The Wild Ones - M. Leighton - E-Book

The Wild Ones E-Book

M. Leighton

4,4
8,99 €

oder
Beschreibung

Violet Wilson ist ein Mauerblümchen. Schüchtern, ernst und vom Pech verfolgt, hat sie die schlechte Angewohnheit, in jedes Fettnäpfchen zu treten. So auch, als sie ihre beste Freundin bei einem Treffen für Sexsüchtige "vertritt". Doch da lernt sie den Rockstar Jet Blevins kennen. Sie weiß, dass man sich mit einem wie ihm besser nicht einlässt, doch er berührt sie so, wie sie es sich niemals erträumt hätte, wie sie es niemals vermutet hätte. Und Violet ist die Frau, die Jet nicht vergessen kann, und das Einzige, was in ihm größere Begierde weckt als seine Sucht.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 403

Bewertungen
4,4 (42 Bewertungen)
26
8
8
0
0



ZUM BUCH

Violet Wilson ist ein Mauerblümchen. Schüchtern, ernst und vom Pech verfolgt, hat sie die schlechte Angewohnheit, zur falschen Zeit am falschen Ort zu sein. Jener Abend, an dem sie gezwungen ist, an Stelle ihrer Freundin zu schauspielern, ist vielleicht die schlimmste Episode – da lernt sie Jet Blevins kennen. Sie weiß, dass man sich mit einem wie ihm besser nicht einlässt, doch er berührt sie so, wie sie es sich niemals erträumt hätte.

Äußerlich ist Jet ein typischer Rocker, ein arroganter Lead-Gitarrist, der ohne Rücksicht auf Verluste einen wilden Lebensstil pflegt. Doch in seinem Innern kämpft er gegen Dämonen an und nutzt die Bühne, um dem Kummer seiner Vergangenheit und den Süchten zu entkommen, die seine Gegenwart prägen. Bis zu jenem Abend, an dem er Violet ganz hinten in der Menge entdeckt. Sie ist die Frau, die er nicht vergessen kann, und das Einzige, was in ihm größere Begierde weckt als seine Sucht.

Doch gibt es Hoffnung für sie beide, eine gemeinsame Zukunft aufbauen zu können, wenn die Basis dafür nur aus Lügen besteht?

ZUR AUTORIN

Michelle Leighton wurde in Ohio geboren und lebt heute im Süden der USA, wo sie den Sommer am Meer verbringt und im Winter regelmäßig den Schnee vermisst. Leighton verfügt bereits seit ihrer frühen Kindheit über eine lebendige Fantasie und fand erst im Schreiben einen adäquaten Weg, ihren lebhaften Ideen Ausdruck zu verleihen. Sie hat bereits 13 Romane geschrieben. Derzeit arbeitet sie an weiteren Folgebänden, wobei ihr ständig neue Ideen, aufregende Inhalte und einmalige Figuren für neue Buchprojekte in den Sinn kommen. Lassen Sie sich in die faszinierende Welt von Michelle Leighton entführen – eine Welt voller Überraschungen, ausdrucksstarker Charaktere und trickreicher Wendungen. Verheißung ist der Abschluss der THE-WILD-ONES-Serie.

LIEFERBARE TITEL

Addicted to you – Atemlos

Addicted to you – Schwerelos

Addicted to you – Bedingungslos

The Wild Ones – Verführung

The Wild Ones – Verlangen

M. Leighton

VERHEISSUNG

Roman

Aus dem Amerikanischen

von Ursula Pesch

WILHELM HEYNE VERLAG

MÜNCHEN

Die Originalausgabe erschien 2014 unter dem Titel

There’s wild, then there’s you bei Berkley.

Der Inhalt dieses E-Books ist urheberrechtlich geschützt und enthält technische Sicherungsmaßnahmen gegen unbefugte Nutzung. Die Entfernung dieser Sicherung sowie die Nutzung durch unbefugte Verarbeitung, Vervielfältigung, Verbreitung oder öffentliche Zugänglichmachung, insbesondere in elektronischer Form, ist untersagt und kann straf- und zivilrechtliche Sanktionen nach sich ziehen.

