Verlag: Books on Demand Kategorie: Fantasy und Science-Fiction Sprache: Deutsch Ausgabejahr: 2017

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E-Book-Beschreibung Symantriet - C.I. Harriot

Fünf Könige stürzten einst den Tyrannen Chaver vom Thron und befreiten Symantriet von dessen grausamer Herrschaft. Sie teilten das Land, teilten die Macht und glaubten die Gefahr gebannt. Doch sie irrten sich ... Nach Jahren voll Frieden und Wohlstand keimen die dunklen Kräfte erneut und Unruhen erschüttern das Land. Unruhen, deren Auslöser aus den eigenen Reihen stammt - Die Machtgier treibt einen ihrer Söhne zu einem perfiden Spiel. Doch die alten Könige unterschätzen die Gefahr und plötzlich ist es zu spät ... Die Gelegenheit für das Böse zu günstig. Doch der Schlüssel zur Macht liegt allein bei der einzigen Prinzessin des Landes. Isabelle von Endline. In ihr verborgen eine uralte Kraft, die das Schicksal Symantriets besiegeln kann. Ein tödlicher Wettstreik um das Mädchen beginnt ... Klappentext: Die fünfzehnjährige Isabelle ist das einzige Kind des Königs Elias von Endline. Das kluge und von einer besonderen Gabe beschenkte Mädchen wächst behütet und mit allen Freiheiten, die es sich nur wünschen kann, auf. Ihre Welt scheint perfekt, doch eines Tages ändert sich plötzlich alles und sie steht vor den Scherben ihres Lebens, während das Schicksal Symantriets auf ihren Schultern lastet. Kann sie an ihren Schicksalsschlägen reifen oder wird sie untergehen?

Meinungen über das E-Book Symantriet - C.I. Harriot

E-Book-Leseprobe Symantriet - C.I. Harriot

Für meine Eltern

Elke und Mike,

die immer

an mich

geglaubt haben.

Inhaltsverzeichnis

Prolog – Der Anfang

Großreich Symantriet – Die Herrschaft des Tyrannen

Kapitel – Die Erzählung

Endline – Schlossgarten Trebin: Fünfzehn Jahre nach Chavers Fall

Kapitel – Beschlüsse

Symantriet – Zehn Jahre später

Endline – Schloss Wolfin

Kapitel – Neuigkeiten

Endline – Schloss Trebin

Endline – Schloss Trebin – Königliche Gemächer

Fallenday – Schloss Fallen – Audienzsaal

Endline – Schloss Trebin

Tesslon – Burg Habicht

Tesslon – Wald Habicht

Endline – Schloss Trebin

Tesslon – Burg Habicht

Kapitel – Begegnungen

Tesslon – Burg Habicht

Endline – Schloss Trebin

Endline – Stadt Wolfin

Endline – Schloss Trebin – Große Halle

Endline – Schloss Trebin

Endline – Stadt Trebin

Maux – Tweslin Kirche

Endline – Stadtfest Trebin

Kapitel – Intrigen

Maux – Tweslin – Kirche

Endline – Schloss Trebin

Fallenday – Schloss Fallen

Fallenday – Schlosshof Fallen

Endline – Stadt Trebin – Gasthaus „Zum Bär“

Endline – Schloss Trebin – Große Halle

Endline – Schlosshof Trebin

Endline – Stalltrakt des Schlosses

Endline – Schlafgemach Camelia

Fallenday – Burg Fallen

Endline – Volnana und Sumachen

Endline – Sumachen

Endline – Sumachen – Eingang

Endline – Schloss Trebin – Camelias Gemächer

Endline – Sumachen

Endline – Stadt Trebin – Gasthof „Zum Bär“

Fallenday – Volnana – Kloster

Endline – Sumachen

Endline – Hof der Sedins

Endline – Schloss Trebin

Endline – Hof der Sedins

Endline – Eingang Sumachen

Endline – Hof der Sedins

Endline – Volnana

Endline – Schloss Trebin

Endline – Stadt Trebin – Gasthof „Zum Bär“

Endline – Schloss Trebin

Endline – Stadt Wolfin

Endline- Wolfin – Gasthof ‚Das Pferd’

Endline – Schloss Trebin

Endline – Stadt Trebin – Gasthof ‚Zum Bär’

Endline – Schloss Trebin

Kapitel – Wendungen

Endline – Schloss Trebin

Endline – Stadt Wolfin

Endline – Stadt Trebin – Gasthof ‚Zum Bär’

Endline – Stadt Wolfin

Endline – Schloss Trebin

Endline – Stadt Trebin

Endline – Schlosspark Trebin

Endline – Schlosspark Trebin

Endline – Schloss Trebin

Endline – Schloss Trebin – Gemächer Isabelles

Endline – Küstenweg in Richtung der Stadt Trebin

Endline – Schloss Trebin

Endline – Stadt Trebin – Gasthof „Zum Bär“

Endline – Schloss Trebin

Endline – Schlosshof Trebin

Endline – Stadt Trebin – Gasthof „Zum Bär“

Endline – Sumachen

Endline – Schlosshof Trebin

Endline – Schlosspark Trebin

Endline – Schloss Trebin – Camelias Gemächer

Endline – Schlosshof Trebin

Endline – Sumachen

Endline – Schloss Trebin – Gregors Räume

Endline – Schloss Trebin – Isabelles Gemächer

Endline – Schloss Trebin – Camelias Gemächer

Kapitel – Vorbei?

Endline – Schloss Trebin – Gregors Gemächer

Endline – Schloss Trebin – Große Halle

Endline – Sumachen

Endline – Volnana

Endline – Schlosshof Trebin

Endline – Eine Lichtung im Schlosspark Trebin

Fallenday – Burg Fallen

Endline – Schloss Trebin – Isabelles Gemächer

Endline – Schloss Trebin – Große Halle

Endline – Schloss Trebin – Isabelles Gemächer

Endline – Schlosshof Trebin

Endline – Schloss Trebin – Camelias Kammer

Endline – Schlossgarten Trebin

Endline – Schloss Trebin – Isabelles Gemächer

Endline – Schloss Trebin – Camelias private Gemächer

Endline – Schloss Trebin – Große Halle

Endline – Schloss Trebin – Königliche Gemächer

Endline – Suchmachen

Endline – Eine Lichtung im Schlosspark Trebin

Endline – Schlosskirche Trebin

Endline – Volnana

Endline – Schlosshof Trebin und Sumachen

Endline – Sumachen

Endline – Schloss Trebin – Thronsaal

Tesslon – Burg Habicht

Prolog – Der Anfang vom Ende

Großreich Symantriet – Die Herrschaft des Tyrannen

Ein kalter, harter Wind fegte über das raue Land und ließ dabei jeden Grashalm, jeden Ast und jeden Baum unter seiner Macht erzittern. Dunkle Wolken zogen sich über dem Horizont zusammen und gewährten der Sonne kein Durchkommen.

Das ehemals von Licht und Freude erhellte Symantriet wurde in einen grauen, fast schwarzen Schimmer getaucht. Kaum ein Mensch war auf den Straßen oder den Feldern zu sehen. Die Äcker lagen brach, und während die Nahrung immer knapper wurde und das einfache Volk Hunger zu leiden begann, gab es einige wenige, die das noch verbliebene Essen reichlich verzehrten.

Ein guter Herrscher hätte in dieser Zeit für Gerechtigkeit gesorgt oder es gar nicht erst so weit kommen lassen. König Chaver war jedoch nicht für seine Güte, sondern für seine Grausamkeit und Gier bekannt.

Durch List und Tücke hatte er sich einst den Thron erschlichen, mit Angst und Schrecken seine Herrschaft gefestigt und durch seine Taten dafür gesorgt, dass man ihn nie vergessen würde.

König Chaver, der Tyrann, trug seinen Beinamen zu Recht.

Für ihn existierten nur zwei Arten von Menschen: seine Verbündeten und seine Feinde. Jeder, der nicht mit ihm kämpfte oder ihm auf andere Weise dienlich war, stellte seiner Ansicht nach einen Gegner dar, den es zu bekämpfen galt.

Nach seiner rechtmäßigen Thronbesteigung und vielversprechenden Reden darüber, was alles besser werden sollte, dauerte die gute Herrschaft Chavers nur wenige Monate lang an.

Seine Gier triumphierte.

Er ließ seine Truppen sammeln und schickte seine Söldner in die Städte und Dörfer, um seinen Reichtum zu mehren und jeglichen Gegenwehr zu brechen.

Dabei stieß er jedoch auf mehr Widerstand, als er erwartet hatte. Seine Taten hatten sich wie ein Lauffeuer im ganzen Land herumgesprochen und die einfachen Menschen Symantriets erhoben sich, um dem machthungrigen Herrscher Einhalt zu gebieten. Doch die ungeübten Bauern und Handwerker waren den ausgebildeten Männern unterlegen. Sie verloren den Kampf und starben zu Tausenden.

Chavers Männer und vor allem seine Schergen, halb Mensch, halb Dämonen, richteten überall dort, wo sie auftauchten, ein blutiges Gemetzel an. Menschen wurden gefoltert, versklavt oder getötet. Erbarmen war für den Tyrannen ein Fremdwort.

Chavers »Feinde« gehörten einer aussterbenden Rasse an.

Nur wenige wagten es den Namen des Tyrannen laut auszusprechen und noch weniger, sich ihm in den Weg zu stellen.

