Taktische Periodisierung im Fußball - Timo Jankowski - E-Book

Taktische Periodisierung im Fußball E-Book

Timo Jankowski

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Beschreibung

"Um Klavier spielen zu lernen, rennt der Klavierspieler nicht um das Klavier, er spielt das Klavier!" Vorbei sind die Zeiten, in denen die Ausdauer im Wald trainiert wurde und die Schnelligkeit völlig fußball-untypisch nach einem Pfiff-Signal wie in der Leichtathletik. Isolierte Torschussübungen sind ebenso wenig spielnah wie Passübungen ohne einen taktischen Bezug zum Spiel. Das Ziel der taktischen Periodisierung ist es daher, so spielnah wie möglich zu trainieren, weshalb alle Übungen mit Ball absolviert werden. Ausgangslage für die Trainingsplanung ist das Spiel selbst, das der beste Lehrmeister ist. Der Ball und die Taktik stehen im Mittelpunkt der Trainingsgestaltung, da erst durch die Taktik andere Leistungsfaktoren wie die Athletik in ein Fußballspiel übertragen werden können. Viele der momentan erfolgreichsten Weltklasse-Trainer und Mannschaften nutzen das Konzept der taktischen Periodisierung: so auch Pep Guardiola, José Mourinho, Marcelo Bielsa, Diego Simeone, André Villas-Boas und Vereine wie der FC Barcelona oder der FC Porto. In aufwendiger Recherche wurden Hunderte von Trainingseinheiten beobachtet, Videos ausgewertet, Fachliteratur gesichtet, Übungen analysiert und speziell auf vielfach nachgefragte Bedürfnisse zugeschnitten, sodass jeder Trainer und jede Mannschaft diese Übungen nutzen kann. Mithilfe der taktischen Periodisierung wird Ihr Team sich schnell extrem verbessern.

