Sturmnacht - Jim Butcher - E-Book
Beschreibung

Immer häufiger wird die Polizei von Chicago mit bizarren Morden konfrontiert. Wenn man mit modernsten Ermittlungsmethoden nicht weiter kommt, gibt es nur einen, der helfen kann: Harry Dresden, Profiler der besonderen Art. Er verfügt über einen ausgezeichneten Spürsinn - und ungewöhnliche Fähigkeiten. Doch wer in der Lage ist, die Dunkelheit hinter unserer Realität zu sehen, lebt gefährlich! Harrys neuer Fall: Ein Liebespaar wird tot aufgefunden. Nackt. Im Bett. Buchstäblich zerrissen, als hätte ein Blitz zugeschlagen. Doch kann so etwas möglich sein? Harry beginnt zu ermitteln - und hat es bald nicht nur mit der Polizei und einem skrupellosen Drogenboss zu tun, sondern auch mit blutdurstigen Dämonen ...

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Seitenzahl:433

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Beliebtheit


Autor: Jim Butcher

Deutsch von: Jürgen Langowski

Lektorat: Angela Troni

Art Director: Oliver Graute

Umschlagillustration: Chris McGrath

© Jim Butcher 2000

© 2006 der deutschsprachigen Übersetzung bei Droemersche

Verlagsanstalt Th. Knaur Nachf. GmbH & Co. KG, München

© 2012 der vorliegenden Ausgabe Feder&Schwert GmbH

E-Book-Ausgabe

ISBN 978-3-86762-121-2

Originaltitel: Storm Front

Sturmnacht ist ein Produkt von Feder&Schwert unter Lizenz von Jim Butcher 2011. Alle Copyrights mit Ausnahme dessen an der deutschen Übersetzung liegen bei Jim Butcher.

Dieses Werk wurde vermittelt durch die Literarische Agentur Thomas Schlück GmbH, 30827 Garbsen.

Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck außer zu Rezensionszwecken nur mit schriftlicher Genehmigung des Verlags.

Die in diesem Buch beschriebenen Charaktere und Ereignisse sind frei erfunden. Jede Ähnlichkeit zwischen den Charakteren und lebenden oder toten Personen ist rein zufällig.

Die Erwähnung von oder Bezugnahme auf Firmen oder Produkte auf den folgenden Seiten stellt keine Verletzung des Copyrights dar.

www.feder-und-schwert.com

Für Debbie Chester, die mich alles lehrte, was man übers Schreiben wissen muss. Und für meinen Vater, der mich alles lehrte, was man über das Leben wissen muss. Ich vermisse dich, Dad.

Danksagungen

Mein besonderer Dank gilt Caroline, Fred, Debra, Tara und Corin, den ersten Harry-Dresden-Fans. Ohne den perversen Wunsch, euch so weit zu bringen, dass ihr kreischend verlangt, ich solle das nächste Kapitel schreiben, hätte Harry niemals so viel Ärger bekommen. Mein Dank gilt auch Ricia Mainhardt und A. J. Janschewitz, die großartige Agenten und wundervolle Menschen sind, und Chris Ely, einem rundherum einfach netten Mitmenschen.

Ganz besonders danke ich meinem Sohn J. J., der überzeugt war, sein Dad habe ein gutes Buch geschrieben, obwohl er es nicht einmal lesen konnte.

Dank sage ich auch Shannon für viel mehr Dinge, als ich hier je aufzählen könnte. Du bist mein Engel. Eines Tages werde ich vielleicht sogar lernen, meine Socken umzukrempeln, ehe ich sie im Schlafzimmer auf den Boden werfe.

1. Kapitel

Der Briefträger näherte sich meiner Bürotür. Er war eine halbe Stunde zu früh dran, und es klang nicht richtig. Die Schritte waren schwerer und lebhafter als sonst, außerdem pfiff er. Ein neuer Mann. Er pfiff, bis er vor meiner Bürotür stand, dann verstummte er einen Moment. Schließlich lachte er.

Er klopfte an.

Ich zuckte zusammen. Meine Post wird einfach eingeworfen, falls es kein Einschreiben ist. Einschreiben bekomme ich wirklich nicht oft, und wenn, dann verheißen sie meist nichts Gutes. Ich stand auf und öffnete.

