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Studienarbeit aus dem Jahr 2003 im Fachbereich Geschichte Europas - Neuzeit, Absolutismus, Industrialisierung, Note: 2, Eberhard-Karls-Universität Tübingen, Sprache: Deutsch, Abstract: Thomas Müntzer ist sicher eine der schillerndsten Figuren der frühen Reformations- und Bauernkriegszeit. In meiner Arbeit habe ich die Ereignisse des Thüringer Aufstandes und vor allem seinen Zusammenbruch nachgezeichnet. Gerade bei der letzten Schlacht von Thomas Müntzer und seinen Anhängern am 14. und 15. Mai 1525 mit dem Landgraf Philipp von Hessen und seinen Verbündeten widerspricht sich die bisherige Geschichtswissenschaft in der Darstellung der Ereignisse. Das hat mich neugierig gemacht. Ich habe die Quellen gelesen und mir das Gelände vor Ort angeschaut und bin zu dem Schluss gekommen, dass die letzten beiden Tage des Thüringer Aufstandes anders abgelaufen sein müssen, als bisher angenommen. In meiner Arbeit entwickle ich aus den historischen Quellen und der Geländeerkundung vor Ort einen möglichst präzisen Ablauf von der Niederlage des Bauernaufstands unter Thomas Müntzer in Thüringen.
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Veröffentlichungsjahr: 2010
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-Letzte Tage des Kampfes,
Ihre Bedeutung zieht die Schlacht von Frankenhausen nicht aus der Sache selbst, kann man doch nur schwer von einer Schlacht im eigentlichen Sinne, als viel mehr von einem Schlachten sprechen. Über 5000 erschlagene Aufständische1bedeckten das Feld vor Frankenhausen. Noch heute erinnern der Hausberg, im Gedenken an das Geschehene in „Schlachtberg“ umbenannt, und das kleine Tal, die „Blutrinne“, an das grausame Gemetzel. Nein, mit der Niederlage bei Frankenhausen ging, und das hebt sie über die anderen großen Schlachten des Bauernkrieges, ein radikales Alternativprogramm der Reformation unter2.
Für die Seite der Fürsten legte die Person Müntzers das Schlachtfeld fest. Ganz richtig erkannten sie nicht in der Freien Reichsstadt Mühlhausen und nicht in dem defensiven Heinrich Pfeiffer, sondern in der planvollen Aggression Müntzers, Puls und Blut des Aufstandes3. Ihn galt es auszuschalten, sollte die Ruhe im Land wiederhergestellt werden. Deutlich wird das an der Marschroute des Landgrafen Philipps von Hessen. Als Philipp erfährt, dass Müntzer von Mühlhausen nach Frankenhausen aufgebrochen ist, lässt er den ursprünglichen Plan, im Feld vor Mühlhausen mit den anderen Fürsten zusammenzutreffen, um die Stadt zu unterwerfen, fallen und schwenkt stattdessen auf Frankenhausen ein4. Herzog Georg von Sachsen kommt Müntzers Zug nach Frankenhausen nicht ungelegen, kann er
1Diese Zahl ist nach den Berichten als Untergrenze anzunehmen. Vgl. Fuchs, Walther Peter, Akten zur Geschichte des Bauernkriegs in Mitteldeutschland, Band II, Jena 1942, (künftig abgekürzt als AGBM II), Nr. 1469, S. 305: „ […] in die 6000 dot bliben [...]“ und Nr. 1474, S. 309: „[...] uber 5000 pauern erstochen [...]“ ebenso Nr. 1487, S. 319 „[...] begraben lassen, der man in die 5000 algereit befunden [...]“ sowie Nr. 1495, S. 325: „[…] bis in 5500 erstoechen [...]“;
2Vgl. Ebert, Klaus, Thomas Müntzer - Von Eigensinn und Widerspruch, Frankfurt am Main 1987 (künftig abgekürzt als Ebert, Von Eigensinn), S. 214: „Der Mühlhäuser Haufen unterscheidet sich [...] grundsätzlich von anderen Gruppierungen. Er versteht sich als eine Heerschar, die das Reich Gottes auf Erden errichten will.“ In gleichem Maße traf das auf den Frankenhäuser Haufen nach der Übernahme durch Thomas Müntzer zu.
