Verlag: Lyx.digital Kategorie: Erotika Sprache: Deutsch Ausgabejahr: 2018

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Jeder hat eine helle und eine dunkle Seite in sich. Aber kann man beide lieben? Celeste Sorenson finanziert sich ihr Studium mit kleineren Modelaufträgen. Auf einer exklusiven Party begegnet sie dem geheimnisvollen Braden Hunter, der ihr seitdem nicht mehr aus den Kopf gehen will. Alle warnen sie vor dem Mann, der insgeheim nur the Beast genannt wird. Aber als Celestes Bruder spurlos verschwindet, ist Braden ihre einzige Rettung. Doch Bradens Hilfe hat einen sündhaften Preis: Er spürt ihren Bruder auf und dafür gehört Celeste ihm. Ihr Körper, alles, was sie besitzt und ihr Herz. Band 1 der neuen erotischen Liebesroman-Dilogie von Bestseller-Autorin Peyton Dare

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E-Book-Leseprobe Tempting the Beast - Peyton Dare

Inhalt

TitelZu diesem BuchPrologKapitel 1Kapitel 2Kapitel 3Kapitel 4Kapitel 5Kapitel 6Kapitel 7Kapitel 8Kapitel 9Kapitel 10Kapitel 11Vor acht JahrenKapitel 12Kapitel 13Kapitel 14Kapitel 15Kapitel 16Kapitel 17Kapitel 18Kapitel 19Kapitel 20Kapitel 21DanksagungDie AutorinWeitere Bücher der AutorinImpressum

PEYTON DARE

Tempting the Beast

Roman

Zu diesem Buch

Celeste Sorenson finanziert sich ihr Studium mit kleineren Modelaufträgen. Auf einer exklusiven Party begegnet sie dem geheimnisvollen Braden Hunter, der ihr seitdem nicht mehr aus den Kopf gehen will. Alle warnen sie vor dem Mann, der insgeheim nur the Beast genannt wird. Aber als Celestes Bruder spurlos verschwindet, ist Braden ihre einzige Rettung. Doch Bradens Hilfe hat einen sündhaften Preis: Er spürt ihren Bruder auf und dafür gehört Celeste ihm. Ihr Körper, alles, was sie besitzt und ihr Herz.

Prolog

CELESTE

Manchmal sind Erinnerungen die schlimmste Form von Folter, und manchmal besteht die Folter darin, sich nicht erinnern zu können. Diese eine Nacht vor acht Jahren hat mein Leben verändert, und nur Bruchstücke sind mir geblieben, die ich weder vergessen noch ganz zusammenfügen kann …

Schreie.

Ich schrecke in meinem Bett hoch wegen des lauten Polterns, das vom Erdgeschoss bis in mein Zimmer dringt, und schwinge die Beine über den Rand des Bettes. Durch den Türspalt fällt ein schmaler Lichtstreifen ins Zimmer. Selbst blind kenne ich den Weg ins Wohnzimmer, jeden Schritt, den ich gehen muss, jede knarzende Treppenstufe, die ich überspringen muss.

Als ich im Flur stehen bleibe, höre ich zwei fremde Stimmen und das leise Wimmern meiner Mutter.

»Wer ist noch im Haus?«, fragt ein älterer Mann.

»Niemand«, antwortet mein Vater.

Ich erkenne die Angst, die im Tonfall mitschwingt.

»Ihr habt doch zwei Kinder.«

Es findet ein Wortwechsel statt, den ich nicht verstehen kann, weil mein Herz plötzlich in meinem Brustkorb hämmert und ich den Atem instinktiv anhalte. Auf meinen nackten Armen, die nicht vom Nachthemd bedeckt werden, stellen sich die feinen Härchen auf. Etwas stimmt nicht. Gefahr, ich bin in Gefahr.

Auf dem Absatz mache ich kehrt, um in mein Zimmer zurückzulaufen.

Schwärze.

Das Gesicht eines jungen Mannes vor mir, das halb im Dunkeln liegt. Diese eisblauen Augen. So blau. Seine geschwungenen Lippen formen Worte, die ich nicht verstehe.

Schwärze.

In meinem Brustkorb sticht es heftig. Ich sauge frische Luft in meine Lungen, spüre das weiche taufeuchte Gras unter den nackten Füßen. Meine Handballen brennen wie Feuer. Ich laufe immer weiter und weiter.

Schwärze.

Erster Schuss.

Zweiter Schuss.

Stille.

KAPITEL 1

CELESTE

Mein Sichtfeld ist verschwommen.

»Träumst du wieder?«, holt mich mein Bruder Cameron in die Wirklichkeit zurück, indem er mit der Hand vor meinem Gesicht herumwedelt, bevor er wieder das Steuer umfasst und sich auf die Straße konzentriert.

Ich richte mich im Beifahrersitz auf und unterdrücke ein Gähnen.

»Ich habe schlecht geschlafen«, entgegne ich und greife nach dem Kaffeebecher, den mir Cameron an der Raststätte geholt hat, um einen Schluck daraus zu trinken, in der Hoffnung, die Müdigkeit zu vertreiben.

Seine Miene verhärtet sich. »Hattest du wieder einen Albtraum?« Er mustert mich mit den gleichen grünen Augen, die auch unsere Mutter hatte.

Cameron weiß, wie oft ich in den vergangenen Jahren von Albträumen geplagt wurde, wie oft ich schreiend und schweißgebadet aufwachte.

»Nein«, lüge ich und kratze mich an der Nase, wobei ich kurz den Blick von ihm abwende. Aber aus dem Augenwinkel heraus sehe ich, wie sich seine Körperhaltung versteift.

»Du kannst immer noch nicht besonders gut lügen, Schwesterherz.«

»Und du bist ein Profi darin, Lügen zu erkennen, oder was?«, hake ich spitz nach. »Ist Lügen denn eine Fähigkeit, die man beherrschen sollte?«

Er drückt sacht aufs Gas. »Kommt wahrscheinlich darauf an, von welchem Standpunkt aus man es betrachtet.«

»Willst du mir erzählen, dass Lügen richtig ist?«, fahre ich ihn an.

»Jeder Mensch flunkert, oft ohne böse Absicht. Allein wenn du antwortest, es gehe dir gut, und das ist nicht der Fall, tust du es.«

Gegen diese Argumentation kann ich nichts sagen.