Der neue Briefträger, der an einen Basketball mit Armen und Beinen erinnerte und eine von der Sonne verbrannte Glatze hatte, kicherte über das Schild auf der Türscheibe. „Das ist ein Witz, oder?“

Ich las das Schild (das manchmal von irgendwelchen Leuten verändert wurde) und schüttelte den Kopf. „Nein, das ist mein Ernst. Würden Sie mir jetzt bitte meine Post geben?“

„Also, äh … treten Sie auf Partys und in Shows auf und so?“ Er linste an mir vorbei, als erwartete er, einen weißen Tiger oder vielleicht sogar ein paar spärlich bekleidete Assistentinnen in meinem Einraumbüro herumhüpfen zu sehen.

Ich seufzte. Ich war wirklich nicht in der Stimmung, mich noch einmal auslachen zu lassen, und griff nach dem Brief, den er in der Hand hatte. „Nein, nichts dergleichen. Ich trete nicht auf Partys auf.“

Er hielt meine Post fest und legte neugierig den Kopf schief. „Was machen Sie denn sonst? Sind Sie eine Art Wahrsager? Mit Karten und Kristallkugeln und so?“

„Nein“, erklärte ich ihm. „Ich bin auch kein Medium.“ Ich zerrte an dem Brief.

Er hielt ihn weiter fest. „Was machen Sie denn dann?“

„Was steht auf dem Schild vor meiner Tür?“

„Da steht: ,Harry Dresden, Magier‘.“

„Der bin ich“, bestätigte ich.

„Ein echter Magier?“, fragte er. Er grinste, als müsste ich ihm jetzt die Pointe erklären. „Zaubersprüche und magische Tränke? Dämonen und Anrufungen? Scharfsinnig und leicht zu erzürnen?“

„Ich bin eigentlich nur scharf auf meine Post.“ Ich riss ihm den Brief aus der Hand und starrte vielsagend auf sein Klemmbrett. „Kann ich jetzt bitte unterschreiben?“

Das Grinsen des neuen Briefträgers verschwand und wich einer finsteren Miene. Er reichte mir das Klemmbrett (schon wieder eine Mahnung vom Vermieter) und sagte: „Sie sind meschugge, das sind Sie.“ Er nahm sein Brett wieder an sich. „Einen schönen Tag noch, Sir.“

Ich sah ihm nach.

„Typisch“, murmelte ich und schloss die Tür.

Mein Name ist Harry Blackstone Copperfield Dresden. Beschwören Sie ihn auf eigene Gefahr. Ich bin Magier. Ich arbeite in einem Büro im Zentrum von Chicago. Meines Wissens bin ich der einzige offen praktizierende professionelle Magier im Land. Sie finden mich in den Gelben Seiten unter „Magier“. Ob Sie es glauben oder nicht, ich bin der Einzige, den Sie dort finden. Meine Anzeigen sehen folgendermaßen aus:

HARRY DRESDEN – MAGIER

Suche verlorene Gegenstände.

Paranormale Ermittlungen.

Beratung und Ratschläge.

Erschwingliche Honorare.

Keine Liebestränke, keine unerschöpflichen Geldbörsen, keine Partys, keine sonstigen Unterhaltungsveranstaltungen.

Sie wären sicher überrascht, wenn Sie wüssten, wie viele Leute einfach nur anrufen, um mich zu fragen, ob ich das ernst meine.

Das Ende des zwanzigsten Jahrhunderts und die Morgendämmerung des neuen Jahrtausends hatten in der breiten Öffentlichkeit eine Art Renaissance des Übersinnlichen eingeläutet. Medien, Gespenster, Vampire – was Sie nur wollen. Die Leute nahmen es immer noch nicht ernst, aber all die Dinge, die uns die Wissenschaft versprochen hatte, waren ausgeblieben. Krankheiten waren immer noch ein Problem. Hunger war immer noch ein Problem. Gewalt und Krieg waren immer noch Probleme. Trotz des technischen Fortschritts hatten sich die Dinge nicht so verändert, wie alle gehofft und geglaubt hatten.

Die Wissenschaft, die große Religion des zwanzigsten Jahrhunderts, war durch die Bilder von explodierenden Spaceshuttles und cracksüchtigen Kindern und angesichts einer Generation selbstgefälliger Amerikaner, die ihre Nachkommen vom Fernsehen erziehen ließ, ein wenig in Misskredit geraten. Die Menschen suchten etwas – ich glaube, sie wussten nur nicht, was. Obwohl sie wieder die Augen für die Welt der Magie und der geheimen Künste öffneten, die sie die ganze Zeit über begleitet hatten, hielten sie mich nach wie vor für einen Witzbold.