3So schreibt z.B. Hans Zeiß, der Schosser von Allstedt am 7. Mai, AGBM II, Nr. 1354, S. 229: „[…] E.Cf.G. wolten gutlich mit in [den Frankenhäusern] handeln lassen. Aber der von Molhaußen rott ist gants geferlich [...]“. Interessant, dass sich der Schosser von Allstedt weniger vor dem keine 20 Kilometer entfernten (für alle Entfernungsangaben siehe Anhang S. 36) Frankenhäuser Haufen fürchtet, als vor dem rund 70 Kilometer entfernten Mühlhäuser Haufen mit Thomas Müntzer! In Sachen Müntzer scheint Hans Zeiß ein gutes Gespür gehabt zu haben, warnte er doch schon am 20. Juli 1524, also beinahe ein Jahr vor dem Ausbruch des Aufstandes in einem Brief, AGBM II, Nr. 1125b, S. 941: „[...] das von grossen noten sei, das magister Thomas verhort werde, [...] von grossen noten, das es forderlich und bald geschee, [...] dan geschichts nicht, [...] ist zu besorgen, das sich das volk mit haufen zusamen wirt werfen, wie er dan offentlich propheceit. Das wird placken und rauben und ein solicher unlust in dieser art werden, dovon nie gehort.“
4Ob die Fürsten von Anfang an der Meinung waren, Müntzer wäre die Wurzel allen Übels, oder die Schuld eher bei der Freien Reichsstadt Mühlhausen als Unruheherd suchten, lässt sich nunmehr schwer beurteilen. Zu Beginn des Thüringer Aufstandes war Müntzer ja so etwas wie ein Synonym für den Aufstand in Mühlhausen und andersherum. Mühlhausen als stark befestigte Stadt war der Ausgangspunkt für alle Operationen der Aufständischen. Kein Wunder also, dass die Fürsten die Brutstätte des Aufruhrs austrocknen und dazu vor Mühlhausen zusammentreffen wollten. Tham von Herda, AGBM II, Nr. 697, S. 470, berichtet am 11. Mai 1525, dass Landgraf Philipp von Hessen und Herzog Heinrich von Braunschweig „[…] mit ale irm gezig gen Ysenach inkomen und den nesten nach Mylhusen, da di burn stark leigen, zigen; da sal herzig Yerg und herzig Hans von Sachsen zu in kom mit irm zig;“ Bis Samstag, den 13. Mai 1525 waren in Erfurt keine neueren Angaben zu erhalten. Zwei Bürger aus Frankenhausen, von Müntzer mit einem Hilfsgesuch nach Erfurt geschickt, schreiben nach Frankenhausen, AGBM II, Nr. 1437, S. 282: „Ich bin auch weiter bericht, das herzog Jorge [...] sich mit einen zuge sambt dem lengkgrefen und weiterne anhange vor Molhusen zu legern.“ Nur der Auszug Müntzers aus Mühlhausen kann Philipp von Hessen zur Änderung der Marschroute veranlasst haben. Hätte Philipp den wirklichen Gegner in Mühlhausen gesehen,
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sich so doch noch rechtzeitig mit Landgraf Philipp vereinigen, um gemeinsam gegen die Aufständischen vorzugehen5. Als Aufmarschbasis dient die als uneinnehmbar geltende Wasserburg Heldrungen des Grafen Ernst von Mansfeld. Damit kann sich der Herzog auf eine sichere Operationsbasis stützen.
