Sterbensschön - Chelsea Cain - E-Book

Sterbensschön E-Book

Chelsea Cain

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Beschreibung

Gretchen ist zurück. Und in ihrem Herzen wohnt nur ein Gedanke: Rache!

Seine letzte Begegnung mit der schönen Serienkillerin Gretchen Lowell hat tiefe Wunden bei Detective Archie Sheridan hinterlassen. Um sich abzulenken, stürzt er sich deshalb mit Feuereifer in seinen neuesten Fall: Ein Erhängter wurde im Park gefunden, geknebelt, gehäutet und an den Handgelenken gefesselt. Da erreicht Archie eine Nachricht, die ihn fast aus der Bahn wirft: Gretchen behauptet, Informationen zu diesem entsetzlichen Verbrechen zu haben. Spielt sie erneut ein grausames Spiel mit ihm? Oder gibt es ein Geheimnis aus Gretchens Vergangenheit, für das ein skrupelloser Mörder töten würde?

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Buch

Am glücklichsten ist Detective Archie Sheridan, wenn er an die umwerfend schöne Gretchen Lowell denkt – und daran, dass die gnadenlose Serienkillerin sicher hinter Schloss und Riegel einer psychologischen Einrichtung verwahrt ist. Die körperlichen und seelischen Wunden, die sie ihm bei ihrer letzten Begegnung zugefügt hat, heilen allmählich, und es ist für Archie an der Zeit, sein Leben weiterzuleben. Aus diesem Grund stürzt er sich mit Feuereifer in den neuesten Fall, der auf seinem Schreibtisch landet: Ein Radfahrer hat im Mount Tabor Park im Osten von Portland eine Leiche entdeckt. Der Tote wurde geknebelt, gehäutet und, an seinen Handgelenken gefesselt, an einem Baum aufgehängt. Stundenlang muss der skrupellose Killer sein Opfer gefoltert haben, und dennoch hat er keinerlei Spuren hinterlassen.

Dann erhält Archie eine weitere schockierende Nachricht. Gretchen behauptet, Informationen zu dem entsetzlichen Mord zu haben, die mit ihrer eigenen Vergangenheit zusammenhängen. Bislang fehlt der Polizei jeglicher Hinweis auf den Täter, und so willigt Archie ein, Gretchen in der Psychiatrie zu besuchen. Doch er muss auf der Hut sein, denn die Verbindung zwischen ihm und der schönen Serienmörderin reicht tiefer, als er es sich einzugestehen wagt. Welches grausame Spiel spielt Gretchen dieses Mal mit ihm? Und warum geht jemand über Leichen, um ihre Geheimnisse zu schützen?

Autorin

Chelsea Cain, geboren 1972, ist Journalistin und Schriftstellerin. Mit ihren Thrillern hat sie einen fulminanten Erfolg beim deutschsprachigen Publikum erzielt und ist seitdem eine der erfolgreichsten internationalen Thrillerautorinnen. Chelsea Cain lebt in Portland, Oregon. Nach Furie, Grazie, Gretchen und Totenfluss ist Sterbensschön ihr fünfter Roman um die atemberaubende Serienmörderin Gretchen Lowell.

Chelsea Cain

Sterbensschön

Thriller

Aus dem Amerikanischenvon Fred Kinzel

Die Originalausgabe erschien 2012unter dem Titel »Kill You Twice« bei Minotaur Books, St. Martin’s Press, New York

1. AuflageDeutsche Erstveröffentlichung Juni 2013bei Blanvalet, einem Unternehmen derVerlagsgruppe Random House GmbH, MünchenCopyright © der Originalausgabe 2012 by Verite Inc.Copyright © der deutschsprachigen Ausgabe 2013by Verlagsgruppe Random House GmbH, MünchenUmschlaggestaltung: © Johannes Wiebel | punchdesign,unter Verwendung eines Motivsvon Henrik Larsson/Shutterstock.comRedaktion: text in form, Gerhard SeidlSatz: DTP Service Apel, HannoverISBN: 978-3-641-09903-9www.blanvalet.de

Für Carolyne Keene.Ich weigere mich zu glauben,dass es dich nicht wirklich gibt.

Sweet as sugarHard as iceHurt me onceI’ll kill you twice.

Unbekannt

1

Archie Sheridan schlief bei eingeschaltetem Licht. Die Tabletten auf seinem Nachttisch waren Schlaftabletten. Ein Jahr zuvor wären es Schmerzmittel gewesen. Vicodin. Oxycodone. Eine fröhliche Skyline bernsteinfarbener Plastikflaschen. Noch immer kam ihm der Tisch leer vor ohne das ganze Zeug. Nur die Schlaftabletten, ein Handy, ein Glas Leitungswasser, das seit einer Woche dort stand, und eine rote Schwanenhalslampe von IKEA.

Seine Waffe bewahrte er in der Schublade auf. In den Nächten, wenn die Kinder nicht da waren, war sie geladen.

Die Flasche mit den Schlaftabletten war nicht angebrochen. Archie wusste nur gern, dass sie da war. Die Pillen machten ihn benommen, und benommen zu sein war ein Luxus, den er sich nicht leisten konnte. Wenn das Telefon läutete, wenn jemand starb, wenn er zur Arbeit fahren musste.

