The Alexander Thorn Affair - Rhiana Corbin - E-Book

The Alexander Thorn Affair E-Book

Rhiana Corbin

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Beschreibung

 Alexander Thorn hat alles, was einen Millionär ausmacht. Geld, gutes Aussehen und Macht. Er ist ein großer Name in der Immobilienbranche von New York. Das FBI ist seit Jahren hinter ihm her, weil es ihn für den "Marquis" hält – einem Gentleman-Dieb, der es auf große Kunstwerke abgesehen hat. Mila Sante ist Versicherungsdetektivin, die sich darauf spezialisiert hat, geraubte Gemälde wiederzubeschafften. Als sie auf Alexander trifft, hält sie ihn sofort für schuldig. Doch noch kann niemand ihm etwas nachweisen und auch Mila beißt bei ihm auf Granit, während Alexander Mila gegenüber ein leichtes Spiel hat ... oder ist es alles nur Tarnung? Wer legt hier wen zuerst aufs Kreuz? 

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Seitenzahl: 138

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The Alexander Thorn Affair

Verliebt in einen Dieb

Rhiana Corbin

Inhalt

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Kapitel 15

Kapitel 16

Kapitel 17

Kapitel 18

Danksagung

Leseprobe

Kapitel 2 Leseprobe

Deutsche Erstausgabe

Copyright © 2018, Rhiana Corbin

Alle Rechte vorbehalten

Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit Genehmigung

1. Auflage

Covergestaltung: Andrea Wölk

Unter Verwendung folgender Fotos:

© Tinpixels– Getty Images

Kajsa Arnold Edition

www.kajsa-arnold.de

Erstellt mit Vellum

Kapitel 1

Mila

Da ist er!«

Die Stimme des Ermittlers dringt leise, über den In-Ear in meinem Ohr, zu mir durch. Die Luft ist alles andere als angenehm in dem engen Überwachungswagen. Drei Monitore, nebst einigen Computern, deren Lüfter ununterbrochen surren, tragen nicht zum guten Raumklima bei. Hinzu kommen die Ausdünstungen von sechs Männerkörpern, die den Wagen bevölkern, was bei fünfundzwanzig Grad Außentemperatur wirklich deoreif ist.

Ich blicke auf den Monitor, der nur ein unscharfes Schwarz-Weiß-Bild liefert, was in dieser Zeit wohl vorsintflutlich ist. Sie fliegen zum Mond, aber wir müssen uns mit solch einer miesen Qualität zufriedengeben. Von der Zielperson ist nicht viel zu erkennen. Eine gut gekleidete, schlanke Gestalt, die eilig die Außentreppe des Lofts hinaufsteigt. Er trägt einen dreiteiligen Anzug, eine gestreifte Krawatte und hat einen eleganten Mantel über die Schultern gelegt, dazu verdeckt eine dunkle modische Sonnenbrille sein Gesicht. Selbst aus dieser Entfernung ist er eine imposante Erscheinung.

»Sobald er das Atelier betreten hat, werden wir zugreifen«, erklärt der Einsatzleiter des SWAT-Teams.

Mein Blick geht zu John Spence, dem ermittelnden FBI-Agent, der zustimmend nickt. »Wir werden ihn heute kriegen und einbuchten«, brummt er angespannt.

Ich stehe im hinteren Bereich des Überwachungswagens, bin nur geduldete Zuschauerin. Spence hat mich eingeladen, weil ich ihn auf die Spur des Fälschers gebracht habe, dem das Atelier gehört, das bereits seit mehr als einer Woche überwacht wird.

Auf dem Monitor ist zu sehen, dass die Tür geöffnet wird und der Mann aus unserem Sichtfeld entschwindet.

»Zugriff!« ruft der Einsatzleiter des SWAT-Teams in sein Mikro und stößt die Türen des Wagens auf.

Endlich frische Luft. Ich atme erleichtert aus, obwohl die Luft draußen auch nicht viel besser ist, aber zumindest verflüchtigt sich der Schweißgeruch.

Ich schnuppere, ob der Gestank an mir haftet, kann jedoch nichts feststellen. Mit schnellen Schritten folge ich den Männern, trage ebenso eine Schutzweste mit der Aufschrift FBI, obwohl ich nicht zu ihnen gehöre. Ich bin die stille Beobachterin, die auf Details achtet, eine Detektivin. Nein, nicht eine, sondern die Beste. Mit weniger würde ich mich nicht zufrieden geben. Ungeachtet meiner fünfzehn Zentimeter hohen High Heels kann ich locker mit dem Team mithalten.

