Three Oaks - Folge 3 - Dan Adams - E-Book
Beschreibung

Colorado, Winter 1879. Der junge Arzt Allan Kerrish ist auf der Flucht vor den Männern von Senator Cahill. Auf seinem Weg durch die verschneite Landschaft rettet er Catherine Archer das Leben. Ihr Mann wurde ermordet, und die Täter sind mit der Besitzurkunde für die Archer-Goldmine über alle Berge. Der Doktor und die Witwe landen in dem trostlosen Goldgräbernest Three Oaks - einem gesetzlosen Ort, in dem allein das Recht des Stärkeren zählt. Folge 3: Briefe eines toten Mannes Nach dem Mordanschlag auf Catherine engagiert Kerrish den gealterten Kopfgeldjäger Phil Rooper zu ihrem Schutz. Kurz darauf stößt Kerrish auf Papiere, die beweisen, dass Catherine die wahre Besitzerin der Goldmine ist. Währenddessen hat Jordan den Störenfried Crazy Norman angeheuert, der die Stimmung im Camp der Goldgräber weiter aufheizt. Three Oaks - die neue Western Serie von Bastei Entertainment. Für Fans von "Deadwood", "True Grit" und "Hell on Wheels".

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Seitenzahl:132


Inhalt

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Three Oaks

Über diese Folge

Die Charaktere

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Über den Autor

Titel

Impressum

Briefe eines toten Mannes

In der nächsten Folge

Three Oaks

Colorado, Winter 1879. Der junge Arzt Allan Kerrish ist auf der Flucht vor den Männern von Senator Cahill. Auf seinem Weg durch die verschneite Landschaft rettet er Catherine Archer das Leben. Ihr Mann wurde ermordet, und die Täter sind mit der Besitzurkunde für die Archer-Goldmine über alle Berge. Der Doktor und die Witwe landen in dem trostlosen Goldgräbernest Three Oaks – einem gesetzlosen Ort, in dem allein das Recht des Stärkeren zählt.

Über diese Folge

Folge 3: Briefe eines toten Mannes

Nach dem Mordanschlag auf Catherine engagiert Kerrish den gealterten Kopfgeldjäger Phil Rooper zu ihrem Schutz. Kurz darauf stößt Kerrish auf Papiere, die beweisen, dass Catherine die wahre Besitzerin der Goldmine ist. Währenddessen hat Jordan den Störenfried Crazy Norman angeheuert, der die Stimmung im Camp der Goldgräber weiter aufheizt.

Die Charaktere

Dr. Allan Kerrish besaß in Sante Fe seine eigene Praxis und war beliebt und angesehen. Doch dann zieht er die Wut von Senator Cahill auf sich und muss aus der Stadt fliehen – verfolgt von Cahills Männern. Als Kerrish nach Three Oaks kommt, hofft er, sich hier für eine Weile verstecken zu können.Kerrish ist kein Kämpfer, aber wenn er dazu gezwungen wird, greift er auch zur Waffe. Ein guter Schütze ist er allerdings nicht.

Catherine Archer wird nach dem Mord an ihrem Mann von Kerrish gerettet und nach Three Oaks gebracht. Catherine ist eine starke und gerechtigkeitsliebende Frau, die ihren rechtmäßigen Besitz zurückfordert und Rache an den Mördern ihres Mannes nehmen will.

John D. Twissle ist der Besitzer des Silver Coin Saloons in Three Oaks. Twissle hat sein gesamtes Geld in den Ort gesteckt und Land aufgekauft. Doch dann versiegten die Goldminen und die Stadt verödete. Twissle lässt sich dennoch nicht unterkriegen. Er verkauft weiter Schnaps und Huren, weil es das ist, was er am besten kann.

Victoria »Brandy« Winters kam gemeinsam mit ihrem Verlobten und der Hoffnung nach Three Oaks, dort Gold zu finden und ein neues, besseres Leben zu beginnen. Aber es sollte anders kommen. Die Minen waren versiegt und ihr Verlobter begann zu trinken und Brandy zu verprügeln. Zum Glück verschwand er eines Tages in den Bergen. Brandy strandete bei Twissle und arbeitet in seinem Saloon als Hure. Sie hasst dieses Leben.

Miss Coralina wird von allen Cora genannt und arbeitet als Hure im Saloon. Sie ist eine mexikanische Schönheit, aber auch durchtrieben und boshaft. Sie weiß ihre Reize einzusetzen, um Männer zu manipulieren und bekommt stets, was sie will.