Abgesehen davon war nicht einschlafen das Problem, sondern durchschlafen. Er wachte jede Nacht um 3.00 Uhr auf und lag eine Stunde lang wach. So ging das seit der Überschwemmung. Inzwischen kalkulierte er es einfach mit ein und ging eine Stunde früher zu Bett. Glich es aus. Es störte ihn nicht. Solange er seine Gedanken unter Kontrolle hatte und verhinderte, dass sie in unangenehme Gefilde abschweiften, war es in Ordnung. Konzentration auf die Gegenwart. Das Dunkel meiden.

Die Schwanenhalslampe blieb an, ihr roter Metallschirm wurde mit jeder Stunde heißer.

3.10 Uhr. Archie starrte an die Decke. In der Wohnung war es drückend schwül, und das Schlafzimmerfenster stand offen. In der Ferne hörte er das Knirschen der Baumaschinen, die immer noch damit beschäftigt waren, die Flutschäden in der Innenstadt zu beheben. Seit drei Monaten arbeiteten sie in Nachtschichten daran, und nach wie vor sah die City schwer mitgenommen aus.

Wenn es nicht der Baulärm war, waren es die Züge, die er nachts hörte: die Motoren, das Pfeifen, das Rattern der Räder auf den Schienen. Sie fuhren rund um die Uhr durch Portlands Gewerbegebiet.

Archie hatte nichts gegen den Lärm. Er erinnerte ihn daran, dass er nicht allein wach war.

Alle hatten ein Rezept gegen Schlaflosigkeit. Ein heißes Bad nehmen. Sport treiben. Ein Glas warme Milch trinken. Vor dem Schlafengehen eine Kleinigkeit essen. Kräutertee trinken. Koffein meiden. Musik hören. Sich massieren lassen.

Nichts half.

Seine Psychiaterin sagte, er solle im Bett bleiben.

»Lesen Sie nicht einmal«, sagte sie. Es würde das Einschlafen nur erschweren.

Er durfte nur einfach daliegen.

Aber sein Kopfkissen war zu flach. Die Matratze, die er gebraucht gekauft hatte, knarzte jedes Mal, wenn er sich umdrehte.

Seine Narben juckten von der Hitze. Die neue Haut war straff und empfindlich und ließ ihn jede Stelle spüren, an der ihre Klinge in sein Fleisch geschnitten hatte. Seine Brust war gerunzelt von Narbengewebe. Um die hellrosa Schnitte und perlfarbenen Fäden herum sprießten Flecken dunkler Behaarung.

Diese Art Jucken mitten in der Nacht kann einen Menschen verrückt machen, und manchmal kratzte er sich im Schlaf seine Narben auf, bis sie bluteten.

Archie fuhr mit einer Hand an seiner Seite entlang, seine Narben fühlten sich wie Kiesel an, dann wanderte sie weiter zur Brust, wo seine Finger die herzförmige Narbe fanden, die sie mit einem Skalpell in ihn geschnitten hatte. Schließlich ballte er die Hand zur Faust, drehte sich herum und begrub sie unter dem Kissen.

4.10 Uhr.

Archies Handy läutete. Er drehte sich im Bett um und sah auf die Uhr auf dem Nachttisch. Er hatte zehn Minuten geschlafen. Es war ihm länger vorgekommen. Seine Augen fühlten sich verklebt an, seine Zunge belegt. Sein Haar war feucht vom Schweiß. Er lag auf dem Bauch, nackt, eine Gesichtshälfte ins Kissen gedrückt. Als er die Hand ausstreckte und nach dem Handy tastete, warf er das Fläschchen Schlaftabletten um; es rollte vom Nachttisch und blieb irgendwo unter dem Bett liegen.

Archie drehte das beleuchtete Display des Telefons zu sich und erkannte sofort die Nummer.

Er wusste, er sollte den Anruf auf die Mailbox gehen lassen.

Aber er tat es nicht.

»Hallo, Patrick«, meldete sich Archie.

»Ich kann nicht schlafen«, sagte Patrick. Er flüsterte angestrengt, wahrscheinlich um seine Eltern nicht zu wecken. »Was, wenn er mich holen kommt?«

»Er ist tot«, sagte Archie.

Patrick schwieg. Er war nicht überzeugt.

Der offizielle Bericht hatte Ertrinken als Todesursache benannt. Eine Halbwahrheit. Archie hatte den Kopf von Patricks Entführer unter Wasser gedrückt, und als er tot war, hatte er seine Leiche in die Strömung des Flusses gestoßen, der Hochwasser führte.

Die Leiche war bis heute nicht wieder aufgetaucht.

»Glaub mir«, sagte Archie. Weil ich ihn getötet habe.

»Kommst du mich besuchen?«, fragte Patrick.

»Ich kann jetzt nicht.«

»Darf ich zu dir kommen?«

Archie drehte sich auf den Rücken und rieb sich die Stirn. »Ich glaube, deine Eltern möchten dich im Augenblick gern in der Nähe haben.«

»Ich habe gehört, wie sie über mich geredet haben. Sie wollen mir Medizin geben.«

»Sie wollen helfen, damit es dir besser geht.«

»Ich habe ein Geheimnis«, sagte Patrick.

»Willst du mir verraten, welches?«

»Noch nicht.«

Archie wollte es nicht forcieren, nach allem, was Patrick durchgemacht hatte. »Okay«, sagte er.

