SWORD 7: Aus der Asche - Martin Kay - E-Book
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SWORD 7: Aus der Asche E-Book

Martin Kay

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Beschreibung

Willkommen bei SWORD, den Strategic Worldwide Operations for Reconnaissance and Defense. Gegründet von der Präsidentin der Vereinigten Staaten, finanziert durch anonyme, private Geldgeber und verdeckt operierend, sollte SWORD ursprünglich den unkontrollierten Einsatz privater paramilitärischer Söldnergruppen durch die nationalen Nachrichtendienste eindämmen. Der Aufgabenbereich änderte sich, nachdem verschollen geglaubte fundamentalistische Organisationen wie Gaia's Dawn, deren neuer Ableger New Dawn und die ominöse Gruppe Acheron aus der Versenkung hervortraten. SWORDs Prioritätsziel liegt nun darin High-Tech von Übermorgen entweder zu sichern oder zu zerstören, damit sie nicht in die falschen Hände gerät. Der Blackout ist abgewendet. Langsam erholt sich die Erde von dem totalen Ausfall und die Ordnung kann wiederhergestellt werden. Ein Monat ist seit den Ereignissen in der virtuellen Welt Acherons vergangen. Bozena, Hutchinson und Ava sind noch immer dort gefangen. Guide beschließt, die SWORD-Basis nach Grönland zu verlegen. Doch damit verliert sie zwei Teammitglieder, die aus privaten Gründen nicht mitgehen wollen. Während sich die TIBERIUS auf den Weg macht, beschäftigt man sich in der alten Basis mit letzten Aufräumarbeiten – als sie gleich zweifach angegriffen wird. Eine paramilitärische Söldnereinheit fällt just in dem Moment in New Philadelphia ein, als auch Gaia's Dawn den Stützpunkt gefunden und zur Zielscheibe gemacht hat. Der Funk ist gestört. Hilfe kann nicht nicht gerufen werden. Guide, Tony McCann und Iggy Fowler stehen allein zwischen den Zivilisten New Philadelphias und zwei Armeen, die keine diplomatischen Lösungen kennen.

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Inhalt

Einführung Nachrichtendienstliches Update-Briefing, Weißes Haus

Prolog Guidelines

Kapitel 1 Die Belagerung

Kapitel 2 Böse Mädchen kommen überallhin

Kapitel 3 Girls Night out

Kapitel 4 Die Kavallerie

Epilog Caipirinha und Mojito

Glossar

Weitere Atlantis-Titel

Martin Kay

Aus der Asche

Eine Veröffentlichung des Atlantis-Verlages, Stolberg Juli 2022 Druck: Schaltungsdienst Lange, Berlin Titelbild: Anna Spies Lektorat und Satz: André Piotrowski ISBN der E-Book-Ausgabe (EPUB): 978-3-86402-832-8 Besuchen Sie uns im Internet:www.atlantis-verlag.de

I rise from the ashes With pins and patches We carry on I rise from the ashes I heal from your passion My doubts are gone

Arms of Gold (Tape Machinery feat. Mia Pfirrman)

Einführung Nachrichtendienstliches Update-Briefing, Weißes Haus

Ladys und Gentlemen,

ich fasse mich kurz. Mein Name ist Dianne Eleanor Collier. Sie können mich Guide nennen, denn genau das bin ich für mein Team. Ich arbeite für die Präsidentin der Vereinigten Staaten von Amerika in der von ihr gegründeten Organisation SWORD, den Strategic Worldwide Operations for Reconnaissance & Defense. Unser ursprüngliches Ziel war, die Wahrheit, die von den Nachrichtendiensten gerne verschwiegen wird, ans Licht zu bringen. Wir sind die Antwort des Weißen Hauses auf alle verdeckten Operationen, privaten Sicherheitsfirmen, paramilitärischen Gruppen und Hitmen, die von den US-Nachrichtendiensten für die Schmutzarbeit engagiert werden. Wir sind das Schwert Amerikas.

