Testament eines Freimaurers - Dieter Hönig - E-Book

Testament eines Freimaurers E-Book

Dieter Hönig

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Das große Geheimnis aus der Innensicht

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Dieter Hönig

Testament eines Freimaurers

Das große Geheimnis aus der Innensicht

Dieter Hönig

Testament eines Freimaurers

Das große Geheimnis aus der Innensicht

1. Auflage 2019

ISBN: 978-3-903229-14-3

Verlag: delta X, Wien | www.deltax.at

Satz, Korrektorat & Umschlaggestaltung: Ing. Angelika Steck

Lektorat: Dr. Norbert Regitnig-Tillian

Coverfotos: © OpenClipart-Vectors/pixabay.com,

© Mr_Murdoch/pixabay.com, © mikegi/pixabay.com,

© mihalec/istockphoto.com, © fauk74/istockphoto.com,

© Marietjie Opperman/123rf.com

Alle Rechte vorbehalten.

Kein Teil dieses Buches darf ohne schriftliche Genehmigung des Verlages vervielfältigt oder verbreitet werden. Das gilt insbesondere für die gewerbliche Vervielfältigung per Kopie, Übersetzungen sowie die Vervielfältigung auf elektronischen Datenträgern.

Vorwort des Großmeisters der Großloge von Österreich

Doch rufen von drüben

die Stimmen der Geister,

die Stimmen der Meister:

Versäumt nicht zu üben

die Kräfte des Guten.

Wir heißen euch hoffen.

Das ist der letzte Vers aus Johann Wolfgang von Goethes Gedicht „Symbolon“. Es wurde den Freimaurern gewidmet und soll ihnen helfen, ihren Weg durch das Labyrinth ihres Lebens zu finden.

So dient es auch dem freien Journalisten und ehemaligen Opernsänger Dieter Hönig zur Richtschnur, der seit nunmehr zwanzig Jahren Mitglied des Freimaurerbundes ist und in dieser Zeit – etwa vom „Vorbereitenden Meister“ bis zum „Deputierten Meister“ – die verschiedensten Logenämter innehatte. Die Erfahrungen im Lauf dieser Zeit hat er in diesem Buch mit dem Titel „Testament eines Freimaurers“ festgehalten. Darin schildert er auf humorvolle Weise, aber durchaus ernsthaft und mit viel Tiefgang, wie es einem Freimaurer gelingen kann, sein Leben „tätig seinem wahrhaften Ziel entgegenzuführen“. Was an glücklichen und schmerzlichen Dingen auf ihn zukommt und wie er als Freimaurer damit umzugehen gelernt hat, beschreibt Dieter Hönig mit bewegenden, autobiographischen Reflexionen und auch im Zusammenhang mit der rituellen Arbeit der Freimaurer und ihrer Symbole. Das Buch versucht, die Arbeit der Freimaurer so darzustellen, dass sie auch Menschen, die nichts davon wissen sowie Suchenden einen Einblick in diese Welt vermittelt. Die Person des Autors dient dabei als Guide, an dem die Wirkung der freimaurerischen Arbeit sichtbar wird. Er hat sich in seiner Erzählung bemüht, sowohl auf Basis geschichtlicher Überlieferung als auch durch seine höchst persönlichen Erlebnisse, dem wahren Wesen dieses geheimnisumwitterten Bundes auf den Grund zu gehen. Seine Werkzeuge sind dabei kritischer Humor und Selbstkritik. Es ist dies eine Herangehensweise an das Thema Freimaurerei, wie man sie in dieser Tiefe nur selten vorfindet.

Georg Semler

Großmeister der Großloge von Österreich

Inhaltsverzeichnis

Cover

Titel

Impressum

Vorwort des Großmeisters der Großloge von Österreich

Prolog

Vom Beislphilosoph zum Suchenden

Die Verwirrung des Suchenden

Die Einweihung

Auch Freimaurer sind Menschen

Die Steine der anderen

Ein Gespräch unter Eingeweihten

Eine kleine, feine Buchhandlung

Das Baustück

Esoterik, oder was?

Milchbrüder

Die Lohnerhöhung

Gesellen- und Wanderjahre

Freimaurer und Frauen

Ewiger Osten – ewig für wen?

Die Bedeutung der Rose

Die Freimaurerei war immer schon

Die Bruderhand

Eine Selbstbegegnung

Das vierte kleine Licht

Anhang

Danksagung | Über den Autor

Prolog

Ich kenn ein drollicht Volk (Freimaurer),

mit mir kennt es die Welt,

Das schon seit manchen Jahren

Die Neugier auf der Folter hält,

Und dennoch kann sie nichts erfahren.

Hör auf, leicht gläubʼge Schar,

sie forschend zu umschlingen!

Hör auf, mit Ernst in sie zu dringen!

Wer kein Geheimnis hat,

kann leicht den Mund verschließen.

