Beschreibung

TIMETRAVEL - Reisen mit der Zeitkugel Band 21 von Horst Weymar Hübner Der Umfang dieses Buchs entspricht 109 Taschenbuchseiten. Der Auftrag: In mehreren historischen Quellen wird Bezug auf einen Rubinring genommen, der sich im Besitz der Familie Borgia befunden haben soll und der einmal auch als Todesring bezeichnet wird. Reisen Sie in das Jahr 1497 nach Rom und überprüfen Sie, was es mit diesem Ring auf sich hat und ob er wirklich ein Instrument war, mit dem die Borgia sich rücksichtslos Macht und Reichtum erkämpften. Konsortium der Sieben

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Horst Weymar Hübner

Timetravel #21: Der Todesring der Borgia

Cassiopeiapress SF

BookRix GmbH & Co. KG80331 München

DER TODESRING DER BORGIA

TIMETRAVEL - Reisen mit der Zeitkugel

Band 21

von HORST WEYMAR HÜBNER

 

Der Umfang dieses Buchs entspricht 109 Taschenbuchseiten.

 

Der Auftrag:

In mehreren historischen Quellen wird Bezug auf einen Rubinring genommen, der sich im Besitz der Familie Borgia befunden haben soll und der einmal auch als Todesring bezeichnet wird. Reisen Sie in das Jahr 1497 nach Rom und überprüfen Sie, was es mit diesem Ring auf sich hat und ob er wirklich ein Instrument war, mit dem die Borgia sich rücksichtslos Macht und Reichtum erkämpften.

Konsortium der Sieben

 

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker.

© by Author / Cover nach einem Motiv von John Collier mit Steve Mayer, 2016

© dieser Ausgabe 2016 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

Prolog

Am 5. Juli 1984 glückte Professor Robert Hallstrom das wahrhaft phantastische Experiment, winzige Substanzteile zu ent- und zu rematerialisieren. Und er errechnete, dass diese Substanzteile im Zustand der Körperlosigkeit mit ungeheurer Geschwindigkeit in der 4. Dimension zu reisen vermochten - also nicht nur durch den Raum, sondern auch in die Vergangenheit und in die Zukunft.

Mit seinem Assistent Frank Jaeger und dem Ingenieur Benjamin Crocker begann er, diese Entdeckung für die Praxis auszuwerten. Er wollte ein Fahrzeug bauen, das sich und seinen Inhalt entmaterialisieren, dann in ferne Räume und Zeiten reisen, sich dort wieder rematerialisieren und nach dem gleichen Verfahren wieder an den Ursprungsort und in die Ursprungszeit zurückkommen konnte. Doch nach vier Jahren musste der Professor seine Versuche aus Geldmangel einstellen.

Die superreichen Mitglieder vom „Konsortium der Sieben“ in London boten ihm aber die fehlenden Millionen unter der Bedingung an, dass sie über den Einsatz der Erfindung bestimmen könnten. Der Professor erklärte sich einverstanden, konnte weiterarbeiten und vollendete am 3. Mai 1992 sein Werk: Die Zeitkugel. Seit diesem Tag reisen der Professor, sein Assistent und der Ingenieur im Auftrag des „Konsortiums der Sieben“ durch die 4. Dimension.

Dieser Roman erzählt die Geschichte der Ausführung eines derartigen Auftrags.

1

Neidvoll blickte Ben Crocker auf die prächtigen Sänften, die zum Palast der Lucrezia Borgia getragen wurden, und auf die schimmernden und glänzenden Prunkwagen, die durch das Tor rollten und unter den Zypressen in einer Art Auffahrt vor dem Bogenportal anhielten.

„Und da sage noch einer, die Leute wüssten nicht zu leben!“, brummte er. In seine Augen trat ein begehrlicher Ausdruck.

Professor Robert Hallstrom fand den Aufzug der Gäste, die dort aus Sänften und Wagen stiegen, nicht gerade beispielhaft.

