Verlag: Lyx.digital Kategorie: Gesellschafts- und Liebesromane Sprache: Deutsch Ausgabejahr: 2018

Das E-Book lesen Sie auf:

E-Reader EPUB für EUR 1,- kaufen
Tablet EPUB
Smartphone EPUB
Computer EPUB
Lesen Sie in der Cloud®
mit Legimi-Apps.
Warum lohnt es sich?
Hören Sie in der Cloud®
mit Legimi-Apps.
Warum lohnt es sich?

Leseprobe in angepasster Form herunterladen für:

Sicherung: Wasserzeichen E-Book-Leseprobe lesen

E-Book-Beschreibung The House Mate - Kendall Ryan

Sexy Väter sind die neuen Bad Boys Max Alexander ist ein erfolgreicher Geschäftsmann. In der Liebe aber hat er kein Glück. Und überhaupt gibt es nur eine "Frau" in seinem Leben: Seine kleine Tochter. Sie ist die Einzige, für die er alle Geduld und Fürsorge der Welt aufbringt. Doch die neue Nanny wird immer mehr zu einer Ablenkung, für die er eigentlich keine Zeit hat ... "Die perfekte Liebesgeschichte, um sie immer und immer wieder zu lesen." Shayna Renee's Spicy Reads Band 3 der Room-Mates-Reihe

Meinungen über das E-Book The House Mate - Kendall Ryan

E-Book-Leseprobe The House Mate - Kendall Ryan

Inhalt

TitelZu diesem Buch123456789101112131415161718192021222324EpilogDanksagungDie AutorinDie Romane von Kendall Ryan bei LYXImpressum

KENDALL RYAN

The House Mate

Roman

Ins Deutsche übertragen von Dorothee Danzmann

Zu diesem Buch

Sexy Väter sind die neuen Bad Boys

Max Alexander ist ein erfolgreicher Geschäftsmann. In der Liebe aber hat er kein Glück. Und überhaupt gibt es nur eine »Frau« in seinem Leben: Seine kleine Tochter Dylan. Sie ist die Einzige, für die er alle Geduld und Fürsorge der Welt aufbringt. Doch die neue Nanny wird immer mehr zu einer Ablenkung, für die er eigentlich keine Zeit hat …

1

Max

Ich war vierunddreißig Jahre alt und hatte in all der Zeit noch keine Frau gefunden, die es längere Zeit mit mir aushalten konnte.

Meine Freunde zogen mich gern damit auf und behaupteten, es läge an mir, ich hätte nun mal das Bindungsbedürfnis einer Stechmücke. Eine Einschätzung, gegen die ich nie protestierte, obwohl einiges dagegen sprach, denn immerhin hatte ich zehn Jahre lang erfolgreich als Ranger in der Armee gedient und in den Jahren danach ein kleines, aber erfolgreiches Unternehmen aufgebaut, auf das ich stolz war. Mit meiner Bereitschaft, mich einer Sache langfristig zu widmen, war alles in bester Ordnung. Wenn ich mich einmal für etwas entschieden hatte, dann war ich auch mit ganzem Herzen dabei.

Nein, das Problem mit mir und den Frauen lag woanders. Wenn ich mir vorstellte, Tag für Tag an dieselbe Frau gekettet zu sein und dann bedachte, welche Freiheiten ich ohne eine solche Bindung genoss, dann schien mir die Freiheit einfach unendlich viel attraktiver. Mir ging es gut, so wie die Dinge lagen. Ich konnte kommen und gehen, wie es mir gefiel, lange arbeiten, wenn die Firma es verlangte, und mich auch mal ein Wochenende lang absetzen, wenn mir danach war. Mein Leben war genau so, wie ich es wollte. Ich genoss es sehr und hatte keineswegs vor, in nächster Zeit etwas zu ändern.

»Wann hast du eigentlich das letzte Mal anständig gevögelt?«, erkundigte sich mein Freund und Mitarbeiter Matt, während er mir über den Rand seines Bierglases hinweg ein schiefes Grinsen zuwarf.

Mein Leben war einfach, und einfach fand ich gut. Kompliziert dagegen mochte ich gar nicht, und verwickelte Beziehungen und verworrene Gefühle waren schon überhaupt nicht mein Ding. In meiner Welt war ich der Mittelpunkt, und genau so wollte ich es auch haben. Klar war das egoistisch, und selbstverständlich wusste ich das auch, aber so empfand ich nun mal.

Matt schien ernsthaft auf eine Antwort zu warten. Als mir das klar wurde, fluchte ich leise und kippte einen Schluck Bier hinunter.

»Auf der Arbeit führst du dich jedenfalls in letzter Zeit auf wie ein mies gelauntes Arschloch«, fuhr Matt fort, womit er wohl die Dringlichkeit seiner Frage betonen wollte.

Mein Gott, geht’s noch ein bisschen deutlicher? Der Typ ist ungefähr so diskret wie ein Crack Junkie, der dringend den nächsten Schuss braucht. »Dir ist schon klar, dass du mit deinem Chef sprichst?« Ich warf ihm einen wütenden Blick zu, woraufhin mir Matt in aller Gelassenheit den Mittelfinger zeigte. Armleuchter.

