Star Trek: Enterprise - Julian Wangler - E-Book

Star Trek: Enterprise E-Book

Julian Wangler

0,0

Beschreibung

Star Trek: Enterprise, entstanden in den Jahren 2001 bis 2005, war die erste und bis dato einzige Prequel-Serie im Star Trek-Universum. Sie erzählte vom Aufbruch der noch unerfahrenen Menschheit zu den Sternen. In insgesamt 98 Episoden durften wir der Crew der Enterprise NX-01 unter Captain Jonathan Archer bei ihren unzähligen Abenteuern voller rasanter Veränderungen über die Schulter gucken...und im besten Fall etwas über uns selbst lernen. Leider widerfuhr Enterprise mit der Einstellung nach nur vier Staffeln ein Schicksal, das vor ihr einzig die Originalserie von Gene Roddenberry in den 1960er Jahren gekannt hatte. Ein Grund für diese Entwicklung war, dass die Serie aufgrund ihres bewusst andersartigen Ansatzes beim Publikum polarisierte. Dennoch hat sie über die Jahre ihre eigene Fanbasis gefunden und ist in den Reigen des Star Trek-Kosmos eingemeindet worden. Zwei Dekaden, nachdem die Produktion der Serie anlief, will dieses Buch auf Enterprise zurückblicken und eine ehrliche Bestandsaufnahme leisten, was die Serie vollbracht hat und wo ihre Schwächen und Versäumnisse liegen. Daneben soll ein Überblick über wichtige Ereignisse in den Enterprise-Jahren gegeben werden.

Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:

Android
iOS
von Legimi
zertifizierten E-Readern
Kindle™-E-Readern
(für ausgewählte Pakete)

Seitenzahl: 255

Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:

Android
iOS
Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0

Beliebtheit




Quelle: Christina Hacker ( www.christina-hacker.de)

„Bis vor einhundert Jahren gab es eine Frage, die in jedem Menschen brannte, die uns die Sterne studieren und uns träumen ließ, zu ihnen zu reisen: Sind wir allein? Unsere Generation hat das Privileg, die Antwort auf diese Frage zu kennen. Wir alle sind Forscher, getrieben von Neugier auf das, was hinter dem Horizont und unseren Küsten liegt.

Dennoch: Je mehr ich erfahren habe, desto mehr habe ich gelernt, dass, gleichgültig wie weit wir reisen oder wie schnell wir irgendwohin gelangen, die verblüffendsten Entdeckungen nicht zwangsläufig hinter dem nächsten Stern zu finden sind. Sie sind in uns! Eingewoben in die Fäden, die uns verbinden. Uns alle, miteinander. Die letzte Grenze beginnt hier, in dieser Halle. Erforschen wir sie gemeinsam.“

‐ Jonathan Archer in Terra Prime

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

– Serienhintergründe –

Konzept, Cast, Quoten

Missionslogbuch: Erstkontakte der

Enterprise NX-01

Warum wurde

Enterprise

abgesetzt? – Diskussionspunkte im Blick

– Rewatch –

Season 1: Hinter jedem Stern etwas Wundervolles

Season 2: Kein Wind mehr in den Segeln

Season 3: Grenzüberschreitung und (Selbst-)Verletzung

Season 4: Heimkehr nach langer Irrfahrt

Tops und Flops unter 98 Episoden

– Die Figuren –

Was taugen die Charaktere?

Beziehungskisten

Kommandotandem: Archer - T'Pol

– Datenbank –

2081-2151: Ära der Weltraumnomaden

2135-61: Die Sternenflotte der Vereinigten Erde

2119-51: Warp-5- und NX-Programm

2151-54: Temporaler Kalter Krieg

2154: Zweite vulkanische Reformation

Raubvogel auf Angriffskurs – Der Romulanische Krieg in

Star Trek

– Ein gebührender Abschluss –

Archers Rede bei der Föderationsgründung

Die

Enterprise

und Archer im historischen Rückspiegel

– Romanfortsetzung –

Zurück von den Toten – Der

Enterprise

-Relaunch

Nachwort

Vorwort

Diesmal sollte es bis an die kühnen Anfänge zurückgehen. Beinahe zwanzig Jahre ist es her, dass der Pilotfilm von Star Trek: Enterprise erstmals im US‐amerikanischen Fernsehen, genauer gesagt auf dem damaligen Paramount‐Hausnetwork UPN, ausgestrahlt wurde. Nachdem das Massen‐ und Kulturphänomen Star Trek bereits die späten 1980er und vor allem die gesamten 1990er Jahre durchgehend begleitet hatte, war es der Beginn der nunmehr fünften großen Star Trek‐Serie, und wie andere vor ihr sollte auch sie nach und nach ihre eigene Fangemeinde erschließen und im Reigen des großen Franchise, einst begründet von Gene Roddenberry, aufgehen.

Gemessen an dem, was seit 1987 mit der Erfolgsserie The Next Generation (1987‐1994), dann mit den Nachfolgern Deep Space Nine (1993‐1999) und Voyager (1995‐2001) gelaufen war, stellte Enterprise in mehrerer Hinsicht eine Anomalie, eine markante Abweichung von der über lange Jahre geprägten Norm der ST‐Shows dar. So handelte es sich um die erste Inkarnation, die im neuen Millennium – und nach dem politkulturell so einschneidenden 11. September 2001 – entstand und mit dem Anspruch verbunden wurde, das etwas in die Jahre gekommene ST‐Storytelling behutsam aufzulockern und zeitgemäße, möglichst unverbrauchte Sternenabenteuer zu erzählen. Dabei sollte ein gehöriger Schuss Weltraumromantik nicht zu kurz kommen. Inhaltlich‐konzeptionell war Enterprise die erste genuine Prequel‐Show des Star Trek‐Kosmos, welcher sich bislang doch stets dadurch ausgezeichnet hatte, dass er mit jeder Nachfolgeserie immer weiter in die Zukunft gegangen war.

