut, Fehlentscheidungen nicht nur zuzugeben, sondern sie auch zum frühest möglichen Zeitpunkt zu korrigieren, selbst wenn diese Umkehr anfänglich teuer erscheint. Es spricht für das Unternehmen, daraus sogar noch einen humorvollen „Take“ zu kreieren.
Die Entscheidung, ein Bergungsschiff für die Neutron einzusetzen, war erneut einer von Becks Momenten, in denen es fällig gewesen wäre, seinen Hut zu essen. Zuvor hatte er mit allen Mitteln versucht, diese komplexe Bergungsmethode zu vermeiden. In einem Interview mit der Online-Plattform NASASpaceFlight (kurz: NSF) meinte er „Ich muss in aller Ehrlichkeit sagen, dass der Einsatz von Marine-Assets großer Mist ist. Wenn Du da mit einer Rakete drauf landest, dann schmelzen die Dir unter dem Hintern weg“. Aber es ließ sich nun mal nicht vermeiden. Ein Bergungsschiff erhöht die Nutzlasttragkraft der Rakete und verbessert damit ihre Wirtschaftlichkeit im Wiederverwendungsmodus erheblich, denn es spart den treibstoffintensiven Rückflug zum Startort.
Um diesem Umstand Rechnung zu tragen taufte Beck das Bergungsschiff (das im Übrigen kurz vor der Fertigstellung ist) auf den Namen „Return on Investment“. Die Abschlussarbeiten an dem Schiff laufen dieser Tage bei den Bollinger Shipyards in Louisiana. Zum Jahresanfang 2026 soll es ausgeliefert werden. Anders als die Bergungsschiffe von SpaceX, die keinen Eigenantrieb haben und geschleppt werden müssen, ist Becks Barke mit einer Leistung von etwa 1.500 PS recht stramm motorisiert.
Für den Erstflug der Neutron ist der Einsatz der „Return on Investment“ übrigens noch nicht vorgesehen. Auch ein Rückflug zur Startanlage wird nicht stattfinden. Vielmehr wird man das gesamte Flugprofil über dem offenen Meer erproben und die Rakete am Ende im Ozean versenken. Klappt Flug eins, dann wird man zunächst mit Bergungen durch das Schiff beginnen und schließlich auch – bei leichteren Nutzlasten – den Rückflug und die Landung am Startplatz anpeilen.
Die Neutron ist in erster Linie für den Aufbau und den Unterhalt von Satellitenkonstellationen konzipiert. Aber auch interplanetare Missionen, beispielsweise zur Venus oder zum Mars, peilt Peter Beck an. In der mittleren Zukunft sogar bemannte Flüge. Das würde für Beck einen seiner Träume wahr werden lassen.
Wenn der Zeitplan weiter hält, dann könnte es ganz zum Ende des Jahres 2025 mit dem Erstflug noch klappen. Virginia-Gouverneur Glenn Youngkin meinte dazu während der Einweihungszeremonie der Startanlage 0D: „Womöglich noch vor Jahresende werden wir alle wieder zusammenkommen und gemeinsam den Start der ersten Neutron am Pad 0D verfolgen. Und wenn das an Weihnachten sein sollte, bringe ich die Geschenke mit.“
Auch bezüglich der Flugfrequenzen der Neutron gibt es bei Rocket Lab schon eine Planung: Nach dem Testflug – also wenn möglich noch vor Ende des Jahres 2025 – soll es im kommenden Jahr drei Missionen geben, 2027 dann fünf, danach sieben Starts und schließlich bis zu zwölf Starts jährlich. Die geplanten drei Flüge des Jahres 2026 sind übrigens schon alle verkauft. Einer an die US-Luftwaffe und zwei an einen noch nicht öffentlich genannten Betreiber einer Satellitenkonstellation.
