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Suchtprävention in der Sekundarstufe E-Book

Hannes Langhammer

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Beschreibung

Examensarbeit aus dem Jahr 2006 im Fachbereich Pädagogik - Schulpädagogik, Note: 1,0, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, Sprache: Deutsch, Abstract: Meine Arbeit hat das Ziel, das Phänomen Suchtprävention einer detaillierten Betrachtung zu unterziehen. Der Schwerpunkt liegt dabei auf primärpräventiven Methoden für die Sekundarstufe. Um zu einem umfassenden Verständnis des Umfassensbereiches der Suchtprävention zu gelangen, wird vor der eigentlichen Beschäftigung mit ihr ein ausführlicher theoretischer Teil vorangestellt, welcher sich neben den wichtigsten in jugendkulturellen Szenen konsumierten Drogen auch der Jugend als Lebensphase, jugendlichem Problemverhalten sowie Erklärungsansätzen zur Entstehung von Abhängigkeit widmet. Der eigentliche Hauptteil der Arbeit, in welchem ich mich mit dem Phänomen der Prävention auseinandersetze, ist gegliedert in acht Kapitel. Im ersten Kapitel wird der Versuch unternommen, eine Definition des uneinheitlich gebrauchten Begriffes „Prävention“ zu finden. In Kapitel 2 werden einige einführende Informationen gegeben und die Suchtprävention als Teilgebiet der allgemeinen Prävention vorgestellt. Kapitel 3 untersucht die Suchtprävention in detaillierterer Weise und beschäftigt sich mit zwei ihrer Unterdisziplinen, der Primär- und der Sekundärprävention. Dabei werden jeweils die Handlungsfelder, Methoden und Zielsetzungen der beiden Disziplinen beleuchtet. Kapitel 4 unterzieht die Geschichte der Suchtprävention einer genaueren Betrachtung. Die Entwicklung der Suchtprävention wird in diesem Zusammenhang in insgesamt vier Phasen unterteilt, welche jeweils kurz umrissen werden. In Kapitel 5 geht es um das momentan aktuelle suchtpräventive Konzept der Lebenskompetenzförderung. Nach einer allgemeinen Vorstellung der wichtigsten Aspekte dieses Konzepts wird auf die ihm zugrunde liegenden theoretischen Hintergründe eingegangen. Vor der Erörterung der Evaluation der life-skills-Programme sowie ihrer Ergebnisse werden die Ziele und Inhalte sowie die Didaktik der Programme nach dem Ansatz der Lebenskompetenzförderung dargestellt. Das 6. Kapitel widmet sich der Darstellung von drei primärpräventiven Maßnahmen, die derzeit in der Sekundarstufe deutscher Schulen durchgeführt werden. Dabei handelt es sich um die beiden Lebenskompetenzprogramme „ALF“ und „Lions Quest“ sowie den primärpräventiven Wettbewerb „Be Smart – Don´t Start“. Die genannten Programme werden im Hinblick auf ihre Konzeption, ihre Inhalte, die jeweilige didaktische Ausrichtung sowie auf die Ergebnisse ihrer Evaluation untersucht. Anschließend erfolgt eine kritische Zusammenfassung der Evaluations-Ergebnisse.

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Veröffentlichungsjahr: 2007

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Inhaltsverzeichnis

 