Nicht so Enterprise: Die Serie kehrte sich bewusst vom 24. Jahrhundert ab, das so lange in drei ausgiebigen Serien mit über 500 Episoden in 21 Staffeln (Kinofilme nicht mitgezählt) ausgebreitet worden war. Der neueste Wurf aus dem Hause Paramount sollte erforschen, wie es überhaupt erst zur Vereinigten Föderation der Planeten gekommen ist, jener utopisch‐humanistischen Weltenunion, die zu einem der großen Aushängeschilder des Franchise avancierte. Nicht zuletzt sollte die Serie bewusst Protagonisten präsentieren, die ungefestigter und fehlbarer waren als die Kirks, Picards, Siskos und Janeways, also noch nicht den hehren Maßstäben der futuristischen Sternenflotte entsprachen und damit von ihrem Mindset her näher an unserer eigenen Gegenwart lagen.

Die Macher rund um den langjährigen Franchise-Übervater Rick Berman und Showrunner Brannon Braga waren also gewillt, mit Enterprise neue Wege zu gehen und Star Trek dadurch eine Frischzellenkur mit Augenmaß zu eröffnen. Soweit das eigene Wunschdenken und die Potenzialanalyse. Am Ende wurde indes ein ganz schön stürmischer Ritt ohne wirkliches Happy End daraus. So wie auch Captain Jonathan Archer und seine Mannschaft ständigen Veränderungen ihrer Mission unterworfen waren, wurde die Serie unter dem Druck rapide und stärker als bei den ST‐Vorgängern schwindender Quoten in einen Strudel abrupter Kurskorrekturen und Neustarts hineingerissen. Hinzu kamen permanente Einmischungen des Senders UPN – ein Vorgang, der sich bei einer Star Trek‐Serie bislang so nicht ereignet hatte.

Letztlich war es Enterprise lediglich vergönnt, vier Staffeln mit immerhin 98 Folgen zu erleben. Im Mai 2005 wurde die Serie dann nach einem verkürzten vierten Produktionsjahr vorzeitig eingestellt. In einer Linie mit dem scherwiegenden kommerziellen Misserfolg des letzten Next Generation‐Kinofilms Star Trek: Nemesis (2002/03) markierte die Absetzung von Enterprise nicht nur das Ende der 18 Jahre währenden Ära Gene Roddenberrys und vor allem Rick Bermans als Executive Producer, sondern zugleich eine mehrjährige Zwangspause für das Franchise als Ganzes, das – trotz Wiederbelebung durch ganz neue Köpfe – in der gehabten Form nicht mehr zurückkehren würde.

Soweit der bekannte Gang der Geschichte. Betrachten wir Enterprise heute, ist unbestreitbar, dass die Serie aufgrund der einzigartigen Situation, als erste und bis dato einzige ST‐Produktion geschasst worden zu sein (sieht man einmal von The Original Series in den 1960ern ab), mit einem Malus behaftet ist. Doch natürlich wäre es deutlich verkürzt zu behaupten, dass das Franchise nur aufgrund seines quotentechnisch missglückten fünften Sprosses in eine Krise geriet. Diese hatte sich über viele Jahre und bereits im Zuge der Vorgängershow Star Trek: Voyager abgezeichnet und ist ausgesprochen vielschichtig. Enterprise hatte vermutlich eher das Pech, am Ende einer Entwicklung zu stehen, die Marktübersättigung mit Sci‐Fi und Star Trek ebenso beinhaltete wie Produzenten‐ und Autorenmüdigkeit.

Dennoch wird in der öffentlichen Wahrnehmung oft diese eine Serie mit dem vorübergehenden Aus für die Marke Star Trek in Verbindung gebracht. Zweifellos hatte Enterprise aufgrund des andersartigen Ansatzes und des Versuchs, Star Trek moderner, ja lockerer und unorthodoxer zu erzählen, während ihrer Laufzeit innerhalb der Fangemeinde viele leidenschaftliche Gegner; einige sind es bis heute geblieben. An und für sich ist das bei jeder ST‐Serie noch so gewesen, doch in mehreren Dokumentationen, die der Blu‐ray‐Veröffentlichung von Enterprise beigefügt sind, berichten die Produzenten und Drehbuchautoren aus ihrer Erfahrung heraus von Anfeindungen, wie es sie vorher nicht gegeben hatte. Enterprise polarisierte anscheinend schärfer als frühere Shows.

In diesen Chor irgendwelcher Verdammungsurteile will ich hier nicht einstimmen. Denn als der Pilotfilm von Enterprise ausgestrahlt wurde, waren die Quoten ausgesprochen gut, und für die Serie zeichneten sich klare Chancen ab. Genau an diesem Ausgangspunkt will ich ansetzen und die Show und ihre Genese über die Jahre vorurteilsfrei unter die Lupe nehmen. Was waren ihre Assets und Besonderheiten? Was hat sie gut, was weniger gut gemacht? Im Zuge dessen möchte ich herausarbeiten, dass Enterprise zwar eine extrem wechselhafte, nervöse und hektische Entwicklung nahm, aber eben dadurch auch in kurzer Zeit enorme Entwicklungssprünge erlebte wie vermutlich keine andere ST‐Serie zuvor. Dass die Macher immerhin die Experimentierbereitschaft und den Mut bewiesen, solche neuen Ufer anzusteuern, gehört ebenfalls zu einer kritischen Würdigung der Serie, selbst wenn die vorgenommenen Veränderungen vielleicht nicht immer so gut zu Star Trek als Ganzem passten.