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Timo Jankowski

Taktische Periodisierung im Fußball

Die Übungen der Spitzentrainer. Trainieren wie Guardiola und Mourinho

Meyer & Meyer Fachverlag & Buchhandel GmbH

Inhaltsübersicht

Kapitel 1: Work hard and work smart - Fakten, Trends, „Fans“ und taktische PeriodisierungDas Konzept der taktischen PeriodisierungKapitel 2: Unterschiedspieler: Selbstvertrauen, Eigenmotivation, Demut, Leistungsdruck, Persönlichkeitsentwicklung und „Positive Pushing“Kapitel 3: Trainingsplanung und Trainingssteuerung – Definitionen und Grundlagen3.1 Gesetzmäßigkeiten des Trainings als Basis für sportlichen Erfolg3.2 Trainingsprinzipien als Grundlage der Planung und Steuerung3.3 Prinzipien zur Festigung der Anpassung3.4 Tapering: Leistung im richtigen Moment abrufenKapitel 4: Langfristige Athletenentwicklung – die sieben Stufen des „Long-Term Athlete Developments“ (LTAD)Kapitel 5: Ein Querschnitt durch verschiedene Periodisierungsmodelle5.1 Die klassische lineare Periodisierung5.1.1 Vorbereitungsperiode5.1.2 Wettkampfperioden5.1.3 Übergangsperiode5.1.4 Ganzjahresperiodisierung im Fußball – Zyklisierung bei einer Doppelperiodisierung5.1.5 Nutzen der klassischen Periodisierung für den Fußball5.2 Die Blockperiodisierung5.2.1 Kennzeichen der Blockperiodisierung5.2.2 Nutzen der Blockperiodisierung im Fußball5.3 Die Wellenperiodisierung5.3.1 Nutzen der Wellenperiodisierung im Fußball5.4 Die Coerver-Methode5.4.1 Die Coerver-Pyramide5.5 Das Erfolgsrezept der Brazilian Soccer Schools von Simon Clifford5.6 Das Entwicklungsmodell von Horst Wein5.6.1 Gedanken zum Thema Spielintelligenz im Fußball5.6.2 Spielintelligenz im Wettkampf5.6.3 Exkurs: „Ich mag das kontrollierte Chaos" – Fußball als Gehirnsport schneller wahrnehmen, schneller handeln5.6.4 Die Schulung der Spielintelligenz: Das fünfstufige Entwicklungsmodell von Horst Wein im Detail5.6.5 Horst Weins Mini-Fußballkonzept „FUNiño“ und die Studie U 9 von Manchester United5.6.6 Beispiele für offene Fragen im Fußballtraining5.7 Das Modell von Dr. Raymond Verheijen5.7.1 Die vier konditionellen Fähigkeiten nach Verheijen5.8 Zusammenfassung der vorgestellten PeriodisierungsmodelleKapitel 6: Dualismus, „Fußball-Denken“ und warum immer Performance statt Kompetenz trainiert werden sollteKapitel 7: Das Erfolgskonzept der taktischen Periodisierung – ein fußballspezifischer, ganzheitlicher und taktischer Ansatz7.1 Die vier Phasen des Spiels und das Umschaltverhalten7.2 Bedeutung und Entwicklung eines Spielmodells im Konzept der taktischen Periodisierung7.2.1 Die Entwicklungsschritte eines Spielmodells im Detail7.2.2 Beispiel für die Untergliederung taktischer Verhaltensweisen7.3 Die acht methodologischen Prinzipien und die 10 größten Fehler, die man begehen kann beim Konzept der taktischen Periodisierung7.3.1 Die acht methodologischen Prinzipien7.3.2 Zehn Fehler, die man unbedingt vermeiden sollte7.4 Mentale Einflussfaktoren, Taktische Konzentration und die Wichtigkeit der Spezifität und einer spielnahen Intensität7.5 Vermittlung der Lerninhalte bei der taktischen Periodisierung7.5.1 Die differenzielle Lernmethode7.5.2 Implizites Lernen7.6 Mikrozyklus – der Wochenaufbau der taktischen Periodisierung im Detail7.6.1 Der Wochenplan im Detail7.7 Taktische Periodisierung von Trainingsinhalten und die enormen Vorteile von Positionsspielen7.8 Abschlussbetrachtung und Überlegenheit der taktischen PeriodisierungKapitel 8: Über 60 Praxisbeispiele der Spitzentrainer und Top-NachwuchsakademienKapitel 9: Last, not least „Zufriedenheit vs. Dankbarkeit”Bildnachweis

Kapitel 1: Work hard and work smart - Fakten, Trends, „Fans“ und taktische Periodisierung

„Im Fußball gibt es nicht nur eine Wahrheit – und warum Fußball kein Krieg ist, sondern ein Spiel.“

„Look at the best, learn from the best, be the best“: Weltklasse unter sich – Cristiano Ronaldo und Lionel Messi

©picture-alliance/dpa

Leider ist immer noch von etlichen Trainern bei der Motivationsansprache vor einem Spiel zu hören, dass Fußball Krieg sein soll.

Da Krieg ohnehin etwas Negatives ist, kann man über diese Aussage nur schmunzeln.

Fußball ist laut Definition ein Spiel.

Sicherlich spielen Duelle, eine positive Aggressivität und Durchsetzungsvermögen eine wichtige Rolle.

Doch wer beim Fußball von Krieg statt von einem Spiel ausgeht, wird auch sein Training falsch aufbauen und die Spieler werden davonlaufen.

Oftmals lassen Trainer mit dieser Auffassung vom Fußball ihre Spieler ähnlich wie beim Militär sinnlos Runden um den Platz laufen und ihre Spieler kreisen dabei die Arme oder führen andere militärähnliche Drills durch.

Mal ehrlich, wie viele Fußballer haben Sie schon gesehen, die im Spiel mit immer demselben Tempo im Kreis laufen und die Arme kreisen?

Kampf als Teil des Spiels – Cristiano Ronaldo beim Tackling

©picture-alliance/dpa

Trainerlegende Wiel Coerver sagte sinngemäß einmal, dass es im Fußball nicht nur eine Wahrheit gibt und viele Wege zum Ziel führen:

Brasilien wurde Weltmeister mit Joga Bonito.

Spanien wurde Weltmeister mit Tiki-Taka.

