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Timetravel #15: Die Völker in der Tiefe E-Book

Horst Weymar Hübner

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Beschreibung

TIMETRAVEL - Reisen mit der Zeitkugel Band 15 von Horst Weymar Hübner Der Umfang dieses Buchs entspricht 133 Taschenbuchseiten. Erst hatte man sie intelligent gemacht, und sie arbeiteten tief in der Erde. Doch plötzlich wandten sich die Affen gegen ihre Herren. Diese Feststellung müssen die Männer aus der Zeitkugel treffen, als sie in das Jahr 2420 springen, um herauszufinden, wie sich die Menschheit in den zurückliegenden zwanzig Jahren aus der Schreckensherrschaft der Roboter und Arbeitsmaschinen gelöst hat. Sie stoßen nur noch auf wenige spezialisierte Arbeitsroboter, aber sie treffen mit den Tauriden zusammen, den Affenvölkern aus der Tiefe. Die Begegnung kostet Frank Jaeger fast das Leben. Immer wieder brechen die Affenvölker aus der Tiefe hervor, niemand kennt die Ursache ihrer Angriffslust. Wo sie aus den Schächten steigen, richten sie große Verwüstung an und lähmen die Rohstoffversorgung der Erde. Als sie wieder einmal eine gewaltige Industrieanlage überrennen, hat einer der Zeitspringer einen Einfall. Bleiben die Tauriden eine beständige Bedrohung für die Städte und die Menschen, oder lassen sie sich in friedfertige Tiere zurückverwandeln?

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MOBI

Seitenzahl: 133




Horst Weymar Hübner

Timetravel #15: Die Völker in der Tiefe

BookRix GmbH & Co. KG80331 München

Die Völker in der Tiefe

TIMETRAVEL - Reisen mit der Zeitkugel

Band 15

von HORST WEYMAR HÜBNER

 

Der Umfang dieses Buchs entspricht 133 Taschenbuchseiten.

 

Erst hatte man sie intelligent gemacht, und sie arbeiteten tief in der Erde. Doch plötzlich wandten sich die Affen gegen ihre Herren.

Diese Feststellung müssen die Männer aus der Zeitkugel treffen, als sie in das Jahr 2420 springen, um herauszufinden, wie sich die Menschheit in den zurückliegenden zwanzig Jahren aus der Schreckensherrschaft der Roboter und Arbeitsmaschinen gelöst hat.

Sie stoßen nur noch auf wenige spezialisierte Arbeitsroboter, aber sie treffen mit den Tauriden zusammen, den Affenvölkern aus der Tiefe. Die Begegnung kostet Frank Jaeger fast das Leben.

Immer wieder brechen die Affenvölker aus der Tiefe hervor, niemand kennt die Ursache ihrer Angriffslust. Wo sie aus den Schächten steigen, richten sie große Verwüstung an und lähmen die Rohstoffversorgung der Erde.

Als sie wieder einmal eine gewaltige Industrieanlage überrennen, hat einer der Zeitspringer einen Einfall. Bleiben die Tauriden eine beständige Bedrohung für die Städte und die Menschen, oder lassen sie sich in friedfertige Tiere zurückverwandeln?

 

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker.

© by Author / Titelbild:mysticartdesign/pixabay, 2016

Der Roman erschien zuerst unter dem Titel „Die Völker der Tiefe“.

© dieser Ausgabe 2016 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

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Prolog

Am 5. Juli 1984 glückte Professor Hallstrom das phantastische Experiment, winzige Substanzteile zu ent- und zu rematerialisieren. Er errechnete, dass diese Substanzteile im Zustand der Körperlosigkeit mit ungeheurer Geschwindigkeit in der 4. Dimension zu reisen vermochten, also nicht nur durch den Raum, sondern auch in die Vergangenheit und in die Zukunft. Mit seinem Assistenten Frank Jaeger und dem Ingenieur Ben Crocker begann er, diese Entdeckung für die Praxis auszuwerten. Er wollte ein Fahrzeug bauen, das sich und seinen Inhalt entmaterialisieren, dann in ferne Räume und Zeiten reisen, sich dort materialisieren und nach dem gleichen Verfahren wieder an den Ursprungsort und in die Ursprungszeit zurückversetzen konnte. Nach vier Jahren musste der Professor seine Versuche aus Geldmangel einstellen.

