The Director's Cut - Kajsa Arnold - E-Book

The Director's Cut E-Book

Kajsa Arnold

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Beschreibung

Sie kann ihn nicht ausstehen, denn seine Arroganz erinnert sie an einen Mann, dem sie nie mehr begegnen will. Doch er zieht sie in seinen Bann, und Emma kann nicht widerstehen, denn Rough ist einfach unwiderstehlich, aber er ist ein Schauspieler! Emma Strong ist eine Sterneköchin und Besitzerin des "Daniels", einem In-Restaurant in London. Eines Abends bittet ein Gast sie an den Tisch, um sich für das tolle Essen zu bedanken. Emma erkennt ihn nicht, doch es handelt sich um Silver Rough, Schauspieler und Superstar der High Society mit zahllosen Affären. Dass Emma nicht interessiert ist, scheint Silver nichts auszumachen, denn er kennt Emmas Geheimnis und entführt sie in den Love Guide Club, wo Emma keine Unbekannte ist ... Das Taschenbuch hat 202 Seiten

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Seitenzahl: 183

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Kajsa Arnold

The Director’s Cut

Spiel mit mir

The Director's Cut

Spiel mit mir

Kajsa Arnold

Inhalt

Zitat

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Kapitel 15

Kapitel 16

Kapitel 17

Kapitel 18

Kapitel 19

Kapitel 20

Kapitel 21

Kapitel 22

Kapitel 23

Danksagung

Leseprobe

Bücher von Kajsa Arnold

Deutsche Neuausgabe

Copyright © 2021, Kajsa Arnold

Erstausgabe 2019 unter dem

Autorennamen Francis James

Alle Rechte vorbehalten

Nachdruck, auch auszugsweise,

nur mit Genehmigung

1. Auflage

Covergestaltung: Andrea Wölk

Unter Verwendung folgender Fotos:

©Alex Yakimovski by Shutterstock

Kajsa Arnold c/o Andrea Wölk,

Lutherstr. 16, 46414 Rhede

www.kajsa-arnold.de

Zitat

Wenn ich die Wahl habe zwischen dem Nichts

und dem Schmerz, dann wähle ich den Schmerz.

(William Falkner)

Kapitel Eins

EMMA

Feierabend! Das letzte Menü für diesen Abend ging über die Theke und ich strich mir müde über die Stirn. Der Laden war voll besetzt gewesen und jeder der zwölf Tische ausgebucht. Mein Lokal war klein, aber seit Neuestem eine der heißesten Adressen in London. Seit der Verleihung des Michelin Sterns und einem Bericht darüber in der Times, war die Hölle los. Es gingen nicht nur die lokalen Größen ein und aus, sondern auch eine ganze Menge A-Promis. Ich schaute mich prüfend um, alle Köche waren damit beschäftigt, die Küche aufzuräumen und ihre Arbeitsplätze zu putzen. Endlich hatte der Abend ein Ende.

Mit einem leisen Stöhnen nahm ich mein Kopftuch ab, das ich wie ein Pirat gebunden trug, um meine langen braunen Locken zu bändigen. Morgen hatte das Daniels geschlossen. Montags bis mittwochs war Ruhetag, an diesen Tagen gönnte ich es mir, auszuschlafen. Zu den erfolgreichen Sterneköche zu gehören, war eine feine Sache, doch niemand der Außenstehenden ahnte, welch harte Arbeit dahintersteckte.

»Emma! Dein Typ wird draußen verlangt.« Die Stimme meines Chef de Rangs ertönte von der Tür und ich warf ihm einen überraschten Blick zu.

»Ist etwas mit dem Essen nicht in Ordnung?«, fragte ich verblüfft, denn das war eigentlich nicht möglich. Ich hatte es selbst zubereitet und war immer sehr gewissenhaft, fast schon pedantisch. Nichts verließ meine Küche, das ich nicht selbst kontrolliert hatte.

»Keine Ahnung, das hat er nicht gesagt.« Morgan Hill arbeitete bereits seit drei Jahren für mich und auch wenn er mich manchmal mit seiner korrekten Art auf die Palme brachte, waren wir ein ausgezeichnetes Team.