Allerdings operieren auch wir unter dem Deckmantel der Verschwiegenheit. Wir werden von Investoren, die gerne anonym bleiben wollen, finanziert. Für den Fall, dass wir kompromittiert werden, wird das Weiße Haus jede Kenntnis über unsere Existenz leugnen. Wir tragen keine Dienstmarken, mit denen wir Recht und Ordnung durchsetzen könnten. Vielmehr sind wir auf uns allein gestellt. Aber wir haben Kontakte im Pentagon, die uns unterstützen.

Unsere heutige primäre Aufgabe besteht in der Beschaffung von Spitzentechnologien, die in der freien Wirtschaft erst in zehn oder zwanzig Jahren existieren. Der richtig krasse Hightech-Kram. Sollten wir diesen nicht sicherstellen können, lautet unser Auftrag, ihn zu zerstören, damit er nicht in die falschen Hände gelangen kann. Die technologischen Hinterlassenschaften basieren auf den Forschungen und Entwicklungen zweier untergegangener Hochkulturen, die sich Antaradim und Pax Kellum nannten, deren Geheimnisbewahrern, dem mittlerweile ausgelöschten Verbund der Generäle sowie einem Technologieunternehmen namens Gaia’s Dawn, das sich nach seinem Fall vor einigen Jahren langsam erholt und mächtiger als je zuvor geworden ist.

Unsere Gegner sind eine dubiose Einrichtung namens Acheron, eine Neugründung von Gaia’s Dawn unter dem Namen New Dawn und eine bisher unbekannte Macht, die aus den Schatten operiert.

In den letzten Jahren hat Acheron ein Schwarmnetz aus Tausenden von Mikrosatelliten in den Orbit gebracht, um durch eine elektromagnetische Schockwelle die Menschheit in die Steinzeit zurückzubomben. Parallel dazu entwickelte man auf Grundlage des Quellcodes der Hackerin Sentinel eine virtuelle Welt, in der ausgewählte und privilegierte Menschen mit der Aussicht auf potenzielle Unsterblichkeit überleben sollen. Acheron hat zu diesem Zweck mithilfe der Technologie der Pax Kellum eine gewaltige Serverfarm auf dem Mond errichtet und transferiert das Bewusstsein der Privilegierten in eine täuschend echte Computersimulation. Ihr Endziel besteht darin, die biologischen Körper der Menschen komplett von ihrem Bewusstsein abzunabeln und die Maschinen auf unbestimmte Zeit autonom weiterlaufen zu lassen.

Wir konnten das Schwarmnetz ausschalten und die Erde ist vorerst vor dem totalen Blackout gerettet. Allerdings mussten wir Opfer bringen. Daniel Keller, Bozena Stylez und unsere künstliche Intelligenz Ava sind seit Monaten in der virtuellen Welt verschollen. Ihre Körper und Avas physischen Avatar haben wir in unserer Basis unter medizinischer Beobachtung geborgen. Parallel dazu hat der Commander für Feldeinsätze, Captain Ignatius Fowler, seinen Dienst bei SWORD quittiert. Anlass war nicht nur seine schwere Verletzung, die er sich bei der letzten Mission zugezogen hat, sondern auch meine Ankündigung, die Basis von New Philadelphia nach Grönland zu verlegen. Fowler ist für SWORD extra mit seiner Familie nach New Philadelphia gezogen. Aber er wird uns dienstlich insofern erhalten bleiben, als er sich für den Sicherheitsdienst von NITronics gemeldet hat.

Acheron scheint momentan auf dem Mond keine Gefahr für die Welt darzustellen, dennoch ist die Präsidentin daran interessiert, Michael Chamberlain, den Kopf hinter der Organisation, zu fassen zu bekommen. Er muss für das, was er angerichtet hat, zur Rechenschaft gezogen werden. Momentan arbeiten die NASA und die Air Force an Möglichkeiten, die Mondbasis zu attackieren, ohne Tausende von unschuldigen Menschen in ihren Stasiskammern zu gefährden. Mein Ziel dagegen ist es, mit unserem ausgedünnten Team eine Möglichkeit zu finden, Keller, Stylez und Ava aus der Virtualität in die Realität zurückzuholen, unsere neue Basis auszubauen und für das zu wappnen, was immer Gaia’s Dawn für die Welt plant. Denn dass von deren Seite aus etwas kommen wird, ist so sicher wie das Amen in der Kirche.

