The Wingman - Stephanie Archer - E-Book

The Wingman E-Book

Stephanie Archer

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Beschreibung

Er ist ihr bester Freund. Ihr Flirt-Coach. Und plötzlich alles, was sie will.

Darcy Andersen ist frisch getrennt, unsicher und bereit, endlich das Datingleben voll auszukosten. An ihrer Seite: Hayden Owens, Eishockey-Profi, attraktiver Frauenschwarm – und ihr langjähriger bester Freund. Als ihr persönlicher Wingman bringt er Darcy alles bei, was sie seiner Meinung nach über Männer wissen muss. Hayden versteht sich darauf, Herzen zu erobern – aber nicht darauf, was er mit seinem eigenen anfangen soll, sobald Darcy tatsächlich mit anderen Männern flirtet. Ihre Küsse sind nur Training. Das gemeinsame Bett ist nur praktisch. Und das vibrierende Spielzeug? Nur ein Gefallen für eine Freundin … Oder? Die Grenzen verschwimmen immer mehr, und bald muss Darcy sich fragen, ob Hayden nicht schon lange sehr viel mehr für sie ist als ein guter Freund …

Enthaltene Tropes: Sports Romance, Friends to Lovers, He Falls First, One Bed, Spicy Romance
Spice-Level: 4 von 5

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EPUB
MOBI

Seitenzahl: 551

Veröffentlichungsjahr: 2026

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Das Buch

Darcy Andersen ist frisch getrennt, unsicher und bereit, endlich das Datingleben voll auszukosten. An ihrer Seite: Hayden Owens, Eishockey-Profi, attraktiver Frauenschwarm – und ihr langjähriger bester Freund. Als ihr persönlicher Wingman bringt er Darcy alles bei, was sie seiner Meinung nach über Männer wissen muss. Hayden versteht sich darauf, Herzen zu erobern – aber nicht darauf, was er mit seinem eigenen anfangen soll, sobald Darcy tatsächlich mit anderen Männern flirtet. Ihre Küsse sind nur Training. Das gemeinsame Bett ist nur praktisch. Und das vibrierende Spielzeug? Nur ein Gefallen für eine Freundin … Oder? Die Grenzen verschwimmen immer mehr, und bald muss Darcy sich fragen, ob Hayden nicht schon lange sehr viel mehr für sie ist als ein guter Freund …

Die Autorin

Stephanie Archer schreibt spicy Liebesromane mit authentischen Dialogen, Witz und garantierten Happy Ends. Sie glaubt an die Macht sturer Frauen, eines frischen Haarschnitts, von Freundschaft und von Liebe. Mit Mann und Hund lebt sie in Vancouver.

Lieferbare Titel

Behind the Net

The Fake Out

Stephanie Archer

The Wingman

Vancouver Storm

Band 3

Aus dem Amerikanischen von Silvia Kinkel

WILHELMHEYNEVERLAGMÜNCHEN

Die Originalausgabe THEWINGMAN erschien erstmals 2025 bei Dell, USA.

Der Verlag behält sich die Verwertung der urheberrechtlich geschützten Inhalte dieses Werkes für Zwecke des Text- und Data-Minings nach § 44 b UrhG ausdrücklich vor. Jegliche unbefugte Nutzung ist hiermit ausgeschlossen.

Der Inhalt dieses E-Books ist urheberrechtlich geschützt und enthält technische Sicherungsmaßnahmen gegen unbefugte Nutzung. Die Entfernung dieser Sicherung sowie die Nutzung durch unbefugte Verarbeitung, Vervielfältigung, Verbreitung oder öffentliche Zugänglichmachung, insbesondere in elektronischer Form, ist untersagt und kann straf- und zivilrechtliche Sanktionen nach sich ziehen.

Deutsche Erstausgabe 03/2026

Copyright © 2025 by Stephanie Archer

Published by Arrangement with 1 431 880 B.C. LTD

Copyright © 2026 der deutschsprachigen Ausgabe by Wilhelm Heyne Verlag, München, in der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH, Neumarkter Straße 28, 81673 München

[email protected]

(Vorstehende Angaben sind zugleich Pflichtinformationen nach GPSR.)

Redaktion: Anita Hirtreiter

Umschlaggestaltung: Nele Schütz Design nach dem Originalcoverdesign von Echo Grayce, Wildheart Graphics unter Verwendung einer Illustration von Chloe Quinn

Satz und E-Book Produktion: Satzwerk Huber, Germering

ISBN: 978-3-641-33660-8V001

www.heyne.de

Einige Details aus der Welt des professionellen Eishockeys wurden zum Zweck des besseren Lesevergnügens angepasst.

Diese Liebesgeschichte enthält explizite Inhalte und potenziell triggernde Themen. Für eine detailliertere Liste der Content Warnings scannt den QR-Code oder besucht:

stephaniearcherauthor.com/content-warnings

Für Aimee Cox, die ihre zweite Chance nicht verschenkt hat.

Kapitel 1

Hayden

»Hör auf, Darcy so anzustarren«, ermahnt mich Jordan, während sie mein leeres Bierglas gegen ein neues tauscht.

Ich reiße den Blick von dem Tisch drei Reihen weiter los, wo meine beste Freundin und Mitbewohnerin mit einem Typen auf einem Date ist, dessen Augen ständig zu ihren Brüsten wandern.

»Das tue ich doch gar nicht.«

Mein Blick fällt wieder auf Darcys blonde Haare, die im schummrigen Licht der Bar leuchten. Es ist ihr erstes Date nach der geplatzten Verlobung mit meinem besten Freund Kit. Sie sitzt mit dem Rücken zu mir, also kann ich ihr Gesicht nicht sehen.

»Was hältst du von ihm?«, frage ich Jordan. »Ich glaube nicht, dass sie bisher auch nur einmal gelacht hat.«

Darcys Date textet sie unablässig zu.

Jordan verdreht die Augen. »Ihr geht’s gut.«

»Das weiß ich auch.«

Als Barkeeperin und Besitzerin des Filthy Flamingo, der Bar, in der wir uns nach den Spielen von Vancouver Storm oft herumtreiben, hat Jordan mit Ende zwanzig schon viele katastrophale Dates miterlebt.

Aber auf einem Date sollte es Darcy mehr als nur »gut« gehen. Der Typ sollte ihr zu Füßen liegen und alles tun, um ihre Aufmerksamkeit zu gewinnen. Darcy Andersen ist eine absolute Traumfrau: klug, witzig und hübsch – mit wunderschönem, hellblondem Haar, meergrünen Augen und einer süßen Stupsnase. Und sie ist ein großer Fan der Romantasy-Bände The Northern Sword.

So haben wir uns auch kennengelernt – vor acht Jahren, als ich mich im ersten Jahr an der Uni im Seminar für englische Literatur neben sie gesetzt habe, weil sie ein T-Shirt mit dem Aufdruck der Buchreihe trug.

Darcy wird im Handumdrehen wieder vergeben sein.

Nicht, dass es mich stört. Aber es ist einfach schön, sie ganz für mich zu haben, nachdem sie vier Jahre lang mit Kit in Calgary gewohnt hat.

Jordan zieht die Augenbrauen hoch. »Und warum hockst du dann hier wie ein überfürsorglicher Vater?«

Ich spüre ein Ziehen in der Magengegend, schenke ihr aber ein schräges, selbstbewusstes Grinsen. »Was denn, darf ich nicht mal allein was trinken?«

»Sonst bist du nie allein, du Partylöwe.«

Ich stoße ein kurzes, angespanntes Lachen aus. Wusste ich’s doch, wir hätten woanders hingehen sollen.

Beim Eishockeyteam Vancouver Storm bin ich die Stimmungskanone. Der Typ, der alle überredet, nach den Spielen ins Filthy Flamingo zu gehen. Diese abgewrackte kleine Bar mit Bandpostern, billigem Bier und Lichterketten an der Decke ist unser Lieblingstreffpunkt. Hier werden wir selten erkannt, und selbst wenn, würde sich keiner trauen, in Jordans Gegenwart etwas zu sagen.

Aber Darcy wollte unbedingt hierher.

»Ich habe Kit versprochen, dass ich nach der Trennung auf sie aufpasse.« Ich reibe mir den Nacken. Seit wir Teenager sind, spielen er und ich gemeinsam Eishockey. Kit ist mein engster Freund – auch wenn wir inzwischen in verschiedenen NHL-Teams unter Vertrag sind.

»Und weil sie heute nervös war, habe ich angeboten, ein paar Tische weiter weg den Wachhund zu spielen.«

»Den Wachhund?«

»Ja. Falls was passiert.« Ich klinge defensiv, also setze ich schnell wieder dieses überhebliche Grinsen auf. »Ich kann sehr einschüchternd sein.«

Als Verteidiger bin ich ein großer Kerl. Ich arbeite mit den besten Athletiktrainern, Ernährungsberatern und Coaches im Profisport – und das macht sich bemerkbar.

»Ja, klar.« Sie schnaubt mit ausdruckslosem Blick. »Du bist echt Furcht einflößend.«

Diesmal schenke ich ihr ein charmantes Grinsen. »Ich gehe mal schauen, worüber sie reden.«

»Owens, lass sie in Ruhe.«

Ich hebe die Hände. »Ich mische mich nur ein, wenn sie mir ein Zeichen gibt, versprochen.«

Schieb einfach deinen Untersetzer vom Tisch, habe ich Darcy vorhin gesagt und sie damit zum Lachen gebracht, dann rufe ich dich wegen eines angeblichen Notfalls an.

Jordan schüttelt den Kopf, doch sie schaut mich amüsiert an. »Ihr zwei seid echt lächerlich.«

Während Jordan zurück zur Bar geht, wandert mein Blick wieder zu Darcy.