Ich hob die Schultern und verließ mein Heiligtum, lief durch die Schwingtür in den Restaurantbereich. Es gab nur noch einen einzelnen Gast an einem Tisch, ansonsten war das Lokal leer. Ein Blick auf meine Uhr zeigte, dass es nach dreiundzwanzig Uhr war. Unter normalen Umständen hatten wir bereits geschlossen, also musste es sich um jemand ganz besonderen handeln, wenn Morgan eine Ausnahme machte. Mit dem Kopf wies er in die Richtung des Gastes, der ganz entspannt vor seinem leeren Teller saß. Allein. Da das Essen gerade erst die Küche verlassen hatte, musste der Gast ein Schnellesser sein, oder er hatte es in den Abfall entsorgen lassen, was ich bedauern würde, denn das Kalbssteak war von einer ausgezeichneten Qualität.

»Guten Abend, Sir. Sie wollten mich sprechen?«, fragte ich in einem neutralen Ton, der ein wenig distanziert klang, weil es mir ein Dorn im Auge war, wie er sich auf die Bank flegelte.

»Ja, ganz recht.« Er schaute mich auf eine Art und Weise an, die mir nicht gefiel, aber sehr bekannt vorkam. Ich wollte ihm schon grüßend zunicken, bis mir klar wurde, dass ich ihn verwechselte. Er war nicht der Mann, den ich in ihm zu erkennen glaubte. Wie konnte ich mich nur so irren?

Der Mann starrte mich mit bohrendem Blick an. Er hatte etwas Aggressives an sich. Düster und dominant kam er mir vor. Er war ein Typ, der nach Ärger roch. Vermutlich konnte er sich die Preise in meinem Restaurant nicht leisten und wollte nun einen Streit vom Zaun brechen, damit er sich vom Acker machen konnte, ohne die Rechnung zu begleichen. Hatte es alles schon gegeben.

»Wie kann ich Ihnen dienen?« Im gleichen Moment, als die Worte meinen Mund verlassen hatten, bereute ich sie schon.

Etwas in seinem Blick flammte auf. »Sir und Dienen? Oh, das sind Worte, die mir gefallen. Da gibt es viele Weisen, wie Sie mir dienen können«, sagte er leise, aber eindringlich.

Es war eine Steilvorlage für anzügliche Bemerkungen, ich hätte es besser wissen müssen. Er schaute mich mit einem Blick an, der ebenso gut Leck meinen Schwanz hätte bedeuten können.

»Ich wollte fragen, ob etwas mit dem Essen nicht in Ordnung war«, sagte ich in einem Ton, als hätte ich einen Drittklässler vor mir.

»Das Essen? Nein, es war vorzüglich. Ich wollte die Frau kennenlernen, die so ein köstliches Menü zubereiten kann. Bitte nehmen Sie doch Platz«, forderte er mich auf und schob mit einem Fuß den Stuhl zurück, damit ich mich setzen konnte.

»Entschuldigung, aber wir haben bereits geschlossen. Ich würde gerne jetzt Feierabend machen«, erklärte ich abweisend. Keine Ahnung, was er sich einbildete.

»Und was machen Sie, wenn Sie Feierabend haben?«

»Den werde ich genießen. Allein«, setzte ich noch spitz hinzu.

Er rieb sich mit den Fingern über den Dreitagebart und blickte mich mit seinen hellblauen Augen überlegen an.

»Sie kennen mich nicht! Habe ich recht?«

Abschätzend musterte ich seine schlanke durchtrainierte Gestalt. Er trug lediglich ein graues T-Shirt zu einer schwarzen Lederjacke, die schon bessere Zeiten erlebt hatte, dunkle Jeans und ein Paar relativ abgewetzte Chucks. Der übliche Gast in meinem Restaurant sah anders aus. »Sollte ich Sie kennen?«

Ein amüsiertes Lächeln huschte über seine Lippen, die zugegebenen Maßen sexy waren. Überhaupt war sein Gesicht medientauglich. Eine große gerade Nase, sinnliche Lippen, doch das Highlight waren diese hellblauen Augen à la Paul Newman.