So weit mein Update. Irgendwelche Fragen? Nicht? Gut, denn ich habe zu tun.

Prolog Guidelines

Vor zehn Jahren 07. November, 10:23 Uhr Das Vorzimmer, Atlanta, Georgia, USA

Die spitzen Schreie hinter der Tür nahmen langsam, aber sicher einen anderen Ton an. Aus Lust und Leidenschaft waren nun eindeutig Erschöpfung und Schmerz herauszuhören. Dann war ein Flehen zu vernehmen. Was immer im anderen Raum geschah, nahm eine unerwartete Wendung.

Dianne Collier blickte auf ihre Armbanduhr. Sie wartete bereits eine geschlagene Stunde auf ihren Termin, derweil sich ihr Boss nebenan mit einer Frau vergnügte. Sie sah hoch und begegnete dem Blick der blonden Frau auf der anderen Seite des Sekretariatstisches. Ihr Name war Gwendolyn Stylez, doch alle nannten Sie nur Mrs Stylez, auch wenn Dianne bezweifelte, dass sie überhaupt verheiratet war.

»Ich gehe gleich«, sagte sie, worauf Mrs Stylez den Kopf schüttelte.

»Auf keinen Fall!«

»Ich höre mir das nicht länger an.« Dianne nickte mit dem Kinn in Richtung Zwischentür zum Büro des Mannes, für den sie beide arbeiteten. »Mein Termin mit dem General war vor 62 Minuten. Ich hab weiß Gott was Besseres zu tun, als lustvollem Stöhnen zu lauschen.«

»Ich verstehe Sie ja, aber …«

»Nichts aber, hören Sie nicht, was da drinnen abgeht?«

Mrs Stylez senkte den Blick und sah bedrückt zu Boden. Das war für Dianne der Beweis, dass sie sehr wohl wusste, was jenseits der Tür im Büro des Generals geschah.

Die Schreie wandelten sich nun eindeutig zu Schmerzenslauten. Dazwischen waren vor Pein ausgestoßene Worte zu hören.

»Nein!«

»Bitte!«

»Nicht!«

»Aufhören!«

Dianne stand auf, woraufhin Mrs Stylez scharf einatmete.

»Tun Sie nichts, was Sie später bereuen werden, Dianne.«

Sie presste die Lippen aufeinander. Was, glaubte Stylez, würde sie tun? Gehen und den Termin mit dem General sausen lassen? Stattdessen wandte sich Dianne zur Tür des Büros.

»Sie … Sie können ja draußen im Flur warten und ich rufe Sie, wenn er so weit ist«, bot Mrs Stylez an.

Diannes Kopf ruckte herum und sie spießte die blonde Assistentin förmlich mit ihrem Blick auf. Sie streckte eine Hand aus und deutete auf das Büro des Generals. »Er fickt sie da drinnen zu Tode!«

Stylez sagte nichts.

Als ein lang gezogener Schmerzensschrei aus dem Büro ertönte, verlor Dianne die Geduld und Kontrolle. Sie stieß die Verbindungstür auf und stürmte in das Allerheiligste ihres Bosses. Sie hatte geglaubt, auf alles gefasst zu sein, doch was sich in dem Raum abspielte, spottete jeder Beschreibung. Die Frau, die seit mindestens einer halben Stunde gequält wurde, lag vornübergebeugt auf dem Schreibtisch, während ein vor Schweiß überströmter, feister Glatzkopf von hinten in sie stieß. Immer und immer wieder. Aus seinem Mund rann Speichel. Die Augen glänzten irre. Er war nicht Herr seiner Sinne, sondern bearbeitete die Frau wie ein Berserker.