Sollte dieses E-Book Links auf Webseiten Dritter enthalten, so übernehmen wir für deren Inhalte keine Haftung, da wir uns diese nicht zu eigen machen, sondern lediglich auf deren Stand zum Zeitpunkt der Erstveröffentlichung dieses E-Books verweisen.

Taschenbucherstausgabe 01/2016

Copyright © 2014 by M. Leighton

Copyright © 2016 der deutschsprachigen Ausgabe by

Wilhelm Heyne Verlag, München,

in der Verlagsgruppe Random House GmbH

Redaktion: Melike Karamustafa

Umschlaggestaltung: yellowfarm gmbh, S. Freischem

unter Verwendung von Tim Voltio/ImageBrief.com

Satz: KompetenzCenter, Mönchengladbach

ISBN 978-3-641-16281-8V001

www.heyne.de

1

Violet

Ich beobachte, wie die Teilnehmer in den Reihen vor mir aufstehen und sich vorstellen, einer nach dem anderen.

Lieber Himmel! Wie bin ich da nur wieder reingeraten?

Ich weiß nicht, wieso ich mich das überhaupt frage. Ich kenne schließlich die Antwort. Ich helfe Menschen. Das ist nicht nur mein Beruf –, so bin ich eben.

Am Tag arbeite ich als Sozialarbeiterin und kann endlich das tun, wozu ich vier Jahre lang zur Schule gegangen bin – Menschen helfen. Und nachts bin ich Chauffeurin, Beraterin, Krankenschwester, Betreuerin, Nothelferin bei einer Selbstmord-Hotline und heute Abend sogar eine Abhängige.

Als der erste Teilnehmer in meiner Reihe aufsteht, dreht sich mir der Magen um, und ich halte noch einmal Ausschau nach Tia, meiner besten Freundin. Schließlich bin ich nur als moralische Stütze hergekommen. Als ihre moralische Stütze. Und sie ist immer noch nicht da.

Das habe ich jetzt davon, dass ich ihr zu helfen versuche, obwohl sie offensichtlich gar keine Hilfe will.

Tias Verlobter Dennis besteht darauf, dass sie an mindestens zehn Sitzungen der Suchthilfe teilnimmt, bevor die beiden heiraten. Das mag lächerlich klingen, ist aber sicher nicht zu viel verlangt, wenn man bedenkt, dass Tia ihn nicht nur einmal, zweimal, dreimal oder viermal betrogen hat. Nein, sogar ganze sechs Mal! Tia hat sich in den drei Jahren, die sie mit Dennis zusammen ist, sechs Mal betrunken und mit jemand anderem geschlafen. Sie hat es immer sofort bereut, geweint, es gebeichtet, sich entschuldigt. Doch das scheint sie nie davon abzuhalten, wenn sie mal wieder verrückt spielt und zufällig ein heißer Typ in der Nähe ist. Dabei hilft nicht gerade, dass sie einfach umwerfend aussieht – wie eine Barbiepuppe! Mit ihren langen blonden Haaren, den blassblauen Augen, der irrsinnigen Oberweite, einer beneidenswert schmalen Taille und unglaublich langen Beinen zieht sie unweigerlich die Blicke so gut wie aller männlichen Wesen in einem Umkreis von zehn Kilometern auf sich. Und das verstärkt Tias … Schwäche nur noch. Sie steht auf erste Küsse. Auf Schmetterlinge im Bauch. Aufregung. Und auf Wodka. Diese Kombination bringt ihr mehr Probleme, als ich hier aufzählen möchte. Und zwar nicht nur ihr, sondern auch mir.

So wie jetzt, wo ich mich in einer langen Reihe von Fremden befinde, die nacheinander aufstehen und erklären, wie sie heißen und warum sie hier sind, und ich als Nächste dran bin. Mir schwirrt der Kopf, als ich höre, wie die Frau neben mir erklärt, dass ihr Name Rhianne ist und sie seit elf Jahren süchtig ist. Die Leute klatschen (warum auch immer), und sie lächelt, bevor sie sich wieder setzt. Dann wird es still im Raum, und alle Blicke richten sich auf mich. Mir rutscht das Herz in die Hose.

