Verlag: Heyne Kategorie: Fantasy und Science-Fiction Sprache: Deutsch Ausgabejahr: 2010

Stolz und Vorurteil und Zombies E-Book

Jane Austen

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E-Book-Beschreibung Stolz und Vorurteil und Zombies - Jane Austen

Jane Austen dreht sich im Grabe um ...Der gut aussehende Mr. Darcy und ihre eigenen widersprüchlichen Gefühle sind diesmal nur die geringsten Probleme, mit denen sich Elizabeth Bennet herumschlagen muss. Denn aus London ergießt sich eine Horde von Untoten über das Land, und Lizzie sieht sich plötzlich vor eine Entscheidung gestellt: entweder ein Leben zusammen mit Mr. Darcy oder Tod den Zombies. Oder doch beides?

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E-Book-Leseprobe Stolz und Vorurteil und Zombies - Jane Austen

Inhaltsverzeichnis
DAS BUCH
DIE AUTOREN
Kapitel 1
Kapitel 2
Kapitel 3
Kapitel 4
Kapitel 5
Kapitel 6
Kapitel 7
Copyright
DAS BUCH
In einem täuschend einfachen, ironischen Stil und in virtuos gehandhabten Dialogen schildert Jane Austen den Versuch des Ehepaars Bennet, die fünf Töchter standesgemäß zu verheiraten, und widmet ihre Aufmerksamkeit dabei vor allem Elizabeth, nicht nur die intelligenteste Bennet-Tochter, sondern auch die in allen wichtigen Kampftechniken bewandertste. Denn um der Zombie-Plage Herr zu werden, die über England hereingebrochen ist, ist eine Ausbildung im Nahkampf essentiell. Elizabeth muss sich etlicher Heiratsanträge und perfider Attacken von garstigen Untoten erwehren, bis sie nach zahlreichen Verwicklungen schließlich ihr Glück findet.
Erstmals in deutscher Übersetzung - der fast zweihundert Jahre lang verschollene Zombie-Roman, den Jane Austen auf der Grundlage ihres Welterfolgs »Stolz und Vorurteil« schrieb.
DIE AUTOREN
Jane Austen (1775-1817) führte ein unspektakuläres Leben in der englischen Provinz und blieb, da sie nie heiratete, zeitlebens an ihre Familie gebunden. Schon in frühester Jugend begann sie zu schreiben. Mit ihren vom geistreichen Konversationsstil des englischen Mittelstandes geprägten Gesellschaftsromanen »Vernunft und Gefühl« und »Stolz und Vorurteil« - die erst unter dem Pseudonym »by a lady« veröffentlicht wurden - erlangte sie Weltruhm. Der bisher unbekannte Roman »Stolz und Vorurteil und Zombies« wurde, nach allem, was man weiß, nie offiziell einem Verlag angeboten.
Seth Grahame-Smith ist ein amerikanischer Literaturwissenschaftler, dem während eines Forschungsaufenthalts in England der Sensationsfund von »Stolz und Vorurteil und Zombies« gelang und der das Manuskript in mühevoller Kleinarbeit abtippte. Seither hat man nichts mehr von ihm gehört.
Über einige Gäste, die das Pech hatten, zu nahe an den Fenstern zu stehen, fielen sie sofort her und taten sich an ihnen gütlich.
1
Es ist eine allseits anerkannte Wahrheit, dass es einen Untoten, der im Besitz von Gehirn ist, nur nach einem verlangt: mehr Gehirn. Nie war diese Tatsache augenscheinlicher als während der jüngsten Übergriffe auf Netherfield Park, bei denen ein achtzehn Personen umfassender Haushalt von einer Horde lebender Toter abgeschlachtet und Stück für Stück vertilgt worden war.
»Mein lieber Mr. Bennet«, sagte seine Gemahlin Mrs. Bennet eines Tages zu ihm, »ist dir schon zu Ohren gekommen, dass Netherfield Park wieder bewohnt wird?«
Mr. Bennet verneinte und wandte sich seiner üblichen morgendlichen Beschäftigung zu, dem Dolchwetzen und Polieren der Musketen - denn die Angriffe der Armeen der Finsternis hatten sich in den letzten Wochen alarmierend gehäuft.
»Aber dem ist so«, sagte sie.
Mr. Bennet gab keine Antwort.
»Möchtest du nicht wissen, wer dort eingezogen ist?«, rief seine Frau ungeduldig.
»Meine Liebe, ich muss mich um meine Muskete kümmern. Rede du nur weiter, wenn es denn sein muss, aber halt mich bitte nicht davon ab, mein Hab und Gut zu verteidigen!«
Dies war seiner Gemahlin Aufforderung genug. »Stell dir nur vor, Mrs. Long erzählte mir, dass Netherfield von einem jungen, wohlhabenden Mann gemietet wurde, der vierspännig aus London anreiste, gerade als Manchester von den Untoten überrannt wurde.«
»Wie lautet sein Name?«
»Bingley. Ein Junggeselle mit einem Vermögen von vier- bis fünftausend im Jahr. Wie erfreulich das doch für unsere Mädchen ist!«
»Aus welchem Grund denn das? Vermag er sie etwa in der Kunst des Schwertkampfes oder im Umgang mit der Muskete zu schulen?«
»Sei doch nicht so schwer von Begriff! Natürlich spiele ich mit dem Gedanken, dass er eine von ihnen zur Frau nehmen könnte.«
»Du denkst ans Heiraten? In Zeiten wie diesen? Da hat dieser Bingley sicher ganz andere Absichten.«
»Absichten! Unsinn, wie kannst du nur so reden! Aber es wäre doch gut denkbar, dass er sich in eine von ihnen verliebt, und deshalb musst du ihm so bald wie möglich deine Aufwartung machen.«
»Dazu sehe ich keinerlei Veranlassung. Außerdem sollten wir die Straßen meiden, auf dass wir nicht noch mehr Pferde und Gespanne an diese unsägliche Plage von Scheintoten verlieren, die unser geliebtes Hertfordshire in letzter Zeit heimsucht.«
»So denk doch an deine Töchter!«
»Aber ich denke doch an sie, dummes Weib! Ich würde es vorziehen, sie konzentrierten sich auf die Kampfkünste, anstatt sich den Verstand durch Träume von Heirat und Reichtum vernebeln zu lassen, wie dies bei dir ganz offensichtlich der Fall ist! Statte diesem Bingley doch selbst einen Besuch ab, wenn du unbedingt willst, aber lass dir gesagt sein: Keine unserer Töchter ist gesegnet mit etwas, was sie besonders reizvoll machen würde; sie alle sind dumm und unwissend wie ihre Mutter, mit Ausnahme von Lizzy, die wenigstens ein klein wenig mehr Kampfinstinkt besitzt als ihre Schwestern.«
»Mr. Bennet, wie kannst du nur so von deinem eigen Fleisch und Blut sprechen? Es bereitet dir wohl große Freude, mich zu ärgern. Du kennst kein Mitleid mit meinen armen Nerven.«
»Du tust mir Unrecht, meine Liebe. Ich habe den größten Respekt vor deinen Nerven. Sie sind so etwas wie alte Freunde für mich. Ich habe dich schließlich die letzten zwanzig Jahre über kaum etwas anderes reden hören.«
Mr. Bennet verfügte über ein solch hohes Maß an Schlagfertigkeit, Sarkasmus, Zurückhaltung und Selbstdisziplin, dass selbst die Erfahrungen einer dreiundzwanzigjährigen Ehe nicht ausgereicht hatten, seiner Frau seinen Charakter verständlich zu machen. Ihr Wesen hingegen war weit weniger schwer zu ergründen. Sie war eine einfältige Frau mit geringfügiger Bildung und unberechenbaren Launen. Wenn ihr eine Sache nicht passte, schob sie stets ihre Nerven vor. Und wenn ihre Nerven blank lagen - was so gut wie immer der Fall war, seit die unsägliche Plage der Untoten in ihrer Jugendzeit die ersten Opfer gefordert hatte -, suchte sie Trost in ausschweifendem Gejammer.