Deutschland wurde Weltmeister mit Disziplin und Organisation.

Italien wurde Weltmeister mit Catenaccio.

Argentinien wurde Weltmeister mit Diego Maradona und Frankeich mit Zinedine Zidane.

Die Niederlande wurden noch nie Weltmeister, trotz Johann Cruyff, Marco van Basten und Arjen Robben.

Erfolg im Fußball ist mit vielen verschiedenen Wegen und Spielideen möglich und genau das macht den Fußball so interessant und abwechslungsreich, wie keine andere Sportart.

Doch Fakt ist, wie bei einem Benchmarking in der Wirtschaft, muss man die besten Fußballmannschaften und die weltbesten Spieler auf den jeweiligen Positionen genauestens analysieren, wie diese spielen, sich verhalten und wie sie trainieren.

„Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit.“

Der Fußball und die moderne Trainingslehre entwickelt sich rasant weiter …

Auch wenn Zahlenspiele und Statistiken im Fußball oftmals belächelt werden, kommt man nicht darum herum, anzuerkennen, dass es von hoher Bedeutung – gerade in der Ausbildung – ist, wenn ein Fußballtrainer weiß, dass beispielsweise 80 % aller Pässe direkt oder nach maximal einer zusätzlichen Ballberührung gespielt werden, oder dass 75 % aller Ballmitnahmen im Spitzenbereich mit Gegnerdruck im Rücken stattfinden.

Ganz zu schweigen davon, dass, abhängig von der Liga, mittlerweile +/- 30 % aller Tore nach Standardsituationen fallen.

Taktikgenie Marcelo Bielsa, der bei der WM 2010 Nationaltrainer von Chile war, nahm 700 Videos mit Material der Gegner nach Südafrika mit und begründete dies mit der Aussage:

„Ich weiß, dass Erfolg und Glück keine Synonyme sind.“

Durch TV und Internet gelangt Fußball-Know-How nun auch in die entlegensten Winkel der Welt, wodurch ein jahrzehntelanger Wettbewerbsvorteil der westlichen Fußballwelt verschwindet.

Vermeintlich „kleine Nationen“ haben in allen Bereichen des Fußballs enorm aufgeholt und das Niveau wird immer ausgeglichener.

Wer sich nicht weiterentwickelt, wird mittlerweile von den „kleinen Nationen“ gefressen, die hungrig nach Erfolg sind.

Costa Rica marschierte auf einmal bei der WM 2014 völlig verdient ins Viertelfinale und scheiterte dort unglücklich erst im Elfmeterschießen an der großen Fußballnation Niederlande.

Bei der FIFA-Klub-Weltmeisterschaft 2014 gelang Auckland City FC aus der kleinen Rugby- und Kricketnation Neuseeland erstmals das Erreichen des Halbfinales und belegte mit einem 4:2-Sieg im Elfmeterschießen gegen den mexikanischen Vertreter CD Cruz Azul den dritten Platz.

Auch in Neusseland entwickelt sich der Fußball weiter: Auckland City FC dritter Platz bei der FIFA-Klub-WM 2014.

©picture-alliance/dpa

Mannschaften aus der viertklassigen Regionalliga in Deutschland werfen Teams aus der Ersten Bundesliga aus dem DFB-Pokal.

Es passiert auch immer öfters, dass beispielsweise Nationalmannschaften aus Ländern mit geringen Einwohnerzahlen, wie die Färoer-Inseln mit nicht einmal 50.000 Einwohnern, den Europameister Griechenland mit 10 Millionen Einwohnern auswärts verdient mit 0:1 schlagen, da auch diese Teams über sehr gute Strukturen und Förderprogramme verfügen.

Damit Island international konkurrenzfähig ist, wurden u. a. zahlreiche Fußballhallen gebaut, damit auch in den kalten und dunklen Wintermonaten ein Spielbetrieb stattfinden kann.

Die Erfolge dieses gut durchdachten Systems sprechen für sich: So scheiterte Island 2013 erst im letzen Play-off-Spiel für die WM-Qualifikation gegen Kroatien, nachdem das Hinspiel 0:0 ausgegangen war.