Ich bin an der Reihe.

Langsam stehe ich auf. Ich lächle den Typen, der das Treffen leitet, zittrig an, und er nickt mir ermutigend zu. Ich räuspere mich und wische mir die feuchten Handflächen an der Jeans ab. Ich werfe einen schnellen Blick in all die aufmerksamen Gesichter und wünsche mir insgeheim, ich hätte es schon hinter mir.

In wenigen Augenblicken habe ich das ja auch …

Als ich plötzlich in atemberaubend blassblaue Augen schaue, vergesse ich beinahe, wo ich bin und was ich sagen soll. Zum Glück ist meine Rede kurz – und genau zur Hälfte unwahr. »Hi. Ich heiße Violet, und ich bin sexsüchtig.«

2

Jet

Als sie aufsteht, nimmt dieser Abend mit seiner Eintönigkeit und Hoffnungslosigkeit sofort eine Wendung zum Besseren. Ich beobachte, wie die kleine Brünette an ihren Fingern herumspielt, während sie sich im Raum umsieht. Sie wirkt schüchtern, ein Wesenszug, den ich eigentlich nicht mit den hier Anwesenden in Verbindung bringen würde. Doch es gibt einen Grund, weshalb sie hier ist, und auf den bin ich wahnsinnig neugierig.

Ich setze mich ein wenig aufrechter hin, während ich sie beobachte. Sie ist wirklich heiß – dunkles rotbraunes, locker zusammengestecktes Haar, eine zarte, an den Wangen leicht gerötete Haut, eine gerade Nase und perlweiße Zähne, die in ihre volle Unterlippe beißen. Sie ist klein, aber gut proportioniert – runde Brüste, flacher Bauch, fester Hintern, sehr lange Beine. Wenn ich sie so anschaue, bin ich froh, dass ich sie hier gefunden habe. Denn ich weiß, dass es da eine Sache gibt, die sie mag, und zwar sehr – und wer könnte sie besser verstehen als ich?

Ich beobachte, wie sie sich nervös die Handflächen an ihrer Jeans abwischt. Sie schaut sich um, und ich warte darauf, dass unsere Blicke sich treffen. Ich habe das Gefühl, unbedingt ihre Augen sehen zu müssen. Welche Farbe haben sie? Was werden sie über sie verraten? Als ihr Blick auf mich fällt, hält sie für den Bruchteil einer Sekunde inne. Und ich merke, dass ihre Augen genau so sind, wie ich gehofft hatte, nur dass mir das jetzt erst klar wird. Sie sind silbergrau, ein blasses Silbergrau. Rauchgrau. Sexy. In ihnen kann ich lesen, warum sie hier ist. Diese Augen haben etwas Wildes, etwas, das verrät, dass sich hinter diesem heißen und gleichzeitig unschuldigen, braven Äußeren etwas verbirgt, was darauf brennt, zum Vorschein zu kommen.

»Hi. Ich heiße Violet, und ich bin sexsüchtig.«

Ich würde am liebsten aufstöhnen. Gott, diese Stimme! Sie ist tief, rauchig und dazu bestimmt, im Dunkeln schmutzige Dinge zu flüstern. Und sie passt perfekt zu ihren Augen. Ich habe keinerlei Zweifel, dass es heute Abend viele feuchte Träume geben wird, in denen diese Stimme eine Rolle spielt. Ich bin jetzt noch faszinierter. Diese Frau ist eine ungewöhnliche und sehr attraktive Mischung aus keusch und wild, eine Kombination, der ich nie zuvor begegnet bin – und das will etwas heißen. Ich habe schon so gut wie jeden Frauentyp probiert, den diese Welt zu bieten hat. Oder zumindest hatte ich das geglaubt.

Wer hätte gedacht, dass ich schließlichausgerechnet hier eine finden würde, die mich wirklichinteressiert?