Dieses Buch enthält meine persönlichen Überblicke, Gedanken, Eindrücke und Interpretationen zu dem narrativen Stoff, den uns die letzte Serie unter der Ägide Rick Bermans präsentiert hat. Dies beinhaltet auf der einen Seite die kompakte Aufarbeitung der Produktionsgeschichte und einen umfassenden Rewatch der einzelnen Staffeln, auf der anderen Seite Sachbeiträge zu ausgewählten Ereignissen und Themen im Verlauf der vier Staffeln. Auf diese Weise hoffe ich, zu einer breiten Gesamtbetrachtung und einem abgewogenen Urteil über Star Trek: Enterprise als Serie teilweise genutzter, aber eben auch verpasster Chancen zu kommen. Eine Serie, die ich trotz all ihrer Schwierigkeiten über die Jahre dennoch zu schätzen gelernt habe.

‐ Der Autor, im Juli 2021

Anmerkung: Dieses Buch ist nicht im Auftrag oder durch Unterstützung bzw. Veranlassung von Produzenten der Star Trek-Serien oder zusammenhängenden Merchandise‐Artikeln entstanden. Es handelt sich ausschließlich um Meinungen und Interpretationen des Autors. Star Trek™ und sämtliche verwandten Markennamen sind eingetragene Warenzeichen von CBS Studios Inc. und Paramount Pictures.

– Serienhintergründe –

„Sie halten uns Menschen für unbeherrscht? Sie wissen gar nicht, wie sehr ich mich in diesem Moment zusammenreiße, Sie nicht übers Knie zu legen!“

‐ Jonathan Archer inAufbruch ins Unbekannte

Serienhintergründe

Konzept, Cast, Quoten

Die Entstehungsgeschichte von Star Trek: Enterprise liegt an der Schwelle zwischen der langjährigen Status‐quo‐Tradition des Star Trek‐Franchise und erstem Veränderungsdruck aufgrund eines sich wandelnden Gesellschafts‐ und Serienumfelds zu Beginn der 2000er Jahre. Star Trek: Voyager – nach The Next Generation und Deep Space Nine die dritte im 24. Jahrhundert angesiedelte Serie – befand sich inmitten ihres fünften Produktions‐jahres, als die UPN‐Chefetage sich an Star Trek‐Boss Rick Berman wandte. Der Paramount‐Haussender hatte aufgrund des absehbaren Auslaufens der Voyager‐Odyssee ein ausgeprägtes Interesse an einer weiteren Inkarnation, die – wenn nicht bereits in der letzten Staffel von Captain Janeway und Co. parallel – zumindest unmittelbar im Anschluss an die vierte Star Trek‐Serie laufen sollte.

Zwar waren Voyagers (und im Übrigen auch Deep Space Nines) Quoten von Staffel zu Staffel schwächer geworden, doch insgesamt betrachtet befanden sich die Zuschauerzahlen nach wie vor auf hohem Niveau, und UPN dürstete es nach einer neuen Vorzeigeserie. Voyager hatte seiner Zeit das große Glück gehabt, auf dem Network einen besonders prominenten Sendeplatz erhalten zu haben; zugleich war für die Serie ordentlich die Werbetrommel gerührt worden. Nun wollte man bei UPN im Grunde fortfahren wie gehabt und stellte sich eine weitere Serie in der TNG‐Ära, wenn nicht sogar im 25. oder 26. Jahrhundert, vor. Als Berman dieser große Wunsch nach ,Business as usual' ereilte, stand er zunächst einmal vor einem Problem. Denn ihm missfiel der Gedanke, nach TNG, DS9 und Voyager noch eine Serie im 24. Jahrhundert spielen und damit im Grunde alles beim Alten bleiben zu lassen. Etwas Neues sollte her.

Vom Prequel‐Fieber gepackt

Für Rick Berman war dieser Zweifel durchaus bemerkenswert. Im Laufe vieler Jahre hatte sich der Franchise-Verwalter den durchaus umstrittenen Ruf erworben, ein eherner Traditionshüter des Gene Roddenberry‐Star Trek zu sein (immerhin war Berman selbst unter Roddenberry die Karriereleiter emporgestiegen) und Abweichungen von der Norm bisheriger ST‐Inkarnationen eher mit Skepsis zu betrachten. So ist es wenig verwunderlich, dass Berman nie ein großer Anhänger von Deep Space Nine geworden ist, das spätestens unter dem Showrunner Ira Steven Behr für Star Trek‐Verhältnisse sehr eigene Wege mit horizontalen Handlungen, diversen Arcs, verdunkelter Atmosphäre, konfliktären Charakterkonstellationen sowie einem komplexen Umgang mit dem Thema Religion gegangen war. Während die Frage nach dem Serienkonzept für eine Voyager‐Nachfolge ihm also immerhin Kopfzerbrechen bereitete, ließ sich Berman von UPN‐Chef Kerry McCluggage relativ schnell davon überzeugen, dass das neue Wunschkind rasch das Licht der Welt erblicken sollte. Seine anfänglichen Hinweise, eine mehrjährige Pause würde dem Franchise gut tun und den Zuschauerappetit anregen, lösten sich schnell in Wohlgefallen auf.