Die superreichen Mitglieder vom „Konsortium der Sieben“ in London boten ihm aber die fehlenden Millionen unter der Bedingung an, dass sie über den Einsatz der Erfindung bestimmen könnten. Der Professor erklärte sich einverstanden, konnte weiterarbeiten und vollendete am 3. Mai 1992 sein Werk: Die Zeitkugel. Seit diesem Tag reisen der Professor, sein Assistent und der Ingenieur im Auftrag des „Konsortiums der Sieben“ durch die 4. Dimension. Dieser Roman erzählt die Geschichte der Ausführung eines derartigen Auftrags.

1

Frank Jaeger prallte zurück, als hätte jemand unvermittelt mit einem spitzen Gegenstand nach seinem Gesicht gestoßen.

Verdutzt rieb er sich die Augen und spähte noch einmal um die Ecke des rampenartigen Aufganges zu den gigantischen Bauwerken im Hintergrund.

Auf der Lauffläche der Rampe waren in regelmäßigen Abständen Deckel eingelassen. Deckel, die wenigstens drei Meter im Durchmesser hatten und deren Sinn Frank nicht begriff.

Ein klirrendes metallisches Geräusch hatte ihn zurückprallen lassen. Und die Tatsache, dass sich einer dieser Deckel wie von unsichtbarer Hand bewegt gedreht hatte.

Frank sah jetzt, dass sich der gewaltige Deckel immer noch drehte.

Er wurde regelrecht aus der Rampe herausgeschraubt und ragte bereits fußhoch aus dem schräg hinaufführen den Aufgang.

Das Summen eines Motors hörte Frank nicht. Nur dieses Klirren und Kreischen, das sein Gehör strapazierte. Er schloss daraus, dass das Schraubgewinde dieses Deckels nicht gepflegt und gewartet wurde und demzufolge der Deckel so gut wie nie betätigt wurde.

Der Vorgang faszinierte ihn. Der Deckel musste viele Zentner Gewicht besitzen. Zu viele jedenfalls, um sie mit Muskelkraft bewegen zu können.

Er schwankte zwischen Neugierde und Vorsicht.

Dieser ganze Bezirk inmitten einer unsagbar fremdartigen Stadtlandschaft hätte nach seinem Gefühl bevölkert sein müssen. Denn erstens baute man gewiss keine so mächtigen Rampen und Aufgänge, um sie dann nicht zu benützen. Zum anderen war es heller Vormittag, und um diese Tageszeit pflegte ein ganzes Stadtviertel im Allgemeinen nicht mehr zu schlafen.

Doch niemand war zu sehen. Kein Mensch, kein Tier. Fahrzeuge und Verkehrsmittel fehlten ebenso.

Frank hegte den Verdacht, dass er in einen Sperrbezirk eingedrungen war. In eine tote Region, die von den Stadtbewohnern peinlich korrekt gemieden wurde.

Denn andere Bezirke der Stadt lebten. Er hörte die geschäftige Betriebsamkeit wie fernes Summen und Rauschen. Der Herzschlag der Stadt pochte an einer anderen Stelle, jenseits der schlanken, hoch in den Himmel ragenden Türme mit den irrsinnig anzusehenden Kugeln auf der Spitze.

Diese Türme waren unverkennbar Wohnanlagen. Die mächtigen Fenstergalerien verrieten es. Allerdings begannen die Fensterreihen erst in Höhe des zehnten oder elften Stockwerks.

Welchem Zweck die Kugeln dienten, war ihm unerfindlich. Sie besaßen weder Fenster noch sonstige Ausguckmöglichkeiten, und sie schimmerten matt.

Es war denkbar, dass sie die technischen Versorgungsanlagen enthielten, über die jeder Wohnturm zwangsläufig verfügen musste. Lufterneuerungssysteme, Klimaanlagen, Motorenkammern für die Aufzüge und anderes.

Angesichts dieser Wohngiganten kam sich Frank vor wie in einen altertümlichen Hinterhof gesperrt, in den der geschäftige ferne Lärm nur sehr gedämpft drang, in dem sich aber Geheimnisvolles, vielleicht sogar Verbotenes abspielte.