»Ich denke, wenn Sie auf Kino stehen, würden Sie mich kennen.«

»Ich lese lieber«, gab ich zurück und bereute sofort meine Antwort. Ich wollte nichts Persönliches über mich preisgeben.

»Emma! Kommst du bitte kurz?« Morgans Stimme ließ mich herumfahren.

»Sie entschuldigen mich, bitte?«

»Sicher doch, Emma.« Ohne darauf einzugehen, wandte ich mich ab, begab mich zur Bar, wo Morgan auf mich wartete.

»Ich muss leider los, Kleines. Die Jungs sind bereits weg. Schließt du hier ab?« Morgan lächelte mich entschuldigend an. Er schien es eilig zu haben.

»Klar! Geh schon. Wartet ein heißes Date auf dich?«, fragte ich lächelnd und schaute wieder zu dem Gast hinüber.

»Ja, ich bin schon eine Viertelstunde überfällig. Das ist übrigens Silver Rough, kennst du ihn nicht? Er gehört zur ersten Garde der Schauspieler aus Amerika. Ein Actionheld und Oscarpreisträger.« Morgan zwinkerte mir zu.

Der Name sagte mir natürlich etwas, obwohl ich mich nicht besonders für Schauspieler interessierte. Ich las lieber ein gutes Buch, wenn ich mal Zeit dafür hatte. »Aha«, meinte ich daher nur kurz angebunden.

»Er war mit diesem russischen Supermodel liiert, das ihn wegen Nötigung angezeigt hat. Angeblich soll er pervers sein, also sei vorsichtig. Oder soll ich lieber noch bleiben?«

Energisch schüttelte ich den Kopf. »Nein, geh ruhig. Perverse machen mir keine Angst. Vor den Netten muss man sich in Acht nehmen. Du kennst mich doch, so schnell kann man mich nicht schocken.«

Morgan drückte mir einen Kuss auf die Stirn und verließ den Laden durch die Vordertür, die ich hinter ihm abschloss. Auf der anderen Straßenseite sah ich einige Paparazzi, die unruhig zu mir hinüberstarrten. Ich ließ die Jalousien runterfahren, damit ich ihnen die Sicht nahm.

»Sind die Fotografen wegen Ihnen hier?«, fragte ich meinen Gast, der immer noch lässig auf dem Sofa saß und auf mich wartete.

»Ich denke ja. Sobald ich in der Stadt bin, kann ich keinen Fuß vor die Tür setzen, ohne dass ich gejagt werde. Tja, der unangenehme Teil des Berühmtseins.« Er verzog sein Gesicht, als säße er bei einer Wurzelbehandlung. »Entschuldigung, ich habe mich noch nicht vorgestellt - Silver Rough.« Er erhob sich und reichte mir die Hand. Seine Bewegungen kamen mir vertraut vor, doch ich musste mich irren.

»Emma Strong. Ich bin die Inhaberin des Daniels.«

»Ich weiß«, murmelte er und schaute auf mich herab. Er war mehr als einen Kopf größer als ich, gut gebaut, so wie man sich eben einen Schauspieler vorstellte.

»Warum noch mal wollten Sie mich sprechen?«, nahm ich den Faden wieder auf. Ich sehnte mich danach, hier endlich Schluss machen und nach Hause fahren zu können.

»Zum einen wollte ich mich für das herrliche Essen bedanken. Die Kritiker, die Sie in den Himmel loben, haben recht. Sie haben jeden Preis verdient, den Sie bisher erhalten haben.«

»Danke, aber ich glaube nicht, dass Sie der Typ sind, der es nötig hat, sich ein Essen mit Schmeicheleien zu ergattern. Sie müssen Ihre Rechnung bezahlen, egal, wie berühmt Sie auch sind, Mister Rough.«

Er grinste schräg und zog eine Geldklammer aus der vorderen Hosentasche, zählt fünf Noten ab und warf sie auf den Tisch. »Das dürfte reichen«, meint er herablassend.