Berman nahm sich Brannon Braga, den mehrjährigen Voyager‐Showrunner sowie überaus erfolgreichen TNG‐Drehbuchautor zur Seite, und brütete mit ihm über einen eigenen Vorschlag für die anvisierte Serie. Reizvoller als eine erneute Befassung mit der TNG‐Epoche oder einen Ausflug in eine noch entlegenere Zukunft erschien es Berman, in die Vergangenheit zu reisen und Star Trek, wie man es kennt, eine Art Vorgeschichte zu geben. Zu eben dieser Zeit, muss man wissen, boomten Prequels in Hollywood nur so, und Berman machte zu Recht eine historische Lücke im Star Trek‐Kosmos aus, die von einer neuen Serie ambitioniert ausgefüllt werden konnte. Dem Star Trek Communicator sagte er einmal im Interview: „Durch den Film Der Erste Kontakt wussten wir, was im 21. Jahrhundert geschehen war, und die Classic‐Serie verriet uns, welche Ereignisse es im 23. Jahrhundert gab. Aber es gab da diesen Zeitrahmen zwischen der primitiven, postapokalyptischen Ära aus Der Erste Kontakt bis zu dem Universum, in dem Kirk und Spock leben, in dem es die Sternenflotte und Raumschiffe gibt, die mit unglaublicher Geschwindigkeit reisen können. Wie sind wir bis an diesen Punkt gelangt? Mich faszinierte der Gedanke. [...] Wir wollten etwas Frisches liefern.“

Vor dem Hintergrund solcher Aussagen war es fraglos der achte ST‐Film aus dem Jahr 1996 – den übrigens sein Wunschpartner Braga gemeinsam mit Ronald D. Moore kreiert hatte –, welcher einen bleibenden Eindruck bei Berman hinterlassen und auf dem er nun aufsetzen wollte. Vor dem geistigen Auge des Duos nahm ein Storykonzept Gestalt an, das nicht allzu weit nach der Kontaktaufnahme zwischen Menschen und Vulkaniern stattfand, eine Erde im Wiederaufbauprozess vom verheerenden Dritten Weltkrieg an der Schwelle zu den Sternen zeigte. Dargeboten werden sollte eine Zeit, die alles andere als perfekt war und in der die Erde ihren Platz im Universum erst finden musste. Eine Zeit weit vor der Föderation.

Inmitten dieser Gemengelage sollten sich bodenständige Figuren tummeln, für die Berman die Umschreibung „people in the mud“ wählte. Das war jedoch nicht abwertend gemeint, sondern er erblickte hier ein besonderes, frisches Potenzial. Dem Prequel‐Gedanken folgend, sollte die neue Serie sich von den idealistischen, oft abgeschliffenen Protagonisten ferner Jahrhunderte und der geläuterten, moralisch über alles erhabenen Menschheit locker machen. Das bedeutete ganz handfest, dass man nun Figuren präsentierten wollte, die näher an unserer heutigen Gegenwart liegen. Darin sahen Berman und Braga eine Chance, Star Trek an die moderne Serienlandschaft anzupassen, in der weniger geglättete und mehr authentische, kernige Figuren mit all ihren Höhen und Tiefen dargeboten werden. Entsprechend ließ Berman im oben erwähnten Interview verlauten: „Unsere Figuren sollten anders sein als Roddenberrys Menschen im 23. und 24. Jahrhundert, die praktisch keine Schwächen mehr hatten. Wir wollten Leute bieten, mit denen sich die Zuschauer leichter identifizieren konnten.“

Diese Figuren, die erst später zu einer Crew zusammenfinden würden, sollten mit zaghafter Unterstützung der skeptischen Vulkanier auf der Erde ein primitives Raumschiff bauen, weniger wie Offiziere denn wie Freaks aussehen, anstelle von Uniformen Jeans tragen und Hals über Kopf ins Abenteuer stürzen, ohne klaren Kompass und nur auf Pragmatismus gestützt. Die Besatzungsmitglieder würden durch eine Menge Fettnäpfchen und Fehltritte gehen, doch dadurch sollten sie die Möglichkeit haben, nachvollziehbar zu wachsen, so wie mit ihnen die Menschheit. Damit einhergehen sollte, an verschiedenen Stellen deutlich vor Augen zu führen, dass technologisch noch längst nicht das möglich war, was wir aus späteren Jahrhunderten kennen. Die Romantik der Raumfahrt, aber auch ihre Härten konnten so in die Serie geholt werden. Berman und Braga wollten hier durchaus radikal ans Werk gehen: Sie wollten auf moderne Star Trek‐Allzweckwerkzeuge wie Replikatoren, Transporter, Phaser, Tricorder, Hologramme und derlei mehr vollständig verzichten. Zudem sollte die erste Staffel der Serie weitestgehend auf der Erde spielen und das zu bauende Raumschiff erst an deren Ende abheben. Die feindliche Fraktion dieses Settings sollte eine fremdenfeindliche Bewegung namens Terra Prime sein.

