TEUFELSJÄGER 040: Ein Dämon rechnet ab - W. A. Hary - E-Book
Beschreibung

TEUFELSJÄGER 040: Ein Dämon rechnet ab - A. Hary: "…und fragt nicht wie!"  Kathryn stieß ihren Mann Tab Furlong mit dem Ellenbogen an. Er folgte ihrem Blick und runzelte die Stirn. Auf diesen Fremden dort drüben passte haargenau die Beschreibung, die Kathryn und Tab tele­fonisch erhalten hatten. Deswegen waren sie hier. Der Fremde betrachtete verwirrt das be­rühmte Helsinkier Kaufhaus Sokos. Auf die beiden Engländer achtete er nicht. Kathryn und Tab gingen ihm entgegen. Gerade als sie ihn erreichten, stöhnte er leise und griff sich würgend an die Kehle...   Diese Serie erschien bei Kelter im Jahr 2002 in 20 Bänden und dreht sich rund um Teufelsjäger Mark Tate und seine Freunde. Seit Band 21 wird sie hier nahtlos fortgesetzt!   eBooks – sozusagen direkt von der Quelle, nämlich vom Erfinder des eBooks!   HARY-PRODUCTION.de brachte nämlich bereits im August 1986 die ersten eBooks auf den Markt – auf Diskette. Damals hat alles begonnen – ausgerechnet mit STAR GATE, der ursprünglichen Originalserie, wie es sie inzwischen auch als Hörbuchserie gibt.   Nähere Angaben zum Autor siehe Wikipedia: de.wikipedia.org/wiki/Wilfried_A._Hary

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MOBI

Seitenzahl:129


W. A. Hary

TEUFELSJÄGER 040: Ein Dämon rechnet ab

„…und fragt nicht wie!“

Nähere Angaben zum Autor siehe Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Wilfried_A._HaryBookRix GmbH & Co. KG80331 München

Wichtiger Hinweis

Diese Serie erschien bei Kelter im Jahr 2002 in 20 Bänden und dreht sich rund um Teufelsjäger Mark Tate. Seit Band 21 wird sie hier nahtlos fortgesetzt! Jeder Band (siehe Druckausgaben hier: http://www.hary.li) ist jederzeit nachbestellbar.

 

TEUFELSJÄGER 040

Ein Dämon rechnet ab

von W. A. Hary

„…und fragt nicht wie!“

Kathryn stieß ihren Mann Tab Furlong mit dem Ellenbogen an. Er folgte ihrem Blick und runzelte die Stirn. Auf diesen Fremden dort drüben passte haargenau die Beschreibung, die Kathryn und Tab tele­fonisch erhalten hatten. Deswegen waren sie hier.

Der Fremde betrachtete verwirrt das be­rühmte Helsinkier Kaufhaus Sokos. Auf die beiden Engländer achtete er nicht.

Kathryn und Tab gingen ihm entgegen. Gerade als sie ihn erreichten, stöhnte er leise und griff sich würgend an die Kehle...

Impressum

Alleinige Urheberrechte an der Serie: Wilfried A. Hary

Copyright Realisierung und Folgekonzept aller Erscheinungsformen (einschließlich eBook, Print und Hörbuch) by www.hary-production.de

ISSN 1614-3329

Copyright dieser Fassung 2015 by www.HARY-PRODUCTION.de

Canadastr. 30 * D-66482 Zweibrücken

Telefon: 06332-481150

www.HaryPro.de

eMail: wah@HaryPro.de

Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck und Vervielfältigung jedweder Art nur mit schriftlicher Genehmigung von Hary-Production.

Coverhintergrund: Anistasius

Lektorat: David Geiger

1

Die beiden wurden unsicher. War er wirklich die angekündigte Kontaktperson, von der dieser anonyme Anrufer gesprochen hatte?

»Ist Ihnen nicht gut?« fragte Tab misstrauisch. Er war Chefin­spektor bei New Scotland Yard und hatte seine Erfahrungen. Mit dem Mann stimmte etwas nicht. Mehr und mehr gelangte er zu der Überzeugung, dass es sich bei dem telefonischen Hin­weis um einen makabren Scherz handelte. Oder war es mehr? War es eine Falle?