I. EINLEITUNG

II. THEORETISCHE GRUNDLAGEN

1. DROGEN

1.1 Begriffsdefinition von „Droge“

1.2 Drogenarten

1.2.1 Alkohol

1.2.1.1 Allgemeines

1.2.1.2 Wirkung

1.2.1.3 Gefahren

1.2.2 Tabak

1.2.2.1 Allgemeines

1.2.2.2 Wirkung

1.2.2.3 Gefahren

1.2.3 Cannabis

1.2.3.1 Allgemeines

1.2.3.2 Wirkung

1.2.3.3 Gefahren

1.2.4 Amphetamine

1.2.4.1 Allgemeines

1.2.4.2 Wirkung

1.2.4.3 Gefahren

1.2.5 Ecstasy

1.2.5.1 Allgemeines

1.2.5.2 Wirkung

1.2.5.3 Gefahren

1.2.6 Kokain

1.2.6.1 Allgemeines

1.2.6.2 Wirkung

1.2.6.3 Gefahren

1.2.7 LSD ( Lysergsäurediethylamid )

1.2.7.1 Allgemeines

1.2.7.2 Wirkung

1.2.7.3 Gefahren

1.2.8 Zauberpilze (Magic Mushrooms)

1.2.8.1 Allgemeines

1.2.8.2 Wirkung

1.2.8.3 Gefahren

2. JUGEND

2.1 Entstehung des Begriffs der Lebensphase Jugend

2.2 Ausdifferenzierung der Lebensphasen

2.3 Abgrenzung der Lebensphase Jugend

2.4 Charakteristika der Lebensphase Jugend

2.5 Entwicklungsaufgaben während der Lebensphase Jugend

2.6 Zusammenfassung

3. JUGENDLICHES PROBLEMVERHALTEN

3.1 Soziostrukturelle Veränderungen und ihre Folgen

3.2 Bewältigung der Entwicklungsaufgaben

3.3 Substanzkonsum

3.3.1 Drogenkonsum als eine Form von Risikoverhalten

3.3.2 Normalität und Funktionalität des Substanzkonsums im Jugendalter

3.3.3 Problematische Formen des jugendlichen Substanzkonsums

4. ENTSTEHUNG VON ABHÄNGIGKEIT

4.1 Definition von „Abhängigkeit“

4.2 Psychische und physische Abhängigkeit

4.3 Charakteristika einer schweren Abhängigkeit

4.4 Theorien zur Entstehung von Abhängigkeit

4.5 Das Modell der Risiko- und Schutzfaktoren

4.5.1 (Intra)personelle Faktoren

4.5.2 Soziale Faktoren

III. PRÄVENTION

1. DEFINITION VON „PRÄVENTION“

2. SUCHTPRÄVENTION

3. DIVERSE FORMEN VON SUCHTPRÄVENTION

3.1 Primäre Suchtprävention

3.1.1 Zielsetzungen primärer Suchtprävention

3.1.2 Die Rolle der Schule in der primären Suchtprävention

3.1.3 Primäre Suchtprävention außerhalb der Schule

3.2 Sekundäre Suchtprävention

4. GESCHICHTE DER SUCHTPRÄVENTION

4.1 Anfänge der Suchtprävention

4.2 Die vier Phasen der Suchtprävention seit den 1970er Jahren

4.2.1 Erste Phase: Drogenprävention

4.2.2 Zweite Phase: Suchtprävention

4.2.3 Dritte Phase: Suchtprävention und Gesundheitsförderung

4.2.4 Vierte Phase: Suchtprävention, Gesundheitsförderung und neue, alternative Elemente

5. LEBENSKOMPETENZPROGRAMME

5.1 Das Konzept der Lebenskompetenzprogramme

5.2 Theoretische Grundlagen der Lebenskompetenzprogramme

5.2.1 Das Konzept der Risiko- und Schutzfaktoren

5.2.2 Die Theorie des geplanten Verhaltens

5.2.3 Die Theorie des Sozialen Lernens

5.2.4 Theorie des Problemverhaltens

5.3 Ziele und Inhalte von Lebenskompetenzprogrammen

5.4 Didaktik der Lebenskompetenzprogramme

5.5 Evaluation von Lebenskompetenzprogrammen

5.6 Ergebnisse der Evaluationsforschung

5.6.1 Art der Vermittlung

5.6.2 Durchführung der Maßnahmen

5.6.3 Inhaltliche Ausrichtung

6. DARSTELLUNG  VON  DREI  PRIMÄRPRÄVENTIVEN  PROGRAMMEN

6.1 ALF - Allgemeine Lebenskompetenzen und Fertigkeiten

6.1.1 Konzeption

6.1.2 Inhalte und Didaktik

6.1.3 Evaluation von ALF

6.2.3.1 Hauptschule

6.1.3.2 Gymnasium

6.2  Lions Quest – Erwachsen werden

6.2.1 Konzeption

6.2.2 Inhalte und Didaktik

6.2.3 Evaluation von „Erwachsen werden“

6.2.3.1 Lehrerbefragung

6.2.3.2 Schülerbefragung

6.2.3.2.1 Präventive Effekte auf Persönlichkeitsmerkmale und Kognitionen

6.2.3.2.2 Effekte auf die „Ausstiegsbereitschaft“ und „Probierbereitschaft“

6.2.3.2.3 Präventive Effekte auf das Rauchverhalten

6.3 „Be Smart – Don´t Start”

6.3.1 Allgemeines

6.3.2 Theoretischer Hintergrund der Maßnahme

6.3.3 Konzeption

6.3.4 Evaluation

6.3.4.1 Methode

6.3.4.2 Ergebnisse

6.4 Zusammenfassung der Evaluationsergebnisse der drei Programme

7. KRITIK AN DER AKTUELLEN AUSRICHTUNG DER SUCHTPRÄVENTION

7.1 Kritik an der Evaluation

7.2 Kritik an der Konzeption

7.2.1 Die Defizit-Perspektive der Suchtprävention

7.2.2 Die Droge in der Defizit-Perspektive

7.2.3 Der Konsument in der Defizit-Perspektive

7.2.4 Der Konsum in der Defizit-Perspektive

7.3 Kritik an den Zielsetzungen

7.4 Zusammenfassung

8. EIN ALTERNATIVER ANSATZ: DAS KONZEPT DER DROGENMÜNDIGKEIT

8.1 Theoretischer Hintergrund und Zielsetzungen

8.2 Konkrete Umfassensbereiche von Drogenmündigkeit

8.2.1 Drogenkunde und Risikomanagement

8.2.2 Genussfähigkeit

8.2.3 Kritikfähigkeit

8.3 Notwendige Rahmenbedingungen für das Mündigkeitskonzept

8.4 Chancen der Realisierung des Mündigkeitskonzeptes

8.5 Wie wäre das Mündigkeitskonzept in der Schule umzusetzen?

IV. SCHLUSSBETRACHTUNG

V. LITERATURVERZEICHNIS

 

I. EINLEITUNG

Psychoaktive Substanzen sind seit Tausenden von Jahren ein Bestandteil vieler Kulturen und aus unserer heutigen Gesellschaft nicht mehr wegzudenken. Nur eine kleine Minderheit der deutschen Bevölkerung lebt in völliger Abstinenz von Drogen – seien sie nun legaler oder illegaler Art. Eine besondere Affinität zu Drogen weisen Jugendliche auf. Erfahrungen mit psychoaktiven Substanzen gehören mittlerweile unbestritten zu den „normalen“ Phänomenen der Pubertät. Fast ausnahmslos alle Jugendlichen trinken während der Adoleszenz mehr oder weniger regelmäßig Alkohol; Zigaretten gehören bei einem Viertel der Jugendlichen zum Standard-Repertoire auf Partys, vor und nach der Schule und zu vielen anderen Freizeit-Gelegenheiten. Illegale Drogen sind ebenfalls weit verbreitet und vielen Jugendlichen keinesfalls mehr nur aus sensationslüsternen Medienberichten bekannt. Die periodisch erscheinende Drogenaffinitätsstudie der Bundesregierung belegt dies hinreichend.

Seit in den 1970er Jahren bis dato nahezu unbekannte psychoaktive Substanzen, wie eben Cannabis oder auch LSD, in Deutschland auftauchten und sich in jugendkulturellen Szenen etablierten, versucht die Prävention ein probates Mittel zu finden, um den Konsum von Drogen durch Jugendliche zu verhindern. Eine wahre Flut von suchtpräventiven Ansätzen, Modellen und Konzepten wurde seit dieser Zeit entworfen,  ausprobiert und, zumeist aufgrund mangelnder Wirksamkeit, wieder verworfen. Trotz immenser finanzieller Aufwendungen ist es der Suchtprävention bis heute nicht gelungen, ihre chronische Ineffektivität zu überwinden und brauchbare, nachhaltig wirksame Konzepte zu entwickeln. Stattdessen hat sie unter den Jugendlichen ein schlechtes Image, gilt als realitätsfern und unglaubwürdig. Der Drogenkonsum dagegen stagniert weiterhin auf hohem Niveau. Erfreuliche Entwicklungen, wie etwa aktuell leicht rückläufige Tendenzen beim Tabak- und Alkoholkonsum sind wohl eher strukturellen Maßnahmen, wie beispielsweise der Erhöhung der Tabaksteuer, zuzurechnen.