Die Verwässerung der Grundidee

So weit, so mutig, muss man anerkennend festhalten. Als Berman und Braga Paramount ihr Konzept vorlegten, kam alles an Reaktionen, nur eben keine rechte Begeisterung wollte aufkommen. Der Gedanke, mit dem bestehenden Star Trek‐Inventar zu brechen, erschien Kerry McCluggage wenig verheißungsvoll, sondern eher wie ein Risiko, durch das eine jahrelang sorgsam etablierte Kernmarke Schaden nehmen konnte. Also erwartete man von Berman und Braga erhebliche Nachbesserungen – insbesondere mit Blick auf das futuristische Element, welches das Prequel ergänzt und gewissermaßen konterkariert. Das Produzententandem weigerte sich zwar beharrlich, Abstand von ihrem Prequel‐Gedanken zu nehmen, sah jedoch angesichts des Drucks durch das Studio keine andere Möglichkeit, als deutliche Konzessionen zu machen. Das Ergebnis war eine beträchtliche Aufweichung des ursprünglichen Drafts.

Gemäß der Forderung aus der Vorstandsetage, mehr klassische Science‐Fiction unterzubringen und den Charakter einer Entdeckerserie à la TNG und Voyager zu stärken, verschoben Berman und Braga die von ihnen angedachte Serie ein ganzes Stück nach hinten, nämlich ins mittlere 22. Jahrhundert und damit fast ein Jahrhundert nach dem Ersten Kontakt. Das zu bauende Schiff entstand nun nicht auf der Erde, sondern – wie von früher bekannt – in einem orbitalen Raumdock; es sollte jetzt zufälligerweise den Namen Enterprise tragen, immerhin 80 Personen beherbergen und 230 Meter lang sein (für ein Prequel bereits ein ganz schön großer Kahn). Ausgestattet mit einem experimentellen Warpfünf‐Antrieb, sollte es überstürzt bereits im Pilotfilm in die unendlichen Weiten aufbrechen. Die Sternenflotte gab es auch schon (wenn auch erst seit ein paar Jahren) und ebenfalls den gerade erst für Biomaterie freigegebenen Transporter, ja auch die Ur‐Phaser waren soeben entwickelt worden, bloß dass sie nun noch ,Phasenpistolen bzw. ‐kanonen' hießen.

Doch damit noch nicht genug: Um das Zukunftselement zu stärken, reaktivierte Braga eine alte, nie realisierte Idee von einem temporalen Krieg zwischen verschiedenen Fraktionen aus der Zukunft, welche versuchten, den Zeitverlauf zu ihren Gunsten abzuändern, und passte die Idee auf die neue Star Trek‐Serie hin an. So sollte die allererste, noch vor Kirk und Spock angesiedelte Enterprise gleich auf ihrem Jungfernflug in diese exotische temporale Auseinandersetzung involviert werden, die sich im mittleren 22. Jahrhundert manifestiert. Der Temporale Kalte Krieg, wie er schließlich getauft wurde, bot nicht nur ein potenzielles Fenster in entlegene Jahrhunderte, sondern gerade im Zusammenhang mit der Prequel‐Idee den Reiz, einen Unsicherheitsfaktor in die Geschichtsentwicklung einzufügen (oder auch punktuelle Veränderungen des Zeitverlaufs aufgrund von bestimmten Interventionen fremder Mächte). Entsprechend sollte der TKK zu einem roten Faden in der Handlung ausgebaut werden. Tatsächlich würde dieser Plot bis ins letzte Viertel der Serie mitgeschleppt werden.

Man könnte sagen, Berman und Braga hatten versucht, einen klassischen Kompromiss mit ihren Geldgebern auf der anderen Seite zu erzielen. Sie hielten erfolgreich an ihrer Grundidee fest, gaben UPN jedoch, was es wollte. Neben einer ausgeprägten Trek‐Konformität war vor allem der Temporale Kalte Krieg dabei ein wichtiges Entgegenkommen, da er quasi das Sequel im Prequel repräsentierte, traten hier doch manchmal Fraktionen und Splittergruppen aus dem 29. und 31. Jahrhundert gegeneinander an – so weit nach vorne hatte bislang keine ST‐Serie ausgeholt. Besonders konzentrierte sich Braga zunächst auf die Suliban‐Fraktion Cabal, dessen geheimnisvollen Auftraggeber und den (vermeintlich) menschlichen Zeitagenten Daniels, der sich anfangs als Enterprise‐Crewmitglied ausgibt. Manche Elemente aus dem ursprünglichen Konzept durften in freilich abgemilderter Form stehen bleiben: Die menschlichen Figuren wurden bewusst ein gehöriges Stück hemdärmeliger, raubeiniger und makelbehafteter gezeichnet (abgesehen davon, dass einige von ihnen mit großer Hingabe Fleisch und Fisch aßen, Wasserball schauten und drohten, jemandem den Hintern zu versohlen); auch die Beziehung zwischen Menschen und Vulkaniern sollte durchaus spannungsreich und ambivalent sein.

Trotzdem wird man wohl kaum behaupten können, dass das, was Star Trek: Enterprise schließlich wurde, besonders große Ähnlichkeit mit Bermans und Bragas initialem Vorschlag hatte (nicht einmal in Bezug auf die zunächst sehr wilde Charakterzeichnung). Entsprechend sieht sich Berman bis heute der kritischen Frage ausgesetzt, warum er unter diesen Bedingungen unbedingt bereit gewesen war, eine neue Star Trek‐Serie zu produzieren. Hatte er sich über den Tisch ziehen lassen oder war es für ihn nicht recht vorstellbar gewesen, sich die Chance einer weiteren ST‐Show unter seiner Lenkung entgehen zu lassen? Eines wird man indes ganz sicher festhalten dürfen: Anders als bei der Planung und Ausarbeitung früherer ST‐Serien gab es von Anfang an bei Enterprise eine markante Einmischung des Studios. Die Devise war hierbei klar: Die Milchkuh Star Trek sollte weiter gemolken werden, koste es, was es wolle.