»Zählst du mit mir?«, fragte Patrick. Es war etwas, das Archie mit seinem eigenen Sohn getan hatte. Atemzüge zählen, um einzuschlafen. Patrick und Ben waren beide neun. Aber Patricks Erlebnisse hatten ihn verändert. Er war reifer, ohne altklug zu sein.

»Natürlich«, sagte Archie. Er wartete. Er hörte, wie sich Patrick einrichtete, und stellte ihn sich zusammengerollt auf der Couch im Wohnzimmer seiner Eltern vor, das Telefon am Ohr. Archie hatte diese Couch, das Haus nie gesehen, aber Fotos davon in der Polizeiakte. Er konnte es sich vorstellen.

»Eins«, sagte Archie. Er hielt inne und lauschte, während Patrick Luft holte und ausatmete. »Zwei.« Archie setzte sich im Bett auf. Patrick gähnte. »Drei.« Er stellte seine Füße auf den Boden. »Vier.« Stand auf. »Fünf.« Die Fenster in seinem Schlafzimmer waren original und bestanden aus Dutzenden rechtwinkligen Scheiben im Fabrikstil. Wenn Archie mit den Finger über das Glas fuhr, konnte er kleine Wellen und Unebenheiten auf der Oberfläche fühlen.

»Sechs«, sagte er.

Er ging zum Fenster. »Sieben.« Im Zimmer war das Licht an, und draußen war es noch so dunkel, dass Archie sein Spiegelbild im Glas sah. Als er näher kam, verblasste das Spiegelbild, und die Stadt tauchte auf. Vor seinem Fenster zog der Willamette einen geschwungenen Weg nach Norden und teilte die Stadt in zwei Hälften. Ein Lichtschein über der Silhouette der West Hills ließ die Dämmerung erahnen. Der Fluss war beinahe fliederfarben.

»Acht«, sagte er.

Es war das Rückfahrtsignal des Lkws, das seine Aufmerksamkeit weckte. Das Fenster stand offen, oben eingehängt, sodass es waagrecht nach außen geschwenkt war. Archies Blick ging auf die Straße.

»Neun.«

Die Straßenbeleuchtung brannte noch. Die Straßen waren breit hier im Großmarktbezirk, für Lastwagen voller Äpfel und Erdbeeren. Aber es fuhren nicht mehr viele Lkws. Die Lagerhäuser beherbergten jetzt größtenteils Läden für gebrauchte Büromöbel, ausgefallene Kunstgalerien, asiatische Antiquitätenläden, Cafés und Minibrauereien. Es war zentral und billig, solange einen die Züge nicht störten, die alle paar Stunden durch das Viertel brausten.

»Zehn.«

Der Lkw unten war rückwärts an die Laderampe von Archies Gebäude gefahren und stehen geblieben. Eine schwarze Limousine hielt daneben. Zwei Männer stiegen aus dem Führerhaus des Lastwagens und gingen nach hinten, um die Hecktür aufzuschieben. Aus dem schwarzen Wagen stieg eine Frau. Archie wusste, dass es eine Frau war, so wie er wusste, dass die Männer im Lkw Männer waren. Es war die Art, wie sie standen, sich bewegten, die dunklen Umrisse ihrer Körper im gelben Schein der Laternen. Die Frau sagte etwas zu den Männern, dann trat sie ein paar Schritte zurück und sah zu, wie die Männer anfingen, große Pappkartons auszuladen.

Eine Umzugsfirma.

Jemand zog im Gebäude ein. Um vier Uhr morgens.

Archie hatte aufgehört zu zählen.

»Patrick?«, sagte er.

Am anderen Ende war es still.

»Gute Nacht«, flüsterte Archie.

Er beendete die Verbindung. Es war 4.17 Uhr. Das Bett lockte. Er konnte immer noch ein paar Stunden Schlaf ergattern, ehe er ins Büro musste. Als er vom Fenster zurücktrat, war ihm, als hätte die Frau zu ihm hinaufgesehen.

2

Jake Kelly trank nur fair gehandelten Kaffee. Dieser garantierte den Kaffeebauern ein Einkommen, von dem sie leben konnten, während sie sonst vielleicht für einen Preis schuften mussten, der unter den Produktionskosten lag und sie in einen Kreislauf aus Schulden und Armut zwang. Jake brauchte jetzt eine Tasse. Er brauchte das Koffein. Aber im Zentrum gab es nur Yuban. Er konnte das Nussaroma der französischen Röstmischung riechen, das von der Thermoskanne herüberwehte. War er versucht? Ja. Aber dann dachte er an die Eingeborenen in Guatemala, die für Pennys auf den Kaffeeplantagen arbeiteten. Jede Entscheidung, die man traf, was man kaufte und was man nicht kaufte, was man aß oder trank, konnte Leben verändern. Man war entweder Teil der Lösung oder Teil des Problems.

Er konzentrierte sich auf die anstehende Aufgabe.

Der Trick bei der Reinigung eines Backblechs war grobes Salz. Jake ließ das Backblech abkühlen und kratzte es dann mit einem Plastikschaber ab. Verkohlter Eierkuchenteig sammelte sich wunschgemäß in kleinen Klumpen. Er hatte seine eigenen Gummihandschuhe mitgebracht. Die Einrichtung hatte keine, und es erschien ihm nicht richtig, sie zu bitten, Geld für solche Dinge auszugeben. Er hatte auch sein eigenes grobes Salz mitgebracht. Er besprenkelte das Backblech damit. Die groben weißen Körner sprangen und verteilten sich auf dem Blech wie Hagel auf einem Gehsteig. Man durfte keine Seife und kein Geschirrspülmittel benutzen. Jake schrubbte das Blech mit einem Bimsstein ab, bis ihm die Finger wehtaten. Dann wischte er das Salz und den ganzen Dreck, den es gelöst hatte, mit einem feuchten Lappen ab. Es brauchte fünf Durchgänge mit dem Lappen, bis die Oberfläche des Backblechs glänzte.