Sie zupft an ihrem Ärmel herum, rutscht auf ihrem Platz hin und her, wirft einen Blick über ihre Schulter.

Mit dem Bierglas in der Hand verharre ich mitten in der Bewegung.

Der Typ sagt etwas, das ihre Schultern vor Anspannung zucken lässt. Sofort bin ich in höchster Alarmbereitschaft und wünschte, ich könnte Lippenlesen. In dem Moment fliegt ihr Pappuntersetzer vom Tisch und landet auf dem Boden. Ich verziehe den Mund zu einem Grinsen, und ich drücke mein Handy ans Ohr, als es bei ihr klingelt.

»Hallo?«, meldet sie sich mit nervöser Stimme.

»Irgendwas, irgendeine Ausrede.«

Sie keucht erschrocken, und mein Grinsen wird breiter, während ich auf ihren Hinterkopf starre. »O mein Gott. Was? Bist du okay?«

»Mein Handy hat kaum noch Akku, und ich wollte lieber dir Bescheid geben, anstatt den Notruf zu wählen.« Das macht richtig Spaß, und ich lächle dümmlich vor mich hin. »Ich konnte an der Seite des Gebäudes runterklettern, aber wie du weißt, wohne ich im Penthouse, und ich bin nackt.«

»Du wurdest von einem Auto angefahren?« Ich kann hören, wie sie versucht, ein Lachen zu unterdrücken.

»Ja. Nackt. Ich habe meine Muskeln spielen lassen, und der Fahrer wurde abgelenkt. Es gab einen Auffahrunfall mit zehn Fahrzeugen.«

»Und jetzt bist du im Krankenhaus?«

»Jepp, und alle starren die ganze Zeit auf meinen Waschbrettbauch.« Ich seufze. »Ich komme mir vor wie ein Objekt – wie ein Stück Fleisch. Keine Ahnung, wie ich das ohne dich schaffen soll.«

Aus drei Tischen Entfernung spüre ich, wie sie die Augen verdreht. Im Gegensatz zu mir ist sie ein wenig schamhaft.

Sie kaschiert ihr Lachen durch ein Husten. »Du Armer. Das klingt echt gruselig. Ich bin gleich da. Und, Hayden?«

»Ja, Darce?«

»Nicht weinen, alles wird gut.«

Sie legt auf, und ich muss leise lachen.

Na bitte, wir beide sollten etwas machen, statt dass sie auf irgendeinem Date mit einem Typen ist, der gar nicht aufhören kann, ihr auf die Brüste zu glotzen.

######

»Nackt auf der Terrasse?« Etwa dreißig Sekunden, nachdem sie mit dem Typen an mir vorbeigegangen ist, kommt Darcy zurück und setzt sich auf die Bank mir gegenüber. »Echt jetzt?«

Mein neckisches Grinsen wird breiter. »Nicht ohne Grund habe ich da draußen einen Schlüssel versteckt.«

Sie verdreht die Augen, muss aber lächeln.

»Da wir den Notruf gebraucht haben, ist er wohl nicht dein Märchenprinz?«

»Nicht mal annähernd.« Sie stützt die Stirn auf ihre Hände. »Das war eine Katastrophe.«

Ich sollte mich nicht so sehr darüber freuen. »Tut mir leid.«

»Er hat erzählt, dass in seiner Familie alle sehr groß seien und große Babys bekämen – mit großen Köpfen.«

Ich kann mir das Lachen nicht verkneifen, und Darcy wirft mir einen strengen Blick zu, auch wenn ihre Lippen zucken. »Hör auf zu lachen.«

»Was denn? Er will dich vorwarnen.«

Sie stöhnt auf. »Er hat die ganze Zeit von seiner zukünftigen Hochzeit geredet und davon, dass seine Mutter schon alles geplant hat.« Angewidert verzieht sie das Gesicht. »Und draußen wollte er mich dann küssen.«

Mein Lächeln verschwindet. »Und? Hast du ihn gelassen?«

Sie ist Kits Ex. Deshalb ist sie tabu, und außerdem ist sie eine unabhängige Frau, die eigene Entscheidungen treffen darf. Aber wenn ich mir vorstelle, wie ein Typ sie überall anfasst, möchte ich auf der Stelle irgendetwas zertrümmern.

»Natürlich nicht.« Sie schaut entsetzt. »Ich habe gelogen und gesagt, ich hätte gerade so ein Fieberbläschen, eine Form von Herpes, und dass wir es deshalb lieber sein lassen.«

Erleichtert lache ich in mein Getränk. »Die Ausrede muss ich mir merken.«

»Als ob du die jemals brauchen würdest, bei dem Aufgebot von Supermodels, mit denen du ausgehst.«

Ich verziehe das Gesicht. »Drei sind noch kein Aufgebot.«

Sie seufzt leise, senkt den Blick und zieht die Mundwinkel runter.

»Was ist los?«

Darcy schüttelt den Kopf und blinzelt. »Nichts.«

»Daaaarce.« Ich betone jeden einzelnen Buchstaben.

Ihre Augen treffen meine, und sie nagt an ihrer vollen Unterlippe. »Ich dachte, auf ein Date zu gehen, würde Spaß machen, aber es war schrecklich. Er wollte all die Dinge, die ich nicht möchte.«

Verdammt! Ich kann es kaum ertragen, sie so zu sehen.

»Wozu der Stress? Es ist erst einen Monat her«, entgegne ich.

»Den Stress mache ich mir, weil ich so viel verschwendet habe, und zwar …« Sie bricht ab. Ihr Blick wirkt plötzlich, als wolle sie nichts Falsches sagen.

»Was verschwendet?« Zeit? Meinte sie das? Die beiden waren immerhin acht Jahre zusammen.

»Schon gut.« Sie schüttelt den Kopf. »Ich fange hier in Vancouver neu an. Neue Stadt, neue Kollegen im Job, neue Wohnung, sobald ich eine finde.«

»Neue Wohnung?« Ich werfe ihr einen fragenden Blick zu. »Du wohnst doch bei mir.«

»Nein, ich schlafe nur bei dir. Ich kann ja wohl schlecht bleiben.«

»Natürlich kannst du das.«

Sie sieht mich lange an. »Hayden, diese Wohnung kann ich mir nicht leisten.«

»Von Miete zahlen war nie die Rede.« Und ich werde auch keinen Cent von ihr annehmen. Sie hat einen guten Job, aber bei dem, was ich verdiene, und wie viel Spaß es mir macht, mit ihr zusammenzuwohnen, tut sie mir einen Gefallen.

Leicht genervt lässt sie den Kopf nach hinten fallen. »Fang bloß nicht damit an.«

»Womit? Dass ich im Jahr ein paar Millionen verdiene?« Ich grinse selbstbewusst. »Ich brauche dein bescheidenes Gehalt als Versicherungsmathematikerin nicht.«

Sie schüttelt den Kopf, muss aber lachen. »Gott, dein Ego! Vielleicht brauchst du mich doch, damit du nicht abhebst.«

»Das fände ich toll.«

»Wie auch immer.« Sie winkt ab. »Und außerdem habe ich einen neuen Beziehungsstatus: Single.« Bei dem letzten Wort stockt sie und streicht sich nervös über den Bauch.

Ihre Trennung von Kit geht mich nichts an, aber als sie mich anrief, um es mir zu erzählen, war sie furchtbar aufgewühlt, und ich musste einfach irgendwas tun. Schließlich ist es Darcy. Sie ist auch meine Freundin.

Sie aufzumuntern, abzulenken, das ist meine Aufgabe.

»Du musst nicht gleich wieder mit dem Daten anfangen.« Ich schließe die Hand fester um mein Glas. Stattdessen sollte sie mit mir abhängen. »Hab einfach Spaß.«

»Ja.« Ihre Augen leuchten auf, und sie zeigt auf mich. »Spaß. Genau. Ich habe einen Monat lang auf der Couch gesessen und wegen der Trennung gejammert, und« – sie schluckt – »dabei war ich schon lange davor bereit, mit ihm Schluss zu machen.«

Ich zwinge mich, ruhig zu bleiben. »Das habe ich nicht gewusst.«

Bislang kenne ich nicht mal alle Gründe für die Trennung. Sie will nicht darüber reden, also dränge ich sie nicht. Wenn sie bereit ist, wird sie es mir erzählen.

Aber ich bin verdammt neugierig. Hat er irgendwas verbrochen? Die beiden wirkten immer so verdammt glücklich zusammen.

»Der Typ heute Abend wollte mich schon seiner Familie vorstellen«, fährt sie fort. »Er will Schwäne auf der Hochzeit, Hayden.«

Sie starrt mich an, und ich muss lachen.

»Schwäne und Pferde. Er hatte alles durchgeplant. Er muss nur noch die Rolle der Braut besetzen.« Wieder verzieht sie angewidert das Gesicht. »Und ich will mich einfach bloß amüsieren und auf andere Gedanken kommen. Wo finde ich die richtigen Typen dafür?«

Ich winke. »Hier, Babe.«

Sie schnauft. »Stimmt. Du bist der King der Player, quasi deren Anführer. Bring mich zu ihnen.«

Eigentlich sollte ich an dieses Etikett gewöhnt sein, aber es trifft mich, besonders von ihr.

Auf diesen Ruf war ich nie sonderlich scharf. Doch ich habe einfach nie eine Frau getroffen, an der ich langfristig interessiert gewesen wäre. Wenn ich beim Kennenlernen merke, dass sie etwas Ernstes möchte, verziehe ich mich sofort. Ich mache niemandem falsche Hoffnungen, sorge allerdings immer dafür, dass alle Spaß haben.

Ein schönes Gesicht, ein sexy Sixpack und richtig gut im Bett – das bin ich, aber mehr auch nicht.