Der Fremde zwang sich zu einem Lächeln.

»Eine - eine vorübergehende Übelkeit, mehr nicht. Es geht schon wieder vorbei.«

Da der Fremde keinerlei Er­kennen zeigte, wagte Tab einen Vorstoß.

»Sind Sie von hier?«

»Von wo denn?«

»Na, ich meine von hier - von Helsinki?«

»Helsinki?« echote der Fremde erschrocken und sah sich um. Seine Augen weiteten sich. »Helsinki?« Er schien es nicht glauben zu wollen.

Die Sache wurde immer mys­teriöser. Tab dachte wieder an den Anruf. Mark Tate, der Lon­doner Privatdetektiv und Don Cooper waren spurlos ver­schwunden. Von Lord Frank Burgess und May Harris wusste Tab, dass die beiden Gefangene einer jenseitigen Sphäre ge­worden waren.

Tage später reisten der Lord und May nach Brasilien. Der An­rufer hatte sehr geheimnisvoll getan und behauptet, dass die beiden in großer Lebensgefahr schweben würden. Außerdem wüsste er, wo sich Mark Tate und Don Cooper tatsächlich befanden. Alles in allem eine Reihe von Behauptungen, denen Tab Fur­long mit Recht miss­traute. Aber dann rief er in Bra­silien an. May Harris, Marks Lebens­gefährtin und der Lord waren nicht auffindbar.

Jetzt gab es schon vier Verschwundene!

Tab Furlong nahm sich ent­schlossen Urlaub und reiste mit seiner Frau Kathryn dem Hin­weis folgend nach Helsinki. Der Anrufer hatte sich später noch einmal gemeldet und diesen Mann hier als Kontaktperson be­schrieben. Deshalb hatten sie ihn angesprochen...

»Ihnen scheint es doch noch nicht so gut zu gehen«, warf Ka­thryn ein.

Aus den Augenwinkeln sah Tab, dass sie etwas in der Hand hielt. Jetzt öffnete sie die Hand. Ihre Finger spielten wie zufällig mit einem Stein. Dieser Stein wies ein kreisrundes Loch auf. Es handelte sich um einen Dru­denstein. Jetzt hob sie den Stein langsam und hielt ihn wie unbe­absichtigt dem Fremden ent­gegen.

Der Mann reagierte überhaupt nicht darauf.

Jetzt beeilte er sich zu versi­chern: »Wirklich, Sie brau­chen sich nicht zu bemühen. Ich wohne in der Nähe. Äh, ich be­danke mich für Ihre Fürsorge.« Er winkte ihnen zu und lief weiter.

Tab Furlong spielte schon mit dem Gedanken, ihn aufzuhalten, aber mit welcher Begründung hätte er das tun können? Es war möglich, dass sie einem bedau­erlichen Irrtum aufgesessen waren - oder einem sehr makab­ren Scherz.

Sie blickten dem Mann so lange nach, bis er ihren Blicken entschwunden war. Dann wand­ten sie sich ab und liefen zu ih­rem Mietfahrzeug. Es stand in der Nähe geparkt.

*

Kaum befanden sich Kathryn und Tab Furlong in ihrem Hotel­zimmer, als das Telefon klingelte. Kathryn stand dem Telefon zunächst. Sie nahm den Hörer ab und meldete sich.

Der Finne in der Rezeption sagte auf Englisch mit schlechter Aussprache: »Ein Gespräch für Sie von außerhalb.«

»Wer ist es?«

»Der Teilnehmer wollte seinen Namen nicht nennen. Soll ich verbinden?«

Kathryn brauchte nicht lange zu überlegen.

»Ja, bitte!« sagte sie.

Es knackte in der Leitung. Dann klang eine andere Stimme auf: »Hallo, wer ist dort?«

Kathryn hatte mit dem anony­men Anrufer bis jetzt noch nicht selber gesprochen. Aber et­was fiel ihr auf: Ähnelte diese Stimme nicht der des Mannes von vorhin?

Tab stand bereits neben ihr. Sie übergab ihm den Hörer, drückte jedoch den Lautsprecher, um mitzuhören.

