The Ballantyne Billionaires - Juwelen, Macht und ein süßes Geheimnis  (4in1) - Joss Wood - E-Book

The Ballantyne Billionaires - Juwelen, Macht und ein süßes Geheimnis (4in1) E-Book

Joss Wood

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Beschreibung

DIE BLAUEN STERNE VON KASCHMIR Achtzehn Monate ist die heiße Liebesnacht mit Jaeger Ballantyne her. Seitdem versucht Piper, seine stahlblauen Augen und seine sinnlichen Umarmungen zu vergessen. Doch jetzt geht kein Weg an einem Wiedersehen vorbei: Nach dem Tod ihres Vaters muss Piper zehn wertvolle Saphire aus ihrem Familienbesitz verkaufen - an das Juwelenimperium Ballantyne, und damit an Jaeger. Soll sie ihm gestehen, dass sie einen gemeinsamen kleinen Sohn haben? Ehe sie sich entscheiden kann, stellt sie schockiert fest, dass ihr Ex-Lover sie nicht einmal erkennt … WIEDERSEHEN MIT DEM SEXY MILLIONÄR Es ist der perfekte Job für die hübsche PR-Spezialistin Cady Collins: Sie soll dem Schmuckimperium der Ballantynes ein neues Image verpassen. Tolle Ideen hat sie - aber leider auch eine Vergangenheit mit dem Geschäftsführer Beckett Ballantyne höchstpersönlich! Den attraktiven Millionär jetzt als Auftraggeber zu haben, stürzt Cady ins Chaos der Gefühle, besonders als die Medien ihr auch noch eine Verlobung mit Beckett andichten. Für Cady wird es immer schwieriger, ihm zu widerstehen - und ihr größtes Geheimnis vor ihm zu verbergen … VERLANGEN, STÄRKER ALS DIE VERNUNFT Reisejournalistin Tate Harper ist fassungslos: Ihre Schwester hat ihr Baby zurückgelassen, und Tate ist plötzlich für ihre kleine Nichte verantwortlich! In ihrer Not wendet Tate sich an Linc Ballantyne, der einen gemeinsamen Sohn mit ihrer Schwester hat. Linc ist nicht nur durch und durch Familienmensch, sondern auch unverschämt sexy. Und er ist bereit, Tate zu helfen, wenn sie bei ihm einzieht und die neue Nanny wird. Ein gefährliches Angebot - denn der begehrte Milliardär löst bei Tate verbotene Gefühle aus … EINE VERHEIßUNGSVOLLE AFFÄRE Ein sinnlicher Mund, der zum Küssen einlädt. Blaue Augen, die alles versprechen. Und eine Figur, die seine Fantasie auf lustvolle Reisen schickt - Bodyguard Reame muss es sich eingestehen: Lachlyn ist seine Traumfrau. Während er ihr Leben schützt, stiehlt sie ihm sein Herz. Dabei will Lachlyn nicht mehr als eine heiße Affäre. Eine Beziehung ist nichts für die freiheitsliebende Archivarin. Eigentlich entspricht das ganz dem Geschmack des überzeugten Junggesellen. Warum träumt er dann plötzlich von einem Leben an ihrer Seite?

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Impressum

HarperCollins Copyright © 2020 by Mira Taschenbuchverlag in der HarperCollins Germany GmbH Titel der amerikanischen Originalausgaben: "His Ex's Well-Kept Secret" Copyright © 2017 by Joss Wood "Reunited...and Pregnant" Copyright © 2017 by Joss Wood "The CEO's Nanny Affair" Copyright © 2017 by Joss Wood "One Night to Forever" Copyright © 2018 by Joss Wood erschienen bei: Harlequin Enterprises Ltd., Toronto Published by arrangement with Harlequin Enterprises II B.V./SARL Coverabbildung: GettyImages_EdwardDerule Coverdesign: HarperCollins Germany GmbH, Hamburg / Deborah Kuschel www.harpercollins.de Werden Sie Fan von HarperCollins Germany auf Facebook!

Joss Wood

The Ballantyne Billionaires - Juwelen, Macht und ein süßes Geheimnis (4in1)

PROLOG

In der Präsidentensuite eines Boutique-Hotels an der Via Manzoni, der luxuriösesten Adresse von Mailand, lag Jaeger Ballantyne neben einer schlanken Frau im Bett, strich ihr sanft über den Rücken und fuhr mit den Fingern ihre Wirbelsäule nach.

Das edle Baumwolllaken bedeckte Pipers Hüften und ihren festen Po. Jaeger konnte einfach nicht aufhören, sie zu berühren. Er liebte es, wie sich ihre seidig-warme Haut unter seiner starken Hand anfühlte. Er hatte schon früher Frauen mit aufs Hotelzimmer genommen, wahrscheinlich öfter, als er es hätte tun sollen. Piper war nicht die schönste Frau, mit der er je im Bett gewesen war, aber sie zog ihn magisch an. Seit sie vor anderthalb Tagen in sein Leben gestolpert war, dachte er nur noch an sie.

Erlesene Edelsteine – Diamanten, Rubine, Opale und Smaragde – faszinierten ihn mehr als alles andere. Frauen? Nicht so sehr. Wie Diamantschmuck aus dem Kaufhaus waren die Frauen, die er normalerweise traf, hübsch und glänzend aufpoliert, aber nichts Besonderes. Und wenn er eine traf, die mehr zu bieten hatte, genoss er sie und zog dann weiter.

Aber aus irgendeinem Grund war Piper für ihn wie ein makelloser weißer Diamant, die seltenste Sorte der Welt. Lächerlich, denn er wusste, dass es immer noch ein selteneres, kostbareres Juwel zu entdecken gab. Funkelnde Steine und das schöne Geschlecht brachten ihn nicht aus der Ruhe.

Aber bei Piper Mills fragte er sich, ob er gerade das Risiko einging, diese Ruhe aufs Spiel zu setzen.

Ich sollte längst wieder in New York sein, dachte Jaeger. Er war ein bisschen beunruhigt, dass er sich überhaupt Gedanken über diese Frau machte. Eigentlich hatte er vorgehabt, nur den vergangenen Abend in Mailand zu verbringen. Aber als er Piper in der örtlichen Filiale von Ballantyne and Company gesehen hatte, war er auf ihre langen Beine unter dem kurzen Rock aufmerksam geworden. Er war überzeugt gewesen, dass diese Beine wie geschaffen dazu waren, um seine Hüften geschlungen zu werden.

Die Intelligenz in ihren hellgrünen Augen machte ihn neugierig, und die Sommersprossen auf ihrer Nase bezauberten ihn.

Ihr Körper weckte in ihm den Wunsch, sie vor Lust zum Schreien zu bringen, bis man seinen Namen in ganz Mailand kannte.

Piper hatte erwähnt, dass sie zehn blaue Steine besaß, bei denen es sich laut Familienüberlieferung um Saphire handelte, aber er war zu fasziniert von ihrem Gesicht gewesen, um auf ihre Worte zu achten. Dann lächelte sie, und ein winziges Grübchen bildete sich in ihrer rechten Wange. Ihm stockte der Atem, und er wusste, dass er die Stadt nicht verlassen würde, bevor er mit ihr essen gegangen war.

Und ins Bett.

Sechsunddreißig Stunden und drei Mal Ausgehen später – Abendessen, Mittagessen und noch einmal Abendessen – hatten sie sehr heißen Sex gehabt. Es hatte großen Spaß gemacht. Jaeger streichelte mit dem Daumen über ihren Körper, vom Nacken bis hinunter zum Oberschenkel und von dort wieder hinauf.

Dies waren mit Abstand die besten anderthalb Tage seines Lebens.

Er beugte sich vor, küsste sie auf die Schulter und strich ihr eine lange kupferrote Locke aus dem Gesicht.

Piper drehte sich auf die Seite, und als Jaeger ihr in die Augen sah, hatte er das Gefühl, in eine geheimnisvolle neue Welt einzutauchen. Doch ihr Blick glitt von ihm ab und blieb an dem Aquarellgemälde an der gegenüberliegenden Wand hängen. Die äußerst attraktive Ms. Mills war also nicht gut in Gesprächen nach dem Sex. Warum amüsierte ihn das?

Piper setzte sich auf und zog sich das Laken über die Brust. „Es ist mir wirklich peinlich …“

„Das muss es nicht sein“, versicherte Jaeger ihr.

Piper steckte sich das Laken unter den Armen fest und fuhr sich durchs Haar. „Können wir kurz darüber reden, warum ich bei Ballantyne and Company war?“, fragte sie.

Jaeger fand, dass sie ihre Zeit besser nutzen könnten, aber wenn es sie entspannte, über ihre Edelsteine zu sprechen, sollte es ihm recht sein.

„Okay, reden wir also über Saphire.“ Jaeger rollte sich vom Bett und schnappte sich seine Boxershorts vom Boden. Er zog sie an und ging ins Bad, um einen weißen Bademantel vom Haken hinter der Tür zu nehmen. Er hielt ihr den Bademantel hin, und Piper stieg verlegen aus dem Bett und schob die Arme in die Ärmel. Jaeger drehte sie zu sich herum und band ihr den Gürtel um die schmale Taille zu.

Er widerstand dem Drang, sie auf den Mund zu küssen, führte sie ins Wohnzimmer der Suite und goss ihr schnell den Rest des edlen Cabernet in ein Weinglas. Piper nahm das Glas, kuschelte sich in eine Ecke des Sofas und zog die nackten Füße mit den rot lackierten Zehennägeln unter sich. Er hatte an diesen Zehen geknabbert, aber auch an jedem anderen Zentimeter ihres Körpers. Er hatte sich ihre Waden hinaufgeküsst, dann innen an ihren Oberschenkeln entlang bis zu ihrer intimsten Stelle.

Und das wollte er unbedingt wieder tun.