Die Lebensaufgabe von Mr. Bennet war es, das Überleben seiner Töchter zu sichern - und Mrs. Bennets Ambition bestand allein darin, sie unter die Haube zu bringen.
2
Mr. Bennet war einer der Ersten, der Mr. Bingley seine Aufwartung machte. Er hatte von Anfang an vorgehabt, ihm einen Besuch abzustatten, obschon er seine Frau bis zuletzt in dem Glauben ließ, er würde nicht gehen; und bis zu dem Abend, nachdem er bei Bingley vorgesprochen hatte, wusste sie auch nichts davon. Es kam dann auf folgende Weise ans Licht: Als er seine zweitälteste Tochter Elizabeth dabei beobachtete, wie sie das Wappen der Bennets in einen Schwertgriff einkerbte, sagte er zu ihr: »Ich hoffe, es wird Mr. Bingley gefallen, Lizzy.«
»Wir werden wohl nie die Möglichkeit bekommen, zu erfahren, was Mr. Bingley gefällt«, jammerte Mrs. Bennet, »da wir ihn ja nicht besuchen werden.«
»Du vergisst, Mama«, sagte Elizabeth, »dass wir ihm sicherlich auf dem nächsten Ball begegnen werden.«
Mrs. Bennet ging gar nicht erst darauf ein. Um aber ihrem Ärger Luft zu machen, herrschte sie eine ihrer Töchter an. »Um Himmels willen, huste doch nicht dauernd, Kitty! Du klingst ja so, als wärst du von der unsäglichen Plage heimgesucht worden!«
»Mutter! Wie kannst du nur so etwas Fürchterliches sagen, wo all die Schreckenswesen sich da draußen rumtreiben!«, erwiderte Kitty pikiert und wandte sich dann an ihre Schwester. »Wann soll denn der nächste Ball stattfinden, Lizzy?«
»Morgen in vierzehn Tagen.«
»Ja, ganz recht«, rief ihre Mutter, »und es wird völlig unmöglich sein, euch dem jungen Herrn vorzustellen, da wir ihn ja selbst nicht kennen. Oh, ich wünschte, ich hätte den Namen Bingley nie gehört!«
»Wie schade«, sagte Mr. Bennet. »Wenn ich das heute Morgen gewusst hätte, hätte ich mich sicher nicht zu ihm begeben. Was für ein Pech; aber da ich ihm nun einmal einen Besuch abgestattet habe, können wir seiner Bekanntschaft nun leider nicht mehr aus dem Wege gehen.«
Die Damen waren ebenso erstaunt, wie er sich das gewünscht hatte, und Mrs. Bennets Konsternierung übertraf alle; doch als sich der erste Sturm der Begeisterung gelegt hatte, erklärte sie, dass sie dies von Anfang an erwartet hatte. »Wie reizend von dir, Mr. Bennet! Aber ich ahnte ja längst, ich würde dich letztlich doch noch überzeugen. Ich weiß doch, du liebst deine Töchter zu sehr, als dass du eine solche Bekanntschaft für sie außer Acht gelassen hättest. Wie ich mich freue! Und wie amüsant von dir, dass du heute Morgen gegangen bist, ohne uns ein Wort davon zu sagen.«
»Trotz meiner Nachsicht in diesem Falle bestehe ich weiterhin auf Disziplin in diesem Hause«, sagte Mr. Bennet streng. »Die Kampfexerzitien der Mädchen werden wie gewohnt fortgesetzt - Bingley hin oder her.«
»Selbstverständlich!«, rief Mrs. Bennet aufgekratzt. »Unsere Töchter werden so wehrhaft wie reizend sein.«
»Kitty, jetzt kannst du husten, soviel du willst«, sagte Mr. Bennet und verließ, der Entzückung seiner Frau überdrüssig, das Zimmer.
»Mädchen, was habt ihr nur für einen großartigen Vater!«, begeisterte Mrs. Bennet sich weiter, als die Tür bereits hinter ihm ins Schloss gefallen war. »Solch Freude ist rar geworden, seit Gott die Tore der Hölle verschlossen und die Toten dazu verdammt hat, unter uns Lebenden zu wandeln. Lydia, Liebes, obgleich du die Jüngste bist, prophezeie ich dir bereits jetzt, dass Mr. Bingley auf dem kommenden Ball mit dir tanzen wird.«
»Ach, das würde mich nicht wundern!«, sagte Lydia hochmütig. »Ich mag zwar die Jüngste sein, aber in der Kunst der Verführung bin ich doch die Versierteste von uns allen.«
Den restlichen Abend stellten die Damen Mutmaßungen darüber an, wann Bingley Mr. Bennets Besuch wohl erwidern würde, und berieten sich, wann man ihn zum Abendessen einladen sollte.
3
So sehr Mrs. Bennet und ihre fünf Töchter ihn auch bestürmten, sie vermochten nicht, dem Hausherrn eine befriedigende Beschreibung von Mr. Bingley zu entlocken. Sie bedrängten ihn auf verschiedenste Weise - mit direkten Fragen, raffinierten Andeutungen und abwegigen Spekulationen; doch er entwand sich all ihren Listen, und so mussten sie schließlich mit den Auskünften ihrer Nachbarin Lady Lucas aus zweiter Hand vorliebnehmen. Deren Bericht war allerdings äußerst vorteilhaft. Sir William Lucas sei sehr angetan von ihm gewesen. Bingley sei noch recht jung, ausgesprochen gut aussehend, und, die Krönung des Ganzen war, er beabsichtige, mit einem größeren Kreis von Bekannten am nächsten Ball in der Nachbarschaft teilzunehmen. Was hätte wunderbarer sein können!
»Wenn ich nur eine meiner Töchter glücklich auf Netherfield verheiratet wüsste«, sagte Mrs. Bennet zu ihrem Ehemann, »und wenn alle anderen eine ebenso gute Partie machten, dann wäre ich wunschlos glücklich.«
»Und wenn ich alle fünf von ihnen lebend durch Englands derzeitige Bedrängnis brächte, dann würde ich genauso empfinden«, entgegnete er trocken.
Ein paar Tage später stattete Mr. Bingley Mr. Bennet einen Gegenbesuch ab und verbrachte ungefähr zehn Minuten bei ihm in der Bibliothek. Er hatte die Hoffnung gehegt, auch einen Blick auf die Töchter des Hauses zu erhaschen, von deren Schönheit und Kampftüchtigkeit er schon viel gehört hatte. Doch er bekam lediglich den Vater zu Gesicht. Die Damen Bennet hingegen hatten mehr Glück, denn sie konnten sich von einem Fenster des oberen Stockwerks aus wenigstens versichern, dass er einen blauen Rock trug, auf einem Rappen ritt und einen französischen Karabiner umgeschnallt hatte - eine ziemlich ausgefallene Waffe für einen Engländer. Doch aufgrund der recht unbeholfenen Handhabung der Pistole, die er an den Tag legte, war Lizzy sofort klar, dass er im Umgang mit Waffen mehr schlecht als recht geschult war.