Meine Arbeit hat das Ziel, das Phänomen Suchtprävention einer detaillierten Betrachtung zu unterziehen. Der Schwerpunkt liegt dabei auf primärpräventiven Methoden für die Sekundarstufe. Um zu einem umfassenden Verständnis des Umfassensbereiches der Suchtprävention zu gelangen, wird vor der eigentlichen Beschäftigung mit ihr ein ausführlicher theoretischer Teil vorangestellt, welcher sich neben den wichtigsten in jugendkulturellen Szenen konsumierten Drogen auch der Jugend als Lebensphase, jugendlichem Problemverhalten sowie Erklärungsansätzen zur Entstehung von Abhängigkeit widmet.

Der eigentliche Hauptteil der Arbeit, in welchem ich mich mit dem Phänomen der Prävention auseinandersetze, ist gegliedert in acht Kapitel. Im ersten Kapitel wird der Versuch unternommen, eine Definition des uneinheitlich gebrauchten Begriffes „Prävention“ zu finden.

In Kapitel 2 werden einige einführende Informationen gegeben und die Suchtprävention als Teilgebiet der allgemeinen Prävention vorgestellt.

Kapitel 3 untersucht die Suchtprävention in detaillierterer Weise und beschäftigt sich mit zwei ihrer Unterdisziplinen, der Primär- und der Sekundärprävention. Dabei werden jeweils die Handlungsfelder, Methoden und Zielsetzungen der beiden Disziplinen beleuchtet.

Kapitel 4 unterzieht die Geschichte der Suchtprävention einer genaueren Betrachtung. Die Entwicklung der Suchtprävention wird in diesem Zusammenhang in insgesamt vier Phasen unterteilt, welche jeweils kurz umrissen werden.

In Kapitel 5 geht es um das momentan aktuelle suchtpräventive Konzept der Lebenskompetenzförderung. Nach einer allgemeinen Vorstellung der wichtigsten Aspekte dieses Konzepts wird auf die ihm zugrunde liegenden theoretischen Hintergründe eingegangen. Vor der Erörterung der Evaluation der life-skills-Programme sowie ihrer Ergebnisse werden die Ziele und Inhalte sowie die Didaktik der Programme nach dem Ansatz der Lebenskompetenzförderung dargestellt.

Das 6. Kapitel widmet sich der Darstellung von drei primärpräventiven Maßnahmen, die derzeit in der Sekundarstufe deutscher Schulen durchgeführt werden. Dabei handelt es sich um die beiden Lebenskompetenzprogramme „ALF“ und „Lions Quest“ sowie den primärpräventiven Wettbewerb „Be Smart – Don´t Start“. Die genannten Programme werden im Hinblick auf ihre Konzeption, ihre Inhalte, die jeweilige didaktische Ausrichtung sowie auf die Ergebnisse ihrer Evaluation untersucht. Anschließend erfolgt eine kritische Zusammenfassung der Evaluations-Ergebnisse.

Kapitel 7 gibt einen Überblick über die wichtigsten Aspekte der Kritik an der aktuellen Ausrichtung der Suchtprävention. Nach einer Darstellung der Kritik an der Evaluation von Programmen im Bereich der Suchtprävention erfolgt eine Betrachtung der Kritik an der Konzeption von primärpräventiven Maßnahmen. Dabei steht insbesondere die sog. „Defizit-Perspektive“ im Fokus. Weiterhin werden diverse Formen der Kritik, welche sich auf die Zielsetzung von Suchtprävention beziehen, angeführt. Den Schluss des 7. Kapitels bildet eine knappe Zusammenfassung.

In einem abschließenden 8. Kapitel wird ein alternativer suchtpräventiver Ansatz vorgestellt, der die im vorangegangenen Kapitel angeführte Kritik aufgreift und versucht, neue Wege in der Suchtprävention zu gehen. Es handelt sich dabei um das Konzept der Drogenmündigkeit von Barsch. Dieses Konzept wird auf seine theoretische Fundierung, seine Zielsetzungen und konkrete Umfassensbereiche untersucht. Weiterhin werden die Rahmenbedingungen geprüft, die für eine Umsetzung des Mündigkeitskonzepts notwendig wären und darüber hinaus die Chancen einer Realisierung dieses alternativen Ansatzes erörtert. Abschließend wird der Bezug zum schulischen Handlungsfeld hergestellt, indem ich mich mit der Frage beschäftige, wie  das Konzept der Drogenmündigkeit in der Schule umzusetzen wäre.

II. THEORETISCHE GRUNDLAGEN

 

1. DROGEN

 

1.1 Begriffsdefinition von „Droge“

 

Im Zusammenhang mit dem Thema dieser Arbeit erscheint es mir interessant, den Begriff „Droge“ ein wenig näher zu untersuchen, sowie die Schwierigkeiten aufzuzeigen, die sich beim Versuch, eine Definition des Begriffes „Droge“ zu finden ergeben. Etymologisch stammt der Begriff „Droge“ aus dem Niederländischen und leitet sich von dem Wort „Droog“ ab, mit welchem in der Kolonialzeit getrocknete Pflanzenteile bezeichnet wurden.[1]

 

Heutzutage existiert eine Vielzahl an Definitionen von „Droge“, die sich dem Begriff aus verschiedenen Perspektiven nähern. So ist aus pharmazeutischer Sichtweise eine Droge

 

„ …ein Präparat pflanzlichen, tierischen oder mineralischen Ursprungs. Die Pharmazie versteht unter Droge einen natürlichen Rohstoff, dem man per Extraktion wirksame Stoffe entziehen kann, die für Aromen oder Medikamente genutzt werden und meistens von einer gewissen Dosis an gesundheitsschädlich sind.“[2]

 

Die suchtpräventive Perspektive dieser Arbeit gebietet jedoch eine andere Definition von Droge. Gut geeignet für den Rahmen meiner Untersuchungen erscheint mir die Definition von Homann. Drogen sind demnach

 

