Timetravel #1: Der Tod vom anderen Stern - Horst Weymar Hübner - E-Book

Timetravel #1: Der Tod vom anderen Stern E-Book

Horst Weymar Hübner

1,0

Beschreibung

TIMETRAVEL - Reisen mit der Zeitkugel Band 1 von Horst Weymar Hübner Der Umfang dieses Buchs entspricht 137 Taschenbuchseiten. Aus der Tiefe der Milchstraße kehrte ein unbemanntes Raumschiff zurück. Es hatte Materieproben an Bord - und das unheimliche Verderben. Die XANADU war im Jahre 1998 gestartet. Sie sollte während der ersten beiden Flugjahre einen Photonenantrieb erproben und danach auf fernen Welten Daten, Informationen und Substanzen sammeln und nach zweihundertfünfzigjähriger Reise die Erde anfliegen. Sie war fast auf den Tag genau pünktlich. Aber sie war havariert. Diesseits der Jupiterbahn ging ein Landekommando an Bord, um sie sicher zur Erde zu bringen. Als die XANADU am 13. August 2248 landete, hatte sie nur noch Tote an Bord. Das Raumschiff war zur tödlichen Falle geworden, es hatte einen unbekannten Krankheitserreger eingeschleppt. Die Mediziner waren machtlos. Sie kapitulierten, noch ehe sie zu kämpfen begonnen hatten. Bis ein Mann mit Namen Robert Hallstrom sie verblüffte. Er war nicht einmal vom Zentralcomputer erfasst, er äußerte auch sehr altertümliche Ansichten über die verheerende Seuche. Er verfügte aber offensichtlich über fundiertes Wissen. Sie verstießen gegen die Gesetze und verbündeten sich mit ihm. Denn er war ihre letzte Hoffnung im Kampf gegen den Tod aus der Galaxis.

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Horst Weymar Hübner

Timetravel #1: Der Tod vom anderen Stern

BookRix GmbH & Co. KG80331 München

Der Tod vom anderen Stern

TIMETRAVEL - Reisen mit der Zeitkugel

Band 1

von HORST WEYMAR HÜBNER

 

Der Umfang dieses Buchs entspricht 137 Taschenbuchseiten.

 

Aus der Tiefe der Milchstraße kehrte ein unbemanntes Raumschiff zurück. Es hatte Materieproben an Bord - und das unheimliche Verderben.

Die XANADU war im Jahre 1998 gestartet. Sie sollte während der ersten beiden Flugjahre einen Photonenantrieb erproben und danach auf fernen Welten Daten, Informationen und Substanzen sammeln und nach zweihundertfünfzigjähriger Reise die Erde anfliegen.

Sie war fast auf den Tag genau pünktlich. Aber sie war havariert. Diesseits der Jupiterbahn ging ein Landekommando an Bord, um sie sicher zur Erde zu bringen.

Als die XANADU am 13. August 2248 landete, hatte sie nur noch Tote an Bord. Das Raumschiff war zur tödlichen Falle geworden, es hatte einen unbekannten Krankheitserreger eingeschleppt.

Die Mediziner waren machtlos. Sie kapitulierten, noch ehe sie zu kämpfen begonnen hatten. Bis ein Mann mit Namen Robert Hallstrom sie verblüffte. Er war nicht einmal vom Zentralcomputer erfasst, er äußerte auch sehr altertümliche Ansichten über die verheerende Seuche. Er verfügte aber offensichtlich über fundiertes Wissen.

Sie verstießen gegen die Gesetze und verbündeten sich mit ihm. Denn er war ihre letzte Hoffnung im Kampf gegen den Tod aus der Galaxis.

 

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker.