Der gewaltige Deckel drehte sich noch immer. Er ragte bereits so weit aus der Rampe heraus, dass Frank das Gewinde sehen konnte.

Eine Schraube!

Dieser Deckel war nichts anderes als eine gigantische Schraube, die von unten losgedreht wurde.

Franks Neugierde war stärker als sein Gefühl, das ihn zu größter Vorsicht mahnte. Er trat hinter der schützenden Ecke hervor und näherte sich dem kreischenden Deckel.

Lange nicht benützt, stellte er bei sich fest. Sie sollten ihn mal schmieren!

Er blieb dicht dabei stehen und bemühte sich, ein anderes Geräusch als dieses Kreischen zu hören.

Doch da war nichts - keine Stimmen, kein laufender Motor.

Die gespenstischen Drehbewegungen gaben ihm die wahnwitzige Idee ein, dass dort unter dem Deckel vielleicht ein Roboter installiert war, der aus irgendwelchen Gründen frische Luft in die darunterliegenden Räumlichkeiten einlassen wollte.

Irgendwo tappten plötzlich Schritte. Sie klangen hohl und unwirklich. Aber sie kamen aus der Höhe, nicht unter dem Deckel hervor.

Das Schrittgeräusch wurde von den Galerien zurückgeworfen, die sich bis hinauf in schwindelerregende Höhen an den Wänden der umstehenden Gebäude entlangzogen.

Die Schritte verstummten schlagartig und erinnerten Frank an sein eigenes Erschrecken, als er diesen sich drehenden Deckel bemerkt hatte. Von einer dieser Galerien aus hatte jemand nun ebenfalls die Veränderung auf der Rampe bemerkt und war sofort stehengeblieben.

Oder ist er meinetwegen erschrocken? Franks Gedanken überschlugen sich.

Wenn dies ein verbotener Bezirk war, dann hatte er nichts zu lachen, wenn man ihn hier ertappte.

Vielleicht war der unbekannte Ankömmling über die Anwesenheit eines Menschen mehr verblüfft als über den Deckel, der schon kniehoch herausragte.

Frank trat instinktiv zurück und suchte Schutz und Deckung an der Wand. Sie war glatt und bestand aus unbekanntem Material. Er hoffte, dass er in den toten Winkel geraten war.

Die Schritte erklangen wieder, diesmal viel lauter und in jagender Eile. Sie kamen nicht aus den Galerien über ihm, wie er zunächst gedacht hatte, sondern von gegenüber.

Es war Essig mit dem toten Winkel.

Nur ein Blinder konnte ihn nicht entdecken. Aber ein Blinder wäre nicht gelaufen, und er hätte schon gar nicht ausmachen können, ob sich hier unten ein Mensch herumtrieb und ob einer der Deckel in der Rampe herausgeschraubt wurde.

Und da entdeckte Frank auch die rennende Gestalt. Sie lief oben auf der sechsten Galerie und hastete näher.

Er bemerkte die Abstrahlmündung eines Energiegewehres und fand, dass er sich einen sehr schlechten Platz an der Wand ausgesucht hatte. Er hatte keinen Schutz. Ein gutes Versteck bot sich auch nicht an.

Mit einem nervenzerfetzenden Kreischen wurde der Deckel wie von Titanenkräften zur Seite geschoben.

Aus der dunklen Öffnung drang ein animalisches Grunzen.

Frank schob sich mit dem Rücken an der glatten Wand entlang, als rot behaarte riesige Hände aus dem Loch griffen und sich um die Randkante klammerten.

Weg hier!, schoss es ihm durch den Kopf. Nichts wie weg! Was ist das bloß?

Er blickte gehetzt die Rampe herunter. Bis zur Ecke waren es wenigstens noch zwanzig Schritte.

Wenn er rannte, konnte er es schaffen. Dann allerdings wurde er auch von der Gestalt drüben auf der sechsten Galerie entdeckt, von der er nicht einmal sagen konnte, ob sie ein Mann oder eine Frau war. Er sah nur den Kopf, kurzgeschnittenes Haar und die Abstrahlmündung der Waffe.