„ pflanzliche oder synthetisch hergestellte Stoffe, die die Reaktionen des Körpers verändern und vor allem Stimmungen, Gefühle und Wahrnehmungen beeinflussen. Gemeinsamkeit aller Drogen: die ausgeprägte Eignung, den Benutzer in einen Zustand zu versetzen, den er als erstrebenswerter als seinen Normalzustand ansieht. Einige dieser Stoffe sind als heilende Arzneimittel anzusehen, wenn sie unter ärztlicher Kontrolle und vorschriftsmäßig verwendet werden.“[3]

 

Generell haftet dem Begriff „Droge“ in der Umgangssprache die negative Assoziation der Illegalität an, was damit zusammenhängt, dass er von weiten Teilen der Bevölkerung über lange Zeit als Synonym für illegale Drogen verwendet wurde. Legale Drogen, wie etwa Tabak oder Alkohol, wurden meist nicht als Drogen im eigentlichen Sinne verstanden. Dass dies wohl auch heute noch so ist, zeigt das Beispiel Bayern, wo es zumindest unüblich sein dürfte, Bier als Droge, etwa gleichgestellt mit Cannabis, zu bezeichnen.

 

In diesem Zusammenhang erscheint die Definition der Deutschen Hauptstelle für Suchtgefahren (DHS) zeitgemäß und plausibel, welche in Bezug auf die  Weltgesundheitsorganisation (WHO) eine Droge definiert als

 

„… jede Substanz, die in einem lebenden Organismus Funktionen zu verändern vermag. Dieser erweiterte Drogenbegriff erfasst nicht nur Cannabisprodukte, Halluzinogene, Stimulantien, Schnüffelstoffe, Schlaf- und Beruhigungsmittel, Alkohol, Tabakerzeugnisse, Schmerzmittel Opiate und Kokain. Er bezieht sich auch auf Alltagsdrogen wie z.B. Kaffee und Tee und grenzt Drogen einerseits sowie Genuss- und "Lebens"mittel andererseits nicht mehr trennscharf voneinander ab.“[4]

 

Hurrelmann & Bründel plädieren deshalb für eine Einführung des Begriffes „psychoaktive Substanz“ als Oberbegriff für alle Drogen, ob legal oder illegal. Darunter sind alle Stoffe zu verstehen, welche die Psyche beeinflussen und verändern. Nach strenger Definition fallen dann sogar das Koffein, bestimmte Gewürze (Muskatnuss, Salbei), aber auch Schokolade unter diesen Sammelbegriff. Gerade diese Beispiele bezeugen die Bedeutung des Grundsatzes von Paracelsus, welcher besagt, dass nur die Dosis das ausschlaggebende Kriterium für die Giftigkeit einer Substanz sein kann, während die Substanz selbst nicht von vornherein als Gift zu bezeichnen ist.[5]

 

Hierbei wird auch die  Problematik deutlich, die durch den weit verbreiteten Begriff „Rauschgift“ entsteht, welcher in populistischer Art und Weise für illegale Drogen gebraucht wurde und auch heute noch gebraucht wird. Viele Substanzen, und eben nicht nur die „illegalen Drogen“, können in bestimmten Dosierungen als „rauscherzeugend“ und „giftig“ eingestuft werden. Das Beispiel der Muskatnuss zeigt dies deutlich. In der geringen Dosierung, in der die Muskatnuss gewöhnlich als Gewürz in der Küche gebraucht wird, wird sich kaum eine psychoaktive Wirkung einstellen. Doch schon Dosen von 5g können halluzinogene Effekte und Euphorie auslösen. Bei noch höheren Dosierungen können durchaus Vergiftungserscheinungen auftreten.[6] Insofern erscheint es angebracht, den Begriff „Rauschgift“ als überholt zu bezeichnen.

 

Eine weitere irreführende, aber häufig benutzte Differenzierung von Drogen findet über die Kategorien „harte Droge“ und „weiche Droge“ statt. Hierbei wird jedoch übersehen, dass der fehlende Bezugspunkt für diese Attribute fehlt, wodurch sich eine nicht eindeutige, unter Umständen sogar eine unzulässige Klassifizierung ergibt. So könnte sich die Einteilung „hart“ oder „weich“ beispielsweise auf das körperliche Abhängigkeitspotential beziehen. Damit würde der von Millionen Deutschen täglich konsumierte Alkohol eine harte Droge darstellen, während Cannabis, Ecstasy und sogar das Kokain als weiche Droge einzustufen wären. Ebenso könnte man auch die körperlichen Folgeschäden für die Unterscheidung zwischen „hart“ und „weich“ heranziehen. In diesem Falle müsste der Tabak aufgrund seiner immensen körperlichen Konsumfolgen eindeutig als harte Droge bezeichnet werden, während das LSD als weiche Droge zu klassifizieren wäre, da es keinerlei somatische Schäden hervorruft. Daran zeigt sich, dass auch diese Kategorien nicht präzise genug sind und damit als nicht länger haltbar einzustufen sind.

 

Eine diese unklare Differenzierung korrigierende Definition findet sich bei Schmidt-Semisch & Nolte, die einige zusätzliche Variablen miteinbeziehen. So werden neben der schon oben erwähnten Frage der Dosis auch weitere elementare Faktoren wie Set (d.h. die Person, deren momentane Stimmungslage und ihre Erwartungshaltung) und Setting (d.h. der Einfluss der Umwelt und der Umgebung während des Konsums), und vor allem die Zweckbestimmung des Drogengebrauchs sowie die Konsumtechniken in die Definition integriert.

 

a) „Drogen sind nicht aus sich selbst heraus Genussmittel, Rauschmittel usw.,  son dern sie werden dazu durch die spezifische Zweckbestimmung des Konsumenten.

b) Drogen sind weder gefährlich noch ungefährlich, weder hart noch weich. Es gibt  nur gefährliche oder weniger gefährliche, harte oder weiche Konsumtechniken, Dosis, Konsumfähigkeit usw.

c) Für den Umgang mit allen Drogen gibt es ein Spektrum, auf dem der individuelle  Gebrauch eingeordnet werden kann. Das Spektrum reicht stets von Abstinenz bis  zu unmäßigem oder zwanghaften Konsum, oder eben bis zu dem Punkt, der als  „Sucht“ bezeichnet wird.“ [7]

 

Zusammenfassend lässt sich konstatieren, dass unter Drogen alle psychoaktiven Substanzen verstanden werden sollten, die von Individuen mit einer gewissen Zweckbestimmung konsumiert werden. Alle bisherigen Differenzierungen wie „legal“ oder „illegal“, „hart“ oder „weich“, sind als unpräzise in Bezug auf die Wirkung, die Gefährlichkeit in psychischer und physischer Hinsicht sowie auf das Abhängigkeitspotential zu bezeichnen. Nicht die Substanz selbst ist der Übeltäter, sondern erst der Umgang mit ihr, welcher durch Dosis, Konsumtechnik und vor allem das Konsummuster gekennzeichnet ist.