Kurz darauf lud man ihn zum Souper ein. Mrs. Bennet hatte bereits ein Menü geplant, das ihr als Hausfrau zur Ehre gereicht hätte, als ein Antwortschreiben eintraf, welches alles wieder über den Haufen warf. Mr. Bingley hatte am nächsten Tag Verpflichtungen in London, die es ihm unmöglich machten, der Einladung zu folgen. Mrs. Bennet war ernsthaft verstimmt. Sie konnte sich nicht vorstellen, welche Geschäfte er dort so kurz nach seiner Ankunft in Hertfordshire zu erledigen hatte. Lady Lucas konnte sie ein wenig beruhigen, indem sie die Vermutung anstellte, er fahre nur in die Stadt, um eine größere Gesellschaft zum Ball einzuladen. Und tatsächlich folgte schon bald die Nachricht, dass Mr. Bingley in Begleitung von vier Personen erscheinen würde - seinen beiden Schwestern, dem Ehemann der Ältesten und einem weiteren jungen Mann.
Wie sich auf dem Ball schließlich herausstellte, war Mr. Bingley wirklich gut aussehend und sehr galant, er hatte ein sympathisches Gesicht und ein angenehmes, ungekünsteltes Wesen. Seine Schwestern waren ausgesprochen elegante Damen. Sie traten sehr stilsicher auf, doch an Kampftauglichkeit schien es ihnen zu mangeln. Bingleys Schwager, Mr. Hurst, gab sich nur den Anschein eines Gentlemans, aber sein Freund Mr. Darcy zog sogleich die Aufmerksamkeit aller auf sich aufgrund seiner stattlichen Gestalt, der ansprechenden Gesichtszüge, einer vornehmen Haltung - und wegen des Gerüchts, das schon wenige Minuten nach seiner Ankunft im Saal kursierte: Er habe seit der Einnahme von Cambridge mehr als tausend Heimgesuchte getötet. Die Herren nannten ihn einen Ehrenmann, und die Damen fanden ihn weitaus attraktiver als Mr. Bingley. Zunächst wurde ihm von allen Seiten große Bewunderung entgegengebracht, bis man an seinem Benehmen Anstoß nahm und das Blatt seiner Beliebtheit sich wendete. Man entdeckte, dass er stolz war und sich über die Gesellschaft und ihre Vergnügungen erhaben fühlte.
Mr. Bingley hatte sich bald mit allen Anwesenden von Rang und Namen bekanntgemacht. Er war geistreich und gesellig, versäumte keinen Tanz, war enttäuscht, dass der Ball so früh enden sollte, und sprach sogar davon, selbst einen Empfang auf Netherfield geben zu wollen. Und obwohl er mit Schwert und Muskete nicht allzu geschickt umgehen konnte, so sprach seine gewinnende Art doch sehr für ihn. Welch Gegensatz! Denn sein Freund Mr. Darcy war der hochmütigste, abweisendste Mann der Welt, und keiner der Anwesenden war erpicht darauf, ihm ein zweites Mal zu begegnen. Mrs. Bennet zählte zu denen, die sich am meisten über ihn echauffierten. Ihre Abneigung gegen sein Benehmen verschärfte sich noch, als er eine ihrer Töchter beleidigte.
Elizabeth Bennet hatte aufgrund des Mangels an Herren zwei Tänze lang aussetzen müssen. Währenddessen war Mr. Darcy nahe genug bei ihr gestanden, dass sie Zeuge eines Gesprächs werden konnte zwischen ihm und Mr. Bingley, der seinen Tanz für ein paar Minuten unterbrochen hatte, um seinen Freund zum Tanzen zu bewegen. »Komm, Darcy«, forderte er ihn auf, »ich muss dich einfach zum Mitmachen überreden. Ich ertrag es nicht, dich so allein und verstockt herumstehen zu sehen.«
»Ich werde auf keinen Fall tanzen. Du weißt doch, wie sehr ich es verabscheue, wenn mir meine Tanzpartnerinnen nicht ausreichend bekannt sind. Bei einer Gesellschaft wie dieser hier wäre es mir gar unerträglich. Deine Schwestern sind vergeben, und es gibt im ganzen Saal keine Frau, mit der zu tanzen keine Strafe für mich wäre.«
»Bei meiner Ehre!«, rief Mr. Bingley. »Ich habe noch nie so viele zauberhafte Mädchen auf einem Fleck gesehen wie heute Abend. Und einige von ihnen sind sogar außergewöhnlich hübsch.«
»Du tanzt mit dem einzig hübschen Mädchen im Saal«, erwiderte Mr. Darcy und sah zur ältesten Miss Bennet hinüber.
»Oh! Sie ist das schönste Wesen, das ich je gesehen habe! Aber eine ihrer Schwester sitzt geradewegs hinter dir, und sie ist ausgesprochen hübsch und obendrein sehr nett.«
»Welche meinst du?« Er drehte sich um und sah einen Moment zu Elizabeth hinüber, bis sich ihre Augen trafen und er seinen Blick kalt abwendete und sagte: »Sie ist ganz passabel, aber nicht hübsch genug, um mich zu reizen. Ich bin gerade nicht in der Stimmung, mich junger Mädchen anzunehmen, die von anderen Männern übersehen werden.«
Mr. Darcy trat zur Seite, und Elizabeth fühlte kalte Wut in sich aufsteigen. Noch nie in ihrem Leben war sie derart beleidigt worden. Elizabeth war eine Kriegerin, vom großen Meister Liu im Fernen Osten unerbittlich im Kampf am Manne geschult, und der Ehrenkodex der Krieger verlangte, dass sie für diese Beleidigung unverzüglich Rache übte. Möglichst unauffällig fasste sie an ihren Knöchel und legte die Hand um einen zierlichen Dolch, den sie unter ihren Röcken verborgen hielt. Sie war wild entschlossen, diesem überheblichen Mr. Darcy nach draußen zu folgen und ihm die Kehle durchzuschneiden.
Doch kaum hatte sie die kleine Waffe ergriffen, wurde der Saal von entsetztem Kreischen erfüllt. Fensterscheiben zersplitterten, und von allen Seiten drangen Untote auf die Gäste ein.
Die Bewegungen der schauerlichen Kreaturen wirkten kantig, aber erstaunlich flink, ihre Kleidung machte einen verlotterten Eindruck. Manche waren so zerlumpt, dass es praktisch einem Skandal gleichkam, andere trugen Fetzen, die so besudelt waren, man konnte meinen, sie bestünden aus nichts als Dreck und Blut. Das Fleisch der Schreckenswesen wies unterschiedliche Stadien der Verwesung auf; die Haut der frisch Befallenen war grünlich und mürbe, während die, die schon vor längerem von der unsäglichen Plage heimgesucht worden waren, grau und zerfleddert daherkamen - ihre Augen und Zungen waren längst verwest, und die eingefallenen Lippen hatten ihre Gesichter zu einem ewigen Grinsen verzerrt.
Über einige Gäste, die das Pech hatten, zu nahe an den Fenstern zu stehen, fielen sie sofort her und taten sich an ihnen gütlich. Elizabeth wollte sich ein Bild der Lage machen und wurde Zeuge, wie Mrs. Long sich noch zappelnd zu befreien suchte, während zwei der Wiedergänger ihr in den Kopf bissen. Sie knackten ihren Schädel wie eine Walnuss, und eine Fontäne aus dunklem Blut schoss hoch bis zu den Lüstern.