2014 wurden die Niederlande mit Weltstars wie Arjen Robben in der EM-Qualifikation souverän mit 2:0 von Island geschlagen.

Fußball im Wandel: EM-Qualifikation 2014 – Island gewinnt gegen die Niederlande mit den Weltstars Arjen Robben und Wesley Snejder verdient mit 2:0.

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Interessant ist auch der Gedanke, was passieren würde, wenn Länder in Afrika eine bessere Infrastruktur im Fußball hätten oder nur schon jedes Kind einen Ball hätte.

Fußball-Olympiasieger Nigeria mit über 150 Millionen fußballbegeisterten Einwohnern würde bei entsprechenden Strukturen viele europäische Teams wohl überrollen.

Aus einer einzigen Fußballschule in Abidjan/Elfenbeinküste, in der es eine mehr oder weniger westliche Infrastruktur gibt, stammen Weltstars wie Yaya Touré (u. a. Manchester City), Kolo Touré (u. a. FC Liverpool), Salomon Kalou (u. a. FC Chelsea), Emmanuel Eboue (u. a. FC Arsenal) oder Arthur Boka (u. a. VfB Stuttgart).

Doch auch die Elfenbeinküste mit ihren Topstars muss hellwach sein: Beim Africa-Cup of Nations 2012 in Gabun und Äquatorialguinea verlor die Elfenbeinküste das Finale gegen ein als völliger Außenseiter abgestempeltes Sambia, das dank seines charismatischen und fußballfachlichen Spitzentrainers Hervé Renard das Turnier mit einer guten taktischen Strategie gewann.

Auf der Pressekonferenz vor dem Finale spricht Renard über die Magie des Fußballs:

„Acht Jahre lang habe ich den Müll rausgetragen. Jetzt stehe ich als Trainer im Endspiel des Afrika-Cups. Fußball ist magisch, oder?“

2015 vollbrachte Renard das Kunststück, als erster Trainer 2 x den Afrika-Cup zu gewinnen und besiegte nun als Nationaltrainer der Elfenbeinküste Ghana in einem denkwürdigen Elfmeterschießen.

Disziplin und harte Arbeit: Hervé Renard – vom Gebäudereiniger in Frankreich zum Afrika-Meister mit Sambia und der Elfenbeinküste und nun wohl bald bei der nächsten Weltmeisterschaft zu sehen.

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Dass bei der WM 2014 viele sogenannte Fans der deutschen Nationalmannschaft sich beim Unentschieden gegen Ghana oder dem Sieg in der Verlängerung gegen Algerien über die DFB-Elf beschweren und „… wie es denn sein könnte, dass Deutschland gegen diese Teams nicht klar gewinnt“, kann nur einer totalen westlichen Überheblichkeit oder einem komplett fehlenden Fußballsachverstand zugeschrieben werden.

Als ob in Afrika kein Fußball gespielt werden würde …

Generell gibt es im Fußball gerade in unseren Breitengraden und vor allem im deutschsprachigen Raum extrem negative Verhaltensmuster und unproduktive Einstellungen, die sich vor allem durch diese sogenannten Fans verbreiten:

Mitte Juli wurde die deutsche Nationalmannschaft nach dem WM-Sieg noch frenetisch gefeiert, um dann nicht einmal zwei Monate später beim erneuten Aufeinandertreffen bei der 2:4-Niederlage gegen Argentinien, nach nicht einmal 20 Minuten, von den eigenen „Fans“ ausgepfiffen zu werden!

Der Autor Timo Jankowski in der Elfenbeinküste – Lebensfreude und begnadete Talente; aber oftmals – wie auch auf diesem Bild – teilen sich 30-40 Kinder einen einzigen Ball.

Wie in allen Lebensbereichen macht die Globalisierung auch im Fußball nicht halt.

Mannschaften aus Afrika verteidigen diszipliniert wie Europäer, Europäer zaubern wie Brasilianer, Brasilianer spielen ein kompaktes Pressing gegen den Ball und kontern.