Rocket Lab ist innovativ und macht durch ständig neue Vorschläge in der Raumfahrtgemeinde von sich reden. Eines der neuesten Beispiele dafür ist der so genannte Mars Telecommunications Orbiter (kurz: MTO), zu dem Peter Beck kürzlich einen Programmvorschlag formuliert hat. Der Mars steht gegenwärtig im Fokus der Trump-Regierung. Wo bei anderen NASA-Raumfahrtprogrammen gestrichen wird, gibt es im Mond- und Marsbereich Aufwuchs. Der Vorschlag des Weißen Hauses (in Trumps so genannter „Big Beautiful Bill“) sieht jedenfalls für den Aufbau einer MTO-Kommunikationsinfrastruktur auf dem Mars und in dessen Umlaufbahn ein Budget von 700 Millionen Dollar vor. Der Termin für den Start ist für 2028 vorgesehen. Diese Zeitspanne ist so kurz, dass man da keine „Fancy“-Neuentwicklungen starten kann, sondern schauen muss, was man im Lager im Regal hat. Die Antwort von Rocket Lab: Ein Derivat der Photon, ergänzt um Komponenten aus der Lightning-Plattformtechnologie. Beides quasi direkt aus dem Katalog von Rocket Lab.
Der Vorschlag besticht durch seine Einfachheit: Ein einzelner Satellit in einer aerosynchronen Umlaufbahn (so nennt man das für den Mars, was auf der Erde eine geosynchrone Bahn wäre), die auf die Rotation des Planeten abgestimmt ist und ihn über einem zentralen Punkt etwa 17.000 Kilometer über der Oberfläche fixiert. Dies steht im Gegensatz zu den bisher vorgeschlagenen komplexen Konstellationen mit mehreren Satelliten, von denen einer oder mehrere alle fünf Jahre ausgetauscht werden müssten. Ein logistischer Albtraum angesichts der bis zu 225 Millionen Kilometer langen Reise, von den Kosten ganz zu schweigen. Stattdessen bevorzugt Rocket Lab ein einzelnes hochorbitales Objekt mit einer Lebensdauer von bis zu 30 Jahren.
Ein weiterer Punkt, den Peter Beck mit seinem Vorschlag adressiert, ist der Flaschenhals namens DSN. Also das Deep Space Network der NASA. Es ist das Empfangs- und Sendenetzwerk für die Tiefraummissionen der US-Raumfahrtbehörde. Eine herkömmliche Hochfrequenz-Dauerverbindung mit dem Mars würde eine große Belastung für das DSN darstellen, das schon jetzt überlastet ist. Angesichts der vielen Tiefraum-Missionen, die es zu betreuen gilt, wird die Überzeichnung des DSN im Jahr 2030 schon jetzt absehbar eine Marke von 150 Prozent erreichen. Beck schlägt daher vor, die herkömmlichen Hochfrequenzverbindungen durch Laserkommunikation zu ersetzen. Ein optischer Laserlink würde für maximale Bandbreite sorgen und gleichzeitig das DSN entlasten.
Rocket Lab ist auf dem Mars kein Unbekannter. Durch einige Akquisitionen (vor allem durch die bereits erwähnte SolAero) verfügt das Unternehmen schon über Menge an Hardware auf dem Roten Planeten. Tatsächlich hat die Firma mehr Solarenergie auf dem Mars als jedes andere Unternehmen. Darüber hinaus sollen noch in diesem Jahr die beiden von Rocket Lab entwickelten und hergestellten ESCAPADE-Raumfahrzeuge auf den Weg zum Roten Planeten geschickt werden. Wenn alles gut geht, stellt Rocket Lab damit seine Kompetenz beim Bau langlebiger interplanetarer Hardware unter Beweis. Starten sollen die beiden jeweils etwa 500 Kilogramm schweren Sonden übrigens mit dem New Glenn von Blue Origin gegen Ende 2025. Aber nur noch für dieses Mal soll die Rakete eines anderen Herstellers verwendet werden. Zukünftig werden Raumsonden in dieser Größenklasse ein „perfect match“ für Rocket Labs Neutron sein.
