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Diplomarbeit aus dem Jahr 2011 im Fachbereich Didaktik für das Fach Deutsch - Deutsch als Fremdsprache, DaF, Note: 3, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg (Deutsches Seminar), Sprache: Deutsch, Abstract: 1. Einleitung Im Rahmen dieser Arbeit soll die lernsprachliche Kompetenz meiner Informanten untersucht werden und wie sich unterschiedliche außersprachliche Faktoren auf die lernersprachliche Kompetenz der Informanten auswirken. Zu diesem Zweck wurden drei Interviews mit drei arabischstämmigen Emigranten geführt, deren lernersprachliche Kompetenz unterschiedlich war und bei denen, ich meine Informanten, bestimmte Fragen gestellt habe, die sie einen erzählgenerierenden Impuls geben und sie zum Erinnerungenschwelgen ermuntern sollten. Die linguistischen und sozialen Daten wurden in dieser Arbeit miteinander verglichen und in Verbindung gebracht. Ich möchte ihre Geschichte und Erlebnisse schildern lassen, unter besonderer Berücksichtigung der sprachlichen Aspekten ihrer Biographien. Am Ende der Arbeit als Anhang wurden die Gespräche von mir transkribiert und analysiert, um Sprachbiographien zu erstellen, in denen sich Personen in freier narrativer Form über ihr Verhältnis zur Sprache äußern. (Vgl. Franceschini 2001. S. 113). Das Hauptaugenmerk der Arbeit liegt auf der Untersuchung der sprachlichen Entwicklung meiner Informanten sowie auf die Verhandlungen über eine neue Identität in der deutschen Gesellschaft. Denn diese Emigranten bieten sich als eine neue, interessante Gruppe für eine linguistische Untersuchung besonders an, möchte ich In dieser Arbeit einen Abriss über die Geschichte des großen Maghrebs geben sowie auch einen Abriss über die arabische Sprache als Ausgangssprache geben. Als eine semitische Sprache unterscheidet sich das Arabische in seiner Gesamtstruktur sehr stark vom Deutschen. [...]
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Veröffentlichungsjahr: 2011
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Im Rahmen dieser Arbeit soll die lernsprachliche Kompetenz meiner Informanten untersucht werden und wie sich unterschiedliche außersprachliche Faktoren auf die lernersprachliche Kompetenz der Informanten auswirken. Zu diesem Zweck wurden drei Interviews mit drei arabischstämmigen Emigranten geführt, deren lernersprachliche Kompetenz unterschiedlich war und bei denen, ich meine Informanten, bestimmte Fragen gestellt habe, die sie einen erzählgenerierenden Impuls geben und sie zum Erinnerungenschwelgen ermuntern sollten. Die linguistischen und sozialen Daten wurden in dieser Arbeit miteinander verglichen und in Verbindung gebracht. Ich möchte ihre Geschichte und Erlebnisse schildern lassen, unter besonderer Berücksichtigung der sprachlichen Aspekten ihrer Biographien. Am Ende der Arbeit als Anhang wurden die Gespräche von mir transkribiert und analysiert, um Sprachbiographien zu erstellen, in denen sich Personen in freier narrativer Form über ihr Verhältnis zur Sprache äußern. (Vgl. Franceschini 2001. S. 113). Das Hauptaugenmerk der Arbeit liegt auf der Untersuchung der sprachlichen Entwicklung meiner Informanten sowie auf die Verhandlungen über eine neue Identität in der deutschen Gesellschaft. Denn diese Emigranten bieten sich als eine neue, interessante Gruppe für eine linguistische Untersuchung besonders an, möchte ich In dieser Arbeit einen Abriss über die Geschichte des großen Maghrebs geben sowie auch einen Abriss über die arabische Sprache als Ausgangssprache geben. Als eine semitische Sprache unterscheidet sich das Arabische in seiner Gesamtstruktur sehr stark vom Deutschen.2. Die arabischen Emigranten in Deutschland
Die Migrationsgeschichte begann lange vor dem 19. Jahrhundert, wo die Industrialisierung in Europa begonnen hat und die Migration war zunächst nicht freiwillig, sondern obligatorisch unter dem Druck der wirtschaftlichen Lage und Mangel an Arbeitskräfte, deshalb sollte damals in ganz Europa und Amerika Verschleppung von Sklaven machen. Dies hatte den Effekt dieser erzwungenen Migration auf die Vielfalt der modernen Sprachen in Europa. (Vgl. Wonassa 1998. S.23).