Wie auch immer, ich hatte einen miesen Monat hinter mir. Eigentlich sogar zwei miese Monate. Die Februarmiete hatte ich erst am zehnten März bezahlt, und es sah so aus, als sollte es noch länger dauern, bis ich für den laufenden Monat bezahlen konnte.

Meinen einzigen Auftrag hatte ich in der vergangenen Woche bekommen. Ich hatte in Branson, Missouri, das angeblich verhexte Haus eines Countrysängers untersucht. Es war allerdings nicht verhext. Mein Klient war nicht erfreut über die Antwort, und er war noch weniger erfreut, als ich ihm vorschlug, die Finger von Rauschmitteln zu lassen, sich etwas Bewegung zu verschaffen, mehr zu schlafen und abzuwarten, ob das nicht besser wirke als Exorzismus. Ich hatte meine Reisekosten plus Bezahlung für eine Stunde bekommen und mich mit dem Gefühl verabschiedet, ehrlich, rechtschaffen und ausgesprochen einfältig gehandelt zu haben. Später hörte ich, er habe ein windiges Medium angeheuert, das eine Zeremonie mit viel Weihrauch und Schwarzlichtlampen durchgeführt hatte. Leute gibt’s.

Ich hatte mein Taschenbuch durchgelesen und warf es in die ERLEDIGT-Kiste. Auf einer Seite meines Schreibtischs stand ein Pappkarton mit gelesenen und aussortierten Taschenbüchern, deren Rücken voller Knicke und deren Seiten zerfleddert waren. Ich beäugte gerade den Stapel der ungelesenen Bücher, um zu überlegen, welches das Nächste sein sollte, weil ich sowieso nichts Besseres zu tun hatte, als das Telefon klingelte.

Beinahe mürrisch starrte ich es an. Wir Magier tun nichts lieber, als mürrisch zu brüten. Nach dem dritten Läuten, als ich dachte, es klänge jetzt nicht mehr allzu begierig, hob ich ab und meldete mich. „Dresden.“

„Oh, ist dort, äh, Harry Dresden? Der, äh, Magier?“ Die Anruferin wirkte verlegen, als hätte sie schreckliche Angst, mich zu beleidigen.

„Nein“, dachte ich. „Hier ist Harry Dresden, der, äh, Komiker. Harry der Magier wohnt eine Tür weiter.“

Es ist das Vorrecht eines Magiers, grantig zu sein. Nur leider ist es nicht das Vorrecht von freiberuflichen Beratern, die mit der Miete im Rückstand sind. Statt etwas Vorlautes zu erwidern, sagte ich lediglich: „Ja, Madam. Wie kann ich Ihnen helfen?“

„Ich, äh“, erwiderte sie. „Ich bin nicht sicher. Ich habe etwas verloren, und ich dachte, Sie könnten mir vielleicht helfen.“

„Verlorene Gegenstände zu finden, ist meine Spezialität“, erklärte ich. „Was soll ich denn für Sie suchen?“

Sie schwieg verunsichert. „Meinen Mann“, sagte sie schließlich. Ihre Stimme klang ein wenig heiser, wie bei einem Cheerleader, der ein langes Turnier hinter sich hat, besaß aber genug Volumen, um sie als Erwachsene auszuweisen.

Ich zog die Augenbrauen hoch. „Madam, ich bin kein Spezialist für vermisste Personen. Haben Sie sich schon an die Polizei oder an einen Privatdetektiv gewandt?“

„Nein“, sagte sie rasch. „Nein, die können mir nicht helfen. Ich meine, ich habe nicht … meine Güte, es ist alles furchtbar kompliziert. Über so etwas kann man eigentlich nicht am Telefon sprechen. Es tut mir leid, dass ich Ihre Zeit in Anspruch genommen habe, Mister Dresden.“

„Warten Sie“, sagte ich rasch. „Entschuldigen Sie, Sie haben mir Ihren Namen nicht genannt.“

Wieder herrschte angespanntes Schweigen, als müsste sie ihre Worte genau abwägen, ehe sie zu antworten wagte. „Nennen Sie mich Monica.“

Leute, die nichts über Magier wissen, teilen uns nicht gern ihre Namen mit. Sie sind überzeugt, dass es gegen sie verwendet werden könnte. Um ehrlich zu sein, so ist es auch.

Ich musste höflich und harmlos tun. Sie war kurz davor, aus lauter Unsicherheit wieder aufzulegen, und ich brauchte den Job. Wahrscheinlich konnte ich ihre bessere Hälfte sogar auftreiben, wenn ich mir Mühe gab.

