Three Oaks - Folge 5 - Dan Adams - E-Book
Beschreibung

Colorado, Winter 1879. Der junge Arzt Allan Kerrish ist auf der Flucht vor den Männern von Senator Cahill. Auf seinem Weg durch die verschneite Landschaft rettet er Catherine Archer das Leben. Ihr Mann wurde ermordet, und die Täter sind mit der Besitzurkunde für die Archer-Goldmine über alle Berge. Der Doktor und die Witwe landen in dem trostlosen Goldgräbernest Three Oaks - einem gesetzlosen Ort, in dem allein das Recht des Stärkeren zählt. Folge 5: Verfluchte Iren Jordan bekommt unerwartet Hilfe von seinem Bruder und dessen Männern. Gemeinsam mit den Flussratten überfallen sie das Camp der Goldgräber. Catherine muss aus der Stadt fliehen, wenn sie den nächsten Tag überleben will. Und auch für Kerrish zieht sich die Schlinge immer weiter zu - Three Oaks - die neue Western Serie von Bastei Entertainment. Für Fans von "Deadwood", "True Grit" und "Hell on Wheels".

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Seitenzahl:133


Inhalt

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Three Oaks

Über diese Folge

Die Charaktere

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Über den Autor

Titel

Impressum

Verfluchte Iren

In der nächsten Folge

Three Oaks

Colorado, Winter 1879. Der junge Arzt Allan Kerrish ist auf der Flucht vor den Männern von Senator Cahill. Auf seinem Weg durch die verschneite Landschaft rettet er Catherine Archer das Leben. Ihr Mann wurde ermordet, und die Täter sind mit der Besitzurkunde für die Archer-Goldmine über alle Berge. Der Doktor und die Witwe landen in dem trostlosen Goldgräbernest Three Oaks – einem gesetzlosen Ort, in dem allein das Recht des Stärkeren zählt.

Über diese Folge

Folge 5: Verfluchte Iren

Jordan bekommt unerwartet Hilfe von seinem Bruder und dessen Männern. Gemeinsam mit den Flussratten überfallen sie das Camp der Goldgräber. Catherine muss aus der Stadt fliehen, wenn sie den nächsten Tag überleben will. Und auch für Kerrish zieht sich die Schlinge immer weiter zu …

Die Charaktere

Dr. Allan Kerrish besaß in Sante Fe seine eigene Praxis und war beliebt und angesehen. Doch dann zieht er die Wut von Senator Cahill auf sich und muss aus der Stadt fliehen – verfolgt von Cahills Männern. Als Kerrish nach Three Oaks kommt, hofft er, sich hier für eine Weile verstecken zu können.Kerrish ist kein Kämpfer, aber wenn er dazu gezwungen wird, greift er auch zur Waffe. Ein guter Schütze ist er allerdings nicht.

Catherine Archer wird nach dem Mord an ihrem Mann von Kerrish gerettet und nach Three Oaks gebracht. Catherine ist eine starke und gerechtigkeitsliebende Frau, die ihren rechtmäßigen Besitz zurückfordert und Rache an den Mördern ihres Mannes nehmen will.

John D. Twissle ist der Besitzer des Silver Coin Saloons in Three Oaks. Twissle hat sein gesamtes Geld in den Ort gesteckt und Land aufgekauft. Doch dann versiegten die Goldminen und die Stadt verödete. Twissle lässt sich dennoch nicht unterkriegen. Er verkauft weiter Schnaps und Huren, weil es das ist, was er am besten kann.

Victoria »Brandy« Winters kam gemeinsam mit ihrem Verlobten und der Hoffnung nach Three Oaks, dort Gold zu finden und ein neues, besseres Leben zu beginnen. Aber es sollte anders kommen. Die Minen waren versiegt und ihr Verlobter begann zu trinken und Brandy zu verprügeln. Zum Glück verschwand er eines Tages in den Bergen. Brandy strandete bei Twissle und arbeitet in seinem Saloon als Hure. Sie hasst dieses Leben.

Miss Coralina wird von allen Cora genannt und arbeitet als Hure im Saloon. Sie ist eine mexikanische Schönheit, aber auch durchtrieben und boshaft. Sie weiß ihre Reize einzusetzen, um Männer zu manipulieren und bekommt stets, was sie will.