Die Anwesenden versuchten panisch in alle Richtungen zu entkommen, als plötzlich Mr. Bennets Stimme durch das Chaos drang: »Mädchen! Pentagramm des Todes!«
Elizabeth eilte sofort zu ihren vier Schwestern Jane, Mary, Catherine und Lydia in die Mitte des Ballsaals. Die jungen Frauen zogen kleine Dolche aus verborgenen Knöchelhalftern und bezogen Stellung an je einer Spitze eines imaginären fünfzackigen Sterns. Unerschrocken drangen sie von der Mitte des Raumes aus vorwärts - wobei jede einen gezückten, rasiermesserscharfen Dolch in der einen Hand hielt und die andere anmutig hinter dem Rücken verschränkte.
Aus der Ecke heraus beobachtete Mr. Darcy Elizabeth dabei, wie sie sich den Weg freikämpfte und dabei den unsäglichen Heimgesuchten einem nach dem anderen den Kopf abschnitt. In ganz Britannien gab es außer ihr nur eine einzige Frau, die den Dolch mit solch vollendeter Anmut und tödlicher Präzision führte.
Als die Bennet-Mädchen bis an die Saalwände vorgedrungen waren, lag auch der letzte der Unsäglichen reglos am Boden.
Abgesehen von diesem Angriff der Untoten verlief der Ballabend im Großen und Ganzen recht angenehm für die ganze Familie. Mrs. Bennet war nicht entgangen, dass ihre älteste Tochter, Jane, von der kompletten Gesellschaft aus Netherfield bewundert wurde. Mr. Bingley hatte sogar zweimal mit ihr getanzt, und auch das Interesse seiner eleganten Schwestern war sehr schmeichelhaft für sie. Jane war ebenso erfreut darüber wie ihre Mutter, jedoch auf bescheidenere Art, und Elizabeth konnte Jane ihr Glück nachfühlen. Mary hatte mitbekommen, wie man Miss Bingley erzählt hatte, sie sei das klügste Mädchen der Gegend, und Catherine und Lydia waren zu ihrem Glück keine Sekunde ohne Tanzpartner gewesen, was stets ihre größte Sorge bei jedem Ball war. Daher kehrten sie schließlich alle in bester Laune auf ihren Familiensitz nach Longbourn zurück.
Mr. Darcy beobachtete Elizabeth dabei, wie sie sich den Weg frei kämpfte und dabei den unsäglichen Heimgesuchten einem nach dem anderen den Kopf abschnitt.
4
Als die beiden ältesten Bennet-Schwestern endlich alleine waren, gestand Jane, die vorher mit ihrem Lob über Mr. Bingley eher zurückhaltend gewesen war, Elizabeth, wie sehr sie ihn bewundere.
»Er ist gerade so, wie ein junger Mann sein sollte«, sagte sie, »vernünftig, heiter und aufgeweckt. Ich sah noch nie eine so gute Veranlagung. So viel Unbeschwertheit bei solch vollkommener Erziehung!«
»Mag sein«, entgegnete Elizabeth, »doch in der Hitze des Gefechtes sah ich weder ihn noch Mr. Darcy zu Klinge oder Knüppel greifen.«
»Ich war so geschmeichelt, dass er mich ein zweites Mal zum Tanz aufforderte. Ein solches Kompliment hätte ich nie erwartet.«
»Er ist wirklich charmant. Meinen Segen sollst du haben - trotz seines Mangels an Tapferkeit. Du hast deine Zuneigung schon an nichtsnutzigere Menschen als ihn verschwendet.«
»Aber Lizzy!«
»Oh doch! Du neigst dazu, in allen Leuten immer nur das Beste zu sehen. Und dabei übersiehst du nur zu gern ihre Fehler. Ich habe dich noch nie schlecht von einem menschlichen Wesen sprechen hören.«
»Ich möchte einfach niemanden vorschnell verurteilen.«
»Dein Glaube an das Gute in den Menschen macht dich blind für die Torheiten und Fehler der anderen! Deshalb findest du selbst die Schwestern dieses Mannes sympathisch, nicht wahr? Aber ich muss schon sagen, deren Benehmen bleibt leider noch weit hinter dem seinen zurück.«
Die beiden Bingley-Schwestern waren zwar sehr vornehme Damen und ließen nicht die Fähigkeit vermissen, sich angenehm zu machen, wenn es ihnen beliebte, doch sie waren auch stolz und hochmütig. Dass sie sehr hübsch waren und eine der besten Privatschulen besucht hatten, war unverkennbar, aber von der Kampfkunst verstanden sie wenig; im Gegensatz zu Lizzy und ihren Schwestern, die darin sowohl in England als auch auf ihren Reisen in den Orient gründlich unterwiesen worden waren.
Mr. Bingley und Darcy verband eine enge Freundschaft, obgleich sie sich charakterlich so sehr unterschieden. Bingley war ein rundum angenehmer Mensch, wobei sein Freund ihm den scharfen Verstand voraushatte. Gleichzeitig war Darcy aber auch hochmütig, reserviert, verbissen, und seine Umgangsformen waren, obschon geschliffen, so doch nicht gerade gewinnend. In dieser Hinsicht war ihm sein Freund weit überlegen. Bingley wurde von allen gemocht, ganz gleich in welcher Gesellschaft er sich bewegte, Darcy hingegen erregte überall Anstoß.
Aber niemand - nicht einmal Mr. Bingley - kannte die Gründe für Darcys kühles Auftreten, denn bis vor kurzem war er noch der Inbegriff der Höflichkeit gewesen; ein vergnügter junger Mann von höchster Zuvorkommenheit. Doch sein Wesen war durch einen Verrat, über den er sich ausschwieg, unwiderruflich verändert worden.
5
Nur einen kurzen, wenn auch gefährlichen Fußmarsch von Longbourn entfernt lebte eine Familie, mit der die Bennets eng befreundet waren. Sir William Lucas hatte früher Totengewänder hergestellt, die von solcher Qualität und Eleganz waren, dass der König es für geboten hielt, ihn zum Ritter zu schlagen. Er hatte es zu einem ansehnlichen Vermögen gebracht, bis die unsägliche Plage der Wiedergänger seine Dienste schließlich so gut wie überflüssig machte. Denn kaum einer hielt es mehr für nötig, die Toten in feiner Kleidung zu bestatten, wenn diese sie sogleich wieder ruinierten, sobald sie aus ihren Gräbern krochen. Und so war Sir William mit seiner Familie in ein Haus gut eine Meile von Meryton entfernt gezogen.
Lady Lucas war eine herzensgute Frau und nicht zu gescheit, um bei Mrs. Bennet nicht eine gern gesehene Nachbarin zu sein. Sie hatte mehrere Kinder. Die älteste Tochter, Charlotte, eine kluge junge Frau von siebenundzwanzig Jahren, war Elizabeths engste Freundin.