Am Ende war die Grundidee für einen wirklichen Neuanfang möglicherweise zu stark verwässert worden. Allem voran gilt das für den Prequel‐Aspekt, der in der Umsetzung über weite Strecken unter die Räder kam. Er manifestierte sich gelegentlich am bereits angesprochenen Verhältnis zwischen Menschen und Vulkaniern, einiger aus der Star Trek‐Originalserie bekannter Spezies, welche föderationsbildend sein würden, und Fragen der (zu diesem Zeitpunkt noch nicht existierenden) Obersten Direktive rund um die (Nicht‐)Einmischung in fremde Zivilisationen. Ansonsten würde Enterprise in seinen ersten beiden Jahren stark jene Forschertradition mit Alien of the week‐Geschichten verfolgen, wie wir sie von TNG oder Voyager kennen. Dass die Macher dabei die Tendenz zeigen würden, häufig aus der TNG‐Epoche bekannte Völker (die in TOS eigentlich noch gar keine Rolle gespielt hatten) auftreten zu lassen, würde ihre eigene Unsicherheit und Drucksituation hinsichtlich des Umgangs mit dem Prequel‐Konzept deutlich machen. Vielleicht hatten Berman und Braga sich aber auch einfach zu wenig mit Kirks und Spocks Ära beschäftigt und liebten ihren eigenen Abschnitt der Star Trek‐Geschichte (nämlich die Ära von Picard bis Janeway) am Ende zu sehr, um sich ernsthaft davon zu verabschieden.

Viel Produzentenkontinuität und markige Charaktere

Diese inhaltliche Rückbesinnung auf frühere Franchise-Inkarnationen fand ihre Entsprechung in produktions‐technischer und personeller Hinsicht. In Anbetracht des hohen Drucks, bereits in kurzer Zeit mit der Realisierung von Enterprise anzufangen, ist es kein großes Wunder, dass Berman und Braga mit dem arbeiten mussten, was sie hatten – und das war ein Personalstab, der in weiten Teilen schon an früheren ST‐Shows mitgewirkt hatte. Insoweit wurden die aus TNG altbekannten Merri D. Howard und Peter Lauritson als Supervising Producers unter Vertrag genommen; ähnliches gilt für Dawn Velazquez, Stephen Welke und Brad Yacobian. Im Stab der Drehbuchautoren fanden sich außer den beiden ST‐erprobten Showrunnern Personen wie Michael Sussman und André Bormanis, ihrerseits keine Neuzugänge in der Welt von Star Trek, wobei mit Personen wie Fred Dekker, Chris Black, James Duff oder Andre und Maria Jacquemetton auch ein paar Quereinsteiger hinzugeholt wurden. Designtechnisch und stilistisch würde Enterprise ihrerseits von Altgedienten der Stempel aufgeprägt werden, unter ihnen Personen wie Doug Drexler (Visual Effects Artist), Michael Okuda (Scenic Artist), Herman F. Zimmerman (Leading Production Designer) sowie Michael Westmore (Makeup Supervisor).

Nachdem mit Benjamin Sisko (Deep Space Nine) ein schwarzer Mann und mit Kathryn Janeway (Voyager) eine Frau auf dem Kommandostuhl Platz nehmen durften, hielt man es für vertretbar, in Anspielung auf den legendären James Kirk wieder auf einen weißen männlichen Captain zurückzukommen. Jonathan Archer durfte als Sohn des Mitentwicklers Henry Archer das Kommando über die allerallererste Enterprise übernehmen und bricht im Pilotfilm voller Sehnsucht und Ungeduld ins weite All auf. Die Archer‐Figur sollte sich durch eine nicht immer ausgeglichene Mischung aus Impulsivität, Begeisterungsfähigkeit, Lern‐ und Urteilsvermögen, aber auch in Anspielung an Kirk eine gehörige Portion „Cowboy‐Diplomatie“ sowie – zu Beginn – bestimmte Vorurteile (gerade mit Blick auf die von ihm wenig gelittenen Vulkanier) auszeichnen. Diese Kombination versprach, dem Prequel‐Charakter doch noch ein wenig Auftrieb zu verleihen, da dies ein gänzlich ungewohnter Typ Captain war. Hinzu kam, dass man ihm einen Begleiter auf vier Pfoten zur Seite stellte, einen Beagle namens Porthos. Man mag sich streiten, ob ein Hund auf ein Raumschiff passt, doch dies war zumindest etwas Neues. Berman und Braga hatten das Glück, ihre Wunschbesetzung Scott Bakula für die Rolle zu gewinnen, welcher dem Publikum durch die Serie Quantum Leap bekannt geworden war.

Eine weitere spannende Angelegenheit war, dass es – trotz oder gerade wegen des in dieser Zeitperiode angespannten Verhältnisses zu den Vulkaniern – einen vulkanischen Ersten Offizier an Bord der Enterprise geben sollte. Mit diesem sollte Archer diverse Konflikte austragen und über gemeinsame Abenteuer allmählich zusammenwachsen. Da im Prä‐Föderationsplot dem Verhältnis zwischen Menschen und Vulkanierin eine Schlüsselfunktion zukam, erkannten Berman und Braga frühzeitig den großen Wert einer solchen Konstellation. Die Rolle der T'Pol wurde letztlich mit der jungen Schauspielerin Jolene Blalock besetzt.