Ich nahm die Scheine an mich, zählte sie und gab ihm zwei zurück. »Das reicht. Wie sind zwar exklusiv, aber nicht unerschwinglich.«

»Der Rest ist für die Angestellten«, meinte er großzügig und lehnte es ab, das Geld zurückzunehmen.

Gut, dagegen kam ich nicht an. Ich würde meine Angestellten nicht um ein großzügiges Trinkgeld bringen. »Dann danke ich Ihnen im Namen meiner Mitarbeiter.« Ich ging hinüber und warf das Geld in den Sektkühler hinter der Kasse, der dafür vorgesehen war.

»Dann wären wir also fertig?«, fragte ich und schaute demonstrativ zu der großen Uhr hinter der Theke.

»Wir sind noch lange nicht fertig«, murmelte Rough, erhob sich und kam langsam auf mich zu.

Er machte mir keine Angst, ich wich auch nicht zurück, doch seine plötzliche Nähe verwirrte mich. Morgan hatte das Licht bereits gedimmt und hier, hinter dem Tresen der zum Wartebereich gehörte, war es sogar ganz ausgeschaltet, sodass Roughs Gesicht im Dunklen lag.

»Mister Rough, ich ...«

»Nenn mich einfach Rough, so wie alle anderen auch«, meinte er leise und nahm eine meiner Haarsträhnen in die Finger, zwirbelte sie.

»Was wollen Sie wirklich?«, fragte ich unbeteiligt. Ich war auf der Hut. Dieser Mann war mir ein Rätsel. Er erinnerte mich mit seinem ganzen Tun an einen Mann aus längst vergangener Zeit, und doch war er es nicht.

»Ich habe von einer gemeinsamen Freundin gehört, dass wir die gleiche Leidenschaft teilen.« Er schaute mich durchdringend an und sein Blick bannte mich.

Kaum merklich schnappte ich nach Luft. »Ich mag keine Filme«, meinte ich atemlos.

Er lachte hart auf. »Als wenn ich davon sprechen würde. Schauspiel ist mein Leben, meine Leidenschaft ist eine ganz andere.«

»Dann weiß ich nicht, worauf Sie hinauswollen.«

»Sagt dir der Name Love Guide etwas?«, fragte er sanft.

Meine Wangen wurden heiß. »Soweit ich gehört habe, ist es ein Club. Ein spezieller Club hier in London.«

»So? Ist er das? Deine roten Wangen verraten dich. Soviel ich weiß, bist du dort als Mitglied eingetragen.« Er griff nach meinem Handgelenk und schnupperte daran. »Mhm, du riechst einfach himmlisch.«

»Ja, nach Bratenfett und Knoblauch«, erwiderte ich barsch und versuchte, mein Handgelenk aus seinen Fingern zu lösen, doch ich hatte keine Chance.

»Also, gibst du zu, dass du dich im Love Guide bestens auskennst?« Er drückte einen kleinen Kuss auf mein Gelenk und duzte mich einfach weiter, obwohl ich nicht darauf einging.

»Das war einmal. Es ist lange her. Ich besuche dieses Etablissement nicht mehr. Meine Mitgliedschaft müsste längst erloschen sein.«

»Irrtum, sie wurde vor einem Monat um ein ganzes Jahr verlängert.«

Wie bitte? Und woher kannte er all diese Details?

»Sie wissen, dass es sich hier um vertrauliche Daten handelt? Wie kommen Sie an diese sensible Informationen?«, fragte ich erbost.