„Es sieht Ihnen durchaus ähnlich, Ben, sich für solchen Firlefanz zu begeistern“, sagte er mit mildem Tadel. „Diese Leute sticht der Hafer, und das nicht zu knapp. Welcher Mensch mit gesundem Verstand käme wohl auf die Idee, mitten im Sommer ein maskiertes Karnevalstreiben zu besuchen? Kein Wunder, dass die Bevölkerung vieler Länder Rom nicht mehr für die heilige, sondern für eine sehr unheilige Stadt hält.“

„Vermutlich hatten die Gäste gar keine andere Wahl“, mischte sich Frank Jaeger ein, der die Ankunft der Gäste besonders kritisch und aufmerksam verfolgte. „Lucrezia Borgia hat eingeladen - zu einem sommerlichen Maskentreiben. Die Leute mussten sich notgedrungen in diese idiotischen Vermummungen werfen, wenn sie sich nicht den Zorn der gesamten Borgia-Clique zuziehen wollten.“

„Die Borgias geben nun mal den Ton in der Stadt an“, pflichtete Ben bei. „Und die Leute sind gut beraten, nach ihrer Pfeife zu tanzen.“

„Sie brauchen mir keine Belehrungen über die Machtverteilung in dieser Stadt zu geben“, sagte Hallstrom abweisend. „Ich habe mich gründlich vorbereitet.“

Grinsend meinte Frank: „Ja, aber von diesem unzeitgemäßen Maskenfest wussten Sie auch nichts, trotz Quellenstudium. Wenn ich nicht mit offenen Ohren herumgelaufen wäre, dann würden wir immer noch an dem Problem knabbern, wie wir an die Borgias herankommen, ohne Verdacht zu erregen.“

Die Tatsache, dass Lucrezia Borgia heute Abend ein Maskenfest geben würde, hatte Frank auf dem Judenmarkt aufgeschnappt, nachdem sie seit drei Tagen vergeblich versucht hatten, Kontakte mit Angehörigen der Palastwachen zu bekommen.

Ben war sofort auf die etwas ausgefallene Idee gekommen, sie sollten alle drei als ungebetene Besucher an diesem Mummenschanz teilnehmen.

Frank war ebenfalls für diesen Handstreich gewesen, der in jedem Falle aussichtsreicher erschien als die Kontaktsuche, die bislang keinerlei greifbares Ergebnis gebracht hatte.

Händeringend hatte Professor Hallstrom auf die Möglichkeit hingewiesen, dass sie auf Nimmerwiedersehen in irgendwelchen unterirdischen Kerkern verschwinden würden, wenn man ihnen auf die Schliche kam. Er hatte auch den Hinweis nicht fehlen lassen, dass man sie erdolchen oder mit Gift umbringen konnte - zwei Methoden, die sich bei den großen Familien der Stadt Rom wachsender Beliebtheit erfreuten.

Aber Frank und Ben hatten sich schwerhörig gestellt und schließlich, als der Professor nicht lockerließ mit finsteren Ausmalungen ihres künftigen Schicksals, ihn in einem simplen Abstimmungsverfahren niedergestimmt.

Zähneknirschend hatte Hallstrom sich gefügt und etwas von „abgekartetem Spiel“ gemurmelt.

Jetzt stand er mit Ben und Frank in Sichtweite des Palastes des Fürsten Giovanni Sforza von Pesaro. Lucrezia Borgia war mit diesem Fürsten seit vier Jahren verheiratet und gab laufend rauschende Feste, die dem Vernehmen nach von ihrem Bruder Cesare und ihrem Vater, dem Papst Alexander VI., aufwendig finanziert wurden.

So manches dunkle Gerücht ging um in Rom. Im Judenviertel, wo sich die Zeitreisenden in einer Herberge eingemietet hatten, war ihnen zu Ohren gekommen, dass Lucrezias Ehe mit dem Fürsten von Pesaro seit mehr als einem Jahr nur noch auf dem Pergament des Ehekontraktes bestand, und dass die hübsche Papsttochter, die schönste Frau von Rom, trotz ihrer erst siebzehn Lebensjahre ein leidenschaftliches Liebesverhältnis zu einem Manne unterhielt, der dem Kreis der Vertrauten des Papstes zuzurechnen war und am Hofe eine hohe Stellung innehatte.

