Timetravel #27: Jagd auf die Unsterblichkeit - Horst Weymar Hübner - E-Book
Beschreibung

TIMETRAVEL - Reisen mit der Zeitkugel Band 27 von Horst Weymar Hübner Der Umfang dieses Buchs entspricht 127 Taschenbuchseiten. Von Mackenzie's Mond im System Alpha Centauri ist ein Raumschiff mit kostbarster Fracht unterwegs. Es hat Lebenskristalle an Bord, die Spender ewigen Lebens. Die Regierung der Erde bestimmt nach einem geheimen Schlüssel, wer in den Kreis der Unsterblichen aufgenommen wird. Es ist der Wille eines mächtigen Mannes, dass dieses Raumschiff nie die Erde erreicht, dass er aber in den Besitz der Lebenskristalle kommt. Er rüstet eine Expedition aus, die dieses Raumschiff abfangen soll. Dr. Vanessa Carter, Ben Crocker und Frank Jaeger entdecken in einem Hangar des Raumhafens Miami ein Schiff, das auf alt getrimmt wird. Diese Entdeckung wird lebensgefährlich für sie. Sie sind einem gewaltigen Täuschungsmanöver auf der Spur und treffen auf einen Mann, dem ein schlimmer Ruf vorausgeht. Er ist ein Raumpirat, der sogar zehn Jahre Verbannung auf dem Merkur überlebte. Jetzt spielt er sein eigenes Spiel und lässt die Zeitspringer entführen.

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Seitenzahl:126

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Horst Weymar Hübner

Timetravel #27: Jagd auf die Unsterblichkeit

Cassiopeiapress Science Fiction

BookRix GmbH & Co. KG80331 München

Jagd auf die Unsterblichkeit

TIMETRAVEL - Reisen mit der Zeitkugel

Band 27

von HORST WEYMAR HÜBNER

 

Der Umfang dieses Buchs entspricht 127 Taschenbuchseiten.

 

Von Mackenzie's Mond im System Alpha Centauri ist ein Raumschiff mit kostbarster Fracht unterwegs. Es hat Lebenskristalle an Bord, die Spender ewigen Lebens. Die Regierung der Erde bestimmt nach einem geheimen Schlüssel, wer in den Kreis der Unsterblichen aufgenommen wird.

Es ist der Wille eines mächtigen Mannes, dass dieses Raumschiff nie die Erde erreicht, dass er aber in den Besitz der Lebenskristalle kommt. Er rüstet eine Expedition aus, die dieses Raumschiff abfangen soll.

Dr. Vanessa Carter, Ben Crocker und Frank Jaeger entdecken in einem Hangar des Raumhafens Miami ein Schiff, das auf alt getrimmt wird. Diese Entdeckung wird lebensgefährlich für sie.

Sie sind einem gewaltigen Täuschungsmanöver auf der Spur und treffen auf einen Mann, dem ein schlimmer Ruf vorausgeht. Er ist ein Raumpirat, der sogar zehn Jahre Verbannung auf dem Merkur überlebte. Jetzt spielt er sein eigenes Spiel und lässt die Zeitspringer entführen.

 

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker.

© by Author / Cover: Nr.54263177 + 25209191 Shotshop, 2016

© dieser Ausgabe 2016 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

Prolog

Am 5. Juli 1984 glückte Professor Hallstrom das fantastische Experiment, winzige Substanzteile zu ent- und zu rematerialisieren. Er errechnete, dass diese Substanzteile im Zustand der Körperlosigkeit mit ungeheurer Geschwindigkeit in der 4. Dimension zu reisen vermochten - also nicht nur durch den Raum, sondern auch in die Vergangenheit und in die Zukunft. Mit seinem Assistenten Frank Jaeger und dem Ingenieur Ben Crocker begann er, diese Entdeckung für die Praxis auszuwerten. Er wollte ein Fahrzeug bauen, das sich und seinen Inhalt entmaterialisieren, dann in ferne Räume und Zeiten reisen, sich dort materialisieren und nach dem gleichen Vorfahren wieder an den Ursprungsort und in die Ursprungszelt zurückversetzen konnte. Nach vier Jahren musste der Professor seine Versuche aus Geldmangel einstellen.

Die superreichen Mitglieder vom „Konsortium der Sieben“ In London boten ihm aber die fehlenden Millionen unter der Bedingung an, dass sie über den Einsatz der Erfindung bestimmen könnten. Der Professor erklärte sich einverstanden, konnte weiterarbeiten und vollendete am 3. Mai 1992 sein Werk: die Zeitkugel. Seit diesem Tag reisen der Professor, sein Assistent und der Ingenieur im Auftrag des „Konsortiums der Sieben“ durch die 4. Dimension. Dieser Roman erzählt die Geschichte der Ausführung eines derartigen Auftrags.

1

Der Medo-Roboter rollte herein, und Harrison T. Sparks blickte gereizt von den Frachtlisten auf. Er hasste diese Maschine, weil sie ihn an die Vergänglichkeit des Lebens erinnerte. Aber er brauchte sie.