Es gibt extrem starke Kopfballspieler aus Mexiko und Chile, aber Engländer mit Problemen im Luftkampf.

Das 1-4-3-3 wird schon lange nicht mehr nur von niederländischen Teams genutzt und die Niederländer selbst spielten bei der WM 2014 mit einer Grundordnung im 1-3-5-2.

Schaut man sich die momentan weltbesten Nationalteams und Vereinsmannschaften genau an, stößt man zwangsläufig bei einer exakten Analyse darauf, dass nahezu alle Trainer und Mannschaften, die momentan im Fußball Erfolg haben, eine spezielle Form der Trainingsplanung und Trainingssteuerung sowie dasselbe Konzept für ihre Erfolge einsetzen.

Im Jahr 2014 nutzten neben den Europapokal-Final-Teilnehmern Atlético und Real Madrid, sowie Benfica Lissabon und dem FC Sevilla auch die vier Halbfinalisten Bayern München, Chelsea London, FC Valencia und Juventus Turin ein ganz spezielles Trainingskonzept:

Das Konzept der taktischen Periodisierung

Pep Guardiola und José Mourinho – die beiden bekanntesten Vertreter, die ihre Planungen taktisch periodisieren.

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In den Topligen, wie der deutschen Bundesliga, der englischen Premier League und der spanischen Primera División, gewannen mit dem FC Bayern München, Manchester City und Atlético Madrid ebenfalls Mannschaften den Titel, deren Trainer alle auf das Konzept der taktischen Periodisierung setzen.

Neben den beiden momentan weltweit erfolgreichsten Trainern, Pep Guardiola und José Mourinho, bauen viele weitere, international renommierte Spitzentrainer ebenfalls auf das Konzept der taktischen Periodisierung:

Louis van Gaal – einer der erfolgreichsten Trainer in der Geschichte des Fußballs, baut sein Training komplett spielnah nach einer klar strukturierten Spielidee und taktischen Prinzipien auf.

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Marcelo Bielsa aktuell bei Olympique Marseille tätig, wird von keinem Geringeren als Pep Guardiola offiziell als Vorbild bezeichnet, nutzt die Prinzipien der „Periodização tática“.

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Carlos Queiroz, der mit Portugal U-17- und U-20-Weltmeister wurde, Assistenztrainer bei Manchester United und Cheftrainer bei Real Madrid war und nun als Nationaltrainer des Irak tätig ist.

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André Villas-Boas, der mit dem FC Porto Meisterschaft, Pokal und die Europa League gewann und als Cheftrainer bei Chelsea London, Tottenham Hotspurs war und aktuell bei Zenit St. Petersburg tätig ist, schwört auf die taktische Periodisierung.

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Auch er baut seine Planungen nach taktischen Schwerpunkten auf: der Nordire Brendan Rodgers, der momentan die Geschicke als Cheftrainer beim FC Liverpool leitet und mit attraktivem Angriffsfußball begeistert.

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Algeriens Nationaltrainer Christian Gourcuff ist einer der angesehensten Taktikexperten in Frankreich und feierte große Erfolge beim FC Lorient. In seinem Buch Un autre regard sur le football wird deutlich, dass auch bei ihm alles aus der Taktik abgeleitet wird.

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Rudi Garcia, der mit tollem Angriffsfußball momentan beim AS Rom und zuvor bei OSC Lille die Fans begeisterte, hat ein taktisches Konzept in der Tasche, nach dem er sein Training gestaltet. 2011, 2013 und 2014 wurde er zu Frankreichs „Trainer des Jahres” gewählt.

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Nicht umsonst erhielt Mauricio Pochettino bei den Tottenham Hotspurs einen Vertrag über fünf Jahre. Der 20-fache argentinische Nationalspieler machte als Trainer bei Espanyol Barcelona und dem FC Southampton durch sein hervorragendes, taktisch strukturiertes Konzept auf sich aufmerksam.

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Roberto Martínez Montoliú, aktuell beim FC Everton tätig, gewann 2013 mit Wigan Athletic und dem Konzept der taktischen Periodisierung als Underdog den FA-Cup.