Wer dieser Günstling der Lucrezia war, das hatten die Zeitreisenden nicht in Erfahrung bringen können. Sie hatten nur etwas von der bösen Stimmung gespürt, die sich immer dann bemerkbar machte, wenn von den Borgias und besonders von Papst Alexander gesprochen wurde. Der Mann nahm für sich in Anspruch, Statthalter Gottes auf Erden zu sein, aber er trat das Amt seines Pontifikats mit Füßen, lebte in Saus und Braus und weltlicher als ein Herzog, und die Zahl seiner Laster und Sünden war höher als die seiner Lebensjahre.

Auf dem Markt hatte vor zwei Tagen ein Händler aus Norditalien, der durch päpstliche Steuern und Abgaben arg geschröpft worden war und die Hälfte seines Warenbestandes eingebüßt hatte, unverblümt die Meinung geäußert, man sollte endlich dem alten Teufel den fetten Hals umdrehen und seine machtlüsterne Brut im Tiber ersäufen.

Eine halbe Stunde darauf hatten fünf kräftige Schergen den Händler von seinen Stoffballen weg verhaftet. Der Mann blieb seitdem verschwunden.

„Jetzt wird es spannend!“, sagte Frank unvermittelt. „Das Fest bekommt Glanz und Würde!“

Eine überaus prächtige Sänfte wurde vorbeigetragen und im Hof abgesetzt. Im Schein der rußenden Pechfackeln, die entlang der Auffahrt und der Baumreihen brannten, schwang sich ein Mann aus dem Tragstuhl, dessen kraftvoll geschmeidige Bewegungen nicht recht zu dem Kardinalspurpur passten, in den er gekleidet war.

Die drei Freunde schauten einigermaßen verblüfft. Doch das Bild vor ihren Augen änderte sich nicht. Da kam ein wahrhaftiger Kardinal auf das Maskenfest der Lucrezia Borgia!

Kein Gast würde so vermessen gewesen sein, sich für den Mummenschanz in den kirchlichen Purpur zu hüllen. Mochte das Leben in Rom auch frivol, liederlich und lasterhaft sein - irgendwo gab es Grenzen, die auch in diesem Tollhaus beachtet wurden.

Eine Maskerade war dieses Kardinalsgewand jedenfalls nicht.

„Der Blitz soll mich doch gleich treffen, wenn das nicht der noble Cesare Borgia ist!“, stieß Ben hervor. „Der Kardinal von Valencia gibt sich die Ehre, ein Sommerfest seiner Schwester Lucrezia zu besuchen. Mann, das haut sogar ein steinernes Standbild vom Podest!“

„Und wenn er's nicht ist?“, fragte Hallstrom und blinzelte etwas kurzsichtig zu dem Kardinal hinüber.

„Er ist es, gar keine Frage“, räumte Frank die letzten Zweifel aus. Er hatte Augen wie ein Adler. „Da, jetzt dreht er sich um! Der Bart! Die Kopfbedeckung, die er sich sehr weit in die Stirn gezogen hat! Das ist er!“

Wie zur Unterstreichung seiner Worte verneigten sich jetzt die Wagenlenker, Kutscher und Sänftenträger im Hof des Palastes tief vor dem Kardinal, der ihnen leutselig zuwinkte. Was er für ein Gesicht dabei schnitt, konnten die drei Zeitreisenden nicht mehr sehen.

Der Kardinal wurde jetzt von einem Zeremonienmeister empfangen und in den Palast geführt.

Vor dem Portal drängten sich im selben Moment Bewaffnete und bildeten eine Art Spalier. Es war nicht die Palastwache des Fürsten von Pesaro, denn die Männer trugen nicht die Farben der Sforza. Es war die Leibwache des Kardinals.

Als Professor Hallstrom das Wappen sah, das die Männer auf dem gepanzerten Wams trugen, war auch er überzeugt, dass er gerade Cesare Borgia im Kardinalspurpur gesehen hatte. Das Wappen zeigte den Stier, das Zeichen der Borgia.

Das Vorhandensein der Palastwache und der Leibwache war allerdings ein Faktor, mit dem weder Hallstrom noch Ben und Frank gerechnet hatten.