Er macht eine kurze Pause. »Manchmal muss man lügen, wenn es das Beste ist, zum Beispiel zum Schutz einer geliebten Person.«

Ich knibbele an dem Pappbecher in meinen Händen und lasse mir seine Worte durch den Kopf gehen. Teilweise hat er recht. Dennoch mag ich nicht lügen, obwohl ich zugeben muss, dass ich es getan habe und meinem Bruder öfter verschweige, wie schlecht es mir geht, damit er sich keine Sorgen um mich macht. »Na gut, ich hatte einen Albtraum«, sage ich grummelnd.

Camerons Blick ist auf die Straße gerichtet, und seine Lippen verziehen sich bei meinem jämmerlichen Geständnis zu einem amüsierten Lächeln.

»Und nur damit du es weißt, es war nicht so schlimm, und wir müssen nicht darüber reden«, füge ich schnell hinzu.

»Okay, du weißt, dass du immer mit mir reden kannst …«

Rasch nehme ich noch einen Schluck Kaffee, um dem Gespräch auszuweichen, und schaue gedankenverloren aus dem Beifahrerfenster hinauf zum grau bewölkten Himmel. Diese Albträume. Werden sie jemals aufhören? Werde ich jemals wieder heil sein?

»Wie lange dauert es noch, bis wir da sind?«, wechsle ich das Thema und verdränge die düsteren Gedanken.

Cameron schaut auf die teure Cartier-Armbanduhr, die neu sein muss. Ich habe keine Ahnung, wie er sich die leisten kann, obwohl er in letzter Zeit ungewöhnlich viel arbeitet. Aber ein Teilzeitjob als Kellner dürfte noch lange nicht so viel Geld einbringen. Das weiße Hemd, das er heute trägt, spannt sich um seinen athletischen Oberkörper, und sein braunes Haar, das meinem gleicht, steht leicht zerzaust ab. Mein Bruder ist ein hübscher Kerl – mit dem süßen Lächeln, den schön geschnittenen Gesichtszügen und dem freundlichen Ausdruck in den Augen –, weshalb er nicht selten neue Freundinnen mit nach Hause bringt.

»Etwa zwei Stunden.«

»Du hast mir noch nicht verraten, wohin wir fahren und was das genau für ein Job ist, den du mir besorgt hast«, werfe ich ihm vor, weil er aus unserem Ausflugsziel ein Geheimnis macht – wie aus so vielem in letzter Zeit. Früher standen wir uns immer sehr nahe, aber in den vergangenen Monaten hat sich mein Bruder mir gegenüber schweigsam und undurchsichtig verhalten.

»Es handelt sich um eine exklusive Veranstaltung eines reichen Unternehmers, der seinen Namen lieber nicht preisgeben will. Ich kellnere, und du machst deinen Modeljob.«

Ich ziehe die Augenbrauen zusammen. Cameron lag mir so lange in den Ohren mit diesem Job, dass ich, ohne zu wissen, was mich erwartet, zugesagt habe. »Was genau soll ich tun?«

»Das hat man mir nicht explizit gesagt. Ich denke nicht, dass du auf einem Catwalk laufen musst. Mach einfach das, was du immer tust: schön aussehen.« Er zwinkert mir zu.

Ich schnaube, weil ich es nicht besonders mag, auf mein Äußeres reduziert zu werden. Die wenigsten Männer interessieren sich für mich als Person, für meine Wünsche, meine Sehnsüchte, das, was in mir, in meinem Herzen vorgeht. Stattdessen interessieren sie sich für meine Traummaße und dafür, wie sie mich am schnellsten ins Bett bekommen können. Während alle Männer sich in mein Lächeln verlieben, warte ich auf einen, der sich auch in die Narben auf meiner Seele verliebt.

»Wie kommst du an einen solchen Job?«, frage ich misstrauisch.

Er zuckt mit den Schultern. »Kontakte. Du wirst dich noch bei mir bedanken. Wenn du gut bist, wirst du die nächsten drei Monate nicht arbeiten müssen und kannst dich ganz auf dein Literaturstudium konzentrieren.«

Mir klappt der Mund auf. »So viel zahlen sie uns?«

»Die Reichen eben.« Mehr sagt Cameron nicht dazu.

Dass ich wahrscheinlich nicht über einen Laufsteg laufen muss, um Kleidung zu präsentieren, beruhigt mich, da ich als Model eher Erfahrungen mit Fotoshootings, speziell Porträtfotografie gesammelt habe. Angeblich besitze ich ein hübsches, mädchenhaftes Gesicht. Neben dem Studium finanziere ich mir den Lebensunterhalt mit kleineren Modelaufträgen. Um überhaupt gebucht zu werden, nehme ich auch schon mal außergewöhnliche Shootings an. Hauptberuflich würde ich nie als Model arbeiten wollen, denn mein Herz schlägt für die Literatur, und ich sehe das Modeln eher als Notwendigkeit. Auch wenn ich noch nicht weiß, was ich nach meinem Abschluss machen möchte.

Zwei Stunden und zwei Kaffee später tut sich vor uns ein riesiges Anwesen auf. Ein schmiedeeiserner Zaun säumt das großflächige Grundstück. Der Himmel färbt sich bereits nachtblau, und die Hausfassade wird von mehreren Leuchtstrahlern beleuchtet. Nachdem wir das Tor nach Vorlage eines Ausweises passiert haben, lenkt Cameron den Wagen auf einen Parkplatz. Ein Kiesweg, der von gepflegten Buchsbaumbüschen und farbenprächtigen Blumen gesäumt wird, schlängelt sich zum Haupteingang.

»Wahnsinn«, flüstere ich beim Anblick dieses pompösen Anwesens. Ich bin neugierig, wie es drinnen aussieht.

Cameron zwickt mich spielerisch in die Seite. »Ich sagte doch, es wird sich für dich lohnen, diesen Job anzunehmen.«

In der Eingangshalle herrscht reges Gewusel, Angestellte laufen hektisch hin und her, um die Party zu organisieren. Wir betreten eine weitere Halle mit hoher Decke, edlem schwarzen Marmorboden, vergoldeten Elementen an den Wänden und einem viereckigen Wasserbassin in der Mitte. Zu meiner Rechten wird ein Buffet mit verschiedenen Köstlichkeiten und einem Champagnerbrunnen aufgebaut, und die ersten Kellner in schwarz-weißen Livreen laufen mit Tabletts herum, obwohl noch keine Gäste anwesend sind.