Während seiner Herrschaft wurden viele jahrhundertealte Dörfer und Städte zerstört. Menschen verloren ihre Heimat, ihre Familie, ihr eigenes Leben.

Chavers einstige Versprechungen klangen gut, aber wer hatte damals ahnen können, was die Zukunft bringen würde?

In dieser grausamen Zeit lebten fünf junge Männer königlichen Geblütes, die sich zusammenschlossen, um dem grausamen Herrscher gemeinsam das Handwerk zu legen.

Durch eine monatelange, gefährliche Korrespondenz untereinander und geheimen Treffen schufen sie eine Allianz gegen den amtierenden König.

Im Untergrund, geschützt vor neugierigen Augen und Ohren, schmiedeten sie daher Pläne, um Chaver eine Falle zu stellen. Doch ihre Tat musste gut vorbereitet werden. Jeder Fehler würde für sie tödliche Konsequenzen nach sich ziehen.

Ein Jahr zog an ihnen vorüber, bevor sie ihre Vorbereitungen beendet hatten. Ein Jahr, in dem noch viele Menschen ihre Heimat und ihr Leben lassen mussten. Doch endlich schien ein Ende der Tyrannei in Sicht.

Von langer Hand geplant, gelang es den fünf Prinzen Chaver in ihre Falle zu locken. Sie brachten ihn gefesselt nach Wolfin, eine der wenigen verschonten Städte. Zentral im Land gelegen mit einer gut befestigten Schlossanlage, schien sie für ihre Zwecke am idealsten.

Die Bewohner Wolfins betrachteten ihre Tat jedoch mit Argwohn und beinahe hätte man ihnen den Zutritt verweigert. Zu tief saß die Angst, dass nun das Böse auf ihre Stadt gelenkt werden würde.

Weise wie die jungen Männer waren, hatten sie diese Möglichkeit jedoch bedacht. Mit guten Argumenten und den entsprechenden Leuten hinter den Mauern, war es den Prinzen gelungen, gemeinsam mit ihrer Beute in die Stadt zu gelangen.

Der keifende und fluchende Chaver sollte in einem der Kerker, tief unter der Stadt, sicher weggeschlossen werden. Doch den fünf Prinzen war bewusst, dass es bei einer Gefangenschaft nicht bleiben durfte. Zu groß war die Angst, dass dem Tyrannen die Flucht gelingen könnte.

Im ganzen Land waren die Söldner und Schergen Chavers verstreut und man konnte davon ausgehen, dass sie alles versuchen würden, ihren Meister zu befreien. Die Prinzen sahen nur eine Chance: sie mussten sich des ehemaligen Königs endgültig entledigen, um dessen Macht zu brechen.

Sie machten ihm, seinem Stand gebührend, einen öffentlichen Prozess und ließen ihn nach der Urteilsverkündung auf dem Markplatz von Wolfin hinrichten.

Als der Tag der Abrechnung gekommen und Chavers Kopf endlich fiel, war die Erleichterung im Volk, aber auch bei den fünf Männern, groß.

Die Angst, dass die Söldner es wagen würden die Stadt anzugreifen, hatte tief gesessen. Doch nun war es endgültig vorbei.

König Chaver war tot.

Ihr größter Feind war nach Jahren der Unterdrückungen und der Angst aus dem Weg geräumt und dessen Söldner verstreuten sich führerlos im ganzen Land. Sie tauchten unter aus Angst, doch die meisten von ihnen wurden aufgespürt und getötet, andere verschwanden spurlos.

Zu Letzteren zählten auch die halbdämonischen Schergen des Tyrannen. Sie hatten eine Spur des Todes durch Symantriet gezogen, als sie sich nach Wolfin aufgemacht hatten, ihren Gönner zu retten.

Die Stadt selbst jedoch hatten sie vor dessen Tod nie erreicht. Sie waren einfach verschwunden. Spurlos.

Der Legende nach sollen sie sich in Stein verwandelt haben, als Chavers Kopf vom Körper getrennt worden war. Bestimmt dafür zu warten bis ein das Böse wieder erwacht …

Doch es war nur eine Legende…

Mit der Zeit verschwand das Interesse an den Wesen. Die Menschen vergaßen. Mit ihrer Tat hatten die fünf Prinzen ein neues Kapitel begonnen und das alte abgeschlossen.

Nachdem sie gemeinsam dafür gesorgt hatten, dass ihr größter Feind aus dem Weg geräumt war, leisteten sie einen Schwur.

Er besagte, dass die Regentschaft Symantriets nie wieder in der Hand eines Einzelnen liegen durfte.

Sie teilten das Land in fünf ungefähr gleich große Königreiche auf, die sie in Zukunft gemeinsam regieren wollten.

Jedes dieser Königreiche hatte seine eigenen Besonderheiten genauso wie jeder Prinz besonders war.

Ganz im Norden, im Fallengebirge, lag nun Fallenday. Das Land hatte durch seine schier unendlichen Erzvorkommen sowie eine mit reichen Fischgründen gesegnete Küste eine besondere Anziehungskraft für Prinz Edwin. Der neue Herrscher Fallendays war Reichtum noch nie abgeneigt gewesen und hatte seine Hände schnell danach ausgestreckt.

Die anderen vier Prinzen waren in dieser Beziehung bescheidener.

Prinz Elias erhielt im Süden sein Reich und nannte es Endline, nach seiner geliebten Frau. Es gab zwar nur wenige Erzvorkommen, aber dafür war das Land sehr fruchtbar und die in der Nähe gelegene Küste versprach gute Fischgründe sowie die Möglichkeit, sich die ehemalige Handelsstadt Trebin wieder aufzubauen.

Die Königreiche im Westen und Osten, Maux und Malvine, gingen an die Brüder Tewin und Lewin. Beide begnadete Jäger, hatten sie hier reiche Wälder zur Verfügung und eine gut angebundene Küste, die ihnen einen regen Handel ermöglichen würde.

Nur das letzte Königreich, zentral in Symatriet gelegen und auf den Namen Tesslon getauft, hatte diese Anbindung nicht. Dafür vereinte sich hier nur das Beste aus der Landschaft Symantriets: Gebirge, weitläufige Felder, aber auch weite Teile Wald prägten das Bild. Sephin, der fünfte Prinz im Bunde, dachte bei seiner Wahl weiter: Er wusste um die Vorteile, die ein weit gefächertes Land ihm bringen würden und gab sich mit dem Rest sehr zufrieden.

Jahre zogen ins Land und heute, fünfzehn Jahre später, regieren sie immer noch gemeinsam.

Ihre Untertanen leben in Frieden, während Wirtschaft und Handel gedeihen. Das Leben scheint ruhig und die Menschen zufrieden.

Jedoch ist diese Ruhe trügerisch. In letzter Zeit herrschten immer wieder Spannungen zwischen den Ländern, die einst brüderlich nebeneinander lagen.

Die jüngere Generation drängt nach.

Eine Generation, die das Unheil einer Alleinherrschaft nicht mehr miterlebt hat. Die unwissend ist – und Unwissende machen Fehler.

Besonders wenn die Macht so zum Greifen nah ist …

♦♦♦

1. Kapitel – Die Erzählung

Endline - Schlossgarten Trebin: Fünfzehn Jahre nach Chavers Fall

Ein wunderschöner lauer Sommerabend lag über dem Königreich Endline. Die Vögel, die sich tagsüber vor der großen Hitze versteckt gehalten hatten, kehrten nun in die Baumkronen zurück und zwitscherten aus voller Kehle ihre Lieder.

Vom Meer her wehte eine angenehme Brise den Berg hinauf und streifte die Baumwipfel des Schlossgartens. Der kühle Lufthauch fuhr durch die Haare eines soeben in den Garten getretenen Mannes und wirbelte sie leicht durcheinander.

Aufgeregtes Kreischen der Möwen vom Meer her drang an sein Ohr, ließ ihn lauschend innehalten und sich im Garten umschauen.

Kurz darauf schlüpfte hinter ihm ein Mädchen von höchstens fünf Jahren durch die Pforte und schob sich energisch an ihm vorbei. Ihre Wangen, erhitzt von ihrem schnellen Schritt, waren leicht gerötet und trotz der immer noch brütenden Hitze begann sie sofort wie ein junges Reh unermüdlich im Garten herumzutollen.

Der Mann sah dem Mädchen erstaunt hinterher, schüttelte seinen Kopf und setzte sich langsam in Richtung der Klippe in Bewegung. Er hatte den erschöpften Gang eines alten Mannes, auch wenn er vom Aussehen her nicht mehr als dreißig Jahre zählen konnte.

Unermüdlich schleppte er sich durch den Garten und wurde dann plötzlich langsamer.

Sein Blick glitt zu einer kleinen Bank nur wenige Schritte vor ihm. Sie stand am Rande der Klippe etwas versteckt unter groß gewachsenen Bäumen und lud mit ihrem Ausblick zum »in der Ferne versinken« ein.

Mit einem Ächzen seiner Knochen ließ der Mann sich wenig später auf dem kühlen Stein der Bank nieder und atmete dabei geräuschvoll aus, als würde eine gewaltige Last von ihm abfallen. Dabei führte er seinen Blick den Weg am Rande der Klippe entlang nach unten und fixierte das wellenschlagende und aufschäumende Meer. Einen Moment verharrte der Mann, als dächte er nach und ließ dann seinen Blick weiter wandern.

Die Sonne hoch über seinem Kopf sank derweil beständig. Das Licht wurde langsam schwächer und ließ um ihn herum Schattenwelten entstehen.