© by Author / Cover by Steve Mayer mit Pixabay, 2016

© dieser Ausgabe 2016 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

[email protected]

Prolog

Am 5. Juli 1984 glückte Professor Hallstrom das phantastische Experiment, winzige Substanzteile zu ent- und zu rematerialisieren. Er errechnete, dass diese Substanzteile im Zustand der Körperlosigkeit mit ungeheurer Geschwindigkeit in der 4. Dimension zu reisen vermochten - also nicht nur durch den Raum, sondern auch in die Vergangenheit und in die Zukunft. Mit seinem Assistenten Frank Jaeger und dem Ingenieur Ben Crocker begann er, diese Entdeckung für die Praxis auszuwerten. Er wollte ein Fahrzeug bauen, das sich und seinen Inhalt entmaterialisieren, dann in ferne Räume und Zeiten reisen, sich dort materialisieren und nach dem gleichen Verfahren wieder an den Ursprungsort und in die Ursprungszeit zurückversetzen konnte. Nach vier Jahren musste der Professor seine Versuche aus Geldmangel einstellen.

Die super reichen Mitglieder vom „Konsortium der Sieben“ in London boten ihm aber die fehlenden Millionen unter der Bedingung an, dass sie über den Einsatz der Erfindung bestimmen könnten. Der Professor erklärte sich einverstanden, konnte weiterarbeiten und vollendete am 3. Mai 1992 sein Werk: Die Zeitkugel. Seit diesem Tag reisen der Professor, sein Assistent und der Ingenieur im Auftrag des „Konsortiums der Sieben“ durch die 4. Dimension. Dieser Roman erzählt die Geschichte der Ausführung eines derartigen Auftrags.

1

Der Rematerialisierungsschock war groß.

Der Schock, den ihnen der Anblick des gelbhäutigen Mannes auf ihrer eigenen Bildschirmgalerie in der Zeitkugel versetzte, war größer.

Keiner von ihnen hatte die Sichtschirme eingeschaltet.

Dennoch waren sie aktiviert und zeigten ein Programm, das der gelbhäutige Sprecher allein bestritt.

Theoretisch und praktisch war der Vorgang unmöglich.

Erstens war die Zeitkugel wellenundurchlässig - also konnten keine Informationen hereingelangen. Zweitens waren die Energiebänke der Kugel abgeschaltet. Von ihnen floss kein Strom in die Bildschirmgalerie.

Professor Robert Hallstrom löste die Gurtverschlüsse und erhob sich ächzend aus dem Konturensessel. Beschwörend starrte er zu dem Sprecher hinauf.

Frank Jaeger und Ben Crocker, die das Zeitspringer-Team vervollständigten, überprüften vorsorglich die Geräteanzeigen.

Vielleicht hatte sich durch den Rematerialisierungsschock eine Leiterplatte oder ein Kabel gelockert und einen Kurzschluss erzeugt.

Die Anzeigen standen auf Null. Sie waren tot.

Frank Jaeger hob die Achseln. „Finden wir uns mit dem ab, was wir sehen. Es geht doch“, sagte er.

„Physikalisch völlig unmöglich!“, beteuerte Hallstrom.

Mit einem abgrundtiefen Lächeln sagte Ben Crocker: „In der Physik gibt es viele Lehrsätze, die sich nur dadurch beweisen lassen, dass man von vorne anfängt.“

„Entstammt diese Spitzfindigkeit Ihren Gehirnwindungen?“ Hallstroms Brauen wölbten sich auf.

„Ein Unikum mit Namen Galletti war so frei, sie bereits im achtzehnten Jahrhundert in die Welt zu setzen. Der Knabe war gar nicht schlecht, finden Sie nicht auch?“ Bens Grinsen verstärkte sich. „Auf unseren Fall angewandt heißt das konkret, dass sich der Hund im Kreis dreht und in den Schwanz beißt. Die haben hier Wellen, die von unserer Kugelzelle nicht absorbiert werden.“

Er schaute auf die Datumsanzeige, die sich bisher durch außerordentliche Präzision ausgezeichnet hatte.

Die Flüssigkristalle hatten sich zu Ziffern und Buchstaben formiert. Das Rematerialisierungsdatum wurde mit dem 15. Juli 2248 und die Zeit mit 10:47 Uhr Atlantikzeit angegeben.