Das würde er auch; die Nacht war noch nicht vorbei.

Er beschloss, dass er einen Whiskey brauchte, goss sich zwei Fingerbreit in ein Glas ein und setzte sich Piper gegenüber. Hoffentlich macht sie es kurz.

„Wie ich schon sagte, besitze ich einige Saphire, die in der Familie meiner Mutter immer weitervererbt worden sind.“

„Von wie vielen Steinen reden wir?“ Jaeger stützte die Unterarme auf die Oberschenkel.

„Von zehn. Es waren früher zwölf, aber meine Mom hat vor dreißig Jahren zwei Saphire verkauft, um meinem Vater Startkapital für seine Firma zu beschaffen.“

Ihm wurde klar, dass er nichts über sie oder ihre Familie wusste. Das musst du auch nicht. Du wirst sie ohnehin nie wiedersehen.

„Die meisten sind etwa drei Zentimeter groß, manche größer, manche kleiner“, fuhr Piper fort.

Ein mehr als drei Zentimeter großer Saphir?Wohl kaum. „Sind sie geschliffen?“

„Die kleineren ja. Einer von ihnen ist … spektakulär.“

Jaeger wusste, dass die Leute immer übertrieben, besonders, wenn es um Edelsteine ging. Wahrscheinlich waren die Saphire nur halb so groß. Er sah Piper an und seufzte, als er ihren seligen Gesichtsausdruck sah. Jedem anderen hätte er schonungslos gesagt, dass die Steine wahrscheinlich gefälscht waren. Eine Sammlung von Saphiren wie diese wäre gut dokumentiert gewesen. Wenn man nicht gerade mit einem Königshaus verwandt war, erbte man kaum jemals so seltene und wertvolle Steine.

Piper schien seine Skepsis nicht zu bemerken. Sie hielt sich verträumt das Weinglas an die Brust. „Oh, Jaeger, er ist so schön! Ein tiefes Dunkelblau, sanft und samtig und einfach wunderbar. Ich möchte ihn immer wieder berühren, in der Hand halten und anschauen.“

„Es ist schwer, Steine einzuschätzen, die ich nie gesehen habe, aber an deiner Stelle würde ich mir keine zu großen Hoffnungen machen“, sagte er unverbindlich.

„Ich habe ein Foto von ihnen. Könntest du es dir ansehen?“, fragte sie.

Er nickte und seufzte, als sie sich bückte, um ihre Tasche aufzuheben. Der Bademantel umschmeichelte ihre Kurven. Der Drang, in ihrer Wärme zu versinken, war überwältigend.

Entspann dich. Du bekommst sie schon noch einmal. Oder zwei Mal. Bevor sie ins echte Leben zurückkehrten.

Piper kam zu ihm, setzte sich auf die Lehne seines Sessels und ließ die Finger über das Display ihres Handys tanzen. Sie reichte ihm das Smartphone, und er sah auf das blaue Funkeln auf schwarzem Samt hinab.

Sein Herz setzte einen Schlag aus, und ihm zitterte die Hand, als er sein Glas auf dem Tisch vor sich abstellte.

Er vergrößerte das Bild und konzentrierte sich auf den größten der geschliffenen Steine. Die Qualität des Fotos war nicht überragend, aber die Farbe war atemberaubend.

„Was sagtest du doch gleich, woher stammen sie?“, fragte er.

Sag mir, dass sie aus Kaschmir stammen, denn – zum Teufel! – vielleicht hast du recht.

„Von einem Ur-Urgroßonkel auf der Seite meiner Mutter. Er war Soldat in der britischen Armee. Der Familienüberlieferung nach kommen die Steine aus Kaschmir.“

Cool bleiben, sagte sich Jaeger. Wenn es zu schön klingt, um wahr zu sein, dann ist es das normalerweise auch. Aber die Farbe und die Familiengeschichte sprachen dafür, dass die Saphire echt waren.

„Was weißt du sonst noch über den ursprünglichen Besitzer?“

„Nur, was ich dir erzählt habe“, sagte Piper. Sie tippte mit der Fingerspitze auf den Bildschirm. „Na, was meinst du? Könnten sie echt sein? Ich habe sie auch anderen Edelsteinhändlern vorgelegt, die meinten, dass sie nicht echt sind.“

Natürlich sagten sie das. Piper war jung und hübsch und ein leichtes Opfer. Man würde ihr ein Angebot weit unter Wert machen, die Steine wieder verkaufen und damit einen Riesengewinn einfahren. „Halt dich von unseriösen Händlern fern“, murmelte er.

„Aber meinst du, dass sie etwas wert sein könnten?“

Vielleicht war sie zu Ballantyne and Company gekommen, weil sie daran dachte, die Steine zu verkaufen. Wenn sie echt waren, hatte er großes Interesse daran. Er setzte seine gewohnte neutrale Miene auf – übermäßiges Interesse trieb schließlich nur den Preis in die Höhe! – und schenkte Piper ein lässiges Lächeln. „Ich weiß es nicht. Anhand eines Fotos kann man das schlecht einschätzen. Zeig sie mir, wenn wir wieder in den Staaten sind. Kannst du mir das Foto schicken?“

„Klar.“

Er diktierte ihr seine Nummer, und binnen zwanzig Sekunden verriet ein Klingelton, dass das Foto auf seinem Handy angekommen war.

„Ich hoffe eigentlich, dass sie nicht echt sind“, sagte sie.

So etwas hatte er bisher noch nie gehört. „Warum willst du nicht die Besitzerin einer Edelsteinsammlung sein, die womöglich viel Geld wert ist?“, fragte er.

„Weil ich mich dann moralisch verpflichtet fühlen würde, sie zu verkaufen, um meinem … um jemandem aus einer finanziellen Notlage zu helfen.“

„Es gibt Leute in deinem Leben, die Schulden in Millionenhöhe haben?“

Sie zog die Nase kraus. „So viel sind sie wert?“

„Möglich, wenn es wirklich Kaschmir-Saphire sind. Aber verlass dich nicht darauf“, warnte er sie.

„Vielleicht hätte ich einfach das erste Angebot annehmen sollen, das ich bekommen habe. Einen Tausender pro Stein.“

Zehntausend Dollar? Jaeger wurde flau. Obwohl er ruhig bleiben und nicht überreagieren wollte, ahnte er, dass er vielleicht die Entdeckung seines Lebens gemacht hatte. Wenn Pipers Steine echt waren, dann waren sie etwas Besonderes.

„Versprichst du mir, sie in New York zu mir zu bringen? Und zu keinem anderen Händler?“ Er durfte sich die Steine nicht entgehen lassen.

Piper nickte. „Ja.“

„Ich rufe dich an, um einen Termin zu vereinbaren.“

Sie rutschte von der Sessellehne und setzte sich rittlings auf seinen Schoß, auf seine nackten Oberschenkel. Sie schauten einander in die Augen, und die Luft zwischen ihnen knisterte förmlich.

Er sah das Begehren in ihren Augen auflodern und ließ seine Hand zwischen ihre Schenkel gleiten, erkundete ihre warme Haut. Er öffnete den Mund, um sie zu fragen, ob sie sich in New York wiedersehen würden, und zwar nicht bloß bei Ballantyne. Dann runzelte er die Stirn. Warum sie und warum jetzt?

Seit über zehn Jahren – seit er sich mit Anfang zwanzig aus dem dunklen Abgrund wieder hochgearbeitet hatte, in den ihn die Trauer gestürzt hatte – war er keiner Frau länger als drei oder vier Nächte treu gewesen. Er wollte keine Erwartungen wecken. Keine seiner Geliebten sollte glauben, dass es für immer war. Für immer hatte er schon einmal gehabt. Kurz war er Vater gewesen, und als seine Tochter Jess gestorben war, hatte er auch seine geliebte Frau verloren.

„Für immer“ fühlte sich jetzt an wie ein schlecht sitzender Mantel, der auch noch kratzte.

Warum dachte er an sein Baby und die Frau, die er einmal geliebt hatte, wenn er mit dieser Fremden zusammen war? Er genoss die lockeren Gespräche mit Piper, liebte ihren schrägen Humor, und der Sex war absolut großartig. Drei verdammt gute Gründe dafür, dass er sie nicht wiedersehen durfte, wenn sie beide nach New York zurückkehrten.

Er mochte sie ein bisschen zu sehr … und das hieß, dass er weiterziehen musste.

„Wann fliegst du zurück?“, fragte er.

„Morgen früh. Und du?“

Er würde abreisen, sobald sie es tat. Sie war der einzige Grund dafür, dass er noch in Mailand war. „Auch morgen.“ Er strich ihr mit dem Daumen über die glatte Wade.

„Wenn wir uns in New York wiedersehen, beschränken wir uns aufs Geschäft“, sagte sie.

Wow. Was?

Piper packte sein Handgelenk. „Sieh mich nicht so entsetzt an, Jaeger. Wenn es nicht um die Saphire ginge, würde ich sowieso nichts mehr von dir hören“, sagte sie, ohne vorwurfsvoll zu klingen.

Er löste die Hand von ihrem Bein.

„Schon gut, ich weiß es doch. Eine Frau mehr als ein paarmal treffen, das machst du einfach nicht“, fuhr sie fort. „Das Problem daran, der größte Playboy der Ostküste zu sein und zu den berühmten Ballantyne-Geschwistern zu gehören, ist, dass jeder deine Taktik kennt. Du gehst ein paar Tage lang mit einer Frau aus, vielleicht sogar ein paar Wochen, wenn sie Glück hat, und dann ziehst du weiter.“ Sie hob die Hand, als er den Mund öffnete, um zu antworten. „Guck nicht so erschrocken. Ich wusste, wie es läuft, als ich mich darauf eingelassen habe.“

„Wie es läuft?“

„Das hier ist Spaß, ein kurzer Augenblick, eine Zufallsbegegnung. Wenn wir uns wiedertreffen, reden wir nur über die Steine und tun so, als hätten wir einander nie nackt gesehen.“

Er wusste nicht, was er sagen sollte, bis er herausplatzte: „Aber was, wenn ich dich noch einmal nackt sehen will?“

Überraschung huschte über ihr Gesicht, gefolgt von Zweifel. „Wahrscheinlich würde ich dich bitten, darauf zu verzichten.“

Das war absolut nicht das, womit er gerechnet hatte.