Er zog mich näher zu sich heran und ich war im Augenblick nicht in der Lage, mich dagegen zu wehren. Er beugte sich vor, strich mein Haar hinter das rechte Ohr und flüsterte: »Ich habe den Club vor einigen Tagen gekauft.«

»Das Love Guide gehört Regina Odell. Sie würde es nie verkaufen. Es ist sozusagen ihr Baby.«

»Wer behauptet, Liebe kann man nicht kaufen, der hatte bisher noch nicht genug Geld. Glaube mir, Reggi hat es mir verkauft. Und sie war es auch, die mir einen Tipp gegeben hat, als ich sie nach einer devoten Spielgefährtin gefragt habe.«

»Reggi? Niemals! Ich bin weder eine Sub, noch an irgendwelchen Aktivitäten interessiert. Sie kennt mich gut, kommt einmal die Woche zum Essen hierher. Ich glaube Ihnen kein einziges Wort.«

»Ich kann sie gerne anrufen, wenn du willst. Sie arbeitet jetzt für mich als Geschäftsführerin. Ich dachte, du hättest Lust, ihr mit mir zusammen einen Besuch abzustatten.«

»Mister Rough, was auch immer Sie meinen, in mir zu sehen, obwohl wir uns überhaupt nicht kennen, ich kann Ihnen versichern, Sie liegen falsch. Ich bin weder devot, noch auf der Suche nach einem dominanten Partner. Sie machen auch nicht den Eindruck, als würde es Ihnen an Gespielinnen fehlen, daher bitte ich Sie, jetzt endlich zu gehen.« Herausfordernd schaute ich ihn an.

»Du willst mir etwas abschlagen?« Er lachte laut auf. »Du wärst wirklich die Erste.«

»Es gibt für alles ein erstes Mal.«

»Wie wahr, und meines werde ich heute mir dir haben. Ich sehe dir förmlich an, dass deine devote Neigung aus dir herauswill. Ich weiß, dass du eine ganze Zeit regelmäßig den Club besucht hast und einen festen Partner hattest, doch das ist wohl vorbei. Jetzt bist du frei und ich will dich.«

Diese blanke Unverfrorenheit ließ mich heftig den Kopf schütteln. »Sie sind verrückt, wenn Sie denken, ich würde einfach so mit einem Kerl mitgehen, den ich nicht kenne. Ich werde mit Reggi ein ernstes Wort reden müssen. Ich bin doch keine Handelsware, die man sich einfach nimmt, wenn man es will.«

»Wenn du nicht so schüchtern wärst, hättest du letzte Woche schon meine Bekanntschaft gemacht. Da war ich mit Reggi zum Essen hier. Aber du hast dich nur kurz mit ihr unterhalten, ohne mich zu bemerken. Du bist wunderschön, und solltest dich nicht verstecken. Jeder Mann im Raum wollte dich, ich habe das förmlich gespürt. Hast du etwas mit diesem Kellner, der dich vorhin geküsst hat?«

»Morgan?« Der Gedanke daran ließ mich laut lachen. »Sorry, aber Morgan ... da liegen Sie ganz falsch.« Warum erzählte ich ihm das überhaupt?

»Sein Glück, sonst hätte ich ihn aus dem Verkehr ziehen müssen. Hast du eine Ahnung, wie schnell ein Genick brechen kann?« Der ernste Tonfall in seiner Stimme ließ mich aufhorchen. Er war verrückt. Wirklich. Ich schaute ihm ins Gesicht und seine hellen Augen leuchteten förmlich. Er meinte das wirklich ernst.

»Sie sind verrückt. Absolut. Sie werden jetzt mein Lokal verlassen und ich werde nach Hause fahren.« Ohne auf ihn zu achten, ging ich in das Büro, um die Kochjacke auszuziehen und meine Handtasche zu holen.

Als ich zum Hinterausgang kam, stand Rough lässig an der Wand gelehnt und schaute mich erwartungsvoll an. »Du hast doch nichts dagegen, wenn ich mit dir hier hinten hinausgehe? Vorne warten eine Menge Paparazzi. Du möchtest doch morgen sicherlich nicht ein gemeinsames Foto von uns in der Zeitung sehen.«

Ohne darauf zu antworten öffnete ich die Tür und ließ ihm den Vortritt. Dafür nahm er mir den Schlüssel aus der Hand und schloss die Tür ab. Das erwies sich jedoch als Fehler, denn er steckte meinen Schlüssel einfach in seine vordere Hosentasche.

»Hey, das ist meiner«, beschwerte ich mich und hielt ihm die Hand entgegen, damit er sie mir wieder aushändigte. »Gib sie mir zurück«, ging ich einfach zu einer vertrauten Anrede über.