Die dritte prominente Rolle im Cast sollte vom Chefingenieur Charles ,Trip' Tucker III. ausgefüllt werden. Neben seiner Leitungsfunktion in der technischen Abteilung sollte er Archer als Freund und vertrauensvoller Ratgeber zur Verfügung stehen. Die Tucker‐Figur sollte eine gehörige Portion Manns‐ und Sonnyboyklischees mitbringen, sein Dialekt eine ordentliche Südstaatenfärbung aufweisen; ab und zu sollte er mal einen ordentlichen Spruch raushauen, einen mit Archer heben und Wasserballspiele mit ihm ansehen (Al Bundy lässt grüßen). Für diese Rolle wählte man Connor Trineer aus.

Neben diesem Triumvirat, das die Prioritätensetzung in der Originalserie reflektierte (Kirk, Spock, ,Pille'), sollte der übrige Main Cast abermals in Anlehnung an TOS besetzt werden. So gab es eine japanische Kommunikationsoffizierin und Linguistin namens Hoshi Sato (Linda Park), die erst lernen musste, an Bord eines Raumschiffes klarzukommen, einen steifen und etwas traditionsorientierten britischen Taktik‐ bzw. Sicherheitschef namens Malcolm Reed (Dominic Keating) sowie einen schwarzen Navigator namens Travis Mayweather (Anthony Montgomery), der auf einem Raumfrachter geboren worden ist. Für das exotische Element sorgte die Figur des munteren denobulanischen Schiffsarztes Phlox (John Billingsley), der sich der Mittel der intergalaktischen Pflanzen‐ und Tierheilkunde bedient und große Freude dabei hat, der Menschheit bei ihrem Aufbruch zu den Sternen beizuwohnen. Lediglich ein Kontinentaleuropäer oder ein Russe fehlten in diesem Aufgebot.

Dieses Gespann von auf der Enterprise stationierten Hauptfiguren erweiterte man noch um einige Nebenfiguren, die regelmäßig ihre Auftritte in der Serie haben sollten. Dazu zählen allem voran der stoische vulkanische Botschafter auf der Erde namens Soval (Gary Graham), der Sternenflotten‐Admiral Forrest (Vaughn Armstrong), der genetisch erweiterte Suliban namens Silik (ein Akteur im Temporalen Kalten Krieg), aber auch der Andorianer Shran, welcher zu Archer ein persönliches Vertrauensverhältnis entwickeln wird. Gerade letztere Rolle sollte erst im Laufe der Serie immer mehr an Gewicht zunehmen.

Let's go retro

Dass sich Berman und Braga eine Geschichte ausgeguckt hatten, die vom produktionshistorischen Standpunkt anno 2001 gesehen die Zukunft der Vergangenheit darstellte, ,in‐universe' aber hundert Jahre vor der 1960er‐Jahre‐Star Trek‐Serie spielen sollte (also die Vergangenheit der Zukunft ist), brachte bis dato ungekannte Herausforderungen für ein adäquates Design mit sich. Zum einen war es wichtig, Reminiszenzen und Verbindungslinien zur ikonischen Enterprise‐1701 zu schaffen, andererseits musste jedoch auch eine gewisse Eigenständigkeit betont werden, da die Serie nun mal deutlich vor Kirks und Spocks Abenteuern angesiedelt war. Der Umstand, dass seit der Originalserie bald vier Jahrzehnte Serien‐ und Filmgeschichte vergangen waren, konnte ebenso wenig ignoriert werden. Man konnte daher nicht einfach den bunten, blinkenden und piepsenden Stil der 1960er Jahre auf die neue Serie überpfropfen. Das Ergebnis war – einmal mehr – eine Art abgewogene Kompromisslösung.

Quelle: ViacomCBS via TrekCore, vom Autor modifizierte Darstellung

Äußerlich machte die Enterprise NX‐01 nicht zu starke Anleihen bei ihrem großen Raumschiffvorbild der Constitution‐Klasse, sondern erinnerte im Hinblick auf ihre Form eigenartigerweise eher an die Akira‐Klasse im 24. Jahrhundert (ein Punkt, der unter nicht wenigen Fans kontrovers diskutiert wurde und einen weiteren Bezug zum achten ST‐Film deutlich macht, der Berman und Braga als Bezugspunkt diente). Zugegeben, einige sporadische Gemeinsamkeiten mit Zefram Cochranes ursprünglicher Warprakete Phoenix (schon wieder Star Trek: Der Erste Kontakt!) gibt es beim Modell, aber es war mehr das Weglassen bestimmter Komponenten wie insbesondere einer genuinen Maschinensektion mit dem prägnanten, zigarrenförmigen Hauptrumpf, wodurch gezeigt werden sollte, dass Archers Enterprise noch längst nicht dort war, wo ihre Namensvetterin in der Zukunft sein würde. Da man längst im Computerzeitalter angekommen war, würde Enterprise die erste ST‐Serie sein, die von Anfang an auf ein rein animiertes Modell des Protagonistenraumschiffes setzte. Dies war der Serie natürlich von vorneherein anzusehen und schuf eine andere Ästhetik als in vorangegangenen Shows.