»Hier Tab Furlong!«

»Aha, der Chefinspektor.« Es klang eine Spur zynisch. »Sie sind also doch gekommen.«

»Sogar pünktlich. Und ich war an der verabredeten Stelle. Den von Ihnen beschriebenen Mann habe ich zwar gesehen, ich habe sogar mit ihm gesprochen, aber er hat kein Erkennen gezeigt. Wie erklären Sie sich das?«

»Das muss ein Irrtum sein, Mr. Furlong. Mein Kontaktmann war dort, wie verabredet. Ich ver­stehe nicht, wieso sie ihn ver­passt haben. Er wartete im Ein­gang des Kaufhauses. Soeben hat er mir telefonisch Bescheid gegeben, dass Sie nicht gekom­men seien. Deshalb rufe ich Sie ja an.«

Kathryn wechselte mit Tab einen Blick.

Tab zuckte die Achseln.

»Also gut, dann haben wir uns halt geirrt.«

»Sie reden in der Mehrzahl?«

»Ja, denn ich erlaubte mir, meine Frau mitzubringen.«

»Auch gut. Das ist schließlich Ihre Sache. Aber, was nun? Sollen wir ein neues Treffen ver­einbaren?«

»Wie wäre es, wenn wir dies­mal auf Kontaktpersonen verzichten würden? Und warum sagen Sie mir nichts am Telefon? Ich bin extra her gekommen nach Finnland, eine weite Reise. Jetzt ist es langsam an der Zeit, dass Sie mit offenen Karten zu spielen beginnen.«

»Wir können uns nicht so einfach treffen, weil ich unter Beobachtung stehe. Mehr kann ich Ihnen nicht sagen. Außerdem lässt es sich nicht am Telefon erklären.«

»Ihr Vorschlag?«

»Also gut, ich lade Sie in mein Haus. Es wird sich ein Weg finden. Aber ich warne Sie: Es wird nicht ungefährlich sein, mich zu sehen. Darüber müssen Sie sich im klaren sein.«

»Wie finde ich hin?«

»Ich schicke Ihnen einen Wagen. In spätestens einer Stunde kommt er an.«

Der Gesprächsteilnehmer leg­te auf.

Fast behutsam platzierte Tab den Hörer auf die Gabel zurück. Dann sah er Kathryn an.

»Was hältst du von der Sache?«

»Überhaupt nichts, Tab. Ich verstehe nicht, wie du dem Ruf dieses Verrückten folgen konn­test.«

Tab tippte sich gegen die Brust. »Es war ein Gefühl, ver­stehst du? Irgendein Gefühl be­wegte mich dazu. Bisher konnte ich mich auf meinen kriminalis­tischen Spürsinn verlassen.«

»Ja, glaubst du denn wirklich, dass wir die versprochenen Hin­weise bekommen? Und wenn ja: Was sollen wir damit anfangen?«

»Unseren Freunden falls er­forderlich helfen.«

»Ich glaube eher, dass es sich um eine plumpe Falle handelt.«

Tab zwang sich zu einem Lä­cheln.

»Selbst dann werden wir die Gefahren bestehen und den­jenigen besiegen, der uns die Falle stellt. Unser Weg hierher war auf keinen Fall umsonst.«

Kathryn konnte diese Meinung absolut nicht teilen, aber sie sagte nichts mehr. Schließlich war sie mit ihrem Mann her ge­kommen. Jetzt konnte sie ihn nicht im Stich lassen.

Sie setzten sich hin und warteten.

*

Es hämmerte in seinen Schlä­fen und trieb ihm den kalten Schweiß auf die Stirn. Er wusste nicht, wo er war und wusste nicht, was er tat. Allen Willen bot er auf, um das Ding zu be­kämpfen, das in ihm hockte und diese höllische Pein verursachte.