Das Opfer rührte sich nicht mehr. Ihr Körper war erschlafft. Der Kopf lag seitlich auf dem Schreibtisch.

Dianne gab sich einen Ruck und überwand Abscheu und Ekel vor der Szene. Sie stürzte auf den Tisch zu, sah sich nach etwas um, mit dem sie dem Treiben ein Ende bereiten konnte, und erblickte den Taser auf der Tischplatte neben einigen Ausdrucken und einer Unterschriftenmappe. Entschlossen griff sie nach ihm und umrundete den Tisch, während der bullige Kerl nicht aufhörte, tief und fest in die mittlerweile besinnungslose Frau zu stoßen. Er schien Dianne nicht einmal wahrzunehmen, geschweige denn überhaupt irgendetwas um sich herum zu registrieren.

Dianne setzte das Elektroschockgerät an und drückte den Auslöser. Ein Funkenbogen entstand zwischen den beiden Metallkontakten, als sie auf die nackte Haut am Hals des Generals trafen. Der Schock saß sofort. Zuckend und schreiend löste sich der Mann von der Frau, taumelte zurück und fiel in den riesigen, gepolsterten Ledersessel.

Die Frau, nun nicht mehr an den Hüften festgehalten, rutschte vom Tisch. Dianne ließ den Taser fallen und fing sie auf, ehe sie auf dem Boden aufschlagen konnte. Genau wie der General war auch sie nicht vollständig nackt. Während er sein Hemd und Krawatte trug und lediglich die Hosen runtergelassen hatte, die ihm noch in den Kniekehlen hingen, hatte er der Frau nur den Stiftrock hoch- und ihren Slip beiseitegeschoben, um in sie einzudringen. Sie trug eine militärische Uniform mit den Rangabzeichen eines Lieutenants der US Army.

Dianne schleifte sie zu der Couch auf der Seite des Raumes, legte sie dort ab und fühlte ihren Puls. Er war schwach, aber sie lebte noch.

»Rufen Sie einen Krankenwagen!«, sagte Dianne zu Mrs Stylez, die gerade in der Tür erschien und mit geweiteten Augen die Szenerie betrachtete. Sie nickte kurz und verschwand wieder im Vorzimmer.

Dianne drehte sich zu dem Mann im Sessel um. Sein Glied war noch immer erigiert und massiv. Er atmete schwer und japste nach Luft. Dazwischen stieß er keuchend ein Wort aus.

»D-danke …«

»Der Rettungsdienst ist unterwegs«, sagte Mrs Stylez atemlos vom Türrahmen aus. »Sir?«

Der General hing schlaff in seinem Sessel und rang noch immer nach Luft. Seine Stirn glänzte vor Schweiß. Dianne kam nicht umhin, ihren Blick erneut zu seinen Genitalien zu senken. Nicht dass sie es im Moment nötig hätte, denn ihr Sexualleben erlebte derzeit einen Aufschwung. Vor drei Jahren, als sie die magische Dreißig überschritt, hatte sie bezweifelt, je den Richtigen zu finden, doch inzwischen hatte sich ihre Einstellung grundlegend geändert. Ein Jahr lang war sie durch sämtliche Bars in der jeweiligen Stadt, in die sie der General schickte, getingelt und hatte Kerle abgeschleppt. Und Frauen. Manchmal beide.

Dann hatte sie Peter kennengelernt. Peter Holloway. Britischer Nachrichtendienst. Natürlich hatte er es nie zugegeben, offiziell arbeitete er für die britische Botschaft in Atlanta, doch sie war rasch dahintergestiegen, was seine wirklichen Aufgaben waren. Military Intelligence, Section Six. Er war auf Abruf in Atlanta stationiert, falls die Briten einmal eine rasche Lösung brauchten, jemand Unliebsamen aus dem Weg zu räumen. Oder falls sie einen Verbindungsmann einsetzen mussten, um mit dem amerikanischen FBI oder dem Department of Homeland Security zu kommunizieren.

