Sterben und leben lassen - Simon R. Green - E-Book
Beschreibung

Mein Name ist Bond, Shaman Bond. Besser bekannt als Drood, Eddie Drood. Ja genau, ich bin einer dieser Droods - der Familie, die seit Menschengedenken dafür sorgt, dass die Mächte der Finsternis dort bleiben, wo sie hingehören - in den Schatten. Kürzlich litt ich unter einem kleinen Anfall von Tod, doch dank der guten Molly (die zufällig eine mächtige Hexe ist) hatte ich diesen Zustand schnell überwunden. Bedauerlicherweise hatte meine Familie weniger Glück. Während meiner Abwesenheit wurde Drood Hall zerstört und meine Verwandten wurden allesamt ermordet. Das machte mich nun zum Letzten der Droods. Es machte mir nicht sonderlich viel Freude, der letzte Drood zu sein, so viel kann ich Ihnen verraten. Doch dann wurde mir klar, dass die Dinge nicht so waren, wie sie schienen. Irgendwer hatte eine Dimensionsmaschine aktiviert, Drood Hall auf eine alternative Erde gesandt und sie durch einen ausgebrannten Doppelgänger ersetzt. Meine Familie lebte dort draußen also noch. Irgendwo. Und nichts würde mich davon abhalten, sie zu finden …

Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:

Android
iOS
von Legimi
zertifizierten E-Readern
Kindle™-E-Readern
(für ausgewählte Pakete)

Seitenzahl:666

Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi ohne Limit+” in Legimi-Apps auf:

Android
iOS

Sammlungen



Autor: Simon R. Green

Deutsch von: Susanne Picard

Lektorat: Sarah Pister und Oliver Hoffmann

Art Director, Satz und Gestaltung: Oliver Graute

© Simon R. Green 2012

© der deutschen Übersetzung Feder&Schwert 2015

E-Book-Ausgabe

ISBN 978-3-86762-230-1

Originaltitel: Live and Let Drood

ISBN der Printausgabe 978-3-86762-229-5

Sterben und leben lassen ist ein Produkt von Feder&Schwert unter Lizenz von Simon R. Green 2014. Alle Copyrights mit Ausnahme dessen an der deutschen Übersetzung liegen bei Simon R. Green.

Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck außer zu Rezensionszwecken nur mit schriftlicher Genehmigung des Verlags.

Die in diesem Buch beschriebenen Charaktere und Ereignisse sind frei erfunden. Jede Ähnlichkeit zwischen den Charakteren und lebenden oder toten Personen ist rein zufällig.

Die Erwähnung von oder Bezugnahme auf Firmen oder Produkte auf den folgenden Seiten stellt keine Verletzung des Copyrights dar.

www.feder-und-schwert.com

Was bisher geschah ...

Ich kam nach Hause und stellte fest, dass jemand meine ganze Familie umgebracht hatte.

Dafür wird dieser Jemand bezahlen.

Mit Blut.

1

Heimat ist da, wo das Herz bricht

Da glaubt man zu wissen, wo das Leben einen hinführt. Man glaubt, man habe alles geregelt. Man hat seine Feinde besiegt, die Welt gerettet, seinen Frieden mit der Familie geschlossen und ist mit der Frau, die man liebt, in Urlaub gefahren. Und dann stellt man etwas fest, was einem die ganze Zeit hätte klar sein müssen: dass nur ein einziger schlechter Tag das Leben auf den Kopf stellen kann. Dass es nichts gibt – und hat man es auch verdient und mit Blut und Leid und Verlust bezahlt –, das die Welt einem nicht nehmen kann.

Ich stand in dem, was von meiner Heimat, Drood Hall, noch übrig war, und konnte nur daran denken, wie es früher ausgesehen hatte. Wie es mein ganzes Leben lang ausgesehen hatte. Ein gewaltiges, verzweigtes altes Herrenhaus, das aus der Tudor-Zeit stammte, auch wenn man im Laufe der Jahrhunderte manches hinzugefügt und verbessert hatte. Traditionell schwarz-weiße Fachwerkfassade mit schweren, bleiverglasten Fenstern, eine stolze Eingangstür, die massiv genug war, um einer ganzen Armee zu widerstehen, vorspringende spitzgieblige Dächer. Vier große Flügel hatte man hinzugefügt, um die wachsende Familie unterzubringen, man hatte sie aus solidem Stein im alten Regency-Stil erbaut. So groß und fest gebaut und … bedeutungsschwanger sah es aus, als könne das Haus es mit der ganzen Welt aufnehmen und gewinnen.

Hoch über den weitläufigen Parks wand sich das Dach wie eine gewaltige, graue See aus Ziegeln, immer wieder unterbrochen von spitzen Giebeln, finster dreinblickenden Gargylen und reich verzierten Dachrinnen, die man wahrscheinlich irgendwann für eine gute Idee gehalten hatte. Dann waren da noch das aus dem Dach ragende Observatorium, zahlreiche Landeplätze für die eher ausgefallenen Fluggeräte der Familie (und natürlich für die fliegenden Einhörner), noch mehr Aliens und Antennen, als nötig schienen, um Gremlins und andere Monster fernzuhalten. Alles zusammen ergab ein total überfülltes, aber sehr nützliches Dach.