Nachdenklich runzelte sie die Stirn. „Jaeger, ich bin eine normale Frau, die mit beiden Beinen fest im Leben steht. Ich mag meinen Job als Kunstgutachterin. Ich kann es nicht gebrauchen, dass du mich in deine Welt entführst. Ich mag deine Welt nicht.“

„Meine Welt?“

„Das große Geld, Manhattan, die oberen Zehntausend. Das bin ich einfach nicht. Ich werde es auch nie sein“, antwortete sie ernst.

„Ich bitte dich ja nicht, mich zu heiraten, Piper, oder auch nur eine Beziehung anzufangen“, sagte er gereizt. So verlief das Gespräch normalerweise nicht. Sonst wiegelte er immer ab, wenn er gebeten wurde, noch einmal anzurufen oder sich zu verabreden. Es gefiel ihm nicht, dass die Rollen jetzt vertauscht waren. „Ich habe mich nur gefragt, ob du Lust hättest …“

„… noch einen One-Night-Stand mit dir zu haben?“

Sie legte den Kopf schief. Als sie den Hals reckte, bekam er Lust, an ihrem Schlüsselbein zu knabbern und sie unter dem Kinn zu küssen.

„Nein, danke“, fuhr sie fort. „Das mache ich normalerweise nicht. Das hier wird eine wunderschöne Erinnerung für mich sein, aber es zu Hause noch einmal zu versuchen, würde nicht funktionieren.“ Sie schob sich eine lange Locke hinters Ohr. „Italien hat einfach ein sexy und verführerisches Flair. Es verleitet einen dazu, den Tag zu genießen und sich untypisch zu verhalten, und das hier …“, sie zeigte auf seinen nackten Oberkörper, „… ist absolut untypisch für mich. Im wahren Leben schlafe ich nur mit Kerlen, wenn ich das Gefühl habe, dass mehr daraus werden könnte. Dank der Klatschpresse wissen wir aber beide, dass du nicht auf feste Beziehungen stehst, also kommst du nicht infrage.“

Na gut, das stimmt, aber …

Doch es gab kein Aber. Sie hatte ihn durchschaut!

Piper stand auf, löste den Gürtel ihres Bademantels und ließ ihn aufschwingen. Der Stoff rahmte ihre hübschen Brüste auf verführerische Weise ein. Jaeger wurde der Mund trocken. Ein kleines Schulterzucken ließ den Bademantel zu Boden gleiten, und sie stand nackt vor ihm. Erneut setzte sie sich rittlings auf seine Oberschenkel, dann küsste sie ihn sanft. „Wenn das alle Zeit ist, die uns noch bleibt, verschwenden wir sie besser nicht, Ballantyne.“

Er umfasste ihre Taille, stand auf und hob sie hoch. Sie schlang ihm die Beine um die Hüften, als er sie ins Schlafzimmer trug.

Sie war der perfekte One-Night-Stand. Sie hatte ihn ohne viel Theater von der Angel gelassen, und er hätte ihr dankbar sein sollen.

Warum war er es dann nicht?

1. KAPITEL

Achtzehn Monate später

Piper Mills nahm ihre Lesebrille ab und legte sie auf den Mahagonischreibtisch. Sie rieb sich den Nasenrücken, schob den Stuhl zurück und sah finster ihren Laptopbildschirm an. Das Angebot für einen aufregenden Auftrag war in ihrem Mail-Postfach angekommen und wartete auf ihre Antwort.

Natürlich würde sie gern ein Gutachten über das neu entdeckte Bild eines bekannten deutschen Malers erstellen. Sie hatte ihre Masterarbeit über den Künstler geschrieben. Aber es war unmöglich. Das Gemälde befand sich in Berlin, und seit Tys Geburt vor neun Monaten konnte sie nur noch Kunst an der US-Ostküste begutachten, um nicht für mehr als einen Tag verreisen zu müssen. Sie vertraute zwar ihrer Nanny Ceri und deren Zwillingsbruder Rainn, aber sie mochte ihr Kind einfach nicht über Nacht allein lassen. Noch nicht.

Frühestens, wenn er aufs College ging.

Piper stand auf und ging zum Bogenfenster ihres dreistöckigen viktorianischen Hauses. Sie verschränkte die Arme vor der Brust und sah auf die Straße hinunter. Der Herbst war fast vorüber, der Winter nahte in großen Schritten, und die Jahreszeiten schienen nur so vorbeizufliegen. Sie war letztes Jahr im Frühling schwanger geworden, hatte Mick im folgenden Spätsommer verloren und Ty im letzten Winter zur Welt gebracht. Dieser Sommer war, anders als der vorige, ereignislos verlaufen.

Micks Tod im letzten Jahr war eher ein Knuff als ein schwerer Schlag gewesen, aber ganz hatte sie sich immer noch nicht damit abgefunden. Obwohl sie und ihr Vater nur selten miteinander gesprochen hatten, war sie froh gewesen, dass es jemanden gab, mit dem sie verbunden war, ein Familienmitglied – auch wenn Mick sie nie öffentlich als seine Tochter anerkannt hatte.

Oder sie überhaupt anerkannt hatte.

Früher hatte sie nie geglaubt, dass es sie einmal freuen würde, dass er sich nie zu ihr und ihrer Mutter, seiner langjährigen Geliebten, bekannt hatte. Aber als der großspurigste Mann der New Yorker Gesellschaft, einer der namhaftesten Börsenmakler und Finanzberater, wegen Betrugs verhaftet worden war, war Piper erleichtert gewesen, nicht mit ihm in Verbindung gebracht zu werden.

Im Laufe der Jahrzehnte hatte Mick Tausende Leute überzeugt, in Fonds zu investieren, die er empfahl. Dann hatte er das Geld neuer Investoren dazu verwendet, die bisherigen auszuzahlen, während er selbst ein Luxusleben geführt hatte. Es war kein Wunder, dass er in den Monaten vor seiner Festnahme von ihr verlangt hatte, ihm die Saphire auszuhändigen. Er hatte dringend Geld gebraucht.

Das Medieninteresse an seiner Verhaftung war gewaltig gewesen. Micks Ex-Frau wurde ständig von Reportern belästigt. Seine blutjunge neue Frau war zwei Tage vor seiner Verhaftung nach Kolumbien abgereist und nie zurückgekehrt, noch nicht einmal zu seiner Beerdigung.

Das ist wahre Liebe.

Da keine von Micks Frauen von Pipers Existenz wusste, lebte sie einfach weiterhin in Park Slope, Brooklyn, in dem Haus, das Mick ihrer Mutter gekauft hatte, und beobachtete das ganze Chaos aus sicherer Entfernung. Sie war dankbar, dass ihre Mutter den tiefen Fall des Mannes, den sie geliebt hatte, nicht miterleben musste. Sein Herztod zweieinhalb Monate nach seiner Verhaftung hätte sie umgebracht, wenn sie nicht schon vorher an Krebs gestorben wäre.

Piper hörte ein Wimmern durch das Babyfon auf ihrem Schreibtisch und lächelte. Ihr Sohn war wach. Sie verließ ihr Arbeitszimmer und lief die Treppe in den zweiten Stock hinauf. Piper bewohnte den ersten und zweiten Stock des Hauses. Das Erdgeschoss nahm ein Apartment ein, das sie an Ceri und Rainn vermietet hatte. Sie ging ins kleinere der beiden Schlafzimmer zu dem Kinderbettchen, in dem sie als Baby selbst geschlafen hatte. Ty sah sie an, und Liebe durchströmte sie bis in die Zehenspitzen.

Er kommt ganz nach Jaeger, dachte sie, als sie ihn hochhob. Ty besaß seine hellblauen Augen, seine Gesichtszüge und seine pechschwarzen Haare. Wie Jaeger würde er sicher einmal groß und muskulös sein, da war sie sich sicher.

Ty war ein Ballantyne, nur nicht dem Namen nach.

„Na, mein Großer?“, sagte sie zärtlich, trug ihn zum Wickeltisch und zog ihn aus. Wie immer nahm sie sich einen Moment Zeit, um an seinem Fuß zu knabbern. Ty lachte laut, was wiederum sie zum Lachen brachte. Sie hatte nie geglaubt, dass sie jemanden so sehr lieben könnte …

Piper zog eine Windel aus dem Karton und schob sie unter Tys gesäuberten Po. Unter dem Windelstapel lag eine schwarze Samtrolle, und darin befanden sich die zehn Saphire, über die sie mit Jaeger gesprochen hatte.

In Mailand hatte er versprochen, sie anzurufen, aber das hatte er nie getan. Als sechs Wochen vergangen waren, ohne dass sie von ihm gehört hatte, war ihr aufgefallen, dass Kondome keine hundertprozentige Sicherheit boten. Sie hatte versucht, Kontakt zu ihm aufzunehmen, aber jeder Anruf war direkt auf die Mailbox seines Handys umgeleitet worden.

Also hatte sie probiert, ihn über Ballantyne and Company zu kontaktieren. Das war ungefähr so gewesen, als würde man versuchen, direkt mit dem englischen Königshaus zu sprechen. Sie hatte zahllose Nachrichten hinterlassen und Dutzende von Mails an die Firmensekretärin geschickt – ohne Erfolg. Als sie das Ballantyne-Haupthaus besucht und nach Jaeger gefragt hatte, war sie abgewimmelt worden. Als sie sich geweigert hatte, zu gehen, wenn nicht entweder Jaeger, einer seiner Brüder oder seine Schwester mit ihr sprachen, hatte der Sicherheitsdienst sie hinausbegleitet.