Er war noch nicht fertig. Er schraubte den Plastikdeckel von einer Haushaltsflasche Pflanzenöl ab und tropfte eine Spur davon auf das Blech. Dann nahm er einen zweiten Lappen und verteilte einen dünnen Ölfilm über das Eierkuchenblech. Noch mehr Öl. Noch mehr Wischen. Kleine, kreisförmige Bewegungen. In der Mitte anfangen und nach außen arbeiten.

Er stand vornübergebeugt, die Augen auf Backblechhöhe, um seine Arbeit zu begutachten, als Bea, die Leiterin der Einrichtung, mit einem Plastikkorb voll schmutziger Bettwäsche in die Küche kam. Sie war eine kräftige Frau, alt genug, um Jakes Mutter sein zu können, mit dem wilden Haar und dem erschrockenen Blick von jemandem, der gerade einem sehr schnell fahrenden Cabrio entstiegen ist.

»Du bist noch da?«, sagte sie.

Jake sah auf die Ofenuhr und stellte fest, dass seine Schicht vor mehr als einer Stunde geendet hatte.

»Ich fette das Backblech ein«, erklärte er.

Sie lächelte. »Das musst du nicht tun.«

»Es macht mir nichts aus.«

»Der letzte Freiwillige hat einfach Papierhandtücher und Küchenreiniger genommen«, sagte sie.

»Er hat bestimmt getan, was er für das Beste hielt.« Und er hatte keine Ahnung gehabt, wie man Backbleche pflegt. Aber Jake hatte es auf seiner Führung durch die Küche gesehen und hinterher nachgeschlagen. Er hatte sich Notizen gemacht und Stichpunkte aus verschiedenen Websites kopiert. Manche Leute konnten sich ziemlich reinsteigern, was die richtige Pflege von Backblechen anging. Nach allem, was er im Internet gefunden hatte, fragte sich Jake, ob es nicht einfacher wäre, die Pfannkuchen für die Mädchen in einer Bratpfanne zu machen. Er überlegte, ob er es vorschlagen sollte, aber er wollte keinen Wirbel verursachen.

»Ich wünschte, wir hätten mehr Freiwillige wie dich«, sagte Bea. Sie blies eine verirrte Strähne ihres grau werdenden Haars aus der Stirn und machte sich mit ihrem Korb auf den Weg zur Hintertür.

Jake streifte die gelben Handschuhe ab, steckte sie in seine Schürzentasche und lief ihr nach, um zu helfen. »Was ist mit der Wäsche?«

»Die Waschmaschine ist kaputt. Ich wollte die Wäsche in mein Auto tragen, damit ich sie heute Abend nicht vergesse.«

Jake zögerte keine Sekunde. »Ich nehme sie mit.«

Sie runzelte die Stirn. »Im Ernst?«

Jake nahm ihr den Wäschekorb ab. Er war schwerer, als er aussah. Oder Bea war stärker, als sie aussah. »Ich kann sie mit nach Hause nehmen. Ich muss heute Abend sowieso waschen. Morgen früh bringe ich sie wieder mit.«

Bea verschränkte die Arme, schüttelte den Kopf und lächelte. »Du bist ein wahrer Segen, Jake.«

Jake strahlte. »Ich freue mich, wenn ich helfen kann.«

»Brauchst du Hilfe beim Einladen ins Auto?«

»Geht schon, danke.«

Bea öffnete ihm trotzdem die Hintertür, und er schleppte den Korb zu seinem Wagen. Die Einrichtung verfügte über einen kleinen Parkplatz, nur fünf Stellplätze für Personal und Freiwillige. Drei der Autos waren silberne Prius. Jake trug den Korb zu seinem silbernen Prius und stellte ihn auf den Asphalt, damit er den Kofferraum öffnen konnte. Er hielt inne, um zum Himmel zu blicken. Die Morgensonne wärmte sein Gesicht, und die kühle Sommerbrise kitzelte die Haare in seinem Nacken. Ein weißer Schmetterling kreiste träge durch die Luft und verschwand immer wieder aus dem Blick. Kein Wölkchen am Himmel. Jake schloss die Augen und drehte das Gesicht zur Sonne. Solche Tage waren kostbar im pazifischen Nordwesten.

Er roch etwas: Sandelholz? Nelken? Schließlich öffnete er die Augen. Der Schmetterling war fort.

Dann hörte er einen dumpfen Schlag, wie von einem Baseballschläger, der auf eine Melone trifft, und fühlte einen stechenden Schmerz im Kopf, der ihn von den Beinen holte. Es dauerte einige Sekunden, bis er begriff, dass die beiden Empfindungen zusammenhingen. Das Letzte, was er sah, als er dort auf dem Asphalt lag und in die Dunkelheit abglitt, war der Wäschekorb neben ihm, wo sich ein feiner Nebel aus Blut wie Tau auf die schmutzigen Laken gelegt hatte.