»Warte.« Sie kneift die Augen zusammen. »Du datest, aber entwickelst nie Gefühle.«

Ich spähe über den Rand meines Glases und werfe ihr einen fragenden Blick zu. »Jaaa … Und?«

»Du hast immer Spaß. Du bist ein Experte, was Dating angeht, und hast jahrelange Übung. Wahrscheinlich warst du schon auf Hunderten von Dates.«

»Worauf willst du hinaus?« Wohin auch immer das führt – ich habe kein gutes Gefühl dabei.

Ihre Lippen zucken, und ihre Augen leuchten vor Aufregung. »Ich möchte so sein wie du.«

»Unverschämt attraktiv?«

Ihr Grinsen wird breiter. »Nein, ein Player. Hayden, ich möchte, dass du mir beibringst, ein Player zu sein.«

Kapitel 2

Darcy

Haydens Grinsen verschwindet, als hätte er mit allem gerechnet, bloß nicht damit.

»Du kannst mein Wingman sein.«

Warum bin ich nicht schon früher darauf gekommen? Hayden Owens – wahnsinnig attraktiv, reicher Eishockeystar, der Mittelpunkt jeder Party, rundum unglaublich liebenswert – und der größte Player, den ich kenne.

Jede Woche ist er mit einer anderen Frau unterwegs.

Hayden hat das Leben, das ich möchte – purer Spaß und keine Verpflichtungen –, und er behält stets die Kontrolle. Niemand überrollt ihn einfach. Niemand trifft die Entscheidungen für ihn.

Nach Kit habe ich es so satt, nur die hübsche Begleitung eines Typen zu sein.

Ich strahle Hayden begeistert an, aber ihm scheint das Ganze eher Angst zu machen.

»Kit und ich hatten nicht einmal ein richtiges Date, bevor wir zusammenkamen. Wir gingen auf dieselbe Party, und von da an waren wir eben zusammen. Die Party der Eishockeyspieler.« Es war der Freitag in der ersten Uniwoche, die Woche, in der ich auch Hayden im Literaturseminar kennengelernt habe.

Er blinzelt und schaut weg. »Ähm, ja, das weiß ich noch.«

»Stimmt, du warst auch dort.«

Nachdem wir eine Woche lang immer vor Kursbeginn gequatscht hatten, hoffte ich damals, dass Hayden mich nach einem Date fragen würde … Aber jetzt ist nicht der richtige Zeitpunkt, um darüber zu grübeln, also verdränge ich den Gedanken.

Für mich ist er schließlich sowieso unerreichbar, denn er datet Supermodels, Schauspielerinnen und Influencerinnen, und jede Einzelne von ihnen ist groß, brünett und hat riesige Brüste. Keine wie mich, klein, blond und nicht gerade kurvenreich.

Nicht, dass es mich beschäftigen würde. Wir sind Freunde.

»Ich habe noch nie mit einem Typen geflirtet«, fahre ich fort. »Geschweige denn, ihn nach einem Date gefragt. Ich hatte noch nicht einmal ein Valentinstagsdate oder habe Blumen bekommen.«

Ich versuche, das alles hinter mir zu lassen, es zu überwinden und nicht an Kit zu denken, aber je länger unsere Trennung zurückliegt, desto wütender werde ich.

Als ich im Dezember mit ihm über unsere Beziehung reden wollte, bat mich Kit, bis nach den Feiertagen zu warten. Er hätte wichtige Spiele vor sich, auf die er sich konzentrieren müsste.

Doch an Silvester machte er mir dann vor seinem Calgary-Team und Haydens Vancouver-Mannschaft einen Antrag.

Wer tut so was?

Es war ein totaler Schock. Ich wollte nicht, dass er sich blamiert, daher habe ich Ja gesagt, und am nächsten Morgen habe ich endgültig mit ihm Schluss gemacht.

Ein ungläubiger Ausdruck schleicht sich in Haydens Blick. »Er hat dich nie auf ein richtiges Date ausgeführt?«

Ich tippe mir mit der Zunge gegen die Oberlippe, versuche die Wahrheit runterzuschlucken.

Die beiden sind beste Freunde. Ich will nicht, dass Hayden sich zwischen uns entscheiden muss. Also erzähle ich ihm nicht alles.

Er beobachtet mich genau.

»Wir waren halt noch im Studium, pleite und ständig mit Lernen oder Eishockey beschäftigt. Wenn wir uns mal schick gemacht haben, dann für irgendein Sport-Event.«

Sein Blick ruht auf mir, und sein Kiefer wirkt angespannt. »Warum hast du nie was gesagt?«

»Das ist jetzt nicht wichtig.« Ich winke ab.

Es bringt nichts, der Vergangenheit nachzuhängen. Ich bin sechsundzwanzig, und es ist höchste Zeit für mich, alles nachzuholen, was ich an Dating-Erfahrungen verpasst habe.

Sein Mund verzieht sich zu einem flirtenden Lächeln. »Möchtest du Blumen geschenkt bekommen, Darcy? Dann kaufe ich dir welche.«

Ich schnaufe. Auf Hayden ist immer Verlass, wenn es darum geht, mich aufzuheitern. »Du weißt, was ich meine. Ich möchte mich hübsch machen, in ein schickes Restaurant gehen, Komplimente bekommen und dann nach Hause gehen und, gegen eine Wand gedrückt, Sex haben.«

Er verschluckt sich an seinem Bier und hustet.

»Oder, vielleicht auch in der Dusche.« Ich zucke mit den Schultern und mache ein ratloses Gesicht. »Keine Ahnung. Eben da, wo Leute leidenschaftliche Sex-Dates haben. Und danach möchte ich den Typen nie wiedersehen.«

Er hustet immer noch, und seine Wangen werden rot.

»Alles okay?«, frage ich besorgt.

»Jepp.«

Er räuspert sich heiser, ohne mich anzuschauen.

»Du hast es selbst gesagt, ich muss Spaß haben.«

»Spaß mit mir. Nach einem Spiel zusammen um die Häuser ziehen, gemeinsam The Northern Sword schauen.« Unsere Lieblingsbuchreihe wurde jetzt auch als Serie verfilmt.

Sein Lächeln wird schwächer. »Nicht mit irgendeinem Typen, der dir ständig ins Wort fällt und so aussieht, als würde er versuchen, deine BH-Größe zu erraten.«

Plötzlich hat seine Stimme einen ungewohnt scharfen Unterton, irgendwie erregend. Aber er will mich sicher nur beschützen, weil wir Freunde sind. »Er hat auf meine Hüften gestarrt, als wolle er einschätzen, ob ich ein großes Baby gebären könnte.«

Hayden presst die Zähne zusammen und trinkt dann einen großen Schluck Bier.

»Du weißt immer, was man tun oder sagen muss. Du hast schon mit Hunderten von Frauen geschlafen.«

Er stöhnt. »Mit Hunderten nicht.«

»Mit vielen. Wenn wir sie alle herbestellen, würden sie wahrscheinlich nicht in diese Bar passen …«

»Okay.« Sein Blick wird ernster. »Ich hab’s kapiert.«

»Das soll kein Sex-Shaming sein. Ich möchte wie du sein. Meine Fähigkeiten verbessern, indem ich das tue, was die Profis tun. Von den Besten lernen. Ich weiß ja nicht einmal, wie man einen Typen anspricht.«

Hayden sieht mich einen Moment lang an, fährt sich mit der Hand durch seine zerzausten goldblonden Haare.

Es wirkt, als wäre er kurz davor, Nein zu sagen, aber genau in dem Moment geht ein Typ an unserem Tisch vorbei, und Haydens Blick verhärtet sich.

»Okay.«

»Wirklich?«

»Unter einer Bedingung.« Mit funkelnden Augen beugt er sich zu mir. »Zieh dauerhaft bei mir ein. Es ist unnötig, dass du dir was Eigenes suchst, wenn ich ein Gästezimmer habe. Außerdem wohne ich nicht gern allein.«

Das schon wieder? Hayden lebt in einem wunderschönen Penthouse. Deckenhohe Fenster mit Blick über die Stadt, riesige Küche, offenes Wohnzimmer, eine Terrasse mit Whirlpool und kleinem Garten.

Sogar das Gästezimmer ist besser als jedes Hotelzimmer, in dem ich je gewesen bin.

Als ich ihn letzte Woche aus Calgary angerufen habe, um ihm von der Trennung zu erzählen, hat er darauf bestanden, dass ich nach Vancouver komme. Er hat keine Sekunde gezögert. Er muss irgendetwas in meiner Stimme gehört haben – Enttäuschung, Trauer, vielleicht auch, als wäre etwas in mir zerbrochen – und hat mich überzeugt, dass ein Neuanfang in einer neuen Stadt genau das Richtige sei.

Ohne ihn wäre ich vermutlich immer noch in Calgary und würde mich in Selbstmitleid suhlen, statt Spaß in einer Bar zu haben.

»Du hast schon so viel für mich getan«, sage ich zaghaft lächelnd. »Ich möchte dich nicht ausnutzen.«

Nachdem ich vor vier Jahren hier weggezogen bin, ist Hayden der einzige Freund, den ich noch in Vancouver habe. Die meisten meiner Freunde in Calgary waren eigentlich Kits Freunde, und zu vielen Leuten von der Uni habe ich den Kontakt verloren, was ich immer sehr bedauert habe.

Hayden ist momentan alles, was ich habe. Das darf ich nicht vermasseln.