„Ich will ja nicht drängen“, sagte Frank Jaeger und massierte die schmerzenden Schläfen, „aber die Ausstiegszeit läuft. Noch drei Minuten!“

Das waren einhundertachtzig Sekunden, mit denen allerlei anzufangen war.

In ihrem Falle ließen sie sich mit dem größten Nutzeffekt dafür verwenden, möglichst viele Informationen zu sammeln. Informationen lieferte der Sprecher auf den Sichtschirmen.

Der Mann trug ein enganliegendes silberglänzendes Kleidungsstück am Oberkörper mit knappem Halsbund und rot besetztem hochgestelltem Kragen.

Der Hauch eines übergeschnappten Potentaten vergangener Zeiten haftete ihm an. Irgendwie wirkte er wie ein Spaßmacher, der die Aufgabe hatte, seine Zuhörer bei Laune zu halten

Er war kahl und rosig wie ein Schweinchen. Sein Schädel tendierte zum Wasserkopf.

Er sprach ein Gemisch von Englisch und Spanisch - ein bisschen modern und kräftig mit technischen Begriffen durchsetzt.

Je länger die Zeitreisenden ihm zuhörten, desto weniger erheiternd fanden sie seinen Auftritt.

Er sprach von einem unbekannten Objekt, das sich der Jupiterbahn näherte. Möglicherweise sei es nicht ganz so unbekannt wie zunächst angenommen. In den Archiven der Weltregierungen sei man mit Nachforschungen beschäftigt.

Es handelte sich offensichtlich um eine Nachrichtensendung. Der Sprecher verschwand, ein neues Bild wurde eingeblendet, aber die Stimme mit ihrem Sprachenmischmasch blieb.

Das neue Bild zeigte den Riesenplaneten Jupiter mit seiner Streifenstruktur und dem mächtigen Auge vor der Schwärze des Weltraums. Sieben seiner zwölf Monde waren sehr gut zu erkennen.

Ein roter Pfeil blitzte auf. Die Spitze war auf einen der großen Monde gerichtet, der drei Finger breit vom zweidimensionalen Jupiterrand entfernt stand.

Der Sprecher erklärte diesen Mond als den Trabanten Callisto.

Der rote Pfeil wanderte nach links aus. In zehnfacher Entfernung der Strecke Callisto-Jupiterrand verharrte er.

Die Vergrößungsoptik bemühte sich, einen winzigen Punkt heranzuholen. Der visuelle Fahreffekt war verblüffend.

Jupiter und seine Monde wanderten zu den Rändern der Sichtschirme und verschwanden.

Der herangeholte Punkt war zum Bedauern der Zeitreisenden nicht näher zu definieren. Die Auflösung war miserabel.

Den Sprecher störte es nicht. Er saß irgendwo in einem Studio vor einem Monitor und schwafelte munter weiter.

„Das unbekannte Objekt lässt keinerlei Anzeichen nuklearer Tätigkeit erkennen. Gleichwohl sind seine Bahnkoordinaten mit einem gelenkten Flug identisch. Es besteht die Möglichkeit, dass es sich um eines der verschollenen PATHFINDER-Schiffe der ersten Generation handelt.“

Er verbreitete sich jetzt über zwei Forschungsschiffe der PATHFINDER-Klasse, die vor einhundertdreißig Jahren unbemannt zu den Sternen Tau Ceti und Epsilon Eridani aufgebrochen waren.

Professor Robert Hallstrom und Ben Crocker lauschten begierig. Frank Jaeger schaute gebannt auf die automatische Warnanzeige, die die letzte Minute vor dem Ausstieg durch flackerndes Rotlicht ankündigte.

„Noch sechzig Sekunden“, sagte er herzlos. Hallstrom winkte ärgerlich ab und tastete über die Schaltkonsole. Er drückte den Unterbrecherknopf ein.

Der Entmaterialisierungsvorgang, der in sechzig Sekunden beginnen sollte, war gestoppt. Der Prozess begann von vorn. Hallstrom hatte zusätzliche fünf Minuten gewonnen.