Die Waffe bereitete ihm mindestens ebenso viel Sorge und Unbehagen wie die beiden rot behaarten gewaltigen Hände, die sich noch immer um den Rand der Öffnung klammerten. Denn ein Energiegewehr wurde bestimmt nicht zum Zeitvertreib in einer Stadt wie dieser herumgetragen. Man bewaffnete Wächter, weil die etwas zu schützen hatten.

Der logische Schluss war, dass die Gestalt auf der Galerie ein Wächter war.

Frank entfernte sich immer mehr von dem beiseite geschobenen Deckel und der Öffnung mit den Händen. Er schaute zur Ecke. Noch fünfzehn Schritte!

Bei dem Gedanken an das, was dort in der Öffnung war, zog es ihm die Haut zwischen den Schulterblättern zusammen.

Losrennen ohne Rücksicht auf den Wächter!, war sein nächster Gedanke.

Er empfand jetzt Furcht. Vor der Waffe und vor dem, was die Rampe barg.

Ein Roboter war das in keinem Falle. Es war unlogisch, einen Roboter mit rot behaarten riesigen Händen zu bauen und ihn unter einem abschraubbaren Deckel einzusperren.

Und außerdem grunzte eine Maschine nicht.

Eine dritte Hand erschien jetzt über dem Öffnungsrand, eine vierte.

Die jagenden Schritte auf der Galerie verstummten erneut. Frank warf einen gehetzten Blick hinauf.

Die Gestalt war an die Brüstung getreten und legte das Energiegewehr auf. Sie zielte herunter auf die Rampe.

Die Abstrahleinrichtung ließ keine genaue Peilung zu, auf welches Ziel die Waffe gerichtet war.

Frank wurde es mulmig unterm Hemd. Sein Magen krampfte sich zusammen und lag ihm drückend und schwer im Leib.

Er riskierte es und lief an der glatten Wand entlang. Nach zehn Schritten blieb er stehen und schaute zurück. Er wusste, dass die rettende Ecke zum Greifen nahe war, dass er sie mit einem gewaltigen Satz erreichen konnte. Das verlieh ihm den Nerv, sich zu vergewissern, ob die Gestalt die Waffe in seine Richtung gedreht hatte.

„Bist du lebensmüde?“, erklang es grollend von der Galerie herunter. Es war eine markige Männerstimme. Das Echo kam von einer Hauswand zurück. „Verschwinde hier!“

Frank stieß maßlos erleichtert den Atem aus. Das Energiegewehr zeigte nicht auf ihn, und der Mann dort oben hatte auch nicht die Absicht, ihn unter Beschuss zu nehmen.

Der raue Umgangston, schon immer eine liebe Gewohnheit der Menschen Fremden gegenüber, hatte sich nicht gewandelt. Er hatte sich durch Jahrtausende gehalten und wurde noch immer als die beste Verständigungsmethode erachtet.

Frank beherzigte den Ratschlag und hastete zur Ecke. Dort blieb er stehen und blickte zu der Öffnung zurück.

Er hielt die Waffentechnik für vollkommen genug, dass der Wächter in der Lage war, präzise zu schießen, und dass das Gewehr nicht streute wie eine alte Gießkanne.

Aus der Öffnung schob sich ein zottiger Schädel.

Frank spürte, dass ihm der Schweiß ausbrach, dass die Kleidung auf der Haut festzukleben begann.

Ein mächtiger roter Haarwulst saß auf dem Schädel und floss nach den Seiten ab. Von einer Stirn war so gut wie nichts zu sehen. Sie war von den Haaren verdeckt.

Der Haaransatz zeigte in einer Spitze herab zur Nasenwurzel und ließ in zwei Halbbögen die dicken Brauenwülste frei. Grüne Augen waren unter den Wülsten in das Gesicht eingebettet.

Gerechte Milchstraße!, dachte Frank. Das ist doch ein riesiger Affe!

Eine flache eingedrückte Nase beherrschte das Gesicht. Eine wulstige Oberlippe verlieh ihm ein stark exotisches Aussehen. Starke Haarfäden verdeckten die Wangen. Unmittelbar an der Unterlippe setzte ein gewaltiger Bart an.