Douglas Jordan wirkt auf den ersten Blick wie ein freundlicher Geschäftsmann, ist in Wirklichkeit aber ein gerissener und skrupelloser Gangster, der über Leichen geht und zu brutaler Gewalt neigt. Meist agiert er aus dem Hintergrund heraus. Er kommt nach Three Oaks, wo er sich als Bennett Archer, den Besitzer der Goldmine, ausgibt. In Wirklichkeit hat er ihn zuvor ermorden lassen, um an die Besitzurkunde zu gelangen. Um an das Gold der Archer-Mine zu kommen, würde er selbst einen Pakt mit dem Teufel eingehen.

Travis Jordan ist Douglas’ jüngerer Bruder. Travis ist ein gefährlicher und unberechenbarer Killer. Mit seiner Bande raubt er von Postkutschen bis Banken alles aus, was ihm Geld einbringt. Dabei ist er schnell mit dem Colt zur Hand. Große Pläne sind nicht seine Sache. Tote und Verletzte nimmt er bei seinen Überfällen schulterzuckend in Kauf.

Sweet Anny ist Travis’ Geliebte. Die Frau mit dem hübschen Gesicht kann reiten und schießen wie ein Mann. Sie gibt sich unnahbar und zeigt keine Schwäche. Daher wird sie von Travis’ Leuten respektiert. Doch Anny zweifelt, ob der Weg, den sie gewählt hat, wirklich der richtige ist.

Donan O’Greer hat in der Archer-Mine gearbeitet und ist der Anführer der meist irisch-stämmigen Minenarbeiter. Als die Archer-Mine einstürzt und siebzig Männer unter sich begräbt, ist darunter auch sein Sohn. Seitdem ist er verbittert und wütend auf alle Minenbesitzer, die sich einen Dreck um die Sicherheit in den Stollen kümmerten. Obwohl die Minen längst versiegt sind, bleibt er in Three Oaks, da er seinen toten Sohn nicht allein lassen will, der immer noch in der Mine begraben liegt.

Crazy Norman ist eine Flussratte. So werden die Männer genannt, die keinen Claim in den Bergen bekommen haben und das wenige Schwemmgold aus den Bächen und Flüssen fischen müssen. Wie alle Flussratten führt auch Crazy Norman ein erbärmliches Leben, von allen verachtet. Crazy Norman ist skrupellos, nur den anderen Flussratten gegenüber zeigt er sich loyal. Sein Hass auf die Goldgräber im Camp ist grenzenlos.

Caleb Jones ist ein Mann, der die Stille und die Einsamkeit der Berge liebt. Er nimmt alles mit Humor und einem Augenzwinkern, aus Streitigkeiten hält er sich gern raus. Für die Leute im Goldgräbercamp ist er sowas wie die gute Seele.

Jellycoe ist ein ehemaliger Sklave, der keinem Weißen traut – außer seinem Freund Caleb Jones, den er während des Bürgerkriegs kennengelernt hat. Die beiden sind wie Blutsbrüder. Sie bewohnen eine Hütte in den Bergen, wo sie als Trapper und Jäger leben. Jellycoe hat ein Mädchen in Three Oaks – Martha, die als Mädchen für alles im River Look Hotel arbeitet.

Joshua Sykes arbeitet als Goldgräber und stellt sich gegen deren Anführer Donan O’Greer. Eine Revolution will er aber nicht anzetteln, da jede Revolution Blut kostet. Doch dann lässt er sich doch vor den falschen Karren spannen.

Über den Autor

Dan Adams ist das Pseudonym von Jürgen Scheiven, geboren 1971. Er war Stipendiat der Bastei Lübbe Academy und nahm 2014 an der einjährigen Masterclass teil. In der Halloween-Anthologie Angel Island (Bastei Lübbe, 2014) erschien seine Kurzgeschichte »Die Mauern von Ronwick Abbey«.

