Three Oaks - Folge 6 - Dan Adams - E-Book
Beschreibung

Colorado, Winter 1879. Der junge Arzt Allan Kerrish ist auf der Flucht vor den Männern von Senator Cahill. Auf seinem Weg durch die verschneite Landschaft rettet er Catherine Archer das Leben. Ihr Mann wurde ermordet, und die Täter sind mit der Besitzurkunde für die Archer-Goldmine über alle Berge. Der Doktor und die Witwe landen in dem trostlosen Goldgräbernest Three Oaks - einem gesetzlosen Ort, in dem allein das Recht des Stärkeren zählt. Folge 6: Cahills Männer In einem blutigen Kampf haben Jordans Männer das Camp der Goldgräber eingenommen. Als auch noch Kerrish von den Männern des Senators verhaftet wird, scheint für Catherine der Kampf um das Erbe ihres Mannes für immer verloren zu sein. Nur ein verzweifelter Plan kann sie und Kerrish noch retten - Three Oaks - die neue Western Serie von Bastei Entertainment. Für Fans von "Deadwood", "True Grit" und "Hell on Wheels".

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl:153


Inhalt

Cover

Three Oaks

Über diese Folge

Die Charaktere

Karte

Über den Autor

Titel

Impressum

Cahills Männer

Three Oaks

Colorado, Winter 1879. Der junge Arzt Allan Kerrish ist auf der Flucht vor den Männern von Senator Cahill. Auf seinem Weg durch die verschneite Landschaft rettet er Catherine Archer das Leben. Ihr Mann wurde ermordet, und die Täter sind mit der Besitzurkunde für die Archer-Goldmine über alle Berge. Der Doktor und die Witwe landen in dem trostlosen Goldgräbernest Three Oaks – einem gesetzlosen Ort, in dem allein das Recht des Stärkeren zählt.

Über diese Folge

Folge 6: Cahills Männer

In einem blutigen Kampf haben Jordans Männer das Camp der Goldgräber eingenommen. Als auch noch Kerrish von den Männern des Senators verhaftet wird, scheint für Catherine der Kampf um das Erbe ihres Mannes für immer verloren zu sein. Nur ein verzweifelter Plan kann sie und Kerrish noch retten …

Die Charaktere

Dr. Allan Kerrish besaß in Sante Fe seine eigene Praxis und war beliebt und angesehen. Doch dann zieht er die Wut von Senator Cahill auf sich und muss aus der Stadt fliehen – verfolgt von Cahills Männern. Als Kerrish nach Three Oaks kommt, hofft er, sich hier für eine Weile verstecken zu können.Kerrish ist kein Kämpfer, aber wenn er dazu gezwungen wird, greift er auch zur Waffe. Ein guter Schütze ist er allerdings nicht.

Catherine Archer wird nach dem Mord an ihrem Mann von Kerrish gerettet und nach Three Oaks gebracht. Catherine ist eine starke und gerechtigkeitsliebende Frau, die ihren rechtmäßigen Besitz zurückfordert und Rache an den Mördern ihres Mannes nehmen will.

John D. Twissle ist der Besitzer des Silver Coin Saloons in Three Oaks. Twissle hat sein gesamtes Geld in den Ort gesteckt und Land aufgekauft. Doch dann versiegten die Goldminen und die Stadt verödete. Twissle lässt sich dennoch nicht unterkriegen. Er verkauft weiter Schnaps und Huren, weil es das ist, was er am besten kann.

Victoria »Brandy« Winters kam gemeinsam mit ihrem Verlobten und der Hoffnung nach Three Oaks, dort Gold zu finden und ein neues, besseres Leben zu beginnen. Aber es sollte anders kommen. Die Minen waren versiegt und ihr Verlobter begann zu trinken und Brandy zu verprügeln. Zum Glück verschwand er eines Tages in den Bergen. Brandy strandete bei Twissle und arbeitet in seinem Saloon als Hure. Sie hasst dieses Leben.