»In Vancouver eine Wohnung zu finden, ist die Hölle«, sagt er, und ich merke, wie er versucht, locker zu klingen. »Schließlich willst du nicht in einer WG mit einem komischen Typen landen, der sich in dein Zimmer schleicht und an deinen Unterhosen riecht.«

Ich lache entsetzt. »Ekelhaft.«

»Und solltest du mich in deinem Zimmer ertappen«, fügt er mit einem verspielten Grinsen hinzu, »dann teste ich bloß, ob sie passen.«

»Igitt.« Ich lache mich schlapp. »Probiere ja nicht meine Unterhosen an, du leierst sie noch aus!«

»Ja, das werde ich.« Er zuckt mit den Augenbrauen und wirft einen vielsagenden Blick nach unten. »Vorne.«

Meine Wangen glühen, doch gleichzeitig spüre ich, wie die letzten Reste der Enttäuschung von meinem Date verschwinden.

»Deine Sachen sind schon in meiner Wohnung.« Er zuckt mit seinen breiten, definierten Schultern. »Und deine Eltern sind supernett, aber ich weiß auch, dass du nicht bei ihnen wohnen möchtest.« Sie leben in einem ruhigen Vorort ungefähr eine Stunde von Vancouver entfernt. »Du müsstest für jedes Heimspiel herfahren, und anschließend ist es so spät, dass du sowieso bei mir schläfst.«

Er wirft mir einen Also?-Blick zu, als wäre die Sache bereits geregelt.

Ich versuche, nicht zu grinsen. »Du scheinst dir ja sehr sicher zu sein, dass ich zu all deinen Spielen kommen werde.«

»Stimmt.«

Bei seinem selbstbewussten Grinsen habe ich Schmetterlinge im Bauch.

Hayden bekommt immer, was er will. Deshalb ist er der perfekte Wingman, der perfekte Typ, um mir das Daten beizubringen.

»Und wenn du eine Frau mit nach Hause bringst?«, frage ich und spiele mit dem Papieruntersetzer auf dem Tisch. »Eine weibliche Mitbewohnerin wird dein Image ruinieren.«

In der vergangenen Woche hat er weder ein Date gehabt noch wen mit nach Hause genommen. Das ist wahrscheinlich ein persönlicher Rekord.

Hayden räuspert sich und vermeidet es offenbar, mir in die Augen zu sehen. »Mach dir deswegen keine Gedanken. Das ist mein Angebot, Darce. Nimm es an, oder lass es.«

Mir bleibt keine große Wahl, oder? Außerdem hat die vergangene Woche bei Hayden viel Spaß gemacht, und alles lief total entspannt.

»Abgemacht.«

Seine große Hand schüttelt meine, und als seine warme Handfläche meine berührt, jagt ein elektrisierender Funke durch meine Adern. Unsere Blicke treffen sich, und mir stockt der Atem.

Worin auch immer Haydens Charisma besteht, ich möchte etwas davon haben.

»Das wird so viel Spaß machen«, sage ich zu ihm. »Und ich lerne schnell.«

Er hat ein gezwungenes Lächeln auf den Lippen, das nicht bis zu seinen Augen reicht. »Kann es kaum erwarten.«

Kapitel 3

Darcy

Von der ersten Reihe aus beobachte ich, wie Hayden und ein Spieler der gegnerischen Mannschaft so heftig vor uns gegen die Bande knallen, dass das Plexiglas wackelt. Sein Blick wandert zu mir hoch, und er grinst mich frech an.

Schmunzelnd schüttle ich den Kopf, während er schon wieder dem Puck hinterherjagt und ich ein leichtes Kribbeln in der Brust spüre.

Es sollte nicht so heiß sein, meinem besten Freund beim Eishockeyspielen zuzuschauen, vor allem, weil ich erst seit Kurzem wieder Single bin.

Doch das ist es. Irgendwas an Hayden, wie er diesen brutalen Kontaktsport spielt, fesselt mich.

Ringsum tobt die Menge. Fans schreien, johlen und brüllen die Schiedsrichter an, weil die nicht gepfiffen haben. Es ist wie ein Meer aus Vancouver Storm-Trikots aus den verschiedensten Jahrzehnten, und ich fühle mich in meinem Wintermantel ein wenig fehl am Platz.

»Wir sind froh, dass du mitgekommen bist«, sagt Pippa Hartley mit einem schüchternen, aber freundlichen Lächeln und beugt sich über ihre Schwester Hazel, um mich anzusehen. Ich habe sie letztes Jahr über Hayden kennengelernt. Beide tragen ihre Vancouver Storm-Trikots. »Es macht so viel mehr Spaß, hier unten zu sitzen als oben in der Loge.«

Der Pfiff ertönt, und das Spiel wird unterbrochen. Jamie Streicher, der mürrische, ernste Torwart von Vancouver Storm, dreht sich am Tor vor uns um, um einen Schluck Wasser zu trinken. Sein Blick fällt sofort auf Pippa, seine Verlobte, und selbst durch die Torwartmaske ist zu erkennen, wie sich seine Miene entspannt.

Jedes Mal, wenn ich die beiden zusammen sehe, kann er die Augen – oder, wenn sie nah genug ist, die Hände – nicht von ihr lassen. Hayden hat mir erzählt, dass die beiden auf derselben Highschool waren und sich wiedergefunden haben, als sie letzte Saison als seine Assistentin eingestellt wurde. Inzwischen ist sie Singer-Songwriterin und hat vergangenes Jahr ihr erstes Album veröffentlicht. Celebrities haben eigentlich ein Riesenego, sind unhöflich und anspruchsvoll, aber Pippa scheint der Ruhm kein bisschen verändert zu haben.

»Ja, du weißt, dass das nun dein Platz ist, oder?« Hazel grinst mit hochgezogenen Augenbrauen. »Du sitzt jetzt mit uns hier unten, wo die Action ist.«

Ich verkneife mir ein Grinsen. »Wenn ihr darauf besteht.«

»Tun wir. Du gehörst jetzt zu uns.« Hazel wendet sich wieder dem Spiel zu und richtet den Blick auf ihren Verlobten Rory Miller, den selbstbewussten, charmanten Mannschaftskapitän. Er ist auch mit ihr, Pippa und Jamie zur Highschool gegangen. Hazel schien ihn nie ausstehen zu können, aber dann wurden die beiden zu Beginn dieser Saison ein Paar.

Diesen Winter hat Hayden mal die Vermutung geäußert, die beiden würden nur so tun, als wären sie zusammen, um ihren schrecklichen Ex eifersüchtig zu machen. Doch so wie Hazel ihren Rory ansieht – und mit dem funkelnden Diamantring an ihrem Finger –, ist da nichts mehr gespielt.

Neben ihrer Arbeit als Physiotherapeutin für das Team unterrichtet Hazel Yoga und hat kürzlich ihr eigenes, inklusives Yoga-Studio mit Fokus auf Körpervielfalt in Vancouver eröffnet. Seitdem arbeitet sie bloß noch einen Tag pro Woche für das Team, um sich auf den Aufbau ihres Studios zu konzentrieren.

»Alles gut bei dir?« Sie sieht mich forschend an, und ich habe das Gefühl, ich könnte ihr auf der Stelle alles erzählen, und sie würde mich nicht verurteilen. »Wegen der Trennung und allem?«

»Hazel«, ermahnt Pippa sie ruhig, »sie möchte vielleicht nicht darüber sprechen.«

Hazel zuckt mit den Schultern. »Es ist okay, wenn du das nicht möchtest. Aber ich wäre eine schlechte Freundin, wenn ich nicht nachfragen und dir meine Unterstützung anbieten würde. Und nur so nebenbei – scheiß auf den Typen.«

Ich lache leise. »Nein, Kit ist kein schlechter Kerl.«

»Das ist mir egal. Die meisten Eishockeyspieler sind Abschaum, außer Streicher und Rory.« Ihre Mundwinkel zucken. »Hayden ist auch gar nicht so übel. Er hat Rory nach Hause gebracht, an dem Abend, als er sich im Vollrausch ein Tattoo stechen ließ. Anscheinend kümmert er sich immer um seine Freunde.« Sie wirft mir einen Seitenblick zu.

»Da hast du recht.« Ich schlucke. »Hayden ist der Beste.«

»Also«, sagt Hazel leise, »ist bei dir wirklich alles gut?«

»Denke schon …« Mir entweicht ein leises, unsicheres Lachen. »Ehrlich gesagt habe ich keine Ahnung. Aber in Anbetracht der Umstände schlage ich mich nicht schlecht.«

»Das denke ich auch.« Ihr Mund verzieht sich zu einem schiefen Lächeln. »Du machst das super.«

»Nun haben wir aber genug über mich geredet. Wie läuft das Studio?«

»Viel Arbeit ist es schon, aber …« Sie strahlt, und ihre Augen leuchten. »Es ist echt großartig. Es fühlt sich nicht wie Arbeit an, wenn ich dort bin, verstehst du?«

Hazel erzählt mir vom Stundenplan, den sie zusammengestellt hat, den Yoga-Lehrern und Mitarbeitenden an der Rezeption, die sie eingestellt hat, und wie groß das Interesse bereits ist.

»Es ist fast zu schön, um wahr zu sein. Dass das jetzt mein Job ist«, schwärmt sie. »Ich würde es sogar umsonst machen.«

Ihre Worte lösen eine Schwere in meiner Brust aus, ein Gefühl, dass Hazel etwas hat, das ich mir auch wünsche. Natürlich gönne ich ihr, dass sie ihren Traumberuf gefunden hat, aber etwas neidisch bin ich schon darauf, wie die beiden sich selbst verwirklichen.

Wenn ich doch auch so sein könnte! Allerdings bin ich bereits zu oft enttäuscht worden. Mein Job als Versicherungsmathematikerin ist vielleicht langweilig, aber risikolos. Niemand kommt dabei zu Schaden.

»Und immer, wenn ich an mir selbst zweifle«, fügt sie hinzu und blickt zu Rory hinüber, der sich gerade für ein Bully aufstellt, »stärkt Miller mir den Rücken und sagt, dass ich alles schaffen kann.«

Der Ring an Hazels linker Hand fängt das Licht ein, glitzert und funkelt. In meinem Kopf taucht plötzlich das Bild des Rings auf, den ich Kit vor einem Monat zurückgegeben habe, und ich spüre einen stechenden Schmerz in der Brust. Als ich jedoch wieder zu Hazel hinüberblicke, sehe ich, wie sie ihren Ring mit verträumtem Blick betrachtet.