3

Menschliches Fleisch hat einen besonderen Geruch. Es ist Blut und Gewebe, metallisch und salzig, Fäkalien und Fett. Wie der Gestank geschlachteter Tiere, aber anders. Saurer.

Es war ein Geruch, den Archie nur schwer beschreiben konnte, aber immer sofort erkannte.

Die Handgelenke und Knöchel des Mannes waren mit Stricken gefesselt, und er baumelte senkrecht vom unteren Ast einer Zeder wie ein perverser Weihnachtsschmuck, die Füße nur ein kleines Stück über dem Boden. Er schien vom Hals abwärts gehäutet worden zu sein. Die kräftigen roten Muskeln seines Brustkorbs glänzten blutig, und die an Schnürsenkel erinnernden Fäden freiliegenden gelben Fetts sahen beinahe hübsch aus vor dem rohen Fleisch.

Die Sonne stand hoch an diesem Sommerwochenende, und die kühle Brise ließ noch nichts von der Hitze ahnen, die der Nachmittag bringen würde. Sonnenstrahlen bohrten sich durch die Zedernzweige. Das helle Haar der Leiche flatterte sanft im Gleichklang mit den Blättern. Er schien Mitte dreißig zu sein, durchschnittlich groß und schwer. Aber es war schwer zu sagen.

Zu Füßen des Toten lag – bereits mit einem Fähnchen markiert – eine verwelkte weiße Lilie.

Zedernnadeln bedeckten den Boden unter der Leiche, und wo das Erdreich durchkam, war es mit einem Zweig glatt gezogen worden, um Fußabdrücke zu verwischen.

Archie neigte den Kopf, um den fernen Geräuschen spielender Kinder zu lauschen, die durch den Wald hallten.

Henry war als Erster am Tatort erschienen, auf seinem rasierten Schädel glänzten bereits winzige Schweißperlen. Er sah in die Ferne. »Ein Spielplatz«, erklärte er.

Archie kannte den Park. Ben und Sara spielten dort.

Sie befanden sich auf dem Mount Tabor, der weniger ein Berg war als ein eindrucksvoller Hügel, der hoch hinauswollte. Er erhob sich aus Portlands flachem Ostteil, ein schlafender Vulkankegel, an dessen Hängen sich elegante alte Wohnhäuser zwischen uralte Nadelbäume schmiegten. Die Kuppe des Mount Tabor war ein bewaldeter Park. Es gab Wanderwege, Tennisplätze, Picknickzonen. Ein gemauertes Wasserreservoir. Einen beliebten Spielplatz. Jedes Jahr im August bauten Hunderte erwachsener Bewohner Portlands Seifenkistenautos, verkleideten sich und rasten die kurvenreiche Straße vom Park zum Fuß des Hügels hinunter.

»Ich lasse die Gegend räumen«, sagte Henry. Er machte kehrt und ging zu einer Einheit von Streifenbeamten an der Straße. Er hinkte immer noch, auch wenn Archie ihm ansah, dass er sich große Mühe gab, es zu verbergen.

»Wie geht es ihm?«, fragte Robbins, sobald Henry außer Hörweite war. Robbins war der Gerichtsmediziner, er hatte seinen Ausrüstungskoffer geöffnet und Tüten über die Hände der Leiche gestülpt. Jetzt stand er in seinem weißen Schutzanzug da, stemmte die Fäuste in die Hüften und betrachtete den Leichnam wie ein Schlachter, der ein Stück Fleisch mustert.

»Er ist noch schwach«, sagte Archie.

»Physiotherapie?«, fragte Robbins.

»Klar«, sagte Archie. Henry sollte zweimal die Woche mit einem Therapeuten arbeiten. Aber für einen Polizisten war es schwer, Termine einzuhalten. Mordfälle hatten so eine Art, sich immer dann zu ereignen, wenn es am ungelegensten kam.

Das weiche Bett der Zedernnadeln auf dem Boden unter der Leiche war von Blut getränkt, und als Archie sich näher zu dem Opfer hinbewegte, achtete er darauf, nicht hineinzutreten. Blut, das aus einem noch lebenden Opfer fließt, gerinnt. Das ist der Grund, warum man nicht jedes Mal verblutet, wenn man sich beim Aufschneiden eines Bagels den Finger ritzt. Solange man keine Arterie öffnet, ergießt sich das Blut nicht aus einer offenen Wunde, sondern es fließt etwas heraus, das rot, dick und klebrig wie Honig ist. An den Füßen des Opfers hingen noch dickflüssige Fäden geronnenen Bluts.

Als Archie dort stand, war er fast auf Augenhöhe mit dem Leichnam. Der Mörder hatte sein Opfer absichtlich in dieser Höhe aufgehängt, dachte er, damit sie Auge in Auge stehen konnten. Das hieß, er hatte etwa Archies Größe, eins achtzig.

Es war kein leichter Tod gewesen. Ein behelfsmäßiger Knebel steckte im Mund des Toten und zwang seine Kiefer so weit auseinander, dass das Kinn fast den Hals berührte und die Wangen aufgebläht waren. Durch die Totenstarre waren seine Lippen zurückgeschält, sodass Zähne und Zahnfleisch wie irre um den Knebel herum grinsten und den Mund umso größer erscheinen ließen. Das Gesicht war erstarrt vor Schmerz, die Stirnmuskel kontrahiert, die dunklen Brauen gewölbt, Krähenfüße setzten sich in den Haaransatz fort. Die Augenlider hatten sich zusammengezogen und ließen einen ausdruckslosen, starren Blick sehen. Mit Ausnahme des Kopfs und der Arme glänzte der gesamte Körper von Blut.