Dieser Reichtum verschlägt mir die Sprache, und ich frage mich, ob all das Gold sowie der ausladende Kristallkronleuchter, der von der Decke baumelt, echt sind.

Eine Frau mit einem Klemmbrett kommt auf uns zu.

»Ihre Namen bitte.«

»Cameron und Celeste Sorenson.«

Sie macht zwei Häkchen auf ihrem Notizzettel. »Wunderbar, gehen Sie zu dem Mann dort hinten, er wird Sie als Kellner einweisen«, sagt sie zu meinem Bruder und mustert mich anschließend kritisch von Kopf bis Fuß.

Es ist mir ein wenig unangenehm, dass ich in Freizeitbekleidung und mit dezenter Schminke an diesem Ort auftauche, aber normalerweise bekomme ich die Sachen bei meinen Aufträgen sowieso gestellt.

Die Frau in dem schwarzen hochgeschlossenen Kleid nickt, als ob sie zufrieden wäre. »Und Sie folgen mir bitte.«

»Bis später«, verabschiedet sich Cameron mit einem Zwinkern und eilt davon.

Mit schnellen Schritten läuft die kleine Frau, die ihr dunkles Haar zu einem ordentlichen Chignon gebunden hat, los, und ich stolpere ihr hinterher. Rasch verliere ich den Überblick in dem riesigen Gebäude. Allein würde ich mich verlaufen.

In den Gängen befinden sich kostbare Teppiche, Statuen und Gemälde, die ich im Vorbeigehen bestaune. Schließlich bleibt sie in einem Raum, der offensichtlich als Umkleideraum fungiert, stehen. Zwei andere Frauen in meinem Alter warten dort bereits, ebenso wie die Visagisten.

»Das ist Miss Sorenson«, stellt sie mich mit einer Handbewegung vor. »Wir sind nun vollzählig und haben wenig Zeit«, verkündet sie, und ich hebe zum Gruß verlegen die Hand, was die anderen Mädchen nicht beachten.

Die Models wirken gelangweilt, während ihnen die Haare gelockt und die Lippen rot geschminkt werden.

»Sie können sich hinter dem Vorhang umziehen«, weist mich die Frau an und drückt mir drei Teile in die Hand, die aussehen wie riesige pinkfarbene Blüten. Dazu kommt noch ein hautfarbenes Höschen.

Himmel! Soll ich etwa halb nackt herumlaufen?

»Ich glaube, es gibt da ein Missverständnis …«, stammle ich.

Als Model erhalte ich zwar auch Aufträge, bei denen ich wenig am Leib trage, aber ich habe noch nie einen Job angenommen, bei dem ich nur Unterwäsche oder gar einen Hauch von Nichts tragen musste. Denn das in meinen Händen ist definitiv kein Designerkleid.

Ich sehe zu den anderen Mädchen. Könnte es sein, dass sie keine professionellen Models, sondern so etwas wie Damen des Gewerbes sind?

Die Frau hebt genervt die Augenbrauen. »Gibt es ein Problem?«

»Ich dachte, ich bin für einen Modeljob engagiert.«

Sie reißt mir eine der Blüten aus der Hand und hält sie mir vor die Brust. »Diese werden wir hier ankleben, und Sie werden den ganzen Abend über einfach nur schön für die Gäste aussehen.«

Schön aussehen.

Das ist der albernste Job, den ich seit Langem übernommen habe. Cameron kann etwas erleben, wenn ich ihn in die Finger kriege!

»Noch Fragen?«, sagt sie kühl.

Ich könnte den Job hinschmeißen, weil es lächerlich ist, nur mit Blütenblättern aus Fleece bedeckt zu sein, allerdings ist es leicht verdientes Geld, und die Gage verspricht hoch auszufallen. Und das Geld kann ich gut gebrauchen, weil ich nicht weiß, wann ich nach meinem Studium einen Job kriege. Deshalb versuche ich, so viel wie möglich zu sparen.

»Nein«, murmle ich und verziehe mich hinter den Vorhang.

Etwas später tauche ich halb nackt, nur in einen Seidenmantel gehüllt, wieder auf, und mir wird ein starkes Make-up aufgelegt, während die anderen Mädchen mit den Stoffblüten präpariert werden.

Als eine Visagistin mir die Blüten mit Klebestreifen anklebt, habe ich so meine Zweifel, ob die Konstruktion tatsächlich halten wird. Obwohl ich kein Problem mit meinem Körper habe und ihn bei meinem Job als Werkzeug betrachte, will ich nicht vollkommen nackt vor Hunderten von Gästen stehen. Mir graust es davor, dass die Blüten von mir abfallen wie von einer welken Rose.

Die Assistentin des Veranstalters führt uns anschließend zurück in die große Halle, wo der Empfang hauptsächlich stattfindet, und gibt uns letzte Anweisungen. Sie deutet auf das Wasserbassin, das schätzungsweise einen halben Meter tief ist und auf dem nun drei menschengroße Seerosenblätter aus Schaumstoff schwimmen.

»Ihr werdet euch darauf legen und euch nicht bewegen«, erklärt die Frau. »Mit Gästen zu sprechen, gar zu flirten, ist verboten. Ihr werdet stillschweigend in einer anregenden Pose verharren, bis ich euch sage, dass euer Job erledigt ist.«

Wir sollen wie Wassernymphen auf überdimensionalen Seerosen nur in Blütenblätter gehüllt posieren?

Irritiert starre ich sie an. Auf welche verrückte Ideen manche Menschen kommen.

Die Kellner schauen mit frivolen Blicken zu uns Mädchen herüber, als wir eine nach der anderen auf die wankenden Seerosenblätter krabbeln. Umständlich klettere ich auf meine und stelle fest, dass das Nichtbewegen ein guter Ratschlag ist, so sehr wie die Schaumstoffmatte unter mir wackelt. Ich will sicher nicht vor aller Augen im Wasser landen.

Die Assistentin weist uns an, eine aufreizende Pose einzunehmen. Ich bin mir noch nie so dämlich vorgekommen.