Das zottige Haar hüllte den ganzen Kopf ein und ließ nur dieses seltsam eingedrückte Gesicht frei.

Frank griff nach der Gebäudekante und spannte die Muskeln zum rettenden Sprung um die Ecke.

Dieses Zottelwesen schaute genau zu ihm her.

Das gefiel ihm nicht, denn er bildete sich ein, in den grünen Augen einen intelligenten und nachdenklichen Ausdruck zu erkennen.

Mit einem mächtigen Satz schwang sich das Zottelwesen aus der Öffnung, duckte sich und streckte witternd und misstrauisch den Kopf vor.

Es waren die Bewegungen eines Primaten, eines Affen, der sich in ungewohnter Umgebung befand.

Das Tier stieß ein hässliches Grunzen aus und machte eine Drohgebärde.

Vom Teufel geritten, grunzte Frank zurück.

Der Affe richtete sich steil auf und legte lauschend den Kopf schief. Sein breiter behaarter Brustkorb dehnte sich. Das Tier war unsicher und aufgeregt.

Frank entdeckte, dass der ganze Körper des Wesens behaart war und dass es einen fetzenartigen Schurz vor dem Unterleib trug.

Er kniff sich in den Arm, weil er zu träumen glaubte. Der Schmerz signalisierte ihm, dass er Wirklichkeit erlebte.

Ein Affe, der sich schamhaft verhüllte, kam ihm dennoch unwahrscheinlich vor.

Oder hatte die Bedeckung etwas mit dem intelligenten Augenausdruck zu schaffen?

Unter dem Fell der Oberschenkel spannten sich mächtige Muskeln. Ihr Spiel war an den Bewegungen der Behaarung erkennbar.

Aus den Augenwinkeln sah Frank oben auf der Galerie eine schwache Bewegung.

Der Wächter hatte sich und sein Gewehr in eine noch bessere Position gebracht. Aus der Abstrahlmündung stieß eine feine blaue Lichtbahn. Der Schuss wurde von einem an- und abschwellenden Fauchen begleitet.

Der Affe reagierte augenblicklich. Das bewies Frank, dass er über ein außerordentlich sensibles Gehör verfügte und dass ihm das Fauchen nicht unbekannt war.

Das Tier schnellte sich mit einem mächtigen Satz von seinem Standort weg und starrte zur sechsten Galerie hinauf. Es fletschte die Zähne.

Das Gebiss war mörderisch und beeindruckend.

Wenn der Bursche mich erwischt, verspeist er mich ungekocht, dachte Frank.

Einem Affen, der intelligent aussah, der Rampendeckel von unten losschraubte und dem das Fauchen eines Strahlschusses bekannt war, traute er auch zu, dass er sich vom Vegetarier zum Fleischfresser gewandelt hatte.

Der Schuss traf die Rampe, wo sich nichts befand. Der Energiestrahl verästelte sich. Ein tanzendes, zuckendes Gitterwerk kroch über den Boden, sprang zum Deckel und löste sich auf.

Frank registrierte jede Einzelheit.

Der Schuss aus blauer Energie war von kaltem Charakter, denn auf dem Rampenbelag zeigten sich weder Brandnarben noch Blasen. Es stieg auch kein Rauch auf.

Der Affe hüpfte wie besessen herum. Er grunzte furchteinflößend zur Galerie hinauf und entging zwei nachfolgenden Schüssen.

Zweierlei fiel Frank auf - die blauen Energieschüsse waren nicht sehr schnell, mit gutem Reaktionsvermögen und Geistesgegenwart konnte man den Lichtbahnen entwischen, und der Wächter legte es augenscheinlich nicht darauf an, das Tier wirklich zu treffen.

Die Absicht wurde Frank sehr schnell klar, als ein zuckendes Gitterwerk verästelter Energie dicht vor dem Affen tanzte.

Das Tier sollte in die Öffnung zurückgetrieben werden!

Ein Affe mit intelligent blickenden Augen war ohne Zweifel zu wertvoll, um getötet zu werden.

Das zottige Pelzwesen dachte jedoch nicht daran, sich zurücktreiben zu lassen. Es sprang mit einem mächtigen Satz auf den Deckel, schnellte sich zur Öffnung und griff hinein.