Aber der Mann achtete nicht darauf. Auch das Mädchen, das sich nun auf ihn zubewegte, nahm er nicht wahr.

Er befand sich in einer weit entfernten Welt, weitab vom Hier und Jetzt.

Elias und Belle

Der Mann auf der Bank hörte auf den Namen Elias.

Fremde und Unwissende hätten ihn für einen einfachen Mann halten können, doch sein Anblick täuschte. Während er für das Mädchen tatsächlich nur Elias war, war er für all die anderen Menschen in Symantriet König Elias von Endline.

Ihm gehörte all jenes, was er von seinem Schlossgarten aus erblicken konnte und noch viel mehr.

Einst hatte er an der Seite seiner königlichen Gefährten gegen den Tyrannen Chaver gekämpft, um den Frieden und Wohlstand im Land wiederherzustellen. Heute erinnerte, von oben betrachtet, kaum noch etwas an die grausamen Zustände dieser Zeit. Städte und Dörfer waren wieder aufgebaut worden und die Menschen vergaßen alle Gräuel allmählich.

Doch etwas ließ Elias nicht vergessen. Es erinnerte ihn täglich an diese Zeit.

Damals holte er sich diese Verletzung. Eine Verletzung, die ihn heute mehr behinderte, als sie ihm damals Schmerzen bereitet hatte. Mit einem verkrüppelten Bein hätte er leben können, aber weitaus schlimmer waren seine Erinnerungen, die mit dem stechenden Gefühl immer wieder in sein Unterbewusstsein drangen.

Erinnerungen an die Angst, die sie hatten, an die Grausamkeiten, die sie sahen, an Menschen, die sie geliebt hatten und die sie nie wiedersehen würden…

Elias seufzte.

Weit hinten im Landesinneren konnte er das Rauchen der Kamine wahrnehmen.

Er bildete sich sogar ein, das Lachen von Menschen hören zu können und seine Gedanken glitten unwillkürlich in die vergangene Zeit.

»Vater, erzählt mir nun endlich die Geschichte!«, rief plötzlich eine Stimme neben ihm.

Die Worte rissen Elias abrupt aus seinen Gedanken.

Seine kleine Tochter Isabelle, die spätere Erbin seines Thrones, hatte aufgehört im Garten herumzutollen und war neben seine Bank getreten.

Als er nicht gleich antwortete, begann sie auf ihn einzureden und wie wild an seinem Arm zu ziehen.

Statt ihr böse zu sein, musste Elias lächeln. Sie war ein lebhaftes junges Ding. Sehr aufgeweckt, neugierig und allem voran klug. Ganz wie ihre Mutter einst.

Doch das Mädchen hatte seine Mutter selbst nie kennenlernen dürfen. Und dennoch erinnerte die Kleine ihn mit ihren Gesten und ihrem Verhalten ständig an seine verstorbene Frau.

Elias strich Isabelle zärtlich über den lockigen Kopf und atmete mit Bedacht so schwer, als würde das Erzählen für ihn eine gewaltige Bürde sein.

»Nun gut, mein Wildfang …«, begann er und klopfte dann auf den Platz neben sich.

Das Mädchen betrachtete ihn einen Moment lang skeptisch, entschied sich dann aber zu folgen. Sie setzte sich und schaute ihn mit ernsten Augen an.

Elias musste schmunzeln und begann dann, nicht ohne seinen Blick wieder in die Ferne schweifen zu lassen, zu erzählen. Seine Tochter folgte seinem Blick und ließ ihrer Fantasie ebenfalls freien Lauf …

»Vor tausenden von Jahren, noch weit vor der Zeit der Menschen, wandelten auf Erden nur zwei Wesen.

Weder Mensch noch Tier, streiften sie gestaltlos durch die Welt.

Körperlos waren sie zum Zuschauen verdammt. Sahen alles und dennoch nichts. Denn nichts von der Welt, wie sie uns heute bekannt ist, existierte zu diesem Zeitpunkt.

Es gab keine Kontinente und kein Meer. Keine Tiere, Pflanzen oder Menschen. Nur das Nichts, bestehend aus einem gleißend hellen Licht, war allgegenwärtig. Darin leben konnten nur diese zwei Wesen…«

Er wollte weitersprechen, doch seine Tochter unterbrach ihn.

»Aber was waren das denn für Wesen, Vater? Und wo waren wir?«, warf sie ein und sah ihn aus großen Augen erstaunt an.

»Immer mit der Ruhe, mein Kind. Dazu kommen wir doch noch. Die Menschen kamen erst viel später auf diese Welt. Habt Geduld!«, schalt er sie freundlich, aber mit Bedacht, damit sie ihn nicht wieder unterbrechen würde.

Das Mädchen verschränkte daraufhin die Arme und schob trotzig die Unterlippe nach vorn. Elias sah seine Tochter an und ihre gespielte Ernsthaftigkeit amüsierte ihn. Er musste sich ein Lachen verkneifen und fuhr dann betont ernsthaft, wenn auch stockend, mit seiner Geschichte fort.

»Diese beiden Wesen wurden der Legende nach von höchster Stelle auf die Erde gesandt. Sie sollten das trübe Nichts mit Liebe und Zuversicht füllen, um daraus eine neue Welt entstehen zu lassen. Euch sind die beiden Wesen wahrscheinlich eher als unsere Götter Edid und Selfin geläufig.«

Er schaute seine Tochter an. Das Mädchen nickte.

»Diese beiden sind der Ursprung allen Lebens, wie wir es heute kennen.

Ihr werdet schon einiges über unsere Götter gehört haben, aber heute werde ich Euch ihre und in gewisser Weise auch unsere WIRKLICHE Geschichte erzählen.

Über die Jahre hinweg wurde sie bewahrt, weitergetragen von Generation zu Generation. Und ich hoffe, dass Ihr gut zuhören werdet, damit auch Ihr sie eines Tages weitergeben könnt.«

Er sah seine Tochter voller Zuneigung an. Ihr entschlossenes Nicken ließ ihn erneut lächeln.

Tief luftholend blickte er weit in die Ferne und suchte nach Worten.

»Der Überlieferung nach sind unsere Götter Edid und Selfin einst vom Licht geboren worden. Als Kinder der Sonne wandelten sie in einer Welt aus gleißendem Licht, um sie herum gab es nichts, nur stetiges Weiß.«

Elias sah sich während des Sprechens um. Die Farben um ihn herum hatten sich verändert. Nein, seine Umgebung hatte sich gewandelt! Die Geschichte hatte ihn gefangen genommen.

Das Abendrot der Sonne, das Grün der Bäume, alles war nur noch in weiße Farbe getaucht und sah so friedlich aus, dass er sich zwingen musste, nicht mit dem Sprechen innezuhalten.

Vor seinen Augen sah er plötzlich Edid und Selfin auftauchen. Ihre Welt war so real, dass er beinahe die Hand ausgestreckt hätte, um eines der Wesen zu berühren.

»In diesem Zustand des gleißenden und grellen Lichtes hatten Edid und Selfin nur einander. Sie waren gestaltlos, hatten nichts und doch alles. Mit der Zeit verliebten sie sich und waren zunächst glücklich in ihrer Welt. Jahrtausendelang hielt dieser Zustand an. Eines Tages jedoch war ihre Welt Selfin nicht mehr genug. Er wollte mehr. Er wollte etwas gemeinsam entstehen lassen. Edid schloss sich ihm an und gemeinsam erschufen sie eine dunkelbraune Insel mitten in dem Weiß. Unser Urkontinent Karnestra, als Zeichen ihrer ewigwährenden Liebe, ward geboren. Doch der dunkelbraune Erdklumpen war ihnen zu eintönig. In Eintracht formten sie daher gemeinsam das entstandene Land nach ihrem Gefallen. Mit ihren Worten, die einer alten und heute fast ausgestorbenen Sprache angehörten, schufen sie Menschen und Tiere, sie formten Städte und Dörfer und legten damit die Grundsteine für eine gedeihende Zivilisation. Plötzlich bestand ihre Welt nicht mehr nur aus weißem Licht. Der dunkelbraune Farbklumpen, ihre Taten und Worte, hatte ihr Zuhause unwiderruflich verändert. Das Weiß wurde mehr und mehr verdrängt.«

Elias machte eine kurze Pause, um Luft zu holen. Seine Tochter hing ihm gebannt an den Lippen.

»Die Menschen, die sie nach ihren Vorstellungen hatten entstehen lassen, litten keine Probleme. Sie waren bescheiden und doch reich an allem. Zu Beginn lenkten Edid und Selfin die Geschicke ihrer „Kinder“ und wiesen ihnen die richtige Richtung. Doch das Leben fand schnell seinen eigenen Weg. Die Menschen entwickelten sich weiter und ehe sie sich versahen, verloren die Götter immer mehr die Macht über sie. Zum Beobachten verdammt, zogen Edid und Selfin sich immer mehr zurück und fanden ihre neue Heimat schließlich in den Bergen. Von weit oben blickten sie von diesem Tag an auf die Menschen hinab und wachten über sie.