DAN ADAMS

Folge 3: Briefe eines toten Mannes

Western-Serie

BASTEI ENTERTAINMENT

Digitale Originalausgabe

Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG

Copyright © 2016 by Bastei Lübbe AG, Köln

Textredaktion: Jan Wielpütz

Lektorat/Projektmanagement: Stephan Trinius

Covergestaltung: © Guter Punkt unter Verwendung von Motiven von istock

E-Book-Erstellung: Urban SatzKonzept, Düsseldorf

ISBN 978-3-7325-1610-0

www.bastei-entertainment.de

www.lesejury.de

Den Weg zu Sam Dugnalls Drugstore hätte Kerrish sich sparen können. Ash Williams, der Schnapsbrenner, hatte dem Ladenbesitzer nichts verkauft, von dem Kerrish annehmen konnte, dass es für Catherine Archer von Wert oder Bedeutung gewesen wäre.

Zumindest hatte er von Dugnall erfahren, wo er Phil Rooper finden konnte. Kerrish erinnerte sich gut daran, wie respektvoll Twissle im Saloon von dem alten Revolverhelden gesprochen hatte. Wenn er sich schon genötigt sah, in die Berge aufzubrechen, wollte er Catherine wenigstens gut bewacht wissen.

Nun stand er vor einem unscheinbaren Haus unweit des Flusses. Das Gebäude besaß zwei Stockwerke, aber nur der untere Teil schien bewohnt zu sein. Die oberen Fenster und die Tür, die auf einen Balkon hinausführte, waren vernagelt.

Unten aber brannte Licht. Ein widerlicher Geruch kroch durch die Ritzen der Türen und Fenster heraus, der nur entfernt an etwas zu essen erinnerte.

Kerrish seufzte, trat auf die Veranda und klopfte an. Er glaubte, ein leises Klicken zu hören, und klopfte erneut.

»Wer ist da?«

»Doktor Kerrish. Mr Rooper? Ich möchte mit Ihnen sprechen.«

»Moment.«

Patschende Schritte kamen auf die Tür zu, die sich kurz darauf einen Spalt weit öffnete. Der Lauf eines Revolvers schob sich hindurch.

Kerrish hob die Hände. »Ich will nur reden.«

Ein faltiges Gesicht, umrahmt von grauem, strähnigem Haar, musterte ihn mit wachen, grünen Augen. Ein ungepflegter Schnurbart hing über der Oberlippe. Eine kleine Brille saß auf der Hakennase, und eine schlecht verheilte Messernarbe zeichnete sich hell auf der linken Schläfe ab. Rooper trug nur lange Unterwäsche und Stiefel. Einen ehemaligen Revolverhelden hatte sich Kerrish anders vorgestellt. Sie starrten einander an, bis Rooper fragte: »Wollen Sie mit mir über Gott reden?« Mit einem Zucken des Revolvers deutete er auf die Bibel.

»Was? Oh, nein, sicher nicht.«

»Okay. Was sagten Sie noch, wer Sie sind?«

»Doktor Kerrish. Ich bin vor ein paar Tagen in die Stadt …«

»Ach ja. Ich erinnere mich. Sie waren bei diesem Halsabschneider Twissle im Saloon. Was wollen Sie?«

»Können wir das vielleicht drinnen bereden?«

Rooper furchte die Stirn in noch tiefere Falten, als er nachdachte, schließlich nickte er, entspannte den Revolver und deutete ins Haus. »Na, dann mal immer hinein in die gute Stube.«

Mit schneller Hand angelte er sich Kerrishs Revolver aus dem Holster und zwinkerte mit einem Auge. »Nur zur Sicherheit. Ist nichts Persönliches. Nur für den Fall … Sie wissen schon.«

Während er sprach, schob er einen ausgeblichenen und von Motten zerfressenen Vorhang zur Seite und ließ seinen Gast eintreten.

Im offenen Kamin brannte ein Feuer. Irgendeine undefinierbare Brühe brodelte in einem Topf, der an einem Haken hing. Von dort kam auch der fürchterliche Geruch, der das gesamte Zimmer füllte. An einer Leine, die quer von einer Wand zur anderen gespannt war, hing Wäsche zum Trocknen.

Ein Sofa, aus dem bereits das Stroh herausquoll, stand auf der gegenüberliegenden Seite unter dem Bild einer nackten Frau.

Kerrish fand es furchtbar hässlich. Die Farben waren zu grell, das Gesicht schief, die Augen, nicht am richtigen Platz, und dem Rest fehlten die richtigen Proportionen. Er sah wohl einen Augenblick zu lange hin, denn Rooper deutete voller Stolz darauf und sagte: »Habe ich selber gemalt. Im Alter braucht man etwas, womit man sich die Langeweile vertreiben kann, finden Sie nicht?«

»Oh ja, natürlich«, stimmte Kerrish eifrig zu.