Das Gift der Plauderei ist,

nichts zu plaudern wissen,

Und wissen sie auch was,

so kann mein Märchen lehren

Und man zuletzt wohl spricht:

war das der Mühe wert,

Dass ihr es mir gesagt und ichʼs von euch begehrt?

Die Verse stammen aus einem ironischen Gedicht von Gotthold Ephraim Lessing. Es handelt von einem armen Bauernjungen, der von seinem Beichtvater ins Verhör genommen wird, um seinem Geheimnis auf die Schliche zu kommen. Nach langem Drängen und Drohen des Pfarrers gibt Hans sein Geheimnis preis: ein Vogelnest!

Geh Narr, ein Vogelnest war nicht der Mühe wert,

Dass du es mir gesagt und ichʼs von dir begehrt.

Es gibt Menschen, die einzig in Heimlichkeiten das Wesen der Freimaurerei erblicken. Dies kommt offenbar daher, dass sie vom eigentlichen Wesen der Königlichen Kunst nur wenig Ahnung haben. Die Moral: Man sollte sich mit Heimlichkeiten nicht allzu wichtig machen, nicht noch mehr in sie hineingeheimnissen. Von Heimlichkeiten soll hier daher auch nur am Rande die Rede sein. Hat die Freimaurerei ein wirkliches, ernsthaftes, großes Geheimnis? Das ist, worüber ich schreiben möchte.

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

Sie interessieren sich für die Freimaurerei? Wahrscheinlich haben Sie schon einiges darüber gelesen. Die einschlägigen Buchläden sind voll davon. Gewiss haben Sie auch von jenem vielzitierten Geheimnis der Freimaurerei gehört. Ein Geheimnis, das nicht mitteilbar ist, wie Freimaurer gebetsmühlenartig immer wieder betonen. Mir ist es einst ähnlich ergangen. Vom übermäßigen Konsum qualitativ unterschiedlichster Freimaurerliteratur verwirrt und betäubt, gelangte ich letztendlich zur resignierenden Frage, welchem der zahlreichen, in ihrer Auffassung über Wesen und Sinn der Maurerei oft nicht konträrer sein könnenden Autoren ich denn überhaupt trauen könnte, da mir das eigene Maß noch fehlte. Antworten auf Fragen der Freimaurerei bekam ich vom Leben selbst, in jenen seltenen Augenblicken, da es sich auf geheimnisvolle Weise zu offenbaren schien.

Vom Beislphilosoph zum Suchenden

Lassen Sie mich an jenem Ort beginnen, wo alles für mich seinen Anfang nahm. Ein Lokal, das ich mit einer gewissen Regelmäßigkeit immer wieder aufsuchte, das mir so zur zweiten Wohnung wurde, und wo mein maurerischer Weg, seltsam genug, erstmals konkrete Formen annahm: ein italienisches Beisl in Wien.

Es ist nun mal so, dass eine gewisse Spezies von Männern, der auch ich angehörte, ihr Stammlokal hat. Man trifft hier Freunde und Gleichgesinnte und betreibt, je nach Stimmung mehr oder weniger tiefsinnige Konversation. Man betritt das Lokal, bestellt ein Gläschen, positioniert sich mit Blick zur Tür und, wie von unsichtbarer Hand herbeigeführt, stellen sich nach und nach die herbeigesehnten Kumpane ein: ein Notar, ein Regierungsrat, ein Architekt, ein Manager, ein Maler, ein Immobilien-Heini – und mit der Zeit werden es mehr und mehr dieser netten Leute. Zufall oder Schicksalsfügung? Mein Stammbeisl war ein von zahlreichen Freimaurern frequentiertes Lokal.

An den Freimaurern war ich seit geraumer Zeit zumindest interessiert. Auch deshalb, weil ich einige Herren, die in jenem Beisl regelmäßig verkehrten, zu meinen Freunden zählen durfte. Klar, dass sie sich beim Thema Freimaurerei mir gegenüber bedeckt hielten, was aber nicht verhinderte, dass ich von Zeit zu Zeit einige ihrer Gespräche am Rande mitbekam. Allein mein Wissen über diesen geheimnisumwitterten Bund reichte nur wenig über dessen Existenz hinaus. Also versuchte ich es mit Lesen. Aber auch das sollte mir keine bedeutenden Aufschlüsse bringen. Was Freimaurer bezwecken und wer sie wirklich sind, blieb für mich ein Rätsel.