Peter wusste nicht, für wen Dianne arbeitete. Zumindest nicht, wer ihr wahrer Boss war. Für ihn war sie Kommunikationsunteroffizierin im Stab eines Pentagon-Generals, der in der Außenstelle Atlanta tätig war. Mehr musste er auch nicht erfahren. Liebesleben war ein dehnbarer Begriff, doch Dianne beschränkte ihn eher auf ihre sexuellen Aktivitäten. Dass sich daraus etwas Ernstes und Langfristiges entwickeln würde, bezweifelte sie. Nicht unter Geheimdienstlern.

Dianne löste sich vom Anblick des noch immer steifen Gliedes des Generals und sah ihn an. Er bemerkte ihren Blick, war aber offenbar noch zu geschwächt, um zu protestieren oder gar sich die Hose über die Beine zu ziehen. Dianne dachte nicht im Traum daran, ihm dabei behilflich zu sein.

»Es … tut mir leid, dass Sie das mitansehen mussten«, sagte er.

»Und es tut mir leid, dass ich zu solchen unorthodoxen Methoden greifen musste. Wenn Sie mich jetzt feuern wollen, dann weiß ich, wo die Tür ist.«

Die flapsige Antwort schmeichelte dem General und er fand die Kraft für ein feines Lächeln. »Geben Sie mir eine Minute.«

»Jetzt hab ich schon lange genug gewartet, ich denke, diese Minute ist noch drin.«

Von der Tür her hörte Dianne, wie Mrs Stylez scharf die Luft einsog. Zweifelsohne trauten sich nicht viele Menschen, denen sie begegnet war, so mit dem General zu reden. Nun, Dianne war nicht wie die anderen. Sie kannte ihren Wert und ihren Nutzen für den General. Und bisher hatte sie ihn noch nie enttäuscht.

Sie zog sich zurück und wartete erneut draußen. In der Zwischenzeit kamen zwei Sanitäter mit einer Trage, die den weiblichen Lieutenant verarzteten und dann abtransportierten. Zwei Minuten später rief der General Dianne in sein Büro.

Der Geruch nach Sex und Schweiß lag noch in der Luft, obwohl er das Fenster geöffnet hatte und die Klimaanlage lief. Dianne wollte sich gar nicht vorstellen, wie die Sache abgelaufen war. Sie wusste um die Schwäche des Generals und seinen genetischen Defekt. Der Mann konnte keine Kinder zeugen, da seine Hoden keine Spermien produzierten. Doch einmal erregt, gab es für ihn keine Möglichkeit, den Höhepunkt zu erreichen. Er würde in rasender Ekstase sich selbst bis zur Besinnungslosigkeit oder den Partner zu Tode vögeln. Letzteres wäre heute beinahe geschehen, wenn Dianne nicht wortwörtlich dazwischengefunkt hätte.

Der General saß in seinem Sessel, als wäre nichts passiert. Er paffte an einer dicken Zigarre, bot Dianne eine ebensolche und einen Platz an. Sie setzte sich, verzichtete jedoch auf den Stumpen. Er verlor kein Wort mehr über den Vorgang, sondern kam ohne Umschweife zu der Sache, für die er sie herbestellt hatte.

»Ich brauche Ihre Ghost Card, Dianne.«

Sie zuckte innerlich zusammen. Nicht dass sie sich in die Kategorie Diamonds are the girl’s best friends einordnete, aber eine unlimitierte Kreditkarte verschaffte einem gewisse Vorzüge und Extravaganzen, die sie nicht mehr entbehren wollte.

»Sir?«, fragte sie widerstrebend.

»Ja, ich weiß, dass Ihnen das nicht passt, aber erinnern Sie sich an meine Worte vor zwei Jahren?«

»Gewöhnen Sie sich nicht allzu sehr daran«, zitierte sie ihn. Ja, das hatte er damals tatsächlich gesagt. Aber wie verdammt noch mal sollte man sich nicht daran gewöhnen, über alle finanziellen Mittel dieser Welt zu verfügen? Geld allein mochte nicht glücklich machen, aber es war eine gute Basis für das Glück.