Rechnerisch war der Vorgang beliebig oft zu wiederholen. Im Test hatte Hallstrom jedoch nie mehr als fünfmaliges Knopfdrücken riskiert. Er hatte damit sogar seinen Ingenieur Ben Crocker übertroffen, der nur dreimal gedrückt hatte und dann meinte, das sei genug, mehr wolle er dem alten Kasten nicht zumuten.

Er hatte die Zeitkugel wahrhaftig einen alten Kasten genannt!

Dabei hatte Hallstrom sich alle Mühe gegeben, die stark beanspruchten Geräte durch kostspielige Neubauten zu ersetzen.

Er hatte sogar gewagt, sich zur verschulden, nur um einen Zeitsensor bauen zu können. Das zusätzliche Gerät arbeitete dergestalt, dass durch eine nachgeschaltete Instantblockierung das eingegebene Programm zur Rückkehr der Kugel in eine Zeitfalte und zum Auftauchen von dort neutralisiert und die Kugel bei Bedarf sofort aus ihrer Warteposition in der Zeitfalte abgerufen oder dorthin geschickt werden konnte.

„Mir soll’s recht sein“, meinte Frank Jaeger, als Hallstroms Finger den Knopf losließ. „Hören wir eben noch eine Weile dem Glatzkopf zu.“

Als hätten ihn diese Worte gerufen, tauchte der Sprecher wieder auf den Sichtschirmen auf.

Er blickte streng und redete von der Sturzrichtung, die das unbekannte Objekt einhalte. Das Ziel sei zweifelsfrei die Erde.

Sollte das Objekt nicht doch noch eine Kurskorrektur durchführen, dann werde bei seinem Durchgang durch die Jupiterbahn eine bemannte Fähre der Raumüberwachung ein Anlegemanöver durchführen und ein Kommando übersetzen.

Zur Illustration wurde eine solche Fähre eingeblendet.

Sie sah aus wie ein Kochtopf mit Strahlenkranz. Offensichtlich handelte es sich um eine live eingespielte Szene.

Der Topf drehte sich langsam um seine Mittelachse, der Strahlenkranz glitzerte und reflektierte das matte Sonnenlicht, das dort draußen noch ankam; etwa ein Fünfundzwanzigstel der Lichtmenge, die die Erde von der Sonne empfing.

Der Kameramann, der die Aufnahme machte, hing entweder frei im Raum oder bediente sich eines Gleiters. Jedenfalls bewegte er sich auf den Topf zu.

Die Auflösung wurde besser. Der Strahlenkranz war eine sinnvolle Anordnung von Sonnenpaddeln. Der Topfkörper bestand aus genieteten Platten.

Zwei Besatzungsmitglieder der Fähre tauchten aus einer Luke auf und ruderten mit verhaltenen Bewegungen durch die relative Schwerelosigkeit des Raumes dort draußen.

Hallstrom, Frank Jaeger und Ben Crocker starrten fasziniert auf die Sichtschirme.

Unter einer Raumfähre hatten sie sich etwas anderes vorgestellt.

Das Fahrzeug war nach den Erfordernissen seiner Aufgabe gebaut, und primär hatte dabei offensichtlich die Gewinnung der lebenswichtigen Energie im Vordergrund gestanden. Die kranzförmig angeordneten Sonnenpaddel bewiesen es.

Schön war die Raumfähre nicht, aber zweckmäßig.

Ihre Abmessungen setzten die Zeitspringer in Erstaunen. Die beiden Besatzungsmitglieder, die eine flexible Leitung aus einer Öffnung zerrten, setzten einen Vergleichsmaßstab.

Danach hatte die Fähre längs ihrer Mittelachse eine ungefähre Höhe von hundert Meter. Der Durchmesser musste etwas mehr als dreißig Meter betragen. Die Sonnenpaddel waren wenigstens zweihundertfünfzig Meter lang.

Ein Paddel geriet groß ins Bild. Ein Mensch im Raumanzug wurde erkennbar. Er hockte rittlings auf einer Art Steg und säuberte die Sammlerzellen, die zu quadratmetergroßen Flächen geordnet waren, von stellarer Materie.