Man hört zuweilen, Freimaurer strebten die Weltherrschaft an, waren die geheimen Dunkelmänner hinter Verschwörungen und Revolutionen, stellten gar einen Staat im Staate dar. Wie überall anders, dachte ich, ist der Mensch auch in diesem Fall geneigt, Horrormeldungen sein Interesse zu widmen und diesen Glauben zu schenken. Es scheint wohl in der Natur des Menschen zu liegen, dass er einer Vereinigung, die sich in ein Geheimnis hüllt, an dem sie die Öffentlichkeit nicht teilhaben lässt, mit Misstrauen begegnet. »Denn wer Gutes tut, braucht das Licht der Öffentlichkeit nicht zu scheuen«, lautet die allgemein verbreitete Volksmeinung, die auch für mich damals einer gewissen Logik nicht entbehrte. Die Gerüchte hatten der Freimaurerei zwar eine gewisse Aura verliehen, aber auch zur Folge, dass Freimaurer sich zu allen Zeiten den absurdesten Vorwürfen ausgesetzt sahen. Dass sie mit solch zweifelhaftem Ruf behaftet, über Jahrhunderte hinaus existieren konnten, schien für mich eines ihrer wirklichen Geheimnisse zu sein.

Es ergab sich, dass ich in jenem Beisl die Bekanntschaft einer Persönlichkeit machte. In ihr lernte ich einen geselligen, aber auch geistreichen und amüsanten Mann kennen, den ich in späterer Folge zum Freund gewinnen konnte. Er war einer jener Menschen, zu denen man auf Anhieb Zugang findet, Ende fünfzig, mit enormem Selbstbewusstsein und seltener Eloquenz. Obwohl ein viel beschäftigter Mann, sprach er niemals über Stress. Dennoch konnte ich an seiner Körpersprache manchmal deutliche Burnout-Symptome beobachten. Meistens dann, wenn er sich nicht beobachtet fühlte. Er hatte ein seltsames Schulterzucken, gepaart mit hektischem Kopfschütteln. Fast so, als wollte er seine Sorgen und Probleme mit einem Ruck von sich werfen.

Von Beruf Architekt, schien es ihm große Freude zu bereiten, mit anderen über seine Tätigkeit zu sprechen, bis in Details, die mich, den in diesen Dingen doch Ahnungslosen, überfordern mussten. Trotzdem war es für mich ein Vergnügen ihm zuzuhören. Ich kam auch selten in die Verlegenheit, ihm gegenüber Interesse nur zu heucheln. Dies merkte er und es schien ihm zu gefallen, hatte er in mir doch einen aufmerksamen Zuhörer gefunden. Zuhören können, war eine Tugend, die mein neuer Freund an anderen besonders schätzte. Hörte er sich etwa gern selber reden?

Dass wir beide völlig unterschiedlichen Berufen nachgingen, er als Architekt, ich als Sänger, tat unserer beginnenden Freundschaft keinen Abbruch. Auch nicht, dass mein Freund immer wieder ungefragt vorgab, zur Musik keinerlei Beziehung zu haben. Er empfinde sie als störendes Geräusch, wie er mir versicherte. Um jedwede Berührung mit Musik zu vermeiden, ging er so weit, sein Autoradio entfernen zu lassen. Schrammelmusik beim Heurigen kam in seinen Ohren einer groben Beleidigung gleich, Bar-Musik ebenso.

Auch ich war kein Kind falscher Bescheidenheit. Von Zeit zu Zeit der „Architekturvorträge“ meines Freundes etwas müde, begann ich einfach das Thema zu wechseln und beglückte meinen Freund meinerseits mit Schwänken und Schnurren aus meiner Sängerlaufbahn.

So hatte ich früher die Ehre, jährlich bei den Salzburger Osterfestspielen mitzuwirken. Einmal gab man Richard Wagners Lohengrin, am Dirigentenpult stand Herbert von Karajan, und ein weltberühmter Heldentenor sang den Lohengrin. Besser gesagt, er sollte ihn singen. Doch der Tenor war hörbar in einer ernsten Stimmkrise und bei einer der letzten Orchesterprobe verzweifelt bemüht, einen lauten Ton hervorzubringen. Vergeblich, mehr als ein heiseres Krächzen war seiner Kehle nicht zu entlocken. Auch das flehentliche Bitten des Maestros zeigte wenig Wirkung. Der Tenor blieb stimmlos, die Stimmung im Festspielhaus war gleich null. Auf das allerletzte verzweifelte Ersuchen des Maestros: »Bitte, wenigstens einen lauten Ton«, entgegnete zornig und entnervt der Tenor: »Maestro, es gibt mindestens vierzig Dirigenten auf der Welt, die den „Lohengrin“ dirigieren können, aber gerade einmal vier Sänger, die ihn singen können!« Der Maestro schlagfertig und ungerührt: »Ich bin einer der vierzig!«

Meinen Freund amüsierten solche Anekdoten aus meinem Sängerleben, es schien, als könnte er sich daran nicht satt hören. Nun, ich sollte ihn bei Gelegenheit mit weiteren Anekdoten beglücken.