»Genau.« Der General stieß einen Rauchkringel aus. »Natürlich ändert das nichts an Ihren regulären Bezügen, Dianne. Im Gegenteil, ich bin bereit, diese großzügig aufzustocken. Aber die Ghost Cards sind streng limitiert. Es gibt weltweit nur eine Handvoll davon und wir brauchen Ihre jetzt für jemand anderen.«

Dianne schluckte. Ade grenzenloser Reichtum! Nicht dass sie es je ausgekostet oder ausgenutzt hätte. In ihrer Garage standen keine zwölf Hypercars, die Jacht parkte nicht an der Côte d’Azur und keine Embraer wartete auf sie auf ihrem persönlichen Flugfeld. Sie hatte nicht einmal eine Garage. Vielleicht hätte sie in den letzten beiden Jahren einfach unermessliche Reichtümer anhäufen sollen, um sich auf den Tag heute vorzubereiten, aber sie hatte sich seinerzeit geschworen, es niemals zu übertreiben.

Dianne griff in ihre Jackentasche und zog das Scheckkartenheft hervor. Die Ghost Card befand sich im letzten Fach. Sie hatte die übliche Größe einer Kreditkarte, war jedoch pechschwarz. Selbst der Magnetstreifen war nicht zu sehen. Sie war auf Diannes biometrische Daten programmiert und aktiviert worden und imitierte jede bekannte Kreditkarte, die sie zum Zahlen benötigte. Ob American Express, Mastercard, Visa, Diners oder Barclay: Buchungen konnten nicht zurückverfolgt werden. Woher das Geld stammte, das mit dieser Karte bezahlt wurde, wusste Dianne nicht, konnte sich aber vorstellen, dass es aus pechschwarzen Töpfen stammte, von denen nicht einmal Verschwörungstheoretiker ahnten, dass sie existierten.

»Darf ich wenigstens erfahren, für wen Sie sie benötigen?«

Sie zögerte, dann schob sie die Karte über den Schreibtisch auf den General zu. Dieser ließ sie liegen, wo sie war, drückte den Zigarrenstummel in einem Ascher aus und langte nach einem iPad, das neben ihm auf dem Tisch lag. Er entsperrte es mit seinem Code und schob es ihr im Gegenzug über die Tischplatte.

Dianne griff nach dem Tablet und sah darauf ein militärisches Dossier. Das Foto zeigte eine hübsche Frau mit schulterlangem, rötlich-braun schimmerndem Haar. Ein Blick auf das Geburtsdatum verriet Dianne, dass sie zwei Jahre jünger als sie selbst war. Sie warf einen Blick auf den Namen.

Major Eileen Dorothy Hannigan.

Aktuell war sie für die Homeland Security tätig. Ihr vorheriger militärischer Werdegang nach der Highschool war beachtlich. Sanitätsausbildung bei der Navy, Offiziersschule, danach Sanitätsoffizierin bei den SEALs. Sie hatte Pilotenscheine für Hubschrauber und leichte Jets und war mit dem Navy Cross für Einsätze in Bagdad ausgezeichnet worden. Anschließend beantragte sie Versetzung zu einer Ausbildungseinheit des United States Marine Corps. Vor zwei Jahren hatte sie dort den Dienst quittiert und war als Field Agent bei der National Security Agency eingesetzt worden. Anschließend bat sie um Versetzung zur FEMA, der Federal Emergency Management Agency, einer Unterabteilung der Homeland Security.

»Ist sie wichtig?«, fragte Dianne.

»Immens wichtig.«

Dianne sah zu ihm hoch und runzelte die Stirn.