Peter Beck hat den Trägermarkt und seine Möglichkeiten genau im Auge. Zu seinen (theoretisch möglichen) zukünftigen europäischen Konkurrenten äußerte er sich In einem Interview mit dem Raumfahrt-Fachmagazin Space News am 10. April 2025. Dabei bekräftigte er sein Vertrauen in die langfristige Wirtschaftlichkeit spezialisierter Kleinträger. Er meinte auch, dass die Nachfrage für mehrere Anbieter auf dem Markt ausreicht. „Starts, welche für die Bedürfnisse bestimmter Kunden maßgefertigt sind, bilden einen realen Markt und dürfen nicht mit Rideshare-Missionen verwechselt werden“, meinte Beck in diesem Interview.
Er äußerte aber deutliche Zweifel an der Wettbewerbsfähigkeit europäischer Hersteller von Kleinträgerraketen, und nahm dabei Isar Aerospace und andere europäische Firmen unter die Lupe. Wörtlich meinte er: „Ich sehe nur dann einen Erfolg für diese Unternehmen, wenn sie massiv staatlich subventioniert werden“.
Dabei blieb unklar, ob er damit meinte, dass diese Unternehmen für ihr Überleben auf Startverträge staatlicher europäischer Institutionen angewiesen sind, oder dass die ESA, so wie es seit jeher mit der Ariane 5, der Ariane 6 und der Vega C läuft, jährlich Geld an diese Unternehmen überweist, um sie am Leben zu halten. Kommerzielle Kunden von einem neuen und unerprobten System zu überzeugen, dürfte schwierig sein, wenn diese Kunden problemlos auf die bewährte Zuverlässigkeit von Raketen wie der Electron von Rocket Lab zurückgreifen können. Erst dann, wenn Unternehmen wie Isar Aerospace, RFA oder MaiaSpace 15 oder 20 erfolgreiche Flüge absolviert haben wird deren Attraktivität für die kommerziellen Kunden deutlich steigen.
Einfach die etablierte Konkurrenz zu unterbieten, so meinte Beck weiter, wird das Interesse für Kunden aus der Privatwirtschaft nicht steigern. Beck dazu: „Selbst wenn jemand kommt und eine Million Dollar billiger ist als ein Listenpreis von acht Millionen Dollar (das in etwa kostet ein Start mit der Electron), würden Sie dann wirklich Ihre gesamte Nutzlast und Ihr Geschäft dafür riskieren, nur weil der Preis ein wenig niedriger ist?“.
Weiter kritisierte Beck vor allem Isar Aerospace und die Spectrum-Rakete deutlich und bezeichnete deren Einsatzspektrum als „Niemandsland“. Die Spectrum sei zu klein für eine sinnvolle Rideshare-Mission und zu groß für eine sinnvolle spezialisierte Kleinträgermission, so Beck.
Seit dem 3. Juni 2024 darf sich Peter Beck übrigens mit dem Adelstitel „Sir“ schmücken. Er wurde im Rahmen der King‘s Birthday Honours am 3. Juni 2024 damit ausgezeichnet, als er zum Knight Companion of the New Zealand Order of Merit (KNZM) ernannt wurde. Begründet wurde die Ehrung mit seinen Verdiensten um die Luft- und Raumfahrtindustrie Neuseelands, für die Förderung der neuseeländische Wirtschaft und für die Ausbildung seiner Bürger. Die King‘s Birthday Honours sind eine jährliche Veranstaltung in Neuseeland, die herausragende Beiträge ihrer Landsleute würdigt. Im Zusammenhang damit wird der Titel „Sir“ vom britischen Königshaus verliehen.
Sir Peter ist für seine Passion für Planetenwissenschaften bekannt. So ganz nebenbei, man könnte es fast als Wochenend- oder Hobbyprojekt bezeichnen, betreibt das Unternehmen das Vorhaben „Life Finder“. Dabei handelt es sich um eine Mikro-Venussonde. Es ist die erste private Mission zu einem anderen Planeten. Die Sonde wird in Zusammenarbeit mit dem MIT (dem Massachusetts Institute of Technology) entwickelt. Er wird sich auf die Suche nach organischen Verbindungen in den Wolken der Venus machen. Inspiriert wurde das Projekt durch die Entdeckung von Phosphin in der Venus-Atmosphäre im Jahr 2020. Die kompakte Sonde wird nicht mehr als etwa 20 Kilogramm wiegen. Sie wird mit einem autofluoreszierenden Nephelometer-Instrument ausgestattet, welches die Partikel in der möglicherweise habitablen Wolkenregionen der Venus in einer Höhe zwischen 48 und 60 Kilometern analysiert. Der Start mit der Electron-Rakete und dem Photon-Raumfahrzeug als Trägerplattform ist für 2026 geplant. Die Kosten ohne den Start sollen unter 10 Millionen US-Dollar liegen. Als kleiner Nebenzweck dient der „Life Finder“ auch als Prototyp für weitere günstige interplanetare Missionen.