Er bediente sich eines staubsaugerähnlichen Gerätes, das sich offensichtlich selbst mit Energie versorgte.

Der Mensch richtete sich auf, wandte die Sichtscheibe seines Druckhelms dem Kameramann zu und grüßte mit einer ruckartigen Handbewegung. Seine Raumhandschuhe waren gepanzert und unförmig.

Die Übertragung aus dem Nahbereich der Raumfähre war damit beendet. Der gelbhäutige Sprecher kehrte auf die Sichtschirme zurück.

Neuigkeiten hatte er nicht zu vermelden. Er wies lediglich noch mal mit leidenschaftsloser Stimme darauf hin, dass in den Archiven der Erdregierungen nachgeforscht würde. Mit Ergebnissen sei nicht vor Ablauf von zwei Einheiten zu rechnen.

Die Sendung war beendet. Das gelbhäutige Gesicht verschwand. Die Sichtschirme verblassten.

„Was versteht man unter zwei Einheiten?“, brummte Ben. Er musterte aufmerksam die toten Schirme. Das typische Nachfluoreszieren, wie es nach einer Sendung mit Eigenenergie der Kugel zu beobachten war, trat nicht auf.

„Möglicherweise hat man die Zeit anders eingeteilt“, wagte Frank eine Erklärung. „Noch zwei Minuten. Wir sollten aussteigen.“

„Ich hätte dem Mann ganz gern noch eine Weile zugehört.“ Hallstroms Stimme drückte Bedauern aus. Er faltete die Gurtenden über den Konturensessel. „Jedenfalls hoffe ich, dass das unbekannte Objekt nicht ein Schiff der PATHFINDER-Klasse ist, sondern dass dort unser Problem heranfliegt.“

2

Ihr Problem war ein unbemanntes irdisches Raumschiff, das auf den Namen XANADU getauft worden war.

XANADU bedeutete einen imaginären Ort.

Imaginär war auch das Ziel der XANADU gewesen. Das Raumschiff sollte einfach einen Vorstoß in die Galaxis unternehmen, sollte sonnenähnliche Systeme erfassen, erdähnliche Planeten anfliegen und nach vorherbestimmter Reisedauer zur Erde zurückkehren, vollgestopft mit Informationen.

Dieses Experiment hatte in der Eigenzeit der Reisenden begonnen. Im Jahre 1997.

In diesem Jahr liefen die Bauarbeiten an der XANADU an.

Sämtliche Regierungen der Erde beteiligten sich an diesem Forschungsvorhaben.

Erstmals wollte die Menschheit ein interstellares Raumschiff auf die Reise bringen, das nach zweihundertfünfzigjähriger Flugzeit auch zur Erde zurückkehrte.

Einen Nutzen konnten die Erbauer für sich nicht mehr erwarten. Sie hatten auch mehr an ihre Nachkommen gedacht.

Damit sie aber nicht völlig leer ausgingen, hatte man die XANADU mit dem ersten störungsfrei arbeitenden Photonentriebwerk ausgerüstet und mit einem Plasmatriebwerk kombiniert.

Während der ersten beiden Flugjahre sollte das Raumschiff vollautomatisch die Arbeitswerte des Photonentriebwerkes zur Erde übermitteln, wo man dann entscheiden wollte, ob eine Fortführung der Forschung in dieser Richtung sinnvoll und nützlich war oder nicht.

Das Plasmatriebwerk diente lediglich dem Zweck, die erforderliche Entweichgeschwindigkeit beim Start von angeflogenen Welten zu erzeugen.

Ein hochsensibles Rechengehirn an Bord sollte Annäherungen an extrem überschwere Planeten verhindern, es sollte die XANADU aus dem Anziehungsbereich von Doppelsonnen heraushalten und Zusammenstöße mit Wolken interstellarer Materie vermeiden.

Das Forschungsprogramm war ganz auf Sicherheit konzipiert.

Das jedenfalls war der Stand im Erbauungsjahr 1997.