Ich hatte als Kind viel Zeit auf diesem Dach verbracht und es genossen, dabei zuzusehen, was da so alles abflog und landete, und war dabei immer allen zwischen die Füße geraten.

Das alles war jetzt weg.

Das Herrenhaus war eine ausgebrannte Ruine. Jemand hatte es zunächst mit schwerer Artillerie und Sprengstoff zerstört und anschließend in Brand gesetzt, was danach noch übrig gewesen war. Die Wände waren zusammengefallen und zertrümmert, die Reste schwarz und verkohlt von Rauch und Feuer. Die oberen Stockwerke waren in sich zusammengestürzt und bildeten nun einen einzigen großen Haufen von Trümmern, zerbrochenen Ziegeln und was sonst noch vom Dach übrig war. Die unteren Stockwerke schienen mehr oder weniger intakt zu sein, aber die Fenster waren allesamt zerbrochen, und die beiden großen Haupteingangstüren waren aus ihren schweren Angeln gesprengt worden. Gott allein mochte wissen, was drinnen noch heil war.

Trotz aller schlechten Erinnerungen war das Herrenhaus mein Zuhause gewesen. Ich hatte immer geglaubt, ich könne dorthin zurückkehren, wenn ich es brauchte. Es nun so zu sehen, so zerstört von Wut und Gewalt, in Ruinen und Trümmern, ließ mir den Atem in der Kehle stocken und das Herz in der Brust stehenbleiben. Der Anblick ließ in meiner Seele eine solche Kälte entstehen, dass ich wusste, sie würde nie wieder ganz verschwinden.

Ich zwang mich, langsam weiterzugehen. Molly blieb neben mir und versuchte, etwas Tröstendes zu sagen, aber ich konnte es nicht verstehen. In mir war für nichts anderes mehr Platz als das, was man meiner Familie angetan hatte. Die massiven Fronttüren hätten einer ganzen Armee widerstehen sollen, doch sie waren von einer unbekannten Kraft in die düstere Eingangshalle geworfen worden. Eine einzelne, in Gold gerüstete Gestalt lag zusammengekrümmt auf der Schwelle, immer noch still und ausgesprochen tot, das glänzende Metall war in unvorstellbarer Hitze halb geschmolzen, verbogen, die Arme an den Torso geschweißt, ebenso wie die Beine miteinander verschweißt schienen. Ich hätte nicht gedacht, dass irgendeine Gewalt so etwas mit einer Drood-Rüstung tun konnte.

Kein Qualm lag mehr in der Luft, keine Hitze war im verkohlten Flur zu bemerken. Was auch immer hier passiert war, es war eindeutig schon eine Weile her. Tage. Ich hatte es also nicht gerade eben verpasst. Die Angreifer waren gekommen, hatten meine Familie abgeschlachtet, mein Zuhause in die Luft gejagt und dann angezündet und waren wieder verschwunden. Und die ganze Zeit war ich im Süden Frankreichs gewesen und hatte Urlaub gemacht. Ich stand vor dem offenen Eingang und wusste nicht mehr, was ich tun sollte. Was ich sagen sollte. Mein Bauch tat weh, selbst das Atmen durch die verengte Brust tat weh. Molly Metcalf stellte sich dicht neben mich und schob zaghaft einen Arm durch meinen. Sie drückte sich an mich. Sie stand so dicht an mir wie nur möglich, um mir so viel Trost zu schenken, wie sie konnte.

„Warum wusste ich nichts davon?“, fragte ich tonlos. „Wie konnte so etwas passieren, ohne dass ich davon wusste? Warum hat mir denn niemand Bescheid gesagt?“

„Vielleicht … ging alles zu schnell“, sagte Molly. „Es muss ein Überraschungsangriff gewesen sein, um die ganze Familie so kalt zu erwischen.“

Alle Kraft wich aus meinen Beinen, und ich fiel im Kies vor dem Eingang auf die Knie. Das hätte höllenmäßig wehtun sollen, aber ich spürte gar nichts. Ich war zu beschäftigt mit dem größeren Schmerz, der meinen Kopf und mein Herz erfüllte und der alles andere verdrängte. Ich hätte gern geweint, ich bin sicher, es hätte geholfen, wenn ich nur hätte weinen können … aber alles, was ich fühlen konnte, war Kälte, Einsamkeit und Verlorenheit. Man weiß nie, wie viel einem die Familie bedeutet, bis man sie ganz und gar verloren hat. Molly kniete sich neben mich und schlang mir einen Arm um die Schultern. Ich bin sicher, dass ihre Worte mich hätten trösten können – wenn ich sie denn gehört hätte, aber in mir gab es nur Raum für das wachsende Verlangen nach Wut und Rache. Wenn Tränen nötig waren, würden sie später und weit weg von hier kommen. Nachdem ich all die schrecklichen Dinge getan hatte, die ich meinen Feinden antun würde.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!