Die erfolgreiche Integration in die neue Heimat wird durch sprachliche Barrieren und kulturelle Missverständnisse oft erschwert, deshalb die Menschen, die nach Deutschland einwandern, müssen sich hier in einer neuen Kultur und einer neuen Sprache zurechtfinden. Etwa am Anfang der 90er begann der Diskussion ausführlich über das Thema Migration und das war aufgrund von rechtsradikalen und Islamisten Anschlägen. „Ob die Einbürgerung erleichtert werden sollte, um der Realität der Einwanderung, die zunehmend als Tatsache akzeptiert wurde, gerecht zu werden.“, war die Absicht damals. (Faruk 2002. S. 22).
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Die meisten der Ausländer kapseln sich ab und isolieren in bestimmten großen Städten wie Berlin und Stuttgart und machen wie Ghetto der Juden und mit Laufe der Zeit machte das große Probleme für Deutschland und die Deutschen hatten und haben vor, die Ghettosierung zu bekämpfen, denn diese Lebensweise und Einwohnerschaftsstill macht den Jugendlichen und -Kindern der Ausländer und die Ausländer oft schwer, eine Identität und einen eigenen Platz in der Gesellschaft zu finden, denn , wenn einer in solchem Umfeld lebt und zur Schule geht, wo man kaum gut Deutsch sprechen kann, wird es bestimmt später Schwer haben. Die Muttersprache- und Identität der Migranten und die Verbindung zur Heimat der Familie, neben den Schwierigkeiten mit der deutschen Sprache, spielen auch sehr große Rolle bei der erfolgreichen Migration und stehen als bedeutenden Faktoren des Erschwernisses der Migration. Im Hinblick auf eine erfolgreiche Integration in Deutschland, ohne die heimatlichen Wurzeln zu vergessen, sollte die Muttersprache neben der deutschen Sprache nicht außer Acht gelassen werden. ( Vgl. Frank 2002. S. 29)
Man muss die Zweisprachigkeit gefördert werden. Es gibt mehrere Integrationsprogramme und Kurse in Deutschland, die sich mit den Problemen von Migranten und Migrantenkindern in Deutschland beschäftigen und deren Entwicklung fördern wollen. Es wird mit diesen solchen Förderprogrammen und Kursen gezeigt, inwieweit die Zweisprachigkeit von Migranten und Migrantenkindern und solchen mit nichtdeutscher Herkunftssprache gezielt gefördert werden kann. Mit Recht kann man das 20. Jahrhundert als Migrationsjahrhundert bezeichnen, denn, dass zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Anzahl der Menschen, die nicht in ihren Herkunftsländern lebten, sondern in westliche Nationalstaaten ein-oder auswandert oder flieht, enorm ansteigt. (Vgl. Wonassa 1992. S. 36).
Man kann ganz sicher sagen, dass Deutschland ein Einwanderungsland ist. Die starken oder höchsten Einwanderungswellen begannen direkt nach dem zweiten Weltkrieg. Zwischen 1961 und 1970 wurden 7,5 Millionen Zuzüge gezählt, von 1971 bis 1980 waren es 7,0 Millionen und von 1981 bis 1990 sogar 7,7 Millionen. (Vgl. Wenning 1994, 53). Der Migrationsbericht und die offizielle Statistiken zeigen, dass die Anzahl der arabischen Emigranten, die in Deutschland leben, nicht mehr als 300,000 Menschen ist. (Migratiionsbericht 2002). Obwohl sie seit mehrere Jahrzehnten in Deutschland leben und haben mehrere Generationen, die sich selbst als gesellschaftlich integriert betrachtet, bestimmt ist das Leben dieser Araber nicht ohne Probleme, die sie daran verhindern, sich als positives Element mit den Verhältnissen in der Gesellschaft zu verbinden. Das begann insbesonders nach dem 11. September, das Bild der Araber zu wechseln und Zweifel begann, sich ins Bild von Arabern zu mischen. Es ging so weit, dass sie als Widerspruch und Gegenkraft zum Gedanken des gesellschaftlichen Zusammenlebens betrachtet wurden.