„Sehen Sie sich das nur an!“, sagte Hallstrom anklagend und machte eine Kopfbewegung zum Palast hinüber. „Durch diese Wache kommt vielleicht eine Maus unbemerkt hindurch, aber niemals eine dreiköpfige Delegation, die keine Einladung besitzt und nicht einmal maskiert ist.“

Ben grinste. Das ferne Fackellicht verlieh seinem Gesicht ein fast dämonisches Aussehen und verhalt Hallstrom zu sofortigem Magendrücken.

„Dann spielen wir eben Maus“, sagte Ben zuversichtlich und so ruhig, als sei es die einfachste Sache von der Welt, durch fünfzig Bewaffnete hindurchzuspazieren.

Frank wedelte ablehnend mit der Hand.

„Besser nicht. Eine Maus hängt zu schnell in der Falle fest. Aber da hinten sehe ich eine Chance für uns kommen. Los, kommt mit, bevor der Aufmarsch der Gäste beendet ist!“ Franks Stimme hatte einen beschwörenden Klang.

Hallstrom schaute die baumgesäumte Straße entlang, auf der es schon verteufelt dunkel war. Ganz hinten rollte noch ein klobiges Gefährt heran. Das harte Trappeln der Pferdehufe und das dumpfe Rollen der Räder drangen laut durch die sommerliche Nacht.

Von einer Chance sah der Professor nichts. Aber Frank und Ben liefen schon los und eilten genau dieser unförmigen Kutsche zu.

2

„Sie sind wohl von allen guten Geistern verlassen?“, fauchte Hallstrom. Seine Stimme zitterte vor Grimm.

„Es ist ja niemand zu Schaden gekommen“, wehrte Frank ab und steckte seinen Paralyzer weg.

Ben hatte den livrierten Kutscher aufgefangen, der kopfüber vom Bock heruntergesaust war. Er hielt ihn noch in den Armen und sah sich nach einem Platz um, an dem er den Mann ablegen konnte. Die tiefen Schatten unter den Bäumen schienen ihm geeignet.

Er schleppte den Kutscher von der Straße und legte ihn inmitten von hitzedürrem Gras ab, das mächtig raschelte und rauschte.

„Stehen Sie nicht rum wie bestellt und nicht abgeholt!“, knurrte Frank ärgerlich, als Hallstrom sich immer noch nicht rührte. „Halten Sie wenigstens die Pferde ruhig!“

Das Zweiergespann trat nervös auf der Stelle und ruckte an der schweren Kutsche.

Ben kam von der anderen Seite und fluchte verhalten, als Frank ganz kurz seine Lampe aufleuchten ließ, um zu sehen, wen sie überhaupt gestoppt und eingeschläfert hatten. Den Masken und der Kleidung nach zu urteilen waren es zwei Männer und zwei Frauen, die verdreht in den samtenen Polstern des Wagens lehnten.

„Hm!“, machte Frank Jaeger überlegend. „Wir müssen eben das Beste daraus basteln. Ben, du nimmst diese Hirtentracht, die passt noch am ehesten für deine Figur. Ich begnüge mich mit diesem Türkengewand.“

„Und der Professor?“, fragte Ben mit leisem Groll, weil nur noch die beiden Frauenkostüme übrig waren.

„Den stopfen wir in diese Dirnentracht“, sagte Frank. „Der soll auch etwas vom Fest haben.“

Ben kam es vor, als gluckse Frank vor Vergnügen.

Der Spaß sollte ihnen an diesem Abend noch gründlich vergehen.

3

Ben saß als Kutscher in der Hirtentracht auf dem Bock und lenkte die beiden Pferde, was sich als schwieriges Unterfangen herausstellte. Die verdammten Böcke wollten nämlich immer anders als er. Nur widerwillig gehorchten sie dem Zug der bändergeschmückten Seile, die als Zügel dienten.

„Eine Frechheit wie diese ist mir wahrlich noch nicht untergekommen!“, schimpfte hinten Hallstrom. Ben grinste erfreut vor sich hin. Er und Frank hatten in Rekordzeit den guten Professor rundherum so ausgestopft, dass er anlässlich des Maskenfestes im Palast gut für eine Frau durchgehen konnte. Das Gesicht brauchte er ja nicht herzuzeigen. Keiner brauchte das.