»Setzen Sie sich.« Rooper behielt seinen Revolver in der Hand, den von Kerrish legte er hinter sich auf eine Kommode.

»Schöne Waffe«, bemerkte er. »Verzeihen Sie mir meine Vorsicht. Ich bekomme nicht so häufig Besuch, müssen Sie wissen, und die wenigen, die doch vorbeikommen, wollen mich meist nur umlegen. Aber genug davon. Was kann ich für Sie tun?« Er schlug die Beine übereinander, was mit den sauber geputzten Stiefeln über der ausgeblichenen, roten, langen Unterhose seltsam aussah.

»Ich habe eine Patientin«, begann Kerrish bedächtig. »Ihr Name ist Catherine Archer. Man hat versucht, Sie umzubringen. Sie haben vielleicht davon gehört?«

Rooper verneinte und Kerrish fuhr fort: »Ich hatte Glück und konnte den Angreifer vertreiben. Inzwischen ist er tot, aber … ich mache mir trotzdem Sorgen.«

»Sie fürchten, man könnte es wieder versuchen?«

»Ich weiß es nicht, aber ich habe etwas zu erledigen und muss aus der Stadt. Es wäre mir wohler, wenn sie nicht alleine bleiben würde. Ich habe gehört, wer Sie sind, und ich dachte mir, Sie könnten mir vielleicht helfen.«

Rooper zwirbelte das Ende seines Schnurbartes. »Wer hat denn versucht, sie umzubringen?«

Kerrish erzählte in knappen Sätzen, wie er Catherine Archer und ihren toten Mann in der zerstörten Kutsche gefunden hatte, dann von den Männern, die er vor Twissles Saloon getroffen hatte. »Sie hatten mir weismachen wollen, sie arbeiten für einen Mr Archer. Aber das stimmt nicht. Der Mann heißt Jordan. Sie hätten sie sehen sollen, als Catherine plötzlich am Fenster auftauchte. Sie waren völlig überrascht, als hätten sie einen Geist gesehen.«

Bevor Kerrish fortfahren konnte, unterbrach ihn Rooper. »Moment. Sie sagten Jordan?«

»Ja. Catherine nannte seinen Namen. Kennen Sie ihn?«

»Ich kenne einen Travis Jordan. Das ist ein mieser Kerl. Ein Bankräuber und Pferdedieb, dem bedeutet ein Menschenleben nicht viel. Ich hab ihn einmal geschnappt, aber er ist wieder abgehauen. Er hat einen Freund von mir umgebracht. Drüben in Yuma. Ist eine persönliche Sache. Der hat so viel auf dem Kerbholz, das reicht für drei.«

»Das könnte er vielleicht sein.«

»Haben Sie ihn gesehen?«

»Ich nicht. Aber Mrs Archer.«

»Dann würde ich die Lady gern kennenlernen. Wenn es Travis Jordan ist, schnappe ich ihn mir.« Rooper machte ein nachdenkliches Gesicht. »Wenn Gold im Spiel ist, dann ist er wie ein Geier. Wissen Sie, was die Mine wert sein soll, von der Sie gesprochen haben?«

»Nein.«

»Fünfhundertausenddollar.«

»Wo haben Sie denn das her?«

»Das pfeifen die Spatzen in Twissles Saloon.«

Kerrish schüttelte energisch den Kopf. »Das Gerücht hat dieser Jordan in die Welt gesetzt. Ganz sicher.«

»Warum sollte er das tun?«

»Keine Ahnung. Der ist ein Hochstapler und Mörder. Der wird seine Gründe haben.«

»Immer vorausgesetzt, es stimmt alles, was die Lady sagt.«

»Sie wurde angeschossen. Ihr Mann ist tot. Ich habe ihn gesehen. Er hatte eine Kugel im Kopf. Sie lügt nicht.«

»Das wäre in jedem Fall Jordans Handschrift.« Rooper kniff ein Auge zu, »aber sich als jemand anderes ausgeben, das ist eher nicht seine Art. Wie gut kennen Sie die Frau?«