Miss Coralina wird von allen Cora genannt und arbeitet als Hure im Saloon. Sie ist eine mexikanische Schönheit, aber auch durchtrieben und boshaft. Sie weiß ihre Reize einzusetzen, um Männer zu manipulieren und bekommt stets, was sie will.

Douglas Jordan wirkt auf den ersten Blick wie ein freundlicher Geschäftsmann, ist in Wirklichkeit aber ein gerissener und skrupelloser Gangster, der über Leichen geht und zu brutaler Gewalt neigt. Meist agiert er aus dem Hintergrund heraus. Er kommt nach Three Oaks, wo er sich als Bennett Archer, den Besitzer der Goldmine, ausgibt. In Wirklichkeit hat er ihn zuvor ermorden lassen, um an die Besitzurkunde zu gelangen. Um an das Gold der Archer-Mine zu kommen, würde er selbst einen Pakt mit dem Teufel eingehen.

Travis Jordan ist Douglas’ jüngerer Bruder. Travis ist ein gefährlicher und unberechenbarer Killer. Mit seiner Bande raubt er von Postkutschen bis Banken alles aus, was ihm Geld einbringt. Dabei ist er schnell mit dem Colt zur Hand. Große Pläne sind nicht seine Sache. Tote und Verletzte nimmt er bei seinen Überfällen schulterzuckend in Kauf.

Sweet Anny ist Travis’ Geliebte. Die Frau mit dem hübschen Gesicht kann reiten und schießen wie ein Mann. Sie gibt sich unnahbar und zeigt keine Schwäche. Daher wird sie von Travis’ Leuten respektiert. Doch Anny zweifelt, ob der Weg, den sie gewählt hat, wirklich der richtige ist.

Donan O’Greer hat in der Archer-Mine gearbeitet und ist der Anführer der meist irisch-stämmigen Minenarbeiter. Als die Archer-Mine einstürzt und siebzig Männer unter sich begräbt, ist darunter auch sein Sohn. Seitdem ist er verbittert und wütend auf alle Minenbesitzer, die sich einen Dreck um die Sicherheit in den Stollen kümmerten. Obwohl die Minen längst versiegt sind, bleibt er in Three Oaks, da er seinen toten Sohn nicht allein lassen will, der immer noch in der Mine begraben liegt.

Crazy Norman ist eine Flussratte. So werden die Männer genannt, die keinen Claim in den Bergen bekommen haben und das wenige Schwemmgold aus den Bächen und Flüssen fischen müssen. Wie alle Flussratten führt auch Crazy Norman ein erbärmliches Leben, von allen verachtet. Crazy Norman ist skrupellos, nur den anderen Flussratten gegenüber zeigt er sich loyal. Sein Hass auf die Goldgräber im Camp ist grenzenlos.

Caleb Jones ist ein Mann, der die Stille und die Einsamkeit der Berge liebt. Er nimmt alles mit Humor und einem Augenzwinkern, aus Streitigkeiten hält er sich gern raus. Für die Leute im Goldgräbercamp ist er sowas wie die gute Seele.

Jellycoe ist ein ehemaliger Sklave, der keinem Weißen traut – außer seinem Freund Caleb Jones, den er während des Bürgerkriegs kennengelernt hat. Die beiden sind wie Blutsbrüder. Sie bewohnen eine Hütte in den Bergen, wo sie als Trapper und Jäger leben. Jellycoe hat ein Mädchen in Three Oaks – Martha, die als Mädchen für alles im River Look Hotel arbeitet.

Joshua Sykes arbeitet als Goldgräber und stellt sich gegen deren Anführer Donan O’Greer. Eine Revolution will er aber nicht anzetteln, da jede Revolution Blut kostet. Doch dann lässt er sich doch vor den falschen Karren spannen.

Über den Autor

Dan Adams ist das Pseudonym von Jürgen Scheiven, geboren 1971. Er war Stipendiat der Bastei Lübbe Academy und nahm 2014 an der einjährigen Masterclass teil. In der Halloween-Anthologie Angel Island (Bastei Lübbe, 2014) erschien seine Kurzgeschichte »Die Mauern von Ronwick Abbey«.