Wenn man die gegenwärtige Situation der arabischen Emigranten besser und näher erfahren will, dann soll man zumindest einen Blick auf die Geschichte der arabischen Migranten werfen. Die erste Verbindung und Kontakt von den Arabern mit Deutschland, abgesehen von Einzelpersonen, geht auf den Beginn des 18. Jahrhundert als sie Soldaten in der preußischen Armee waren. Das war die erste Verbindung, aber die wirkliche Verbindung mit Deutschland begann zu der Zeit der Anfang der 60er Jahre als die deutsche Regierung am Anfang der 60er Jahre dazu überging, ein Abkommen zum Anwerben von den Arbeitskräften aus Nordafrika( Marokko und Tunesien) zu schließen. Lange Zeit vorher war Deutschland kein Ziel oder war nicht das Traumland der arabischen Migranten und übte nur eine schwache Anziehungskraft auf die arabische Emigration aus, besonders für die Studenten. (Vgl. Frank 2002. S. 26).
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Als frühere und ehemalige Kolonialmächte war vor allem Frankreich und England das Ziel und Traumland der arabischen Migranten bis Anfang der 60er Jahre. Einige Araber, fast ausschließlich Männer, kamen nach dem zweiten Weltkrieg als Studenten in die Bundesrepublik Deutschland, die nach dem Studium verblieben sind und kehrten nicht in ihre Heimat zurück und mit deutschen Frauen geheiratet haben. Die Araber in Deutschland sind keine homogene Gruppe. Sie stammen aus unterschiedlichen Nationen aus den arabischen Ländern, bringen sie auch unterschiedliche Kulturen mit und sprechen unterschiedliche arabische Dialekte. (Vgl. Wonassa 1992. S.27).
Dabei ist zu beachten, dass die Migranten aus dem arabischen Maghreb, vor allem aus Marokko und Algerien, auch großenteils berberische Muttersprachler sind. Die erste Generation von Emigranten aus Marokko und Tunesien kam aus wirtschaftlichen Gründen nach Deutschland. Nach Anwerbeabkommen mit den arabischen Staaten Marokko (1963) und Tunesien (1965) war nicht daran gedacht, dass sie, die als Gastarbeiter bezeichneten Arbeitskräfte, dauerhaft in Deutschland bleiben sollten. Sie arbeiteten vorwiegend in der Eisen- und Stahlindustrie sowie in der Bauwirtschaft. Im Laufe der folgenden Jahre, nach dem Anwerbestopp 1973, zogen Frauen und Kinder nach. Die Familien wurden nach Deutschland geholt und die Kinder wurden in die deutschen Schulen geschickt. (Vgl. Beatrix 1978. S. 27). Um die Arbeitskraftmangel schnell zu beheben, spielten die nicht vorhandene Bildung und Ausbildung bei den Angeworbenen für die deutsche Wirtschaft damals keine Rolle. Denn sie wurden für die Arbeitstätigkeit gebraucht, für die keine Vorkenntnisse notwendig waren. Diese erste Generation von Emigranten hatten ein niedriges Bildungsniveau und beherrschten die deutsche Sprache nicht, die eigentlich zur Verbindung und Verständigung mit der deutschen Gesellschaft und zur erfolgreichen Integration erforderlich gewesen wäre. Marokkaner und Tunesier waren und sind noch am meisten betroffen, weil sie nicht nur ungelernt waren oder ein niedriges Bildungsniveau hatten, sondern auch etwa 70 bis 80 Prozent aus ländlichen Gebieten stammen und nicht alphabetisiert waren. (Vgl. Beatrix 1978. S. 37).
Der höhe Bildungsgrad ist vor allem unter Irakern, Syrern, Ägyptern und Palästinensern zu finden. Mehrere 10.000 von ihnen sind als Wissenschaftler, Ärzte, Ingenieure, Kaufleute, Künstler, Schriftsteller, Journalisten sowie Dolmetscher selbständig tätig. Es gibt auch eine andere Art der Emigration außer den erwähnten Arten und es ist nämlich die Migration der Flüchtlingen und Asylsuchenden, insbesondere in den 80er und 90er Jahren. So fanden die meisten Libanesen, Palästinenser, Iraker, Syrier, Ägypter und Algerier als Flüchtlinge und Asylsuchende und auch als Studenten Aufnahme in Deutschland. Die Bürgerkriegsflüchtlinge stellen die größte Gruppe unter den Arabern. Offizielle Statistiken zeigen, dass allein zwischen 1979 und 1990 mehr als 50.000 libanesische und etwa 20.000 palästinensische Flüchtlinge nach Deutschland kamen. Seit Mitte der 90er erhöhte sich auch die Zahl von Flüchtlingen aus dem Irak, von denen eine große Zahl als Ärzte und Geschäftsleute arbeitete. (Vgl. Frank 2002. S. 27).