Am Buffet finde ich Cameron, der sich bei meinem ungeschickten Anblick schlapplacht. Ich funkle ihn an. Das wird er noch bitter bereuen!

Augenblicklich hört er auf, sich über mich lustig zu machen, und wendet sich wieder seiner Arbeit zu, denn im Gegensatz zu mir, wird Cameron den Abend über hart schuften müssen.

Reglos verharre ich auf dem Wasserrosenblatt, während die ersten Gäste eintreffen und uns Mädchen mit lüsternen Blicken mustern. Dass ich halb nackt bin und nur meine Brüste und mein Unterleib bedeckt sind, blende ich aus und sage mir, dass das zu meinem Job dazugehört. Die Männer stecken in maßgeschneiderten Anzügen, und die Frauen an ihrer Seite tragen elegante Roben und funkelnde Colliers. Dies ist eine Welt, in die ich nie gehören werde und es auch gar nicht möchte –, auch wenn mich der Reichtum im ersten Moment fasziniert und beeindruckt.

Ich musste früh lernen, dass Geld nicht das ist, was im Leben zählt, und dass man das, was wichtig ist – wie Familie und Liebe – selbst mit allem Geld der Welt nicht kaufen kann. Cameron, den ich auf eine teure Cartier-Uhr eines Gastes schielen sehe, scheint da andere Ansichten zu haben. Und ich frage mich, weshalb er neuerdings in diesen Kreisen verkehrt und wie er bloß an diesen lukrativen Job gekommen ist. Sollte ich mir ernsthafte Sorgen um ihn machen, weil er sich von mir zurückzieht?

Im Hintergrund erklingt klassische, ruhige Musik, die mich zwar entspannt, aber auch ermüdet. Die zwei Kaffee, die ich auf der Fahrt hierher getrunken habe, werden nicht ausreichen, denn nur herumzuliegen und einen sinnlichen Augenaufschlag aufzulegen, langweilt mich auf Dauer. Schnell spüre ich, wie meine Augenlider und Glieder schwerer werden, und auch das Interesse der Gäste an uns Nymphen verklingt nach einiger Zeit. Zu allem Übel schmerzt mein Rücken, und mein Nacken verspannt sich, weil ich in derselben Pose stundenlang ausharren muss. Vorsichtig rutsche ich mit der Hüfte etwas nach links, um eine bequemere Position zu finden. Unsere Aufpasserin entdecke ich zum Glück nirgends in der Menschenmenge. Da ich seitlich und mit dem Rücken den anderen Mädchen zugewandt liege, sehe ich nicht, was sie tun und ob sie tatsächlich reglos liegen bleiben und mit keinem Gast sprechen. Fehlt nur noch, dass ein Verbotsschild aufgestellt wird.

Um mich abzulenken, lasse ich den Blick über die Gäste schweifen und stelle fest, dass einige der anwesenden Männer ganz passabel aussehen. Mir fällt ein dunkelhaariger, großer Mann auf, dem der Anzug wie angegossen sitzt und der sich in meine Richtung dreht. Unsere Blicke begegnen sich.

Sein Blick ist durchdringend, als forsche er nach meinen Geheimnissen, meinen Schwächen.

Ich erstarre, doch als ich das nächste Mal blinzle, ist der Mann verschwunden.

Mein Verstand spielt mir Streiche, so müde bin ich. Ich träume ein wenig vor mich hin, senke die Augenlider. Als ein Luftzug meine Haut streift und sich die feinen Härchen aufstellen, wird mir wieder bewusst, wie nackt ich bin.

Vielleicht wäre die Situation ganz spannend, wenn nicht Hunderte Leute hier wären. Ich stelle mir vor, wie mich raue Männerhände berühren, wie Küsse meinen Nacken bedecken und Lippen an meiner Haut saugen. Ein zartes Kitzeln an der Wade verstärkt sich und wandert meinen Oberschenkel empor. Obwohl die Berührung an sich hauchzart ist, empfinde ich sie als intensiv.

Es sind eindeutig Finger, die über meine Haut streichen.

Erschrocken zucke ich zusammen, weil ich fast eingeschlafen wäre, und schlage die Augen auf. Ich starre in das markante Gesicht eines dunkelblonden Mannes, den ich auf ungefähr dreißig schätze. Er trägt sein längeres Haar im Nacken zusammengebunden und schaut mich aus dunklen Augen an. Sein Kiefer ist breit, und auf der Nase erhebt sich ein kleiner Huckel, ein Zeichen dafür, dass sie schon einmal gebrochen gewesen sein muss. Seine Armmuskeln, die sich unter dem Hemd anspannen, sind ausgeprägt, und sein Blick hat etwas Amüsiertes.

»Habe ich die schlafende Nymphe geweckt?«, fragt er mit einem anzüglichen Grinsen, während er vor mir auf dem Steinrand des Beckens sitzt und einen Arm nach mir ausgestreckt hat. Er denkt nicht einmal daran, die Hand von mir zu nehmen.

»Das würde ich lassen«, sage ich und versuche, professionell zu bleiben. »Das ist verboten.«

»Wirklich?« Überrascht zieht er die Augenbrauen hoch. »Ich wollte mich nur vergewissern, dass du echt bist.«

Ich gebe ein Schnauben von mir. Was bildet er sich ein?

Noch immer lässt er nicht von mir ab, umfasst stattdessen meinen Knöchel. »Ich glaube, es ist auch verboten, bei der Arbeit zu schlafen, oder wie denkst du darüber, Nymphe?«

War es so auffällig, dass ich eingenickt bin, dabei habe ich die Augen nicht lange geschlossen gehalten, oder?

Er lacht amüsiert. Und dann streicht er mit der Fingerspitze zart über meinen Fußballen – über die Stelle, an der ich am kitzeligsten bin. Ohne nachzudenken, trete ich heftig nach ihm, um mich aus seinem Griff zu befreien. Gefährlich erbebt die Schaumstoffmatte unter mir, und kaltes Wasser schwappt über den Rand. Ich klammere mich an die Matte und spanne alle Glieder an, in der Hoffnung, das Unvermeidliche zu verhindern, verliere jedoch das Gleichgewicht und rutsche weg.