Ich empfand ein neues Gefühl der Verbundenheit ihm gegenüber. Etwas, das mir in dieser Form bisher fremd war. Wir trafen uns, wie in Stammbeisln üblich, zumeist zufällig, aber doch mit einer gewissen Regelmäßigkeit. Mit der Zeit und mit der Menge der konsumierten Gläser Wein bekamen unsere Gespräche oftmals Tiefgang, dabei kam mir jegliches Zeitgefühl abhanden. Wir sprachen über allgemein menschliche Themen und gerieten oft in geradezu philosophische Höhen. Auch wenn man es nur ungern eingesteht, bringt der Wein bei manchen erstaunliche Dinge zutage und kann ihren Geist geradezu beflügeln. Zumindest bei uns beiden war das anfangs der Fall.

Diese ungezwungenen, nicht krampfhaft herbeigeführten Gespräche erreichten vielleicht gerade durch ihre Beliebigkeit einen besonderen Tiefgang. Freilich waren die Treffen mit meinem Freund, die sich oft bis in die Nacht hinein zogen, meiner Ehe nicht gerade förderlich, da das Essen am häuslichen Herd verbrutzelte. Ich zog in solchen Stunden den geistigen Austausch jedoch entschieden dem leiblichen Wohl vor, und nichts in aller Welt sollte mich davon abbringen, auch nicht meine Ehefrau. Eine Einstellung, die mir später allerdings die Frau abhanden kommen ließ.

Männergespräche in dieser Ausgedehntheit und Intensität sind ungewöhnlich und lassen zumindest auf einen ausgeprägten Hang zum intensiven Dialog schließen. Der Leser wird, wie damals auch ich, bereits erraten haben, dass es sich bei meinem Freund um einen Freimaurer handelt. Mein lustiger, trinkfreudiger neuer Freund war in der Tat ein Eingeweihter. Die Neigung zu fröhlicher Geselligkeit, verbunden mit einer etwas lockeren Auslegung der ehelichen Verpflichtungen, soll jedoch nicht zur irrigen Ansicht führen, dass Freimaurerei und Familienleben nicht miteinander vereinbar sind. Viele Freimaurer sind vorbildliche Familienmenschen. Auch wollen diese Treffen mit meinem Freund nichts über die Trinkfreudigkeit von Freimaurern im Allgemeinen sagen.

Im Laufe von Wochen und Monaten intensivierte sich unsere Beziehung in geistiger Hinsicht auf erstaunliche Weise. Nach etwa einem halben Jahr intensiven geistigen Austauschs kam zu schon vorgerückter Stunde fast beiläufig die Frage meines Freundes: »Hast du dir schon einmal Gedanken über mein Weltbild gemacht?« »Könnte es etwa sein, dass du Freimaurer bist«, heuchelte ich gespieltes Unwissen. »Und – willst du Freimaurer werden? Willst du zu uns kommen?«

Selbstverständlich wollte ich. Hatte ich denn nicht schon lange auf die Frage gewartet? Hatte ich diese im Herzen nicht schon längst ungeduldig herbeigesehnt? Ich ließ es meinen Freund jedoch nicht merken und tat erstaunt. Fast beiläufig sagte ich, dass ich zuvor noch Genaueres über diesen geheimnisumwitterten Bund wissen müsse, ehe ich mich endgültig entscheiden könne: »Was tun Freimaurer? Was sind ihre Ziele? Was ist ihre Philosophie?« Mein Freund wies auf das Bild eines namhaften, uns beiden bekannten Künstlers an der Wand: »Nimm das Bild unseres Freundes! Wie wäre es, wenn du es das erste Mal in deinem Leben zu Gesicht bekämest und ihn, den Maler, fragen würdest, was er sich dabei gedacht hat? Was müsste er dir darauf wohl antworten?«

Wir streiften also bereits das berühmte maurerische Geheimnis im Gespräch: mit Worten nicht mitteilbar, aber erlebbar. Es scheint eine Spezialität von Freimaurern zu sein, sich gerne in Allegorien und Bildern auszudrücken. Auch haben viele von ihnen gemeinsam, sich gerne fragen zu lassen, die Antwort jedoch stets schuldig zu bleiben. Eine beinahe sadistische Neigung, Verwirrung beim Fragenden zu stiften, was mir in der folgenden Zeit noch unzählige Male passieren sollte. Die Zeit verging, die Verwirrung, aber auch meine Erwartungen wuchsen, mein Freund wurde schließlich zu meinem Bürgen, und ich vom bloß Interessierten zum Suchenden.