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Erreichte das WM-Viertelfinale in Brasilien und gilt als Costa Ricas Antwort auf José Mourinho – Jorge Luis Pinto, der auf seiner Webseite www.jorgeluispinto.com Einblicke in seine Taktikgeheimnisse und Arbeitsweise gibt.

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Der aktuelle Erfolgstrainer des FC Basel dominiert die Schweizer Liga und begeisterte auch in der Champions-League mit dem Konzept der taktischen Periodisierung: Paulo Sousa als Spieler Juniorenweltmeister und zweifacher Champions-League-Sieger.

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Zahlreiche weitere bekannte Spitzentrainer, wie Jorge Sampaoli (Nationaltrainer Chile), Julen Lopetegui (FC Porto), Jorge Jesus (Benfica Lissabon) oder Luis Enrique Martínez García (FC Barcelona), bauen ihre Planungen immer nach taktischen Schwerpunkten mit großem Erfolg auf.

Ebenfalls erfolgreich mit der taktischen Periodisierung – Chiles Nationaltrainer Jorge Sampaoli

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Nach wie vor planen jedoch viele andere Fußballtrainer ihr Training mit veralteten Modellen und fachfremden Periodisierungskonzepten, die aus der Leichtathletik oder anderen sportartfremden Disziplinen stammen.

Wenn überhaupt eine Planung vorliegt, dann werden die Trainingswochen in Schnelligkeits- oder Ausdauerwochen unterteilt, statt das Training nach fußballspezifischen Schwerpunkten zu planen, wo selbst konditionelle Faktoren immer in ein taktisches Konzept eingebettet sind, wie es im Modell der taktischen Periodisierung der Fall ist.

Welche Periodisierungsmodelle es überhaupt gibt und was genau hinter diesem extrem Erfolg versprechenden Konzept steckt und wie die Prinzipien der taktischen Periodisierung genau angewendet werden, soll mit dem ersten Teil in diesem Buch genau erklärt werden.

Im zweiten Teil des Buches werden anschließend über 60 ausgewählte und aufwendig reserchierte Trainingsübungen präsentiert, die renommierte Profivereine, internationale Nachwuchsabteilungen und Spitzentrainer, wie beispielsweise José Mourinho, Pep Guardiola, Louis van Gaal oder Jürgen Klopp, nutzen.

Das Spezielle an den gezeigten Übungen ist, dass alle ganzheitlich aufgebaut sind und immer gleichzeitig die vier im Fußball vorherrschenden Leistungsfaktoren Taktik, Technik, Kondition und Psyche absolut spielnah sind, um so die Komplexität des Spiels optimal abzubilden, was die vorgstellten Übungen extrem effektiv macht.

Viel Spaß beim Lesen, Mitdenken, kritischen Hinterfragen und Umsetzen!

„Ich weiß, dass ich ich nichts weiß.“ – Sokrates

Kapitel 2: Unterschiedspieler: Selbstvertrauen, Eigenmotivation, Demut, Leistungsdruck, Persönlichkeitsentwicklung und „Positive Pushing“

„You need an inner, deep-rooted belief you are good enough. No confidence, no performance.”

Selbstvertrauen oder Arroganz? Fakt ist – ohne Selbstvertrauen keine Weltklasseleistung – CR7 feiert sein Tor im Champions-League-Finale 2014.

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Ohne Planung kein Erfolg, doch aufgrund der extrem hohen Komplexität im Fußball kann es selbst mit einer perfekten Planung an manchen Tagen zu Niederlagen kommen.

Die enorme Komplexität wird sehr gut im folgenden Schaubild von Prof. Jürgen Weineck aufgezeigt, in dem die Vielfältigkeit der benötigten Fähigkeiten dargestellt wird.

Komponenten der Leistungsfähigkeit im Fußball nach Weineck (Weineck, J. (2004). Optimales Fußballtraining (4., überarbeitete Aufl.) Balingen: Spitta.)

Jedoch können, der Komplexität zum Trotz, die Chancen auf einen Sieg durch eine perfekte Planung und Ausbildung enorm erhöht werden und somit kann auch dem Zufall entgegengewirkt werden.