 

1.2 Drogenarten

 

Im Folgenden soll ein knapper Überblick über die wichtigsten Drogenarten gegeben werden, die in jugendkulturellen Szenen konsumiert werden. Neben einigen allgemeinen Informationen zu der jeweiligen Droge, wie z.B. die Geschichte ihrer Verwendung, ihre Verbreitung oder Konsumformen, werden die Wirkungen der Droge in physischer und psychischer Hinsicht dargestellt. Darüber hinaus werden in einem dritten Abschnitt die Gefahren beschrieben, die sich durch den Konsum der jeweiligen Substanz ergeben können. Dabei werde ich die akuten Gefahren des Konsums und eventuelle Langzeitschäden sowie das Abhängigkeitspotential der diversen Substanzen beschreiben.  Bei der Auswahl der Substanzen habe ich mich entschieden, die Substanz Heroin nicht mit einzubeziehen, da sie mir für den Rahmen dieser Arbeit als zu weit entfernt vom eigentlichen Thema, der Suchtprävention an Schulen, erscheint. Die BZgA-Studie zur Drogenaffinität bei Jugendlichen zwischen 12 und 25 Jahren aus dem Jahr 2004 fand bei Heroin eine Lebenszeitprävalenz von lediglich 0,3%.[8] Nur 3% der Befragten ohne Drogenerfahrung zeigen eine Probierbereitschaft gegenüber dem Heroin, 96% lehnten dies ab.[9] Daraus lässt sich folgern, dass Heroin unter Jugendlichen kaum verbreitet ist und von der übergroßen Mehrheit abgelehnt wird.

 

1.2.1 Alkohol

 

1.2.1.1 Allgemeines

 

Alkohol ist in seinen verschiedenen Erscheinungsformen eine gesellschaftlich akzeptierte und integrierte Droge. Er ist der Menschheit seit Jahrtausenden bekannt und wird seit jeher produziert und zu unterschiedlichen Anlässen konsumiert. Die heute konsumierten Formen (Bier, Wein, Sekt, Spirituosen) gelten als fester Bestandteil der Alltagskultur.[10] Zwei Verfahren dienen hauptsächlich zur Herstellung alkoholischer Getränke: die Gärung und die Destillation. Ersteres findet bei Bier und Wein Anwendung, letzteres bei Branntweinen und anderen Spirituosen.  Unter Alkohol wird im umgangssprachlichen Bereich der berauschende Anteil alkoholischer Getränke verstanden. Aus chemischer Sichtweise ist damit der Anteil des Äthylalkohols in dem entsprechenden Getränk gemeint.[11]

 

Der Alkohol ist das am weitesten verbreitete Genuss- und Suchtmittel in Deutschland, wobei Männer insgesamt deutlich mehr Alkohol konsumieren als Frauen. Nur etwa 12% der Gesamtbevölkerung leben alkoholabstinent.[12] Im europaweiten Vergleich belegte Deutschland im Jahr 2000 den siebten Platz in der Rangfolge der EU-Staaten mit dem höchsten Pro-Kopf-Verbrauch von reinem Alkohol.

 

Während der langfristige Trend beim Pro-Kopf-Konsum der Gesamtbevölkerung seit 1980 rückläufig ist, hat sich bei Jugendlichen der Trend gewandelt. Zwischen  dem Jahr 2001 und dem Jahr 2004 konnte eine Zunahme der 12- bis 25-Jährigen, welche regelmäßig Alkohol konsumieren, um 4% beobachtet werden. Dies fällt zeitlich mit der Einführung der sog. Alkopops (fertig gemischte alkoholische Mixgetränke) zusammen, welche letztendlich für einen Anstieg der konsumierten Menge reinen Alkohols in dieser Altersgruppe von 53,9g auf 68,8g verantwortlich gemacht werden können.[13] Im Jahr 2005 wurde eine Sondersteuer auf Alkopops eingeführt, welche das Ziel hat, diesen Trend zu stoppen. Erste Zahlen sprechen für einen Erfolg der Maßnahme. Weitere Untersuchungen sind jedoch notwendig. Ein weiterer bedrohlicher Trend scheint die Zunahme der Jugendlichen zwischen 12 und 25 Jahren zu sein, die riskante Konsummuster aufweisen. Als relativ neuer Begriff wird hierfür „binge drinking“ gebraucht, worunter ein Konsummuster zu verstehen ist, bei dem Jugendliche bei einer Trinkgelegenheit fünf oder mehr Gläser Alkohol hintereinander trinken. So zeigte sich, dass im Jahr 2004 über ein Drittel (34%) der 12- bis 25-Jährigen mindestens einmal im Monat „binge drinking“ praktiziert haben. Bei 5% der Befragten war dies fünf oder sechs Mal der Fall.[14]

 

1.2.1.2 Wirkung

 

Alkohol wird über die Schleimhäute des Magens (20%) und des Dünndarms (80%) aufgenommen und anschließend über die Blutbahn gleichmäßig im Körper verteilt. Etwa 90 Minuten nach dem Trinken eines alkoholischen Getränks ist die Distribution  im Organismus abgeschlossen.[15] Dabei gelangt der Alkohol ins Gehirn, wo er (dosisabhängig) eine Freisetzung des Neurotransmitters Dopamin bewirkt, welcher für die „belohnende“ Wirkung des Alkohols verantwortlich ist.[16]

 

Keine andere psychotrope Substanz löst so vielfältige und dabei durchaus positive psychische Wirkungen hervor wie der Alkohol, was als schlüssige Erklärung seine seit Jahrtausenden anhaltende Beliebtheit dienen kann. So führt der Konsum von Alkohol zu einer gelösten und leicht euphorischen Stimmung, erhöht die Kontaktfreudigkeit, vertreibt Kummer und Sorgen, enthemmt, wirkt angstlösend und entspannend, schmerzlindernd und schlafanstoßend.[17]  Damit einhergehend finden sich auf der körperlichen Ebene eine mit der Dosis ansteigende Störung der Koordination, eine verminderte Konzentrationsfähigkeit sowie eine abnehmende Beherrschung komplexer Anforderungssituationen.