Es war Aufgabe meines Bürgen, mich in intensiven Gesprächen behutsam an Sinn und Zweck der Maurerei heranzuführen, mir nur so viel mitzuteilen, wie er aus seiner Sicht verantworten und mir, dem weitgehend Ahnungslosen, zumuten konnte. Vorbereitungsgespräche sind noch lange keine Einweihung. Hier die Grenzen genau abzustecken, bedarf einiger Erfahrung und verlangt ein großes Maß an Einfühlungsvermögen. Ich war zur Überzeugung gelangt, mein Bürge mache sich diese Aufgabe nicht leicht. Würde er bei seiner Aufklärung zu weit gehen, mich etwas wissen lassen, was mein Auffassungsvermögen übersteigt, so würde er damit nur heillose Verwirrung stiften. Würde er mir zu wenig zumuten, mich unterfordern, wäre der Zweck dieser Gespräche gleich null. Was wusste ich denn schon vom Wesen der Maurerei, außer einigen angelesenen Allgemeinplätzen? Und ich wollte hier Abhilfe schaffen: Durch das Lesen von noch mehr Literatur glaubte ich naiverweise das Manko ausgleichen zu können, nicht ahnend, dass das zu noch mehr Verwirrung führen musste, bei mir selbst, aber auch bei meinem Bürgen. Diesem konnte nicht verborgen bleiben, dass bei unseren Gesprächen von mir nun immer öfter angelesenes Wissen aus der Freimaurerliteratur eingebracht wurde. Beruhten unsere Diskussionen in der Vergangenheit auf freien, spontanen Gedanken, so strotzten diese nun meinerseits geradezu von angelesenen Phrasen. Ein Umstand, der nicht zur Harmonie beitrug und meinen Bürgen, der auch kein Freund allzu vielen Lesens war, sichtlich irritierte. Seine Lieblingslektüre waren laut eigener Aussage Kochbücher. Es musste für ihn langsam, aber sicher der Eindruck entstehen: Hier hört mir jemand nicht zu, da er glaubt, bereits alles selbst erkannt zu haben.

Ein Eindruck, der sich im Laufe der Jahre verstärken und in der Folge zu ernsten Spannungen führen sollte, ja unsere Freundschaft manchmal auf eine harte Probe stellte. Mein Freund, der viel beschäftigte, gestresste Architekt war im Grunde seines Wesens nicht mit Engelsgeduld gesegnet. Sein Temperament ging des Öfteren gar heftigst mit ihm durch.

Nach und nach lernte ich immer mehr Freimaurer kennen, auch wenn sie sich mir gegenüber nicht als solche zu erkennen gaben. Meine Beobachtung sagte mir jedoch, dass dunkel gekleidete Männer, die einmal wöchentlich zur selben Uhrzeit ins Beisl strömen, aller Wahrscheinlichkeit nach ein und demselben Club angehören. Offensichtlich kamen sie also von der „Arbeit“, wie sie es selbst ausdrückten. Eine Bezeichnung, die mir zunächst etwas übertrieben erschien. Es ergaben sich durchwegs anregende Gespräche, in denen das Wort Freimaurerei jedoch mit keiner Silbe erwähnt wurde. Ungewöhnlich daran war stets die schon beschriebene Art von Harmonie, jenes offene aufeinander zugehen, das ich in dieser Form noch nicht erlebt hatte. Sollte diese Herzlichkeit im Umgang miteinander das Merkmal der maurerischen Gesinnung, der Brüderlichkeit sein, wäre es ein Grund mehr, so einer Vereinigung beizutreten: Nette Menschen waren sie alle!

„Alte“ Bekannte erschienen mir plötzlich in einem anderen Licht, nämlich im Lichte der Freimaurerei. Wie etwa jener Notar – von ihm hatte ich all die Jahre unserer Bekanntschaft nicht die geringste Ahnung, dass er Freimaurer sein könnte. Uns verband die Begeisterung für die Oper. Sein ganz spezielles Interesse galt Richard Wagner. Einer jener seltenen Wagnerianer, dessen Opernkenntnisse mich zuweilen geradezu verblüfften. In der Blütezeit unseres Stammbeisls konnte man hier nämlich zu unserer beiden Freude vor allem Opernmusik hören.

In ihm hatte ich außerdem einen ausnehmend amüsanten Gesprächspartner zur Seite. Er war mit ein Grund, dass es mich immer wieder in das Beisl zog. Hatte er doch, was bei Juristen gewiss keine Selbstverständlichkeit ist, eine komödiantische Ader. Allein seine Lokalauftritte, und es waren Auftritte, bleiben mir unvergesslich: Mit großer, theatralischer Geste wurde jäh die Lokaltür aufgerissen und mein Freund erschien, Rock oder Mantel etwas hochgezogen, so als wolle er sein Antlitz verdecken, mit den bedeutungsvoll gesprochenen Worten: »Ich begrüße die Promillenz!«

Er hatte keinen unbeträchtlichen Anteil daran, dass ich bei den Freimaurern landete – in stiller, brüderlicher Übereinstimmung mit meinem Bürgen, der ebenfalls über eine theatralische Neigung verfügte. Betrat mein Bürge das Lokal in der Vorfreude vertraute Gesichter zu sehen, so rief er stets die Worte: »Ihr versteht zu leben!«