»Sie haben den Ballabend ja gut begonnen, Charlotte«, sagte Mrs. Bennet mit gezwungener Höflichkeit zu Miss Lucas. »Sie waren Mr. Bingleys erste Wahl.«
»Ja, aber seine zweite schien ihm besser zu gefallen.«
»Oh! Sie meinen wohl Jane, da er zweimal mit ihr tanzte, und weil sie so mutig gegen die Unsäglichen gekämpft hat.«
»Habe ich Ihnen noch nicht erzählt, was er zu Mr. Robinson gesagt hat? Der hatte ihn gefragt, ob ihm der Ball in Meryton gefalle und ob er nicht finde, dass sehr viele hübsche Frauen anwesend seien, und welche er für die Schönste halte. Und Mr. Bingley antwortete sofort: ›Oh! Die älteste Miss Bennet, ganz ohne Zweifel, darüber kann man unmöglich verschiedener Meinung sein.‹«
»Ich muss sagen, das ist schon sehr eindeutig.«
»Mr. Darcy zuzuhören war hingegen weniger erquicklich, nicht wahr?«, warf Charlotte ein. »Arme Eliza! Nur passabel genannt zu werden.«
»Ich bitte Sie, so reden Sie Lizzy nur nichts ein, sonst ärgert sie sich noch über diese Kränkung. Zumal er doch so ein unangenehmer Mann ist, dass es ein rechtes Unglück wäre, ihm zu gefallen. Mrs. Long erzählte mir nämlich gestern Abend …« Mrs. Bennets Stimme versagte beim Gedanken daran, wie der Schädel der armen Mrs. Long zwischen den Zähnen der Schauergestalten zerquetscht worden war. Für einen Moment verharrten die Damen in stillem Gedenken.
Schließlich nahm Jane die Unterhaltung wieder auf: »Miss Bingley erzählte mir, dass Mr. Darcy nur selten besonders gesprächig ist, es sei denn, er befindet sich im Kreise von vertrauten Bekannten. In deren Gegenwart soll er ausgesprochen umgänglich sein.«
»Sein Hochmut«, erklärte Miss Lucas, »trifft mich weniger, als es normalerweise der Fall wäre, denn es gibt eine Rechtfertigung dafür. Keinen kann es ernsthaft wundern, dass solch ein vornehmer junger Mann, vermögend und aus bestem Hause, eine hohe Meinung von sich selbst hat. Wenn man so will, ist es sein gutes Recht, stolz zu sein.«
»Sicher«, sagte Elizabeth zu ihr, »und ich könnte ihm seinen Stolz auch leicht verzeihen, wenn er den meinen nicht verletzt hätte.«
»Stolz«, bemerkte Mary, die sich viel auf ihre tiefgründigen Gedanken einbildete, »ist ein weit verbreitetes Laster, wie ich glaube. Ja, nach allem, was ich in meinem Leben gelesen habe, bin ich zu der Überzeugung gelangt, dass diese Untugend wirklich sehr häufig vorkommt.«
Elizabeth konnte sich nicht verkneifen, die Augen zu verdrehen, als Mary fortfuhr.
»Stolz und Hochmut sind zwei ganz verschiedene Dinge, obwohl die Wörter oft gleich verwendet werden. Man kann Stolz haben, ohne gleich hochmütig zu sein. Stolz bezieht sich auf unsere Meinung von uns selbst, Hochmut eher auf das, was andere von uns denken sollen.«
An dieser Stelle fing Lizzy lautstark zu gähnen an. Obschon sie Marys Tapferkeit im Kampf bewunderte, fand sie sie in Gesellschaft oft eine Spur zu ermüdend.
6
Die Damen von Longbourn machten den Damen von Netherfield schon bald ihre Aufwartung. Janes freundliche Art rief bei Mrs. Hurst und Miss Bingley großes Wohlwollen hervor, und obgleich sie die Mutter für unerträglich hielten und die jüngsten Schwestern nicht der Rede wert, äußerten sie den beiden älteren Bennet-Schwestern gegenüber doch den Wunsch, sie besser kennenzulernen. Jane reagierte mit großer Freude auf das Interesse der beiden Damen, doch Elizabeth konnte über die Überheblichkeit, mit der sie alle anderen behandelten, nicht hinwegsehen.
Wann immer sie sich trafen, wurde deutlich, wie sehr Mr. Bingley Jane bewunderte, und für Elizabeth war es genauso offensichtlich, dass Jane dabei war, sich ernstlich in ihn zu verlieben. Erleichtert bemerkte sie jedoch, dass diese Neigung allen anderen verborgen blieb. Elizabeth erwähnte dies ihrer Freundin Miss Lucas gegenüber.
»Das mag ja durchaus beruhigend sein«, erwiderte Charlotte, »aber manchmal ist es nicht gerade von Vorteil, so zurückhaltend zu sein. Wenn eine Frau ihre Zuneigung vor dem Objekt ihrer Hingabe zu geschickt verbirgt, könnte sie die Gelegenheit verpassen, ihn an sich zu binden. In neun von zehn Fällen ist es besser, wenn eine Frau mehr Zuneigung zeigt, als sie empfindet. Bingley mag deine Schwester zweifellos, aber womöglich wird er nie mehr für sie empfinden, wenn sie ihm nicht ein wenig entgegenkommt.«
»Aber sie kommt ihm ja entgegen - soweit es ihre Natur zulässt. Vergiss nicht, Charlotte, sie ist zuallererst Kriegerin, und dann erst Frau.«
»Nun«, sagte Charlotte, »ich wünsche Jane von ganzem Herzen Wohlergehen; und ich bin überzeugt, sie würde ebenso glücklich mit ihm werden, wenn sie ihn schon morgen heiratete, wie wenn sie seinen Charakter noch ein Jahr lang prüfte. Glück in der Ehe ist reiner Zufall. Also ist es besser, man weiß so wenig wie möglich über die Fehler des Menschen, mit dem man sein Leben verbringen wird.«
»Du bringst mich wirklich zum Lachen, Charlotte, aber du hast Unrecht. Du weißt, dass du Unrecht hast und dass du selbst niemals so handeln würdest.«
»Vergiss nicht, Elizabeth, dass ich keine Kriegerin bin wie du. Ich bin bloß ein dummes Mädchen von siebenundzwanzig Jahren und noch immer ohne Ehemann.«
Während Elizabeth damit beschäftigt war, Mr. Bingleys Aufmerksamkeit für ihre Schwester zu registrieren, kam es ihr erst gar nicht in den Sinn, sie selbst könne für seinen Freund zum Gegenstand des Interesses werden. Mr. Darcy hatte ihr anfänglich nicht einmal zugestanden, hübsch zu sein; auf dem Ball hatte er sie ohne jede Bewunderung betrachtet; und als er sie das nächste Mal traf, hatte er sie nur kritisch gemustert. Doch kaum hatte er sich selbst und seinen Freunden versichert, ihr Gesicht besteche durch kaum einen gefälligen Zug, fiel ihm auf, dass ihr der schöne Ausdruck ihrer dunklen Augen und die außergewöhnliche Begabung im Umgang mit dem Schwert eine bemerkenswerte Ausstrahlung verliehen. Auf diese Entdeckung folgten weitere, die ihn ebenso beschämten. Obwohl er mehr als nur eine Unzulänglichkeit an ihr moniert hatte, musste er sich nun eingestehen, dass sie von zierlicher, liebreizender Gestalt war. Ihre Arme waren erstaunlich drahtig, ohne dass ihre Weiblichkeit dadurch litt.