DAN ADAMS

Folge 6: Cahills Männer

Western-Serie

BASTEI ENTERTAINMENT

Digitale Originalausgabe

Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG

Copyright © 2016 by Bastei Lübbe AG, Köln

Textredaktion: Jan Wielpütz

Lektorat/Projektmanagement: Stephan Trinius

Covergestaltung: © Guter Punkt unter Verwendung von Motiven von istock

E-Book-Erstellung: Urban SatzKonzept, Düsseldorf

ISBN 978-3-7325-1613-1

www.bastei-entertainment.de

www.lesejury.de

Caleb Jones seufzte zufrieden. Er streckte sich in dem weichen Bett aus und grub die Finger in die weißen Leinenlaken. »Ach, kann mich gar nicht erinnern, wann ich das letzte Mal in so was Feinem gelegen hab.«

Kerrish lächelte abwesend, während er Jones’ Beinstumpf mit warmem Wasser säuberte, ehe er ihn behutsam mit Jod betupfte, um dann einen neuen Verband anzulegen. »Die Wundnähte sind nicht entzündet und wachsen schon zusammen. Sieht gut aus«, sagte er und arbeitete konzentriert weiter. Dann sah er Jones an. »Ihr Freund hat wirklich gute Arbeit geleistet. Für mich gibt es da kaum noch was zu tun.«

»So was kann er. Ist ein lausiger Fallensteller, aber ein hervorragender Knochenflicker. Sehen Sie sich das hier an, Doc.« Er zeigte auf seinen Unterarm, wo eine Narbe vom Handgelenk bis zum Ellbogen reichte. »Das war ein Puma. Hat er auch genäht. Mit ’nem angespitzten Knochen. Hatten nicht mal Whisky zum Betäuben. Hat verflucht wehgetan. Aber ich wär sonst verblutet.« Er kratzte sich am Kopf und sah nachdenklich ins Leere. »Keine Ahnung, wie oft er mir schon das Leben gerettet hat.«

»Er ist wohl ein guter Freund.«

»Jach, der beste, den sich ein alter Trapper wünschen kann.«

Unten zerbrach Geschirr, gefolgt von einem herzhaften Fluch.

Jones grinste. »In der Küche ist er allerdings nicht zu gebrauchen.« Er reckte schnüffelnd die Nase in die Luft. Im Haus stank es nach verbranntem Speck.

»Ich seh mal nach ihm, bevor er das Haus in Brand setzt. Brauchen Sie etwas? Haben Sie Schmerzen?«

»Nein, danke Doc. Ich brauch nichts. Bin nur müde.«

»Dann schlafen Sie etwas. Wenn irgendwas sein sollte, rufen Sie mich. Ich bin unten.«

Jones nickte, kuschelte sich in das weiche Kopfkissen, zog sich die Decke unter das Kinn und schloss die Augen.

Jellycoe war nicht allein in der Küche. Cora war bei ihm. Sie fegte die Scherben eines Tellers zusammen, während Jellycoe Streifen von verkohltem Speck aus der Pfanne in die Aschetonne kratzte.

»Lassen Sie mich kochen, Señor«, sagte Cora. Sie hatte sichtlich Schmerzen, und das Sprechen fiel ihr schwer. Trotzdem konnte sie lächeln, als Kerrish in die Küche trat.

»Haben Sie Hunger, Doktor?«, fragte sie.

Kerrish warf einen skeptischen Blick auf die Aschetonne. »Ja, schon«, antwortete er vorsichtig.

Sie nahm Jellycoe die Pfanne aus der Hand. »Das war der letzte Speck«, sagte sie gleichzeitig bedauernd wie vorwurfsvoll.

Kerrish winkte ab. »Sie finden schon noch was.«

»Wie geht es Caleb?«, fragte Jellycoe, der nun nichts mehr zu tun hatte. Er zog sich die Nickelbrille von der Nase und spielte mit den Bügeln.