Auch einen Vorschlag zu einer Mars Sample Return Mission hat Rocket Lab unterbreitet. Dabei sollen die 30 Proben, welche der NASA-Mars-Rover Perseverance bislang gesammelt und teilweise sogar schon an bestimmten Stellen platziert hat, abgeholt werden. Der Vorschlag basiert auf größtenteils bereits bei Rocket Lab bestehender Technologie. Sie würde drei Starts zum Mars erfordern und alles in allem etwa vier Milliarden Dollar kosten. Klingt viel, ist aber nur etwa ein Drittel der Kosten, die der bisherige NASA-Programmvorschlag kostet. Und er wäre viele Jahre schneller zu realisieren.
Eine Entscheidung über diesen Vorschlag ist noch nicht gefallen. Die NASA will sich 2026 dazu äußern.
Doch derzeit gibt es näher liegende Ziele. Rocket Labs ehrgeiziges Vorhaben, die Neutron-Rakete noch vor Jahresende zu starten, biegt zum Zeitpunkt an dem diese Zeilen entstehen, gerade in die Zielgerade ein. Peter Beck erklärte gegenüber NSF, sein Team schlafe „buchstäblich auf dem Boden neben den Produktionsanlagen“, um den strammen Zeitplan zu schaffen. „Wir werden bis zur letzten Minute des letzten Dezembertags versuchen, den Start noch heuer hinzubekommen“, sagte Beck kürzlich in diesem Interview. „In den Zeitplänen, nach denen wir arbeiten, ist kein Gramm Fett drin. Aber noch schwenkt niemand die weiße Flagge.“ Alle Produktionsschritte sind abgeschlossen. Nun kommen Integration und Test.
Die Architektur der Neutron und ihrer Bodenanlagen spiegelt die hart erarbeiteten Erfahrungen mit der Electron wider, die inzwischen über 70 Orbitalflüge absolviert hat. Sollte sich der Erstflug trotz aller Bemühungen auf Anfang 2026 verschieben, würde sich kein Branchenkenner wundern. Auch dann noch würde die Indienststellung der Neutron immer noch eine der schnellsten Entwicklungen eines Trägers der mittleren Leistungsklasse in der Raumfahrtgeschichte darstellen. „Ein paar Monate hier und da sind angesichts der 20- oder 30-jährigen Lebensdauer eines Produkts wie der Neutron ziemlich irrelevant“, bemerkte Beck. „Aber wir werden auf jeden Fall so lange weitermachen, bis es nicht mehr durchzuhalten ist.“
Rocket Lab
Die Startanlagen 1A und 1B (rechts) auf dem kleinen privaten Weltraumbahnhof von Rocket Lab auf der neuseeländischen Halbinsel Mahia
Rocket Lab
Die Atea. Neuseelands erste Rakete die es auf über 100 Kilometer Höhe schaffte.
Electron
Die Electron ist eine zweistufige Kleinträgerrakete für Nutzlastgewichte von bis zu 320 Kilogramm in den niedrigen östlichen Erdorbit. Optional kann die Electron mit einer Kickstufe mit der Bezeichnung „Curie“ ausgerüstet werden, um hochpräzise Bahneinschüsse und Zirkularisierungsmanöver bei elliptischen Bahnen durchzuführen oder – in der Variante als „Photon“ – sogar lunare Transferbahnen oder heliozentrische Umlaufbahnen anzusteuern. In der Realität fliegt die Electron praktisch bei nahezu jedem Einsatz mit der Curie. Angetrieben wird die Rakete in der ersten Stufe von neun Rutherford-Triebwerken und in der zweiten Stufe von einem einzelnen Rutherford-Motor.