Alle vier Passagiere, die jetzt der wesentlichsten Bestandteile ihrer Kleidung beraubt friedlich dort hinten unter den Bäumen schliefen und sich später an nichts erinnern würden, hatten steife Ledermasken vor dem Gesicht getragen.

Die Zeitreisenden hatten sich drei Masken genommen und ihre Vermummung damit vervollständigt.

Trotz fieberhafter Suche hatten sie aber keinerlei Einladungsschreiben zu diesem Fest finden können.

Das war der schwache Punkt, der das Unternehmen platzen lassen konnte.

Wenn Lucrezia Borgia und der Fürst von Pesaro ohne ein Schreiben eingeladen hatten, dann bestand keine Gefahr.

Wenn sie bei der blitzschnellen Suche aber die Einladungen übersehen hatten, dann kamen sie dort im Palast in Teufels Küche.

Ben war finster entschlossen, sich mit Gewalt den Weg freizuschießen. Er verspürte keine Neigung, ebenso spurlos zu verschwinden wie der norditalienische Händler vom Markt.

„Beschweren Sie sich nicht dauernd“, knurrte hinten Frank, als Hallstrom immer noch verhalten schimpfte. „Und fluchen Sie vor allem nicht. Sie sind eine Dame von Rang und Stand und ...“

„Halten Sie mich nicht für blöd!“, giftete der Professor. „Ich habe an diesem verdammten Frauenkleid das Hurenrädchen am linken Ärmel sehr genau gesehen! — Lieber Himmel, das darf man keinem Menschen erzählen! Ich als römische Dirne beim Maskenball der Lucrezia Borgia!“ Er ächzte erschüttert.

„Vielleicht sollten wir das im Bericht an das Konsortium der Sieben besonders lobend hervorstreichen“, schlug Ben boshaft vor.

„Sie! Halten Sie bloß den Mund!“, begann Hallstrom von Neuem. „Ihnen verdanke ich doch diese nicht zu beschreibende Lage! Sie mit Ihren hirnverbrannten Ideen!“

„Meine Einfälle haben uns noch jedes Mal ein Stück vorangebracht, das können Sie nicht abstreiten!“, murrte Ben. „Und jetzt ist Ruhe da hinten. Wir sind gleich da!“ Er fuhr in diesem Augenblick durchs Tor.

Die Ankunft der klobigen Kutsche erregte keinerlei Aufsehen. Unter den Zypressen hockten die Sänftenträger neben den Tragstühlen, am Rande der Auffahrt hielten die Wagen, mit denen ein Teil der Gäste gekommen war. Die Kutscher hockten zusammen oder dösten neben den Fahrzeugen.

So schwungvoll wie es eben ging, nahm Ben die Kurve und hielt vor dem Spalier der Leibwächter des Kardinals. Ein paar Soldaten schauten misstrauisch, wie es Ben erschien.

Teufel auch, es war schon verdammt ungewöhnlich, dass ein Kutscher maskiert war!

Er merkte, wie ihm der Schweiß ausbrach, und er meinte, dass alle Welt merken müsste, was mit ihm, Hallstrom und Frank los war.

Aber da schauten die Soldaten schon wieder weg. Der Wagen, der vermummte Kutscher und die Insassen waren für sie ohne Bedeutung.

Frank packte den sich sträubenden Hallstrom nachdrücklich am Arm und holte ihn mehr aus der Kutsche, als dass er ihm half.

Verwirrt strich Hallstrom das Brokatkleid glatt, in das ihn seine beiden Ingenieure gezwängt hatten. Missgelaunt schaute er auf das Hurenrädchen aus anderem Stoff am linken Ärmel. Die liederlichen Frauenzimmer waren verpflichtet, dieses Stoffrädchen am Gewand zu tragen. Es war ihr Erkennungsmerkmal und Zunftabzeichen.

Wenn jetzt die Bänder rissen, mit denen die Ledermasken festgebunden waren! Frank mochte an die Folgen lieber nicht denken. Der Anblick der Hellebarden verursachte ihm schon genug Unbehagen.