»Er ist zäh. Das wird wieder.«

»Wie lange wird er hierbleiben müssen?«

»Kommt drauf an, wie schnell das Fieber sinkt«, meinte Kerrish. »Eine Woche aber mindestens.«

»Kann ich zu ihm?«

»Später. Er wollte schlafen. Und das ist genau das, was er jetzt braucht.«

»Dann kann ich in die Stadt gehen?«, fragte Jellycoe. »Ich wär nicht lange weg.«

»Schon in Ordnung.« Kerrish hakte die Daumen in die Taschen seiner gemusterten Weste. »Gehen Sie ruhig. Ich passe schon auf ihn auf.«

Kaum hatte Jellycoe das Haus verlassen, zog sich Kerrish in das Wohnzimmer zurück. Er wollte mit Cora nicht alleine sein. Er gab ihr Obdach und kümmerte sich um ihre Verletzungen, weil er es als seine Pflicht ansah, aber ihren Verrat an Catherine und in gewisser Weise auch an ihm konnte er ihr nicht verzeihen.

Er nahm ein Buch aus dem Regal, ließ sich in den Sessel am Fenster fallen und begann zu lesen. Doch er war viel zu müde. Immer wieder fielen ihm die Augen zu. Dreimal las er den Anfang und hatte ihn schon nach wenigen Zeilen vergessen. Sein trüber Blick blieb am Fenster hängen. Regentropfen rannen an der Scheibe herab. Der Himmel war grau, ebenso das Licht. Ein feiner Wasserschleier hing in der Luft und verwischte die Konturen der Häuser und Bäume. Überall tropfte der schmelzende Schnee von den Dächern. Das Buch entglitt Kerrishs Fingern und fiel neben ihm zu Boden. Sein Kopf sank ihm auf die Brust. Er war eingeschlafen.

Die beiden in schwarze Mäntel gehüllten Männer verließen den Saloon. Horace T. Wallace und Titus van Dorn hatten getrunken und etwas gegessen, zähes Hühnerfleisch, mit staubtrockenem Brot. Dabei hatten sie Fragen gestellt, sich umgehört und die Ohren gespitzt. Keiner wusste etwas von Kerrish oder hatte was von ihm gehört. Verdächtig viele hatten danach überhaupt keinen Ton mehr gesagt oder verstohlen zu Twissle gesehen und geglaubt, sie würden es nicht mitbekommen.

Nun standen sie vor dem Saloon, nahmen die Zügel ihrer Pferde und stiegen in die Sättel. Das Leder knarrte. Der weiß-braune Pinto-Wallach, auf dem Wallace ritt, schnaubte und schüttelte den Regen aus der Mähne.

»Wir hätten etwas nachdrücklicher fragen sollen«, sagte van Dorn streng, aber Wallace sah sich um und winkte ab. »Wir warten.« Mit einem Kopfnicken deutete er auf eine Gasse, die nicht weit vom Silver Coin Saloon entfernt lag und von wo aus sie das Gebäude im Auge behalten konnten.

»Worauf denn? Kerrish ist hier, da würde ich meine Mutter drauf verwetten. Hast du die Blicke gesehen, die sie dem schmierigen Saloonbesitzer zugeworfen haben?«

»Ja, hab ich.«

»Wir sollten nach Kerrish suchen.«

Wallace schnalzte mit der Zunge, und der Pinto setzte sich in Bewegung. »Geduld … Geduld. Ich bin mir ziemlich sicher, dass man ihn uns schon bald auf dem Silbertablett servieren wird.«

»Wenn du meinst«, antwortete van Dorn skeptisch, folgte Wallace aber in die Gasse. Dort warteten sie.

Zehn Minuten vergingen. Van Dorn hielt Wache. Bis dahin hatte noch keiner den Saloon verlassen. Jetzt aber tat sich etwas.

»Hey, Horace, sieh mal.«

Eine junge Frau mit gerafftem Röckchen und nackten Beinen verließ den Saloon durch eine Seitentür. Sie trug einen Mantel mit Kapuze, die sie übergestülpt hatte. Bevor sie die Straße betrat, sah sie sich um. Van Dorn zuckte zurück in die Deckung des Hauses. Als er sich wieder langsam vorbeugte, ging die Frau in die entgegengesetzte Richtung davon.