Douglas Jordan wirkt auf den ersten Blick wie ein freundlicher Geschäftsmann, ist in Wirklichkeit aber ein gerissener und skrupelloser Gangster, der über Leichen geht und zu brutaler Gewalt neigt. Meist agiert er aus dem Hintergrund heraus. Er kommt nach Three Oaks, wo er sich als Bennett Archer, den Besitzer der Goldmine, ausgibt. In Wirklichkeit hat er ihn zuvor ermorden lassen, um an die Besitzurkunde zu gelangen. Um an das Gold der Archer-Mine zu kommen, würde er selbst einen Pakt mit dem Teufel eingehen.

Travis Jordan ist Douglas’ jüngerer Bruder. Travis ist ein gefährlicher und unberechenbarer Killer. Mit seiner Bande raubt er von Postkutschen bis Banken alles aus, was ihm Geld einbringt. Dabei ist er schnell mit dem Colt zur Hand. Große Pläne sind nicht seine Sache. Tote und Verletzte nimmt er bei seinen Überfällen schulterzuckend in Kauf.

Sweet Anny ist Travis’ Geliebte. Die Frau mit dem hübschen Gesicht kann reiten und schießen wie ein Mann. Sie gibt sich unnahbar und zeigt keine Schwäche. Daher wird sie von Travis’ Leuten respektiert. Doch Anny zweifelt, ob der Weg, den sie gewählt hat, wirklich der richtige ist.

Donan O’Greer hat in der Archer-Mine gearbeitet und ist der Anführer der meist irisch-stämmigen Minenarbeiter. Als die Archer-Mine einstürzt und siebzig Männer unter sich begräbt, ist darunter auch sein Sohn. Seitdem ist er verbittert und wütend auf alle Minenbesitzer, die sich einen Dreck um die Sicherheit in den Stollen kümmerten. Obwohl die Minen längst versiegt sind, bleibt er in Three Oaks, da er seinen toten Sohn nicht allein lassen will, der immer noch in der Mine begraben liegt.

Crazy Norman ist eine Flussratte. So werden die Männer genannt, die keinen Claim in den Bergen bekommen haben und das wenige Schwemmgold aus den Bächen und Flüssen fischen müssen. Wie alle Flussratten führt auch Crazy Norman ein erbärmliches Leben, von allen verachtet. Crazy Norman ist skrupellos, nur den anderen Flussratten gegenüber zeigt er sich loyal. Sein Hass auf die Goldgräber im Camp ist grenzenlos.

Caleb Jones ist ein Mann, der die Stille und die Einsamkeit der Berge liebt. Er nimmt alles mit Humor und einem Augenzwinkern, aus Streitigkeiten hält er sich gern raus. Für die Leute im Goldgräbercamp ist er sowas wie die gute Seele.

Jellycoe ist ein ehemaliger Sklave, der keinem Weißen traut – außer seinem Freund Caleb Jones, den er während des Bürgerkriegs kennengelernt hat. Die beiden sind wie Blutsbrüder. Sie bewohnen eine Hütte in den Bergen, wo sie als Trapper und Jäger leben. Jellycoe hat ein Mädchen in Three Oaks – Martha, die als Mädchen für alles im River Look Hotel arbeitet.

Joshua Sykes arbeitet als Goldgräber und stellt sich gegen deren Anführer Donan O’Greer. Eine Revolution will er aber nicht anzetteln, da jede Revolution Blut kostet. Doch dann lässt er sich doch vor den falschen Karren spannen.

Über den Autor

Dan Adams ist das Pseudonym von Jürgen Scheiven, geboren 1971. Er war Stipendiat der Bastei Lübbe Academy und nahm 2014 an der einjährigen Masterclass teil. In der Halloween-Anthologie Angel Island (Bastei Lübbe, 2014) erschien seine Kurzgeschichte »Die Mauern von Ronwick Abbey«.