Jener Notar war, wie ich später erkennen sollte, nicht nur ein Maurer mit viel Witz, sondern vielmehr noch mit Herz und Verstand. Aber auch er hatte von Zeit zu Zeit Phasen, wo ihn sein Humor zu verlassen schien – zumeist dann, wenn er sich an seine jährliche Schlankheitskur machte, die er mit eiserner Disziplin durchzog. War die Zeit der Selbstkasteiung vorbei, erwachten in ihm die alten Lebensgeister, und er ging hurtig ans Werk, seine während der Kur versäumten kulinarischen Freuden mit doppelter Intensität nachzuholen. Ich hatte dann stets den Eindruck, als hätte mein Freund jetzt nur mehr eines im Sinn: Nämlich die so mühsam abgerungenen Kilos in Rekordzeit wieder „aufzuarbeiten“, regelmäßig einmal pro Jahr.

Er verfolgte die Zeit meines Aufnahmeverfahrens in den Bund mit persönlicher Anteilnahme und großem Interesse. Immer wieder gab er mir zu verstehen, dass mein Beitritt zum Bund für ihn ein echtes Bedürfnis bedeute. Er war es auch, der mir in meiner maurerischen Anfangszeit immer wieder Mut zusprach, wenn mich dieser zu verlassen drohte. Selbstverständlich gab es auch in unserer Freundschaft Höhen und Tiefen. Tiefen zumeist dann, wenn ihn meine von manchen oft kolportierte, „Besserwisserei“ nervte. Sein brüderlicher Rat war dann stets: »Nimm dich zurück, mein Freund!«

Als ich zur Zeit meines Aufnahmeverfahrens bei den Freimaurern von den vagen Andeutungen, den unzähligen Sinnbildern und manchmal auch mir unverständlichen Allegorien über Sinn und Zweck des Bundes müde wurde, wandte ich mich vertrauensvoll an meinen Freund. Da ich in ihm einen offenen, geraden Menschen kannte und schätzte, dem Gegenteil eines Geheimniskrämers, erhoffte ich mir von ihm genauere Aufschlüsse über das Wesen des Bundes.

»Du wirkst so abwesend, was ficht dich an«, meinte der Notar bei einer zufälligen Begegnung im Beisl. Ich, der seine Freude nicht verbergen konnte: »Es ist schön dich zu sehen. Wenn du erlaubst, so möchte ich dir heute eine Frage stellen, die ich dir schon längst stellen wollte. Ich hoffe jedoch sehr, dass du mir nicht ebenso ausweichst wie die anderen und mir gerade heraus antwortest!« »Ja, aber erst nachdem die Frage gestellt ist.«

Ich tat meinem Freund meine Bedenken kund. »Du weißt doch, dass ich in allernächster Zeit den Anruf eines Herrn eures Bundes erwarte, der mit mir ein Informationsgespräch führen will. Ich muss jedoch gestehen, dass mir in Wahrheit immer noch nicht ganz klar ist, was genau Freimaurerei ist. Alles, was ich bisher von euch darüber erfahren konnte, waren Andeutungen, Bilder, Allegorien, jedoch nichts Konkretes, nichts Handfestes. Auch das Lesen hat mich hier nicht entscheidend weitergebracht, so fürchte ich, könnte bereits dieses Erstgespräch in einem Desaster für mich enden. Verstehst du meine Bedenken?«

Er versuchte meine Bedenken zu zerstreuen. »Ich kann dich verstehen. Glaubst du aber, dass gerade du es sein solltest, der bei diesem Erstgespräch seinen Gesprächspartner darüber belehrt, was Freimaurerei ist? Glaubst du wirklich, dass er das von dir überhaupt hören will?«

»Nein, aber wenn er das Gefühl bekommt, einem Ahnungslosen gegenüber zu sitzen, so muss er sich doch zu Recht fragen, was dieser überhaupt beim Bund will. Und diese peinliche Situation möchte ich eben vermeiden, wie du wohl verstehen wirst.«

»Die Frage, was du beim Bund willst, was überhaupt du von der Freimaurerei erwartest, wird er dir ganz gewiss stellen, dessen bin ich mir sicher«, entgegnete mein Freund. »Auch hoffe ich doch, dass du dir diese Frage selbst bereits gestellt und Antworten gefunden hast. Ich bezweifle jedoch, dass dieser von dir eine geisteswissenschaftliche Abhandlung über Freimaurerei erwartet. Also, wo ist das Problem?«

Ich erkannte resignierend, dass auch mein sonst so offener und gesprächiger Freund, der Notar, sich beim Thema Freimaurerei bedeckt hielt, und sich außer ein paar Andeutungen nichts Wesentliches entlocken ließ.