Kerrish zögerte kurz, um dann zuzugeben: »Gar nicht, wenn ich ehrlich bin. Ich bin ihr Arzt und … ja … vielleicht auch ein Freund.« Dann fuhr er unwirsch mit der Hand durch die Luft. »Das ist aber nicht wichtig. Eigentlich wollte ich mich auch raushalten, aber jetzt hat sich etwas entwickelt, das ich nicht einfach so ignorieren kann.«

»Und was?«

»Es gibt da einen Mann in den Bergen, dem ich etwas schulde. Er könnte in Schwierigkeiten stecken.«

»Wer?«

»Ash Williams.«

Rooper grinste. »Auch so ein Halunke, aber ich kann ihn gut leiden. Was ist mit ihm?«

»Ich fürchte, er hat etwas an sich genommen, das dieser Jordan haben will.«

»Und was soll das sein?«

»Das weiß ich nicht. Deswegen will ich zu Ash, um mit ihm zu reden.«

Rooper überlegte nicht lange. »In Ordnung. Ich bin zwar ein bisschen eingerostet, aber um einer Lady zu helfen, ist man doch nie zu alt.«

»Was verlangen Sie?«

»Kaffee und was zu essen.« Er rümpfte die Nase und sah auf die Feuerstelle. »Ich bin ein miserabler Koch. Und … haben Sie ein gutes Buch, das Sie mir leihen könnten? Ach ja, sollte ich was abkriegen, flicken Sie mich wieder zusammen.«

Kerrish nickte. »Jederzeit.«

»Wieso gehen Sie nicht schon mal und erzählen der Lady von mir? Ich richte mich ein bisschen her und komme später nach.«

Kerrish bekam seinen Revolver wieder und machte sich auf den Heimweg.

Während sich Cora angezogen und zurechtgemacht hatte, war Twissle hinter seinem Schreibtisch sitzen geblieben, hatte ihr schweigend zugesehen und dabei jedes Stück Stoff verflucht, mit dem sie ihre schlanke Nacktheit verbarg. Nun stand sie vor ihm, in einem dunkelgrünen, hochgeschlossenen Taftkleid mit Rüschen an den Ärmeln und präsentierte sich. Das lange schwarze Haar trug sie als geflochtenen Pferdeschwanz. »Gefalle ich Ihnen, Señor?«, fragte sie unschuldig lächelnd.

»Nackt war’s besser«, erwiderte er, und ein schmieriges Lächeln stahl sich auf seine Lippen. Er winkte sie näher und wies sie an, Platz zu nehmen. Das Lächeln verschwand, während er gleichzeitig das Fläschchen mit Kerrishs Medizin in seiner Westentasche berührte. Wieso nur, konnte dieses Zeug kein Wundermittel sein, das sein Problem mit einem Schlag beheben würde. Dann würde er ihr das hässliche Kleid vom Leib reißen und sie gleich hier auf seinem Schreibtisch ficken. Er schüttelte den Gedanken ab, verschränkte die Finger ineinander und beugte sich vor.

»Mir ist da eine Idee gekommen. Wenn du jetzt da rübergehst, will ich, dass du dein bestes Benehmen an den Tag legst. Sei freundlich, höflich … rede mit ihr, mach ihr Komplimente und finde bei der Gelegenheit alles über sie heraus, was du kannst. Mach es geschickt. Ich will wissen, wer sie ist, was sie plant. Ob sie bleibt oder dahin zurückgeht, wo sie hergekommen ist. Einer von beiden lügt. Archer oder sie, und ich will wissen, wer’s ist. Ich wette nicht nur auf ein Pferd.«

Cora hörte aufmerksam zu. »Wie lange soll ich denn bei ihr bleiben?«

Twissle fuhr mit der Hand durch die Luft und ließ sich zurücksinken. »Egal. Kerrish hat zwar nur für ’ne Stunde bezahlt, aber ich bin großzügig. Bleib, so lange es dauert. Aber finde was raus.«

»Si, Señor.«

Donan O’Greer hackte hinter seiner Hütte Holz, als ihn das Wiehern eines Pferdes und das Brüllen eines Mulis innehalten ließen. Er senkte die Axt und ging nach vorne.

Er sah Jellycoe den Weg entlangkommen. Der Schwarze war groß wie ein Leuchtturm und nicht zu übersehen. Er trug jemanden auf dem Arm. O’Greer brauchte einen Moment, um zu erkennen, dass es Caleb Jones war. Dahinter folgten Pferd und Maultier.

Es war offensichtlich, dass irgendetwas Schlimmes passiert sein musste.