 

Bemerkenswert ist auch die durch den Alkohol ausgelöste Suggestibilität. Durch eine verminderte Selbstkritik kommt es zu dem Phänomen, dass der Konsument vom Alkohol zumeist das bekommt, was er von ihm erwartet. Dies kann, je nach Erwartungshaltung, eine anregende oder entspannende Wirkung sein.[18] Dieser Effekt macht den Alkoholkonsum so verführerisch für die Regulierung verschiedenster Befindlichkeiten und trägt damit zu seiner abhängigkeitserzeugenden Wirkung bei. 

 

1.2.1.3 Gefahren

 

Durch das oben beschriebene, breite Wirkungsspektrum von Alkohol, gepaart mit der nahezu unbegrenzten Verfügbarkeit ergibt sich ein beträchtliches Risiko für einen gesundheitsschädlichen Konsum. Alkohol erzeugt bei längerfristigem, hochdosiertem Gebrauch eine Abhängigkeit, die sich sowohl in psychischer als auch in körperlicher Hinsicht bemerkbar macht. Eine besondere Gefährdungssituation liegt vor, wenn der Betroffene regelmäßig Alkohol konsumiert, um den Anforderungen des Alltages mit seinen  Anspannungen und Konflikten besser gewachsen zu sein. Ist dies der Fall, so lässt sich laut der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen von Missbrauch sprechen, worunter ein Konsum zu verstehen ist, der zu Schäden im psychischen, körperlichen und sozialen Bereich führt.[19]

 

Der Übergang  von Missbrauch zur Abhängigkeit verläuft meist fließend und teilweise über einen langen Zeitraum. Diskutiert wird zudem, ob eine genetische Disposition dazu beiträgt, dass bestimmte Personen ein höheres Risiko aufweisen, eine Abhängigkeit zu entwickeln. Beim Vorliegen bzw. dem Voranschreiten einer Abhängigkeit setzt sich häufig eine Abwärtsspirale in Gang, die es dem Betroffenen nahezu unmöglich macht, den Teufelskreis, in dem er sich befindet, zu durchbrechen. Dabei entstehen häufig schwere körperliche Schäden, vorwiegend an Leber und Gehirn. Neben psychischen Problemen, wie Stimmungsschwankungen und Depressionen, können sich auch soziale Konflikte ergeben, wie etwa ein Zerbrechen der Partnerbeziehungen oder der Verlust des Arbeitsplatzes.[20]

 

Eine weitere Gefährdungssituation ergibt sich für Heranwachsende, die bereits in der Pubertät riskante Konsummuster aufweisen. Alkohol kann, insbesondere bei Jugendlichen, die unter Belastungen verschiedenster Art leiden, vermeintliche Scheinlösungen anbieten und damit die Auseinandersetzung mit anstehenden Entwicklungsaufgaben verhindern. Dies kann den Aufbau einer stabilen Persönlichkeit negativ beeinflussen. Dazu kommt eine erhöhte organische Anfälligkeit von Jugendlichen für die schädlichen körperlichen Wirkungen des Alkohols, insbesondere auf das Gehirn. Generell gilt, dass die Gefahr einer späteren Abhängigkeit steigt, je jünger die Jugendlichen sind, die einen problematischen Konsum aufweisen. Schätzungen belaufen sich auf 160.000 deutsche Kinder und Jugendliche, die alkoholabhängig bzw. stark alkoholgefährdet sind.[21]

 

1.2.2 Tabak

 

1.2.2.1 Allgemeines

 

Tabak ist ein Nachtschattengewächs, welches von den Indianern Südamerikas schon vor Jahrhunderten in rituellen Zeremonien geraucht wurde. Heutzutage existieren verschiedene Formen der Tabakverarbeitung. Neben der dominierenden Zigarette, welche von über 90% der Tabakkonsumenten bevorzugt wird, gibt es Tabak in Form von Zigarren, Pfeifentabak, Schnupftabak und Kautabak. In allen Fällen enthält Tabak mehr als 4.000 Inhaltsstoffe, wobei dem Alkaloid Nikotin die eigentliche akute Wirkung beim Rauchen sowie der abhängig machende Effekt zukommt. Tabakrauch enthält zahlreiche Schadstoffe, darunter über 40 krebserregende Substanzen, die auch durch den Nebenstromrauch abgegeben werden und somit über das Passivrauchen auch Nicht-Konsumenten schädigen.[22]

 

Nach Angaben des Epidemiologischen Suchtsurvey 2003 beträgt der Anteil der rauchenden Bevölkerung in Deutschland 37% der erwachsenen Männer und 31% der erwachsenen Frauen. Eine Studie der WHO im Jahr 2004 unter Leitung der Universität Bielefeld konnte feststellen, dass deutsche Jugendliche beim Rauchen den Spitzenplatz in Europa einnehmen. Von 5.600 befragten 15-Jährigen Jugendlichen gaben 25% der Jungen und 27% der Mädchen an, täglich Zigaretten zu konsumieren. Nach Ergebnissen der HSBC-Studie von 2002 beträgt das durchschnittliche Einstiegsalter 12,5 Jahre. Weiterhin fand man heraus, dass die befragten 15-Jährigen Jugendlichen umso regelmäßiger rauchten, je früher sie mit dem Konsum begonnen hatten. Ein zusätzliches interessantes Ergebnis der HSBC-Studie ist die Tatsache, dass es insbesondere bei Mädchen ab 15 Jahren einen Trend zu einem vermehrten, regelmäßigen Tabakkonsum gibt.[23]

 

1.2.2.2 Wirkung

 