Hinter uns lag eine lange Arbeitswoche, deren Ausklang wir am Tresen unserer Lieblingskneipe feierten. Wir endeten freitags oft hier, in der Fireside Lodge bekam man die besten Cheeseburger und das kälteste Bier. Eigentlich hätte der Besitzer unsere drei Stammhocker am Tresen gleich mit unseren Namen versehen können, so viel Zeit verbrachten wir auf ihnen.

»Gott sei Dank traut sich mal jemand, das laut zu sagen«, murmelte Zach, der Dritte in unserem Bund, leise, jedoch durchaus vernehmlich.

»Was denn? Ihr habt das durchgekaut und du hast die Arschkarte gezogen?«, erkundigte ich mich bei Matt. Die beiden mischten sich normalerweise nicht in mein Privatleben ein, nahmen andererseits aber auch kein Blatt vor den Mund, wenn es um meine Launen ging.

Obwohl mich die Fragerei im Moment nervte, waren Zach und Matt zwei prima Kerle, die für mich arbeiteten, seit ich vor drei Jahren auf gut Glück und mit kaum einem Cent in der Tasche meine Baufirma gegründet hatte. Sie hatten durch dick und dünn zu mir gehalten und, bis ich mir höhere Löhne leisten konnte, sogar weniger Gehalt akzeptiert, als sie eigentlich wert waren. Inzwischen verdienten wir alle ziemlich gut, hatten aber auch viele Aufträge zu bewältigen. Das mit der Bezahlung konnte man also wohl als relativ bezeichnen.

»Mal ernsthaft, Mann!« Matt starrte in sein halb leeres Bierglas. »Du könntest gut eine Frau in deinem Leben gebrauchen.«

»Oder zumindest in deinem Bett!«, warf Zach ein.

Eine Frau in meinem Leben? Auf keinen verdammten Fall, nein danke! Aber in meinem Bett? Das war unter Umständen nicht die schlechteste Idee, die die zwei je gehabt hatten. Wann hatte ich eigentlich das letzte Mal in meinem Bett angenehme weibliche Gesellschaft genossen? Wenn ich ehrlich sein wollte, war das wirklich schon ein bisschen her. Unter Umständen sogar zwei Monate? Mist, die beiden konnten recht haben – was ich natürlich auf keinen Fall zugeben würde.

»Ich verbuche das jetzt mal als nett gemeinten guten Rat«, knurrte ich ungehalten, um den Egos meiner Freunde nicht unnötig zu schmeicheln.

»Klasse! Weil da drüben nämlich eine echt hübsche steht und dich von Weitem anbaggert.« Matt stieß mir den Ellbogen in die Rippen.

Dabei deutete er mit den Augen vielsagend zum Billardtisch hin, ganz hinten in der Kneipe. Brav folgte ich seinem Blick. Richtig: Da stand mit provokant vorgeschobener Hüfte und markantem Lidstrich eine Blondine in megakurzen abgeschnittenen Shorts und rotem Tanktop, das Top so gefährlich weit ausgeschnitten, dass man freie Sicht auf den darunter sitzenden, spitzenbesetzten Push-up-BH genoss. Die Frau hielt intensiven Blickkontakt und war im Grunde nicht hundertpro mein Typ, was meinen Schwanz allerdings nicht groß zu interessieren schien. Dem man gerade in Aussicht gestellt hatte, sich doch an diesem Abend noch vergnügen zu dürfen, und er war voll dafür.

Ich holte tief Luft und riss mich mit Mühe von dem verlockenden Anblick los. So bekam ich noch mit, wie die beiden Männer rechts und links von mir einen verstohlen amüsierten Blick tauschten. Idioten!

Dreißig Minuten später saß die Blondine in der Fahrerkabine meines Pick-up und wir waren auf dem Weg zu mir nach Hause.

Dort angekommen fiel mein Blick als Erstes auf den etwas ramponierten Kleinwagen in meiner Einfahrt. Als ich am Morgen zur Arbeit gefahren war, hatte der noch nicht da gestanden. Ich parkte neben ihm auf der anderen Seite der Einfahrt und kletterte aus meinem Auto.

»Wartest du kurz?«, bat ich die Blondine. Sie nickte und ihre glänzend roten Lippen teilten sich zu einem Lächeln.

Ich stand schon fast an der Fahrertür des Kleinwagens, als die aufging und eine Frau ausstieg. Sie hatte dunkelblonde lange Haare, die ihr teilweise ins Gesicht hingen, aber ich wusste trotzdem, wer da vor mir stand. Diese hüpfenden Locken hätte ich überall wiedererkannt.

Der Anblick ließ mich wie angewurzelt stehen bleiben. »Jenn!« Wir waren vor einiger Zeit mal ein paar Monate miteinander gegangen, aber seitdem hatte ich sie nie wieder gesehen.

Mehr noch: Unsere unglückliche Trennung damals war einer der Gründe dafür, dass ich festen Beziehungen inzwischen lieber aus dem Weg ging. Sie hatte mehr gewollt, war für eine feste Bindung, Stabilität, letztendlich die Ehe bereit gewesen. Ich nicht. Die Erinnerung an unsere letzte Unterhaltung saß immer noch tief. Eine nette, drei Monate andauernde Affäre, ausgelöscht mit ein paar kurzen Worten.