Arabisch hat einen großen Einfluss auf andere Sprachen, besonders auf Wortschatz. Der Einfluss vom Arabisch ist in den Ländern in Mitte gewesen, die durch Islam oder islamische Energie beherrscht werden. Arabisch ist eine Hauptquelle des Wortschatzes für die Sprachen, die so verschieden sind ,wie Berberisch, Kurdisch, Persisch, Swahili, Urdu, Hindi.
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Als Hintergrund der Darstellung der sprachlichen Biographien für die Araber Deutschlerner sind einige Daten zum Land, und seiner Geschichte erforderlich. Unter Maghrebاﻟﻤﻐﺮب(der Westen, Okzident) abgeleitet vom Verb (gharaba)ﻏﺮبġaraba(weggehen), untergehen (Sonne) versteht man vor allem die drei nordafrikanischen Staaten Tunesien, Algerien und Marokko, teilweise auch noch Libyen und Mauretanien, die aufgrund ihrer Geschichte viele Gemeinsamkeiten haben. Im Arabischen versteht man unter Maghreb in der Regel Marokko, welches der westlichste arabische Staat ist und dessen Eigenbezeichnung ebenfalls al-Maghrib (Marokko) lautet. Der Gegensatz zu Maghreb ist Maschrek (arabischاﻟﻤﺸﺮق, al-Mašriq (der Osten, Orient), abgeleitet vom Verb (aschraqa)أﺷﺮقašraqa aufgehen (Sonne). Die Staaten Algerien, Mauretanien, Marokko , Libyen, Tunesien haben 1989 die internationale Organisation Arabische Maghreb-Union gegründet. (Vgl. Ghazy 2002. S.12).
In der Vergangenheit war Maghreb zentraler Teil der römischen nordafrikanischen Provinz Die ursprüngliche Bevölkerung sind die Berber, die ganz Nordafrika von den Kanarischen Inseln bis nach Ägypten besiedelt hatten. Die Berber sind traditionell in Stämmen gegliedert, die in der historischen Zeit in einer Reihe von wechselnden Königreichen organisiert waren. Mit der arabischen Eroberung seit dem 7. Jahrhundert wurde Bestandteil des arabischen Reichs, was vor allem seine Islamisierung bedeutete und damit die Präsenz des Arabischen als religiöse und Bildungssprache. Zumindest in den ersten Jahrhunderten war die Siedlung von Arabern im ethnischen Sinne marginal. (Vgl. Badawi 1990. S.24).
Die Eroberer zogen weiter nach Spanien (verstärkt durch islamisierte Berber, aus denen sich auch die andalusischen Dynastien rekrutierten). Die Arabisierung Maghreb ist eine Folge späterer Entwicklung, des Einfalls beduinischer Stämme seit dem 11. Jahrhundert (den Bani Hilal und Bani Sulaim), die vor allem in der westlichen Ebene siedelten - in einem sozialen Kampf mit den dort lebenden (bäuerlichen) Berbern. (Vgl. Ghazy 2002.S.17). Das erklärt auch die sprachliche Spaltung des im Maghreb gesprochenen Arabischen, das wie überall in der arabischen Welt zwei Grundvarietäten aufweist:−das sedentäre(städtische, arabisch madini bzw.Ḥadari), −und das beduinische (arabisch badawi), z. B. der Plosivlaut (q), /qa:la/ : er hat gesagt
−sedentär wird [q] bewahrt, in den entsprechenden maghrebischen Varietäten also /qal/,−beduinisch wird [q] durch (das altarabisch nicht existierende) [g] ersetzt, in den entsprechenden maghrebischen Varietäten also /gal/ [gāl]. ( Vgl. Mohamad 1994. S. 118). Mit der Wiedernahme von Spanien seit dem 12. Jahrhundert, dann massiv seit dem 15. Jahrhundert (christliche Eroberung von Granada 1494) kam es zur Rückwanderung der andalusischen Araber (und mit ihnen der dort lebenden Juden!), die in diesem Sinne eine sedentäre Variante sprachen, so z.B. in der städtischen Neugründung Rabat. Diese Entwicklung findet sich in z.B. (Fes und Sus und Wahran) genauso wie etwa in Kairo, wie (Aal) er hat gesagt. Diese innerarabischen Differenzierungen betrafen aber nur die dünne Schicht derer, die arabisch sprachen - im Regelfall in den städtischen Siedlungen und ihrem Umland. ( Vgl. Mohamad 1994. S. 121).