Wir stürmen die Metalltreppe hinauf und ich muss höllisch aufpassen, dass ich mit den Absätzen nicht in den Löchern des Gitters hängen bleibe. Die Tür wird aufgestoßen, mindestens fünf Leute der SWAT-Einheit nehmen das Atelier ein und halten die beiden Männer mit ihren Waffen in Schach.

Ich betrete hinter Agent Spence den Raum. Es ist ein Künstleratelier. Das Licht fällt durch zwei Seiten in den Raum, die bis zum Boden aus Fenstern bestehen. Es herrscht ein heilloses Durcheinander. An den Wänden stehen halb fertige Arbeiten, Leinwände, auf denen Bilder noch nicht ganz fertiggestellt sind. Es gibt drei Staffeleien, die im Raum verteilt sind, allerdings sind alle leer.

»Specialagent Spence! Ein sehr eindrucksvoller Auftritt, denn Sie hier hinlegen.« Die dunkle sonore Stimme lenkt meine Aufmerksamkeit auf ihn. Es ist der Mann, den ich vor wenigen Minuten auf dem Monitor beobachtet habe. Aus der Nähe betrachtet ist er jünger, als ich erwartet habe. Er ist wirklich atemberaubend. Seine Ausstrahlung erhellt den ganzen Raum. Die Augen sind noch immer hinter der Sonnenbrille verborgen, doch ich bin mir sicher, dass sie genauso faszinierend sind, wie ich vermute. Als er mich bemerkt, nimmt er die Brille ab und für einige Sekunden bleibt sein Blick an mir hängen, dann schaut er wieder Spence an. »Darf ich fragen, was dieser Volksauflauf hier zu bedeuten hat?« Er steckt die Sonnenbrille in die Brusttasche seines Jacketts.

Soweit ich es beurteilen kann ist seine Kleidung maßgeschneidert, und ich habe ein Auge dafür. Er ist sehr elegant gekleidet, sein schwarzes Haar glänzt wie Seide, die stechend blauen Augen blicken Spence fest an, kein Deut von Unsicherheit. Er macht auf mich den Eindruck, als wäre er es gewohnt, Befehle zu erteilen, die man besser unverzüglich ausführt.

»Mister Thorn, ich bin hier, um Sie zu verhaften«, erklärt Spence ihm großspurig.

»Verhaften?« Das Wort aus Thorns Mund klingt fast ein wenig lächerlich. »Wie lautet denn die Anklage, wenn ich fragen darf?«

»Diebstahl und Sie halten die Beweise direkt in Ihren Händen.« Specialagent Spence deutet auf die flache Transporttasche, die Thorn in den Händen hält. Sie ist groß genug, um dort ein Bild, mit den Maßen von 150 x 90 Zentimetern zu transportieren.

»Darf ich?«, fragt Spence und will Thorn die Tasche abnehmen. Thorn hält die Tasche ein wenig von ihm weg.

»Nur, wenn Sie einen Durchsuchungsbefehl haben«, erklärt Thorn im lockeren Ton und schmunzelt, weil er wohl weiß, dass Spence einen hat.

Specialagent John Spence macht keine halben Sachen. Er ist ein alter Hase, mit mehr als zwanzig Jahren Berufserfahrung beim FBI, und geht immer auf Nummer sicher. Er hält Thorn das Schriftstück unter die Nase und mit einem Lächeln übergibt dieser ihm die Tasche. »Bitte, wenn es Ihnen Spaß macht. Ich bin gespannt, wie es Ihnen gefällt.«

Spence wirft mir einen kurzen Blick zu und ich trete aus dem Hintergrund hervor. Deshalb bin ich hier. Ich werde begutachten, ob der Renoir echt ist. Spence reicht die Tasche an mich weiter und ich lege sie vorsichtig auf einem der Arbeitstische ab, ziehe den Reißverschluss auf.

Als ich das Bild sehe, bin ich für eine Sekunde überrascht, doch ich lasse es mir nicht anmerken. Im Raum ist es vollkommen still. Die ganze Aufmerksamkeit liegt auf meiner Person, was ich unter anderen Umständen genossen hätte, doch jetzt hier, in diesem Augenblick, gefällt es mir ganz und gar nicht.

»Also, Miss Sante! Was sagen Sie? Ist das Bild echt?«, fragt Spence ungeduldig.