DAN ADAMS

Folge 5: Verfluchte Iren

Western-Serie

BASTEI ENTERTAINMENT

Digitale Originalausgabe

Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG

Copyright © 2016 by Bastei Lübbe AG, Köln

Textredaktion: Jan Wielpütz

Lektorat/Projektmanagement: Stephan Trinius

Covergestaltung: © Guter Punkt unter Verwendung von Motiven von istock

E-Book-Erstellung: Urban SatzKonzept, Düsseldorf

ISBN 978-3-7325-1612-4

www.bastei-entertainment.de

www.lesejury.de

Als Allan Kerrish das River Look Hotel endlich verlassen konnte, war es bereits weit nach Mitternacht. Die Kugel hatte in Jordans Oberschenkelknochen gesteckt, und es war nicht einfach gewesen, sie herauszuholen. Jordan hatte dabei viel Blut verloren und war mehrmals bewusstlos geworden.

Immer wieder hatte sich Kerrish bei dem Wunsch ertappt, der Mann würde einfach sterben. Leider hatte ihm seine verdammte Moral im Weg gestanden, abgesehen von dem Revolver, den entweder Cal oder McWaitt abwechselnd auf ihn gerichtet hatte.

Kerrish brachte das Pferd in den Stall hinter seinem Haus und sattelte ab. Dann betrat er das Haus und rief nach Catherine. Er schaute besorgt, als er keine Antwort erhielt. Seinen Wutausbruch, die Vorwürfe, die er ihr bei seinem Aufbruch gemacht hatte, hatte er längst bereut.

Im Haus war es dunkel und still, so tastete er sich blind bis zur Küche vor und sorgte für Licht, indem er eine Petroleumlampe entzündete und den Docht hochdrehte. Er war in etwas getreten, das zäh an den Sohlen seiner Stiefel klebte. Ein großer Kaffeefleck, der sich auf und vor dem Tisch ausgebreitet hatte und dort noch nicht ganz angetrocknet war. Als Kerrish wieder aufsah, fiel sein Blick auf einen zusammengefalteten Zettel, der auf dem Tisch lag.

Geschätzter Allan,

ich habe einen bedauerlichen Fehler gemacht, der mich aus Angst um mein Leben dazu zwingt, Ihr Haus zu verlassen und mich zu verstecken.

Es ist besser, wenn Sie mich nicht suchen, ich habe Ihnen schon genug Scherereien gemacht. Es tut mir sehr leid. Ich wollte Ihnen nie zur Last fallen.

Haben Sie vielen Dank für alles, was Sie für mich getan haben.

In freundschaftlicher Zuneigung

Catherine

Kerrish ließ den Brief sinken, setzte sich und fuhr sich mit der Hand über den Kopf. Er wusste natürlich sofort, von welcher Dummheit sie sprach, schließlich hatte er gerade einen Teil des Ergebnisses operieren müssen.

Aber konnte er jetzt nicht einfach zu Bett gehen, alles vergessen und sich um nichts mehr kümmern? Ein verlockender Gedanke, schließlich war sie gegangen und hatte ihn von allen Pflichten entbunden. Jetzt konnte er tun, was er am liebsten von Anfang an getan hätte: Sich aus allem raushalten. Der Gedanke gefiel ihm, doch gleichzeitig wusste er, dass er das nicht tun konnte. Nicht, wenn er sich noch im Spiegel ansehen wollte, um mehr darin zu erkennen als nur einen Feigling.

Er schwor sich, Catherine jetzt nicht im Stich zu lassen. Dann verließ er das Haus. Ihm fielen nur zwei Orte ein, an denen er mit der Suche nach Catherine beginnen konnte: Roopers Haus und Twissles Saloon. Twissles Saloon lag näher. Also ging er dorthin.

Twissle lief Kreise in seinem Büro. Er schwitzte, obwohl das Zimmer, wie so oft, nicht geheizt war. Sein gestreiftes Hemd stand offen. Sein Brusthaar war zu sehen.

Mit der Hand fuhr er sich über den Mund; in den Mundwinkeln klebte getrockneter Speichel. In der anderen Hand hielt er einen Gürtel, mit einer großen, gusseisernen Schnalle.

Aus seinen hasserfüllten Blicken sprach enttäuschtes Vertrauen.

Cora kniete zusammengesunken vor ihm auf dem Boden. Ihr Kleid war zerrissen. Das Haar hing ihr wild ins Gesicht. Sie weinte und flehte. Dunkle, angeschwollene Blutergüsse zeichneten die Haut auf Schultern und Rücken. Wieder sauste die Gürtelschnalle mit Wucht auf sie nieder. Der dumpfe Schlag zwang Cora noch weiter zu Boden. Ihr Schmerzensschrei hallte durch das Haus.