»Misty Hazard, Dianne.«

Sie bekam eine Gänsehaut. »Sie ist ein Hazarder?«

Der General nickte. »Und sie wird uns helfen, Gaia’s Dawn zu besiegen. Ein für alle Mal.«

Die Gänsehaut steigerte sich zu einem Kribbeln, das sich über ihren ganzen Körper ausbreitete. Konnte es sein, dass endlich Licht am Horizont zu sehen war?

»Ich möchte, dass Sie alles vorbereiten, Dianne. In vier Tagen plane ich ein Treffen mit Miss Hannigan. Setzen Sie sich mit Mrs Stylez zusammen, arbeiten Sie an ein paar Legenden, organisieren Sie einen IDCC und aktivieren Sie einige unserer Safehouses und Depots weltweit. Ich will, dass Miss Hannigan bestens für den Kampf gegen Narwick und seine Truppe gewappnet ist.«

Dianne nickte. »Natürlich, Sir. Sie können sich auf mich verlassen.«

Gegenwart 08. September, 10:23 Uhr Der Sitch, ehemalige SWORD-Basis New Philadelphia, New Brunswick, Kanada

Die winkende Hand vor ihrem Gesichtsfeld brachte sie in die Gegenwart zurück. Guide blinzelte, sah zur Seite und blickte direkt in Tony McCanns Augen.

»Träumst du mit offenen Augen, Mädchen?«

»Entschuldige, ich war kurz abgelenkt.«

Sie stand mit in der Höhle und beobachtete, wie sich das Team abreisebereit machte. Sie hatten bereits alles, was ging, in den Frachtraum der Tiberius geladen: zwei Humvees, vier ATVs und zwei geländegängige Motorräder, dazu fast das ganze Waffenarsenal aus dem Magazin. Ein paar Gewehre und Pistolen ließen sie für die Miliz übrig, die New Philadelphia vor wem auch immer beschützen sollte. Genauso wenig wie McCann traute auch Guide nicht der Vereinbarung Präsidentin Gainsboroughs mit den Direktoren der amerikanischen Nachrichtendienste. Sie befürchteten, irgendwer könnte die erstbeste Gelegenheit ergreifen und hier einfallen, sobald sie irgendwie erfuhren, dass SWORD das Feld geräumt hatte.

Die anderen des Teams hatten sich auf der heruntergefahrenen Rampe des 2HDS versammelt: Cycle, Helms, Ruby und Dawn McCough. Das alte Team war arg dezimiert. Von den sieben operativen Mitgliedern fehlten drei, Ava nicht mit eingerechnet. Letztere war mit Granville Hutchinson und Bozena Stylez in der virtuellen Welt Acherons gefangen. Und Ignatius Fowler hatte um seine Suspendierung vom Team gebeten. Aus familiären Gründen wollte er nicht mit nach Grönland. Er hatte seine Frau erst vor wenigen Monaten dazu bewegen können, aus den Staaten nach Kanada zu siedeln. Nun hatten sowohl Donna als auch ihre Tochter Felisha Freunde in New Philadelphia gefunden. In der neuen SWORD-Basis in Grönland gab es keinen Platz für Familien. Sie war als reine Operationszentrale und paramilitärische Einrichtung konzipiert. Eine Besiedelung durch Zivilisten war nie vorgesehen. Guide konnte die Fowlers verstehen und akzeptierte das Ersuchen des Captains. Dafür versprach er, sich seiner neuen Aufgabe mit dem gleichen Herzblut zu widmen wie zuvor im Team. Er war nun Chef der örtlichen Miliz, eines privaten Sicherheitsdiensts, der den Sheriff New Philadelphias unterstützte und der von NITronics unterhalten und bezahlt wurde.

Die letzte Mission hatte Fowler überdies gezeigt, wie verletzlich jeder im Team war. Nur knapp war er durch eine Verletzung dem Tode entgangen. Ein Umstand, den er seiner Frau und Tochter zukünftig ersparen wollte.

»Kommt er nicht?«, fragte McCann verwundert.