»Was meinst du, willst du jemals sesshaft werden? Eine Familie gründen?«, hatte Jenn wissen wollen.

»Wahrscheinlich nicht.«

Meine Antwort mochte kalt geklungen haben, war aber nur ehrlich gewesen.

»Hallo Max«, begrüßte Jenn mich nun mit flacher, emotionsloser Stimme.

Ich hatte keinen blassen Schimmer, warum sie hier sein mochte. Aber irgendeinen Grund musste sie für ihr unerwartetes Aufkreuzen ja haben.

»Wie geht es dir? Alles so weit in Ordnung?« Ich warf meinem Date des Abends durch die Windschutzscheibe hindurch einen kurzen Blick zu. Das Lächeln der Blonden war inzwischen verblasst, sie beobachtete Jenn und mich neugierig und interessiert.

Jenn öffnete ihre hintere Wagentür und holte einen Babysitz heraus – mit einem schlafenden Kleinkind darin.

Was zum Henker!

Mein Herz schlug plötzlich dreimal so schnell und in meinem Magen bildete sich ein Kloß.

»Jenn?«, krächzte ich heiser.

»Sie ist von dir.« Sie stellte den Sitz vor meinen Füßen ab, ehe sie einen Schritt zurückwich.

Ich wagte nicht, auch nur einen Blick nach unten zu werfen. Um ehrlich zu sein: Ich konnte es einfach nicht über mich bringen, mir dieses Baby anzusehen, weil ich Angst davor hatte, mich in ihm zu erkennen. Konnte das wirklich meine Tochter sein? Sah sie aus wie ich? Nein, das war völlig unmöglich! Oder? Nach wie vor starrte ich Jenn an, versuchte zu kapieren, was zum Teufel hier los war.

Ein weiterer, leicht verunsicherter Blick Richtung Pick-up zeigte mir die Blondine, die das Geschehen inzwischen mit weit aufgerissenen Augen und offenem Mund verfolgte.

»Du kannst gern einen Test machen lassen, wenn du mir nicht glaubst, aber sie ist dein Kind.« Jenn wischte sich eine einsame Träne von der Wange, ehe sie eine Reisetasche aus dem Wagen holte und neben der Babyschale absetzte. »Es tut mir leid. Ich schaffe es einfach nicht mehr.«

Ich hörte zwar, was sie sagte, konnte die Worte allerdings nicht verarbeiten. »Wie meinst du das? Was soll das hier?«

»Ich schaffe es nicht, Max. Ich dachte, ich würde es schaffen, aber ich schaffe es nicht. Sie ist deine Tochter, also nimmst du sie jetzt.« Jenns Stimme zitterte ein wenig, als sie sich zu dem immer noch fest schlafenden Kind hinunterbeugte. Sie strich der Kleinen sanft über die Wange, drehte sich um, stieg in ihr Auto, und fuhr rückwärts aus meiner Einfahrt.

Das löste meine Erstarrung. »Jenn!« Mit wild fuchtelnden Armen setzte ich ihr nach, aber da stand ihr Wagen schon auf der Straße. Jenn legte den Vorwärtsgang ein und gab Gas, um mit quietschenden Reifen in der Nacht zu verschwinden.

Einmal tief Luft zu holen erwies sich als nicht so effektiv, wie ich gehofft hatte. Nach wie vor hatte ich das Gefühl, ein Zentner Blei auf meiner Brust würde mir den Atem abschnüren. Ich stand wie festgefroren in meiner Einfahrt und hätte beim besten Willen nicht sagen können, welcher Zug jetzt angebracht war und wie ich überhaupt in dieses Spiel geraten konnte.

Die Blondine kletterte aus meinem Pick-up und stellte sich neben mich, um das Baby zu meinen Füßen zu bewundern, das die ganze Zeit tief und fest geschlafen hatte.

»Was für ein süßes kleines Mädchen! Ist das deine Nichte oder so?«

Zum ersten Mal wagte auch ich einen Blick hinunter auf die Kleine. Die winzigen Lider zuckten, und als sie kurz ein im Strampler steckendes Bein streckte, um es gleich wieder zu entspannen, überkam mich urplötzlich das dringende Bedürfnis, sie sofort aus der kühlen Nachtluft hinein ins Haus zu bringen.

»Nein. Sie ist meine Tochter.« Ich hob den Babysitz auf. Meine Tochter – zwei Wörter, die mich in leise Panik versetzten. »Was soll ich denn jetzt machen?«, fragte ich, wobei sich die Frage eher an mich selbst richtete als an die Frau neben mir. Oder erkundigte ich mich hier beim Universum, das gerade mein Leben komplett auf den Kopf gestellt hatte?

Blondie zuckte die Achseln. »Ich muss mal pinkeln.«

Also eilten wir erst einmal alle drei ins Haus, wo ich die Trage mit dem Kind im Wohnzimmer auf dem Fußboden abstellte, ehe ich meiner Begleitung den Weg zur Gästetoilette im Flur zeigte.

Kurz darauf kam sie zu mir zurück, um sich auf die Zehenspitzen zu stellen und mir einen Kuss auf die Wange zu drücken. »Heute Abend läuft wohl nichts mehr, was?«

Ich nickte. »Das sehe ich auch so.«

»Ich ruf mir ein Taxi. Du solltest sie lieber ins Bett bringen.« Blondie fischte ein Handy aus der winzigen Jeans.