Der Start war für das Jahr 1998 vorgesehen.

Da alle Vorarbeiten reibungslos liefen und der Zeitplan mit der Wahrscheinlichkeit von einhundert Prozent eingehalten werden konnte, hatten die drei Zeitreisenden das Wagnis auf sich genommen, auf Verdacht in das Rückkunftsjahr der XANADU zu springen, in den Sommer 2248, wenn das Raumschiff nach zweihundertfünfzigjährigem Flug aus der Tiefe der Milchstraße zur Erde zurückkehrte.

Ein Wagnis war es insofern, weil sie nicht annähernd abschätzen konnten, in welche Lebens und Machtumstände sie hineingeraten würden. Und fraglich war auch, ob die XANADU wirklich kam.

Die Milchstraße barg millionenfache Gefahr.

Schon ein Magnetsturm konnte das hochempfindliche Rechengehirn beeinflusst und eine Kursabweichung der XANADU bewirkt haben.

War sie vom programmierten Kurs abgekommen, dann musste sie die Erde um viele Millionen Kilometer verfehlen.

Oder sie war bereits irgendwo dort draußen in einem Sonnensystem zerschellt.

Dass sich ein unbekanntes Objekt im freien Rücksturz zur Erde befand, ließ die Zeitreisenden hoffen.

Es konnte die XANADU sein.

Vermutlich ließ sich das aber mit letzter Sicherheit erst dann feststellen, wenn die Raumfähre anlegte.

Handelte es sich bei dem Objekt um die XANADU, dann bedeutete dies einen unvorstellbaren Triumph der Technik des ausgehenden zwanzigsten Jahrhunderts.

Dann hatten die Wissenschaftler und Techniker ein Raumfahrzeug gebaut, das einen Flug durch die Ewigkeit überdauert hatte.

Dass diese Ewigkeit nur ein Vierteljahrtausend lang war, schmälerte den Erfolg keineswegs.

Vorausgesetzt, es war das Raumschiff, das im Jahre 1998 gestartet war - was fingen die Menschen des Jahres 2248 mit einem Erzeugnis ihrer Ahnen an?

Benötigten sie überhaupt noch Daten und Informationen über die Milchstraße? Hatten sie sich nicht schon auf einfacherem Wege Materieproben beschafft?

Auch dies gehörte zum Problem der drei Zeitspringer.

Vielleicht war der Raumschuss der XANADU nichts anderes als ein gigantisches Experiment gewesen, das gewaltige Summen verschlungen hatte, letzten Endes aber nicht mehr war als die Befriedigung des Ehrgeizes der Menschheit, die nach den Sternen greifen wollte.

3

Die rote Warnlampe begann zu flackern.

„Noch sechzig Sekunden!“, erklärte Frank Jaeger. Er blickte zu Hallstrom hinüber und wartete förmlich darauf, dass der nochmals den Unterbrecherknopf drückte.

Das Interesse des Professors war jedoch bereits auf die Welt jenseits der Kugelhülle gerichtet. Zwei Einheiten - das war ein zu abstrakter Begriff. Mochte der Himmel wissen, wann der gelbhäutige Kahlkopf mit einer neuen Nachrichtensendung auf die Sichtschirme zurückkehrte.

Nur draußen konnten sie in Erfahrung bringen, warum die Nachrichten derart intensiv gesendet wurden, dass sie sogar die Kugelhülle durchdrangen. Vor allem aber, welcher Wellen man sich bediente.

Frank öffnete die Lukenverriegelung, während Ben die Geräte der Kugel für den Aufenthalt hinter der Zeitmauer vorbereitete. Er öffnete durch Knopfdruck die Sperren der Energieblöcke.

Ein sanftes Summen ertönte aus den Schaltbänken.

Skalenzeiger schnellten hoch, zwischen der Tastatur der Steuerkonsole begannen grüne Lampen zu glimmen.

Mit adlerscharfem Blick überflog Ben die Anzeigen. Er hatte die Checkliste im Kopf.