»Schauen Sie genau hin«, sagte Robbins.

Archie beugte sich vor. Er konnte braune Körperbehaarung auf den Schultern des Toten erkennen. Er ließ den Blick nach unten wandern und sah dasselbe feine Haar auf den Oberschenkeln des Mannes, dichter und gekrauster um die Genitalien herum. Archie ging langsam um den Leichnam herum und sah inmitten der Blutrinnsale Sommersprossen, Hautflecken, umgeben von Rot. Der Mann war nicht vollständig vom Hals abwärts gehäutet worden. Der Mörder hatte ihm nur an Brust und Unterleib die Haut abgezogen. Dann hatte er ihn bluten lassen. Viel bluten. Langsam.

Archie nahm wahr, wie Henry neben ihn trat. Archie musste gegen seinen instinktiven Drang ankämpfen, Henry, nun da er wieder arbeitete, zu bemuttern. Er fragte ihn nicht alle zehn Minuten, wie es ihm ging. Er erkundigte sich nicht nach seinen Terminen beim Physiotherapeuten und half ihm nicht beim Aussteigen aus dem Wagen. Keine besondere Aufmerksamkeit, so wollte es Henry. Jetzt gestattete Archie seinem alten Freund, die Szenerie eine Weile zu überblicken. Henry brauchte nicht lange, bis er zu dem gleichen Schluss kam wie Archie. Er kratzte sich den Stoppelkopf und rückte seine Sonnenbrille zurecht. Die blutige Leiche wurde von den Spiegelgläsern reflektiert. »Diese Menge an Blut auf dem Boden …«, sagte Henry. »Er hat noch gelebt, als er so zugerichtet wurde.«

»Die Wunden sehen danach aus«, stimmte Robbins zu. »Er ist seit vier bis sechs Stunden tot.«

Archie verscheuchte eine Fliege. Vorsichtige Menschen töteten nicht an öffentlichen Orten. Vorsichtige Menschen töteten in gemieteten Apartments, auf einsamen Straßen oder im Laderaum gestohlener Lieferwagen. Es brauchte eine besondere Sorte Mensch für einen Mord. Es brauchte eine mehr als besondere Sorte Mensch für einen Mord an einem öffentlichen Ort, bei dem man sich auch noch viel Zeit ließ. Es verhieß nichts Gutes. Menschen, die nicht logisch handelten, waren schwer zu berechnen und somit schwer zu fangen.

»Der Park schließt um Mitternacht und öffnet um fünf Uhr morgens«, sagte Henry. »Wenn sie also in einem Fahrzeug kamen, dann entweder gestern Abend oder heute Morgen.«

»Sie meinen, dass sie zusammen per Auto kamen …«, sagte Robbins.

»Vielleicht kam das Opfer aus freien Stücken«, sagte Archie. »Vielleicht haben sie sich im Park getroffen. Vielleicht sind sie zu Fuß gegangen.«

»Oder mit dem Rad gefahren«, sagte Robbins. »Auf einem Tandem.«

Henry beachtete ihn nicht. »Niemand, der zu seinem Profil passt, ist heute als vermisst gemeldet worden«, sagte er.

»Wird abends kontrolliert, ob noch Autos im Park sind?«, fragte Archie.

»Angeblich.«

Es war ein großer Park. Wenn der Mörder ausgekundschaftet hatte, welche Bereiche bei dieser abendlichen Kontrolle nicht erfasst wurden, konnte er mit seinem Opfer hereingefahren sein, es gefoltert und getötet haben und dann morgens wieder hinausgefahren sein, wenn die Tore öffneten.

Es war 13.45 Uhr. Die Leiche war eine Stunde zuvor gefunden worden. Archie konnte die Spuren in der Erde ausmachen, wo der Radfahrer die Kontrolle über sein Gefährt verloren hatte und vier Meter gerutscht war, ehe sich sein Mountainbike um den Stamm einer Zeder wickelte. Das Fahrrad war noch da, es lag mit verbogenem Vorderreifen auf der Seite. Ein Rückspiegel war vom Lenker abgerissen worden und lag einige Schritte entfernt auf der Erde.

Unter dem dunklen Dach der Nadelbäume zählte Archie die Scheinwerfer von wenigstens drei Nachrichtensendern. Die Kameras blinzelten, wenn sich das Licht in ihren Linsen spiegelte. Das Absperrband der Polizei verlief in großzügigem Abstand, aber mit einem Zoomobjektiv und dem richtigen Winkel konnten diese Kameras durchaus Aufnahmen von der Leiche erhalten.

»Wir müssen ihn abhängen«, sagte Archie.

»Ich warte nur auf ein Wort, Boss«, sagte Robbins. Er wühlte in seiner Instrumententasche, riss zwei Paar Latexhandschuhe heraus und hielt sie Archie und Henry hin.

Archie streifte die Handschuhe über. Auch nach einem Jahr sah die linke Hand ohne Ehering noch falsch aus.

Ein paar Fliegen schwirrten um den Kopf der Leiche. Eine landete auf dem offenen Auge, schlug kurz mit den Flügeln und hob wieder ab.