Ich musste innerlich stöhnen. Vor gerade mal fünf Minuten hatte ich nichts als Sex im Kopf gehabt, aber der fiel nun aus. Vielleicht ja nicht nur heute, vielleicht konnte ich ihn mir für den Rest meines Lebens abschminken! Verzweifelt stöhnte ich gleich noch einmal.

»Erledigt«, meldete sich die Blondine, die auf ihrem Handy ein paar Tasten gedrückt hatte. »Mich bist du dann bald los.«

Sie küsste mich noch einmal auf die Wange und ging nach draußen, um auf der Veranda auf das Taxi zu warten, während ich mich gegen eine Panikattacke wehrte. Was zum Teufel sollte ich jetzt tun?

Erst einmal errichtete ich auf meinem Bett mit ein paar Kissen ein Fort, dann versuchte ich, das Baby aus dem Kindersitz zu befreien. Keine einfache Sache bei dem bombensicheren Gurt, in dem sie hockte und der mir eher für eine Fallschirmspringerin geeignet schien als für ein schlafendes Kleinkind. Als die Kleine endlich frei war, legte ich sie zwischen die Kissen auf mein Bett. Ich selbst wollte im Gästezimmer schlafen, was ich ihr nicht zumuten mochte, da die Laken dort ziemlich staubig waren. Viel wusste ich zwar nicht über Babys, genau genommen hatte ich gar keine Ahnung, aber dass ihre Haut und ihre Lungen bestimmt zarter und empfindlicher sein dürften als die eines erwachsenen Mannes, das war selbst mir klar.

Sobald die Kleine im Bett lag, sah ich mir die Reisetasche an, die Jenn zusammen mit ihr abgeliefert hatte. Sie enthielt eine weiche rosa Decke, ein paar winzige Klamotten, einen Schnabelbecher, Windeln, Feuchttücher und ein zusammengefaltetes Blatt Papier. Ich faltete es auseinander und las den Text, den Jenn in ihrer ordentlichen, sauberen Handschrift verfasst hatte:

Max,

ich weiß, das kommt jetzt sehr überraschend. Es tut mir auch leid, sie einfach so bei dir abzuladen, aber du schaffst das schon. Das weiß ich. Damals hast du gedacht, du könntest es nicht, oder vielleicht hast du auch einfach die Verantwortung gescheut, andererseits bist du der stärkste Mann, den ich kenne, und du kriegst es bestimmt besser hin als ich. Da bin ich ganz sicher.

Sie heißt Dylan. Sie ist letzten Sonntag ein Jahr alt geworden. Sie schläft nach dem Mittagessen und sie wird gern gebadet.

In Liebe

Jenn.

Fassungslos drehte ich das Papier um. Das war alles? Mehr kam da nicht? Keine Anleitung, kein Handbuch, kein gar nichts? Ja, ja, ich kenne die Witze darüber, dass Männer sowieso nie Gebrauchsanweisungen lesen, aber in diesem Fall hätte ich wenigstens mal einen Blick drauf geworfen, das könnt ihr mir gern glauben.

Dass Jenn sie Dylan genannt hatte, versetzte mir einen kleinen Stich. Ich liebte Bob Dylan und seine Musik. Jenn wusste das, sie hatte mich oft und gern mit meinem Musikgeschmack aufgezogen, der ihrer Meinung nach aus dem letzten Jahrhundert stammte. Der Name, den sie meiner Tochter gegeben hatte, stellte indirekt eine Würdigung dar. Wenn sie zu so einer Geste bereit war, warum hatte sie dann die Schwangerschaft vor mir geheim gehalten? Warum hatte sie mir verschwiegen, dass sie mein Kind erwartete?

Mein Blick glitt hinüber zum Baby. Meine Tochter. Daran würde ich mich erst einmal gewöhnen müssen.

Ich wusste beim besten Willen nicht, was ich jetzt tun sollte, hoffte aber, der nächste Morgen würde mir zu neuen Erkenntnissen verhelfen.

***

Das Knirschen von Reifen auf dem Kies meiner Einfahrt ließ mich aufatmen. Dem Himmel sei Dank! Tiffany ist da.

Ich hatte bereits drei Becher Kaffee intus, war voll auf Speed und tigerte seit einer halben Stunde nervös im Wohnzimmer auf und ab.

Tiffany war meine Assistentin, sie arbeitete jetzt seit gut drei Jahren für mich. Sie sorgte dafür, dass Rechnungen pünktlich bezahlt wurden, gab Materialbestellungen auf und was am wichtigsten war: Sie sah zu, dass ich bei der Stange blieb. Da sie erfahrungsgemäß so gut wie alle Probleme lösen konnte, brauchte ich sie an diesem Tag, auch wenn sie eigentlich frei hatte.

Sie hatte einen Schlüssel und ließ sich wie immer selbst ins Haus ein. Nach all den Jahren der Zusammenarbeit gehörte Tiffany für mich fast schon zur Familie, zumindest war das für mich der Stand unserer Beziehung. »Wo brennt es denn?«, erkundigte sie sich jetzt, während sie sich gleich an der Haustür die Schuhe auszog.