»Hol sie dir doch«, meinte er und grinste breit. »Miss Emma Strong ist wohl doch nicht so strong, wie sie denkt!«, reizte er mich.

Das ließ ich mir nicht zwei Mal sagen, machte einen Schritt auf ihn zu und griff in seine Hosentasche. Sofort drängte er mich gegen die Wand, so fest, dass ich mich nicht wehren konnte. Meine Hand steckte immer noch in seiner Hose und er drückte sein Becken dagegen. Unwillkürlich bekam ich seine Erektion zu spüren. Erschrocken holte ich Luft und ein kleines Wimmern wollte meinen Lippen entweichen. Doch dann riss ich mich zusammen und blickte ihn kühl an.

»Ich weiß, dass du neugierig bist. Ich sehe es in deinen Augen. Aber ich lasse dir die Wahl, sag Nein und ich werde dich gehenlassen.« Er schien sich seiner Sache sehr sicher zu sein, denn die Art, wie er mich ansah, ließ daran keinen Zweifel.

Ich atmete schwer und mein Kopf war plötzlich vernebelt. »Und wenn ich nein sage?«, fragte ich leise provozierend, blickte ihn selbstsicher an.

Er beugte sich vor und flüsterte mir ins Ohr: »Komm mit mir. Wenn du so stark bist, wie du meinst, musst du ja keine Angst haben.« Dann nahm er einfach meine Hand und pfiff ein Taxi herbei, das auf der Straße an uns vorbeifuhr. Als plötzlich die Paparazzi um die Ecke bogen und auf uns zu rannten, hatte ich keine andere Wahl, und stieg in das wartende Auto.

Kapitel Zwei

EMMA

Ich kannte die Adresse. Das Taxi hielt vor einem unscheinbaren Gebäude im Ortsteil Kensington. Obwohl es ein großes viktorianisches Haus war, fiel es in der Gegend nicht sonderlich auf, da es in diesem wohlhabenden Stadtteil viele luxuriöse Häuser gab.

Mit Beklemmung stieg ich die Treppen zu der dunkelgrünen Haustür empor, und blickte auf den messingfarbenen Türklopfer, der tief vergrabene Erinnerungen ans Tageslicht brachte. Rough klopfte gegen die Tür, die augenblicklich geöffnet wurde, als hätte jemand dahinter gewartet. Ich wusste, es hatte jemand gewartet, weil das ganze Grundstück videoüberwacht wurde.

»Mister Rough, einen guten Abend.« Der Mitarbeiter verbeugte sich untertänig. Er trug einen Frack und weiße Handschuhe. »Miss Strong.« Er nickte mir zu und begrüßte auch mich. Als wäre es nicht bereits zwei Jahre her, dass ich das Gebäude zum letzten Mal betreten hatte. »Mistress Reggi erwartet Sie bereits.«

»Danke, Barnabas«, erwiderte Rough.

»Miss Strong. Es ist mir eine große Freude, Sie nach so langer Zeit wieder hier begrüßen zu dürfen.« Barnabas verbeugte sich tief.

»Vielen Dank, Barnabas.« Ich nickte ihm zu.

Ohne ihn weiter zu beachten, ging Rough auf die große Treppe zu, die unter anderem in das erste Obergeschoss führte. Hier hatte Reggi früher ihre Räume, ob das immer noch so war, wusste ich nicht. Auf der Treppe drehte sich Rough mir zu. »Man kennt dich hier also noch immer.« Ein Grinsen huschte über seine Lippen.

Ich verzog keine Miene, wollte aber meine Hand aus seiner befreien, was er jedoch nicht zuließ.

»Wie oft warst du früher hier?«, wollte er wissen.

»Vielleicht ein Mal in der Woche«, log ich.

»Ich weiß, dass es mehr als drei Mal die Woche war«, ertappte er mich bei meiner Lüge.