Ein paar Tage später hatte sie im Internet einen Artikel über ihn gefunden, in dem er mit der Aussage zitiert wurde, nie heiraten oder Kinder haben zu wollen. Die Welt bräuchte Erfinder und Abenteurer, nicht noch mehr Mäuler zu stopfen. Außerdem seien Kinder einfach nicht sein Stil.

Gegen Mitternacht jenes schrecklichen Tages war ihr endlich klar geworden, dass Jaeger kein Interesse an ihr oder ihren Saphiren hatte und auch nicht hören wollte, dass sie schwanger war.

Ty, so hatte sie beschlossen, war nur ihr Sohn. Sie war nicht verpflichtet, einem Mann, der sich ohnehin nicht für ihn interessieren würde, von Ty zu erzählen. Mick hatte sie immer ignoriert, und sie hatte sich gefragt, warum er sie nicht lieb hatte. Unter keinen Umständen würde sie ihrem Sohn einen gleichgültigen Vater zumuten.

Piper wünschte sich von Herzen, sie hätte Jaeger vergessen können, aber das war unmöglich. Schließlich lebte sie mit seiner Miniaturausgabe zusammen. In Ty sah sie Jaegers attraktives Gesicht, schön wie das eines Engels mit den hellblauen Augen, die einen perfekten Kontrast zu seiner goldenen Haut und seinem dunklen Haar bildeten. Sie erinnerte sich, wie es gewesen war, Jaegers Dreitagebart auf ihrer Haut zu spüren, an seine breiten Schultern, seine straffen Bauchmuskeln, den Frieden, den seine vor Selbstsicherheit strotzenden Berührungen ihr geschenkt hatten.

Manchmal wachte sie nachts aus dem Tiefschlaf auf, hatte Herzklopfen und konnte nur an Jaeger denken. Sie wünschte sich, er würde neben ihr liegen und sie wieder an den Ort bringen, den sie nur mit ihm gefunden hatte – ein magisch funkelnder Juwel von einem Ort, an dem die Zeit stillstand. Dann holte die Realität sie wieder ein: Sie war alleinerziehend, und Jaeger hatte kein Interesse an ihr oder seinem Sohn. Die nächsten Stunden waren dann immer düster, voller Tränen und ohne Schlaf.

Ty gluckste. Piper beugte sich vor, pustete ihm auf den Bauch und spürte seine winzigen Hände in ihren Locken. Als sie herausgefunden hatte, dass sie vom begehrtesten Mann in ganz Manhattan schwanger war, hatte sie Gott und ihr Schicksal verflucht und geweint. Jetzt konnte sie sich ihr Leben nicht mehr ohne ihren Kleinen vorstellen.

„Wie wär’s mit Mittagessen und dann mit einem Spaziergang im Park? Es ist kalt, aber sonnig.“ Piper setzte sich Ty auf die Hüfte und ging nach unten, an ihrem Arbeitszimmer vorbei in die Küche. „Na, was hältst du davon, Ty?“

Ty steckte sich die Faust in den Mund. Das deutete Piper als Ja. Sie reichte ihm einen Babybecher mit Wasser und zog gerade ein Gläschen mit Bio-Babynahrung aus dem Schrank, da ertönte die Türklingel. Stirnrunzelnd sah sie auf den kleinen Bildschirm in der Küche und erkannte, dass ein Mann im Anzug vor der Haustür stand. Er sah sehr nach einem Anwalt aus, fand Piper.

Sie hob den Hörer der Gegensprechanlage ab. Als sie hörte, dass der Mann im Auftrag der Kanzlei kam, die das Erbe ihres Vaters verwaltete, betätigte sie den Türöffner.

Fünf Minuten später saß Mr. Simms an ihrem Küchentisch, während sie Ty fütterte.

„Soweit ich weiß, sind Sie Kunstgutachterin, arbeiten von zu Hause aus und haben einen Kundenstamm aus Galeriebesitzern und privaten Sammlern?“

Piper nickte und löffelte Ty weiter den Brei aus Süßkartoffeln und Karotten in den Mund. „Das stimmt. Aber Sie sind sicher nicht hier, um mit mir über meinen Beruf zu reden. Was kann ich für Sie tun?“

„Wenn ich richtig informiert bin, sind Sie Michael Shuttles Tochter?“

Es hatte keinen Zweck, das abzustreiten. „Ja. Meine Mutter und Mick waren über dreißig Jahre lang ein Paar. Es ist nicht öffentlich bekannt, in welchem Verhältnis ich zu Mick stehe, und es wäre mir lieber, wenn das so bliebe.“ Piper wischte Ty Gesicht und Hände ab und gab ihm einen kleinen Stoffteddy zum Spielen. Er steckte sich sofort ein Bein des Teddys in den Mund. „Warum sind Sie hier?“

Simms nickte. „Anders als das geschäftliche ist das private Vermögen Ihres Vaters sehr gut dokumentiert. Auf seiner Liste stehen mehrere Möbelstücke, mit Anmerkungen, dass sie in diesem Haus zu finden sind: ein georgianischer Schreibtisch, ein Gemälde von Zabinski, eine Skulptur von Barry Jackson, ein Bild von Frida Kahlo.“

„Das alles hat er meiner Mutter geschenkt.“

„Laut Auflistung waren die Gegenstände nur an Gail Mills verliehen.“ Simms klang mitfühlend.

Aus der Küche konnte Piper ins Wohnzimmer sehen, in dem die Bronzeskulptur einer Tänzerin auf der Anrichte stand. „Wollen Sie mir etwa sagen, dass sie verkauft werden müssen?“

Simms nickte. „Ja. Sie sind Teil seines Nachlasses.“

Piper biss sich auf die Unterlippe, um nicht zu fluchen. „Verliehen! Es waren Geschenke. Ich war dabei, als er sie ihr geschenkt hat.“ Traurig und etwas angewidert stand sie auf, um Ty aus seinem Hochstuhl zu holen.

Simms machte einen Vermerk in einem kleinen schwarzen Notizbuch und sah zu, wie sie Ty auf der Hüfte wiegte. „Ich schicke ein Unternehmen, um den Tisch und die Kunstwerke abzuholen. Sie werden versteigert. Sie können sie ja zurückkaufen.“

Na klar. So weit kommt es noch. „Ich werde darüber nachdenken. Vielen Dank.“

„Da ist noch etwas, Ms. Mills.“

Oh Gott. So ernst, wie er sie ansah, würde das, was er zu sagen hatte, ein Schlag in die Magengrube sein. Sie presste Ty an sich und wartete.

„Dieses Haus gehört einer der Firmen Ihres Vaters und muss ebenfalls verkauft werden, um seine Gläubiger auszuzahlen.“

Piper ließ sich mit Ty auf dem Schoß auf einen Stuhl fallen. „Was? Aber er hat dieses Haus meiner Mutter geschenkt, die es mir hinterlassen hat. Ich habe eine Kopie der Schenkungsurkunde angefordert, aber bis jetzt noch nichts erhalten.“

„Das liegt daran, dass er Ihrer Mutter nur das lebenslange Wohnrecht übertragen hat, nicht das Haus an sich. Es gehört definitiv nicht Ihnen und wird verkauft.“

Das klang sehr endgültig. Piper unterdrückte ihre Panik und zwang sich nachzudenken. „Könnte ich es kaufen?“, fragte sie. Ihr versagte die Stimme.

„Haben Sie drei Millionen Dollar?“, fragte Simms. „Oder einen Weg, an das Geld zu kommen?“

Nein. Aber sie hatte Edelsteine, die vielleicht so viel wert waren. Das hier war ihr Zuhause. Tys Zuhause! Sie hatte schon ihre Mutter verloren. Sie konnte nicht auch noch ihr Haus verlieren. Wenn sie die Saphire zu Geld machte und für den Rest eine Hypothek aufnahm …

„Ich kann versuchen, das Geld aufzubringen. Wie viel Zeit habe ich?“

Mr. Simms Gesichtsausdruck wurde weicher. „Es ist unfair, dass Sie nun unter dem Chaos leiden müssen, das Ihr Vater hinterlassen hat. Ich schiebe den Verkauf des Hauses auf meiner Prioritätenliste ganz nach unten und hoffe, dass ich dabei nicht erwischt werde. Wie wäre es mit drei Monaten?“

Piper kamen die Tränen. Sie nickte. „Drei Monate, um drei Millionen aufzutreiben. Heiliger Strohsack!“

Simms legte den Kopf schief. „Wenn irgendwer das schafft, dann doch wohl Michael Shuttles Tochter.“

Piper machte sich nicht die Mühe, ihm zu erklären, dass sie zwar Micks DNA in sich trug, aber alles andere als seine Tochter war.

Aber sie war Gails Tochter und Tys Mutter, und sie führte ein Leben, das sie liebte und das nun bedroht war. Piper sah sich in ihrem bunten gemütlichen Zuhause um, und ihr wurde flau. Das hier war ihr Nest, ihr Lebensmittelpunkt. Es war ihr Zufluchtsort, ihre Höhle, die Spielwiese ihres Sohns. Hier fühlte sie sich geborgen.

Ihr Haus und ihr Leben aufzugeben, war keine Option, also musste sie darum kämpfen, und das hieß … Mein Gott. Piper schloss kurz die Augen.

Um ihr Leben und ihr Zuhause zu kämpfen, bedeutete, sie musste ihre Steine verkaufen. Und ihre Steine zu verkaufen, hieß, Jaeger wiederzusehen, den einzigen Mann, der sie je dazu verführt hatte, ihre wilde Seite auszuleben. Es spielte keine Rolle, dass sie immer noch wütend und verletzt war, dass er sie so schnell vergessen hatte. Sie brauchte ihn.