Aber noch ehe ich ihre Frage beantworten konnte, hatte sie schon Dylan entdeckt, die im Wohnzimmer auf dem Fußboden saß und sich die Zeichentrickfilme für Kinder ansah, die samstagmorgens immer im Fernsehen liefen. Das hatte ich als Kind auch gern getan, nur kam es mir so vor, als seien das damals andere Filme gewesen. Lange nicht so brutal und voll von schlechtem, plumpem Humor. Eigentlich waren diese neuen Filme überhaupt nicht angemessen für ein Kind. Wir würden uns etwas Besseres einfallen lassen müssen.

»Max?« Tiffany schaffte es, meinen Namen wie eine Frage klingen zu lassen.

»Ich weiß, ich weiß. Setz dich lieber.«

Mit hochgezogenen Brauen, den Blick immer noch fest auf das kleine Mädchen vor dem Fernseher gerichtet, sank sie auf die Couch. »Ist sie … von dir?«

»Ja.«

Tiffany schluckte. »Jenn?«

Sie wusste alles über meinen verunglückten Beziehungsversuch. Mehr noch, sie hätte an einem gewissen Punkt nach meiner Trennung von Jenn fast mal die Rolle des Trostpflasters gespielt, als sie mich auf der Betriebsweihnachtsfeier küsste. Ziemlich leidenschaftlich noch dazu, und sie hatte mir an die Hose gegriffen. Also eigentlich an das, was in der Hose steckte. Woraufhin ich circa neunzig Sekunden lang das Denken meinem Schwanz überlassen und sie gepackt hatte, um sie in mein Büro zu manövrieren. Dort hatte ich ihren Kuss ebenso leidenschaftlich erwidert, war aber Gott sei Dank gerade noch in letzter Sekunde wieder zur Vernunft gekommen. Schließlich wollte ich auf keinen Fall unsere Arbeitsbeziehung gefährden! Also hatte ich mich sanft von Tiffany gelöst und es war nichts weiter passiert.

Jetzt fuhr ich mir seufzend mit der Hand über den Nacken. »Sie hat sie gestern Abend hier abgeladen. Sagte, sie würde es nicht mehr schaffen.«

Tiffany legte sich die Hand auf die Brust. »Wow! Heute brauche ich mal was Stärkeres als Kaffee!«, scherzte sie.

Ich setzte mich neben sie auf die Couch. »Du weißt, ich habe kein Talent darin, um Hilfe zu bitten.«

»Das stimmt. Bloß wirst du in diesem Fall welche brauchen.«

Ich nickte noch einmal.

»Was auch immer, Max. Du weißt, ich bin für dich da.«

Ich seufzte tief, fuhr mir mit der Hand über das Gesicht. Mein Blick wanderte hinunter zu Dylan, die immer noch gebannt auf das Geschehen auf dem Bildschirm starrte. Ich hatte ihr heute Morgen, nachdem sie aufgewacht war, die Windel gewechselt, ihr trockene Cheerios vorgesetzt und ihre Schnabeltasse mit Milch gefüllt. Sie hatte neugierig zugesehen, wie ich meinen Kaffee trank, und hatte dabei weder geweint, noch nach ihrer Mama verlangt. Das erleichterte mich einerseits, stimmte mich andererseits aber auch traurig. Im Grunde hatte ich keine Ahnung, was zu tun war, doch dafür, fand ich, war es bisher an und für sich ganz gut gelaufen.

»Okay, ich gebe nicht gern zu, dass ich Hilfe brauche«, sagte ich, »aber ich kann mich unmöglich um alles hier im Haus kümmern und gleichzeitig arbeiten gehen. Ich habe nachgedacht. In einen Kindergarten, wo sie niemanden kennt, will ich sie nicht stecken.«

Tiffany nickte.

Um ehrlich zu sein tat mir das Baby leid, weil seine Mama es verlassen hatte. Außerdem fühlte ich mich in vielerlei Hinsicht schuldig, weil ich in ihrem ersten Lebensjahr nichts von meiner Tochter gewusst hatte.

»Dann willst du sie also behalten«, stellte Tiffany fest. »Hier bei dir.«

»Ja.«

»Okay.« Sie tätschelte mir lächelnd die Hand. »Vielleicht wird es ja Zeit für einen Neuanfang, Max. Vielleicht wollte sich das Universum ein bisschen in dein Leben einmischen. Ich könnte mir vorstellen, dass hier gerade etwas richtig Gutes anfängt.«

»Du hast vollkommen recht!«

»Ach ja?« Tiffany strahlte mich an.

»Ja. Alles wird gut, bestimmt. Ich stelle ein Kindermädchen ein, eine Nanny. Ich bin bereit, sie gut zu bezahlen, aber dafür will ich auch die Beste der Besten. Das ist die perfekte Lösung. Ich kann mir von Zeit zu Zeit Arbeit mit nach Hause nehmen, damit ich mehr bei meinem Kind bin, und Dylan wird nicht von einem Ort zum nächsten abgeschoben.«

Tiffany runzelte die Stirn. »Oh! Okay. Ja, das ist eine gute Idee. Bete aber lieber, dass du eine findest, die gleich anfangen kann. Die meisten Leute haben eine vierzehntägige Kündigungsfrist.«

Tiffany hatte recht. Ich konnte einfach nur hoffen, dass irgendwer da draußen gleich Zeit für mich hatte, und musste darauf vertrauen, dass das Universum seine Sache gut machte und alle Einzelteile sauber sortiert hatte, damit mein Puzzle aufging.