»Das ist das Mädchen aus dem Saloon«, sagte Wallace.

»Und du bist dir sicher, dass sie uns zu Kerrish führt?«

»Ganz sicher. Hast du nicht gesehen, wie sie zusammengezuckt ist, als ich seinen Namen erwähnte? Und wie unruhig sie wurde?«

Van Dorn schüttelte den Kopf, dann sah er wieder die Straße hinunter. Die Frau hielt ihren Mantel mit der linken Hand geschlossen, blieb im Schatten der Vordächer und sah sich immer wieder verstohlen um. Van Dorn nahm nun ein Fernrohr zur Hand, um sie nicht aus den Augen zu verlieren.

»Sie überquert die Straße«, flüsterte er seinem Partner zu.

Der ließ einen zufriedenen Laut hören, ehe er fragte: »Und wo geht sie hin?«

Tiefe Vordächer, Stützbalken und Gerätschaften auf den Gehsteigen versperrten ihm die Sicht. Van Dorn musste einen Schritt auf die Straße hinaustreten, dann hatte er die Frau wieder im Blick. »Sie klopft an. Sieht sich um. Scheiße.«

»Was denn?«

»Ich glaube, sie hat mich gesehen.«

»Egal, los jetzt. Wir haben ihn. Beeil dich.« Schon saß Wallace im Sattel, hielt die Zügel für seinen Partner.

Dieses Mal würde ihnen der Doktor nicht entwischen.

Kerrish hatte wirr geträumt, von Schnee, seiner toten Stute, Wölfen, Blut, das über ihn spritzte, Brandy, Catherine, und dazwischen hatte er Ash Williams gesehen, der von einer Lawine fortgerissen wurde. Bäume wurden von der Lawine geschüttelt und knallten dabei rhythmisch gegeneinander. Aber es waren nicht die Bäume, die da knallten, und es war auch kein Traum. Jemand hämmerte gegen seine Tür. Kerrish schrak hoch.

»Allan! Allan!« Das war Brandy.

Halb fiel er aus dem Sessel, halb stand er auf, taumelte durch die offene Wohnzimmertür den Flur entlang und öffnete die Tür. Er schenkte Brandy ein müdes Lächeln.

Sie zog die Tür hinter ihnen zu und schloss ab.

»Ist was passiert?«, fragte Kerrish.

»Sie müssen weg. Schnell. Sie haben mich gesehen.« Ihr Blick fiel auf Cora, die aus der Küche geeilt war und nun die Augen niederschlug, als sie Brandy erkannte. Brandy ignorierte sie mit einem angewiderten Gesichtsausdruck.

»Worauf warten Sie noch?« Brandy schob Kerrish Richtung Stall.

»Ich versteh nicht? Was ist denn passiert? Wer hat dich gesehen?«, fragte er.

»Die Männer, die Sie verfolgen. Die sind hier. Die waren im Saloon und haben nach Ihnen gefragt.«

Kerrish durchfuhr es, als hätte man ihn in Eiswasser getaucht. Plötzlich war er hellwach. Auf der Straße hörte er Hufschlag.

»Sie müssen raus aus Three Oaks. Verstecken Sie sich irgendwo.«

Er stieß die Tür zum Stall auf, sein Hengst hob den Kopf, schnaubte und streckte herausfordernd den Hals.

Schon hämmerte eine Faust gegen die Haustür.

Brandy schob ihn weiter. Kerrish drehte sich zu ihr um. »Danke.«

Sie packte sein Gesicht, zog ihn an sich und gab ihm einen Kuss auf den Mund. »Ich versuche sie hinzuhalten«, sagte sie. »Viel Glück.« Dann war sie verschwunden. Ihm blieb gar keine Zeit, verwirrt zu sein.

Van Dorn schlug mit der Faust gegen die Tür.

»Ja, ja. Ich komme ja schon«, hörte er eine weibliche Stimme.

Er legte die Hand auf den Smith-&-Wesson-Revolver. Dann ging die Tür auf. Die Frau war hübsch und lächelte ihn an. Es war ein falsches Lächeln, und er sah die Angst in ihren Augen. »Wo ist er?«, fragte er ohne Umschweife.