Ich komme nicht umhin, zu lächeln. »Auch, wenn mich das Motiv ein wenig verwirrt, die klaren Farben und die direkte Pinselführung … ja, ich muss gestehen, dass ich dieses Werk für echt halte.« Mit langsamen Bewegungen hebe ich das Bild an, drehe es um und zeige es den Anwesenden. Spences Blick wird starr.

»Was soll der Scheiß?«, will er wissen. »Wo ist der Renoir?«

»Keine Ahnung, aber dies hier ist ein echter …« Ich blicke auf die Signatur. »Michael Thomson.«

»Das will ich auch meinen«, meldet sich der Maler zu Wort, den ich bisher gar nicht wahrgenommen habe, weil die Präsenz von Thorn einfach zu dominant ist.

»Sie haben einen Akt von sich anfertigen lassen?«, fragt Spence fassungslos an Thorn gewandt, der ein Lächeln nicht unterdrücken kann.

»Ich glaube nicht, dass das verboten ist. Ich brauche ein Bild für mein Schlafzimmer«, erklärt Thorn im ernsten Ton.

»Und ich dachte, Sie würden es in Ihr Büro hängen«, meine ich halblaut, aber Thorn scheint mich gehört zu haben, denn er mustert mich interessiert.

»Entschuldigung, ich glaube, wir wurden einander noch nicht vorgestellt.« Er tritt auf mich zu und reicht mir die Hand. »Meinen Namen dürften Sie bereits kennen, Alexander Thorn. Und mit wem habe ich das Vergnügen?« Er scannt mich von oben bis unten und dann bleibt sein Blick an meinen Augen hängen. Die Hand, die ich ergreife, ist warm und glatt. Sein Händedruck fest, keine Spur von Unsicherheit und mir wird klar, dass diese Vorstellung hier ein Fehlschuss ist.

»Mila Sante. Ich gehöre nicht zum FBI, sondern bin eine externe Expertin«, erkläre ich leise.

»Expertin? Wofür?«

»Gemälde, Schmuck, alles was schön und teuer ist«, erkläre ich vage.

»Sie wissen also, die schönen Dinge des Lebens zu schätzen, Miss Sante? Dann hoffe ich, dass Sie das Gemälde an meiner Wand bewundern werden.«

»In Ihrem Schlafzimmer?«, frage ich und hebe eine Augenbraue.

»Wenn Sie es möchten«, entgegnet er ernst.

»Sie überschätzen sich. Das Bild ist gut gemalt, das Motiv eher mittelmäßig«, urteile ich mit einem Lächeln und packe das Bild wieder ein, drücke es ihm in die Hand.

Er ist nicht beleidigt, sondern mustert mich grinsend. »Vielleicht gefällt Ihnen das Original ja besser.«

»Wir sind nicht hier, um Small Talk zu halten. Durchsucht das Atelier, irgendwo muss der Renoir doch sein«, weist Spence seine Leute an.

»Passt bloß mit den Bildern auf, das sind alles Auftragsarbeiten«, jammert Michael Thomson, der Maler, und rennt wie ein aufgescheuchtes Huhn hin und her. »Einen Renoir werden Sie hier aber nicht finden. Wenn ich einen hätte, würde ich ganz bestimmt nicht in der Bronx wohnen.«

Nach einer Viertelstunde ist alles abgesucht, das gestohlene Gemälde nicht auffindbar.

»Wir ziehen wieder ab«, meint der Einsatzleiter und die SWAT-Leute verlassen das Atelier.

»Hey! Und wer räumt hier auf?«, fragt Thomson wütend. Spence ignoriert ihn und wendet sich Thorn zu.

»Ich weiß, dass Sie das Bild gestohlen haben, Thorn … irgendwann werde ich Sie kriegen.« Spences Gesicht weist dunkelrote Flecken auf.

»Ich muss Sie enttäuschen, Specialagent. Ich bin Immobilienhändler, kein Dieb, auch wenn Sie mich für einen halten. Ich kaufe Kunst und raube sie nicht. Ich stehle höchstens Herzen, mit Vorliebe das von hübschen Frauen«, erklärt Thorn und lässt mich dabei nicht aus den Augen.

»Dann können Sie mich damit nicht meinen. Ich gehöre nicht zu der Kategorie – hübsch«, erkläre ich gelassen und wende mich Richtung Ausgang.

Spence schüttelt wütend den Kopf und macht sich auf den Weg nach draußen.