2

Addison

»Was du brauchst, das ist ein Neuanfang, ein zweiter Versuch!« Meine beste Freundin Lara schmiss sich auf die Couch, auf der ich seit zwei Wochen nächtigte, riss mir die Bettdecke, unter der ich mich verstecken wollte, aus der Hand und warf mir eine weiße Papiertüte aus der Drogerie in den Schoß.

»Was soll das werden?« Grummelnd rieb ich mir den Schlaf aus den Augen.

»Das ist dein Start in ein neues und verbessertes Leben.«

Ich wühlte in der Tüte, die eine Packung lila Haarfärbemittel enthielt, dazu ein Fläschchen mit knallrosa Nagellack sowie ein halbes Dutzend Modemagazine, deren Titelblätter allesamt verkündeten, sie hätten todsichere Tipps dafür, wie man »ihn« an sich band und dafür sorgte, dass »er« nie genug von einem bekam.

Als ob!

Ich hielt die Schachtel mit dem Haarfärbemittel in die Luft und hob die Brauen: »Echt jetzt?«

»Verzweifelte Zeiten erfordern verzweifelte Maßnahmen. Einen Versuch ist es wert, dachte ich mir.« Lara zwinkerte mir zu.

»Und außerdem hast du gedacht, wenn ich mir die Haare nicht färben will, machen sich ein paar lila Strähnchen in deinen neuerdings blonden Locken bestimmt spitze«, spottete ich grinsend.

Was stimmte: Ein paar lila Strähnen im kompromisslos gerade geschnittenen platinblonden Bob würden zu Laras hellgrauen Augen ziemlich wild aussehen. Bei meinem ganz gewöhnlichen braunen Haar dagegen war Hopfen und Malz verloren. Das war so ungefähr das Gegenteil von wild.

»Du kennst mich einfach zu gut.« Lara schnappte sich eine der Zeitschriften und schlug sie auf. »Ich dachte, wir blättern uns ein bisschen durch die Modemagazine, vielleicht kommt uns ja die ein oder andere neue Idee. Wie man ein bisschen unkonventionell denken lernt und so. Sich zur Abwechslung mal mit was anderem beschäftigt, wenn du verstehst, was ich meine.« Demonstrativ jeden Blickkontakt mit mir meidend blätterte sie vor sich hin. »Mit etwas anderem als dem Vorfall.«

Richtig.

Der Vorfall.

Auf diesen sanften, unbestimmten Begriff hatten wir uns inzwischen stillschweigend geeinigt, wenn vom totalen, kompletten und katastrophalen Zusammenbruch meines Privatlebens die Rede war. Mental neigte ich natürlich zu einem weitaus drastischeren und treffenderen Vokabular, aber Addisons totale Apokalypse war für den alltäglichen Gebrauch wirklich ein bisschen zu wortgewaltig.

Nicht dass ich irgendjemanden für die Zerstörung meines Lebens verantwortlich machen konnte! Nein, die Schuld an der Apokalypse traf mich ganz allein. Alles hatte damit angefangen, dass mein Freund durch mich schwul geworden war.

Ich weiß, was ihr jetzt denkt: Das ist doch gar nicht möglich! Ich kann euch versichern, dass es durchaus möglich ist.

Ich bin der lebende Beweis.

Fast hätte ich Lara gefragt, ob sie mir die Zeitschriften auch deswegen mitgebracht hatte, weil sie hoffte, ich würde die Ratschläge darin beherzigen und lernen, wie man »ihn« unersättlich werden ließ und »ihn« dazu brachte, immer wieder zurückzukommen. Damit nicht auch gleich noch mein nächster fester Freund meinem persönlichen schlechten Karma zum Opfer fiel.

Aber die Frage verkniff ich mir lieber. Besser war es, die Magazine gleich ganz und gar zu ignorieren.

»Ich behalte den Nagellack.«

Lara nickte. »Dachte ich doch gleich, dass das dein Stil ist. Aber jetzt komm, schnapp dir eine Zeitschrift und fang an, dich schlauzumachen. Wir regeln jetzt nämlich dein Leben, und damit fangen wir gleich heute an.«

Ich schnaubte leise und verächtlich. »Und wie, bitte schön? Hast du eine Zeitmaschine?«

»Hör auf!« Lara hielt mir ein Magazin unter die Nase, das sie bei einem Quiz aufgeschlagen hatte. »Hier! Da kannst du rausfinden, welche Farben am besten für dich sind. Sollen wir damit anfangen? Man hält sich diese Probe hier gegen die Haut und dann sieht man, ob man ein Frühlingstyp ist oder Herbst oder …«

Ich ließ mich in die Kissen zurücksinken. »Du musst das nicht machen, Lara, das ist dir doch klar, oder? Du bist sowieso schon so nett zu mir, lässt mich hier wohnen und alles.«

Lara verdrehte die Augen, wie sie es immer tat, wenn ich ihre Gastfreundschaft zur Sprache brachte. »Das ist doch nun wirklich kein Problem, und ich weiß, du hättest dasselbe für mich getan, wenn mir so was passiert wäre.«

»Bloß dass es dir nie passieren würde.« Ich boxte das Kissen unter meinem Kopf zurecht und sah sie an. »Du machst es richtig, du bist schlau. Bleibst Single, hältst dich fern von der Männerwelt …«

»Als wäre das meine eigene Entscheidung!« Lara verdrehte schon wieder die Augen.