»Wer?« Sie versuchte unschuldig auszusehen.

»Sie wissen verflucht gut, wen ich meine. Kerrish.«

»Ich habe Ihnen doch schon im Saloon gesagt, dass … hey!«

Van Dorn schob sie einfach beiseite.

Eine Mexikanerin stellte sich ihm in den Weg.

»Señor, Sie können nicht …«

Van Dorn stieß sie in die Küche zurück, ehe sie weiterreden konnte.

Durch die Tür zu seiner Rechten hörte er ein Pferd schnauben. Das musste der Stall sein. Van Dorn riss den Revolver aus dem Holster, stürmte voran. Er rappelte am Griff, aber die Tür war versperrt.

»Kerrish!« Van Dorn warf sich mit der Schulter gegen die Tür. Sie zitterte, gab aber nicht nach. Die Frau, die ihm geöffnet hatte, stürzte sich auf van Dorn, packte ihn bei den Schultern. Er war so überrascht, dass er das Gleichgewicht verlor und nach hinten taumelte.

»Lassen Sie ihn in Frieden!«

»Lass mich los, dumme Schlampe!«

Van Dorn gelang es, die Frau mit einem Arm zu umfassen und gegen die Wand zu stoßen. Dann holte er aus und landete eine klatschende Ohrfeige in ihrem Gesicht.

Wieder wieherte das Pferd. Van Dorn fuhr zu der Tür herum, gab ihr einen Tritt. Sie gab immer noch nicht nach. Aus dem Augenwinkel sah er, wie die Frau ihm nachsetzte. Zu spät. Ihre Fingernägel gruben sich in sein Gesicht und zogen beißende Striemen über seine Wange.

Van Dorn keuchte vor Schmerz. Langsam wurde er wütend. Er stieß die Frau von sich und rammte ihr mit voller Wucht die Faust in den Magen.

Doch dann traf ihn etwas Hartes im Rücken. Van Dorn wirbelte herum. Hinter ihm stand die Mexikanerin, einen Besen in der Hand.

»Jetzt hab ich aber genug!«, brüllte er, packte das Weib im Nacken, bevor es erneut ausholen konnte, und knallte es gegen die Wand. Die Frau stürzte bewusstlos nieder.

Dann war van Dorn wieder an der Tür. Diesmal schoss er auf das Schloss. Aus der oberen Etage brüllte jemand: »Jach, was ist denn da los?«

Van Dorn achtete nicht darauf. Er gab der Tür einen Tritt, die nun aufflog. Er sah noch, wie Kerrish, tief über den Sattel gebeugt, aus dem Stall galoppierte. Stroh, Dreck und Eisbrocken wirbelten in die Luft.

»Scheiße!« Van Dorn stürmte vorwärts.

Kerrish sah sich um und hielt die Zügel straff. Der Wind pfiff ihm in die Haare. Er sah seinen Verfolger im Tor.

»Nach links, mach schneller!« Er zog am Zügel. Um das Haus herum, auf die Hauptstraße und dann nur weg. Verflucht, warum war er so lange in diesem Kaff geblieben? Er hätte sich nicht so sicher sein dürfen.

Plötzlich wieherte sein Pferd vor Schmerz. Es stolperte, strauchelte, stürzte mit einem Vorderlauf nach vorne. Der Huf bohrte sich in die Erde und riss eine Furche. Kerrish konnte sich nicht mehr im Sattel halten. Er verlor einen Steigbügel, stürzte vorwärts und über den Kopf seines Tieres hinweg. Er schlug mit dem Rücken auf. Ein harter Stoß lief seine Wirbelsäule entlang. Das Wiehern des Pferdes im Ohr, hörte er dazwischen seinen eigenen Schrei.

Die Welt drehte sich.

Er rollte durch eine Pfütze, durch den Schlamm, um dann irgendwie verdreht liegen zu bleiben. Bei dem Sturz hatte er einen Schlag auf den Kopf bekommen, er schmeckte Dreck, der zwischen den Zähnen knirschte.