Eine Weltneuheit in der Raumfahrt sind die elektrisch betriebenen Treibstoffpumpen der Triebwerke. Sie erhalten ihre Energie über Lithium-Polymerbatterien.
Der Erstflug der Electron am 25. Mai 2017 scheiterte aufgrund eines Softwarefehlers in der Kommunikationsausrüstung einer Bodeneinheit, die fälschlicherweise das Zerstörungssignal an die Rakete sendete. Der zweite Testflug am 21. Januar 2018 gelang. Dabei wurden drei CubeSats in eine Erdumlaufbahn transportiert. Der erste kommerzielle Einsatz und gleichzeitig der dritte Flug fand am 11. November 2018 statt.
Zukünftig will Rocket Lab die erste Stufe der Electron wiederverwendbar machen. Aus diesem Grund liefen ab der neunten Produktionseinheit Versuche zur Rückführung der Stufe. Zunächst war angedacht, die erste Stufe durch einen Fallschirm auf eine geringe Sinkgeschwindigkeit zu bringen und dann durch einen Helikopter zu bergen. Dieses Verfahren zeigte sich aber nur bedingt praktikabel. In einer weiteren Versuchsreihe wurde zwar der fallschirmgestützte Abstieg beibehalten, aber die Landung erfolgte nun auf dem Wasser und die Rakete wurde von einem Bergungsschiff aufgenommen. Dafür muss sie aber korrosionssicher versiegelt sein. Rocket Lab erzielte mit diesem Verfahren bereits gute Resultate, doch zum Zeitpunkt, an dem diese Zeilen entstehen (Oktober 2025) ist das Programm temporär auf Eis gelegt, da andere Programme derzeit höher priorisiert werden.
Zu den in der Tabelle genannten 71 orbitalen Electron-Raketen kommen noch vier erfolgreich gestartete suborbitale militärische HASTE-Vehikel, die strukturell verstärkt, aber ansonsten weitgehend baugleich mit der Electron sind.
Rocket Lab
Zwei Electron werden am Startplatz in Mahia auf ihre Mission vorbereitet. Die Rakete rechts, mit dem „Bauchring“ ist bergungsfähig, und damit potentiell wiederverwendbar.
Typ
Electron
Hersteller:
Rocket Lab
Länge über Fairing (Meter):
17
Durchmesser Basis (Meter):
1,2
Startmasse (Tonnen):
13
Nutzlast LEO/SSO (Kilogramm):
320/200
Startschub (Kilonewton):
224
1. Stufe
Triebwerke:
9 x Rutherford
Bodenschub (Kilonewton):
9 x 19
Brenndauer (Sekunden):
160
Treibstoff/Oxidator:
Kerosin/Sauerstoff
2. Stufe
Triebwerk:
1 x Rutherford
Vakuumschub (Kilonewton):
1 x 22
Brenndauer (Sekunden):
250
Treibstoff/Oxidator:
Kerosin/Sauerstoff
3. Stufe/Kickstufe
Curie
Triebwerk:
1 x Curie
Schub (Kilonewton):
0,12
Brenndauer (Sekunden):
66
Treibstoff:
Einkomponenten-Treibstoff
Erstflug:
25. Mai 17
Anzahl Starts bis 15.10.2025:
71
Davon erfolgreich:
67
Rocket Lab
Seit einigen Jahren wird die Electron im kalifornischen Long Beach produziert. Hier sieht man auch zwei HASTE-Raketen in der Fertigungslinie.
Rocket Lab
Eine Rocket Lab Electron wird an der Startanlage 1 in Mahia aufgerichtet.
Rocket Lab
Blick auf die Startanlage 0D auf Wallops Island. Von hier aus startet die Neutron.
Rocket Lab
Die Einweihung der neuen Flutungsanlage verlief ziemlich feucht.
Rocket Lab
Noch ist es eine grafische Darstellung, aber schon 2026 soll ein solches Bild einer landenden Neutron Wirklichkeit werden.