»Dein Ring ist wunderschön.« Ein hellblauer Stein mit Grautönen, umgeben von kleinen Diamanten in einer roségoldenen Fassung.

»Danke.« Sie lächelt gerührt. »Ich bin selbst überrascht, wie gut er mir gefällt. Schmuck oder gar ein Verlobungsring waren mir nie wichtig, aber …« Sie beißt sich auf die Lippe. »Er hat eine Bedeutung. Rory könnte mir auch einen Lolli-Ring schenken, und selbst der würde mir gefallen.«

Ich habe ein komisches Gefühl in der Brust – eine Ahnung von etwas, das ich noch nie hatte. Völlig und total in jemanden verliebt zu sein.

»Pippa, du machst gerade Pause von deiner Tour, oder?«, frage ich.

Sie nickt und streicht sich eine honigblonde Strähne hinters Ohr. »Bis zur Hochzeit im April. Ich nutze die Zeit und schreibe Songs für mein nächstes Album – zwischen der Hochzeitsplanung und langen Waldspaziergängen mit Daisy.« Sie wirft mir einen zögerlichen Blick zu. »Ich nehme mal an, dass Kit nicht zur Hochzeit kommt, oder?«

»Bringt das deine Pläne durcheinander? Ich kann ein Date finden, falls du eine gerade Anzahl an Gästen benötigen solltest oder so.«

»Nein, ich dachte eigentlich, du würdest mit Hayden kommen.«

»Was?« Ich mache große Augen. Etwa als Date?! »Wieso? Hat er das gesagt?«

»Nein«, antwortet sie langsam und blickt zu Hazel. »Aber ihr wohnt doch jetzt zusammen, oder? Hat er das nicht erzählt?«

Die Luft entweicht zischend aus meiner Lunge. »Ja, schon. Klar. Und wir sind Freunde. Aber er hat wahrscheinlich längst ein Date.«

Bestimmt eine große Dunkelhaarige mit Brüsten, die seinem Typ entspricht.

»Nein, hat er nicht«, erwidert Pippa.

»Oh, das ist gut. Äh, nein, das ist nicht gut. Ich meine nur, ich bin erleichtert. Nein!« Ich schüttle den Kopf. »Das hört sich alles falsch an. Ich verbringe gern Zeit mit Hayden, das ist alles.«

Und bei dem Gedanken, zusehen zu müssen, wie sein Date über seine Witze lacht und ihn den ganzen Abend über berührt, fühle ich mich unwohl.

Hazel und Pippa sehen einander vielsagend an.

»Was?« Mein Blick huscht zwischen den beiden hin und her. Ich benehme mich echt merkwürdig. Wahrscheinlich bereuen sie es schon, mich eingeladen zu haben.

Hazel holt tief Luft. »Wir vermuten …«

»Nichts«, unterbricht Pippa sie. »Wir vermuten nichts. Das ist super. Eine WG ist doch prima.«

»Ja, aber …« Mit zusammengekniffenen Augen beiße ich mir auf die Lippe.

Hazel zieht die Augenbrauen hoch. »Was?«

»Er lässt mich keine Miete zahlen.«

Pippa presst die Lippen zusammen, sichtlich bemüht, nicht zu grinsen, während Hazel unverhohlen strahlt.

»Wirklich?«, fragt sie, als wäre das eine tolle Neuigkeit.

»Er lässt dich keine Miete zahlen? Interessant. Weil er so ein guter Freund ist?«

Pippa stößt sie mit dem Ellenbogen an. »Hör auf.«

Ich atme langsam aus und denke daran, wie ich ihn heute Morgen in der Küche zur Rede gestellt habe. »Es ist so frustrierend. Jedes Mal, wenn ich es anspreche, wechselt er das Thema. Und als ich ihn heute darauf festnageln wollte, meinte er nur, ich solle mir keine Gedanken machen. Dass es ihm finanziell nicht gerade schlecht gehe.«

Hazel lacht. »Diese Typen sind so hochnäsig.«

»Ich möchte ihn nicht ausnutzen.«

»Das tust du nicht.« Sie verdreht die Augen. »Er genießt es, dich dort zu haben. Und du findest bestimmt den einen oder anderen Weg, dich zu revanchieren, der nichts mit Geld zu tun hat.«

Mir wird heiß. »Ähm …«

»Das klang anzüglicher als beabsichtigt. Aber diese Typen können sich alles leisten, also gib ihm etwas, das man nicht mit Geld kaufen kann.« Sie zuckt mit den Schultern. »Sei einfach eine gute Freundin. Schau bei seinen Spielen zu und feuere ihn an. Schlepp ihn zu meinem Yoga-Kurs, damit ich ihn ordentlich triezen kann. Und schau dir mit ihm diese komische Fantasy-Serie an.«

»The Northern Sword? Ähm, die ist nicht komisch. Das ist die beste Romantasy-Reihe aller Zeiten!«

Hazel rümpft die Nase. »Nicht du auch noch.«

»Die Bücher sind wirklich gut. Ich leihe sie dir gern aus, aber du musst sie mir zurückgeben.«

Lachend verdreht Hazel die Augen. »Er hat mir genau das Gleiche gesagt. Du und Hayden, ihr seid füreinander bestimmt.«

Wärme breitet sich in meinem Bauch aus, und jetzt muss ich selbst lächeln. Mein Blick fällt zu ihm auf dem Eis – schnell, stark, zielgerichtet –, und mich durchfährt ein wohliger Schauer.

Mit Hayden würde nie etwas laufen, das weiß ich. Kit war eher ruhig, ein wenig passiv und mehr mit mir auf einer Wellenlänge, aber Hayden? Er ist überlebensgroß, sowohl was sein Aussehen als auch seine Persönlichkeit angeht. Er könnte jede haben.

Und heute Abend fange ich an, von ihm zu lernen.

Kapitel 4

Hayden

Zwanzig Sekunden vor Ende des letzten Drittels steht es unentschieden gegen Chicago. Mir rauscht das Blut in den Ohren, als Volkov und ich die Stürmer der anderen Mannschaft über das Eis jagen. Als Verteidiger ist es unsere Aufgabe, den Puck vom Torwart fernzuhalten.

Ich schaue wieder zu Darcy, die mit Hazel und Pippa hinter dem Netz sitzt, und eine Welle der Entschlossenheit überkommt mich. Miller holt zum Schlagschuss aus, und als der Puck auf das Tor zufliegt, halte ich den Atem an. Dieses Gefühl in meiner Brust ist wieder da, das Gefühl, dass ich in letzter Zeit nicht abschütteln konnte. Als ob etwas nicht stimmen würde.

Der Puck rast am Torwart vorbei, und die Menge brüllt und tobt vor Begeisterung.

»Gutes Spiel, Jungs!«, brüstet sich Miller lautstark, während er mich kumpelhaft umarmt, das Tor-Horn heult und um uns herum Lichter blitzen.

Als Miller mir einen kameradschaftlichen Stoß versetzt, lache ich zwar, aber ich muss mich dazu zwingen und fühle mich deswegen wie ein Arschloch. Mein Team hat ein Tor gemacht; ich sollte überglücklich sein. Es gibt noch ein letztes Face-Off, das drei Sekunden dauert, dann endet das Spiel, und wir skaten langsam vom Eis.

Darcy sucht meinen Blick, schenkt mir ein schüchternes Lächeln und winkt. Stolz zwinkere ich ihr durch die Glasscheibe zu. Es ist schön, sie bei den Spielen dabeizuhaben, dass sie mir beim Spielen zusieht und mit Hazel und Pippa quatscht.

Mir geht der Abend durch den Kopf, als sie mich gebeten hat, ihr Wingman zu sein. Doch ich versuche, nicht daran zu denken, und hoffe, sie vergisst ihre Bitte.

»Owens«, ruft Coach Ward mir zu, während wir das Eis verlassen, »du sprichst heute nicht mit der Presse! Komm in mein Büro.«

Wenn dich der Coach nach dem Spiel sehen will, ist das kein gutes Zeichen.

»Ich wechsle dich in die Offensive«, sagt Ward und lehnt sich in seinem Schreibtischstuhl zurück, um mich mit seiner ruhigen, gelassenen Art anzusehen.

Ungläubig starre ich ihn an und frage mich, ob ich richtig gehört habe.

Tate Ward ist Ende dreißig, jung für einen NHL-Trainer und sieht wahrscheinlich zu gut aus, wenn man die Kommentare unter den Social-Media-Posts zu Storm liest. Vor etwa zehn Jahren war er selbst Spieler bei Vancouver und brach Rekorde im Schlaf, aber nach einer Knieverletzung, die seine Karriere beendete, wurde er Trainer.

Nach anderthalb Saisons bei Vancouver Storm hat er den Ruf weg, wichtige Entscheidungen aus dem Bauch heraus zu treffen. Mit nur noch zweieinhalb Monaten bis Saisonende und guten Chancen auf die Play-offs ist die Versetzung eines Spielers auf eine neue Position allerdings die kühnste Aktion, die er bisher gewagt hat.

»Bis Kerrington zurück ist?«, frage ich zögernd.

Einer unserer Stürmer, Kerrington, hat sich in einem Spiel vor ein paar Wochen verletzt.

Ward schüttelt den Kopf. »Dauerhaft. Kerrington fällt die restliche Saison aus. Morgen beim Training teile ich es dem Team mit.«

Ich atme tief aus. Niemand hört gern, dass sein Freund und Mannschaftskollege ausfällt.