Er begann den Wunsch zu hegen, sie besser kennenzulernen, und um einem Gespräch mit ihr selbst näher zu kommen, gesellte er sich hinzu, wenn sie sich mit anderen unterhielt. Sein so geartetes Verhalten blieb ihr auf einer großen Gesellschaft im Hause von Sir William Lucas nicht länger verborgen. »Was bezweckt Mr. Darcy nur damit«, beschwerte sie sich bei Charlotte, »meiner Unterhaltung mit Colonel Forster zu folgen?«
»Diese Frage kann dir allein Mr. Darcy beantworten.«
»Wenn er so weitermacht, werde ich ihm zu verstehen geben, dass ich sein Verhalten missbillige. Ich habe ihm die Beleidigung meiner Ehre noch lange nicht verziehen und würde seinen Kopf am liebsten auf einem Silbertablett serviert bekommen.«
Kurz darauf näherte Mr. Darcy sich ihnen. Elizabeth wandte sich ihm zu und sagte: »Fanden Sie es nicht außergewöhnlich treffend formuliert, als ich Oberst Forster aufforderte, zu einem Ball in Meryton zu laden?«
»Und äußerst nachdrücklich darüber hinaus; aber Bälle sind schließlich ein Thema, das alle jungen Damen begeistert.«
»Es kommt darauf an, um wessen Bälle es sich handelt, Mr. Darcy.«
Miss Lucas errötete plötzlich und mühte sich, das Thema zu wechseln: »Also dann, ich werde jetzt den Flügel öffnen, und du weißt ja, was das heißt.«
»Du bist mir wirklich eine Freundin! Immer willst du, dass ich vor allen und jedem spiele und singe!«
Elizabeths Darbietung war vergnüglich, aber keinesfalls exzellent. Nach ein oder zwei Liedern wurde sie eilfertig von ihrer Schwester Mary am Klavier abgelöst, die sich nach längerem Spiel genauso eifrig wieder dem Tanz mit ihren jüngeren Schwestern und einigen Offizieren auf der anderen Seite des Saales zuwandte.
Mr. Darcy stand schweigend daneben und fragte sich verärgert, warum man den Abend auf diese unerfreuliche Weise verbrachte, die jede Unterhaltung unmöglich machte. Vertieft in seinen Ärger, bemerkte er erst, dass Sir William Lucas sich zu ihm gesellt hatte, als dieser ihn ansprach.
»Ist das nicht ein reizendes Vergnügen für die jungen Leute, Mr. Darcy?«
»Gewiss, Sir; aber dieses Vergnügen teilen wir mit weitaus weniger zivilisierten Völkern. Jeder Wilde kann tanzen, was mich zu der Annahme verleitet, dass sogar Untote es darin zu einem leidlichen Erfolg bringen könnten.«
Sir William lächelte nur, denn er wusste nicht, was er einem so unhöflichen Mann erwidern sollte. Mit großer Erleichterung sah er Elizabeth näherkommen.
»Meine liebe Miss Eliza, warum tanzen Sie denn nicht? Mr. Darcy, darf ich Ihnen diese reizende junge Dame vorstellen? Sie ist eine großartige Tanzpartnerin. Und in Anbetracht von so viel Schönheit können Sie einem Tänzchen doch unmöglich abgeneigt sein.« Er nahm Miss Bennets Hand und wollte sie Darcy reichen, der sie nur zu gern ergriffen hätte. Doch sie zog die Hand hastig zurück und sagte etwas aufgebracht: »Sir, ich habe nicht die geringste Absicht zu tanzen. Denken Sie bloß nicht, ich sei hierhergekommen, um einen Tanzpartner zu erhaschen.«
Mit ernster Korrektheit bat Mr. Darcy dennoch um die Ehre eines Tanzes, jedoch vergebens. Elizabeth lehnte entschlossen ab und entfernte sich mit triumphierendem Blick. Doch diese Zurückweisung machte sie nur interessanter. Mr. Darcy sann ihr eine Weile nach, als seine Gedanken von Miss Bingley unterbrochen wurden:
»Ich denke, ich weiß Ihren Blick zu deuten.«
»Das glaube ich kaum.«
»Sie denken darüber nach, wie unerträglich es wäre, alle Abende so verbringen zu müssen - die Geistlosigkeit, das Geschwätz, die Nichtigkeit und all die wichtigtuerischen Leute hier! Was würde ich darum geben, Ihren Missbilligungen zu lauschen!«
»Ich versichere Ihnen, das sehen Sie völlig falsch. Ich habe mich gerade mit viel reizvolleren Gedanken befasst. Ich dachte darüber nach, was ein schönes Paar Augen im Gesicht einer hübschen Frau zu bewirken vermögen.«
Miss Bingley starrte ihn an und drängte darauf, er möge ihr verraten, welche Dame diese Erkenntnis inspiriert habe.
»Miss Elizabeth Bennet«, antwortete er.
»Miss Elizabeth Bennet!«, erwiderte Miss Bingley erstaunt. »Rächerin von Longbourn? Heldin von Hertfordshire? Sie verblüffen mich. Da brocken Sie sich ja eine reizende Schwiegermutter ein! Aber sicherlich werden Sie zahllose Heimgesuchte zur Strecke bringen, bei Ihren vereinten Kampfkunst-Fähigkeiten.«
Ihre Spötteleien schienen ihn jedoch völlig kalt zu lassen; also holte sie immer weiter aus, da seine Ungerührtheit in ihr die Gewissheit schürte, sie könne sich ihm gegenüber solche Scherze erlauben.
7
Mr. Bennets Besitz bestand fast ausschließlich aus einem Gut, das zweitausend Pfund im Jahr abwarf und zum Nachteil seiner Töchter, mangels eines männlichen Erben, nach seinem Tode an einen entfernten Verwandten fallen würde. Zu allem Überfluss war das Anwesen noch zu allen Seiten von Hügeln umgeben, was es schwer zu verteidigen machte. Das zwar recht ansehnliche Vermögen ihrer Mutter konnte den Mangel des väterlichen nur bedingt wettmachen. Mrs. Bennets Vater war Advokat in Meryton gewesen und hatte ihr viertausend Pfund hinterlassen. Ihre Schwester war mit Mr. Philips verheiratet, einem früheren Angestellten ihres Vaters, der nun dessen Geschäfte weiterführte, und ihr Bruder hatte sich in London niedergelassen, wo er einige Waffenfabriken besaß.
Das Dorf Longbourn lag nur eine Meile von Meryton entfernt; eine günstige Lage für die jungen Damen, die es trotz der zahllosen Untoten, die auf den Straßen ihr Unwesen trieben und nicht selten Reisende anfielen, drei- bis viermal in der Woche zu ihrer Tante trieb - und zu einem Hutmacher, dessen Geschäft just auf dem Weg zu ihr lag. Die beiden Jüngsten der Familie, Catherine und Lydia, waren darin besonders eifrig; sie waren anfälliger für Vergnügungen als ihre Schwestern, und wenn sich gerade nichts Besseres bot, brachte ein Gang nach Meryton in den Morgenstunden etwas Abwechslung mit sich und so manches Mal auch die Gelegenheit, sich im Kampf zu erproben. Gegenwärtig gab es ausreichend Zerstreuung und Anlass zur Freude, da kürzlich erst ein Militärregiment eingetroffen war, das den ganzen Winter über in der Gegend verweilen sollte, um alle Särge auszugraben und sie vorsorglich samt ihres gefahrvollen Inhalts in Brand zu setzen. Meryton hatten sie zu ihrem Hauptquartier auserkoren.