„Okay, Monica“, sagte ich so locker und freundlich, wie ich konnte. „Wenn Sie glauben, Ihre Situation sei heikel, dann kommen Sie doch einfach in mein Büro, und wir reden darüber. Wenn sich herausstellt, dass ich Ihnen helfen kann, werde ich es tun, und wenn nicht, werde ich Sie an jemanden verweisen, der es besser kann als ich.“ Ich knirschte mit den Zähnen und tat, als lächelte ich. „Bis zu diesem Punkt kostet es Sie auch nichts.“

Das gab wahrscheinlich den Ausschlag. Sie wollte sofort vorbeikommen und meinte, sie sei in einer Stunde da. Demnach musste sie schätzungsweise um halb drei eintreffen. Reichlich Zeit, um draußen etwas zu essen und noch vor ihr wieder im Büro zu sein.

Das Telefon klingelte fast sofort wieder, nachdem ich aufgelegt hatte. Ich erschrak und starrte es an. Ich traue der modernen Technik nicht. Alles, was nach den Vierzigerjahren hergestellt wurde, ist verdächtig und scheint mich nicht besonders zu mögen. Nehmen Sie, was Sie wollen: Autos, Radios, Telefone, Fernseher, Videorekorder. Bei mir machen sie Mucken. Ich schreibe nicht einmal gern mit Kugelschreibern.

Ich antwortete mit der gleichen aufgesetzten Fröhlichkeit wie vorher der unbekannten Monica. „Dresden hier, was kann ich für Sie tun?“

„Harry, ich brauche Sie in spätestens zehn Minuten hier im Madison. Können Sie kommen?“ Auch dieses Mal war es eine Frauenstimme. Kühl, energisch, geschäftsmäßig.

„Hallo, Lieutenant Murphy“, antwortete ich zuckersüß. „Wie schön, mal wieder von Ihnen zu hören. Ist ja lange her. Oh, prima, ganz prima. Was machen Ihre Kinder?“

„Sparen Sie sich das, Harry. Ich habe hier zwei Leichen, und Sie sollen sich umsehen.“

Ich ernüchterte schlagartig. Karrin Murphy war die Leiterin der Sonderermittlungseinheit in Downtown Chicago. Der Police Commissioner hatte sie ernannt, damit sie sich um Verbrechen kümmerte, die als „ungewöhnlich“ galten. Berichte über Vampirangriffe, Plünderungen von Trollen und Kindesentführungen durch Elfen machten sich nicht sehr gut in den Ermittlungsakten, doch die Leute wurden tatsächlich angegriffen, Kinder wurden gestohlen, und Besitz wurde beschädigt oder zerstört. Irgendjemand musste also der Sache nachgehen.

In Chicago und im ganzen Umland war Karrin Murphy dieser Irgendjemand. Ich war ihre wandelnde Bibliothek des Übernatürlichen und bezahlter Berater der Polizeibehörde. Aber zwei Leichen? Zwei Todesfälle mit ungeklärter Ursache? So etwas war mir bisher noch nicht untergekommen.

„Wo sind Sie?“, fragte ich.

„Im Madison Hotel an der Zehnten, im siebten Stock.“

„Das ist zu Fuß nur fünfzehn Minuten von meinem Büro entfernt“, sagte ich.

„Dann können Sie ja in fünfzehn Minuten hier sein. Prima.“

„Äh“, machte ich. Ich sah auf die Uhr. Monica Namenlos würde in etwas mehr als fünfundvierzig Minuten eintreffen. „Ich habe einen Termin.“

„Dresden, ich habe hier zwei Leichen, keinerlei Spuren und keine Verdächtigen, und irgendwo läuft ein Killer frei herum. Ihre Verabredung kann warten.“

Das brachte mich in Rage. So etwas kommt gelegentlich vor. „Nein, kann sie nicht“, gab ich zurück. „Aber ich sage Ihnen was. Ich komme gleich mal vorbei und sehe mich kurz um, und dann bin ich immer noch rechtzeitig wieder hier.“

„Haben Sie schon gegessen?“, fragte sie.

„Was?“

Sie wiederholte die Frage.

„Nein“, sagte ich.

„Dann lassen Sie’s.“ Es gab eine Pause, und als sie weitersprach, hatten ihre Worte einen leichten Grünstich. „Es ist übel.“

„Wie übel genau, Murph?“

Sie sprach jetzt leiser, und das machte mir mehr Angst, als es jedes Bild von Bluttaten und gewaltsamen Todesfällen vermocht hätte. Murphy war wirklich hart im Nehmen und brüstete sich damit, niemals eine Schwäche zu zeigen. „Es ist übel, Harry. Bitte beeilen Sie sich. Die Abteilung für Bandenkriminalität will sich hier reinhängen, und ich weiß, dass Sie es nicht mögen, wenn jemand etwas anrührt, ehe Sie sich umgesehen haben.“

„Bin schon unterwegs“, sagte ich. Ich war bereits aufgestanden und zog mir die Jacke an.