Robbins rollte einen weißen Leichensack auf dem Boden aus und öffnete den Reißverschluss. Die Reißverschlüsse von Leichensäcken klangen nicht wie andere Reißverschlüsse. Die Art, wie der große Plastikgleiter an der Seite hinunter und dann in einer J-Form quer über den Boden über all die Plastikzähne knirschte, enthielt eine besondere Drohung. Robbins ließ eine nach Skalpell aussehende Klinge aufspringen und gab sie Archie. »Sie schneiden, ich fange«, sagte er.

»Und ich?«, fragte Henry.

»Sie stehen dabei, und wenn ich rufe, dass mein Rücken schlappmacht, dann helfen Sie mir. Ansonsten versuchen Sie, meinen Tatort nicht zu kontaminieren.«

Ein weißer Tritthocker aus Plastik stand bereits neben der Leiche, und Archie stieg mit dem Messer in der Hand hinauf. Das Seil um die Handgelenke des Toten sah nicht weiter bemerkenswert aus, genauso wenig wie der Knoten, dennoch zögerte Archie.

»Ich habe ihn aus jedem Blickwinkel fotografiert«, sagte Robbins.

Robbins war der beste Gerichtsmediziner, mit dem Archie je gearbeitet hatte. Es gab keine weitere Diskussion. Archie packte den Ast mit einer Hand und begann mit der anderen, an dem Seil zu sägen. Robbins trat hinter die Leiche und legte die Handflächen an den Rücken des Toten. Als das Seil nachgab, sank der Tote ein paar Zentimeter nach unten. Er klappte nicht zusammen oder sackte als Häufchen zu Boden. Er fiel in seiner Leichenstarre gerade wie ein Pfeil nach unten, die Arme starr über dem Kopf, die Zehen vorgestreckt. Robbins ließ ihn wie ein Möbelstück langsam auf den Leichensack sinken.

Ratsch.

Robbins stand auf. Seine Latexhandschuhe und die Arme seines Schutzanzugs waren blutverschmiert. »Die Hände sehen okay aus«, sagte er. »Ich müsste ein paar gute Fingerabdrücke erhalten.«

Archie wickelte das Seil vom Ast und stieg von dem Hocker.

»Wir haben die unmittelbare Umgebung abgesucht. Keine Spur von seiner Kleidung.«

»Durchsucht sämtliche Mülleimer im Park, und schaut nach, ob etwas im Reservoir schwimmt.«

Henry hielt einen Beweismittelbeutel auf, und Archie ließ das Seil hineinfallen.

»Nicht gerade eine Fülle von Hinweisen«, sagte Henry.

»Einen gibt es noch«, sagte Archie. Er kauerte sich neben dem Leichensack nieder und zog den Reißverschluss auf, um den Kopf des Opfers freizulegen. Dann griff er in den weit offen stehenden Mund des Toten und zog den Knebel heraus. Es war ein Klumpen aus gelbem und weißem Gummi, verklebt von getrocknetem Speichel. Archie musste beide Hände benutzen, um die Kugel vorsichtig auseinanderzuziehen, das Innere nach außen zu stülpen und die beiden Teile zu trennen. Schließlich löste sich der Gummi mit einem letzten klebrigen Schnappen, und ein Paar gelbe Küchenhandschuhe kam zum Vorschein.

Archie hielt Robbins die Handschuhe hin. »Machen Sie Abdrücke«, sagte er.

4

Susan Ward verstand es, einem Kerl einen runterzuholen.

Es war ihr nicht von allein zugefallen. Sie hatte Bücher gelesen. Sie hatte geübt. Es war bisweilen recht schleppend vorangegangen. Aber sie hatte ihren generellen Mangel an manueller Koordination überwunden und beherrschte die Technik nun.

Sie presste die Handfläche an den Schlitz von Leos Hose und hielt sie dort. Sie spürte die Wärme seines Körpers unter ihren Fingern. Er trug einen schmalen schwarzen, italienischen Ledergürtel, und sie löste die Schnalle, hakte den Hosenbund auf und ließ ihre Hand in seine Boxershorts gleiten.

Sie liebte diesen Teil, das Versprechen, das er enthielt – die Kontrolle.

Er setzte dazu an, etwas zu sagen.

»Pst«, machte Susan.

Im Flur zu den Toiletten war es dunkel. Aber Susan hatte sich so postiert, dass sie in die Bar des Restaurants blicken konnte, wo sie gesessen hatten. Sie konnte die schwere dunkle Holztheke sehen, die Fernsehbildschirme darüber, das Mittagspublikum, das bei Tapas und Wein auf den hohen Stühlen saß. Sie würde jeden sehen, der kam. Andererseits war sie selbst mit ihrem knallorangefarbenen Haar – ein Farbton von Manic Panic namens Electric Lava – auf keinen Fall zu übersehen. Das machte einen Teil der Spannung aus – die Möglichkeit einer öffentlichen Demütigung. Es ließ Susans Gesicht glühen und die Haut an ihren Armen jucken.

Leos Atem ging schneller.

Himmel, war er hübsch. Er war der hübscheste Freund, den Susan je gehabt hatte. Sie hob die Augen zu seinem Gesicht, zu dem blassen, glatten Teint, dem dunklen Haar, diesen Wimpern. Sie fuhr sich mit der Zunge über die Lippen und küsste ihn leicht aufs Kinn, und von ihren Lippen dehnte sich ein warmes Flattern abwärts bis in ihre Körpermitte aus.