Der Legende nach soll Edid eines Tages von ihrem Berg aus einen jungen Mann beobachtet haben. Allein auf der Jagd, ward er in eine tiefe Felsspalte gestürzt und hatte somit sein Todesurteil besiegelt. Doch Edid fühlte sich von diesem Menschen merkwürdig angezogen. Aller Vorsicht und Mahnung zum Trotz beschloss sie ihm zu helfen, anstatt ihn auf den sicheren Tod warten zu lassen. Mit Worten der alten Sprache half sie ihm, unsichtbar für Menschenaugen, aus seiner misslichen Lage und schenkte ihm das Leben. Der Jüngling konnte sich nicht erklären was geschehen war und blickte sich nach seinen Rettern um. Doch weit und breit war niemand außer ihm. Verwirrt und dennoch dankbar beschloss er schnellstmöglich den Heimweg anzutreten. Edid jedoch, die ihn beobachtete und einen Blick in seinen Augen hatte erhaschen können, verweilte unsichtbar für Menschenaugen an dieser Stelle noch einen Moment und sah ihm hinterher.

Sie fühlte sich das erste Mal in ihrem langen Leben besonders. Dieser Mensch hatte etwas Einzigartiges an sich. Etwas, das sie festhielt und ein nie gekanntes Gefühl drohte sie zu übermannen. Aus Angst vor diesem neuen Gefühl verschwand sie auf den höchsten Berg Karnestras und ließ den Mann weit unter sich zurück. Sie hoffte das Gefühl würde nachlassen und sie diesen Mann vergessen, doch so kam es nicht.«

Elias holte tief Luft, ehe er fortfuhr.

»Ab diesem Moment konnte sie nicht mehr ohne seinen Anblick leben. Jeden Tag wanderte ihr Blick zu ihm. Sie beobachtet ihn jede Nacht und wachte dabei über seinen Schlaf. Dieses zwanghafte Verhalten blieb Selfin nicht verborgen. Und im Gegensatz zu Edid verstand er sofort. Er nahm wahr, wie die Liebe seines Lebens sich nach einem anderen sehnte und plötzlich empfand auch er vollkommen neue Gefühle. Neid und Hass. Er war so neidvoll auf diesen Jüngling, dass er Rache schwor. Rache gegen den Mann, der ihm die Zuneigung nahm. So geschah es, dass eines Nachts, als Edid sich einen Moment von dem Jüngling abwandte, Selfin eine folgenschwere Entscheidung traf. Mit einem einzigen uralten Wort, das so mächtig war, dass niemand es mehr rückgängig machen konnte, löschte er das Leben des Jünglings aus. Edid, die seine Tat zu spät bemerkte, war außer sich vor Trauer und Enttäuschung. Sie wusste nicht, wie Selfin zu so etwas fähig sein konnte und zog sich von ihm zurück. Ihre Seele war so rein, dass sie nicht fähig war, selbst Wut oder Rachegelüste zu empfinden. In Selfin jedoch, einem schwachen Charakter, wuchs der Hass trotz seiner Tat immer stärker. Da er diesen Hass nun aber nicht mehr auf den Jüngling übertragen konnte, richtete er diesen ganz gegen Edid und allem Guten auf der Welt. Er nutzte seine Geschicke und begann wieder damit Menschen zu lenken. Er sammelte jene, die charakterschwach und unsicher waren, wie er selbst, um sich. Diese Menschen ließen sich problemlos von ihm formen und leiten. Die ‚schwarze Armee’ ward geboren. Unter seinem Befehl begann sie damit, Städte und Dörfer zu zerstören und anderen Menschen und Tieren das Leben zu nehmen. Die Sterblichen, die unbeeinflusst von Selfins Macht noch frei denken und handeln konnten, zogen sich immer weiter aus den überfallenden Gebieten zurück und versuchten sich notdürftig zu schützen.«

»Hat Edid denn nichts davon bemerkt?«, unterbrach Belle die Erzählungen ihres Vaters.

»Anfänglich bekam sie von all jenem grausamen Treiben Selfins nichts mit«, fuhr Elias fort.

»Nach dem Tod ihres Geliebten war sie in unendliche Trauer verfallen und hatte sich an den Fluss Sumil zurückgezogen. Edid hatte bewusst diesen Ort gewählt. Ganz in der Nähe der Stelle, wo sie ihn einst gerettet hatte, wollte sie ihn zur Ruhe legen. Ihr einstiger Lieblingsplatz würde nun seine letzte Ruhestätte werden. Die Göttin hatte nicht vor, ihren Liebsten mit Gold und Diamanten zu begraben. Auch von Denkmälern und Kreuzen nahm sie Abstand. Sie murmelte die uralten Worte und die Erde nahm sich seines leblosen Körpers, den sie zuvor schlicht auf den Boden gelegt hatte, an. Zurück blieb nur eine kahle Stelle in der sonst so grünen Wiese. Edid schaute sich um, sie wollte das Grab mit der Umgebung verschmelzen lassen. Niemand sollte ihren Geliebten jemals finden und ihr wieder wegnehmen. Aus diesem Grund beschloss sie ihm den Findling, der ihm einst hätte das Leben kosten sollen, aufs Grab zu legen. Jetzt im Tode sollte er ihn schützen und ihr selbst den nötigen Halt geben. Nachdem sie seine Grabstätte hergerichtet hatte, wandte sie sich von der Trauerstelle ab und sprach erneut Worte der alten Sprache. Nur Sekunden später erwuchsen um sie herum Bäume und Sträucher aus dem Nichts. Innerhalb weniger Minuten waren sie bereits mannshoch und verdeckten den Begräbnisort. In kaum mehr als einer Stunde war aus dem kahlen Flecken am Sumil ein beachtlicher Wald erwachsen. Ein undurchdringliches Dickicht versperrte Fremden den Zutritt und Edid schwor sich in diesem Moment, dass dies auch so bleiben sollte. Sie belegte den neu entstandenen Wald mit einem Bann, der jedem der es wagte ihn zu betreten, das Leben kosten sollte. Dieser Wald hat bis heute alle Zeiten überdauert. Du weißt von welchem ich spreche?«

Elias sah seine Tochter forschend an.

»Die Sumachen«, presste das Mädchen nach einer kurzen Stille zwischen den Zähnen hervor. Sie hatte ihm förmlich an den Lippen gehangen und zunächst nicht mitbekommen, dass diese Frage ihr galt.

Elias nickte und fuhr mit seiner Erzählung fort.

»Edid schien es, als wäre alles um sie herum stehengeblieben, aber dies war nicht der Fall. Ihre Zeit der Trauer war ausgiebig genutzt worden und so war es Zeit für sie in die Realität zurückzukehren – und was sie sah, schockierte sie zutiefst. Ihre einst so friedliche und idyllische Welt war fast vollkommen zerstört worden. Der Gestank nach Tod und Fäulnis war unerträglich. Die guten Menschen hatten immer stärkere Verluste zu beklagen. Alleine unfähig, sich zur Wehr zu setzen, hatten sie auf Dauer keinerlei Chance gegen die ‚schwarze Armee’, das musste Edid sich eingestehen. Sie beschloss daher, auch wenn es ihr zuwider war, in die Geschehnisse einzugreifen. Mit der Macht des Lichtes sammelte sie die guten Menschen um sich.

Diese ‚weiße Arme’ war ein Funken der Hoffnung in einer sonst schwarzen Nacht und entschlossen, sich der ‚schwarzen Armee’ in den Weg zu stellen. Der Legende nach trafen die beiden Parteien im Westen aufeinander. Als Selfin sah, dass er die Schlacht aufgrund der deutlich stärkeren weißen Armee unweigerlich verlieren würde, sah er sich und sein Werk gefährdet. Dass er den Krieg verlieren würde, war ihm gleich. Aber Karnestra, als Symbol ihrer Liebe, durfte in seinen Augen nicht weiter existieren. Der Geschichte nach schlich er sich daher, durch uralte Worte in Menschengestalt verwandelt, unbemerkt in die erste Linie der Formation seiner Armee. Noch bevor beide Parteien einander angreifen konnten zog er sein Schwert, das keine Menschenhand fähig gewesen wäre zu halten und stieß es mit aller Macht in den Boden. Das Schwert vibrierte und zitterte in seinen Händen und der Boden unter seinen Füßen tat es ihm gleich. Bald zog sich ein tiefer Riss zwischen den beiden Armeen entlang über den gesamten Kontinent. Er breitete sich immer weiter aus, wurde tiefer und länger. Die Männer, die Selfins Menschengestalt zuvor noch interessiert angeschaut hatten, schrien und sprangen schockiert nach hinten, um nicht vom Graben verschlungen zu werden. Der Riss trennte nicht nur die Männer, sondern auch das Land voneinander.«

Wieder holte Elias tief Luft, bevor er fortfuhr.

»Hätte die Vernunft gesiegt, hätte Selfin das zitternde und vibrierende Schwert in diesem Augenblick losgelassen, denn sein Ziel Karnestra zu zerstören hatte er in gewisser Weise erreicht. Vernunft leitete ihn jedoch nicht sondern der Hass … Er spürte, wie seine ganze Lebenskraft in diese Vertiefung floss, war aber unfähig aufzuhören. Erst als er die weiße Armee und vor allem Edid nicht mehr sehen konnte und der Krater zwischen ihm und dem anderen Teil Karnestras so tief war, dass nichts und niemand ihn mehr überwinden konnte, ließ er das Schwert los und die Bewegung stoppte. Karnestra war in zwei geteilt, genau wie sein Herz. Dies war die Geburtsstunde von Symantriet und Samoro.