Alle Geräte waren aktiviert, der Entmaterialisierungsvorgang war eingeleitet.

Hallstrom fuhr gerade die Teleskopleiter aus. Diese Ausstiegshilfe hatte Frank Jaeger ersonnen, weil ihm die Methoden mittels eines Taues die Kugel zu verlassen, zu primitiv und abenteuerlich gewesen war.

Ein Windstoß fuhr zur Lukenöffnung herein. Der Wind brachte das Stimmengewirr einer Menschenmenge mit.

Frank stand in der Öffnung, reckte den Kopf und fluchte gedämpft.

Hallstrom bekam einen krebsroten Kopf und zog den Fuß von der Leiter zurück.

Ben hatte die Gerätekontrollen beendet und begab sich zum Ausgang. Nicht weniger andächtig als seine Gefährten starrte er auf die zusammengeströmte Menschenmenge.

Die Leute sahen aus, als seien sie eben fertig geworden und aus der Fabrik gekommen. Sie wirkten nagelneu.

Aus der Schaltkonsole ertönte ein kurzes Brummen.

„Wir müssen!“, sagte Frank seufzend. „Egal, was das dort draußen auch wird.“

Er packte den Handgriff, schwang sich auf die Leiter und kletterte hinab.

Hallstrom kam so hastig hinter ihm her, dass er ihm um ein Haar auf die rechte Hand trat.

Das Stimmengewirr verebbte. In der Menge breitete sich erwartungsvolle Stille aus.

Ben holte tief Atem.

Die Luft war gut. Sie roch eine Spur nach Meer.

Er betrat die Leiter und schlug aus halber Höhe die Luke zu.

Die letzten drei Sprossen schenkte er sich. Er sprang.

Einige Leute pfiffen, andere drängten vor.

Hallstrom und Frank bemühten sich, die Leute zurückzudrängen, die wie von Sinnen auf die Zeitkugel losstürzten.

Gewalttätigkeit lag in der Luft. Die Zeitreisenden befürchteten einen Angriff auf ihre Kugel.

Frank wurde überrannt. Ben bekam einen Rammstoß in die Seite und torkelte unter die Kugel. Er stützte sich mit der rechten Hand ab.

Das Geheimnis der herbeistürzenden Menschen fand schnell seine Aufklärung. Nicht der Kugel galt ihr spezielles Interesse, sondern der Leiter.

Zwei, drei kletterten gleichzeitig hinauf.

Hallstrom hastete herbei und zerrte sie zurück. Jeden Moment musste die Kugel entmaterialisieren.

Was danach kam, löste die allgemeine Angriffslust womöglich vollends aus und riss auch die mit, die noch zögerten.

Bens Hand fand an der Kugelhülle keinen Halt mehr. Seine Hand tauchte in das Flimmern und Glitzern der verschwindenden Materie.

Die Leiter löste sich auf.

Hallstrom hatte zwei Menschen von den Sprossen geholt. Der dritte kam wie ein Kartoffelsack herab und schlug auf den Boden. Aber er lachte so unbändig, als hätte er nie zuvor größeren Spaß empfunden.

Frank und Ben trieben die Leute aus der Nähe der Kugel fort, die sich immer mehr entstofflichte.

Ein paar Augenblicke später war nichts mehr von der Zeitmaschine zu sehen.

Wieder begannen die Leute zu murren.

Ein junger Mann verlangte in astreinem Englisch: „Könnt ihr das Ding wieder herbeischaffen? Wir wollen es benützen. Wie heißt es?“

Hallstrom überlegte blitzschnell. Das Interesse hatte nicht der Kugel gegolten.

Er hegte Verdacht. War nur die Leiter gemeint?

Eine Leiter war doch wirklich nichts Besonderes.

Voller Argwohn besah er sich die Leute näher. Sie hatten in der Mehrzahl jugendliche Gesichter.

Das Kräfteverhältnis von Männern und Frauen war ausgewogen. Alle steckten sie in synthetischen Anzügen von orangeroter Farbe.

Niemand trug ein besonderes Erkennungszeichen.