Mein Fluchen geht mit mir unter, als ich in das Bassin falle. Geradeso kann ich nach Luft schnappen, bevor ich ganz untertauche. Wassermassen spritzen über den Beckenrand, und die anderen Mädchen schreien auf. Rasch komme ich wieder auf die Füße und funkle den Fremden an, der mich nur dämlich angrinst.

Frisur und Make-up sind ruiniert. Schlimmer noch: Die Blütenblätter, die nur mit beidseitigen Klebestreifen befestigt waren, schwimmen nun vor mir im Wasser, und ich begreife, dass ich vor aller Augen splitterfasernackt stehe.

Na super, noch peinlicher geht es nicht …

Mit einer Hand bedecke ich notdürftig die Brüste und mit der anderen den Schambereich, da das Höschen durchsichtig schimmert.

»Zufrieden?«, zische ich den Mann an, der das Szenario beobachtet hat und den Blick über meinen Körper gleiten lässt.

Er zuckt mit den Schultern. »Du hättest nicht so brutal nach mir treten müssen.«

Pikiert starren mich die Gäste an, und meine Wangen stehen in Flammen.

Ein Mann tritt zu uns.

»Was hast du angestellt, Kane?«

Wie ein begossener Pudel stehe ich am ganzen Leib zitternd im Wasser, als sein Blick mich trifft.

Eisblaue Augen. Schwarzes, sexy zerzaustes Haar und eine ernste Miene. Sein Gesicht ist schön geschnitten, er besitzt einen leichten Bartschatten, der ihn weniger glatt wirken lässt. Er ist groß und athletisch gebaut, so weit ich das trotz des Anzugs ausmachen kann. Es ist derselbe Mann, mit dem ich zuvor einen Blick getauscht habe.

»Nichts«, erwidert Kane unschuldig. »Sie besitzt keinen besonders guten Gleichgewichtssinn.« Sein gieriger Blick gleitet über meinen Körper. »Das nenne ich mal einen unvergesslichen Auftritt. Die Party ist sowieso viel zu langweilig.«

Eine riesige Wasserlache hat sich auf dem Marmorboden ausgebreitet. Ich muss so schnell wie möglich hier weg, denn die Blicke der Gäste brennen auf meiner nackten Haut. Ich steige aus dem Teich, rutsche auf dem glitschigen Untergrund aus und rudere mit den Armen, um das Gleichgewicht zu finden. Unerwartet umfassen starke Hände meine Taille, und der dunkelhaarige Mann stützt mich, schlingt die Arme um mich, um mir Halt zu geben. Kiefernduft kitzelt mich in der Nase, und ich spüre seine Brustmuskeln an meinem Körper.

»Vorsicht«, raunt er. Seine Berührung ist sanft, aber zugleich bestimmt.

»Danke«, sage ich leise. Wieder sehe ich in diese unergründlich eisblauen Augen, die mir eine Gänsehaut bescheren.

Seine Fingerspitzen gleiten an meinem Rückgrat hinunter, und er hält abrupt inne, als er bemerkt, auf welche Weise er mich berührt. Für einen Moment vergesse ich, dass wir umringt von Menschen sind, weil ich nur seine Hände auf meiner Haut spüre.

Sobald ich einen sicheren Stand habe, lässt er mich los, streift sich das Jackett ab und legt es mir über die Schultern. Der Stoff ist noch warm von seinem Körper, und erst jetzt nehme ich wahr, dass ich trotz der angenehmen Raumtemperatur zittere. Ich bin dankbar und erleichtert, mich bedecken zu können.

»Miss Sorenson!«, schreit die Assistentin entsetzt, als sie sich mir nähert und das Missgeschick begutachtet. Ihre Nasenflügel blähen sich auf, und auf ihrem Hals zeichnen sich rote Pusteln ab. Schnell winkt sie einem Kellner zu, damit er Handtücher und einen Wischmopp holt, um die Wasserpfütze zu entfernen.

»Es tut mir wirklich leid, aber …«, will ich mich erklären.

»Unglaublich. Sind Sie nicht einmal in der Lage, die einfachsten Anweisungen zu befolgen? Was sollen die Gäste bloß denken?«, regt sie sich auf.

»Das war nicht meine Schuld.«

»Wollen Sie sich jetzt auch noch herausreden? Für Sie ist der Job jetzt beendet«, sagt sie entschieden und gestikuliert wild mit den Händen.

»Bekomme ich denn die Gage?«, frage ich zögerlich.

»Ihre Gage wird gestrichen. Was denken Sie sich eigentlich?«

Ich lag also drei Stunden umsonst halb nackt und mit schmerzendem Rücken auf einem verdammten Seerosenblatt? Es sollte mir gleich sein, doch das Geld hätte ich gut gebrauchen können. Dieser Auftrag ist eine einzige Katastrophe!

Offenbar bemerkt Kane, wie unangenehm mir die Situation ist, und schaltet sich ein. »Es war wirklich nicht Miss Sorensons Schuld. Sie ist meinetwegen in den Teich gefallen.« Er legt ein charmantes Lächeln auf, doch selbst das stimmt die Assistentin nicht milde.

»Ich kümmere mich darum, Hunter«, sagt Kane zu dem Mann, der immer noch nah bei mir steht, und redet anschließend wieder auf die Assistentin ein.

Aus den Augenwinkeln beobachte ich, wie er seine Geldbörse zückt. Will er den Schaden bezahlen und sie so beruhigen?

Mit sanftem Druck legt Hunter die Hand auf meinen Rücken. »Kommen Sie, ich zeige Ihnen, wo Sie sich frisch machen können.«

Ich nicke, lächle schwach und folge ihm ins obere Stockwerk, weil ich es kaum erwarten kann, aus dem Saal zu verschwinden, um den amüsierten Blicken zu entkommen. Cameron entdecke ich nirgendwo. Hoffentlich wird ihm der Verdienst meinetwegen nicht auch noch gestrichen oder gekürzt.

Barfuß laufe ich über einen roten Läufer. Das Wasser tropft von meinem Körper, und auch das Jackett, das der Fremde mir überlassen hat, wird feucht. Zielstrebig geleitet er mich durch die Gänge, und die laute Musik ebbt ab. Ich werde wohl das Gesprächsthema Nummer eins an diesem Abend sein und versuche den Gedanken zu verdrängen, mich bis auf die Knochen blamiert zu haben.