Selfin stand nun allein am Rande des Kraters. Die Menschen, die überlebt hatten, hatten sich aus Angst weit von ihm zurückgezogen. Der einstige Gott starrte auf seine Hände und das Schwert und spürte, wie seine Kraft schwand. Traurigkeit überkam ihn. Er war nicht fähig gewesen, seinen Gefühlen mit Worten Ausdruck zu verleihen. Mit Hass und Wut hatte er alles versucht zu ersticken und erst jetzt, wo es zu spät war, merkte er, wie stark er sich noch zu Edid hingezogen fühlte. Doch sein Leben, das noch Jahrhunderte hätte überdauern sollen, war verbraucht. Als Selfins menschliche Gestalt sich kraftlos im Nichts auflöste und das Schwert zu Boden fiel, konnte er gestaltlos noch einen Moment auf Erden wandeln und dabei wahrnehmen, wie die Menschen immer mehr aus ihrer Trance erwachten. Sie ließen ihre Waffen fallen und starrten ungläubig auf ihre Hände. Niemand konnte sich mehr an das Geschehene erinnern, so als wäre es nie passiert. Niemand wusste wo oder wer er war, geschweige denn was jetzt geschehen würde. Sie würden neu anfangen müssen, aber waren ohne ihn wahrscheinlich besser dran, dachte er als auch sein Geist sich aufzulösen begann.«

Als Elias geendet hatte schaute ihn seine Tochter enttäuscht an.

»Das ist aber eine traurige Geschichte, Vater, wo ist das Gute?«

»Ihr habt recht, Kind. Die Geschichte hat für Selfin nicht gut geendet, aber Ihr müsst lernen die Geschichte von verschiedenen Seiten zu betrachten«, antwortete er ihr aufmunternd. Elias sah, wie seine Tochter ihm einen unzufriedenen Blick zuwarf.

»Wisst Ihr Isabelle, dank Selfins Handlung ist die Form unserer heutigen Welt entstanden. Samoro und die Welt wie wir sie kennen, hätte es ohne ihn nie gegeben und wer weiß, vielleicht hätten auch wir nie existiert?«

Er machte eine ausholende Handbewegung und zeigte auf alles um sie herum.

Seine Tochter sah ihn jedoch gar nicht an. Sie starrte in die Ferne und ihr Blick wirkte glasig, als wäre sie in einer ganz anderen Welt.

»Und was ist aus Edid geworden?«, fragte sie nur.

»Edid hatte natürlich den Verlust ihres Partners gespürt, auch wenn sie ihn nicht mehr sehen konnte. Sie hätte nach Samoro gehen und ihm die letzte Ehre erweisen können, zog es aber vor, das Land zu meiden. Sie hat das Land, das Selfin in seinem Hasse geschaffen hatte, nie gesehen und verfiel alsbald in tiefe Trauer über ihre Verluste. Der Überlieferung nach weinte sie jahrelang ohne Unterlass und schuf durch ihre Tränen die Selmana. Das Meer, das den tiefen Graben, der das Ende ihrer Liebe und das Ende Selfins bedeutet hatte, bedeckte. Als sie Jahre später endlich an ihrem Kummer durch das zweifach gebrochene Herz starb und ebenfalls wieder in das Nichts, aus dem sie gekommen war, wanderte, war unsere heutige Welt vollständig geboren: Symantriet und Samoro, getrennt durch die Selmana.«

Elias schaute seine Tochter an, die scheinbar ihren Gedanken nachhing. Sanft stupste er sie mit dem Ellenbogen in die Seite und das Mädchen zuckte leicht.

»Aus welchen Ländern besteht Symantriet, könnt Ihr mir das sagen, Isabelle?«, fragte er sie und sah gespannt seine kleine Fünfjährige an, deren Augen sich immer noch in der Ferne verloren.

Er erwartete fast, dass sie ihn darum bitten würde, die Frage zu wiederholen, aber entgegen seiner Erwartung antwortete sie ihm sofort.

»Tesslon, Fallenday, Maux, Malvine und Endline«, brachte sie fehlerfrei hervor, ohne ihren Blick von der Ferne weg- und ihm zuzuwenden.

Sie schien etwas gesehen zu haben. Elias folgte ihrem Blick, konnte jedoch nichts Interessantes ausmachen und ließ seinen eigenen Blick weitergleiten.

Weit unter der Anhöhe nahm er einige Bauern, die ihre Heuernte einfuhren, wahr. Sie waren schon seit Stunden damit beschäftigt und würden sicherlich noch einige Zeit brauchen. Das Gras war dieses Jahr gut gewachsen und hatte eine reiche Heuernte beschert. Sie würden gut über den Winter kommen…

♦♦♦

2. Kapitel – Beschlüsse

Symantriet - Zehn Jahre später

Die ersten wärmenden Sonnenstrahlen des neuen Jahres fielen auf Symantriet hernieder und tauchen es in helles Licht.

Der wolkenlose Himmel hoch über den Städten und Dörfern erstrahlt in einem kräftigen Blau. Ein leichter Wind weht vom Meer her und trägt seinen Atem in Richtung des weit entfernten Gebirges. Das Land wirkt ruhig, fast malerisch.

Es ist früh am Morgen und auf dem Dorf wie auch in der Stadt beginnt langsam das Leben.

Die wenigen Menschen, die bereits auf den Feldern arbeiten, wirken noch etwas müde und gehen leise ihrer Arbeit nach.

In den Städten haben die ersten Bauern bereits ihre Stände aufgebaut und ab und an wird die morgendliche Ruhe durch das Geschwätz und Gelächter der Marktfrauen unterbrochen. Das Leben erwacht und wird zunehmend lauter. Waren werden an den Ständen angeboten und Menschen unterhalten sich. Sie lachen, schimpfen und leben.

Überall in Symantriet herrscht dasselbe Bild. Die Menschen sind zufrieden, und auch wenn sie nicht alle im Luxus leben - Armut muss keiner von ihnen fürchten. Der Handel gedeiht dank der sicheren Straßen und den offenen Grenzen. Die Städte und Dörfer florieren.

Fünfundzwanzig Jahre ist es nun her, dass der Tyrannenherrschaft ein Ende gesetzt wurde. Vom Gebirge bis hin zur See leben die Menschen seither in Frieden.

Doch die Fassade des Friedens hat Risse. Es herrschen immer deutlich spürbare Spannungen im Reich. Wie lange wird die Zeit der Eintracht noch anhalten?

Endline - Schloss Wolfin

Elias

König Elias traf als letzter im Schlosshof von Wolfin ein. Es war schob spät und die vielen Knappen und Pferde verrieten ihm, dass die anderen Könige bereits angekommen sein mussten.

Elias sah sich kurz um, da er keinen seiner Freunde auf dem Hof ausmachen konnte, übergab er sein Pferd einem Knappen und machte sich zielstrebig auf den Weg zum Audienzsaal.

Der große Diener am Eingangsportal des Saals nickte ihm höflich zu und öffnete ihm die Tür, um ihn eintreten zu lassen.

Elias musste seine Augen erst einen Moment an die Dunkelheit des Raumes gewöhnen. Nur schemenhaft nahm er zunächst die vier Gestalten wahr, die am runden Tisch in der Mitte des Raumes Platz genommen und bereits mit der Versammlung begonnen hatten.

Keiner der Männer schaute auch nur in seine Richtung, als die schwere Tür hinter ihm geräuschvoll ins Schloss fiel. Zu enthusiastisch waren sie in ihr lautstarkes Gespräch vertieft.

»Diese Spannungen werden einfach immer unerträglicher«, schimpfte Tewin in diesem Moment und richtete dabei seinen grimmigen Blick auf den ihm gegenüber sitzenden Edwin.

»Kannst du deinem Balg denn keine Manieren beibringen?«, legte gleich darauf Tewins Bruder Lewin nach.

»Wieso sollte ich? Mein Sohn hat nur das getan, was in seinen Augen richtig war«, verteidigte Edwin sich und das Verhalten seines Sohnes. Rechthaberisch blickte er in die Runde, woraufhin Lewin genervt die Augen verdrehte.

Es war allgemein bekannt, dass Edwin seinem Sohn keine Grenzen setzte und ihn bei allem, was er tat, in Schutz nahm.

Seit Wochen sprachen sie nun schon über dieses eine Thema und nichts hatte sich seither geändert. Ihre Nerven lagen blank und der Ärger saß mit jedem Tag nur noch tiefer …

»Ach, eine Kutsche mit MEINEN Steuereinnahmen zu überfallen, MEINE Männer zu töten und MEIN Geld zu stehlen nennt Ihr richtig? Dieser Bursche legt es doch nur darauf an. Wer weiß, morgen lechzt er vielleicht schon nach unseren Ländern!«, donnerte Tewin los und stand mit einem Mal so schwungvoll auf, dass sein Stuhl umkippte und der Tisch gefährlich wackelte.

Elias war trotz seines Alters und seines kaputten Beins mit einem Satz bei ihnen und hielt den Tisch im letzten Moment fest.

»Tewin, jetzt beruhigt Euch doch. Ich verstehe Euren Ärger und meine Gedanken waren die Euren, aber ich denke nicht, dass wir so weiterkommen«, versuchte er den wütenden Mann zu beruhigen, um die Situation nicht weiter eskalieren zu lassen.

»Willkommen El…«, wollte Sephin den Neuankömmling begrüßen und der Luft ebenfalls die Spannung zu nehmen, wurde jedoch harsch unterbrochen.

»Ich mich beruhigen?? Ich bin ruhig! Ich bin es nur leid tatenlos dabei zuzusehen, wie meine Kutschen überfallen und Gesetze nicht eingehalten werden! Heute dies, morgen das. Wer kann uns sagen, was die Zukunft bringen wird? Wir wollten Frieden keinen Machtkampf!« Tewin sah sich grimmig nach Bestätigung um, dann fuhr er fort.