Im Zuge ihrer Besuche bei Mrs. Philips erfuhren die Mädchen nun die interessantesten Neuigkeiten. Jeden Tag wuchs ihr Wissen über Namen und Stand der Offiziere und die jüngsten Geschehnisse auf den Schlachtfeldern von Derbyshire, Cornwall und Essex, wo die Kämpfe gegen die Unsäglichen am heftigsten tobten. Sie sprachen nur noch von Offizieren; Mr. Bingleys Vermögen dagegen, dessen Erwähnung ihre Mutter in Aufruhr versetzte, war in ihren Augen nichts im Vergleich zu den Regimentsangehörigen und ihren Berichten davon, wie sie den Heimgesuchten mit nur einem Streich die Köpfe abschlugen.
Nachdem Mr. Bennet einen ganzen Morgen lang ihre begeisterten Erzählungen mit angehört hatte, sagte er kühl: »Nach allem, was ich eurem Geplapper entnehme, seid ihr wohl die törichtesten Mädchen des Landes. Ich hatte es ja schon länger vermutet, aber jetzt habt ihr mich restlos überzeugt.«
»Ich muss mich schon sehr wundern, mein Lieber«, tadelte ihn Mrs. Bennet, »wie bereitwillig du deine Kinder für dumm erklärst.«
»Wenn meine Kinder schon töricht sind, sollte ich mir dessen wenigstens bewusst sein.«
»Ja, durchaus - aber die unseren sind doch alle sehr gescheit. Du hast wohl vergessen, wie schnell sie sich all diese orientalischen Kampftechniken aneignen, auf deren Unterweisung du immer drängst.«
»Geschickt an der Waffe zu sein und einige der bedauernswerten Heimgesuchten zu töten, macht sie noch lange nicht zu vernünftigen Wesen, zumal sie ihre Künste meist nur anwenden, um schmucke Offiziere zu bezirzen.«
»Mama«, plapperte Lydia ungerührt vom Vorwurf ihres Vaters weiter, »unsere Tante erzählte, dass Colonel Forster und Captain Carter nicht mehr so häufig zu Miss Watson gehen, wie sie das anfangs getan haben; aber sie sieht sie nun oft die Gruftanlagen auf dem Friedhof von Shepherd’s Hill niederbrennen.«
Mrs. Bennet wollte gerade etwas erwidern, als ein Bediensteter mit einer Nachricht für Miss Bennet eintrat; das Schreiben kam aus Netherfield, und der Bote wartete auf Antwort.
»Nun, Jane, von wem ist es? Worum handelt es sich?«
»Die Nachricht kommt von Miss Bingley«, antwortete Jane und las den Brief laut vor.
Meine liebe Freundin,
wenn Sie nicht so mitfühlend sind und heute Abend mit Louisa und mir speisen, so laufen meine Schwester und ich Gefahr, dass wir uns für den Rest unseres Lebens hassen werden, denn zwei Damen können nicht den ganzen Tag alleine miteinander verbringen, ohne dass es in einem Streit endet. Kommen Sie, sobald Sie können, vorausgesetzt natürlich die Straßen sind frei von der unsäglichen Bedrohung. Mein Bruder und die anderen Gentlemen speisen mit den Offizieren.
Immer die Ihre, Caroline Bingley
»Auswärts speisen«, rief Mrs. Bennet, »das ist aber unvorsichtig, angesichts all der Vorfälle auf der Straße nach Netherfield.«
»Darf ich die Kutsche nehmen?«, fragte Jane.
»Lieber nicht, Liebes, du solltest besser zu Pferde reiten, denn es sieht nach Regen aus, und aus der nassen Erde krauchen sie besonders schnell. Da würde ich es doch sehr begrüßen, wenn du wendig unterwegs wärst. Obendrein könntest du dann über Nacht bleiben, sollte es regnen.«
»Das wäre ja raffiniert eingefädelt«, mischte Elizabeth sich ein, »aber meinst du nicht, dass man sie dann nach Hause bringen lassen würde?«
»Ich würde doch lieber mit der Kutsche fahren«, sagte Jane, die bei dem Gedanken, ganz alleine zu reiten, offensichtlich Bedenken hatte.
»Aber Liebes, ich bin sicher, dein Vater kann die Pferde nicht entbehren, sie werden doch auf dem Hof gebraucht, oder etwa nicht?«
»Ich würde sie auf dem Hofe sogar viel öfter brauchen, als sie mir tatsächlich zur Verfügung stehen, außerdem sind schon zu viele auf den Straßen dahingemetzelt worden.«
So war Jane gezwungen, allein nach Netherfield zu reiten, und ihre Mutter gab ihr noch viele hoffnungsfrohe Prophezeiungen eines Wettersturzes mit auf den Weg. Ihre Wünsche wurden erhört. Kurz nachdem Jane aufgebrochen war, fing es heftig zu regnen an, und aus der aufgeweichten Erde krochen unzählige der schauerlichen Wiedergänger, die zwar noch in ihren, zugegebenermaßen schon leicht zerfledderten, edlen Gewändern steckten, jedoch nichts mehr von der guten Erziehung erkennen ließen, die sie noch zu Lebenszeiten an den Tag gelegt hatten.
Die Schwestern zu Hause machten sich Sorgen um Jane, aber die Mutter war ganz entzückt. Der Regen ließ den ganzen Abend über nicht nach; ihre Tochter konnte unmöglich nach Hause reiten. »Was für eine brillante Idee das von mir war!«, rief Mrs. Bennet mehr als nur einmal, als wäre der Regen allein ihr zu verdanken. Aber erst am nächsten Morgen wurde ihr die Tragweite dieser glücklichen Fügung bewusst. Man hatte kaum das Frühstück eingenommen, da erschien ein Bote aus Netherfield, der die folgende Nachricht für Elizabeth überbrachte:
Meine liebste Lizzy,
ich fühle mich heute Morgen gar nicht wohl, was sicher daher rührt, dass ich auf dem Wege nach Netherfield mit einigen frisch ihren Gräbern entfleuchten Unsäglichen konfrontiert war. Meine lieben Freunde hier wollen nichts von einer Rückkehr nach Hause hören, bevor es mir nicht wieder besser geht. Sie bestehen auch darauf, nach dem Arzt zu schicken, also sorge dich nicht, wenn dir zu Ohren kommen sollte, er habe nach mir gesehen. Abgesehen von ein paar blauen Flecken und einer leichten Stichverletzung fehlt mir nichts.
Deine etc.
»Nun, meine Liebe«, sagte Mr. Bennet, nachdem Elizabeth den Brief vorgelesen hatte, »wenn deine Tochter sterben, oder schlimmer noch, von der unsäglichen Plage heimgesucht werden sollte, dann wird es sicher tröstlich für dich sein, dass alles Mr. Bingley zuliebe und nach deinen Anweisungen geschehen ist.«
»Ach, darüber mache ich mir keine Sorgen. An ein paar Schnittwunden und blauen Flecken stirbt man nicht gleich. Außerdem wird man sich gut um sie kümmern.«
Elizabeth hingegen war sehr besorgt und wild entschlossen, nach ihrer Schwester zu sehen. Doch die Kutsche war nicht verfügbar, und da sie keine gute Reiterin war, teilte sie ihrer Mutter ihren Entschluss mit, zu Fuß zu gehen.
