Strigoi - Karin Kaiser - kostenlos E-Book
Beschreibung

Was ist das nur für ein mysteriöser Mann, der Aileen bei ihrer Arbeit an der Bar eines Gothic-Clubs beobachtet? Er ist zwar äußerst attraktiv und scheint auch an ihr interessiert zu sein, doch seine kalte, beinahe dämonische Ausstrahlung macht der jungen Frau Angst. Sie versucht, ihn zu ignorieren, was auch ganz gut gelingt - bis sie den Club verlässt. Draußen lauert der Fremde ihr auf. Und die Alpträume, die Aileen immer wieder heimsuchen, scheinen zur Realität zu werden. Oder wird die Realität zum Nachtmahr? - Diese Kurzgeschichte ist auch zu finden in der Anthologie "Nachts, wenn die Angst kommt" -

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Seitenzahl:21

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Karin Kaiser

Strigoi

BookRix GmbH & Co. KG80331 München

Strigoi

 

Gehetzt blickte ich mich um. Lange, viel zu lange war ich blindlings durch diesen dunklen Wald gerannt, vor was ich davonlief, wusste ich nicht so genau. Wo war er oder es? Warum zeigte es sich nicht? Ich spürte mit jeder Faser meines Körpers die Anwesenheit eines Wesens, das ich nicht ausmachen konnte; es war so nah, dass es mir beinahe die Luft zum Atmen nahm. Ich wandte mich nach vorn und rannte weiter. Vor lauter Angst sah ich nicht, dass auf einmal ein riesiger Abgrund vor mir gähnte. Zum Anhalten war es zu spät. Mit einem großen Schwung stürzte ich in den Abgrund und sah mit rasender Geschwindigkeit den steinigen Boden auf mich zukommen. Jetzt war es aus, in den nächsten Sekunden würde ich hart aufschlagen. Ich schloss die Augen und wartete auf den Aufprall. Aber der kam nicht. Stattdessen landete ich weich und sicher. Ich öffnete die Augen und fand mich in den Armen eines großen, schlanken Mannes wieder. Sein Gesicht sah ich nur schemenhaft, aber diese leuchtenden saphirblauen Augen brannten sich in meine Vorstellung ein.

 

Schweißgebadet fuhr ich hoch. Ich saß in meinem harmlosen französischen Bett mit meiner bunten Bettdecke auf den Knien. Um mich herum erkannte ich meinen Bauernschrank und mein Wecker tickte unschuldig vor sich hin. Mein Herz klopfte noch immer bis zum Hals. Mit zitternden Knien stand ich auf und ging in die Küche. Ich öffnete den Kühlschrank, holte eine Flasche Wasser heraus und hielt zuerst das kalte Gefäß an meine heißen Wangen. Wie gut die Kälte tat! So ein blöder Traum. Ich holte mir ein Glas aus dem Hängeschrank und goss es voll. Sprudelnd rann das Mineralwasser meine Kehle hinunter. Jetzt fühlte ich mich dem Rest der Nacht gewachsen. Ich schlurfte wieder ins Schlafzimmer zurück und kroch ins Bett.

Dieser verdammte Traum verfolgte mich, seit ich in diese alte Villa eingezogen war. Im Erdgeschoss war eine kleine Wohnung frei geworden, die für mich als alleinlebende Frau sogar erschwinglich war. Ich hatte mich vor ein paar Monaten von meinem Freund getrennt, nach dem er mich in einem Jahr gleich dreimal betrog. Fürs Erste hatte ich die Nase gestrichen voll von tiefergehenden Beziehungen.