„Siebter Stock“, erinnerte sie mich. „Bis gleich.“

„Okay.“

Ich schaltete das Licht im Büro aus, ging zur Tür und drehte mich stirnrunzelnd noch einmal um. Ich wusste nicht, wie lange ich mit Murphys Tatort beschäftigt sein würde, und ich wollte Monica die Zögerliche nicht verpassen. Deshalb öffnete ich noch einmal die Tür, holte einen Zettel und eine Heftzwecke und schrieb:

Musste kurz weg. Bin zum Termin um 14.30 Uhr wieder da. Dresden.

Hastig lief ich die Treppe hinunter. Ich benutze nur selten den Aufzug, obwohl mein Büro im fünften Stock ist. Wie ich schon sagte, traue ich Maschinen nicht. Sie gehen immer kaputt, wenn ich sie gerade am dringendsten brauche.

Davon mal abgesehen – wenn ich in dieser Stadt zwei Leute auf einen Schlag umbringen und nicht erwischt werden will, dann sorge ich dafür, dass der einzige praktizierende Magier, den die Polizei auf Honorarbasis beschäftigt, außer Gefecht gesetzt wird. Meine Überlebenschancen waren auf der Treppe erheblich höher als in der beengten Aufzugkabine.

Paranoid? Wahrscheinlich. Aber das ist noch lange kein Grund zu glauben, es gäbe keine unsichtbaren Dämonen, die einem im nächsten Moment das Gesicht wegfressen.

2. Kapitel

Karrin Murphy erwartete michvor dem Madison. Karrin und ich könnten gegensätzlicher nicht sein. Ich bin schlank und groß, sie ist klein und stämmig. Ich habe dunkles Haar und dunkle Augen, sie hat blonde Locken wie Shirley Temple und babyblaue Augen. Meine Gesichtszüge sind gerade und kantig, ich habe eine Adlernase und ein spitzes Kinn, ihr Gesicht ist rund und weich, und sie hat die Sorte von süßer Nase, die man bei Cheerleadern erwarten würde.

Es war kühl und windig wie gewöhnlich im März, und sie hatte über dem Hosenanzug einen langen Mantel an. Murphy trug niemals Kleider, aber ich vermutete, dass sie muskulöse, wohl geformte Beine hatte wie eine Turnerin. Sie war sportlich, und in ihrem Büro standen zwei Pokale von Aikido-Wettkämpfen, die dies bewiesen. Ihr Haar war schulterlang geschnitten und flatterte heftig im Frühlingswind. Ohrringe trug sie nicht, und ihr Make-up war von guter Qualität und so dezent aufgelegt, dass man es kaum bemerkte. Sie wirkte eher wie eine Lieblingstante oder wie eine fröhliche Mutter denn wie eine hartgesottene Ermittlerin des Morddezernats.

„Haben Sie denn keine andere Jacke, Dresden?“, fragte sie, als ich in Hörweite war. Mehrere Polizeiwagen parkten verbotswidrig vor dem Gebäude. Sie sah mir eine halbe Sekunde in die Augen, bevor sie rasch den Blick abwandte. Immerhin, das war länger, als es die meisten Leute aushielten. Wirklich gefährlich war es nicht, solange man es nicht mehrere Sekunden lang tat, aber ich war daran gewöhnt, dass jeder, der wusste, dass ich ein Magier war, darauf achtete, mir nicht ins Gesicht zu schauen.

Ich betrachtete meinen schwarzen Übermantel mit der dicken Außenschicht, dem wasserdichten Futter und den Ärmeln, die lang genug waren für meine Arme. „Was stimmt denn damit nicht?“

„Der gehört in einen Film wie El Dorado.“

„Und?“

Sie schnaubte, was für eine so kleine Frau ein ausgesprochen unschönes Geräusch war, drehte sich auf dem Absatz um und marschierte zum Haupteingang des Hotels.

Ich holte sie ein und ging ein paar Schritte vor ihr.

Sie beschleunigte. Ich ebenfalls. Durch die Pfützen, die vom Regen der letzten Nacht übrig geblieben waren, lieferten wir uns mit zunehmender Geschwindigkeit ein Wettrennen bis zur Tür.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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