»Wie kannst du nur so töricht sein, überhaupt daran zu denken, wo doch so viele dieser Kreaturen da draußen rumirren, und bei all dem Schlamm!«, rief ihre Mutter. »Du wirst völlig unpräsentabel dort eintreffen - sofern du überhaupt lebend ankommst!«
»Du vergisst, dass ich eine Schülerin des Pei Liu Shaolin bin, Mutter. Und ganz nebenbei, für jeden Untoten, der einem über den Weg läuft, trifft man da draußen doch auf drei Offiziere. Ich werde zum Abendessen wieder zurück sein.«
»Wir werden dich bis Meryton begleiten«, sagten Catherine und Lydia. Elizabeth begrüßte diese Begleitung, und sie brachen gemeinsam und einzig mit ihren Knöcheldolchen bewaffnet auf. Zwar waren Musketen und Katana-Schwerter die effektiveren Waffen der Selbstverteidigung, doch die galten als undamenhaft; und da man sie nicht in Satteltaschen hätte verbergen können, hatten sich die Schwestern für unauffälligere Waffen entschieden.
»Wenn wir uns beeilen«, sagte Lydia, als sie bedachtsam ihres Weges gingen, »dann bekommen wir vielleicht sogar noch Captain Carter zu Gesicht, bevor er aufbricht.«
In Meryton trennten sie sich. Die zwei Jüngsten begaben sich zum Quartier der Offiziersgemahlinnen, und Elizabeth setzte ihren Weg alleine fort. Eilig durchmaß sie Weide um Weide, kletterte über Zäune und sprang über Pfützen. Durch ihren raschen Schritt löste sich ein Schuhband, und da sie bei ihrer Ankunft nicht unordentlich aussehen wollte, hielt sie inne, um es zu binden.
Plötzlich hörte sie hinter sich ein schreckliches Quieken, das an ein Mastschwein bei der Schlachtung erinnerte. Elizabeth wusste sofort, was es damit auf sich hatte, und griff blitzschnell nach ihrem Dolch. Mit gezückter Klinge fuhr sie herum und sah sich mit den unerquicklichen Fratzen dreier Untoter konfrontiert, die mit ausgestreckten Armen und aufgerissenen Mündern auf sie zuwankten. Der Vorderste schien gerade erst verstorben zu sein, denn sein Totengewand war noch in recht gutem Zustand und die Augen noch nicht zu Staub zerfallen. Er bewegte sich überraschend flink auf sie zu. Als er nur mehr eine Armlänge von ihr entfernt war, stieß sie ihm den Dolch in die Brust und zog diesen mit einem Ruck nach oben durch. Die Klinge durchtrennte dem Untoten Hals und Gesicht und fuhr ihm geradewegs durch die Schädeldecke. Leblos sank er zu Boden.
Bei der zweiten Kreatur handelte es sich um eine Dame, die offensichtlich schon eine ganze Weile länger tot war als ihr Begleiter. Mit sich ungelenk bewegenden Fingern wollte sie über Elizabeth herfallen. Doch die hob, alle Schicklichkeit vergessend, ihren Rock und verpasste der bedauernswerten Heimgesuchten einen gezielten Tritt gegen die Stirn, dass ihr Schädel nur so platzte und verwestes Fleisch und Knochenstücke in alle Richtungen stoben. Auch sie fiel zu Boden und rührte sich nicht mehr.
Der dritte Unsägliche war ungewöhnlich groß, und obgleich er schon lange tot sein musste, verfügte er über ein hohes Maß an Kraft und Schnelligkeit. Elizabeth hatte nach dem soeben ausgeführten hohen Leibestritt gegen die Untote noch nicht wieder das Gleichgewicht zurückerlangt, da packte der riesige Wiedergänger sie am Arm und zwang ihr den Dolch aus der Hand. Doch sie riss sich von ihm los, noch bevor er sich in sie verbeißen konnte. Behände nahm sie die Kranich-Stellung ein, denn die schien ihr geboten, um so einen großen Gegner zur Strecke zu bringen. Als der Untote jedoch weiter auf sie eindrang, versetzte sie ihm einen heftigen Stoß gegen die Oberschenkel. Seine Gliedmaßen zersplitterten, und hilflos stürzte auch er zu Boden. Daraufhin schnappte sie sich ihren Dolch, packte ihn am Schopfe und trennte ihm mit einem gezielten Schnitt den Kopf ab. Ihr Kampfgeschrei war meilenweit zu hören.
Als Elizabeth schließlich das Anwesen von Netherfield erblickte, starrten ihre Strümpfe vor Schmutz, und ihre Wangen waren von der Anstrengung gerötet.
Man führte sie in den Salon, wo alle bis auf Jane versammelt waren. Ihr Erscheinen rief große Verwunderung hervor. Dass sie den Weg von drei Meilen zu Fuß allein und mit all den Unsäglichen da draußen auf sich genommen hatte, konnten Mrs. Hurst und Miss Bingley kaum fassen. Elizabeth war klar, dass sie diese Leistung nicht zu würdigen wussten. Nichtsdestotrotz empfing man sie ausgesprochen höflich, freudig und warmherzig. Mr. Darcy jedoch gab sich wortkarg, und Mr. Hurst enthielt sich gänzlich der Konversation. Darcy schwankte zwischen der Bewunderung für die gesunde Gesichtsfarbe, die die Anstrengung ihr verliehen hatte, und dem Zweifel daran, dass der Anlass das immense Risiko rechtfertigte, sich ganz alleine auf den Weg zu machen und nur knapp dem Tode zu entrinnen mit nichts bewaffnet als mit einer kümmerlichen Klinge. Mr. Hurst hingegen war all dies ganz einerlei, und er dachte an nichts weiter als an das bevorstehende Frühstück.
Die Frage nach Janes Befinden wurde nicht gerade günstig beantwortet. Miss Bennet hatte schlecht geschlafen, musste zwar nicht mehr das Bett hüten, fieberte jedoch stark und fühlte sich zu schwach, um herunterzukommen. Leise betrat Elizabeth ihr Zimmer, voll Sorge, sie könnte womöglich bereits von der unsäglichen Plage befallen sein.
Nach dem Frühstück gesellten sich Mr. Bingleys Schwestern zu ihnen, und Elizabeth erwärmte sich mehr und mehr für sie, als sie sah, mit welcher Aufmerksamkeit die jungen Damen Jane umsorgten. Dann traf der Arzt ein, der nach einer eingehenden Untersuchung zur allseitigen Erleichterung feststellte, dass Miss Bennett nicht von der befremdlichen Plage heimgesucht worden war, sondern lediglich unter einer ordentlichen Erkältung litt, die zweifellos daher rührte, dass sie im Regen gekämpft hatte.
Als es drei Uhr schlug, wollte Elizabeth aufbrechen. Miss Bingley bot ihr die Kutsche an. Da Jane jedoch noch große Bedenken hatte, die Fahrt anzutreten, sah Miss Bingley sich gezwungen, Elizabeth den Vorschlag zu unterbreiten, auch sie möge fürs Erste in Netherfield bleiben. Diese nahm das Angebot dankbar an, und ein Diener wurde sogleich nach Longbourn entsandt, um die Familie von ihrem Verweilen zu unterrichten und von dort ein paar Kleider sowie, auf Elizabeths ausdrücklichen Wunsch hin, eine Muskete mitzubringen.
Elizabeth hob, alle Schicklichkeit vergessend, ihren Rock und verpasste der bedauernswerten Heimgesuchten einen gezielten Tritt gegen die Stirn.
Titel der OriginalausgabePride and Prejudice and Zombies Deutsche Übersetzung von Carolin Müller
Deutsche Erstausgabe 06/2010 Redaktion: Bettina Spangler
Copyright © 2009 by Quirk Productions, Inc. Copyright © 2010 der deutschsprachigen Ausgabe und der Übersetzung by Wilhelm Heyne Verlag, München, in der Verlagsgruppe Random House GmbH
eISBN : 978-3-641-04783-2
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