Rocket Lab
Der Gouverneur von Virginia, Glenn Youngkin, und Peter Beck.
Rocket Lab
Noch sehen wir den Start zum Mars mit einer Neutron nur als Grafik.
Rocket Lab
Die beiden EscaPADE-Raumsonden von Rocket Lab warten auf ihren Start.
Rocket Lab
Die bewährte Zuverlässigkeit der Electron müssen die europäischen Hersteller von Kleinträgerraketen erst unter Beweis stellen.
Neutron
Die Neutron von Rocket Lab ist eine teilweise wiederverwendbare zweistufige Trägerrakete für das mittlere Trägersegment. Angesichts ihres ziemlich revolutionären Konzeptes schreitet die Entwicklung mit beachtlicher Geschwindigkeit voran und bewegt sich im geplanten Zeitrahmen. Ungewöhnlich bei Raumfahrtentwicklungen. Die Arbeiten begannen im März 2021. Die Neutron soll eine Nutzlast von über 13.000 Kilogramm in einer teilweise wiederverwendbaren Konfiguration in eine niedrige Erdumlaufbahn befördern können, und bis zu 17.000 Kilogramm im Verbrauchsmodus. Sie ist vor allem auf den stark wachsenden Markt von Satellitenstarts für die neuen Megakonstellationen ausgerichtet
Die Neutron wird in beiden Stufen mit flüssigem Sauerstoff und flüssigem Methan als Treibstoff und Oxidator betrieben.
Die Rakete ist in vielerlei Hinsicht einzigartig. Sie besteht vollständig aus Kohlefaserverbundwerkstoffen und verfügt über einen enormen Laderaum, in dem die gesamte zweite Stufe samt Nutzlast unterkommt. Diese zweite Antriebseinheit braucht deswegen auch nicht aerodynamisch geformt zu sein. Die Rakete verfügt über eine riesige aufklappbare und wiederschließbare Nutzlastverkleidung, so dass die Rakete als vollständige, monolithische Einheit wieder zurückkehrt, nachdem sie die Orbitaleinheit, bestehend aus zweiter Stufe und den Satelliten abgesetzt hat. Diese weit aufklappbare Fairing in Verbindung mit der gedrungenen Form der Rakete verschafft der Neutron den Spitznamen „Hungry Hippo“, also hungriges Nilpferd.
Die Landungen der Rakete erfolgen, sofern es das Nutzlastgewicht zulässt, entweder am Startort, dem Mid-Atlantic Regional Spaceport (kurz: MARS) in Wallops Island, Virginia oder aber auf einem Bergungsschiff mit der Bezeichnung Return on Investment. Die Starts der Neutron erfolgen für die absehbare Zukunft von MARS aus, und zwar von der für diese Rakete neu errichteten Startanlage 3 (auch als LC-0D bezeichnet).
Sowohl die erste als auch die zweite Stufe werden von einem Triebwerk mit der Bezeichnung Archimedes angetrieben, das in der vakuum-optimierten Version für die zweite Stufe einen Schub von 890 Kilonewton leistet, und – angesichts der eingesetzte Treibstoffkombination – den bemerkenswerten spezifischen Impuls von 367 Sekunden erbringen soll. Die erste Stufe wird von neun Archimedes-Triebwerken angetrieben, die zweite Stufe von einem einzelnen.
Rocket Lab
Der „Hungry Hippo“-Mechanismus wird getestet.
Typ
Neutron
Hersteller:
Rocket Lab
Länge (Meter):
42,8
Durchmesser Basis (Meter):
7
Startmasse (Tonnen):
480
Nutzlast LEO wieder-verwendbar (Kilogramm):
13.600
Nutzlast LEO Verbrauchs-modus (Kilogramm):
17.000
Startschub (Kilonewton):
6.870
1. Stufe
Triebwerke:
9 x Archimedes
Schub Meereshöhe (Kilonewton):
9 x 730
Schub Vakuum (Kilonewton):
890
Treibstoff/Oxidator:
CH4/LOX
Nutzlast LEO wiederverwendbar (Kilogramm):
13.600
Nutzlast LEO Verbrauchsmodus (Kilogramm):
17.000
Startschub (Kilonewton):
6.870
2. Stufe
Triebwerk:
1 x Archimedes
Schub (Kilonewton):
890
Treibstoff/Oxidator:
CH4/LOX
Durchmesser (Meter):
5
Erstflug (geplant):
Dez 25
Rocket Lab
Venus Life Finder Projekt von Rocket Lab.