»Ich sehe schon, ich werde selbst eingreifen müssen. Ihr wollt oder könnt es ja scheinbar nicht sehen!«, blaffte er.

Beruhigend trat Elias noch einen Schritt näher auf ihn zu.

»Ich verstehe Euch und Euren Ärger. Kommt!« Seine Hände zeigten bittend in Richtung des Stuhles. »Bitte setzt Euch wieder. Auch ich habe die Vorgänge der letzten Zeit verfolgt und eine Idee kam mir in den Sinn. Sie wird nicht alles lösen können, aber vielleicht in Zukunft unsere Länder stärker sichern. Hört mich also an!«

Tewin schnaubte verächtlich, während ein erstauntes Raunen durch den Rest der Männer ging.

Elias sah kurz jedem der Anwesenden ins Gesicht und nickte ihnen zu, bevor auch er an dem schweren Holztisch Platz nahm und zu sprechen begann.

Widerwillig gab sich auch Tewin geschlagen und zog sich zähneknirschend seinen Stuhl heran, richtete ihn wieder auf, um sich, bockig wie ein kleines Kind, darauf zu setzen.

Nun konnte ihr Treffen beginnen. Ein Treffen, das dieses Jahr den fünfundzwanzigsten Jahrestag feiern würde – und sie stritten sich hier wie kleine Kinder, kam es Elias in den Sinn.

Vierundzwanzig Jahre lang hatte es fast nie Probleme und Streitigkeiten gegeben, und nun seit gut einem Jahr kam es vermehrt zu Unstimmigkeiten. Der größte Streitpunkt war auch dieses Mal wieder ihr Nachwuchs. Während Elias nur ein einziges Kind und noch dazu eine Tochter vorzuweisen hatte, besaßen die anderen vier Regenten stattliche Söhne.

Einer von diesen Söhnen, Gregor Prinz von Fallenday, war in letzter Zeit immer mehr negativ aufgefallen. Ihm schien es ganz und gar nicht zu behagen, eines Tages ‚nur’ Fallenday zu regieren.

Immer wieder war es an den Grenzen der fünf Länder zu Überfallen und Diebstählen gekommen und es war nur eine Frage der Zeit, bis mehr geschehen würde. Denn der junge Prinz strebte nach mehr, und da sein Vater ihm dieses mehr nicht bieten konnte, schien er entschlossen dazu, es sich selbst zu nehmen.

Jeder von ihnen hatte dieses Verhalten schon zu spüren bekommen. Wochen-, wenn nicht sogar monatelang, hatte man des Friedens Willens zugesehen und nicht eingegriffen.

In der letzten Zeit hatten sich dann die Vorfälle und Beschwerden in der Bevölkerung gehäuft und nun drängte man sie zum Handeln.

Prinz Gregor musste gestoppt und deutliche Grenzen in seinem Verhalten gezogen werden. Mit einem so uneinsichtigen Vater wie Edwin jedoch würde das Vorhaben nicht einfach werden und Elias hatte sich etliche Gedanken gemacht, wie er dennoch in Zukunft das Fortbestehen der Königreiche sichern konnte.

»Wir haben hier vor vielen Jahren beschlossen, gemeinsam über Symantriet zu regieren und so soll es auch bleiben. Wir müssen verhindern, dass die nächste Generation mehr will als ihr zusteht. Jeder hat sein eigenes Königreich, und zwar jenes, welches er sich damals selbst ausgesucht hat. Ich weiß, die Zeiten haben sich geändert. Wir werden nicht ewig regieren und unser Nachwuchs drängt nach. Manche stärker als andere.«

Er bedachte Edwin mit einem Blick, bevor er weitersprach. »Einige von uns werden ihre Führung bald abgeben, und umso wichtiger finde ich die Aufgabe, die uns jetzt noch bevorsteht. Wir müssen unsere Sprösslinge auf den richtigen Weg geleiten. Wir haben gesehen was geschieht, wenn wir sie einfach gewähren lassen und ich denke jetzt ist es an der Zeit, dass wir eingreifen. Ich weiß nicht, wie ihr dazu steht, aber ich möchte ungern meine Krone abgeben und mich später auf den Weg ins Himmelreich machen, wenn ich Angst haben muss, dass sich unsere Kinder bekriegen und das, was wir uns einst geschworen und aufgebaut haben, in die Brüche geht.«

Elias ließ seinen Blick erst über die Runde und dann auf den edlen Eichentisch, um den sie saßen, gleiten.

Diesen Tisch hatten sie zusammen vor vielen Jahren in Auftrag gegeben. Nachdenklich ließ er tastend seine Finger über die Tischplatte fahren. In der Mitte war eine Karte von Symantriet direkt in das Holz eingearbeitet und mit den Namen der Länder und den entsprechenden Wappen verziert worden. Um die Karte selbst rankte sich ihr Leitsprung: Gemeinsam nie allein.

Diesen Spruch hatte man auch in jedes Tischbein eingraviert und aufwendig verziert. Wie eine ständige Mahnung prangten die Worte auf dem Tisch.

Elias’ Blick wanderte nun zu seinen vier Mitstreitern, seinen Brüdern im Geiste.

»Meine Brüder, ich habe seit Längerem schon diese eine Idee, wie wir unsere Länder stärker verknüpfen können und möchte sie euch endlich vorstellen. Wie ihr alle wisst, habe ich leider keinen Sohn. Meine erste Frau Endline, Gott hab sie selig, starb bei der Geburt meiner Tochter, und meine neue Frau kann keine Kinder empfangen. Meine geliebte Tochter Isabelle ist somit die einzige Thronerbin und nun im heiratsfähigen Alter. Langsam muss ich mir Gedanken für einen passenden Mann an ihrer Seite machen und dabei kam mir dieser eine Gedanke. Wäre es so abwegig, wenn ein Prinz und eine Prinzessin sich verheiraten würden? Ich denke nein, und daher würde ich gerne einen Ball veranstalten, zu dem ich eure Thronerben herzlichst einlade. An diesem Tage soll meine Tochter ihren zukünftigen Ehemann wählen. Ich möchte mein Mädchen in den Händen eines Mannes wissen, mit dem sie glücklich wird, einen der sie auf Händen trägt und bin überzeugt davon, dass einer eurer Söhne es sicherlich täte. So könnten wir unsere Allianzen stärken und unnötigen Streitereien aus dem Weg gehen.«

»Du willst also deine Tochter verschachern?«, schnaubte Edwin Elias unfreundlich an. »Und dann? Wer bekommt dann dein Königreich? Behält es deine Tochter und übernimmt die Kontrolle des anderen Landes zusätzlich oder bekommt der jeweilige Prinz das Ganze?«

Bei seinen letzten Worten glitzerten Edwins Augen.

Er war schon immer der Gierigste von ihnen Fünfen gewesen. Das war gemeinhin bekannt und Elias empfand es als gefährlich.

Tewin schaltete sich dazwischen, bevor er darauf antworten musste.

»Eine großartige Idee, mit solchen Gedanken spielen mein Bruder Lewin und ich auch schon seit geraumer Zeit und gerade heute wollten wir Euch um das Einverständnis bitten. Meine Stieftochter Emeliy und Lewins Sohn Trimald haben sich kennen- und lieben gelernt. Da ich Emeliy als vollwertige Tochter anerkannt habe, sind beide zwar nicht blutsverwandt, aber es wäre eine Verbindung beider Königreiche. Wie du schon sagtest Elias, um Allianzen zu knüpfen. Und verstehe uns nicht falsch, deine Tochter ist bezaubernd, aber eine direkte Verbindung zu meinem Bruder ziehe ich dennoch vor.«

Tewin sah zu Elias und blickte ihn fest an. Sein Bruder tat es ihm gleich. Elias galt schon seit jeher als Vernünftigster der Runde und sein Wort war meist jenes, welches galt.

»Natürlich verstehe ich das, Lewin und Tewin«, begann er mit einem Nicken zu den beiden und lächelte. »Diese Art von Verbindung ist sicherlich die klügste und ich denke, nur so können wir unsere Länder auch nach unserem Tod auf Dauer sichern. Denn nur wenn unsere Kinder miteinander statt gegeneinander arbeiten, ist ein Friede auf Dauer möglich. Wie sagt man doch so schön? Blut ist dicker als Wasser. Nun richtet sich also meine Einladung noch an Euch, Edwin und Sephin. Es wäre mir eine Ehre, Euch und Eure Söhne zu meinen Ball am nächsten Vollmonds-Tag begrüßen zu dürfen. Darf ich auf euer Kommen bauen?«

Elias’ Blick glitt über den nickenden Sephin hin zu Edwin, der gerade den Mund aufmachen wollte.

»Und natürlich würde meine Tochter ihr Reich behalten und der jeweilige Prinz das Seine ebenfalls. Und je nach Belieben können sie es zusammen aber auch getrennt regieren. Mir liegt nichts ferner, als jemanden seines Reiches zu berauben und denke, dass die jungen Leute es selbst unter sich ausmachen können, wie sie in Zukunft verfahren wollen. Außerdem liegt die Entscheidung, wen sie heiraten will, letztendlich bei meiner Tochter. Ich halte mich aus dieser Sache raus«, fügte Elias diplomatisch hinzu, bevor Edwin noch Einwände finden konnte.