»Du hintergehst mich! Eine beschissene Lügnerin bist du! Und du hast mein Vertrauen missbraucht! Das hat noch keine gewagt! Ich sollte dich umbringen, du verfluchte Hure! Als Warnung für die anderen!«

Sie fasste verzweifelt nach Twissles Beinen. »Ich … ich habe es doch nur … gut … gemeint.«

Er schlug wieder zu. Die Haut platzte auf, und Blut floss. »Genug! Ich habe verflucht noch mal genug von deinen beschissenen Lügen!« Er ließ einen Moment von ihr ab und wischte sich den Schweiß von der Stirn. Er schnaufte, seine Brust hob und senkte sich vor Anstrengung, als er sich in seinen Schreibtischstuhl fallen ließ und seinen brennenden Blick auf Cora heftete, die versuchte, mit zitternden Beinen aufzustehen. Ihre Wangen waren von harten Ohrfeigen rot und geschwollen. Sie krümmte sich. Ihr Körper wurde von Weinkrämpfen geschüttelt. Twissle ließ den Gürtel neben sich fallen. »Für wen hast du die Briefe geklaut? Für mich jedenfalls nicht.«

Cora schluchzte.

»Ich will es aus deinem verlogenen Maul hören!«, schrie er und langte wieder nach dem Gürtel.

Sie schluckte und fuhr sich mit den Händen über die nass geweinten Augen. »Für Mr Archer«, sagte sie leise.

»Lauter.«

Sie sah Twissle in die Augen. »Für Mr Archer.«

Twissle lachte bitter, dann ließ er den Gürtel wieder fallen. »Pack deine Sachen und mach, dass du rauskommst. Ich will dich in meinem Saloon nicht mehr sehen.«

Sie erschrak. »Wo soll ich denn hin?«

»Ist mir scheiß egal. Geh doch zu deinem neuen Freund. Archer, Jordan oder wie dieser Wichser heißt.«

Cora zögerte. Twissle sprang auf, stieß den Stuhl zurück, sodass er gegen die Wand prallte. Sie fuhr erschrocken zusammen. »Hast du mich nicht verstanden? Raus!« Er zeigte mit ausgestrecktem Zeigefinger auf die Tür.

»Bitte, Señor.«

Twissle bückte sich blitzschnell und schnappte erneut nach seinem Gürtel, den er mit einer gekonnten Drehung um das Handgelenk kreisen ließ. Sie schrie.

»Hast du immer noch nicht genug? Dann komm her!«

Er wollte um den Schreibtisch rum, aber Cora stolperte bereits zur Tür. Sie griff nach der Klinke, riss die Tür auf und stürzte auf den Flur hinaus zu ihrem Zimmer.

»In zehn Minuten bist du verschwunden, du miese Schlampe, hast du gehört? In zehn Minuten!«

Dann schmetterte er die Tür ins Schloss, warf den Gürtel voller Zorn auf den Schreibtisch, zersplitterte eine Kaffeetasse und stieß ein Tintenfässchen um.

»Verfluchte Scheiße!«, tobte Twissle, packte einen Stuhl und warf ihn quer durch den Raum. »Dieses Arschloch!« Seine Wut war noch nicht verraucht. Er schnappte sich den Stuhl ein weiteres Mal und hieb ihn so oft auf den Boden und gegen die Wand, bis nur noch Trümmer davon übrig waren.

Cora stieß gegen Kerrish als er gerade den Saloon betreten wollte. Sie hielt eine abgewetzte Reisetasche in der Hand und einige Blusen und Röcke, die sie sich an die Brust presste. Sie verlor einen Unterrock, bückte sich aber nicht einmal, um ihn aufzuheben. Sie rannte einfach weiter, an Kerrish vorbei, ohne ihn auch nur zu bemerken.

Er sah ihr nach. Ihre Schultern waren nackt, blutig und voller Blutergüsse. Sie weinte.

Er blinzelte verwirrt, als er den Unterrock aufhob und ihr nachrief: »Miss Cora!« Aber sie hörte ihn nicht, oder wollte ihn nicht hören. Sie lief, ohne sich umzudrehen, bis die Dunkelheit sie verschluckt hatte.