Besondere Bedeutung aber muss Frankenhausen für Thomas Müntzer beigemessen werden. Nur vordergründig scheinen die beiden Hilfsgesuche, die Frankenhausen Ende April6und am 7. Mai 15257an Mühlhausen richtet, Müntzer zum Zug nach Frankenhausen bewegt zu haben. Die Summe der Beweggründe ist vielschichtiger und liegt tiefer.8von Frankenhausen entfernt lag die Festung Heldrungen, der Sitz des Grafen Kaum 10 Kilometer
Ernst von Mansfeld, den eine persönliche Feindschaft mit Müntzer verband, deren Wurzeln bis ins Jahr 1523 zurückreichten, als Ernst von Mansfeld seinen Untertanen verboten hatte, Müntzers Predigten zu besuchen9. Daran schloss sich sogleich die für Müntzer wichtige religiöse Begründung an: weil der katholische Graf die Predigt des Evangeliums untersagt hatte, also dem Wort Gottes und dessen Verbreitung entgegenwirkte, war er als Feind desselben anzusehen - damit war er automatisch zum Feind Müntzers geworden - nicht nur persönlich, sondern sozusagen auch beruflich10. Mit dem
hätte ihn sicher nichts davon abbringen können, die Stadt zu belagern und schließlich zu erobern, zumal die Entfernung von Langen Salza aus, das er am 12. Mai eingenommen hatte (AGBM II, Nr. 1437, S. 282), nach Mühlhausen ca. 21 km, nach Frankenhausen aber ca. 55 km betrug, er also nach Frankenhausen nur den „Umweg“ von etwas mehr als 20 km über Mühlhausen hätte nehmen müssen. Keinesfalls wäre Philipp als Feldherr dem „schwachen“ Müntzer hinterhermarschiert und hätte den Hauptfeind Mühlhausen - hätte er es denn dafür gehalten - unangetastet in seinem Rücken geduldet. Spätestens mit der Nachricht von Müntzers Zug nach Frankenhausen war Philipp klar geworden, dass nicht Mühlhausen, sondern Thomas Müntzer der eigentliche Gegner war. Auch Manfred Bensing, Thomas Müntzer und der Thüringer Aufstand 1525, Berlin 1966 (künftig abgekürzt als Bensing, Thüringer Aufstand), S. 210, sieht im Verhalten des Landgrafen das Ziel, „den Kern der revolutionären Bewegung vernichten [zu] wollen.“ Klaus Ebert, Von Eigensinn, S. 215, spricht Müntzer dagegen erst mit dem Zug nach Frankenhausen seine Führungsposition zu. Davor werde, wie der Bericht des Schossers Hans Zeiß aus Allstedt, AGBM II, Nr. 1323, S. 203: „Es ist auch nicht, das Muntzer ein rottmeister sei ader solichen haufen furen sole, wie man sagt. Er ist nichts anders dann ein prediger der von Molhausen. So sein sonst im haufen auch vil prediger [...]“ belege, Müntzers Rolle im allgemeinen überschätzt. Die Wirkung, die Müntzer auf die Gemüter der gemeinen Bevölkerung ausübte, kann meiner Einschätzung nach kaum überschätzt werden. Eine militärisch entscheidende Rolle dagegen kam ihm erst mit dem Zug nach Frankenhausen zu. Doch war er in Thüringen ein ganz wesentlicher Wegbereiter, dass es so weit überhaupt erst kommen konnte.
5Herzog Georg, von Osten her anrückend, traf nach Gess, Felician (Hrsg.), Akten und Briefe zur Kirchenpolitik Herzog Georgs von Sachsen, Band II, Nachdruck der Ausgabe Leipzig, Berlin 1917, Köln/Wien 1985 (künftig abgekürzt als Gess II), Nr. 980, S. 227, mit seinem Heer erst am 14. Mai in Heldrungen ein, wobei sich noch 3 Fähnlein auf dem Marsch befinden und, wie Herzog Georg hofft, bis 5 Uhr früh des 15. Mai vor Heldrungen eintreffen sollen. Ein Treffen der Fürsten in der Mitte, vor Frankenhausen, konnte rund 2 Tage früher stattfinden, als wenn Herzog Georg den Weg nach Mühlhausen zu dem dort wartenden Heer Landgraf Philipps gestoßen wäre. Nicht vergessen werden darf, dass Herzog Georg am Frankenhäuser Haufen vorbei nach Mühlhausen hätte marschieren müssen, den Feind als zunächst in der Flanke, danach im Rücken gehabt hätte, was für jeden taktisch und strategisch denkenden Feldherr eine äußerst unangenehme und zu vermeidende Lage darstellt. Landgraf Philipp dagegen hatte von dem aufgelösten Mühlhäuser Haufen weniger zu befürchten und konnte davon ausgehen, dass die Mühlhäuser selbst, besonders ohne Müntzer, vor allem auf Verteidigung aus sein würden.
6Das Schreiben ist nicht erhalten. Müntzers Antwort darauf findet sich abgedruckt bei Böhmer, Heinrich und Kirn, Paul (Hrsg.), Thomas Müntzers Briefwechsel auf Grund der Handschriften und ältesten Vorlagen, Leipzig/Berlin 1931 (künftig abgekürzt als Böhmer-Kirn, Briefwechsel), Nr. 77, S. 112-113.
7AGBM II, Nr. 1365, S. 235-236.8Luftlinie; für Entfernungsangaben siehe Anhang S. 36.