»Wie würden Sie sich denn beschreiben?«, fragt mich Thorn, bevor ich gehen kann. Er hält mich am Arm zurück und die Berührung brennt sich förmlich in meine Haut. Etwas passiert hier, was ich im Augenblick nicht ganz einordnen kann. Ich blicke auf die Stelle an meinem Arm, wo seine Finger mich berühren und ihm dann in die Augen.

»Schauen Sie im Lexikon mal unter atemberaubend, höllisch heiß oder irrsinnig aufregend nach, dort finden Sie meinen Namen, Thorn. Hübsch sind die handgemachten italienischen Schuhe, die Sie tragen.« Damit wende ich mich ab und verlasse das Atelier.

Kapitel 2

Alexander

Ich starre ihr hinterher und kann nicht fassen, was für ein Ego diese Frau hat. Sie erinnert mich stark an jemanden, den ich nur zu gut kenne – an mich. Wie sie auf ihren Louboutins den Raum verlässt, ist echt filmreif. Sie hat Klasse, ohne Frage. Ihr Körper steckt in einem aufregenden Chanel Kleid, darüber trägt sie mit Grazie eine Schutzweste, als wäre diese von Georgio Armani persönlich designt. Ich muss lachend den Kopf schütteln. Der Auftritt dieser Lady hat mich beeindruckt, der von Special Agent Spence weniger.

»Was sollte das hier?«, jammert Thomson und blickt mich wütend an. »Ihnen habe ich es zu verdanken, dass mein Atelier nun aussieht, als wäre ein Hurrikan hier durchgefegt.«

»Dafür entlohne ich dich gut, Michael. Also halt die Füße still. Wir wissen beide, dass man dich observiert hat, weil das FBI dachte, ich hätte den Renoir gestohlen und du würdest als Hehler fungieren.«

»Haben Sie es getan? Ihn geraubt?« Thomson blickt mich fragend an.

Ich setze meine Sonnenbrille wieder auf und blicke ihn lächelnd an. »Ich bin Immobilienmakler«, entgegne ich, schnappe mir mein Bild und verlasse das Atelier.

Mein Fahrer wartet an der Ecke mit dem Wagen und ich lasse mich ins Büro fahren. Eigentlich wollte ich ins Fitness Studio, doch Miss Sante wirft meine Pläne über den Haufen. Angeblich arbeitet sie nicht beim FBI und ich glaube ihr, doch für wen arbeitet sie dann?

»Holen Sie mich in einer Stunde ab, Jacob.« Ich steige aus und gebe meinem Fahrer Zeit, etwas zu essen.

»Sehr wohl, Mister Thorn.« Er tippt mit zwei Fingern an die Mütze, als er mir die Tür aufhält.

Im Büro angekommen, sehe ich die Post durch, die meine Empfangssekretärin vorsortiert hat und lasse Billy rufen.

Er tritt ein, ohne an die Tür zu klopfen. Vermutlich ist er der einzige meiner Mitarbeiter, der sich das herausnimmt. Ich lasse ihn gewähren, denn er ist mein Anwalt und ein guter dazu.

»Was kann ich für dich tun?« Er lässt sich ohne Einladung auf dem Stuhl vor dem Schreibtisch nieder. Billy ist Mitte Vierzig, sieht jedoch kaum älter aus als ich. Einzig allein seine grauen Schläfen lassen erkennen, dass er keine fünfunddreißig mehr ist.

»Ich brauche schnell einen ausführlichen Backgroundcheck. Ihr Name ist Mila Sante. Circa Ende zwanzig, ungefähr sechzig Kilo, einen Kopf kleiner als ich, blondes glattes Haar, hellgrüne Augen und arbeitet vermutlich für eine Versicherung. Hat keinen Akzent.«

Billy macht sich keine Notizen, weil er es nicht nötig hat. Sein Gedächtnis ist brillant. Wenn ich ihn danach fragen würde, könnte er jede Einzelheit so wiederholen, wie ich es gerade gesagt habe. Ich habe ihn während unserer Zusammenarbeit nicht einmal etwas aufschreiben sehen. Wer sich mit solchen Menschen umgibt, hat im Leben schon gewonnen.

»Wie schnell ist schnell?«, will er wissen, während er sich erhebt.

»Fünfundvierzig Minuten, maximal. Ich bin heute mit dem Commissioner zum Abendessen verabredet und bleibe nicht lange. Außerdem tauchte heute das FBI mit einem Durchsuchungsbefehl bei Thomson auf. Klemm dich mal dahinter, was das zu bedeuten hat.«

»Alles klar.«

Billy schafft es in dreiundvierzig Minuten. Dann halte ich eine Mappe in den Händen, die gefüllt ist mit einigen Seiten Papier, darunter vier Fotografien.