Verdammt. Sie brauchte Jaeger.

Allerdings nur, damit er ihre Saphire kaufte und so ihr und Tys Zuhause rettete. Sie brauchte ihn nicht als Liebhaber oder als Tys Vater.

Es war ein simples Geschäft: Sie würde ihm zehn Saphire geben und er ihr eine beträchtliche Geldsumme.

Es würde schnell und einfach ablaufen, kein Problem.

So gestresst, wie sie sich jetzt schon fühlte, konnte sie mehr Probleme auch nicht gebrauchen.

Piper saß im Empfangsbereich drei Stockwerke über dem prächtigen Flagship-Store an der Fifth Avenue und ließ die Details des Hauptquartiers von Ballantyne and Company auf sich wirken.

Im Juwelierladen unten war die Einrichtung edel, wirkte aber schlicht und spielte hinter dem großartigen Schmuck nur die zweite Geige. Die Firmenbüros waren modern, hell und luftig gestaltet. Orangefarbene Polsterbänke standen auf polierten Betonböden, und durch breite Fenster konnten die Besucher den Verkehr in Manhattan beobachten. Moderne Kunst – Piper erkannte sofort den großformatigen Pinz – dominierte die Wand über der Anrichte aus hellem Holz, auf der eine Kaffeemaschine stand.

Das Wissen, dass sie ihr Haus zu verlieren drohte, hatte sie aktiv werden lassen. Sie hatte keine Wahl: Sie musste herausfinden, ob die Steine wertvoll waren oder nicht.

Piper hatte keine Energie darauf verschwendet, Jaeger direkt um einen Termin zu bitten. Stattdessen hatte sie ihre Kontakte in der Kunstwelt genutzt. Viele Kunstsammler, darunter auch ihr Kunde Mr. Hendricks, kauften auch Schmuck. Sie hatte ihn einmal davor bewahrt, einen gefälschten Dalí zu erwerben. Deshalb war er gern bereit gewesen, ein Treffen zwischen Jaeger und ihr zu arrangieren.

Sie hätte sich viel erspart, wenn sie schon letztes Jahr darauf gekommen wäre. Schwangerschaftshormone, dachte sie.

Obwohl Jaeger sich nach Mailand wie ein Vollidiot benommen hatte, vertraute sie darauf, dass er ihr die Wahrheit über die Steine sagen würde. Sein Ruf als ehrlicher Edelsteinhändler war für ihn lebenswichtig. Ballantyne and Company zahlten angeblich die besten Preise für hochwertige Steine. Das waren gute, sehr geschäftsmäßige Gründe für sie, hier zu sein. Piper spürte, wie ihr ein Tropfen Schweiß über den Rücken lief. Sie hatte Herzklopfen und bekam kaum Luft.

Sie musste sich beruhigen.

Sie würde Jaeger wiedersehen. Ihren One-Night-Stand, den Vater ihres Kindes, den Mann, von dem sie seit achtzehn Monaten träumte. In Mailand hatte sie ihn nicht anschauen können, ohne sich danach zu sehnen, ihn wie verrückt zu küssen und so schnell wie möglich mit ihm ins Bett zu gehen.

Aber Jaeger war auch der Mann, der sie aus seinem Leben ausgesperrt hatte.

Piper holte so tief Luft, wie sie konnte. Sie musste sich zusammenreißen! Sie wurde in ein paar Monaten dreißig Jahre alt, und sie war Mutter. Sie war kein linkisches Mädchen, das gleich seiner ersten Liebe wiederbegegnen würde. Sie hatte Saphire zu verkaufen, ein Haus zu retten und ein Kind großzuziehen. Sie verhielt sich absolut lächerlich! Dieses Treffen hatte nichts mit Ty oder mit Mailand zu tun. Es ging nur um die Edelsteine und das Geld, das sie brauchte, um ihr Zuhause zu retten.

Unfähig, still zu sitzen, stand Piper auf und ging den Flur entlang, um sich ein anderes Gemälde anzusehen. Das hier war ein Crouch. Nicht sein bestes Werk, fand sie. Als sie Männerstimmen hörte, drehte Piper sich um und erkannte sofort Jaegers tiefe Tonlage. Ihre Haut prickelte, und das Herz flog ihr fast aus der Brust.

„Ms. Mills?“

Piper holte tief Atem und sah Jaeger an. Sein Haar war etwas kürzer, fiel ihr auf, sein Dreitagebart ausgeprägter. Seine Augen waren immer noch betörend blau, aber seine Schultern wirkten breiter, seine Arme unter den Ärmeln des schwarzen Hemds muskulöser. Zur schwarzen Chinohose trug er einen edlen Ledergürtel.

Er lächelte leicht, wie bei ihrer ersten Begegnung, und wie damals spürte sie Schmetterlinge im Bauch. Ihr schoss die Hitze in die Wangen, sie biss sich auf die Unterlippe und redete sich hektisch ein, dass sie ihm nicht um den Hals fallen konnte und wollte.

Er streckte die Hand aus. „Ich bin Jaeger Ballantyne.“

Ja, ich weiß. Wir haben in Mailand Sachen miteinander gemacht, die mich immer noch rot werden lassen, wenn ich nur daran denke.

Was hatte sie doch gleich in Italien gesagt?

„Wenn wir uns wiedertreffen, reden wir nur über die Steine und tun so, als hätten wir einander nie nackt gesehen.“

Hatte er das etwa wörtlich genommen?

Jaeger ließ die Hand sinken und musterte sie misstrauisch. „Na gut, überspringen wir die Nettigkeiten. Wenn ich recht verstehe, haben Sie ein paar Saphire, die Sie mir gern zeigen würden?“

Seine Worte riefen ihr ins Gedächtnis, was sie vorhatte. Es durfte keine Rolle spielen, dass er sich wie ein arroganter Idiot benahm. Sie hatte eine Nacht mit dem Playboy der Park Avenue verbracht, und er hatte ihr unwissentlich das schönste Geschenk ihres Lebens gemacht, aber deshalb war sie nicht hier. Sie brauchte nur seine Bestätigung, dass ihre Steine wertvoll waren. Er musste ihr die Saphire abkaufen, damit sie ihr Haus behalten konnte.

Piper nickte. „Ja, stimmt, ich habe Saphire.“

„Ich handele ausschließlich mit außergewöhnlichen Steinen, Ms. Mills“, sagte Jaeger reserviert.

Piper war es leid, Zeit zu verschwenden. Sie griff ins Seitenfach ihrer Handtasche und zog einen geschliffenen Saphir heraus. „Ist der hier außergewöhnlich genug für Sie, Ballantyne?“

2. KAPITEL

Jaeger senkte die Lupe und betrachtete den Saphir, den er zwischen Daumen und Zeigefinger hielt. Es war ein kleiner Stein, kaum vier Karat, aber Farbe und Qualität waren wie bei den anderen neun Steinen unglaublich.

Wie die Frau, der sie gehörten.

Jaeger wandte den Kopf und sah zum Fenster, an dem sie stand und den Verkehr unten auf der Straße beobachtete. Wie die Steine zog sie ihn magisch an. Sie war nicht unbedingt schön, aber sie war … betörend. Mit ihren Naturlocken und den grünen Katzenaugen, ihrem etwas spitzen Kinn und dem schlanken Körper wirkte sie exotisch und interessant zugleich. Absolut feminin …

Und stinksauer auf ihn.

Jaeger kannte die Frauen. Das war kein Wunder – er hatte schließlich genug Erfahrung. Er spürte, wenn sie verstimmt oder traurig waren. Er erkannte Manipulation und Verzweiflung aus einem Kilometer Entfernung sowie Berechnung und Gier mit einem Blick. Er las Körpersprache wie andere Menschen Texte, und Piper Mills strahlte schiere Wut aus.

Die sich gegen ihn richtete.

Er wollte sie fragen, ob sie sich schon begegnet waren, aber das war unmöglich. Bis auf die beiden Monate letztes Jahr hatte er ein tadelloses Gedächtnis, und er wusste, dass sie sich nie über den Weg gelaufen waren. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie sich in den verlorenen Monaten getroffen hatten, war äußerst gering. Kreditkartenabrechnungen, Flugtickets und ein Privatdetektiv hatten ihm geholfen, einen Großteil der Zeit, an die er sich nicht erinnerte, zu rekonstruieren.

Den Juli hatte er in Burma und Thailand verbracht, auf der Jagd nach einem fantastischen Rubin, der ihm bei einer Auktion in einem Hinterzimmer in Bangkok entgangen war. Von Bangkok war er nach Mailand geflogen, wo er die Filiale von Ballantyne and Company besucht und Jugendstilschmuck gekauft hatte. Er war etwas länger dortgeblieben – nichts Ungewöhnliches, schließlich war Mailand seine Lieblingsstadt. Aber der Aufenthalt hatte ein böses Ende genommen. Auf dem Weg zum Flughafen hatte ein Lieferwagen sein Taxi gerammt, und er war im Auto eingeklemmt worden. Er hatte ein gebrochenes Schlüsselbein und eine Gehirnblutung davongetragen.

Man hatte seinen Zustand in Mailand stabilisiert. Dann hatte sein Bruder Linc den Privatjet der Ballantynes und ein Ärzteteam nach Italien geschickt. Jaeger war nach New York verlegt worden. Nach der Operation, die die Gehirnblutung behandeln sollte, hatte er im künstlichen Koma gelegen, bis sein Gehirn abgeschwollen war. Als er aufgewacht war, hatte er erfahren, dass er sich an zehn Wochen seines Lebens nicht erinnern konnte und dass sein geliebter Onkel tot war – der Mann, der die Ballantyne-Geschwister großgezogen hatte.