Ich kann den Blick nicht von ihr losreißen, bis sie sich wieder setzt und ihr Kopf zwischen den anderen Anwesenden verschwindet. Während weitere Teilnehmer aufstehen, um sich vorzustellen, weiß ich, dass ich die sexsüchtige Violet wiedersehen werde – und zwar aus allernächster Nähe und sehr bald, auch wenn dies zweifellos nicht ratsam ist.

3

Violet

Ich kann die Tür gar nicht schnell genug erreichen. Ich bin irritiert, fühle mich gedemütigt. Und ich bin eine schlechte Lügnerin. Mit gesenktem Kopf bahne ich mir den Weg durch die Menge.

Jemand stößt die Tür auf und lässt die kühle, frische Nachtluft hinein. Sie zerzaust mein Haar, und ich fühle mich von ihr angezogen wie die Motten vom Licht. Direkt vor mir wartet die Freiheit, und ich versuche, sie so schnell wie möglich zu erreichen. Aber ich bin nicht schnell genug. Kurz bevor ich mein Ziel erreichen kann, versperrt mir jemand den Weg. Ich sehe Beine in Jeans. Sie bewegen sich nicht. Ich schaue auf. Vor mir steht Lyle, der Leiter des Meetings, und lächelt.

»Lauf nicht gleich weg. Gib mir wenigstens die Chance, dich bei diesem Treffen willkommen zu heißen und ein bisschen zu erklären, was wir tun.«

Er deutet auf einen mit Keksen, Tassen und einem Kaffeespender gedeckten Tisch, um den die Teilnehmer herumstehen und plaudern. »Darf ich dir einen Drink ausgeben?«

Ich verkneife mir, seine Wortwahl zu kommentieren. Ironischerweise klingt sie wie eine billige Anmache. Und das vom Leiter einer Selbsthilfegruppe für Sexsüchtige. Während des Treffens.

Wenn das nicht komisch ist …

Doch statt mich zu seiner Unverfrorenheit zu äußern, lächle ich, nehme all meinen Mut zusammen und tische ihm eine wirklich gute Story auf. »Oh, nicht nötig. Ich bin bei Dutzenden solcher Meetings gewesen«, sage ich mit einer lässigen Handbewegung. »Ich habe die Sache mit dem Sex nun … äh … seit drei Jahren unter Kontrolle, und du brauchst deine Zeit nicht mit mir zu vergeuden, wo doch so viele andere hier sind, die deine Hilfe vielleicht nötiger haben.« Ich nicke ihm freundlich zu und versuche, mich an ihm vorbeizudrücken.

»Das sind gute Neuigkeiten! Herzlichen Glückwunsch! Unsere Gruppe könnte jemanden wie dich gebrauchen. Wir haben hier Leute in verschiedenen Stadien der zwölf Erfolgsschritte, aber nur wenige wie dich, die trotzdem noch regelmäßig zu den Treffen kommen.«

Ich spüre, wie Panik in mir hochsteigt. Ich hatte gedacht, mich mit meiner Geschichte aus der Affäre ziehen zu können und nicht noch weiter in diesen Schlamassel hineinzugeraten. Innerlich verfluche ich meine beste Freundin und ihre seltsamen Neigungen. Ich hätte wissen sollen, dass sie heute Abend nicht auftaucht. Doch jetzt bin ich hier, tische der Versammlung von Sexsüchtigen Lügen auf und erfinde wilde Geschichten, dass es mir gelungen ist, ein Sexproblem, das ich nicht hatte und garantiert nie haben werde, in den Griff zu bekommen. Ich bin heilfroh, dass meine Lüge anscheinend wenigstens überzeugend geklungen hat. Wahrscheinlich, weil es keine echte war. Zumindest nicht ganz. Seit mein Ex, Connelly, und ich uns vor drei Jahren getrennt haben, bin ich mit niemandem mehr zusammen gewesen, sodass ich im Grunde die Wahrheit gesagt habe – ich lebe sehr abstinent. Nur die Sache mit der »Sucht« strapaziert die Wahrheit ein wenig – na ja, wohl eher ziemlich heftig. Ich habe Connelly geliebt, doch er hätte mich nie im Leben in eine Sexsüchtige verwandeln können. Unser Liebesleben hatte eher etwas von einer Pflichtübung. Oder einem Geschenk. Einem Zugeständnis – meinem Zugeständnis an ihn. Ich schlief mit ihm, weil ich wusste, dass er es mochte, nicht weil ich wirklich viel davon hatte. Ich bin mir sicher, dass die anderen Anwesenden sich totlachen würden, wenn sie wüssten, wie ich wirklich im Bett bin – nämlich ziemlich gleichgültig. Aber das werden sie niemals herausfinden. Denn wenn ich hier erst mal raus bin – falls ich es jemals schaffen sollte, dieses Treffen zu verlassen –, werde ich nie wiederkommen. Tia wird die Gruppe ohne mich aufsuchen und die Sache allein durchstehen müssen. So wie ich heute.