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„Durchzugsregion nach Spanien, fand auch im ländlichen Raum eine relativ frühe Arabisierung statt, mit sedentären Zügen Bergleuten, arabisch Jabala), sowie bei dem beduinisch-berberberischen Amalgam in der westlichen Ebene mit dem heutigen Zentrum Casablanca. Ansonsten war (und ist) die Bevölkerung Marghreb beim Berberischen geblieben, das heute in drei großen Dialektfamilien zerfällt, zwischen denen keine wechselseitige Verständigung besteht, traditionell bezeichnet mit:−(Tarifit) im Norden (wie der Name sagt: vor allem im Rif-Gebirge)−(Tamazight) im Zentrum (vor allem im Mittleren Atlas)−(Taschelhit) im Süden (im Hohen Atlas und im Sous und wahran). Die sprachlichen Verhältnisse im Maghreb waren immer schon viel dynamischer. Das gilt für die Berberstämme, die, zum Teil getrieben von Naturkatastrophen, in die Ebenen zogen (und dort siedelten: wie etwa seit dem 17. Jahrhundert in der Region von Meknès“. ( Mohamad 1994. S. 125).
Man kann sagen, dass in etwa 40% aller Familien im Maghreb (Marokko, Algerien und Tunesien) noch Berberisch gesprochen wird, aber doch in sehr ungleicher Verteilung und nur ländliche Regionen sind noch einsprachig. Man findet sich Einsprachigkeit vorwiegend noch bei der ältesten Generation; die berberisch-arabische Zweisprachigkeit ist die Regel. Selbst wo die jüngste Generation kein Berberisch mehr spricht, hat sie in solchen Familien durch den Kontakt mit der ältesten Generation noch ein gewisses Sprachverständnis. Man spricht arabisch (dariça ) Umgangssprache, steht aber die arabische Hochsprache gegenüber, die in der Schule gelehrt wird, deren Normen an klassischen Arabisch ausgerichtet sind, besonders an der Qur᾽ān Überlieferung und das macht die Sprache lebendig und darf nichts an dieser Sprache, die reine Sprache(foṣḥa) Hochsprache, geändert werden, die auch religiös verwendet wird. (Vgl. Reichert 1985. S.34-35)
Im Jahre 1912 wurden Marokko, Algerien und Tunesien französische Protektorate. Die gesellschaftlichen Umwälzungen waren sehr schnell, lösten vor allem rasch die traditionale gesellschaftliche Arbeitsteilung auf. Es kam erst seit den 1960er Jahren zur Umwälzung der traditionellen Strukturen infolge der massiven Innenwanderung und Modernisierung. Im 19. Jahrhundert brachte die koloniale Zeit eine politisch- kulturelle Gegenbewegung hervor, die sich selbst als Renaissance bezeichnete (Nahḍa), die Rückbesinnung auf die große Zeit der arabischen Welt und ihre Sprache, das Klassische Arabisch, demgegenüber die real praktizierte Sprache als Verfall betrachtet wurde. (Vgl. Reichert 1985. S.34-35) Im Maghreb wurde auch das Berberische in diese Perspektive gestellt, das die französische Kolonialverwaltung tatsächlich aus durchsichtigen politischen Gründen zu fördern versucht hatte. Die Muttersprache der Menschen im Maghreb ist gegenüber der offiziellen Sprache, auch wenn es sich nicht um Berberisch, sondern um die arabische (dariça ) handelt, eine dominierte Sprache. Es gab einen Versuchs zur vollständigen Arabisierung der Gesellschaft in den 1960er Jahren, aber es ist eine faktische Zweigleisigkeit französisch/arabisch (dariça ) etabliert -Französisch wird in der Grundschule (neben Arabisch (foṣḥa)) unterrichtet (Unterrichtssprache ist selbstverständlich dariça). An den Universitäten unterrichtet man in der medizinischen Fakultät sowie an den naturwissenschaftlichen Fakultäten auf französisch, aber die auf Arabisch beschränkt nur auf die islamisch-arabische Fakultät. (Vgl. Reichert 1985. S. 34-35)