»Aber es wäre eine gute Entscheidung! Dann endet man wenigstens nicht ohne Wohnung, ohne Arbeit und ohne jeden Sexappeal bei der besten Freundin auf dem Sofa.« Ich pustete mir eine braune Haarsträhne aus dem Gesicht, und Lara packte mich aufgebracht am Handgelenk.

»Es ist nicht deine Schuld«, fauchte sie. »Du hast es einfach nicht gewusst!«

Nicht gewusst war die Untertreibung des Jahres.

Ich war zutiefst verstört. Am Boden. Zerstört.

Natürlich hätte mir, im Nachhinein betrachtet, das eine oder andere auffallen können. Kleinigkeiten im Grunde. Dass er im Schlafzimmer immer mal wieder Dinge ausprobieren wollte, die für mich, sagen wir mal, ungewöhnlich waren. Aber das hatte ich meiner relativen Unerfahrenheit zugeschrieben. Von der Hälfte der Dinge, die er vorschlug, hatte ich noch nie gehört, wollte aber gern mein Bestes geben, um ihm zu gefallen. Trotzdem hatte ich mich mit dem Umschnalldildo, den er mir zum Geburtstag geschenkt hatte, denkbar ungeschickt angestellt, was ihm gar nicht gefallen hatte. Überhaupt war er meistens eher frustriert gewesen, wenn ich mich bemüht hatte, meinen sorgsam konstruierten sexuellen Wohlfühlbereich für ihn zu verlassen. Und ich hatte mich danach stets noch etwas weniger als Frau gefühlt, noch stärker das Gefühl gehabt, gar keine eigenständige Person mehr zu sein. Ganz einfach deswegen, weil ich ihm wohl nicht geben konnte, was er wollte.

Vielleicht wäre alles anders gelaufen, wenn mir diese Zeitschriften schon früher in die Hände gefallen wären, vielleicht hätte ich das Ruder noch herumreißen können. Vielleicht hätte ich es dann fertiggebracht, die Dinge nicht so enden zu lassen, wie sie letztlich geendet hatten.

Vielleicht. Vielleicht aber auch nicht.

Mit angehaltenem Atem dachte ich zum x-ten Mal an die Nacht zurück, in der ich aufgewacht war und das Bett neben mir leer vorgefunden hatte. Nebenan lief leise der Fernseher, und dazu hörte ich das vertraute Quietschen unserer uralten, gebraucht gekauften Couch. Um das Wohlergehen meines Freundes besorgt, war ich aus dem Bett geklettert und ins Wohnzimmer geschlichen. Dort hatte ich meinen Liebsten in eindeutiger Pose auf dem Sofa vorgefunden, die Hand vorn in der Trainingshose, während im Fernsehen ein schwuler Porno zu sehen war.

»Was … was zum Teufel …?«, hatte ich stotternd zu wissen verlangt.

»Selber was zum Teufel!«, hatte er erwidert, was irgendwie keinen rechten Sinn ergab, fand ich. Mit weit aufgerissenen Augen, als hätte ihm jemand einen elektrischen Schlag versetzt, hatte er mit einem Ruck seine Hand aus der Hose gerissen.

»Stehst du … stehst du auf so was? Bist du … bist du etwa …« Ich hatte keinen richtigen Satz zustande gebracht, jedoch immer noch gehofft, es möge für alles eine Erklärung geben.

»Himmel, Addison!« Er hatte mir einen verächtlichen Blick zugeworfen. »Sei doch nicht so engstirnig! Fantasien sind etwas total anderes als die Realität. Glaubst du denn, wenn du dich als nuttige Krankenschwester verkleidest, denke ich gleich, du willst nur noch Ärzte vögeln?«

»Moment – was?« Ich fuhr mir mit der Hand über das Gesicht, weil ich seiner Logik wieder mal nicht folgen konnte. Gleichzeitig kämpfte ich mit den Tränen. »Nein, aber …« Erneut sprachlos geworden deutete ich auf den Fernseher.

»Damit ist es genauso. Ich dachte, meine Freundin würde das verstehen.«

Ich suchte nach den richtigen Worten, erstickte fast daran, brachte schließlich doch noch einen Satz zustande: »Lass mir ein bisschen Zeit, das zu verarbeiten, ja?«

Wenn ich ihn liebte, dürfte das hier für mich doch kein Problem sein, oder? Ich war jung. Und cool. Eine echt coole Freundin.

Nach dieser Nacht hatte ich ein bisschen recherchiert und festgestellt, dass ich nicht allein war. Er hatte recht, eine Menge Typen sahen sich schwule Pornos an, ohne gleich schwul zu sein. Das war irgendwie beruhigend, und so warf ich mich erneut mit ganzem Herzen auf meine Mission, ihn glücklich zu machen. Ich kaufte online ein paar Sachen und informierte mich über verschiedene Techniken, die wir dann auch ausprobierten. Aber hinterher fühlte ich mich jedes Mal nur noch zerbrochener. Noch unsicherer, was meine eigene Person und meine Fähigkeit betraf, ihn zu befriedigen.