»Es tut mir leid«, sage ich und versuche, nicht über meine heuchlerischen Worte zu stolpern, »aber ich habe gleich einen Termin.«

Lyle runzelt die Stirn, stellt aber keine weiteren Fragen. »Oh, okay. Aber ich hoffe, wir sehen dich wieder. Die Leute hier könnten von dir profitieren. Es ist gut, jemanden dabeizuhaben, der es geschafft und die Sucht besiegt hat.« Angesichts seines Lächelns fühlt sich meine Unehrlichkeit noch schlimmer an, aber ich versuche, mich nicht davon beeinflussen zu lassen.

»Danke. Ich, äh, ich … Tut mir leid, ich muss jetzt wirklich los.«

Ich gehe an ihm vorbei und hefte meinen Blick fest auf die Tür. Als ich sie fast erreicht habe und meine Anspannung langsam nachlässt, versperrt mir jemand anders den Weg in die Freiheit. Wieder bleibe ich stehen. Doch dieses Mal nicht, weil mich das Hindernis wirklich von der Tür fernhält, sondern weil ich für einen kurzen Moment gar nicht daran vorbeikommen will. Diese Augen … Ich erkenne sie sofort. Vielleicht träume ich später von ihnen. Vielleicht werde ich sie nie vergessen. Sie gehören dem Typen, der mich beobachtet hat, als ich aufgestanden bin. Sie haben mich schon in dem Moment verwirrt, aber jetzt, wo ich auch den Rest von ihm sehe, ist ihre Wirkung noch tausendmal schlimmer. Oder vielleicht auch tausendmal besser. Er ist groß, hat eine unglaubliche Präsenz, und der Sex-Appeal, den er ausstrahlt, verrät, dass er in dieser Gruppe richtig aufgehoben ist. Ich bezweifle einen Moment lang, dass er überhaupt echt ist. Dass er mehr ist als ein Produkt meiner Einbildung. Alles an ihm ist eine Einladung – seine Augen, sein Lächeln, seine Haltung. Von den in alle Richtungen abstehenden schwarzen Haaren und den umwerfend blauen Augen bis hin zu den perfekten Lippen und dem höflich lässigen Lächeln übt er eine Anziehungskraft auf mich aus, wie es noch nie jemand getan hat. Doch er riecht auch nach Gefahr und Genusssucht, zwei Dinge, die ich meide wie die Pest. Zwei Dinge, die ich noch nie nicht meiden wollte. Bis jetzt.

Während wir einander anstarren, frage ich mich, ob er mich gleich anspricht. Und falls ja, was er sagen wird. Schließlich sind wir bei einem Treffen für Sexsüchtige. Andere Teilnehmer abzuschleppen wird hier garantiert nicht gern gesehen. Doch bevor ich weiter darüber nachdenken kann, lächelt er höflich, tritt zur Seite und streckt den Arm aus, um die Tür für mich aufzustoßen. Ich muss zugeben, dass ich ein bisschen enttäuscht bin, was dumm ist. Ich sollte froh sein, dass er mir bei meiner Flucht hilft und sie nicht noch behindert. Doch das bin ich nicht, als ich sein Lächeln erwidere und einen Schritt vorwärtsgehe. Überhaupt nicht. Ich bin so in meine Gedanken versunken und fasziniert, dass es kein Wunder ist, dass ich über meine eigenen Füße stolpere, als ich an ihm vorbeigehe, und beinahe auf ihn falle.