Jaeger riss sich von der langbeinigen Schönheit am Fenster los und widmete sich wieder den Steinen. Sterne von Kaschmir … Warum musste er immer wieder an den Ausdruck denken? Jaeger griff zum Telefon auf dem Schreibtisch, wählte eine Nummer und wartete ungeduldig darauf, dass Beckett abnahm.

Das Gehirn seines Bruders war wie ein Computer. Beckett erinnerte sich an fast alle Geschichten ihres Onkels. Seit Jaeger zehn gewesen war, hatten er, Beckett und Sage zusammen mit Linc, dem Sohn der Haushälterin, den Erzählungen ihres Onkels gelauscht. Onkel Connor hatte sie alle adoptiert und jede Minute, die er erübrigen konnte, mit den Kindern verbracht.

„Rufst du an, weil du mit der heißen Braut nicht allein klarkommst und meine Hilfe brauchst?“, begrüßte Beckett ihn.

Jaeger runzelte die Stirn. „Na klar“, antwortete sarkastisch.

„Hab ich’s mir doch gedacht! Ich bin sofort da, Süßer.“

Wenn er allein gewesen wäre, hätte er seinem frechen kleinen Bruder jetzt die Meinung gesagt. Weil er es nicht war, fragte Jaeger ihn einfach, was ihm zu dem Begriff „Sterne von Kaschmir“ einfiel.

Beckett musste zehn Sekunden nachdenken, bevor er antwortete. „Uropa Mac hat eine Sammlung von Saphiren, die er in London gesehen hat, die ‚Sterne von Kaschmir‘ genannt. Fünfzehn brillante Steine. Weil andere Edelsteinhändler wie Jim Moreau sie auch gesehen haben, wissen wir, dass es sie tatsächlich gab und dass Mac sie sich nicht nur im Whiskeysuff eingebildet hat. Seltsamerweise sind sie, soweit ich weiß, nie wieder aufgetaucht.“

Bis heute. Vielleicht. Konnten diese zehn Saphire zu den ursprünglichen fünfzehn gehören? Wenn ja, lag vor Jaeger ein Jahrhundertfund. Er legte auf.

Mein Gott. Hatte er wirklich die größte Edelstein-Entdeckung der letzten Jahrzehnte vor sich?

„Sind sie etwas wert?“, fragte Piper, die Hände in die schlanken Hüften gestemmt.

Jaeger bemerkte, dass die Sonne durch ihre zarte Seidenbluse schien. Er sah die Kurven ihrer Brüste und ihren Spitzen-BH. Er wollte ihre Steine, aber er wollte auch sie – und das mit einer Heftigkeit, die ihn überwältigte.

Reiß dich zusammen, Ballantyne. Du darfst jetzt nicht an Sex denken.

„Ja, sie sind etwas wert“, antwortete er langsam. „Aber wie viel genau, kann ich noch nicht sagen. Ich würde sie gern einem Experten vorlegen.“

„Ich dachte, Sie wären der Experte.“

„Der bin ich auch. Aber bei Steinen wie diesen …“, prächtigen, wichtigen, atemberaubenden, teuren Steinen, „… gehe ich gern auf Nummer sicher.“

„Es wäre mir lieber, wenn es unter uns bleibt.“ Piper hob trotzig das verführerische Kinn.

„Die anderen Experten sind meine Brüder Linc und Beckett und meine Schwester Sage. Sie sind alle Direktoren bei Ballantyne, und wir sprechen mit niemandem sonst über unsere Kunden.“

Piper starrte zu Boden und hob dann eine Hand, um sich die Locken aus dem Gesicht zu streichen. Als sie aufschaute, wirkte ihre Miene entschlossen. „Keine Spielchen, keine Lügen … Wenn ich die Steine sofort verkaufen wollte, was würden Sie mir bieten?“

„Brauchen Sie das Geld?“ So sah sie eigentlich nicht aus. Ihre Kleidung war modisch, ihre Schuhe wirkten neu.

Piper ließ die Hand sinken und bedachte ihn mit kaltem Blick. „Ich weiß, dass Ihnen das vielleicht nicht klar ist, aber manche Leute brauchen wirklich Geld.“

Jaeger machte sich nicht die Mühe, ihr zu erläutern, dass er auf seiner Reise nach Südostasien mehr Armut gesehen hatte, als sie sich vorstellen konnte. Er wusste, was Menschen für Geld zu tun bereit waren. Er hatte es selbst erlebt.

Er konnte nichts dafür, dass er der Erbe einer unglaublich reichen Dynastie war, und er arbeitete tagtäglich sehr hart. Er log nicht und betrog Leute nicht um ihre Steine. Er zahlte gute Preise. Er handelte nicht mit Blutdiamanten, und er boykottierte Bergwerke, in denen Kinderarbeit vorkam. Wie schon sein Onkel Connor führte er Ballantyne and Company moralisch einwandfrei.

Zu seiner Verärgerung verspürte er den Drang, sich zu erklären.

Was hatte diese Frau nur an sich? Und warum war ihm wichtig, was sie von ihm hielt?

„Nennen Sie mir eine Zahl“, forderte Piper, aber er hörte die Angst in ihrer Stimme und ihre Hoffnung, dass die Steine ein sehr großes Problem lösen würden.

„Ich würde Ihnen eine Million geben“, sagte Jaeger versuchsweise. In Wirklichkeit zog er in Erwägung, mindestens das Doppelte zu zahlen, aber er wollte sehen, wie sie reagierte.

Sie ließ die Schultern hängen und biss sich auf die Lippe. Also war eine Million zu wenig.

„Drei?“, fragte Piper.

„Vielleicht zwei.“ Jaeger tat so, als würde er über ihr Angebot nachdenken.

Wieder blitzte Enttäuschung in ihren grünen Augen auf. So schöne Augen … Augen, die ihn verlockten, ihr einen Scheck über drei Millionen auszustellen und sie dann bis zur Besinnungslosigkeit zu küssen, bevor er ihr die Kleider vom Leib riss.

„Kann ich darüber nachdenken?“, fragte Piper.

Jaeger rollte den Samt langsam um die Steine zusammen. „Natürlich, aber ich mache das Angebot nicht heute, Ms. Mills. Auch nicht morgen.“

Denn trotz des wilden Begehrens, das seinen Körper in Flammen setzte, war er kein unerfahrener Händler, der sich von einem hübschen Gesicht, einem verführerischen Körper und traurigen Augen zu einem Kauf verleiten ließ.

Piper öffnete den sinnlichen Mund, und er fragte sich, wie sie schmeckte und ob ihre Lippen wohl so weich waren, wie sie aussahen. Er wusste, dass ihr Lächeln der reinste Sprengstoff sein musste. Er wollte es sehen, es auf seiner Haut spüren …

Mein Gott, Ballantyne, reiß dich verflucht noch mal zusammen.

„Aber … Aber … Sie haben doch gesagt …“

Jaeger stand auf, stützte die Hände auf den Tisch und beugte sich vor, sodass er ihr direkt in die Augen sehen konnte. „Ich mache kein Millionenangebot für Steine, über die ich so gut wie nichts weiß. Das tue ich vielleicht auf Reisen, wenn ich mich auf mein Bauchgefühl verlassen muss. Aber hier und jetzt gehe ich kein Risiko ein.“ Er richtete sich auf und fuhr sich durchs Haar. „Ich mache Ihnen ein seriöses Angebot, nachdem ich ein paar Nachforschungen angestellt habe.“

„Was für Nachforschungen?“, fragte Piper offensichtlich frustriert.

„Wir nutzen verschiedene Datenbanken, darunter die von Interpol und die des FBI, um zu überprüfen, ob ähnliche Edelsteine als gestohlen gemeldet sind. Und ich will, dass meine Geschwister sich die Steine ansehen.“

„Wie lange dauert das?“

Jaeger zuckte die Schultern. „Solange es eben dauert.“

„Ich kann sie auch zu Moreau’s bringen.“

Der größte Konkurrent von Ballantyne and Company.

„Das steht Ihnen frei, aber Sie werden es nicht tun“, sagte Jaeger und sah ihr in die Augen. „Sie werden es nicht tun, weil Sie wollen, dass ich diese Steine kaufe. Aus irgendeinem Grund wollen Sie, dass ich sie bekomme. Warum?“

Piper ging nicht auf seine Bemerkung ein, aber er sah in ihren Augen Zustimmung aufblitzen. Warum hatte er das Gefühl, dass sie mehr von ihm wollte, als nur die Steine zu verkaufen?

„Sie haben zwei Wochen, mir ein Angebot zu machen“, sagte Piper, hob ihre Tasche auf und schlang sie sich über die Schulter. „Danach sehe ich mich anderweitig um.“

Jaeger nickte. „Ich brauche Ihre Kontaktdaten. Wenn Sie einen Augenblick warten, drucke ich Ihnen eine Quittung aus, die belegt, dass sich die Steine in unserer Obhut befinden.“

„Ich gebe Ihnen meine Visitenkarte. Schicken Sie mir die Quittung einfach. Ich weiß, dass Sie mir die Steine nicht stehlen.“

Auf diesen instinktiven Vertrauensbeweis hin durchrieselte ihn ein seltsames warmes Gefühl.

„Sie müssen nur meinen Namen und die Tatsache, dass ich diese Edelsteine besitze, vertraulich behandeln“, fuhr sie fort. „Können Sie das?“

Warum war ihr Vertraulichkeit so wichtig? Konnten die Saphire gestohlen sein? Er wollte es nicht hoffen. Wenn sie es waren, musste er sie anzeigen, und er wollte nicht, dass Piper verhaftet wurde, weil sie Diebesgut in den Fingern gehabt hatte.

Das Einzige, was sie in den Fingern haben sollte, war er.

Jaeger versetzte sich in Gedanken selbst einen Tritt. Es wurde Zeit, sich wie ein Erwachsener zu benehmen, wie der knallharte Edelsteinhändler, der er angeblich war.