Jetzt nickte auch Edwin, wenn auch scheinbar etwas enttäuscht.

Sephin erhob sich von seinem Stuhl und übernahm nun das Wort.

»Dann, meine Lieben, ist es beschlossen. Ich freue mich über eure Einladung, Elias und werde sie auch sofort meinem Sohn übermitteln. Ihr habt wie immer sehr weise gesprochen und ich hoffe ehrlich, dass wir mit solchen Verbindungen unser geschaffenes Symatriet auf Dauer erhalten und diese schrecklichen Überfälle beenden können.«

Mit diesen Worten beendete Sephin das Treffen und erleichtert, vielleicht endlich eine Lösung gefunden zu haben, trennten sich die Wege der fünf Könige nach einem schier endlosen Tag.

♦♦♦

3. Kapitel – Neuigkeiten

Endline - Schloss Trebin

Elias

Es war früher Abend als König Elias in den Schlosshof von Trebin einritt. Das Licht des Tages wurde bereits weniger und im Schloss erleuchteten die ersten Fackeln die Zimmer und den Schlosshof.

Elias ritt mit seinem Begleitrupp in Richtung Stall, wo ihm Diener und Knechte bereits entgegenliefen, um ihm das Pferd abzunehmen.

»Willkommen, mein König. Das Essen wird in Kürze arrangiert sein.

Wollt Ihr Euch noch umziehen? Darf ich Eurer Gattin etwas ausrichten?«

Der Oberhofmeister seiner Frau war sofort auf ihn zugestürmt und Elias musste sich sichtlich beherrschen, um den übereifrigen Mann nicht in die Schranken zu weisen.

»Danke Oberhofmeister, aber ich werde meine Gattin nachher selbst aufsuchen und mich dann umkleiden.« Er mochte diesen aufgeblasenen Kerl nicht. Hätte seine Frau sich nicht für ihn eingesetzt, er hätte die Stelle schon vor ewigen Zeiten mit einem anderen besetzt. Elias wandte sich um und richtete sein Wort an seinen Hauptmann:

»Sorgt dafür, dass die Pferde gut versorgt werden. Ich werde noch einen Besuch im Garten machen.«

Mit diesen Worten ließ er den Menschenauflauf hinter sich und hinkte in Richtung des kleinen Portals, das in die Schlossmauer eingelassen war. Die schwere Tür ließ sich erstaunlich leicht öffnen, wenig später stand er bereits im Schlossgarten und zog die Tür wieder leise hinter sich zu.

Beim Eintreten hatte er den Blick auf zwei Gestalten, die weit hinten auf der steinernen Bank am Rande der Klippe saßen und in die Ferne starrten, erhaschen können.

Geschützt von der Schlossmauer und den Steilhängen des Berges war der Garten für Eindringlinge unerreichbar, und so konnte es sich dabei nur um zwei besondere Menschen handeln. Elias schmunzelte.

Endline – Schlossgarten

Elias

Während Elias den ganzen Tag unterwegs gewesen war, hatte seine Tochter den Tag wie üblich im Schloss mit ihrer Amme verbracht.

Eigentlich war Isabelle – Estelle – Sophie, Prinzessin und Thronerbin von Endline, schon seit Jahren zu alt für eine Amme. Da ihre Mutter jedoch bei ihrer Geburt gestorben war und sie diese nie hatte kennenlernen dürfen, war alsbald die Amme Selina in das Leben des kleinen Mädchens getreten.

Die nunmehr alte Frau hatte sich stets hingebungsvoll um Isabelle gekümmert und war mit den Jahren immer mehr von einer Dienerin zum Mutterersatz geworden.

Auch als Elias neu geheiratet hatte, brachte er es nicht übers Herz, seine Tochter und ihre Amme zu trennen.

Ganz im Gegenteil: Obwohl Isabelles Stiefmutter Camelia die Amme aus ihm unbegreiflichen Gründen nicht ausstehen konnte, hatte er sich damals dafür eingesetzt, dass Selina ein lebenslanges Anrecht auf einen Platz in seinem Gefolge erhielt.

Nun lebte die Amme schon seit einigen Jahren mit ihrem Mann in einer kleinen Wohnung direkt am Schloss und kümmerte sich weiterhin hingebungsvoll um die Königstochter.

Als Elias im Garten wandelte und der Bank langsam immer näher kam, erwachten in ihm die Gedanken an vergangene Zeiten.

Wie oft hatte er hier mit seiner Tochter gesessen? Wie oft hatte er mit ihr unter der großen Linde gespielt? Und wann war seine kleine Tochter eigentlich erwachsen geworden?

Er seufzte.

Auf der Bank hatte er zunächst nur die Umrisse der Amme und einer jungen Frau ausmachen können. Nun beim Näherkommen wurden die Konturen der beiden Frauen schärfer. Er sah, dass sie die Stickereien, an denen sie scheinbar gearbeitet hatten, zur Seite gelegt hatten und stattdessen die Köpfe gen Himmel reckten. Sie versuchten die letzten warmen Sonnenstrahlen an diesem Tag in sich einzusaugen. Die Amme erzählte ihrem Schützling dabei etwas, was Elias aus der Entfernung nicht verstand, die Prinzessin aber sehr erheitern musste, denn sie begann daraufhin glockenhell zu lachen.

Er war jedes Mal gerührt, wenn er die beiden so einvernehmlich sah und unwillkürlich musste er in diesem Moment an seine verstorbene Frau Endline denken.

Sie hatte ebenfalls mit der Sonne um die Wette gestrahlt und immer versucht, jeden nur erdenklichen Augenblick zu nutzen. Bis es eines Tages zu spät gewesen war.

Sein kranker Fuß stieß unsanft gegen eine Wurzel und riss ihn aus seinen Gedanken. Er fluchte leise und schimpfte mit sich selber.

Nur noch wenige Meter trennten ihn von der Bank. Die Frauen schienen ihn noch immer nicht bemerkt zu haben.

»Guten Abend, meine Tochter, guten Abend Selina«, begann er als er genau hinter ihnen stand.

Die beiden Frauen fuhren erschreckt herum und er setzte ein strahlendes Lächeln auf. Isabelles Augen sprachen Bände. Er hatte sie ertappt.

Ganz die Prinzessin ließ sich das junge Mädchen jedoch nichts weiter anmerken, der Ausdruck aus ihren Augen verschwand sofort wieder.

Sie stand lächelnd auf und lief um die Bank herum, um ihn zu begrüßen.

»Guten Abend Vater, Ihr wart sehr lange weg«, bemerkte sie und sah ihn musternd an, bevor sie zaghaft weitersprach: »Verlief der Tag zu Eurer Zufriedenheit?«

Diese zurückhaltende Art passte ganz und gar nicht zu seiner Tochter.

Das kluge Mädchen schien bereits vor seiner Abreise gespürt zu haben, dass etwas im Argen lag und es am Abend wahrscheinlich verändernde Neuigkeiten geben werden würde.

Elias betrachtete seine Tochter genau und wusste, dass sie begierig auf diese Neuigkeiten sein musste. Er beschloss jedoch, dass es weder der richtige Zeitpunkt noch der richtige Ort war, um das Thema anzuschneiden.

»Natürlich Belle«, antwortete er daher mit einem Augenzwinkern.

Isabelle nickte nur höflich.

Elias sah seine Tochter an. Belle, das war ihr Kosename, den sie bereits seit Kindertagen trug und der wohl nie wieder verschwinden würde. Sie würde für ihn immer sein kleines Mädchen sein. Aus einer Intuition heraus hakte er sich bei seiner Tochter ein und zog sie auf den von hohen Bäumen gesäumten Weg. Er hatte plötzlich Lust auf einen kleinen Spaziergang.

Die Amme lief ihnen in gebührendem Abstand hinterher.

»Wie habt Ihr heute den Tag verbracht, Tochter? Ihr scheint ja das Wetter ausgiebig genutzt zu haben.« Sein gespielt tadelnder Blick wanderte über seine Schulter hinweg zur Bank und den liegen gelassenen Stickereien.

Noch bevor Belle antworten konnte, war Selina neben sie getreten und hatte das Wort ergriffen.

»Nachdem die Prinzessin heute den ganzen Tag so fleißig mit ihren Lehrern drinnen verbracht hat, habe ich unsere Arbeiten nach draußen verlegt, um wenigstens die letzten Strahlen der Sonne zu genießen.« Naserümpfend sah sie sich um. »Im Schloss findet man zu dieser Jahreszeit ja sonst kein Zimmer, das hell genug ist. Und dass wir nicht weit mit unserer Stickerei gekommen sind, lag an mir, Eure Hoheit. Meine Finger wollten nicht so wie ich, und daher bat ich die Prinzessin eine Pause einzulegen.«

Elias schmunzelte. Das war typisch für Selina. Sie nahm ihren Schützling in Schutz.

Ihn störte es jedoch nicht, dass seine Tochter so wenig Zeit mit Sticken und Nähen verbrachte. Ihm war wichtig, dass sie ihren Unterricht in Geschichte und den Sprachen nicht versäumte, und da sie den Wissensdurst ihrer Mutter geerbt hatte, brauchte er sich darüber keine Gedanken zu machen.

»Selina?«, begann er.

»Ja?«, antwortete die Amme. Elias sah die alte Frau väterlich an und sprach dann weiter:

»Ihr braucht Euch nicht zu rechtfertigen. Am wenigsten vor mir. Ich weiß, dass ich mich immer auf Euch verlassen kann und Ihr meine Tochter auf den richtigen Weg haltet. Ich vertraue Euch.«

»Vielen Dank, Euer Majestät«, flüstere die Amme und ihr Kopf verfärbte sich leicht rot.