»Scharlon!« hörte er den Ruf. »Schar-lon!«

Plötzlich wusste er, dass dies ein mächtiger Dämon war. Se­kundenlang war ihm alles klar. Er wusste, dass er Tarkel Knutsen hieß und dass ihn der Magier Björ Olström der »Schwarzen Mafia« auserwählt hatte, das Medium für den mächtigen Dämon Scharlon zu werden. Björ Olström hatte sich gehütet, den Auftrag der schwarzen Mafia zu deren Zu­friedenheit auszuführen. Denn Björ Olström war vom Magier zum Dämon gereift und beherrschte Helsinki und weite Teile von Finnland. Zwar unterhielt er seine Beziehungen zur Schwarzen Mafia, aber nur, um sie sich nicht zum Feind zu machen.

Die Schwarze Mafia hatte Scharlon zu seinem Nachfolger bestimmt. Doch Scharlon war ein Gefangener des Zwischenreichs der Dämonen und brauchte ein menschliches Medium, damit er auf der Erde seine Macht aus­üben konnte.

Alles war vorbereitet, das Me­dium Tarkel Knutsen stand be­reit. Scharlon wollte die Macht antreten und handelte ganz im Sinne der Schwarzen Mafia, in­dem er ihr half, die Gruppe von Mark Tate zu vernichten. Mark Tate selbst war zur Zeit ausge­schaltet. May Harris und der Lord wurden an anderer Stelle der Welt von der Schwarzen Ma­fia attackiert. Und Scharlon hatte sich Tab Furlong und seine Frau ausgesucht. Das war sein Einstand für die Schwarze Mafia.

»Nein!« schrie Tarkel Knutsen. Und noch einmal: »Nein!«

Im nächsten Augenblick erwachte er aus dem Chaos sei­ner Gedanken und sah sich in einer Telefonzelle. Verständnis­los schaute er sich um. Die In­formationen, die er soeben noch in seinem Schädel gehabt hatte, waren jetzt wieder weg. Wie war er eigentlich hierher ge­kommen? Er erinnerte sich nur an die seltsame Begegnung vor diesem Kaufhaus. Warum war er eigentlich dort gewesen?

»Verdammt, was ist denn mit mir los?« fragte er sich zähne­knirschend. Da wurde ihm be­wusst, dass er noch den Hörer in der Hand hatte. Wen hatte er angerufen? Er lauschte in den Hörer. Das Freizeichen. Also musste jemand die Gabel herun­ter gedrückt haben.

Jemand?

Das konnte er doch nur selber getan haben.

Er fühlte sich wie im Fieber, als er den Hörer einhängte und die Telefonzelle verließ.

Ich muss heim, redete er sich ein.

Die Umgebung wirkte seltsam unwirklich. Mit einer fahrigen Bewegung strich er sich durch das Haar.

Tarkel Knutsen lief dahin, als wollte er dem Albdruck entflie­hen, der auf ihm lastete.

Plötzlich verhielt er im Schritt. Stirn runzelnd sah er an dem Gebäude empor, vor dem er stand.

Etwas zwang ihn, näher zu treten und die Hand nach der Türklinke auszustrecken. Neben der Tür hing ein Schildchen: Autovermietung. Er trat ein.

»Guten Morgen!« sagte der freundliche Herr und stand hin­ter diesem Schreibtisch auf. Die Zeitung legte er zur Seite.

Tarkel Knutsen sprach ausge­zeichnet Englisch. Er antwortete in dieser Sprache: »Entschuldigen Sie, aber ich ver­stehe Sie nicht. Sprechen Sie englisch?«

Was soll denn das? fragte er sich unwillkürlich. Warum be­lüge ich den Mann?

Der Autovermieter reagierte darauf. Er setzte sein liebens­würdigstes Lächeln auf.

»Selbstverständlich, Sir. Sind Sie Engländer?«

»Ja, ich stamme aus London und bin Tourist in Ihrem schö­nen Land.«

Tarkel Knutsen bemühte sich verzweifelt, etwas gegen die un­sinnigen Worte zu tun. Es gelang ihm nicht. Alles ging automa­tisch. Er fühlte sich in seinem eigenen Körper wie ein Gast und konnte es nicht begreifen. Weil er nichts mehr von Scharlon wusste! Weil er nicht wusste, dass er ein Opfer von Scharlon war. Doch es klappte nicht ganz so, wie es hätte sein sollen. Es war nicht das perfekte Medium, das sich Scharlon wünschte. Scharlon, der sonst keine Ver­bindung zur Erde hatte, beschränkte sich darauf, Knutsen wie eine Marionette zu steuern. Er ließ ihn noch ein Stückchen näher treten.