Nikotin hat die gefährliche, suggestible Eigenschaft, sowohl anregend als auch beruhigend zu wirken, je nach Erwartungshaltung und momentaner Stimmungslage des Konsumenten. Ein an das Nikotin gewöhnter Raucher erfährt durch das Inhalieren des Rauches eine Verbesserung der Aufmerksamkeits- und Gedächtnisleistung, eine erhöhte Stresstoleranz sowie verringerte Erregung und Aggression.[24]

 

Beim Rauchen gelangt das Nikotin bereits nach sieben Sekunden ins Gehirn, wo es vor allem zwei Effekte bewirkt. Zum einen dockt es, aufgrund seiner chemischen Ähnlichkeit zum Acetylcholin, einem wichtigen Neurotransmitter, auf dessen Rezeptoren an, wodurch es zur Aktivierung bestimmter Hormone und Botenstoffe kommt. Zum anderen hat Nikotin auch Einfluss auf das Dopaminsystem des Gehirns. Es bewirkt die Ausschüttung von Dopamin und löst somit einen Belohnungseffekt aus. Je nach Intensität des Konsummusters hält die Wirkung des Nikotins zwischen 30 und 120 Minuten an. Danach kommt es zu Entzugserscheinungen, welche dazu führen, dass der Raucher den immer stärker werdenden Drang entwickelt, eine weitere Zigarette zu rauchen.[25]

 

1.2.2.3 Gefahren

 

Tabakkonsum birgt vor allem zwei Gefahren. Dies ist zum einen die extreme hohe suchterzeugende Wirkung des Nikotins, welche mit Kokain und Amphetamin vergleichbar ist, und sich sowohl psychisch als auch körperlich auswirkt. Typische Entzugserscheinungen sind eine verminderte Frustrationstoleranz, depressive Verstimmungen, Unruhe, Konzentrationsstörungen und Schlafstörungen.[26] Noch weitaus dramatischer erscheinen die körperlichen Folgeschäden, die durch die zahlreichen Schadstoffe im Tabakrauch ausgelöst werden. Allen voran ist hier die Beeinträchtigung des Herz-Kreislaufsystems als Folge von Durchblutungsstörungen und eine erhöhte Thrombosegefahr zu nennen. Ebenso gefährlich sind die Auswirkungen auf die oberen und unteren Atmungsorgane. Lungenkrebs und chronische Bronchitis sind hier nur die schlimmsten zu nennenden Krankheiten, die durch das Rauchen in hohem Maße gefördert werden. Über 90% der Lungenkarzinome bei Menschen über 35 Jahren sind auf das Rauchen zurückzuführen. Darüber hinaus hat das Rauchen aber auch karzinogene Effekte auf andere Organe (Mund, Rachen), sodass mehr als 40% aller Krebstodesfälle eine Folge des Rauchens darstellen.[27] Ein 50jähriger Raucher hat, wenn er vor dem 15 Lebensjahr mit dem Rauchen begonnen hat, ein statistisch um 200% erhöhtes Risiko, an den Folgen seines Konsums zu sterben. Hat er zwischen 15 und 19 Jahren mit dem Rauchen begonnen, beträgt dieses Risiko immerhin noch 150%. Selbst wenn jugendliche Raucher ihr Laster nach einigen Jahren wieder aufgeben, tragen sie lebenslang ein um 30% erhöhtes Risiko, an den Folgen ihres früheren Tabakkonsums zu erkranken.[28]

 

1.2.3 Cannabis

 

1.2.3.1 Allgemeines

 

Die Cannabispflanze ist ein der Menschheit seit Jahrtausenden bekanntes Gewächs. Neben der Verwendung als Nutzpflanze spielt auch die pharmakologische Wirkung des Cannabis bereits seit über 5000 Jahren eine Rolle in menschlichen Gesellschaften.[29] Die Zahl der aktuellen Cannabiskonsumenten in Deutschland liegt bei etwa 4 bis 5 Millionen, was knapp 7  Prozent der Gesamtbevölkerung entspricht. Als eindeutiger Trend lässt sich seit den 1990er Jahren eine wachsende Beliebtheit von Cannabis bei Jugendlichen feststellen. Das durchschnittliche Alter für den Erstkonsum beträgt in Deutschland 16,4 Jahre.[30] Folgende Darstellung gibt die Lebenszeitprävalenz laut einer Studie der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen wieder:

 

 

Abbildung 1:  Cannabiserfahrung bei 18- bis 24 Jähringen[31]

 

Die Drogenaffinitätsstudie der BZgA aus dem Jahr 2004 fand heraus, dass 31% der 12- bis 25-Jährigen schon einmal Cannabis probiert haben, 3% gaben einen regelmäßigen Cannabiskonsum an. Eine HSBSC (Health Behaviour in School-aged Children)-Studie fand bei Schülern der 9. Jahrgangsstufe eine Lebenszeitprävalenz von 23,9%. Für die 12-Monatsprävalenz fand sich ein Wert von 18,3%. Dabei hatten signifikant mehr Jungen (22,1%) als Mädchen (14,9%) im den letzten 12 Monaten Cannabis konsumiert.[32]

 

Für die Verwendung als Rauschdroge dominieren vor allem Verarbeitungsformen der stärksten Variation der Cannabispflanze (Cannabis sativa). Dies ist zum einen Marihuana, worunter die getrockneten Blütenstände der weiblichen Pflanzen zu verstehen sind. Zum anderen wird Cannabis in Form von Haschisch konsumiert, dem konzentrierteren, in Plattenform gepressten Harz. Daneben existiert noch das extrem hoch konzentrierte Haschischöl, welches allerdings in Deutschland kaum eine Rolle spielt.[33] In allen Fällen ist der Wirkstoff Tetrahydrocannabinol (THC) für die psychoaktive Wirkung verantwortlich. Er variiert je nach Form und Qualität der Cannabisprodukte:

 

- bei Marihuana: 1- 15% THC

 

- bei Haschisch: 5- 15% THC

 

- bei Haschischöl: 12- 60% THC[34]

 

Der überwiegende Teil des heute in Deutschland konsumierten Cannabis kommt aus den Niederlanden, wo eine deutlich weniger restriktive Politik den Erwerb und Konsum kleiner Mengen toleriert.[35] In Deutschland unterliegt Cannabis dem Betäubungsmittelgesetz (BTMG) und wird als „nicht verkehrsfähig“ eingestuft. Erwerb und Besitz von Cannabis gelten als strafbar. Allerdings ist es den jeweiligen Staatsanwaltschaften möglich, beim Vorliegen einer geringen und für den Eigengebrauch bestimmten Menge von einer Verfolgung abzusehen und das Verfahren gegen den Delinquenten einzustellen.[36] Der Straßenpreis für ein Gramm Haschisch bzw. Marihuana (ausreichend für ca. fünf Konsumportionen) liegt zwischen drei und zehn Euro. Er liegt in Städten meist im unteren Bereich, während in ländlichen Gebieten ein tendenziell höherer Preis dominiert. Des Weiteren hat die Qualität des Cannabis einen entscheidenden Einfluss auf die Höhe des Preises.