Elias blickte wieder zu seiner Tochter und richtete das Wort an sie: »Ich werde nun hineingehen. Belle? Bitte seid so gut und kommt vor dem Abendessen in meine Gemächer. Ich habe noch eine Kleinigkeit mit Euch zu besprechen.«

»Natürlich Vater«, antwortet sie folgsam und musterte aufmerksam sein Gesicht. Sie schien zu versuchen seine Mimik zu deuten, aber nur mäßigen Erfolg dabei zu haben.

Gut gelaunt drückte er seine Tochter kurz an sich. »Perfekt, mein Engel«, meinte er schmunzelnd, »dann sehen wir uns gleich«, und machte sich dann alleine auf den Weg ins Schloss. Belle und die Amme blieben hinter ihm zurück.

Belle

»Perfekt, mein Engel«, mit diesen Worten war das Gespräch beendet und ihr Vater ließ sie im Garten zurück, während er langsam in Richtung des Portals humpelte.

Belle blickte ihm noch einen Moment nach, bevor sie sich zu ihrer Amme umdrehte.

»Was denkt Ihr, Selina? Was für Nachrichten hat Vater wohl?« Die junge Prinzessin sah ihre Amme fragend an.

»Vater war in letzter Zeit so anders. In sich gekehrt und ständig in Gedanken. Ob es etwas mit diesen Neuigkeiten zu tun hat oder allgemein mit den Überfallen im Land?«

»Ich weiß nicht, Prinzessin, aber er scheint recht gute Laune zu haben, meint Ihr nicht? Da kann es doch eigentlich gar nichts Schlimmes sein…« Die Amme sah sie mütterlich an.

»Kommt, lasst uns auch hineingehen. Es ist schon spät und wir sollten Euch noch umkleiden für das Abendessen, bevor Ihr zu Eurem Vater müsst. In diesen verschmutzen Kleidern lässt Euch Eure Schwiegermutter sicher nicht an ihrem Tisch platznehmen. Ihr werdet noch früh genug erfahren, was es Neues gibt«, beendete Selina das Gespräch und damit auch Belles Grübeln.

»Ja, Ihr habt Recht.« Sie nickte, woraufhin die noch erstaunlich flinke Amme in Rekordzeit ihre Stickereien zusammenpackte, sich bei ihr einhakte und sie dann mit ungebrochener Kraft in Richtung des Schlosses zog.

Endline - Schloss Trebin – Königliche Gemächer

Elias

Elias hing wieder seinen Gedanken nach. Er spielte schon seit geraumer Zeit mit Heiratsplänen für seine Tochter, doch jetzt, wo diese endlich Formen annahmen, fiel es ihm immer schwerer sein kleines Mädchen loszulassen. War es wirklich die richtige Entscheidung? Tief in seinem Inneren wusste er, dass es Zeit war sie ihre eigenen Wege gehen zu lassen. Die Spannungen an den Grenzen zwangen ihn zudem zu handeln und früher oder später hätte er sie sowieso verheiraten müssen.

Elias seufzte und lief weiter den langen Gang zu seinen Gemächern entlang. Immer wieder drängte sich eine Frage in sein Unterbewusstsein: Wie würde sie es aufnehmen?

Seine Tochter war eine starke junge Frau und er hoffte inständig, dass er das Richtige tat und sie sich den passenden Mann wählen würde, einen, der sie nicht versuchte zu brechen.

Der alte König erreichte die Tür zu seinen Gemächern und hielt inne. Von drinnen hörte er lautes Gekeife. Als das Gekreische einen Moment verstummte, holte er Luft und trat in das Zimmer. Eine junge Frau kam energisch in das Gemach gelaufen und griff nach etwas, das auf einem Tisch in der Mitte lag.

»Guten Abend, Camelia«, rief Elias ihr zu. Die Frau nickte ihm nur kurz zu, drehte sich um und war bereits wieder im Schlafgemach verschwunden.

Er blickte ihr nach. Camelia war gut zehn Jahre jünger als er und hatte ihn damals mit ihren blauen Augen, ihrem blonden ellenlangen Haar und ihrer verführerischen Gestalt problemlos um den Finger gewickelt.

Es war nun schon ein paar Jahre her, aber er konnte sich noch daran erinnern, als wäre es gestern gewesen.

Der junge König hätte nie gedacht, dass er sich nach Endlines Tod jemals wieder einer Frau hingeben würde, aber entgegen aller Erwartung hatte er sich sofort in Camelia verliebt und sie geheiratet.

Zu seinem großen Unglück kamen seine Tochter und ihre neue Stiefmutter nicht miteinander aus. Mit seiner erneuten Heirat waren auch Unmut und Groll in sein Zuhause eingezogen und wurden von Jahr zu Jahr größer.

Beide Frauen war äußerst willensstark und nicht bereit auch nur einen Deut von ihrer Meinung abzugehen. Elias war es langsam leid, immer als Vermittler agieren zu müssen. Aus diesem Grund war er auch ein klein wenig froh, dass, wenn Belle heiraten würde, die Spannung wenigstens im Schloss nachlassen würde.

Plötzliches drang lautes Geschrei an sein Ohr und riss Elias unsanft in die Gegenwart zurück. Dann ein anderes Geräusch: etwas musste zerbrochen sein. In Erwartung eines Unheils lief er, so schnell es ihm möglich war, zur Tür des Schlafgemaches und blickte hinein.

Er sah wie seine Frau aus Leibeskräften eine Magd anschrie. Das Mädchen schätzte Elias kaum älter als Belle. Es stand neben einem Scherbenhaufen, der einmal ein Krug gewesen sein musste. Der ehemalige Inhalt des Kruges lief munter auf dem Boden entlang und sammelte sich dann in einer der Ritzen im Stein.

Camelia musste das Gefäß nach ihr geworfen und sie nur um Haaresbreite verfehlt haben. Verschreckt und zitternd stand das Mädchen da und zuckte bei jedem Wort, das Camelia ihr entgegen schrie, weiter zusammen.

Aus den Wortfetzen, die ihm entgegen drangen entnahm er, dass die Magd eine kleine Falte im Bettlacken übersehen hatte.

Wegen solcher Nichtigkeiten machte seine Frau in letzter Zeit ständig Szenen. Er konnte ein Kopfschütteln nicht unterdrücken. Glücklicherweise schien sie es nicht bemerkt zu haben und schimpfte weiter.

Genervt von ihrem Aufheben drehte sich Elias einfach um und begab sich zurück in sein Audienzzimmer.

Seine Reise war anstrengend und dies kein schöner Empfang. Willkommen zuhause….

Camelia, die bemerkt haben musste, dass er den Raum wieder verließ, lief ihm schimpfend nach.

»So eine unnütze Dienerschaft! Alles muss ich hier selber machen und kontrollieren«, schimpfte sie unentwegt weiter, während sie mit hartem Blick die Magd im Nebenzimmer beobachtete, die auf ihren Befehl das Laken erneut glättete.

Auch Elias Blick wanderte zu der Magd. Das junge Mädchen zitterte wie Espenlaub und hatte sichtlich Probleme das Laken knitterfrei zu bekommen. Verständnislos blickte er seine Frau an. Sie ignorierte seinen Blick.

»Guten Abend, Gemahlin«, begann Elias.

»Guten Abend? Nichts ist hier gut. Ihr ward auf und davon und hier ging alles drunter und drüber. Die gesamte Dienerschaft macht sich über mich lustig und gehorcht meinen Befehlen nicht! Ihr ward doch eben anwesend! Habt ihr es nicht gesehen?«, schrie und jammerte sie ihn an. Elias bedurfte es keiner weiteren Erklärung. Er kannte das Gekeife in- und auswendig. Doch sein Entschluss stand damals fest und auch heute würde er ihn nicht mehr ändern... Sie würde nie die Königin sein – nur die Frau an seiner Seite und das hielt sie ihm nach. Dabei hatte er ihr die Krönung nur verwehrt, weil es in seinem Leben nur eine Königin gegeben hatte: Endline.

Ihren Platz konnte in seinen Augen keine andere einnehmen, und so musste sich Camelia mit dem Titel Prinzessin begnügen. Andere Frauen hätten sich nicht daran gestört, aber Camelia war anders.

Sie konnte oder wollte ihn und seine Haltung nicht verstehen, doch in dieser einen Sache würde er ihr nie nachgeben. Zumal er darin kein Problem sah.

Camelia war die Frau an seiner Seite, hatte ihren eigenen Hofstaat, ihre Freiheiten, ihr Personal. Nur der Titel fehlte.

Sie hätte sich damit abfinden sollen, tat es aber nicht … Elias hatte sich daher angewöhnt, ihr Gejammer einfach zu ignorieren und sprach gleich den bevorstehenden Ball und Idee über eine Verlobung Belles an.

Wie er sich schon hatte denken könne, nahm sie diese Nachricht freudestrahlend auf und ihr Ärger verpuffte im Nichts.

»Dann wird sie endlich heiraten, ihren eigenen Haushalt gründen und uns verlassen?«

Er nickte und ein mulmiges Gefühl beschlich ihn bei ihren letzten Worten. Hatte er sich wirklich gut überlegt?

»Worauf wartet Ihr dann noch? Wir haben noch so viel zu planen. Einladungen müssen geschrieben und verschickt werden. Die