Verdammter Olström, dachte der mächtige Dämon. Du hast diesen Knutsen als Medium aus­gesucht, um meine Macht von vornherein einzuschränken. Damit ich dir nicht gefährlich werden kann. Aber jetzt bist du längst tot, von Mark Tate vernichtet. Nur dein verfluchtes Erbe lebt. Aber ich werde es dennoch schaffen. Noch bin ich auf Tarkel Knutsen angewiesen. Aber ich habe noch einen Trumpf. Tarkel Knutsen wird von mir so lange benutzt, bis er seine Schuldigkeit endgültig getan hat. Bis dahin muss ich mich mit ihm halt abplagen.

Der Angestellte der Autover­mietung tat dienstbeflissen: »An welchen Wagen haben Sie denn gedacht?«

»Was haben Sie da?«

»Nun...« Der Angestellte zählte auf. Knutsen hörte nur mit halb­em Ohr hin. Er hatte anderes zu tun.

Ich bin verrückt! sagte er sich. Ja, ich bin total verrückt. Wieso stehe ich hier und leihe mir ein Auto? Ich habe doch selbst eins. Außerdem: Habe ich überhaupt Geld dabei?

Das Gespräch ging weiter. Er hörte zu und konnte noch immer nichts gegen die Worte tun, die wie von selbst von seinen Lippen kamen.

»Sie haben nicht zufällig auch amerikanische Modelle?«

Der Angestellte verzog das Gesicht.

»Nein, Sir, leider nicht.«

»Na, dann sehe ich mich am besten mal um, nicht wahr? Wo stehen denn die Fahrzeuge?«

Der Angestellte ging voraus. Es fiel ihm das seltsame Geba­ren seines Kunden gar nicht auf.

Knutsen bewegte sich gegen seinen Willen. Das machte sich dergestalt bemerkbar, dass seine Bewegungen seltsam eckig, wie bei einer Marionette, wirkten. Scharlon war im Moment stärker. Es war ein Risiko besonderer Art für den Dämon, dass er nicht versuchte, Knutsen ganz zu be­herrschen. So bekam Knutsen viel zuviel mit.

Er forschte kurz in der Erinne­rung von Knutsen. Unbegreiflich war für ihn der Umstand, dass Knutsen von seiner Rolle als Medium überhaupt keine Ahnung hatte. Es schien so, als habe er sogar den Namen Björ Olström noch nie zuvor gehört. Dabei musste er für Olström mehrmals tätig geworden sein.

Am liebsten hätte Scharlon laut los geflucht, aber dafür hät­te er den Mund von Knutsen benutzen müssen und den Ange­stellten der Autovermietung wollte er nicht unbedingt in Angst und Schrecken versetzen.

Tarkel Knutsen blieb weiter erschütterter Beobachter des Geschehens.

Scharlon beruhigte sich wieder, denn er dachte an seinen besonderen Trumpf. Na, warte, Olström, es wird sich noch her­ausstellen, dass ich stärker bin und durchaus in der Lage, dein verdammtes Erbe anzutreten. Schade, dass es dich nicht mehr gibt. Ich würde dir sonst eine Lehre erteilen. So kann man mit Scharlon nicht umgehen. Scharlon ist einer der mächtigsten Dämonen im Zwischenreich. Einst habe ich auf der Erde geherrscht. Als die Herrschaft der Dämonen auf Erden durch den Stamm der Goriten, diesen verfluchten Weißmagiern, gebrochen wurde, verschwand auch ich im Zwischenreich. Dies hier ist meine Chance. Ich werde mich ihrer würdig erweisen. Tod für Tab Furlong und Kathryn Furlong - Tod und Verderben. Und Sieg für den mächtigen Scharlon.

»Der gefällt mir«, sagte Knutsen, gelenkt von Scharlon. Er deutete auf einen Mercedes.

Der Angestellte strahlte.