9Der Druck der Gottesdienstordnung Müntzers und dessen Veränderungen am Gottesdienst selbst, stellten einen Verstoß gegen das Wormser Edikt dar, so dass Graf Ernst von Mansfeld seinen Untertanen bei Strafe verbot, den Gottesdienst im benachbarten Allstedt zu besuchen, wo Müntzer die Pfarrerstelle innehatte; Ebert, Von Eigensinn, S. 124.
10In seinem Bekenntnis, Böhmer-Kirn, Briefwechsel, Anhang Nr. 8, S. 163 antwortet Müntzer auf die Frage, weshalb er den Grafen Ernst zu Mansfeld beschädigt hätte : „sey dorumb gescheen, dan sich dye underthan beclagt, das in das wort gottes nit geprediget, were auch verpotenund hett nit wollen nachgelassen werden dorzu zu gehen.“
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Frankenhäuser Haufen wäre Müntzer gleichsam die Gewalt in die Hand gegeben, seinen alten Erzfeind11zu strafen.
Strategischen Überlegungen muss mit Sicherheit ein starkes Gewicht beigemessen werden. Als12, stellt der Frankenhäuser Haufen Müntzer am 10. oder 11. Mai 1525 nach Frankenhausen aufbricht
den einzig größeren Bauernhaufen der näheren Umgebung dar13. Der Mühlhäuser Haufen hatte sich nach seinem achttägigen Zug14durchs Eichsfeld aufgelöst15, die Haufen im Südwesten waren von Landgraf Philipp von Hessen zerschlagen worden16und Philipp selbst zog am Abend des 11. Mai bereits mit mindestens 1400 Reitern in Eisenach ein17. Außer dem Frankenhäuser Haufen gab es um den 10. und 11. Mai 1525 also gar keinen größeren Haufen mehr, dem Müntzer hätte zuziehen und den er zur Umsetzung seiner Vorstellungen hätte benutzen können.18
Müntzer hatte, im Gegensatz zu den einfachen Leuten und anderen Führern wie Heinrich Pfeiffer, den Blick des Strategen für Zusammenhänge und verfügte auch über einen Aufstandsplan19. Nicht um
11Müntzers persönlicher Hass und seine Verachtung gegenüber Graf Ernst von Mansfeld kommen beide in seinem Brief an den Grafen vom 12. Mai 1525, Böhmer-Kirn, Briefwechsel, Nr. 88, S. 122-123, deutlich zum Ausdruck. Müntzer gebraucht gegenüber dem Grafen in offenem Angriff gegen die weltliche Obrigkeit, der seinesgleichen sucht, ganz ungeheuerliche Worte, wenn er ihn mit „du elender dorftiger madensack“ anspricht, von ihm fordert „und solt dich auch entschuldigen deyner uffenbarlichen tyranney“, feststellt „Es will keyne scham in dich“, weissagt „Wirstu dich nicht demutigen vor den cleynen, so [...] wirst des teufels marterer werden“, feststellt „got hatz geheissen, dich von dem stull mit gewalt uns gegeben zu stossen; dann du bist der christenheit nichts nutze, du bist ein schadlicher staubbessem der freunde gottis“ und die Konsequenzen zieht „dein nest muß zerrischen und zerschmettert werden“.12Ebert, Von Eigensinn, S. 210.
13Bensing, Thüringer Aufstand, S. 193. Gess II, Nr. 961, S. 208: „So seynt auch der Hauf aus Mulhaussen auch von eynander, und seynt itzt zur zeyt dys orts keyn hauf mer beyeynander, dann der zu Frangkenhaussen [...]“.
14AGBM II, Nr. 1354, S. 228. Der Allstedter Schosser Hans Zeiß berichtet am 7. Mai: „Des haufens von Molhaußen solln ungeverlich bei 15 000 sein. Dieselbe sein achtag ufm Eysfelt umbgezogen [...]“.
15Laut Walter Elliger, Thomas Müntzer - Leben und Werk, Göttingen 1975 (künftig abgekürzt als Elliger, Leben und Werk), S. 747 hatte sich der Mühlhäuser Haufen bis zum 7. Mai bei Worbis, aufgelöst. Einen Überblick über die Züge des Mühlhäuser und Thüringer Haufens bietet Bensing, Thüringer Aufstand, S. 116.