Sie bewegte ihre Hand weiter – glitzernde grüne Nägel, bis zum Fleisch abgebissen –, lockte ihn. Sein Gesichtsausdruck änderte sich nicht. Sie mochte das, seine Selbstbeherrschung. Er beobachtete sie mit seinen dunklen Augen, die Mundwinkel zu einem leichten Lächeln hochgezogen, mit einer winzigen Andeutung von Überraschung im Blick. Doch er erwachte unter ihren Händen, sein Körper reagierte auf ihre Berührung. Sie befreite ihn aus der Hose, wobei sie sorgsam darauf achtete, nicht aus dem Rhythmus zu kommen, den ihr inneres Metronom vorgab.

Leos Atem ging jetzt in langen, langsamen Zügen, als konzentrierte er sich darauf, aber seine Miene veränderte sich nicht.

Zwei Hände waren nötig, um einem Mann einen runterzuholen. Sie wölbte Daumen und Zeigefinger um den Schaft des Ziels. Das hatte ihr ein schwuler Freund beigebracht. Es erhöhte die Schwellung. Vor allem ließ es das Ziel größer aussehen, und das, so hatte Susan gelernt, war für alle Kerle auf diesem Planeten unglaublich wichtig. Die Bewegung mit der anderen Hand war kniffliger.

Es war kein einfaches Manöver. Die ersten Male hatte Susan einen Krampf im Arm bekommen und ihn mit Eis kühlen müssen. Nichts macht die Stimmung so zuverlässig kaputt wie eine Packung Gefriergel.

Aber sie hatte geübt und bewegte ihre Hand inzwischen mit der Eleganz einer Konzertpianistin und ohne sich darauf konzentrieren zu müssen. Tatsächlich hatte sie festgestellt, dass es half, nicht daran zu denken und die Hand ihr Ding einfach von allein machen zu lassen.

Sie atmete Leos Geruch ein, die Würze seines teuren Aftershaves, den Tabak seiner gelegentlichen Zigarette, die Wäschestärke von seinem Hemd. Sie fühlte sich, als würde sie auf Wolken schweben. Leo schluckte schwer und legte eine Hand flach an die Wand hinter ihr.

Sie spürte seinen Rhythmus. Die Sache war auf Kurs. Es gab kein Zurück mehr. Er gehörte ganz ihr.

Susan lehnte sich zufrieden an ihn, sah gerade noch über seine Schulter hinweg zur Bar hinaus. Einen Kerl dazu zu bringen, dass er kam, verschaffte ihr eine Befriedigung, die jedes Maß überstieg. Sie dachte gerade über die psychologische Bedeutung dieses Umstands nach, als ihr die Grafik einer »Breaking News« auf dem Bildschirm ins Auge stach. Seit ihrer Entlassung beim Herald waren erst drei Monate vergangen, und sie zeigte immer noch einen Pawlow’schen Reflex auf diese beiden Worte. Ihre Pupillen weiteten sich. Ihr Puls ging schneller. Ihre Muskeln spannten sich.

Leo legte seine Hand auf ihre Brust.

Susan presste sich gegen seine Handfläche, ohne den Blick vom Fernseher zu nehmen.

Leos Augenlider waren schwer, sein Mund stand leicht offen. Auf, ab, auf, ab. Aber die Schlagzeilen des Nachrichtensenders ließen sie nicht los. Mord. Folter. Mount Tabor.

Man sah die Hubschrauberaufnahme eines Dickichts. Dann eine Aufnahme vom Boden, aus großer Ferne, das verschwommene Bild eines Körpers, der an einem Ast hing. Sie sah Lorenzo Robbins neben der Leiche, erkennbar an seiner dunklen Haut und dem weißen Schutzanzug.

Leo überraschte sie, indem er kam. Seine Bauchmuskeln zogen sich zusammen, und ein Spritzer warmer Samen schoss zwischen ihnen durch Susans Hand.

Und genau in diesem Moment sah sie noch jemanden im Fernsehen, den sie kannte. Er stand ebenfalls bei der Leiche. Etwas im Wald schien ihm ins Auge zu fallen, und er sah auf und blickte genau in die Kamera, genau in das Restaurant, genau auf Susan, wie sie mit Leo Reynolds Schwanz in der Hand dastand.

»Archie«, sagte sie.

5

Archie stand auf dem Parkplatz und spürte, wie sich der Schweiß in seinem Nacken sammelte. Es war jetzt Mitte des Nachmittags, und die Hitze begann, vom Asphalt abzustrahlen. Das Life Works Center for Young Women war in einem alten, dreistöckigen Haus im Südosten Portlands untergebracht, in einer Gegend voll verschachtelter alter Holzhäuser, von denen die meisten schon vor langer Zeit in Apartments umgewandelt worden waren. Die Vorderseite des Hauses war in einem rosafarbenen Pastellton gestrichen, aber die anderen drei Seiten waren zitronengelb, als wäre der Maler abgelenkt worden oder hätte schlicht vergessen, die Sache zu Ende zu führen. Vor dem Haus gab es eine große, überdachte Veranda und einen Garten mit Gemüsebeeten voll Unkraut. Ein Nachbargrundstück war schwarz asphaltiert worden, um einen Parkplatz zu schaffen.

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