Das erklärt jedoch nicht, wieso ich hier bin. Selbst wenn Kerrington ausfällt, hat Ward dreizehn andere Stürmer, aus denen er aussuchen kann, und ich bin einer der besten Verteidiger in der Liga. Nachdenklich runzle ich die Stirn.

Ich bin der Unterstützer. Der Typ, der gut mit anderen zusammenspielt und mit Volkov, dem mürrischsten Kerl im Team, am besten klarkommt. Ich bin die absichernde Kraft, nicht der Star.

»Bis jetzt habe ich immer nur als Verteidiger gespielt«, gebe ich zu bedenken.

Sein Lächeln wird breiter. »Mit einer Ausnahme, Owens.«

Damit meint er das Freundschaftsspiel gegen Calgary auf einer Outdoor-Bahn in Whistler vor einem Monat. Miller hatte vorgeschlagen, ich sollte als Notfalllösung die Position wechseln.

»Das League-Classic-Match.«

Er nickt einmal. »Jepp.«

»Das war kein richtiges Spiel.« Es zählte nicht zur regulären Saison. »Es war nur zum Spaß.«

Er kneift die Augen zusammen, mustert mich schweigend, und in meiner Brust breitet sich ein ungutes Gefühl aus.

»Ich bin kein Star.«

Ward verzieht nachdenklich das Gesicht. »Und wenn doch?«

Ich verschränke die Arme vor der Brust und versuche, mein freundliches, gutmütiges Lächeln hervorzuholen, doch ich finde es nicht.

»Es ist deine Entscheidung«, fügt er hinzu, beobachtet mich weiterhin. »Ich denke aber, es wäre der richtige Schachzug, und möchte, dass du es dir überlegst.«

Die Play-offs sind in drei Monaten, Ende April, und wir haben gute Chancen. Ward trichtert uns immer ein, unsere Rolle zu übernehmen, uns auf die zugewiesene Position zu konzentrieren, um dem Team zu dienen. Verteidiger ist die Position, die ich kenne und in der ich aufblühe.

Aber blühe ich denn wirklich auf? Oder komme ich einfach zurecht? In Gedanken gehe ich noch einmal das Spiel durch, und das seltsame Gefühl in meiner Brust, als Miller ein Tor schoss, kommt wieder hoch. Etwas hat sich verändert, doch ich komme nicht darauf, was es ist. Ich habe allerdings die unangenehme Vermutung, dass es schlimmer wird.

Mir gegenüber wartet Ward mit seiner typischen, verständnisvollen Geduld. Seit er Coach wurde, hat sich bei Vancouver Storm alles zum Besseren verändert. Anders als der vorherige Coach hat er kein übersteigertes Ego und arbeitet mit jedem einzelnen Spieler persönlich – von den Stars der ersten Reihe bis hin zu den Rookies der vierten Linie. Er kennt jedes Mitglied des Eishockeyclubs beim Namen, selbst die Leute, mit denen er kaum zu tun hat: Reinigungskräfte, Buchhalter, die Eismaschinenfahrer. Er kennt sogar die Leute am Imbissstand!

Ein Team, betont er stets. Das bewundere ich an ihm, wie er jeden mit Respekt behandelt, niemanden ausschließt und jeden wertschätzt.

Ich fahre mir mit der Hand durch die Haare. Die Transferfrist für Spieler endet im März, und ich habe nicht vor zu wechseln. Volkov, Miller, Streicher, Hazel, Pippa – diese Menschen sind meine Familie. Darcy ist jetzt auch hier in Vancouver, und der Gedanke daran, erneut von ihr wegzuziehen, festigt meine Entschlossenheit.

Ich will Ward keinen Grund geben, mich zu traden, und umso mehr will ich, dass er stolz auf mich ist.

»Okay.« Meine Brust ist angespannt, und ich nicke bekräftigend. »Einverstanden.«

»Ich hatte gehofft, dass du das sagst.« Ein zufriedenes Lächeln breitet sich auf seinem Gesicht aus. »Morgen früh beginnst du dein Training mit den anderen Stürmern.«

Kapitel 5

Darcy

»Sicher, dass du nicht müde bist?«, fragt mich Hayden nach dem Spiel, als wir uns im Filthy Flamingo nebeneinander auf eine der Kunstlederbänke fallen lassen. An den holzgetäfelten Wänden dieser engen, heruntergekommenen Bar im Stadtteil Gastown hängen überall Bandposter, und unter der Decke baumeln funkelnde Lichterketten. »Wir müssen ja nicht lange bleiben.«

Ich war hier schon ein paar Mal, als ich Hayden besucht habe, und es ist meine Lieblingsbar in Vancouver. Mit ihrem versteckten Eingang in einer dunklen, ruhigen Gasse ist sie der geheime Treffpunkt von Vancouver Storm, vor allem nach den Spielen. Jordan, die hübsche, energische Barkeeperin mit den langen dunklen Haaren, mixt hinter der Theke Drinks, und an der Wand in ihrem Rücken kleben Polaroids der Stammgäste, einschließlich des Teams.

Ich schaue ihn überrascht an. »Doch. Ich möchte ausgehen.«

Kit wollte nach den Spielen immer sofort nach Hause. Ich musste ihn schon mitzerren, um mit dem Team – oder auch mit Hayden, wenn wir mal hier in der Stadt waren – etwas zu unternehmen. Darüber könnte ich mich jetzt noch aufregen.

Hayden grinst. »Braves Mädchen.«

Als Antwort schneide ich eine Grimasse. Hazel, Rory, Jamie, Pippa und Haydens Verteidigungspartner Alexei und weitere Spieler samt Partner sind alle mitgekommen. Nach dem Sieg sind alle gut drauf, und in der Bar herrscht eine lebhafte Atmosphäre mit Gelächter und Gesprächen.

Jordan serviert unsere Getränke, und Hayden und ich stoßen an.

»Cheers!« Hayden sieht mir in die Augen.

»Was tut ihr da?«, fragt Hazel und schaut amüsiert zwischen uns hin und her.

»Man muss sich beim Anstoßen in die Augen schauen«, erklärt Hayden, als wäre das selbstverständlich.

Ich nicke. »Oder man hat sieben Jahre lang schlechten Sex.«

Er macht ein entsetztes Gesicht. »Das Risiko dürfen wir nicht eingehen.«

Hazel lacht.

Vor allem ich kann das Risiko nicht eingehen, so langweilig wie mein Sexleben die letzten Jahre schon war.

Hayden legt den Unterarm auf die Tischplatte und streift dabei versehentlich meine Schulter. Mir läuft ein Kribbeln über den Rücken. »Wir müssen über etwas Wichtiges reden, Darce.«

»Worüber denn?« Ich sehe ihn fragend an.

Sein Gesichtsausdruck wirkt ziemlich ernst. »Deinen Geburtstag.«

Lachend atme ich auf. »Ach so. Darum geht es.«

»Ja. Darum.« Seine Augen funkeln vor Begeisterung. »Was ist der Plan?«

Mein Geburtstag ist erst im April, es dauert also noch ein paar Monate. »Nichts. Du musst dich dann auf die Play-offs konzentrieren. Deshalb möchte ich nichts Großes planen.«

»Vielleicht schaffen wir es gar nicht in die Play-offs.«

Ich muss daran denken, wie schnell und geschmeidig er heute Abend auf dem Eis unterwegs war, und verdrehe die Augen. »So wie du spielst? Da wirst du es garantiert sicher schaffen.«

Sein Grinsen wird breiter. »Versuch nicht, mich abzulenken. Wir müssen eine Party machen. Es ist das erste Jahr seit der Uni, dass wir deinen Geburtstag zusammen verbringen.«

Ich gebe ein unverbindliches Geräusch von mir. Damals an der Uni fiel mein Geburtstag mit dem Ende der Prüfungen zusammen. Wir feierten große, ausgelassene Partys und luden alle ein, die wir kannten. Seit unserem Abschluss sind meine Geburtstage allerdings viel ruhiger geworden. Bei dem Gedanken, ein Jahr älter zu werden, wird mir ganz anders.

Es liegt an diesem Gefühl. Deswegen schmeiße ich keine großen Partys mehr. Ich hasse es, ein Jahr älter zu werden, wo ich doch völlig orientierungslos bin und auf der Stelle trete.

Aber das wird sich nun ändern. Hayden bringt mir bei, ein Player zu sein, und ich werde all die lustigen Dating-Erfahrungen machen, die ich bislang verpasst habe.

»Was wollte Ward nach dem Spiel denn mit dir besprechen?«, wechsle ich das Thema.

Hayden zögert kurz, bevor er antwortet. »Ich spiele jetzt im Sturm.«

Ein paar der Jungs haben seine Worte offenbar gehört und wenden sich ihm zu.

»Tatsächlich.« Rory betrachtet Hayden neugierig, sein Mund verzieht sich wie in Zeitlupe. »Interessant.«

Hayden zuckt mit den Schultern und blickt zu Alexei. »Ja. Er kündigt es morgen dem Team an.«

Alexei gibt ein leises, zustimmendes Geräusch von sich, verschränkt die Arme vor der Brust und starrt stirnrunzelnd auf den Tisch. Seit Jahren spekulieren die Medien darüber, wann er seine Karriere beenden wird. Er ist noch immer ein starker Spieler, aber dieser Sport ist brutal für den Körper. Alexei hat heute Abend ordentlich was einstecken müssen, und selbst auf dem Weg zur Bar hat er vorzugsweise nur das linke Bein belastet.

»Das halte ich für eine kluge Entscheidung.« Rorys übliches verspieltes Grinsen bekommt einen wohlwollenden Touch. Das ist der Kapitän, wie mir bewusst wird. Rory Miller tut so, als wäre er eingebildet und protzig, doch er liebt sein Team und möchte nur das Beste für seine Spieler.