Franks Nackenhaare richteten sich auf, als dem Burschen ein Stück Rohr aus dem Loch gereicht wurde.

Das Rohr war verbogen und ohne Zweifel irgendwo da unten abgerissen worden.

Der Affe schwang es wie eine Waffe und schleuderte es mit großer Gewalt in Richtung des Wächters.

Die Brüstung der vierten Galerie wurde getroffen. Sie verformte sich. Das Rohr stürzte herab und vollführte einen klirrenden Spektakel.

Unbeirrt versuchte der Wächter weiter, den Affen zur Umkehr zu bewegen. Er verwendete eine erstaunliche Geduld auf dieses Vorhaben.

Erst als das Tier sich als der geschicktere Partner in diesem Spiel erwies, begann er zu schimpfen.

„Verdammter Pelzlappen, dich kriege ich schon!“

Als hätte das Tier ihn verstanden, drohte es mit den behaarten Händen hinauf. Dazu stieß es bösartige Laute aus, jagte an der Öffnung vorbei und griff sich ein weiteres Rohrstück, das herausgereicht wurde.

Der Wächter hantierte an seinem Gewehr, legte wieder auf und schoss.

Frank sah, dass er das Spiel leid war und die Waffe anders eingestellt hatte. Aus der Abstrahlmündung blitzte eine ganz blasse Lichtbahn, die beträchtlich reduzierte Energie verriet.

Aber sie war ungeheuer schnell und fauchte entsetzlich.

Diesem Schuss entging der Affe mehr zufällig.

Aus dem Lauf heraus stoppte er und warf das Rohr, noch kraftvoller und noch höher. Er traf die fünfte Galerie. Das Rohr sauste durch irgendeine Öffnung hindurch und blieb oben.

Der nächste Schuss kam schnell. Und er saß.

Der Affe war plötzlich in ein Gitterwerk feiner blauer Lichtbahnen eingehüllt. Sein Fell sträubte sich. Das Gitterwerk löste sich auf. Der Affe griff sich mit beiden Händen an den Schädel.

Dann wandte er sich um, als wollte er weggehen. Er bewegte sich völlig aufrecht, machte zwei Schritte und stürzte nach vorn. Frank glaubte, dass eine leichte Erschütterung durch die Rampe ging.

Aus der Öffnung klangen zornige und beunruhigende Laute. Das zweite Händepaar war vom Rand verschwunden.

Frank rechnete damit, dass jeden Moment ein weiteres Exemplar heraussprang und mit Rohrstücken warf.

Diese Befürchtung schien auch der Wächter zu hegen, denn er blieb mit seiner Waffe in Schussposition.

Angestrengt überlegte Frank, wie er auf die sechste Galerie hinaufkommen konnte.

Er konnte keinerlei Verbindung der Galerien untereinander erkennen. Er wollte aber mit dem Wächter sprechen, um eine vernünftige Erklärung zu bekommen.

Die Frage war natürlich, ob der Wächter mit ihm sprechen wollte.

„Warum ist er herausgekommen?“, rief er hinauf.

Der Wächter machte eine ungeduldige Handbewegung und zielte unbeirrt auf die Öffnung.

Die Geste war unmissverständlich. Der Wächter wünschte kein Gespräch.

Frank spähte zu den Gebäudewänden hinüber. Diese Galerien dienten einem Zweck, und bestimmt nicht allein dem, für Wächter einen bequemen Patrouillenweg darzustellen. Möglicherweise waren es Zugänge zu Wohnungen. Warum kamen dann aber die Bewohner nicht heraus?

Das Fauchen der Energieschüsse und das Grunzen der Primaten konnten sie wohl schwerlich überhört haben.

Oder hielten sie es mit der weisen Lebensregel, nach der es ratsam war, im Zweifelsfalle nichts zu hören und nichts zu sehen?

Ein sanftes Vibrieren ging durch die Rampe und den Boden.

Frank erwartete, dass sich jetzt an der Öffnung etwas ereignete. Er rechnete mit dem Erscheinen weiterer Tiere. Eine Art Ausbruch oder so.

Sein Blick ging zum Wächter hinauf. Der Mann ließ keine Anzeichen von Unruhe erkennen.