Schnell wie der Blitz greift er nach mir und stützt mich, bevor ich mich noch mehr blamieren kann.

»Oh Gott, es tut mir so leid.« Ich spüre, dass ich knallrot werde, und halte den Blick gesenkt, als ich wieder sicher auf den Beinen stehe.

»Du brauchst dich nicht zu entschuldigen«, sagt er mit tiefer Stimme.

Ich lecke mir über die Lippen, bevor ich den Blick hebe. Irgendwie weiß ich, dass ich mich umdrehen und wegrennen, auf die üblichen Höflichkeiten und Nettigkeiten verzichten sollte. Etwas in mir, ein tiefer und selten genutzter Instinkt, sagt mir, dass ich für immer verloren sein werde, wenn ich in diese Augen sehe. Es macht keinen Sinn, doch ich weiß es so sicher, wie ich meinen Namen und meine Augenfarbe kenne und die Tatsache, dass sich meine Haare nicht bändigen lassen, wenn es draußen regnet. Wider besseres Wissen tue ich es trotzdem. Ich blicke ganz langsam auf, bis ich auf ein so unergründliches Blau stoße, dass ich das Gefühl habe, ich könne darin eintauchen und nie den Grund erreichen. Als könne ich darin ertrinken, ohne es auch nur zu bemerken. Aber ich darf das nicht tun. Ich darf nicht darin eintauchen. Nicht bei einem Typen wie diesem. Ich habe miterlebt, was so jemand anrichten kann – einen gesunden, fähigen Menschen in ein Wrack verwandeln.

»Ich bin Jet«, sagt er leise, ohne auch nur einen Moment lang den Blick abzuwenden.

Jet. Selbst sein Name ist unglaublich sexy. Ich fühle mich noch unbehaglicher. Lächerlich, spottet meine rationale, besonnene, leicht hämische Seite und erinnert mich daran, dass Typen wie dieser hier Raubtiere sind. Ein Mann von der Sorte: Nimm sie und verlass sie. Und er ist allem Anschein nach noch schlimmer als die meisten, was seine Anwesenheit hier beweisen sollte. Offensichtlich hat er ein echtes Problem.

Ich weiche ein wenig zurück und lächle ihn verkrampft an. »Violet. Nett, dich kennenzulernen«, sage ich und füge schnell hinzu: »Entschuldigung!« Ich streife mir meine vertraute nüchterne Art über, die mich wie ein Schutzschild all diese Jahre vor Schaden bewahrt hat. Sie hat mich noch nie im Stich gelassen. Und wird es auch jetzt nicht tun. Mit erhobenem Haupt, geradem Rücken und undurchdringlichem Blick schreite ich an dem dunkelhaarigen Fremden vorbei. Mit jedem Schritt beschließe ich, ihn aus meinen Kopf zu verbannen und nie wieder an ihn zu denken.

Bis er erneut etwas sagt. Seine Worte zerfetzen meinen tapfer hochgehaltenen Schild wie Panzermunition. »Er ist eine Abkürzung«, ruft er mir hinterher.

Verwirrt drehe ich mich um. Ich weiß, dass ich es nicht sollte, aber ich kann nichts dagegen tun. »Wie bitte?«

»Mein Name. Das ist eine Abkürzung.«

»Eine Abkürzung wovon?«

Ich beobachte, wie er auf mich zukommt und den Abstand, den ich gerade geschaffen habe, wieder verringert. Er bleibt nur wenige Zentimeter vor mir stehen, beugt sich leicht herunter und verzieht die Mundwinkel zu einem ironischen Grinsen. »Jethro.«

Und mit einem Mal ist er menschlich. Und verletzlich. Und nicht mehr vollkommen perfekt. Und noch gefährlicher für mich als zuvor.