»Wer? Iggy? Nein, er hat sich gestern schon auf der Party von den anderen verabschiedet. Von dir etwa nicht?«

»Doch, aber ich dachte, er lässt sich zumindest blicken.«

»Geht ihm vielleicht doch mehr an die Nieren, als er zugeben will.«

»Er ist ein guter Soldat«, sagte McCann und zog die Nase hoch.

»Ja«, pflichtete Guide ihm bei. »Das sind sie alle.«

»USS Tiberius ist bereit für den Abflug«, meldete Dawn von der Rampe. »Noch haben wir Plätze an Bord frei. Seid ihr sicher, dass ihr nicht mitkommen wollt?«

»Ihr fliegt voraus, entladet das Schiff und wir kommen bei nächster Gelegenheit nach.«

»Sie verschweigt uns was«, sagte Cycle.

»Wolltest du nicht aufhören, die Ladys vollzuquatschen?«, fragte Ruby.

Cycle nickte mit dem Kinn in Guides Richtung. »Sie ist keine Lady. Sie ist der Teufel.«

Guide lachte. »Tony und ich regeln noch die Übergabe des Standorts und klären ein paar Dinge ab. Diese Babys dort«, sie deutete auf die beiden Transporthubschrauber im Hangar, die sie, seit sich die Tiberius in ihrem Besitz befand, nicht mehr benötigt hatten, »werden von der Army abgeholt. Wir bleiben hier, bis alles geregelt ist.«

Ruby nickte. »In Ordnung. Wir bleiben in Kontakt. Mädels, das war’s in Kanada. Auf nach Grönland!«

»Zu der Zeit wird kein Licht sein, sondern Kälte und Frost«, sagte Helms und als die anderen sie alle fragend ansahen, ergänzte sie: »Sacharja, 14.6.«

Cycle stöhnte. Ruby schüttelte den Kopf. Dawn schmunzelte.

»Sie ändert sich nie«, raunte McCann an Guides Seite.

»Und das ist auch gut so.«

Sie beobachteten, wie die vier im Inneren der Tiberius verschwanden, sich die Rampe schloss, die Maschinen gestartet wurden und sich das 2HDS in die Luft erhob. Das ungewöhnliche Schiff flog durch die lange, höhlenartige Ausfahrt für die Fahrzeuge aus der unterirdischen Anlage hinaus an die Oberfläche. Als es aus dem Sichtfeld der beiden verschwunden war, drehte sich McCann zu Guide um.

»Warum hast du ihnen nichts gesagt?«

Sie schnalzte mit der Zunge. »Das hätte sie nur beunruhigt.«

»Wann kommt sie?«

»In zwei Stunden.« Guide sah auf die Uhr.

»Wer kommt?«

Guide zuckte genauso zusammen wie McCann, als sie die Stimme Fowlers hinter sich hörten. Sie drehte sich um und biss sich auf die Unterlippe.

»Hey! Du hast den Abflug gerade verpasst.«

Fowler verzog die Mundwinkel. »Mist! Ich wollte eigentlich gar nicht … na ja, sollte wohl nicht sein. Also, wen erwartet ihr zum Brunch?«

Guide wechselte einen raschen Blick mit McCann.

»Geht dich eigentlich nichts mehr an«, sagte sie, doch der Alte fiel ihr in den Rücken.

»Irina.«

Fowler hob die Brauen. »Irina? Verstehe, deswegen habt ihr das Team nicht eingeweiht. Und mich geht es nichts mehr an?«

»Du hast gekündigt.«

»Wenn ihr den Feind in mein Revier einladet, sollte ich das sehr wohl wissen, Dianne.«

»Irina ist nicht der Feind.«

»Das behauptest du schon seit geraumer Zeit. Doch wer weiß schon wirklich, was sie bei New Dawn macht?«

Guide seufzte. Genau um Diskussionen wie diese zu vermeiden, hatte sie weder das Team noch Fowler über den Kontakt mit Irina informiert. Zumindest war das Team schon abgereist.

»Hey, komm schon, das ist nicht fair.« Fowler legte den Kopf schief.