»Tut mir leid, dass mein Freund sich danebenbenommen hat«, sagt Hunter, nachdem wir eine Weile geschwiegen haben.

Dass Kane sich mit der Assistentin herumschlägt, geschieht ihm ganz recht.

Ich schnaube. »Offenbar versteht er Sätze wie Nicht anfassen! nicht.«

»Sich in Zurückhaltung zu üben ist tatsächlich nicht seine Stärke. Er überschreitet gerne mal Grenzen …«

Das kann ich mir vorstellen.

Ich seufze. »Allerdings bin ich froh, dass ich dort nicht mehr wie eine Porzellanpuppe liegen muss.«

Die Andeutung eines Lächelns liegt auf seinen geschwungenen Lippen, und mir fällt wieder auf, wie attraktiv er ist. Seine Schritte sind selbstsicher und geschmeidig wie die eines Raubtiers. Prompt reagiert mein Körper, und meine Brustwarzen ziehen sich zusammen, reiben bei jedem Schritt über den Jackettstoff.

Er scheint sich in diesem Gebäude erstaunlich gut auszukennen und betritt einen abseits gelegenen Flügel, der vermutlich Gästen vorenthalten wird. Oh Schreck, er ist doch nicht etwa der Gastgeber?

»Hunter, richtig?«, frage ich.

Sein Blick verfinstert sich.

Habe ich etwas Falsches gesagt? Ist er etwa doch der Veranstalter und ich sollte ihn kennen?

»Braden Hunter«, antwortet er knapp und blickt stur geradeaus. Er fragt nicht nach meinem vollen Namen.

»Und was machen Sie hier auf dieser Party?« Ich habe keine Ahnung, aus welcher Branche die Gäste stammen oder aus welchem Anlass der Empfang gegeben wird. »Sind Sie Unternehmer?« Wenn ich raten sollte, würde ich definitiv auf Führungskraft tippen.

»Könnte man so sagen«, antwortet er wortkarg.

»Und was tun Sie genau? Ehrlich gesagt habe ich keine Ahnung, wer diese Party schmeißt, und kenne niemanden.«

Abrupt hält er inne und mustert mich eindringlich.

»Mein Bruder hat mir diesen Job aufgezwungen«, erkläre ich hastig.

»Verstehe. Der Gastgeber liebt ausschweifende Partys mit Gästen, denen er Geld abluchsen kann.«

Bei seiner abwertenden Bemerkung über den Gastgeber runzle ich die Stirn.

»Und was meinen Job angeht: Ich finde alles und jeden.«

Der Fremde hat etwas äußerst Mysteriöses an sich. Und was bedeutet seine rätselhafte Antwort?

»Sie sind also eine Art Detektiv?«, folgere ich daraus.

Er nickt, geht aber nicht weiter darauf ein und biegt in einen Gang ab. Vor einer verschlossenen Tür bleibt er stehen, drückt die Klinke hinunter und schiebt sie auf. Dahinter verbirgt sich ein luxuriöses Badezimmer mit hellem Marmor und vergoldeten Armaturen.

Braden tritt ein und reißt die Schubladen auf. »Hier sollten Sie alles finden, was Sie brauchen.«

»Danke.«

Zuerst greife ich nach einem Handtuch, um mein nasses Haar zu trocknen, und wische mir die schwarzen Schlieren der verlaufenen Wimperntusche vom Gesicht. Ein Blick in den Spiegel verdeutlicht mir: Ich sehe schrecklich aus.

Braden bewegt sich zur Tür, doch anstatt mich allein zu lassen, schließt er sie und lehnt sich mit dem Rücken dagegen.

Fragend sehe ich ihn an. »Ich denke, ich komme allein zurecht.«

Sein Blick wandert über meinen Körper und bleibt bei meinen nackten Beinen hängen. Er ballt die Hände zu Fäusten, als ringe er mit sich.

Ich werde nervös. »Braden Hunter, Sie zerstören gerade den guten ersten Eindruck, den Sie bei mir hinterlassen haben«, sage ich spielerisch, um der Situation die Spannung zu nehmen. Ich bin schließlich geschäftlich hier und nicht zum Spaß. Wenn ich eine Chance auf mein Honorar haben will, sollte ich nicht unbedingt auch noch mit einem Gast schlafen. Egal, wie attraktiv er ist.

Er wirkt überrascht. »Über mich wird vieles gesagt, aber niemals, dass ich gut bin.«

»Sie haben mir, als ich vor aller Augen nackt und verletzlich dastand, Ihr Jackett gegeben, während alle anderen mich nur angestarrt haben«, erkläre ich.

Langsam nähert er sich mir mit dieser raubtierhaften Ausstrahlung. Sie nimmt mich gefangen und lässt mich vergessen, warum das hier eine schlechte Idee ist. Aber ist das nicht eine von diesen Collegeerfahrungen, über die immer alle reden?

Das Jackett, das mir bis knapp über den Po reicht und das ich mit den Fingern fest geschlossen halte, lasse ich los. Obwohl ich die kühle Luft auf der Haut spüre, ist mir gar nicht mehr kalt.

Vor mir bleibt er stehen, und ich hebe leicht das Kinn, denn obwohl ich für eine Frau recht groß bin, überragt er mich um mehr als einen halben Kopf.

Seine Finger schieben sich unter das Jackett zu meiner Taille. Die Stelle, an der sie verharren, lodert. Er beugt sich vor, nicht zu meinen Lippen, sondern zu meinem Hals, den ich ihm instinktiv entgegenrecke.

»Ich bin zu wenig ein Gentleman, um dir widerstehen zu können.« Vor meiner Halsbeuge hält er inne und atmet dagegen, was ein brennendes Prickeln hinterlässt.

Ich erstarre, ich sollte ihn von mir schieben, aber ich kann an nichts anderes denken, als dass er mir so nah ist und dass sich seine Hand an meiner Taille gut anfühlt. Genießend schließe ich die Augen, während seine Hand höher wandert und ich mich danach sehne, dass er meine Brüste berührt.

Warum hat dieser Mann nur eine solche Wirkung auf mich?

Plötzlich packt er mich und zieht mich mit einem kräftigen Ruck an sich. Seine Lippen streifen mein Ohr, und mein Atem geht stoßweise, als meine Brustwarzen gegen den rauen Stoff seines Hemdes reiben. Die Umarmung ist schützend, aber bestimmt. Von seiner zunächst beherrschten, zurückhaltenden Art ist nichts mehr übrig.