Zu Beginn jeder Planung muss – wie bereits in Kap. 1 erwähnt – eine Weltstandsanalyse erstellt werden:

Was machen die weltbesten Mannschaften und Trainer und warum sind sie so erfolgreich?

Daraus abgeleitet, ergeben sich Zielsetzungen in der Ausbildung eines Fußballers.

Was muss ein Fußballer in seiner Ausbildung erfahren, damit er sich auf höchstem Niveau durchsetzen kann?

Im Fußball gibt es vier große Leistungsfaktoren, die sich jedoch immer gegenseitig beeinflussen und in einem Gesamtzusammenhang gesehen werden müssen.

Diese vier großen Leistungsfaktoren lassen sich wiederum in zahlreiche Unterpunkte gliedern, was jedoch den Rahmen von jedem Schaubild sprengen würde:

Taktik,

Technik,

Athletik und

mentale Faktoren.

Ist ein Spieler taktisch, technisch, athletisch und mental perfekt ausgebildet, so verfügt der Spieler über eine hohe Spielfähigkeit.

Schafft er es, diese Eigenschaften der Spielfähigkeit zielorientiert auf den Platz zu bringen, verfügt der Spieler automatisch über Selbstvertrauen und hat sich somit zu einem Unterschiedspieler entwickelt.

Oberstes Ziel bei der Arbeit mit Fußballern ist es also, den Spielern Selbstvertrauen zu vermitteln, was sich jedoch nie in Überheblichkeit niederschlagen sollte, was in vielen Fällen ein schmaler Grad ist, weshalb die Vermittlung von Werten wie Demut und Bescheidenheit eine zentrale Rolle in der Zusammenarbeit mit einer Fußballmannnschaft einnehmen sollte:

Oder wie Dettmar Cramer bereits anmerkte:

„Solange besser möglich ist, ist gut nicht gut genug.“

Oder wie der Musikproduzent und erfolgreiche Unternehmer Dieter Bohlen sagt:

„Wer nicht kann was er will, muss wollen was er kann!”

Für Joachim Löw spielten Tugenden wie Disziplin und Demut beim WM-Sieg 2014 ebenso eine wichtige Rolle, wie auch für Pep Guardiola, der seine großen Erfolge mit dem FC Barcelona und den Superstars rund um Messi zu großen Teilen der Verinnerlichung dieser wichtigen Tugenden zuschreibt.

Im Idealfall stehen in der eigenen Mannschaft mehr Spieler als beim Gegner auf dem Platz, die ein gutes Selbstvertrauen, die richtigen Tugenden besitzen und bereit sind, Verantwortung zu übernehmen:

„Gib mir den Ball, ich entscheide.“

Auch der Trainer von Arsenal London, Arsène Wenger, bestätigt diesen Ansatz in Bezug auf die Ausbildung eines Fußballers mit folgender Aussage:

„At a young age, winning is not the most important thing. The important thing is to develop creative and skilled players with good confidence.”

Auch Arsenal-London-Trainer Arsène Wenger legt bei seinen Trainingseinheiten viel Wert auf taktische Elemente und weiß um die Wichtigkeit des Selbstvertrauens im Fußball.

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Einer der weltbesten Ausbilder von Nachwuchsfußballern ist der Holländer Piet Hamberg, der als Spieler u.a. für Ajax Amsterdam und Servette Genf und als Nachwuchschef für die Talente bei Grasshoppers Zürich, dem FC Liverpool und Red Bull Salzburg tätig war, bestätigt diese Denkweise mit seiner Ansatz des „House of Talents”, in der das Management – also Trainer, Betreuer und das Umfeld und die richtige Mentalität das Fundament bilden, auf der dann alle anderen Fähigkeiten aufbauen. Ist man sich erst einmal im Klaren, dass ein gesundes Selbstvertrauen oberste Priorität in der Arbeit mit Fußballern hat und die anderen Leistungsfaktoren „Diener“ dieses Ziels sind, wird diese Tatsache enorme Auswirkungen auf die Planung und das Coaching eines Trainers haben.