»Was ich bis jetzt über euch weiß, ist nicht viel mehr, als das ihr ein mir ganz lieber Freundeskreis seid. Männer, zu denen ich mich aus einem unbestimmten Gefühl hingezogen fühle. Aber schon beim Versuch, dieses Gefühl näher beschreiben zu wollen, hab ich so meine Probleme. Dies gelingt mir, wenn überhaupt, dann nur sehr vage. Was aber dasjenige ist, dass euch Maurer verbindet, davon hab ich nach wie vor keinen blassen Schimmer, und diese Tatsache macht mich mutlos.«

Mein Freund vielsagend: »Aber ist denn dieses „sich zu jemandem hingezogen fühlen’, wie du es nennst, gar nichts? Könnte das zumindest nicht mit ein Grund sein, so einer Vereinigung, wie wir sie eben sind, ernsthaft nähertreten zu wollen?«

»Ja, wenn du glaubst«, meinte ich bereits etwas entnervt, »dass das allein ausreicht, dann werde ich also bei diesem Gespräch mein Interesse an einem Nette-Leute-Club kundtun. Über die Freimaurerei weiß ich zwar nichts, aber soviel weiß ich: Nette Leute sind sie alle.«

Mein Freund, der meinen Sarkasmus nicht überhörte: »Übereile dich nur nicht! Für einen kurzen Moment hast du mich jedoch aufhorchen lassen, hast mich sogar überrascht. Mit dem Nette-Leute-Club ganz sicher nicht, denn das ist zu albern. Übrigens, ist dir aufgefallen dass auch du soeben von etwas gesprochen hast, das du nur sehr vage beschreiben kannst und das nicht konkret mitteilbar ist?«

Ich hatte offenbar, ohne mir aber dessen bewusst zu sein, einen wichtigen Aspekt der Maurerei angesprochen, meinem Freund gegenüber von einem unbestimmten Gefühl gesprochen, das mich zu jenen Menschen hinzieht. Es dürfte jedoch genau dieses „gemeinschaftliche Gefühl sympathisierender Geister“ gewesen sein, das ich, wenn auch unbewusst, ihm gegenüber angedeutet habe, und das offenbar die maurerische Gesinnung ausmacht. Nichts anderes wollte dieser aber von mir hören.

Als mein Freund später seinen Wohnort wechselte, bedeutete das auch das jähe Ende unserer Lokalrunde. Nach und nach blieben sie aus, einer nach dem anderen. Erst die tragische Krankheit eines Freundes und Bruders ließ uns alle wieder regelmäßig im Stammbeisl zusammenfinden. Der Notar war es, der die Initiative setzte und dem es gelang, die Lokal-Runde wieder zu vereinen. Auch wenn es keiner aussprach, so ging es uns einzig darum, unseren schwerstkranken Freund die letzten Wochen seines Lebens zu begleiten, das Glas zu erheben, auf ihn anzustoßen und all dies in seiner gewohnten Umgebung, in seinem alten Stammbeisl.

Die Verwirrung des Suchenden

So sollte mein erstes offizielles Gespräch mit einem Freimaurer stattfinden. Es meldete sich eines Morgens am Telefon ein Herr mit angenehmer Stimme: »Sie haben sich um die Aufnahme in einen humanitären Bund beworben. Ich würde mich gerne an einem der nächsten Tage mit Ihnen treffen.«

Das Treffen mit ihm, dem damaligen Stuhlmeister der Loge, der „Grünes Licht“ für mein Aufnahmeverfahren geben musste, fand in seinem Büro statt und ging über eine, wenn auch durchaus angenehme Konversation nicht hinaus. Ich hatte es mit einem kultivierten, geistreichen Mann mittleren Alters zu tun, den ich auf Anhieb in mein Herz schloss. Das Thema Freimaurerei wurde bei diesem Erstgespräch jedoch nicht einmal ansatzweise erwähnt. Die einzige Frage, die er diesbezüglich an mich hatte, war: »Weiß Ihre Frau eigentlich von Ihrem Vorhaben, Freimaurer zu werden?« Ich versicherte ihm, dass sie es wüsste und auch einverstanden sei. Das schien ihm zu genügen.

Schon bald folgten weitere Treffen mit ihm in verschiedensten Lokalitäten. Nun ging es für mich endlich auch ans „Eingemachte“. Der Mann erschien mir als Inbegriff des sogenannten Esoterikers, aber im guten Sinne. Unsere Gespräche waren von Offenheit und Herzlichkeit geprägt, aber eine gewisse Verwirrung, wie ich sie nun schon gewohnt war, stellte sich dann und wann ein. Der Gedanke, auf dem Prüfstand zu stehen, mich gut präsentieren zu müssen, kam mir jedoch keine Sekunde in den Sinn. Also, wieder ein netter Mensch mehr, durchfuhr es mich.