»Wenn Sie klug wären, würden Sie vor mir weglaufen«, raunt er.

Warum sagt er das?

Ich drehe den Kopf in seine Richtung, und mein Blick fällt auf seine sinnlich geschwungenen Lippen. Trotz seiner Warnung verharre ich in seinen Armen, und auch er lässt nicht locker.

Ich will ihn küssen, selbst auf die Gefahr hin, damit einen Fehler zu begehen. Ich bin vollkommen gefangen von seinen eisblauen Augen, in denen ein dunkles Verlangen entflammt.

»Und wenn ich es nicht tue?«, wispere ich vor seinen Lippen.

»Das Problem ist …«, sagt er zögernd, als denke er über die richtigen Worte nach, und lehnt sich weiter zu mir vor. »Wenn ich Sie küsse, werde ich nicht dazu fähig sein, wieder aufzuhören.«

Ist das die ganze Wahrheit?

Er drängt mich mit seinem harten Körper gegen den Waschtisch. Seine Nasenspitze streift meine Wange, eine Hand packt meinen Nacken, und unser Atem vermischt sich, ohne dass sich unsere Lippen berühren. Ich wimmere, als seine Finger die Innenseite meiner Schenkel entlangstreichen. Anstatt Unbehagen oder Verlegenheit verspüre ich Neugierde … und Erregung.

Braden scheint um seine Selbstbeherrschung zu ringen, was ich an dem fester werdenden Druck seiner Finger ausmache.

Ich möchte ihn küssen, auch wenn er Gefahr ausstrahlt. Vielleicht will ich ihn sogar gerade deswegen küssen.

Mit dem Kopf komme ich ihm ein Stück entgegen, sodass sich unsere Lippen nur flüchtig streifen, bevor er sich unerwartet zurückzieht. Enttäuschung flackert in mir auf.

»Ich hole Ihnen Ihre Kleidung. Ich nehme an, Sie wollen mit mehr als meinem Jackett am Körper rumlaufen«, sagt er.

»Sie liegt im Umkleideraum.« Ich fühle mich so überrumpelt, dass ich nicht weiß, was ich anderes erwidern soll.

Erst nachdem Braden das Bad verlassen hat, kann ich wieder frei atmen. Ich wollte diesen Fremden küssen. Und mehr. Seine düstere Ausstrahlung hat etwas an sich, was mich anzieht wie die Motte das Licht. Meine Haut prickelt noch immer dort, wo er mich berührt hat, als hätte er eine brennende Spur auf mir hinterlassen. Und diese Augen. Diese eisblauen Augen, in denen man sich verlieren kann. Ich glaube, genau das habe ich für einen Moment getan.

KAPITEL 2

BRADEN

Nachdem ich die Tür hinter mir geschlossen habe, atme ich tief durch. Meine Hose sitzt verdammt eng im Schritt.

Was hast du dir nur dabei gedacht, ihr so nahe zu kommen?

Als ich Celeste halb nackt auf der Seerosenblüte habe treiben sehen, konnte ich den Blick nicht von ihr abwenden. Sie besitzt ein mädchenhaftes, nahezu engelsgleiches Gesicht, das in jedem Mann den Beschützerinstinkt weckt. Ihre Augen erstrahlen in einem hellen Braun mit grünen Punkten, und auf ihrer Stupsnase zeichnen sich vereinzelt Sommersprossen ab. Ihre sinnlich-vollen Lippen, die makellose Haut und nicht zu vergessen ihre schlanke Figur haben die Aufmerksamkeit von vielen männlichen Gästen erregt – selbst Kane konnte seine Finger nicht bei sich behalten. Aber es ist nicht ihr Aussehen, das meine Neugierde weckt, sondern der Ausdruck in ihren Augen, als sich unsere Blicke kreuzten. In ihm stand Überraschung, als würde sie mich kennen, und eine unbestimmte Traurigkeit, vielleicht auch Furcht. Ich habe nicht erwartet, einer jungen Frau wie ihr an einem Ort wie diesem zu begegnen.

Ich habe nicht erwartet, ihr hier zu begegnen. Nach all den Jahren. Ich habe sie sofort wiedererkannt. Obwohl sie älter geworden und aus dem Mädchen eine Frau geworden ist, sind ihre Augen doch noch dieselben.

Ist es Zufall, dass wir uns hier begegnen?

Kane schlendert mir auf dem Flur entspannt entgegen. Uns auf die Party einzuschleusen war nicht besonders schwer, denn sich eine falsche Identität zuzulegen, gehört zu unserem Alltagsgeschäft.

»Konntest du dich nicht bei Celeste zurückhalten?«, blaffe ich ihn an, weil er dadurch die Aufmerksamkeit auf uns gerichtet hat.

Verwirrt runzelt er die Stirn. »Du meinst das Blumenmädchen? Celeste heißt sie also. Sie würde einen schönen Lockvogel abgeben.«

Dass er sie nicht in unseren Auftrag hineingezogen hat, beruhigt mich. »Hast du die Angelegenheit geklärt?«

Kane nickt. »Mit Geld kann man so ziemlich alles kaufen, und die Assistentin hat schnell Ruhe gegeben. Celeste ist leider trotzdem gefeuert.«

Sie hätte wenigstens einen Anteil der Gage für den Abend bekommen sollen. Ich beschließe, mich darum noch zu kümmern, wenn wir unseren Job erledigt haben. »Gut. Kann es losgehen, oder willst du noch eines der anderen Mädchen betatschen?«, frage ich sarkastisch, weil ich es lieber schnell hinter mich bringen will, die Informationen zu bekommen, die ich brauche, als den halben Abend auf dieser protzigen Feier zu vertrödeln.

Kane verengt die Augen zu Schlitzen, da ihm meine Gereiztheit nicht entgeht. »Es ist alles vorbereitet, sobald ich das Signal gebe, können wir loslegen.«

»Wenigstens das«, brumme ich.