„Sie haben mitbekommen, dass ich diese Steine in den Datenbanken von Interpol und FBI suchen werde, nicht wahr?“

Pipers einzige Antwort bestand in einem vernichtenden Blick. Kopfschüttelnd zog sie eine Visitenkarte aus der Handtasche und reichte sie ihm.

Jaeger warf einen Blick auf die Karte. „Sie sind Kunstgutachterin?“

Piper zog die Augenbrauen hoch. „Sie haben sich wirklich zu Herzen genommen, was ich gesagt habe, nicht wahr?“

Jaeger runzelte die Stirn. Was sollte die komische Bemerkung? Seit sie sein Büro betreten hatte, sah er ihr schon an, dass ihr irgendetwas auf der Zunge lag. Was ging in ihrem schönen Kopf vor?

Das ist nicht dein Bier, Ballantyne. Sie ist eine Kundin, weiter nichts.

Aber an der wunderschönen Ms. Mills ist eindeutig etwas seltsam, dachte Jaeger, als er zusah, wie sie zur Tür ging. Sie drehte sich noch einmal zu ihm um.

„Ich vertraue darauf, dass Sie gut auf meine Steine aufpassen. Ihnen zu vertrauen, ist für mich nach allem, was war, keine Kleinigkeit, Ballantyne.“

Bevor er antworten konnte, hatte sie schon sein Büro verlassen. Jaeger starrte die halb offene Tür an und hatte das Gefühl, dass sie ihn mit viel zu wenigen Teilen eines Puzzles allein gelassen hatte.

Er würde die fehlenden Teile finden, beschloss er, als er sich wieder hinter den Schreibtisch setzte. Erst einmal würde er ihren Namen in alle Datenbanken eingeben, zu denen er Zugang hatte, und sehen, was dabei herauskam.

Denn er war sich sehr sicher, dass irgendetwas herauskommen würde.

Warum hatte sie Jaeger nicht zur Rede gestellt?

Die Frage lief Piper in Dauerschleife durch den Kopf, seit sie vor acht Stunden sein Büro verlassen hatte. Warum hatte sie die Vergangenheit nicht offen angesprochen? Warum spielte sie sein Spielchen mit und tat so, als seien sie sich noch nie begegnet?

Piper bog um die Ecke in ihre Straße ein, die Handtasche über der Schulter, zwei Papiertüten mit Babynahrung und Windeln auf den Armen. Und Schokolade … Nach einem Tag wie heute brauchte sie Schokolade.

Babynahrung, Windeln, Schokolade. Mein Gott, ist mein Leben aufregend!

Aber es war einmal aufregend gewesen. Damals, als sie mit einem über eins achtzig großen Brocken geballten Sex-Appeals zusammen gewesen war …

Nein, das hatte sie gar nicht denken wollen! Sie stöhnte innerlich auf.

Warum hast du bloß nichts über eure gemeinsame Zeit in Mailand gesagt? Was sollte das?

Piper versuchte, sich eine Locke aus dem Gesicht zu pusten. Stolz …

Stolz spielte eine Rolle. Sie hatte gewollt, dass er Mailand erwähnte und sagte, wie schön es war, sie wiederzusehen. Sie hatte gewollt, dass er sie zum Essen einlud … oder gleich ins Bett. Auf den Gedanken, dass er sie vergessen haben könnte, war sie nicht gekommen – noch nicht einmal, als er sie damals abgewimmelt hatte.

Es brachte sie schier um, dass er sich nicht an sie erinnerte. Die Nacht mit ihm war ein Höhepunkt ihres Lebens gewesen. Umgekehrt war sie für ihn in einer langen Reihe sexueller Abenteuer offenbar nichts Besonderes gewesen.

Dass Jaeger sie und Mailand vergessen hatte, erinnerte sie an ihren Vater, der sie so vernachlässigt hatte. Sie war erwachsen und hätte nicht mehr über Micks Verhalten gekränkt sein sollen, aber sie musste einfach wieder daran denken, wie oft sie ihm angesehen hatte, dass es ihm schwerfiel, sich an ihren Namen zu erinnern. Ihre Mutter und das, was sie ihm gab, waren Mick wichtig gewesen – aber nicht seine Tochter.

Seit dem Tod ihrer Mom war Mick nicht mehr in dem Haus in Brooklyn gewesen, und nach der Beerdigung ihrer Mutter hatte er nur noch ein einziges Mal mit Piper gesprochen: um von ihr zu verlangen, ihm die Saphire zu geben.

Sie hatte sich ihr Leben lang zurückgewiesen gefühlt, und dass Jaeger sich nicht an sie erinnerte, war auf gewisse Weise genau dasselbe.

Aber Jaegers Verhalten ergab keinen Sinn. Sie hatten sich darauf geeinigt, sich nur noch geschäftlich zu treffen. Warum hatte er nach Mailand also nicht auf ihre Anrufe reagiert? Warum hatte er sie mit aller Macht ignoriert, nur um dann so zu tun, als würde er sie nicht kennen?

Was für ein Spiel spielte er?

Vielleicht hätte sie Jaeger links liegen lassen und gleich zu Moreau’s gehen sollen. Warum hatte sie es nicht getan?

Laut Mr. Hendricks zahlte Jaeger besser als alle anderen Edelsteinhändler. Außerdem hatte sie Jaeger in Mailand versprochen, die Steine zu ihm zu bringen. Weil ihr Vater ein Betrüger war, legte sie viel Wert darauf, Wort zu halten. Sie glaubte daran, das Richtige zu tun.

Aber war es auch richtig, Jaeger nichts von Ty zu erzählen?

Der Gedanke brandete mit der Wucht eines Tsunamis auf sie ein. Natürlich war es richtig. Ihr Wiedersehen mit Jaeger änderte nichts daran. Sie wusste, dass Jaeger nicht zum Vater taugte – das wussten alle. Er hatte offen zugegeben, dass eine Frau und Kinder nicht in seine Lebensplanung passten.

Es gab nichts Schlimmeres, als seinen Vater zu kennen und zu wissen, dass man ihm nicht am Herzen lag. Das würde sie ihrem Sohn nicht antun.

Piper ging auf ihr Haus zu, stieß das schmiedeeiserne Tor mit der Hüfte auf und bemerkte, dass die Zitronenverbene und die Geranien Wasser brauchten. Die Kübel mussten auch mal wieder gestrichen werden. Dazu würde sie allerdings so bald nicht kommen.

„Piper!“

Auf der obersten Stufe vor der Haustür wirbelte Piper herum. Ihre Tüten kippten, und sie wäre beinahe gestolpert.

„Ballantyne, was soll das?“

Jaeger kam mit erhobenen Händen auf sie zu. „Warum denn so schreckhaft? Ich habe doch nur Ihren Namen gerufen.“

Er musste nicht erfahren, dass sie an ihn gedacht hatte und sich so fühlte, als hätte sie ihn aus dem Nichts heraufbeschworen. „Es war ein langer Tag. Was machen Sie hier?“

Ihr kribbelte die Haut, als Jaeger langsam auf sie zukam und ihr sein Duft nach maskulinem Eau de Toilette und warmer Haut in die Nase stieg. Wie gut sie sich daran erinnerte, wie er roch, schmeckte und sich anfühlte – würzig, warm …

Er riss sie aus ihren Gedanken, indem er ihr die Einkaufstüten abnahm und einen Blick hineinwarf. „Wein, Babynahrung, Windeln, eine Zeitschrift, Tampons, Schokolade und Hummus. Was für eine Mischung!“

Piper wurde rot. „Es gehört sich nicht, in fremden Einkaufstüten zu stöbern.“

„Wollen Sie mich nicht hineinbitten?“, fragte Jaeger, und Piper erkannte, dass es kein Vorschlag, sondern ein Befehl war.

Sie trat von einem Fuß auf den anderen und wusste nicht, was sie sagen sollte. Ceri, ihre Nanny und gute Freundin, war mit Ty oben, und Piper wollte nicht, dass Jaeger ihm begegnete. Sie wusste nicht, warum er so tat, als ob er sich nicht an sie erinnerte, aber bevor sie nicht dahintergekommen war, würde sie ihr Privatleben privat halten. Sehr privat. Hier ging es schließlich um ihren unschuldigen Sohn.

Die Entscheidung wurde ihr abgenommen, denn die Haustür öffnete sich. Als Piper sich umdrehte, sah sie Ceri und Rainn. Beide hielten mit jeweils einer Hand Tys Buggy fest.

Piper ging sofort in die Hocke und küsste ihren Sohn auf die Wange. „Da ist ja mein Lieblingsjunge!“

Ty war nicht so begeistert davon, sie zu sehen, wie sonst, aber er patschte ihr kurz mit einer pummeligen Hand ins Gesicht, bevor er sich umschaute, um mitzubekommen, was seine Babysitter da taten.

Piper stand auf, sah Jaeger an und erkannte in seinem Gesicht nichts als mildes Interesse. Ihr Herzschlag beruhigte sich, als ihr klar wurde, dass er sich in Ty nicht wiedererkannte. Gott sei Dank!

„Wir brauchen frische Luft und wollten gerade spazieren gehen“, sagte Ceri. Ihr Blick wanderte von Pipers Gesicht zu Jaegers, und ihr sackte die Kinnlade herunter. „Wow, Sie sind doch …“

„Jaeger Ballantyne.“ Jaeger lächelte Ceri an.

Um seine Augen bildeten sich feine Fältchen, und Piper wurde flau im Magen. Sie hatte vergessen, wie sexy sein Lächeln war, wie es sein Gesicht von knallhart in atemberaubend attraktiv verwandelte. Jaeger schüttelte Rainn die Hand, nachdem die Zwillinge den Buggy die Stufen hinuntergetragen hatten.