Ich wurde von meinem Gesprächspartner behutsam an Sinn und Zweck der Maurerei herangeführt: »Eine Methode der Lebensbewältigung, von Menschen für Menschen erdacht«, wie er es nannte. Das schien mir einleuchtend und machte all meinen vorherigen Spekulationen ein jähes Ende. Die Erklärung war vernünftig. Obwohl ich schon einiges an maurerischer Literatur konsumiert hatte, fehlte mir das Maß, um beurteilen zu können, welchen der Autoren ich trauen konnte. Hier war es anders: Es wurde im Gespräch unter gleichwertigen, aneinander interessierten Menschen das Wesen der Maurerei angedacht, mir der Zweck einer durchaus vernünftigen, ja notwendigen Einrichtung nahegebracht, die wohl einzigartig zu sein schien.

Etwas in meinem Inneren geriet in Bewegung, das vieles in meinem Leben in einem anderen Licht erscheinen ließ und auch in Frage stellte. Die Überzeugung, Freimaurer werden zu wollen, nahm immer konkretere Formen an. Es gab bei diesen Gesprächen Momente, die mir gleichsam als Erwachen schienen. Neue Impulse wurden in mir freigesetzt.

Eines Tages eröffnete er, ein Physiker, das Gespräch mit folgenden Worten: »Ich hatte heute einen Termin an einer Hochschule, an der ich einmal wöchentlich unterrichte. Da mir im Anschluss daran bis zu unserem Gespräch noch etwas Zeit blieb, nützte ich diese für einen Friedhofsbesuch. Darüber wollte ich mit Ihnen gern reden. Was fällt Ihnen dazu ein?«

Da er offenbar die großen Gegensätze unseres Lebens angesprochen hatte, ließ meine Antwort auf die Frage auch nicht lange warten: »Zum einen sehe ich hier die Zeit unserer Ausbildung, die Zeit der Hoffnungen, wo wir an den Tod keine Sekunde verschwenden, da wir diesen für uns nicht wirklich zur Kenntnis nehmen wollen. Sterben müssen immer die anderen, jedoch niemals wir selbst. Im anderen, dem Friedhofsbesuch, sehe ich etwas, das uns an unsere Vergänglichkeit erinnern sollte, uns bewusst machen soll, dass dieser Ort letztlich unser aller Ziel ist. Egal, wie erfolgreich wir waren.«

Ein andermal sprach er von einem kürzlich verstorbenen Bruder seiner Loge und wie leid es ihm täte, dass ich diesen nun nicht mehr kennen lernen könnte. Es schien ihn die Frage zu bewegen, wie man diesem Menschen ein Denkmal in den Herzen seiner Brüder errichten könnte.

Meine Gedanken dazu, die ich ihm damals mitteilte, waren folgende: »Es ist nicht die profane Größe und Wichtigkeit eines Menschen, die für uns, die Zurückbleibenden, von Bedeutung ist. Was in unserer Erinnerung erhalten bleibt, sind die eher gering erscheinenden Dinge des Lebens. Das kann ein Blick, ein Lächeln, eine verständnisvolle Geste dieses Menschen sein, also im Grunde genommen die völlig unspektakulären Augenblicke eines Menschenlebens.«

Bei unserem letzten Gespräch, vor meiner Aufnahme in den Bund, richtete er an mich die Frage: »Was erwarten Sie sich eigentlich von den Menschen, die Sie bei uns in Zukunft vielleicht kennen lernen werden?« »Ich hoffe hier auf Menschen zu treffen, mit denen mich einfach mehr verbindet, als bloß oberflächliche Freundschaft. Was ich bisher gesehen und erkannt habe, gibt mir aber allen Grund zu dieser Vermutung! Was ich hier sicher nicht zu finden hoffe, sind Menschen, deren Seichtheit mir in meinem bisherigen Leben bereits zu schaffen macht.« Die Miene des Stuhlmeisters wurde ernst. »Was würden Sie sagen, wenn Sie einige der von Ihnen zuletzt geschilderten Menschen auch bei uns antreffen? Unterliegen Sie bitte nicht der trügerischen Hoffnung, hier nur schöngeistige Menschen und Edelmänner vorzufinden!«

Das war zwar eine Banalität, und dennoch schien sie ihm so wichtig, mich gleich mehrmals in aller Eindringlichkeit auf diesen Umstand aufmerksam zu machen. Es war ihm offenbar ein Bedürfnis, mich vor allzu großen Erwartungen in meine zukünftigen Brüder zu bewahren. So als wollte er mir vermitteln: Die Freimaurerei ist groß, die Freimaurer sind es mitnichten. Er wurde schließlich noch präziser, indem er fast hellseherisch meinte, dass bei mir die unausweichliche Ernüchterung spätestens in etwa einem halben Jahr nach meiner Aufnahme in den Bund eintreten würde. Diese sollte jedoch, wie man bald sehen wird, schon weit früher eintreten. Ich benötigte dazu kein halbes Jahr. Seine letzten Worte dazu: »Ich habe Sie gewarnt!«