4

Jet

Zuerst dachte ich, sie würde einfach weggehen. Mich ignorieren. Was mir noch nie passiert ist. Kein einziges Mal. Deswegen habe ich ihr wohl meinen Namen gesagt. Meinen richtigen Namen. Normalerweise hüte ich ihn wie einen Schatz. Und doch habe ich ihn gerade diesem Mädchen verraten. Weil sie nicht auf mich reagiert hat.

Gott, wieso giere ich eigentlich immer so nach Aufmerksamkeit?

Doch mein Instinkt war offensichtlich goldrichtig. Meine ungewöhnliche und überraschend impulsive Enthüllung hat funktioniert. Ich sehe die Veränderung in ihrem Gesicht, in ihren Augen, als meine Worte die Wand durchdringen, die sie um sich herum errichtet hat. Es ist nur die Andeutung eines Lächelns, aber es ist offen und mitfühlend.

»Wirklich?«

Ich seufze übertrieben. »Wirklich! Verstehst du jetzt, warum ich mich für ›Jet‹ entschieden habe?«

Ihr Lächeln wird breiter und bringt ein Grübchen in ihrem Mundwinkel zum Vorschein. Mein erster Gedanke ist, dass ich gerne daran lecken würde. Mein zweiter, wie sie wohl darauf reagieren würde. Mich schlagen? Verfluchen? Küssen? Mit mir nach draußen gehen und mich bitten, endlich zwischen diese langen Beine zu kommen? Bei einem wandelnden Widerspruch wie dieser Frau lässt sich das nur schwer sagen, doch ich will es unbedingt herausfinden.

5

Violet

Ein paar Sekunden lang fühlt sich mein Herz leicht an. Ich denke nicht an ernste Angelegenheiten, konzentriere mich nicht darauf, verantwortungsvoll zu handeln. Ein paar Sekunden lang bin ich nicht abwehrend, überlege nicht, wie ich es vermeiden kann, in die selbstzerstörerischen Gewohnheiten von jemand anderem mit hineingezogen zu werden. Ein paar Sekunden lang bin ich glücklich und sorgenfrei. Ausgelassen. Impulsiv. Eher wie die Freunde und Familienangehörigen, von denen ich schon mein Leben lang umgeben bin, diejenigen, die sich nie Gedanken um irgendwelche Konsequenzen oder darum machen, was morgen passiert. Aber so bin ich nicht. Bin es nie gewesen. Ich bin nicht diese Artvon Mädchen – eines, das länger als nötig bei einem Treffen der Anonymen Sexsüchtigen herumhängen würde, um mit irgendjemandem zu sprechen. Ich habe bisher keinen Typen so umwerfend gefunden. Bin nie wirklich interessiert gewesen. Und jetzt stehe ich hier und denke, dass ich nichts lieber tun würde, als hierzubleiben und mit diesem gut aussehenden Fremden zu reden, der plötzlich den Eindruck auf mich macht, als stecke mehr ihn ihm, als auf Anhieb zu erkennen ist. Doch sofort schrillen bei mir alle Alarmglocken, und ich erinnere mich daran, dass dies eine der Situationen ist, die ein Mädchen in Schwierigkeiten bringen kann. Ich habe das viel zu oft miterlebt. Es kostet mich große Mühe, den Blick von ihm loszureißen, doch ich tue es. Ich erwarte, dass ich sofort wieder einen klaren Kopf bekomme und mich mehr wie ich selbst fühle, aber das tue ich nicht. Ich sehe noch immer das durchdringende Blau vor mir, als würde ich nach wie vor hineinstarren. Ich halte den Kopf gesenkt, um nicht das Risiko einzugehen, ihm wieder in die Augen zu sehen, und krame umständlich in meiner Tasche nach den Schlüsseln. »Schön, dich kennengelernt zu haben, Jet.« Ich schaue nur gerade so lange hoch, dass ich an ihm vorbeikomme. »Einen schönen Abend noch.«

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!