16Die Aufstandszentren zerschlägt Philipp von Hessen nach einander. Bis zum 29. April 1525 ist, nach Franz, Günther (Hrsg.), Akten zur Geschichte des Bauernkriegs in Mitteldeutschland, Band I, zweite Abteilung, Leipzig/Berlin 1934 (künftig abgekürzt als AGBM I), Nr. 494, S. 363, Hersfeld in des Landgrafen Hand. Philipp sieht die Gefahr dass die Bauern bei Fulda, „bis in die 7000 oder 8000 stark“, bei Schmalkalden und im Gerstigau „alle drei [...] in einem tage zusamen konnen komen“, was ihn zum Handeln zwingt. Laut AGBM I, Nr. 609, S. 415, fiel das nächste Aufstandszentrum, Fulda, am 3. Mai in Philipps Hand. Doch liegen laut einem Bericht Philipps an den Schwäbischen Bund vom 6. Mai, AGBM I, Nr. 632, S. 437, immer noch 20000 Bauern vor Schmalkalden. Auch wenn die Zahl sicher übertrieben ist, erhofft sich doch Philipp 500 Reiter auf Bundeskosten halten zu dürfen und zeichnet dazu seine Lage besonders düster, scheint der Werrahaufen eine beachtliche Größe gehabt zu haben. So spricht auch Philipp von Solms, AGBM I, Nr. 619, S. 424, von 18000 Bauern. Davon kamen gerade einmal 2000 Mann vor Eisenach an, AGBM I, Nr. 646, S. 444, die nach Bensing, Thüringer Aufstand, S. 100, wohl den Kontakt zum Mühlhäuser und Thüringer Haufen suchten und eine überregionale Aufstandsbewegung unterstützten. Der Rest des Haufens hatte sich verlaufen. Nachdem Hans Sippel, der Hauptmann des Haufens bei Eisenach gefangengenommen und hingerichtet worden war, verlief sich der führerlose Rest des Werrahaufens (Bensing, Thüringer Aufstand, S. 158).
17Tham von Herda berichtet am 11. Mai, AGBM I, Nr. 697, S. 470, „Herzig Heinerig, [...] von Brunschwick [...] seint mit 800 wol gerister pferden bim lantgraufen; [...] So hat der lantgrauf auch [...] 600 pferd [...]“. Sie „werden diese nacht mit ale irm gezig gen Ysenach inkomen [...]“. Philipp von Hessen forderte, abgedruckt in ABGM I, Nr. 687, S. 462, vom Schultheissen von Eisenach für Donnerstag, den 11. Mai 1525 für 1500 bis 1600 Pferde Stallung zu bestellen.
18Nach AGBM I, Nr. 695, S. 468, lag der Bildhäuser Haufen am 11. Mai in Mellrichstadt, welches mehr als 80 km Luftlinie im Süden von Mühlhausen liegt, hatte eigentlich vorgehabt, nach Würzburg zu ziehen und war nur auf die Nachricht, Philipp von Hessen wolle auf Meiningen ziehen, umgekehrt. Da Würzburg in entgegengesetzter Richtung zu Mühlhausen liegt, war eine Orientierung hin zu Müntzer ohnehin nie wahrscheinlich. Spätestens mit der Ankunft Landgraf Philipps von Hessen in Eisenach in der Nacht des 11. Mai 1525 (vgl. S. 15) aber waren gemeinsame Aktionen ausgeschlossen.
19Peinlich befragt bekennt er im auf den 16. Mai 1525 datierten Bekenntnis, Böhmer-Kirn, Briefwechsel, S. 165, „Woe es ime recht gangen nach seynem synne [...] er wolle das land uff 10 meyl weges umb Molhawsen eyngenomen haben und das land zu Hessen und mit den fursten und herrn verfaren, wye oben angezeygt [bei Widerstand köpfen].“ Die Tragweite dieses Vorhabens wird erst deutlich, wenn man sich bewusst macht, dass eine Meile, von der Müntzer spricht ungefähr 9 Kilometer entspricht (siehe S. 36-37: Bestimmung der Länge einer Meile). Das entspräche einem Umkreis von ca. 90 km um Mühlhausen, von Jena im Osten bis über Kassel im Westen, von Fulda und Mellrichstadt in eher südlicher Richtung bis über Goslar im Norden hinaus, in die Nähe Salzgitters, Braunschweigs und Wolfenbüttels (Diercke Weltatlas, 1974, S. 14/15). Die