»Wo hast du denn das Blumenmädchen gelassen, nachdem du mit ihr abgehauen bist?«, fragt Kane schelmisch. »Wollte sie dich nicht ranlassen? Bist du deswegen in solch schlechter Stimmung?«

»Halt den Mund, Kane.«

Er quittiert meine harsche Anweisung mit einem Grinsen und biegt an der nächsten Gabelung rechts ab, während ich links weitergehe und eine Art Salon am Ende des Ganges erreiche, der zum Büro des Gastgebers Clarence Thornton führt. Niemand ist in Sichtweite, und die Musik der Party ertönt in diesem Flügel gedämpft. Trotzdem vergewissere ich mich und lausche auf Stimmen oder Schritte, bevor ich den Salon durchquere und eine Schiebetür aufziehe. Ich hasse Überraschungen aller Art!

Mitten im Raum steht ein massiver Schreibtisch, die bodentiefen Fenster werden von bordeauxroten Vorhängen halb verdeckt, rechts befinden sich drei Regale, in die Aktenordner einsortiert sind, links führt eine weitere Tür hinaus in einen Gang. Ich registriere, was auf dem Schreibtisch liegt, ein Stapel Papier und die übliche Büroausstattung.

Es ist nie verkehrt, seine Umgebung zu kennen, zu wissen, was als Waffe genutzt werden kann. Und an Kreativität mangelt es mir dabei nicht. Mit einem Tacker beispielsweise kann man seine Opfer leicht zum Reden bringen. Die Hände stellen eine Schwachstelle dar, denn in den Fingern verlaufen viele Nerven, und der Schmerz bei Folter treibt einen bis in den Wahnsinn. Ich weiß das.

Mir fällt ansonsten nichts Ungewöhnliches in dem Raum auf. Im Vorfeld haben Kane und ich uns über das Anwesen und die Sicherheitsstandards informiert, die überraschenderweise niedrig ausfallen, vermutlich weil es sich um Privatbesitz handelt, der die meiste Zeit über unbewohnt ist und nur für Festlichkeiten wie diese genutzt wird. Selbst die Security am Eingang besteht nur aus zwei Männern, die offenbar ihrem Job mangelhaft nachgehen. Ich frage mich, weshalb sich der Gastgeber dermaßen nachlässig verhält.

Ich schiebe das Hosenbein hoch und angle mir das versteckte Messer aus einer Halterung, ehe ich mich neben der Tür positioniere. Beim Hereinkommen wird mich die Person erst bemerken, wenn es bereits zu spät ist.

In Momenten wie diesen kehrt bei mir vollkommene Ruhe ein, und ich konzentriere mich nur auf meinen Auftrag. Ich bin ein Jäger, und ich liebe die Jagd.

Ich atme ruhig, und mein Herz schlägt gewohnt langsam. Das ändert sich erst in echten Gefahrensituationen. Einen kühlen Kopf zu bewahren, niemals in Panik zu geraten, um handlungsfähig zu bleiben und die richtigen Entscheidungen zu treffen, ist überlebenswichtig.

Es vergehen keine fünf Minuten, bis ich Schritte höre. Instinktiv umfasse ich den Griff des Messers fester.

Kanes einzige Aufgabe besteht darin, Clarence Thornton hierherzulocken, indem er einen hübschen Lockvogel dazu benutzt – in diesem Fall eine hübsche Kellnerin. Er umgarnt sie mit seinem Charme, verspricht ihnen zusätzlich noch einen Batzen Geld, und sie überzeugen Clarence, der eine Vorliebe für schöne Frauen besitzt, die halb so alt sind wie er selbst, sich mit ihnen zu treffen, weil sie ihm ein Angebot unterbreiten wollen, das er nicht abschlagen könne.

Ein Plan kann noch so gut sein, wenn du ein schwaches Glied hast, kann er scheitern. Und die wahre Schwachstelle sind immer die Menschen – mit ihren Sehnsüchten, ihren Begierden, ihren Eitelkeiten, ihrer Unachtsamkeit. Gefährlich sind vor allem, die die dir am nächsten stehen, weshalb es nur wenige Vertraute in meinem inneren Kreis gibt, mit denen ich zusammenarbeite.

Kane ist mein engster Vertrauter, mein bester Mann, meine rechte Hand und mein bester Freund. Ihm würde ich, ohne mit der Wimper zu zucken, mein Leben in die Hände legen, und er würde das seine in meine geben. Wir teilen vieles miteinander, den Schmerz, den Drang nach Rache und Gerechtigkeit, sogar Frauen.

Die Tür öffnet sich, und ich reagiere blitzschnell, als der Mann eintritt und sich im ersten Augenblick zum Schreibtisch wendet. Von hinten packe ich ihn am Nacken und presse ihm die Klinge an die Kehle. Er schnappt nach Luft und erstarrt.

»Sie geben keinen Mucks von sich und tun, was ich sage, dann wird Ihnen nichts geschehen.« Wir befinden uns so weit abseits der Feier, dass vermutlich sowieso niemand seine Hilfeschreie hören würde.

»Beast«, knurrt Thornton zwischen zusammengebissenen Zähnen.

Beast. Manchmal hasse ich diesen Namen, weil er mit allem in Verbindung gebracht wird, was ich vor vielen Jahren niemals sein wollte. Dass er diesen Namen kennt und sofort zuordnen kann, überrascht mich wenig. Für gewöhnlich nennen mich alle Klienten und Feinde Beast; ein Name, der gefürchtet und geachtet wird. Ein Name kann etwas sehr Machtvolles sein. Meinen richtigen Namen nutze ich selten, und bei dem Gedanken, dass ich Celeste sogar meinen wahren Vornamen genannt habe, stutze ich, weil es fahrlässig war. Aber auch Kane war schon unaufmerksam, als er mich am Bassin mit meinem Nachnamen ansprach.

»Gut erkannt«, erwidere ich und grinse schmallippig.

»Was willst du?« Er wirkt nicht sonderlich verängstigt.

Mr Thornton besitzt ein zerfurchtes Gesicht und könnte mein Vater sein. Sein grau melierter Haarschopf, der ausgeprägte Geheimratsecken aufweist, der kleine, dickliche Körperbau und die eingefallene Haltung zeugen von wenig Vitalität.

»Ich will reden.«

Skeptisch mustert er mich, sein Blick huscht hin und her, als suche er nach einem Hinterhalt.

»Für gewöhnlich braucht man dafür kein Messer«, erwidert er trocken.

»Wenn Sie meine Fragen hinreichend beantworten, nicht.«