 

Marihuana und Haschisch lassen sich generell auf  orale sowie auf inhalative Weise konsumieren, wobei das Inhalieren des Rauches eine weitaus bedeutendere Rolle spielt. So wird Cannabis bevorzugt in sog. Joints geraucht. Darunter sind selbstgedrehte Cannabiszigaretten zu verstehen, die aus einem Tabak-Cannabis-Mix bestehen. Ebenfalls weit verbreitet ist das Rauchen von Cannabis in speziellen Wasserpfeifen aus Glas oder Kunststoff („Bong“), welche  in Deutschland legal in sog. Headshops zu erwerben sind. Durch das Rauchen in der Wasserpfeife wird eine deutlich intensivere Wirkung als beim Rauchen von Joints erzielt, weshalb diese Variante insbesondere von Konsumenten mit härteren Konsummustern bevorzugt wird. Cannabis wird gelegentlich auch oral konsumiert, wobei es meist in Plätzchen oder Kuchen verbacken wird. Darüber hinaus lässt es sich auch in Kakao oder Tee untermischen. Generell ist die orale Konsumform aber eher selten. Dies ist auf den höheren Aufwand gegenüber dem Rauchen sowie die schlechtere Wirkstoffausbeute zurückzuführen.

 

1.2.3.2 Wirkung

 

Cannabis wirkt auf verschiedene wichtige Bereiche des Gehirns und führt zu einer vermehrten Ausschüttung des Neurotransmitters Serotonin.[37] Generell ist die Wirkung von Cannabis durchaus unvorhersehbar, was gerade bei unerfahrenen Konsumenten zu negativen Rauscherlebnissen führen kann. Set und Setting  sowie in besonderem Maße die Höhe der Dosis haben großen Einfluss auf das Erleben des Rausches.

 

Als typische psychische Auswirkungen sind Heiterkeit, Entspannung und Ausgeglichenheit zu nennen. Ebenso eine Intensivierung von Sinneswahrnehmungen sowie eine Veränderung des Zeitempfindens und eine vorübergehende Störung des logischen Denkens. Bei ungünstigen Rahmenbedingungen (Set und Setting) sowie einer Überdosierung kann es auch zu Gefühlen von Angst und Panik kommen. In schweren Fällen kann dies bis zu einer Verselbstständigung der Gedanken führen und alptraumhafte Panikzustände verursachen.[38] Auf körperlicher Ebene bewirkt Cannabis vor allem eine Erhöhung der Pulsfrequenz, Mundtrockenheit, Zunahme von Appetit sowie eine Rötung der Augen.[39]

 

1.2.3.3 Gefahren

 

Cannabis kann bei regelmäßigen bzw. Dauerkonsum eine psychische Abhängigkeit erzeugen. Darunter sind Symptome wie ein innerer Zwang zum Konsum und ein Kontrollverlust über Beginn und Fortsetzung des Konsums zu verstehen.[40] Bei längeren und starken Konsummustern ist bei manchen Konsumenten eine gewisse Rückzugstendenz zu beobachten, welche sich in einer mehr oder weniger stark ausgeprägten Gleichgültigkeit gegenüber dem gewohnten Alltag mit seinen Anforderungen und Pflichten äußert. Die betroffenen Konsumenten neigen zu depressiven Verstimmungen sowie Antriebs- und Lustlosigkeit und flüchten zunehmend in den Konsum, um jeglichem „Stress“ zu entgehen.[41] Diese negativen Wirkungen sind jedoch stark von der Persönlichkeit des Konsumenten abhängig und können nicht verallgemeinert werden. Das in der Vergangenheit häufig diskutierte „Amotivationale Syndrom“, welches dem Cannabis die Alleinschuld für den Antriebsverlust und das Desinteresse der Dauerkonsumenten zuschieben wollte, scheint durch diverse neuere Studien zumindest teilweise widerlegt.[42] Ebenso strittig ist  die These des „flashback“-Phänomens, worunter ein plötzliches und unvorhersehbares Wiederauftreten der Cannabis-Wirkung noch mehrere Tage nach dem letzten Konsum verstanden wird.

 

Eine körperliche Abhängigkeit erzeugt Cannabis in sehr begrenztem Umfang. Nach längerem Dauerkonsum können bei Absetzen der Droge Symptome wie übermäßiges Schwitzen, Unruhe und Schlafstörungen auftreten, die unter Umständen bis zu mehreren Wochen anhalten.

 

Die Frage, ob Cannabis eine Einstiegsdroge sei, wird seit vielen Jahren diskutiert. Auch hier scheinen neuere Untersuchungen zu widerlegen, dass Cannabis alleine für den Umstieg auf härtere Drogen verantwortlich ist („Schrittmacherfunktion“). Nur ein kleiner Bruchteil der Jugendlichen, die mit Cannabis experimentieren, steigt auf härtere Substanzen um, während die große Mehrheit den Konsum früher oder später wieder einstellt. Die eigentlichen Einstiegsdrogen werden demnach vermehrt im Bereich der legalen Drogen (Alkohol, Zigaretten, Medikamente) gesehen.[43] Unstrittig ist jedoch die Tatsache, dass gerade durch die Illegalisierung von Cannabis der Zugang der Konsumenten zu anderen Drogen (Ecstasy, Amphetamine etc.) über die „Dealer“, welche eben nicht nur Cannabis im Angebot haben, gefördert wird.

 

1.2.4 Amphetamine

 

1.2.4.1 Allgemeines