Rocket Lab
Die Aufstiegsrakete der Mars Sample Return Mission mit den Bodenproben an Bord startet in die Mars-Umlaufbahn. Der Lander dient als Startplattform.
Stoke Space
Der Hopper 2-Flugdemonstrator der zweiten Stufe im Einsatz.
Vollständig wiederverwendbar – Stoke Space
Entgegen der landläufigen Meinung spielt sich die Revolution bei Raumtransportsystemen nicht ausschließlich bei SpaceX und seinem Starship ab. Nicht nur Elon Musk versucht sich an der teilweisen oder vollständigen Wiederverwendbarkeit von Raumfahrt-Trägersystemen, man probiert das auch anderswo. Und so mancher ist schon ziemlich weit damit. Mehr als zwei Dutzend chinesische Unternehmen sind derzeit dabei, zumindest die ersten Stufen ihrer Raketen wiederverwendbar zu machen, knapp die Hälfte davon hat bereits mit Testflügen begonnen. Die beiliegende Grafik, sie stammt aus dem chinesischen Internet, mag wegen der vielen Details und der chinesischen Schrift nicht besonders gut lesbar sein, sie demonstriert aber sehr gut den Umfang der chinesischen Aktivitäten auf diesem Gebiet. Die staatliche CASC (China Aerospace Science and Technology Corporation) versucht in China sogar ihren zukünftigen Superträger Langer Marsch 9 vollständig wiederverwendbar zu machen.
In den USA arbeitet die United Launch Alliance für den Triebwerksblock der Vulcan an der teilweisen Wiederverwendbarkeit, Blue Origin will in Kürze beim zweiten Flug mit der New Glenn mit der Landung der ersten Stufe auf dem Bergungsschiff Jacklyn erfolgreich sein und auch der Neutron ist die teilweise Wiederverwendbarkeit ins Programm geschrieben. Aber – SpaceX wie immer ausgenommen – keiner zieht das Konzept der vollständigen Wiederverwendbarkeit von Orbitalraketen aktuell so radikal durch, wie Stoke Space Technologies. Grund genug, sich das Unternehmen und seine Protagonisten näher anzusehen.
Die Entstehungsgeschichte
Stoke Space Technologies ist in Kent, im US-Bundesstaat Washington ansässig. Gleich um die Ecke des Firmensitzes von Blue Origin. Es hat sich in nur wenigen Jahren zu einem der vielversprechendsten Newcomer in der kommerziellen Raumfahrt entwickelt. Gegründet von den ehemaligen Blue Origin-Ingenieuren Andy Lapsa und Tom Feldman, zielt das Unternehmen auf die Schaffung einer boomenden Weltraumwirtschaft ab, in denen zu 100 Prozent wiederverwendbare Raketen die entscheidende Rolle spielen. Im Fokus der Entwicklungsaktivitäten steht bei Stoke die Nova-Rakete, die sowohl die erste als auch die zweite Stufe vollständig wiederverwenden kann, und zukünftig tägliche Flüge mit derselben Rakete ermöglichen soll. Die Entstehungsgeschichte von Stoke Space wurzelt in der Unzufriedenheit ihrer Gründer mit den Branchenführern wie SpaceX, der United Launch Alliance und Blue Origin. Dort tat sich zwar schon einiges, die Revolution ging den beiden aber nicht weit genug. 2019 war das Jahr des Booms der Kleinträgerraketen. Es gab damals mehr als 150 Startups, die sich an Nano-, Mikro- und Kleinträgerraketen versuchten. Lapsa und Feldman analysierten die Konzepte und erkannten, dass deren neue Systeme praktisch allesamt die Oberstufe vernachlässigten, was am Ende zu hohen Betriebskosten führt.