»Er hat das League-Classic-Match erwähnt«, fügt Hayden hinzu.

»Genau daran habe ich auch gedacht.« Rory nickt und lehnt sich vor. »Es hat funktioniert, Owens, und ich glaube, Ward ist es auch aufgefallen.«

Hayden zuckt bloß mit den Schultern, und ich versuche, ihn mir in seiner neuen Position auf dem Eis vorzustellen. Er ist gelassen, freundlich und entspannt. Er möchte, dass sich niemand ausgeschlossen fühlt; er war schon immer so, selbst an der Uni, als er alle auf unserem Gang zu den Partys eingeladen hat, selbst den komischen Typen, der nie sein Zimmer verlassen hat. Genau das liebe ich an ihm, dass er so offenherzig und liebevoll ist. Er drängt sich nie nach vorn wie andere Typen. Vielleicht war er deswegen immer so gut in der Abwehr.

Manchmal frage ich mich jedoch, ob er denkt, dass er es nicht verdient, der Star zu sein, und wie es wohl wäre, mal im Rampenlicht zu stehen. Verteidiger schützen den Torwart, aber Stürmer machen die Tore und bekommen den Ruhm. Ich stelle mir Hayden auf dem Eis vor, wie er mit zielstrebigem, raubtierhaftem Fokus sein Ziel verfolgt. Und dann stelle ich mir vor, wie eine Frau dieses Ziel ist, wie sein Blick sie fixiert, er sie mit seinem attraktiven, selbstbewussten Grinsen und seinem Körper einfängt und ihr Herz zum Rasen bringt.

Er ihr zeigt, dass er sie will.

Ein Schauer läuft mir über den Rücken, landet zwischen meinen Beinen, und ich räuspere mich.

»Alles in Ordnung?« Hayden lächelt und zieht neugierig die Augenbrauen hoch. Die anderen sind wieder in ihre eigenen Gespräche vertieft und achten nicht mehr auf uns.

»Klar.« Meine Stimme klingt piepsig, also räuspere ich mich erneut. »Ich kann mir dich gar nicht als Stürmer vorstellen.«

Er wirft mir einen verwirrten Blick zu. »Nein?«

»Nein.«

Hayden ist ein großer Kerl, wie die anderen Verteidiger, aber irgendetwas an seiner Spielweise ist anders – geschmeidig und leicht, als würde er die Lücken auf dem Eis füllen. Das lässt mich denken, dass er sich zurückhält. Als würde er für die anderen spielen und nicht für sich selbst.

Mir fallen die Spielstrategien ein, die ich zu Hause auf meinem Laptop gespeichert habe. Vor ein paar Jahren habe ich auf YouTube Analysen von Eishockeyspielen entdeckt. Ich habe mir ein Video nach dem anderen angesehen, in dem Fachleute darüber diskutiert haben, wie sie Daten und statistische Analysen nutzen, um Muster zu erkennen und Ergebnisse vorherzusagen. Diese Daten halfen den Teams, besser zu spielen, sich schneller von Verletzungen zu erholen und mehr Tore zu erzielen.

Ich habe meine eigenen Strategien entwickelt, einfach um zu schauen, ob ich das kann. Anders als meine langweilige alltägliche Tätigkeit hatte diese Aufgabe alles, was ich an der Mathematik an der Universität liebte: wie sie dazu beiträgt, die Welt besser zu verstehen, und wie man durch das Verstehen der Vergangenheit die Zukunft vorhersagen kann.

Diese Dateien habe ich seit einer Ewigkeit nicht mehr geöffnet, aber vielleicht könnte ich sie verwenden, um Hayden zu helfen.

Ich verwerfe den Gedanken schnell wieder.

Vancouver Storm hat ein ganzes Trainer- und Betreuerteam, das den Spielern hilft, ihr Bestes zu geben. Sie brauchen keine Frau, die hobbymäßig Zahlen in ein Programm eingibt und sich einmischt.

Es hat Konsequenzen, wenn man in diesen Dingen falschliegt. Schmerzhaft steigt die Scham in mir hoch. Andere Menschen könnten unter meinen Fehlern leiden.

»Darcy?« Hayden mustert mich besorgt. »Woran denkst du?«

»An nichts.« Ich zwinge mich zu einem Lachen und verdränge die Erinnerungen an meinen ersten Job nach dem Studium, die Erinnerungen, von denen ich glaubte, sie gut vergraben zu haben. Dann hole ich schnell mein Handy raus. »Übrigens habe ich nachgelesen, wie man ein Player wird.«

Er schenkt mir ein schiefes Lächeln, seine Augen funkeln im Licht der Bar. »Du hast recherchiert?«

»Natürlich.« Ich werfe ihm einen Blick zu, der so viel heißt wie Logo. »Kennst du mich überhaupt?«

Offenkundig amüsiert schüttelt er den Kopf. »Okay, Andersen, was hast du rausgefunden?«

Ich rufe die mit einem Lesezeichen versehene Seite auf. »Wie man ein Player wird – die Basics.«

Kapitel 6

Darcy

»Nein.« Lachend späht Hayden über meine Schulter auf mein Handy. »Das ist doch nicht echt?«

»Doch. Du wirst schon sehen.« Sein Duft umhüllt mich. Er ist frisch geduscht. Sofort habe ich Schmetterlinge im Bauch. »Regel Nummer 1: Sei immer selbstbewusst und bleib cool.« Ich werfe Hayden neben mir einen vielsagenden Blick zu – sein muskulöser Arm liegt auf der Oberkante der Sitzbank – und ahme seine Haltung nach. Er nimmt sogar seinen Arm weg, um mir mehr Platz zu machen. Allerdings bin ich kleiner als er und muss mich strecken, um die Lehne zu erreichen. Sieht weder selbstbewusst noch cool aus, aber er lacht trotzdem.

Mit erhobenem Kinn grinse ich schief und zwinkere ihm zu. »Na, Baby, was geht?«

Er schnaubt. »Du bist ein Naturtalent.«

»Danke schön.« Ich kichere und blicke wieder auf meine Liste. »Regel Nummer 2: Hab eine Player-würdige Bude. Bei Ledersofas und einem riesigen Fernseher fühlen sich Frauen wie zu Hause.« Skeptisch verziehe ich das Gesicht. »Keine Ahnung, ob das stimmt, aber deine Wohnung ist schön.«

Wenn ich mir jedoch vorstelle, Typen nach Dates mit zu ihm nach Hause zu bringen, fühlt sich das seltsam an. Hayden ist mein Freund, und er hat meine Beziehung mit Kit jahrelang mitbekommen, also sollte es mir nichts ausmachen, aber einen Kerl anzubaggern, während Hayden nebenan in seinem Schlafzimmer ist oder, noch schlimmer, dabei zusieht? Das geht gar nicht.

»Unsere Wohnung«, sagt er.

Ich schaue ihn verständnislos an. »Hm?«

»Du hast gesagt, deine Wohnung, aber du wohnst jetzt auch dort.« Er lächelt. »Das war der Deal. Du hast es mir versprochen.«

Eine wohlige Wärme durchströmt mich. »Sie gehört aber dir, und ich bezahle keine Miete.«

Er winkt ab. »Haarspalterei.«

»Hayden.«

Er grinst mich jungenhaft an. »Darcy.« Ich öffne den Mund, um zu protestieren, doch er unterbricht mich. »Ich habe dich gern als Mitbewohnerin. Und dir gefällt es dort, oder?«

»Klar.« Er ist wesentlich ordentlicher als Kit und wäscht seine Wäsche selbst. Ich nutze das große Badezimmer, und er hat ein eigenes, das an sein Schlafzimmer angrenzt, also streiten wir uns nicht um die Dusche. Mich freut es, nach der Arbeit nach Hause zu kommen und ihn zu sehen, wenn er nicht gerade unterwegs ist und ein Spiel hat. »Ist irgendwie wie damals an der Uni, als wir noch in Wohnheimen hausten.«

»Gut.« Er beugt sich vor und senkt die Stimme. »Ich hab’s kapiert.«

Ich lache, und mein Herz zieht sich vor Zuneigung zu diesem Kerl zusammen. Egal, wie berühmt er wird, wie viel Geld er verdient oder welchen Status er als einer der besten Spieler der Liga hat, er ist nett.

»Von mir aus kannst du alles an der Wohnung verändern«, fügt er hinzu. »Geht klar.«

»Alles?« Ich kneife die Augen zusammen, um nicht zu grinsen und ihm womöglich die Überraschung zu verraten, die auf ihn wartet, wenn wir nach Hause kommen. »Also, wenn ich eine riesige Discokugel mitten ins Wohnzimmer hängen und den Boden Neonorange streichen wollte, wärst du damit einverstanden?«

Er grinst. »Klingt lustig.«

»Du bist echt der umgänglichste Typ, den man sich nur vorstellen kann, oder? Vielleicht willst du aber einfach unbedingt, dass ich gevögelt werde.«

Er verschluckt sich beim Trinken und hustet. Als er sich wieder gefangen hat, deutet er auf mein Handy. »Was steht bei Nummer 3?«

»Regel Nummer 3«, lese ich vor. »Sieh aus wie ein Player, nicht wie ein Langweiler. Zeig den Ladys, dass du hier bist, um Spaß zu haben, und nicht was Ernstes suchst. Keine soll glauben, du würdest sie mal heiraten – also müssen Frisur, Klamotten und Auto deine wahre Player-Natur widerspiegeln. Peacocking gibt deinem Spiel einen Schub Raketentreibstoff und ölt die Konversation.« Ich verziehe das Gesicht. »Widerlich.«

Mein Blick wandert an mir herunter, zu meinem Wollpullover – der gleiche wie neulich, nur in einer anderen Farbe. Warm und strapazierfähig. Er passt gut zu Jeans, aber in Kombination mit flachen Absätzen kann ich ihn sogar im Büro tragen. Der Preis war angemessen. Eigentlich das Vernünftigste, was man sich als Kleidungsstück zulegen kann, und trotzdem liebe ich ihn nicht. Er ist okay. Kein Teil, auf das ich mich freue, und ich finde auch nicht, dass er mir besonders steht.