Abrupt blieb ich mitten im Flur stehen, der zu den Zimmern führte. »Was wird das hier?«, fragte ich wütend. »Wieso verfügst du über all diese Informationen? Wozu bin ich hier?«

»Beruhige dich. Ich bin der Einzige, der Zugang zu diesen Daten hat.«

»Wer bist du, dass dir das zusteht?«

»Ich bin der neue Inhaber des Love Guide und will über meine Mitglieder informiert sein.«

»Ich dachte, du bist ein Schauspieler?«, fragte ich misstrauisch und zog eine Augenbraue hoch.

»Ich habe viele Talente, schauspielern ist eines davon, ficken ein anderes.« Er blickte mich provozierend an.

»Tja, schade, dass ich weder an dem einen noch an dem anderen interessiert bin.« Wenn er glaubte, mich schockieren zu können, lag er so was von daneben.

So schnell, dass ich gar nicht reagieren konnte, packte er mich und drückte mich mit seinem Körper gegen die Wand. »Bevor die Nacht vorbei ist, wirst du mir gehören und nach mehr schreien, so wahr ich hier stehe«, flüsterte er mir ins Ohr. Dann nahm er wieder meine Hand und zerrte mich in das nächste Zimmer.

Erschrocken hielt ich inne, als ich Regina entdeckte, die hinter einem Schreibtisch saß und mich verblüfft ansah. »Emma, ich freue mich, dich nach so langer Zeit wiederzusehen.« Regina stand auf und strich ihr langes Kleid glatt.

»Meine Liebe.« Sie kam auf mich zu und küsste mich auf beide Wangen. Regina war eine vollbusige Rothaarige, älter als ich und ihre Stimme hörte sich an, als würde sie stündlich eine Packung Zigaretten inhalieren. Wir verstanden uns einmal sehr gut, waren so etwas wie Freundinnen geworden, doch hatten uns seit zwei Jahren nicht mehr gesehen, bis sie vor einigen Tagen in meinem Restaurant auftauchte . Ob sie mit Rough vögelte? Vermutlich nicht, denn sie waren sich zu ähnlich. Auch Reggi hatte eine dominante Ader.

»Reggi, was wird hier gespielt? Warum weiß Mister Rough so viele Einzelheiten über mich, die er gar nicht wissen dürfte?« Meine Stimme war nicht gerade freundlich und Regina schaute mich mitfühlend an. Sie hielt mich ein wenig von sich entfernt, blickte mir ernst in die Augen.

»Liebes, glaube mir, es hat alles seine Richtigkeit. Ich habe keine Informationen herausgegeben ... Rough ist jetzt der neue Besitzer des Clubs und er hat nun mal Zugang zu den Daten der Mitglieder.«

»Ich bin aber kein Mitglied mehr. Warum schleppt er mich hierher?«

»Falls es Euch interessiert, ich befinde mich ebenfalls im Raum, und kann euch hören«, meinte Rough ein wenig belustigt und lehnte sich mit verschränkten Armen lässig gegen den Schreibtisch, der vor dem großen Fenster stand, schlug die Knöchel übereinander.

»Nun, Rough hat mich nach einer möglichen Partnerin gefragt und als ich ihm ein paar Vorschläge unterbreitet habe, bist du ihm aufgefallen. Ich habe ihm sofort gesagt, dass du bereits mehr als zwei Jahren nicht mehr hier warst, aber er wollte dich unbedingt kennenlernen. Und da deine Mitgliedschaft verlängert wurde ...«

»Wer hat das veranlasst?« Ich war nicht in der Stimmung, mir lange Geschichten anzuhören.

»Sie wird automatisch verlängert, wenn der Mitgliedsbeitrag beglichen wird«, erläuterte Reggi, und blickte betreten zur Seite, als könne sie mir nicht ins Gesicht sehen.

»Ich bin mir aber sicher, dass ich den Beitrag nicht bezahlt habe. Ich verdiene zwar gut, aber dass ich hunderttausend Pfund einfach so ausgebe, ohne es zu bemerken, passiert mir mit Sicherheit nicht.«

Regina nickte zögerlich. »Wir wissen beide, wer den Betrag übernommen hat.«

Für Sekunden schloss ich die Augen. Auch das noch!