Ich warf einen raschen Seitenblick auf Lara, wobei ich mich fragte, ob sie wohl auch gerade an meinen üblen Schlamassel denken musste. Aber Laras Blicke klebten praktisch an der stilisierten Zeichnung eines Mannes und den Pfeilen, die verdeutlichten, wo dessen erogene Zonen zu finden waren.

Hastig wandte ich mich wieder meinem eigenen Magazin zu und blätterte mich durch die glänzenden Seiten voller Reklame für Parfüms und Fotos von glücklichen, Salat futternden Frauen, bis ich bei einer Liste hängenblieb, in der verzeichnet stand, wie man am besten seiner »inneren Göttin« zu mehr Power verhalf.

Wenn ich diese Liste gekannt hätte, als ich noch mit Greg zusammen gewesen war, vielleicht hätte ich dann wenigstens einen Teil meines Selbstvertrauens und meiner Würde retten können und stünde jetzt nicht als der größte Trottel da, den die Welt je gesehen hatte.

»Okay. In Ordnung. Warum eigentlich nicht, ich kann es ja mal versuchen«, murmelte ich vor mich hin.

Rasch überflog ich die Liste, die sich im Wesentlichen auf Tipps zu beschränken schien, wie und wann ich im Laufe eines Tages auf kreative Weise über die Unterwäsche nachdenken konnte, die ich gerade trug. Seufzend sah ich auf. »Ich glaube, meine innere Göttin ist noch langweiliger als meine äußere.«

Lara schnalzte missbilligend mit der Zunge. »Lässt du das wohl mal sein!«

Im nächsten Artikel drehte sich alles um die Arbeit – wie man seinem Chef sagt, was man will, wie man im Job sexy bleibt, was für Unterwäsche man ins Büro anziehen sollte.

Das Wort Büro verursachte mir Magenkrämpfe.

»Glaubst du, diese Karrieretipps funktionieren wirklich?« Ich war bemüht, mir meine Panik nicht anmerken zu lassen. Mit Greg hatte ich nämlich nicht nur meine Beziehung verloren, sondern gleich auch noch meinen Job in dem kleinen Café, das er vor zwei Jahren eröffnet hatte. Damals war ich bereit gewesen, meine Träume erst einmal zu opfern, damit er die seinen verwirklichen konnte. Später dann, wenn er seine Ziele erreicht hatte, würden wir Zeit für mich finden. Wir waren doch Partner, also ging es darum, unserer beider Träume zu ermöglichen. Jedenfalls theoretisch.

Inzwischen war ich mir allerdings ziemlich sicher, dass ich für ihn lediglich eine billige Arbeitskraft gewesen war.

Schlimmer noch: Ich konnte mich kaum noch daran erinnern, was eigentlich damals die Träume gewesen waren, die ich für ihn aufgab. Ich hatte als Teenager und auch später als junge Erwachsene jeden Sommer in Ferienlagern gearbeitet, wo ich den Kids Gebärdensprache beigebracht und mit ihnen an Kunstprojekten gewerkelt hatte. Während der Schulzeit hatte ich nachmittags in einer Kindertagesstätte ausgeholfen und im Jugendzentrum unserer Gemeinde im Rahmen der außerschulischen Aktivitäten Freiwilligenarbeit geleistet.

Die Arbeit mit Kindern war wohl etwas, das mir einfach ganz natürlich in den Schoß gefallen war. Ich hatte ein paarmal mit Greg darüber gesprochen und ihn auf jeden Fall einmal auch ganz ausdrücklich gefragt, wie es denn wäre, wenn wir irgendwann mal verheiratet wären, ob ich dann Zeit haben würde, wieder zur Uni zu gehen und meine Lehrerausbildung zu beenden. Langfristig hatte ich mir vorstellen können, als Sprachtherapeutin zu arbeiten. Aber jetzt …

Jetzt war ich fünfundzwanzig und pleite. Und ich glaubte nicht, dass meine Unterwäsche – egal, wie schick – mir helfen würde, meine Berufswünsche wahr werden zu lassen. Ich musste mir einen Job suchen, und zwar schnell.

»Was war deine schlimmste Trennung?«, fragte ich Lara.

Die klappte blinzelnd ihre Zeitschrift zu. »Ich dachte, wir wollten darüber nicht mehr …«

»Tun wir auch nicht. Ich frage nach dir.«

Lara zuckte mit der kecken Nase und verzog die herzförmigen Lippen zu einem schiefen Grinsen. »Das war wahrscheinlich die von Tim Erickson. Meine erste Liebe auf der Highschool. Der hat mich kurz vor dem Schulball abserviert.«

»Wie bist du danach wieder auf die Beine gekommen? Was hast du gemacht? Was hat geholfen?«

»Ziemlich viel chinesisches Essen.«

Ich nickte weise.

»Und dann bin ich mit einem richtig heißen Typen auf den Ball.«

Ich hob die Brauen. »Ach ja?«