Jacob hält mir die Tür zu meinem Wagen auf und sobald ich im Fond sitze, mache ich mich über die Aufzeichnungen her. Ich muss zugeben, meine Hände zittern ein wenig, ich bin aufgeregt, als stände ich vor dem Abschluss eines erfolgreichen Deals. Nein, das stimmt nicht. Geschäfte erregen mich nicht. Es fühlt sich an, als würde ich die Mona Lisa aus dem Louvre in Paris stehlen.

Mila Francesca Sante, geboren am 4. Mai 1989 in Genf/Schweiz. Mutter Francesca Sante, geborene Hardfield, Ärztin, Vater Spencer Sante, Schweizer Konsul, 2003 verstorben. Aufgewachsen in der Schweiz, Studium in Harvard. Derzeit drei Wohnsitze: Paris, Zürich und New York. Ledig, war einige Jahre mit einem Jean Favre liiert, einem bekannten Schweizer Juwelier und Playboy. Die Trennung folgte, nachdem die Presse herausfand, dass er ein Verhältnis mit einer amerikanischen Schauspielerin unterhielt. Sante macht sich zusammen mit einigen Organisationen gegen die Pelzindustrie stark, fördert Projekte, unter anderem Ärzte ohne Grenzen. Aktueller Kontostand jetzt um 15:32 Uhr am 8. Mai: 2,304,576.31 Dollar. Zu ihrem Vermögen gehören drei Immobilien und diverse Investmentpapiere. Arbeitet als selbstständige Detektivin, untersucht Fälle von Kunstraub auf der ganzen Welt. Ihre Auftraggeber sind Versicherungen.

Es folgen seitenweise Informationen zu Schulbesuchen und Studium, inklusive der Bachelorarbeit. Sie ist eine Einserkandidatin, hochintelligent, wie mir scheint. Die letzte Information auf der Seite, die Billy handschriftlich ergänzt hat, nehme ich mit besonderem Interesse zur Kenntnis. Sie ist von Billy mit drei Ausrufezeichen versehen und entlockt mir ein Lächeln. »Sehr interessant, Miss Sante. Benjamin ist also Ihr Onkel«, murmele ich leise und sehe mir die Fotos an, die Billy beigefügt hat.

Ein Foto mit ihrem Ex-Verlobten, mit dem sie einen Club verlässt. Sie hängt an der Hand von Favre, sieht aber nicht sehr glücklich aus. Das nächste Foto zeigt sie auf einem Familienfoto mit ihren Eltern, als sie noch wesentlich jünger war. Dann ein Schwarz-Weiß-Bild. Ein Portrait, das mich echt umhaut. Sie sieht fantastisch aus. Diese großen Augen schauen direkt in meine Seele, es regt sich etwas, besser gesagt, einige Etagen tiefer. Sie trägt einen schwarzen Rollkragenpullover, das glatte blonde Haar fällt ihr über die Schultern. Sie sieht wie ein Top-Model aus. Das letzte Bild zeigt sie im Gespräch mit einem Mann, den ich nur zu gut kenne. Ich schaue mir erneut das Portrait an, fahre mit den Fingerspitzen ihre Wangen entlang. Ich muss wissen, wie sich ihre Haut anfühlt, dieses Verlangen setzt sich wie ein Parasit in meinem Kopf fest.

Das Haus des Commissioners liegt in einer noblen Wohngegend in Greenwich Village. Die weiße Villa verströmt ein Südstaatenflair, den es hier im Norden normalerweise nicht gibt. Jacob hält mir die Tür auf, damit ich aussteigen kann, und drückt mir das Gastgeschenk in den Arm, das er für mich besorgt hat. Eine Kiste edlen Wein aus Kalifornien, von dem ich weiß, dass Benjamin Sykes und seine Frau Edda ihn mögen. Mit großen Schritten nehme ich die Treppe und die Tür wird geöffnet, bevor ich sie erreiche. Eine Angestellte mittleren Alters, im schwarzen Kleid und einer weißen Schürze, nimmt mir meinen Mantel ab und geleitet mich ins Wohnzimmer der Villa.

»Alexander! Wie schön, Sie wiederzusehen. Es ist lange her, dass Sie uns besucht haben.« Edda Sykes kommt auf mich zu und zieht mich zu sich herunter, küsst mich auf beide Wangen. Sie ist eine schlanke Frau von fast sechzig, mit blondem Haar und grünen Augen.