„Ich bin Ceri Brown. Das hier ist Rainn, und der kleine Süße ist Ty.“ Ceri sah Piper an. „Wollt ihr mitkommen? Wir sind in einer halben Stunde zurück.“

Piper biss sich auf die Lippen und schüttelte den Kopf. „Ich glaube, ich verzichte. Jaeger und ich müssen uns unterhalten.“

Ceri legte neugierig den Kopf schief. „Woher kennt ihr euch eigentlich?“

„Das ist eine lange und komplizierte Geschichte“, antwortete Piper. „Wir sehen uns nachher, okay?“

Piper und Jaeger blieben auf der obersten Stufe stehen und schauten zu, wie Rainn den Buggy auf die Hinterräder kippte. Tys lautes Lachen klang zu ihr herüber. Das war eines seiner Lieblingsspiele. Sie schmolz dahin: ihr Kind und die beiden Menschen, die ihr so nahestanden wie Geschwister …

„Süße Familie“, sagte Jaeger. „Sie sind ziemlich jung dafür, ein Kind zu haben.“

Piper setzte dazu an, zu erklären, dass Ty ihr Sohn war, aber sie schluckte die Worte herunter. Als sie Jaeger ansah, wurde sie neugierig, was für ein Gefühl seine Augen widerspiegelten. Sehnsucht, Trauer, Schmerz? Warum wirkte Jaeger Ballantyne, der ständig verkündete, dass er wie sein Onkel Connor eingefleischter Junggeselle war, neidisch auf das, was er fälschlich für eine junge Familie auf dem Weg in den Park hielt?

Piper kam zu dem Schluss, dass sie sich irren musste. Das hier war schließlich Jaeger Ballantyne, der fand, dass die Welt überbevölkert war.

Der ihre Anrufe nicht angenommen hatte und so tat, als wüsste er nicht, wer sie war.

Er hatte die Erklärung nicht verdient.

An der Ecke winkte Ceri ihnen zu, und Piper winkte zurück. „Sind Sie hier, um mir ein Angebot für meine Steine zu machen?“, fragte sie dann.

„Ich bin immer noch nicht näher daran, Ihnen einen Deal anzubieten“, antwortete Jaeger.

Verdammt.

„Bitten Sie mich hinein, Piper.“ Jaeger griff an ihr vorbei und stieß die Haustür auf. „Wir wissen beide, dass wir viel mehr als das zu besprechen haben.“

Jetzt wollte er also plötzlich darüber reden, was in Mailand passiert war? Aber was gab es nach all den abgewiesenen Anrufen noch zu besprechen? Im Nachhinein betrachtet hatte alles, was sie sich noch hätten sagen können, in dem letzten Kuss gelegen. Sie hatten sich vor dem Hoteleingang geküsst – zärtlich und süß, voller Bedauern und sehr, sehr endgültig.

Danke und denk manchmal an mich, hab noch ein schönes Leben.

Die Worte waren nicht ausgesprochen worden, hatten jedoch in der Luft gehangen als das stumme, aber machtvolle Eingeständnis, dass sie, wenn sie sich wiedersahen, nicht da weitermachen würden, wo sie aufgehört hatten …

Sie hatten nicht abgesprochen, einander wie Fremde zu behandeln, aber vielleicht war es das Beste so.

„Sie schweigen mich schon wieder an. Denken Sie nach, oder sind Sie einfach bloß stur?“ Jaeger beugte sich etwas vor, sodass er auf Augenhöhe mit ihr war. „Wir können entweder hier reden oder bei einer Tasse Kaffee oder, wenn ich ganz viel Glück habe, bei einem Glas Whiskey. Aber wir werden ein Gespräch miteinander führen, Ms. Mills.“

Piper sah ihm die Entschlossenheit an, sah den knallharten Geschäftsmann, der auf sechs Kontinenten mit wertvollen Edelsteinen handelte. Jaeger würde nicht gehen, bis er gesagt hatte, was er loswerden wollte. Sie musste darauf achten, das Gespräch unter Kontrolle zu behalten und beim Thema zu bleiben. Sie wollte wissen, warum er nach Mailand jeden Kontakt zu ihr verweigert hatte, aber Ty war tabu.

Und auch die Tatsache, dass sie Jaeger gern nackt gesehen hätte.

Warum dachte sie nur immer wieder daran?

„Ich würde einen Diamanten dafür geben, zu erfahren, was sie denken“, sagte Jaeger.

Piper blinzelte, strich sich die Haare zurück und schloss kurz die Augen.

„Ich koche uns Kaffee“, gab sie sich geschlagen.

Jaeger legte ihr die Hand auf den Rücken und schob sie zur Treppe, die zu ihrer Wohnung hinaufführte. „Klingt gut. Aber ein Schluck Whiskey würde noch besser klingen. Ich hatte auch einen schweren Tag.“

3. KAPITEL

Piper trug ihre Kaffeetasse in ihr Arbeitszimmer, das zugleich ihr sicherer Zufluchtsort war, und sah Jaeger vor dem Kamin stehen. Er hielt ein Whiskeyglas in der Hand und bewunderte eine Reihe von Zeichnungen an der Wand.

Jeder Zentimeter seines Körpers strahlte Männlichkeit aus: Er hatte lange muskulöse Beine und einen breiten Brustkorb. Er sorgte dafür, dass sie sich kleiner, feminin und sexy vorkam.

Damit, dass er so ein heißer Typ war, kam sie ja irgendwie noch zurecht, aber er wirkte in ihrem unordentlichen Zimmer so entspannt – und es fühlte sich so richtig an, dass er hier war, bei ihr …

Bei dem Gedanken wurden ihr die Knie weich. Sie setzte sich aufs Sofa.

„Die sind fantastisch. Von wem sind sie?“, fragte Jaeger.

„Von einer dänischen Künstlerin. Ich habe sie in einer Galerie in Kopenhagen gekauft, aber leider nie weitere Arbeiten von ihr gefunden.“ Um das Thema Mailand noch etwas aufzuschieben, deutete Piper auf ein Seestück in Öl an der gegenüberliegenden Wand. „Das da ist von Joonie Paul – genauso unbekannt, aber auch großartig.“

Jaeger – selbst ein Kunstwerk, das sie den ganzen Tag lang hätte betrachten können – drehte sich um und sah ihr in die Augen. „Sie lieben Kunst“, stellte er fest.

„Ich bin Kunstgutachterin. Berufskrankheit.“

Jaeger setzte sich auf die Ottomane und legte die Unterarme auf die Oberschenkel. Das Glas verschwand fast in seiner großen Hand. Er starrte den bunten Perserteppich zu seinen Füßen an, bevor er aufschaute. Unter seinem Blick fühlte Piper sich wie ein Kaninchen vor der Schlange.

„Lassen Sie uns über Mailand sprechen.“

Da wären wir … Sie würde endlich eine Erklärung dafür bekommen, warum er sich wie ein Idiot aufgeführt hatte. Hoffentlich eine gute.

„Anscheinend sind wir uns letztes Jahr im April in Mailand bei Ballantyne begegnet?“

Begegnet? So nannte der begehrteste Junggeselle von ganz Manhattan also drei fantastische Dates und eine Nacht voll unbeschreiblichem Sex? Diesseits der Brooklyn Bridge hätte man das etwas anders ausgedrückt.

Piper nickte. Was sollte sie auch sonst tun?

„Ich nehme an, wir haben in Mailand schon über Ihre Saphire gesprochen und Sie haben deshalb im letzten Herbst so viele Nachrichten für mich hinterlassen?“

Na klar. Es kostete sie alle Willenskraft, nicht die Augen zu verdrehen. Piper sah zu, wie Jaeger plötzlich aufsprang, zum Fenster ging und den schweren Vorhang beiseiteschob. Er hatte die breiten Schultern hochgezogen und strahlte Anspannung aus. Was war bloß los?

„Warum stellen Sie mir all diese Fragen? Sie waren doch dabei.“

Jaeger drehte sich um, lehnte sich an die Wand und schob die Hände in die Hosentaschen. Offenbar wollte er entspannt wirken. Der Ausdruck seines maskulinen Gesichts war undurchdringlich, aber sie sah seinen Augen an, dass in seinem Innern ein Sturm der Gefühle tobte. Er hatte die Lippen fest zusammengepresst und wirkte verwirrt, wenn nicht gar verstört.

Warum?

„Erinnern Sie sich nicht?“, fragte sie.

Jaeger zeigte mit dem Finger auf sie, als wollte er sagen, dass sie den Nagel auf den Kopf getroffen hatte.

Piper holte tief Luft. Jaeger – groß, athletisch, absolut sexy – erinnerte sich wirklich nicht an sie? An Mailand, an ihre Treffen, die Steine? Oder daran, dass sie miteinander geschlafen hatten? Italien war so fantastisch gewesen, und er erinnerte sich nicht daran? Pipers Gedanken überschlugen sich. War das ein Fluch oder ein Segen?

Und wie konnte das sein?

„Wirklich nicht? Sie erinnern sich nicht an Mailand?“, vergewisserte sie sich. „Sie wissen nicht mehr, wie wir uns getroffen haben? Wie wir essen gegangen sind …“

Du erinnerst dich auch nicht an die Nacht in deinem Hotelzimmer? Wie ich mich an deinem Körper nach unten geküsst habe? Oder an unser letztes Mal unter der Dusche, als wir fast ein Erdbeben ausgelöst hätten? Dein Keuchen, meine Schreie? Wie schwer es uns gefallen ist, am nächsten Morgen Abschied voneinander zu nehmen?

Sie rieb sich die Stirn. „Was ist passiert, Jaeger?“

Er verschränkte die Hände hinter dem Kopf. Der Baumwollstoff spannte sich straff über seinem Bizeps. Das Hemd klaffte ein bisschen auf, und sie sah einen Hauch sonnengebräunter Haut oberhalb seines Gürtels. Dort hatte sie ihn geküsst und dann weiter unten …