»Hervorragend. Das beweist Ihren besonderen Geschmack. Wir haben den Wagen erst her­ein bekommen. Es ist unser einziger Mercedes und...« Er re­dete noch viel mehr, aber weder Knutsen noch Scharlon hörten zu. Es war das übliche Blahblah. Zwischendurch gab er einem Mit­arbeiter Anweisungen, das Fahr­zeug bereitzustellen. Dann gingen sie ins Büro zurück. Dort beschäftigten sie sich mit ein paar Vordrucken.

Knutsen bekam einen Schre­cken, als der Angestellte plötz­lich nach dem Führerschein verlangte. Natürlich hatte Knutsen seinen Führerschein dabei, aber der lautete eben nicht auf den Namen eines Eng­länders, sondern auf seinen eigenen. Er griff in die Innenta­sche seiner Jacke und zückte die Brieftasche. Dann wanderte der Führerschein über den Tisch.

Knutsen gelang es nicht, die Herrschaft über seinen Körper wiederzuerlangen. Deshalb zog er sich zurück. Sofort wurden die Bewegungen seines Körpers eleganter und wirkten nicht mehr wie die einer Marionette.

Dabei bin ich dennoch nichts anderes als eine Marionette, überlegte er. Ich bin ein Besessener. Irgendein Mächtiger hat meinen Körper in Besitz ge­nommen und tut mit mir, was er will. Kann er auch meine Ge­danken lesen?

Knutsen erschrak darüber. Dann konzentrierte er sich wieder auf die Vorgänge.

Der Angestellte musste den Namen Tarkel Knutsen lesen, aber er sprach auf einmal nur noch von einem Mr. Miller und meinte dabei offensichtlich Knutsen.

Kann der denn nicht lesen? sinnierte Knutsen. Oder hat das Mächtige, das mich beherrscht, auch seine Sinne getrübt?

Er reichte den Pass über den Tisch. Dieselbe Reaktion des Angestellten. Er schrieb einen imaginären Namen und eine imaginäre Londoner Adresse in den Vordruck. Es folgte ein Hotel in Helsinki, das es mit Si­cherheit überhaupt nicht gab. Der Angestellte schöpfte keinen Verdacht, denn wer kannte schon sämtliche Hotels in seiner Stadt? Der Höhepunkt kam, als der Angestellte die übliche Kaution verlangte.

Tarkel Knutsen, alias Scharlon, reichte ihm die leere Rechte. Der Angestellte nahm unsichtbares Geld und zählte nach. Dann wiegte er bedenklich den Kopf.

Jetzt hat er es doch bemerkt, dachte Knutsen erschüttert.

Der Angestellte jedoch sagte: »Haben Sie keine Markka? Das wäre mir lieber als diese PFUND. Oder ich muss Ihnen unseren Kurs berechnen. Der ist dann nicht so günstig wie der Bank­kurs. Außerdem bekommen Sie später die Kaution nur in einheimischer Markka erstattet.«

»Ist mir egal!« antwortete Knutsen mit hohler Stimme.

Der Angestellte zuckte die Achseln und rechnete alles aus. Dann gab er Knutsen das Wechselgeld.

Knutsen steckte es ungerührt ein. Er bekam seinen Führer­schein und auch den Pass zu­rückgereicht. Inzwischen stand der Wagen vor der Tür.

Tarkel Knutsen lehnte die Be­gleitung des Angestellten höflich ab, als er aufstand und das Büro verließ. Wenig später brauste er mit dem Mercedes davon. Sein Ziel lag irgendwo außerhalb der Stadt. Er wusste selber nicht wo. Nur Scharlon wusste es. Er be­gann, sich intensiver mit Knutsen zu beschäftigen. Das war jetzt notwendig.

2

Weiter vorn tauchten die ersten Häuser auf. Tarkel Knutsen runzelte die Stirn. Das ist doch nicht Helsinki! dachte er verblüfft. Wollte er nicht nach außerhalb? Wieso fuhr er plötz­lich die verkehrte Richtung?

Knutsen steuerte unwillkür­lich an den Straßenrand und stierte hinaus. Er konnte es nicht begreifen.