Im Saloon war es einen Moment lang still. Dann klimperte der Klavierspieler wieder los. Die Trapper stimmten erneut ihren lallenden Gesang an, und die Saufköpfe, die immer hier waren, füllten sich die Kehlen mit Whisky und dem letzten Fass Bier, das Glen aus dem Vorratslager gerollt hatte.

Kerrish ging an den Tresen.

»’n Abend Doc. Sie sehen ja beschissen aus«, bemerkte Glen.

Kerrish beschloss, dass die Bemerkung keiner Antwort würdig war. Seine Laune war mies. Sein Gesicht brannte wie Feuer.

Glen nahm eine Flasche und schob Kerrish ein Glas hin. »Whisky?«, fragte er.

»Einen Doppelten.«

Glen schenkte ein, und Kerrish trank das Glas in einem Zug leer. Er kniff die Augen zusammen, um das brennende Gefühl in seinem Mund und dann in seiner Kehle besser ertragen zu können.

»Noch einen?«

Kerrish schüttelte den Kopf. »Kaffee.«

»Sicher.«

Als Glen mit dem Becher zurückkehrte, sagte Kerrish: »Ich suche Mrs Archer. Ist sie hier?«

»Nein«, sagte er bedächtig langsam. Sein Zögern, strafte die Antwort Lügen. »Wo ist sie?«, blieb Kerrish beharrlich.

»Doc!« Twissles Stimme donnerte wie ein Kanonenschlag durch den Saloon. Kerrish sah nach oben. Er hatte nicht geglaubt, dass seine Laune noch schlechter werden konnte, aber er hatte sich geirrt. »Was ist denn?«, schnauzte er zurück.

»Kommen Sie hoch. Wir haben was zu bereden!«

Der Doktor nahm den Becher mit und stieg die Stufen hinauf. Dabei sah er auf die Tür zum Saloon, und er musste an die arme Cora denken. Er brauchte kein Hellseher zu sein, um zu wissen, wer für ihren Zustand verantwortlich war. Am liebsten hätte er Twissle den heißen Kaffee ins Gesicht geschüttet. Er tat es nicht. Sein Bedarf an Schlägen war in der letzten Zeit mehr als gedeckt worden. So verzog er nur die Mundwinkel. »Ich wüsste nicht, was wir zu bereden hätten. Es sei denn, Sie wissen, wo sich Mrs Archer aufhält.«

Twissles Kopf war feuerrot. Schweißperlen rannen über seinen blanken Schädel und aus den dichten Koteletten. Er tupfte sich mit einem Taschentuch ab. »Deswegen hab ich Sie gerufen. Sie ist hier. Hab’s mir doch denken können, dass Sie sie sehen wollen.« Sein billiges Grinsen verriet, was er dachte. Kerrish ließ sich auch jetzt zu keiner Antwort hinreißen.

»Was haben Sie sich dabei gedacht. Sie hätten dabei sterben können … Wir hätten dabei sterben können.« Rooper ging zwischen Fenster und Tisch hin und her und gestikulierte dabei mit den Händen.

»Ich weiß«, sagte Catherine ohne Reue, den Blick fest auf ihn geheftet.

»Wenn Sie geplant haben, ihn umzulegen, warum haben Sie mir das nicht gesagt?«

»Hätten Sie mir denn dabei geholfen?«

Rooper hielt in der Bewegung inne, machte den Mund auf, und klappte ihn gleich wieder zu.

»Sehen Sie. Darum habe ich nichts gesagt. Und ehrlich gesagt, ich habe nicht wirklich darüber nachgedacht. Es ist … einfach passiert.«

Rooper sah zum wer weiß wie vielten Mal aus dem Fenster. Ein Betrunkener erleichterte sich auf der anderen Straßenseite an einer Hauswand. »Hätten Sie denn nicht besser treffen können?«

»Meine Hände haben gezittert.«

»Wenn Sie vorhaben, jemanden zu erschießen, dürfen Ihre Hände aber nicht zittern.«

Sie neigte den Kopf. »Für das nächste Mal werde ich es mir merken.«

Rooper konnte nicht anders, er musste schmunzeln.

»Was machen wir denn jetzt?«, fragte Catherine.