Im Innern gab es Räume und Elemente, die der Enterprise‐1701 näher kamen, andere hingegen wurden mit ganz eigener Note ausgestaltet. Die Brücke war zwar mit dem angeschlossenen Besprechungsbereich eine ziemlich üppig dimensionierte Einrichtung, dafür war ihr Design kühl und zweckmäßig; sie entbehrte jener Wohnzimmeratmosphäre, die die Enterprise‐D in TNG mitgebracht hatte. Der Maschinenraum wiederum mischte Gemeinsamkeiten und Unterschiede im Hinblick auf Kirks Flaggschiff. So entschied Herman F. Zimmerman, den Warpkern horizontal über zwei Decks in einem käfigartigen Gerüst zu integrieren, um den noch stark experimentellen Charakter des neuen Antriebs einzufangen. Man konnte den Kern von allen möglichen Seiten erreichen, um kurzfristig auf die Maschine einzuwirken, falls es nötig werden sollte. Zugleich wurde die Beleuchtung des Warpkerns in jener Farbgebung realisiert, wie sie auch aus Scottys Maschinenraum bekannt ist. Die Krankenstation entbehrte auffälliger Gemeinsamkeiten mit Doktor McCoys Reich; hier waren es vor allem die vielen exotischen Tiere und Heilmittel des nicht minder exotischen Doktor Phlox, die der Einrichtung ihre spezifische Atmosphäre verliehen und auf ihre Weise den Beginn der irdischen Tiefenraumerforschung unterstrichen.

Hinzu kam, dass man durch die Betonung der Frühphase der Sternenflotten‐Raumfahrt zumindest an manchen Stellen illustrieren wollte, dass nicht alles so luxuriös zugeht wie in späteren Jahrhunderten von der Sternenflotte gewohnt (der Begriff ,Weltraumromantik' war ja schon gefallen, auch wenn das ein Euphemismus für Enge sein mag). Um sich ein besseres Bild vom Alltag unter beengten Lebensbedingungen zu machen, besuchten Berman, Braga, Zimmerman und andere Teammitglieder im Vorfeld ein ausrangiertes U‐Boot. Nach dieser Visite gelangte man zur Entscheidung, das Schiff mit Monitoren vollzustopfen, zeigte hier und da unabgeschirmte Leitungen und hervorstehende Stützverstrebungen, unter denen man sich ducken musste. Kein Ort im Schiff steht vermutlich so gut für die spezielle Note der Enge wie Captain Archers nahezu klaustrophobischer Bereitschaftsraum, der an der einen oder anderen Stelle sogar dazu zwingt, den Kopf einzuziehen. Der Kontrast zu Jean‐Luc Picards oder Kathryn Janeways warmen und bequemen Büros könnte nicht größer sein.

Ein weiteres wichtiges Thema war die Gestaltung der Requisiten. Zwar hatte man sich am Ende doch dazu entschlossen, viele der aus dem 23. und 24. Jahrhundert bekannten Star Trek‐Technologien zaghaft einzuführen, doch musste man hier zusehen, wie man eine regelrechte Quadratur des Kreises vollführte: Zum einen sollten die ikonischen Ausrüstungsgegenstände als solche erkennbar bleiben, zum anderen tat eine vorsichtige Modernisierung Not, damit sich die Serie in eine zeitgemäßere Vorstellung von Science‐Fiction einfügen konnte. Kommunikationsoffizierin Hoshi Sato hat zwar nicht mehr Uhuras berüchtigten ,Stöpsel' im Ohr, dafür aber ein ganz ähnliches Utensil, das ihr bei der Übersetzung hilft; T'Pol verwendet an ihrer Wissenschaftsstation ein ausfahrbares Sichtgerät, das verdächtige Ähnlichkeit mit Spocks Sensorhaube hat; auch die Kommunikatoren sind recht nah an dem originalen Vorbild gehalten.

Während die drei letzteren Beispiele vermutlich als gelungene Mischung aus Replik und Neuerfindung gelten können, mag man bei anderen Inventargegenständen übers Ziel hinausgeschossen sein. Die Tricorder sehen zwar stylisch aus, erinnern aber von ihrer Erscheinung eher an ein modernes (Prä‐)Smartphone. Die Phasenpistole, die Malcolm Reed gleich im Pilotfilm einführt, mag nur die basalen Einstellungen ,Betäuben' und ,Töten' kennen, ist jedoch einem Classic‐Phaser relativ ähnlich und wird schon nach kurzer Zeit so inflationär verwendet, dass hier der Prequel‐Charakter kaum noch gewahrt bleibt.

Einen ähnlichen Schlingerkurs fuhr man bei der Transportertechnologie, die Gene Roddenberry in den 1960er Jahren vor allem deshalb ersann, um Geld einzusparen. Da Paramount sich Bermans und Bragas Wünschen einer radikaleren Abkehr von ST‐Technologie in den Weg gestellt hatte, musste die berühmte Beamapparatur Einzug auf der Enterprise NX‐01 halten. Jedoch setzten sich die beiden Produzenten insoweit durch, als der Transporter in dieser Phase noch so experimentell war, dass normalerweise ausschließlich Fracht und nur in extremen Notfällen Personen mit ihm gebeamt werden. Üblicherweise verwendet die Sternenflotte in dieser Zeit noch die guten, alten Shuttles.

Bei den Uniformen gaben die Macher sich alle Mühe und erzielten ein hervorragendes Ergebnis. Unverkennbar sind die deutlichen Anleihen bei den NASA‐Overalls, was zur Authentizität und näheren zeitlichen Verortung des Enterprise‐Szenarios beitrug. Es sind schlicht die praktischsten und glaubwürdigsten Kostüme in all den ST‐Jahren, und dennoch gelingt es ihnen, mit den farbigen Schulterstreifen ausreichende Bezüge zur Classic‐Serie herzustellen.