An der Uni trug ich ständig ein The Northern Sword-T-Shirt. So habe ich Hayden kennengelernt – er hat’s erkannt, und wir haben uns vor dem Seminar unterhalten.

Warum trage ich so etwas nicht mehr?

Ist das nicht ein bisschen, äh, grell?, war Kits Kommentar, als ich vom Shoppen ein orangefarbenes Kleid nach Hause brachte. Irgendwas an diesem satten Ton hatte mich einfach glücklich gemacht. Willst du unbedingt auffallen?

Ich verziehe das Gesicht und schaue Hayden an. »Ich sehe aus wie jemand, den man heiraten will.«

»Ach komm«, erwidert Hayden ungläubig.

»Doch, echt.« Ich deute auf mich. »Ich sehe aus wie jemand, der immer seine Steuererklärung pünktlich abgibt, nie den Ölwechsel vergisst und brav Vitamin-D-Tabletten einnimmt.«

Er ist sichtlich amüsiert. »Das machst du ja auch alles.«

»Eben.« Ich schlage mit der Hand nach ihm, woraufhin er lacht. »Verstehst du nicht? Ich muss mich so anziehen und aussehen, wie jemand, den man nicht seiner Mutter vorstellen möchte. Das ist das, was Regel Nummer 3 sagen will. Es geht darum, Spaß zu haben, nicht, den Partner fürs Leben zu finden.«

»Warte mal.« Rory lehnt sich neugierig vor. »Was liest du da?«

»Es ist eine Liste, wie man ein Player wird.« Ich halte mein Handy hoch. »Ich habe sie im Internet gefunden.« Alle unterbrechen ihre Gespräche, hören neugierig zu. »Hayden ist mein neuer Wingman.«

Es folgt eine lange Pause, bis Hazel überrascht die Lippen öffnet und ihre Augen interessiert aufblitzen. »Wirklich?«

Meine Wangen werden warm, aber ich zwinge mich, schön gerade zu sitzen. »Klar. Ich komme gerade aus einer achtjährigen Beziehung, und ich werde keine Zeit mehr verschwenden.«

Hazel und Pippa wechseln einen vielsagenden Blick. Rory sieht zu Hayden, und in seinem Blick liegt etwas, das ich nicht deuten kann. Jamie dagegen starrt lüstern Pippa an.

»Was denn?« Ich blicke von einem zum anderen und werde unsicher. »Ihr denkt, das sei dumm. Ihr haltet es für eine blöde Idee.«

»Nein!«, protestiert Pippa. »Du kommst gerade aus einer langen Beziehung und verdienst es, Spaß zu haben. Und Hayden ist dafür genau der Richtige.«

Hazel zieht spielerisch die Augenbrauen hoch, während sie Hayden anschaut. »Genau. Ihr beide versteht euch sehr gut.«

Hayden schaut weg, bevor er auf meine Liste deutet. »Du musst dein Aussehen nicht verändern, Darce.«

»Ich weiß, dass ich das nicht muss, aber vielleicht möchte ich es ja.« Ein starker Drang überkommt mich. »Ich habe meine Zeit in Calgary hinter mir gelassen und fange jetzt in Vancouver neu an.« Ich schaue an mir herunter. »Also sollte ich mir auch neue Klamotten kaufen.«

»Was stimmt denn nicht mit deinen Klamotten?«, fragt Pippa bedauernd. »Ich liebe den Pullover, den du anhast.«

»Diesen Pullover habe ich auf einem Date angehabt, und der Kerl hat mich quasi auf der Stelle seiner Mutter vorgestellt«, erzähle ich ihr und Hazel und bringe die beiden damit zum Grinsen. »Er wirkt so ordentlich. Aber so möchte ich nicht aussehen, sondern heiß. Ich möchte aussehen wie eine Frau, mit der man Spaß hat, nicht wie eine, mit der man für immer zusammen sein möchte. Und ich möchte Kleidung tragen, die ich toll finde, keine, die mir egal ist.«

Hazel nickt nachdenklich. »Das kann ich nachvollziehen, aber frag mich nicht nach Fashion-Tipps.« Sie deutet auf ihre Yoga-Leggings. »Alles, was ich trage, ist aus Lycra, sehr elastisch.«

Rorys Augen funkeln begeistert. »Großartige Idee!«

»Benimm dich«, ermahnt sie ihn, lächelt jedoch dabei, und mein Herz gerät ins Stolpern.

»Weißt du, mit wem man gut shoppen gehen kann?«, sagt Pippa zu ihrer Schwester. »Mit Georgia.«

Hazel reißt die Augen weit auf. »Ja!«

Am Ende des Tisches räuspert sich Alexei lautstark. »Wenn du willst, dass Darcy ihr Erspartes plündert, vielleicht. Frau Doktor ist ein schlechter Einfluss.«

»Entschuldigung.« Hazel wirft ihm einen strengen Blick zu. »Nur weil du dich nicht mit ihr verstehst, heißt das nicht, dass sie ein schlechter Einfluss ist. Sind wir hier im Kindergarten, oder was?«

»Sie gehört zu den Mannschaftsärzten, und du wirst sie lieben«, versichert mir Pippa. »Sie hat immer die tollsten Schuhe an.«

Gespannte Freude durchströmt mich, und ich unterdrücke ein Grinsen, um nicht zu eifrig zu wirken. »Ich bin dabei. Sag mir einfach, wo und wann.«

»Super.« Pippa lächelt. »Ich werde etwas ausmachen.«

Hayden blickt misstrauisch auf mich herab, also verpasse ich ihm einen spielerischen Schubs. »Was ist Peacocking?«

»Wenn man etwas Auffälliges trägt, das die Leute kommentieren.«

Ich mustere ihn von oben bis unten – er trägt eine schwarze Softshelljacke, die das Blau seiner Augen noch strahlender wirken lässt, dazu ein frisches weißes T-Shirt und Jeans. Nichts Auffälliges oder Knalliges. »Du machst so was nicht.«

Wieder grinst er mich neckisch an. »Das habe ich nicht nötig.«

Ich schnaufe. »Ich eindeutig schon.«

Er zieht an einer meiner Haarsträhnen, und meine Kopfhaut kribbelt angenehm. »Buzz Cut?«

Ich kichere. »Ist eine coole Frisur, aber ich bezweifle, dass ich sie tragen könnte.«

Eine Erinnerung an ein Gespräch mit Kit schießt mir durch den Kopf. Ich wollte mir schon immer die Haare lila färben. Seit ich ein kleines Mädchen war. Ein helles Lila, wie Lavendel. Als ich es ihm sagte, hat er das Gesicht verzogen. Das willst du deinen Haaren doch nicht wirklich antun, oder?, lautete sein Kommentar. Das würde kindisch aussehen. Deine Haare sind schön, so wie sie sind.

Mein Gott, er war echt nervig! Er hatte dieses Bild von der perfekten Frau im Kopf, und jetzt, nachdem ich mehr Distanz zu unserer Beziehung habe, erkenne ich, dass ich nie in dieses Bild gepasst habe.

Ich habe ihm immer wieder kleine Einblicke in mein wahres Ich gegeben – und er hat sie sofort abgewürgt. Was sagt das über mich aus?

Vielleicht hatte er mit den Haaren recht. Das wäre schon sehr speziell gewesen.

Und im Büro der spießigen Versicherungsgesellschaft würden lilafarbene Haare vermutlich nicht besonders gut ankommen.

Hayden stupst mich mit dem Ellenbogen an. »Was steht sonst noch auf der Liste?«

»Regel Nummer 4: Immer einen Plan haben. Das ist deine Aufgabe. Alles andere gebe ich dir vor.«

Hayden sagt nichts.

Also lese ich die letzte Regel vor.

»Regel Nummer 5: Entwickle nie echte Gefühle.« Ich verziehe den Mund zu einem schiefen Lächeln, aber es wirkt gezwungen. »Da besteht keine Gefahr.«

Hayden betrachtet mich eine gefühlte Ewigkeit lang. »Bist du dir sicher, dass du das möchtest?«

In seinem Blick liegt etwas Ernstes, als hätte er Angst, dass ich einen großen Fehler mache.

Doch es fühlt sich nicht wie ein Fehler an, sondern wie meine einzige Option. Ich kann nicht wieder der Mensch sein, der ich vorher war – der jemand anderem die Zügel überlässt. Selbst jetzt – hier in der Bar mit den anderen zu reden und zu lachen, ohne mir Sorgen zu machen, dass wir zu lange bleiben, weil Kit immer früh ins Bett wollte – fange ich an, mich wieder wie ich selbst zu fühlen.

Hayden hat bestimmt Angst, dass mir jemand das Herz bricht. Wenn ich mich verliebte, würde ich mich wieder verlieren. Das weiß ich einfach. 

Ich bin nicht wie Hazel oder Pippa, die beide genau wissen, wer sie sind. Ich bin noch dabei, das herauszufinden.

»Absolut«, versichere ich ihm. »Die Wahrscheinlichkeit, dass ich mich in jemanden verliebe, ist gleich null. Ich möchte nichts Ernstes.« Ich lächle, um ihm zu zeigen, dass es mir gut geht. »Also, wann fangen wir an? Jetzt gleich?«

Er reibt sich über den Nacken. »Nicht hier. Nicht, während alle zuschauen. Lass uns morgen ausgehen, nur wir beide.«

»Und du zeigst mir dann, wie man Typen anmacht?«