Harrison T. Sparks, seit hundert Jahren Boss der Solaren Handels-Union und ihr genialster Finanzjongleur in der Geschichte ihres vierhundertjährigen Bestehens, war zum Sterben verurteilt, wenn der Medo-Roboter nicht kam.

Der Medo-Roboter hatte noch keine Behandlung versäumt. Er kam immer pünktlich. In immer kürzeren Abständen. Seinen nächsten Besuch pflegte er ungeachtet der Flüche von Harrison T. Sparks anzukündigen. Überdies nahm er sich die Freiheit, das fällige Datum in Sparks’ geheiligtes Terminbuch einzutragen.

Sparks hatte vier nutzlose Versuche unternommen, den Roboter nach erfolgter Behandlung hinauszuwerfen. Mit seinen sämtlichen Mitarbeitern hatte er das schon gemacht. Der Roboter reagierte nicht auf Zornausbrüche und gewalttätiges Geschrei.

Und ihn vor die Tür zu setzen, das getraute sich Harrison T. Sparks nicht. Der Roboter war stärker.

Auch das war ein Grund, warum Sparks die Maschine hasste. Menschen hatten sie konstruiert, um Menschen zu dienen, nicht jedoch, um von ihr abhängig zu sein. Sparks war abhängig. Er wollte - er musste am Leben bleiben.

Er hatte große Ziele. Er wollte die Solare Handels-Union zur schlagkräftigsten Wirtschaftsmacht ausbauen, die jemals im Sonnensystem existiert hatte oder existieren würde. Unauslöschlich sollte der Aufstieg der Union mit seinem Namen verbunden sein.

Und da war noch die Hoffnung, diese betörende, beunruhigende, verfluchte Hoffnung, dass er eines Tages die lebenserhaltenden Bio-Einheiten nicht mehr benötigte, sondern in die Liste derer aufgenommen wurde, denen die Lebenskristalle zustanden.

Brachte er die Union an die Spitze der Solarwirtschaft, dann rückte er automatisch in den Kreis dieser Personen auf. Der Boss eines Industriegiganten war ein wichtiger und vor allem unersetzlicher Mann, wenn der Aufschwung seiner Tatkraft zu verdanken war.

„Entblößen Sie den linken Arm, Sir!“, verlangte der Medo-Roboter.

Sparks schob die Frachtlisten beiseite, knurrte die Maschine an und schwenkte den Sessel herum. Dabei streifte er den linken Ärmel hoch.

Die ganze Verachtung, die er für die seelenlose Maschine empfand, sprach aus seinen Augen.

Er zuckte zusammen, als die kalte Metallhand des Roboters seinen Arm ergriff und etwas anhob. Sein Sessel rollte dabei vor.

„Kannst du nicht aufpassen? Was muss ich mir noch alles für deinen sündhaft teuren Mietpreis gefallen lassen?“

„Sie verkrampfen sich, Sir!“, bemängelte der Roboter. „Entspannen Sie sich, lockern Sie die Muskeln.“ Er brachte seine rechte Hand zum Vorschein, die den Hochdruckinjektor hielt. Seine Linsenaugen richteten sich auf das gerötete Gesicht von Harrison T. Sparks. „Ihre Anfrage wird von meinem Speicher dem Bereich Finanzen zugeordnet. Hierzu besteht keine Programmierung. Ich kann mit Ihnen keine Diskussion führen. Haben Sie Fragen, die meinen medizinischen Aufgabenbereich betreffen?“

Sparks war drauf und dran, dem Roboter die Faust gegen den metallischen Schädel zu schlagen. Diese Maschine verlängerte ihm mit Bio-Einheiten das Leben - das war alles, was sie konnte. Sie verstand nicht einmal, warum sie es tat. Und für wen. Sie gehorchte ihrem Programm.

Eine kühle Flüssigkeit sprühte aus dem Hochdruckinjektor und desinfizierte Sparks Armbeuge.

„Fünfzigtausend Einheiten, Sir!“ Der Roboter presste die winzige Düsenplatte auf die Vene. Ein kräftiges Zischen tönte durch den Raum.

Dann war schon alles vorbei.

Harrison T. Sparks riss seinen Arm zurück, begutachtete die feuchte Injektionsstelle und streifte hastig den Ärmel herunter. Er spürte bereits das sanfte Prickeln, das sich zum Oberarm ausdehnte. In spätestens fünf Minuten prickelte es im gesamten Körper.

„Es werden auch immer mehr“, knurrte er grämlich.

„Ihre Zellen sind überaltert und neigen zum schnelleren Zerfall“, belehrte ihn der Roboter. „Bei der nächsten Behandlung muss ich Ihnen sechzigtausend Einheiten geben. In einer Woche, Sir.“

„Früher waren es vier Wochen!“

„Da waren Ihre Zellen jünger, Sir.“ Der Roboter verstaute den Hochdruckinjektor in einer räumlichen Aussparung seines zylindrischen Körpers und zog mit der anderen Hand das Terminbuch heran. Sparks hatte aus Gehässigkeit das Buch zugeklappt.

Mit atemberaubender Schnelligkeit blätterte der Roboter einhändig das Buch durch, stoppte auf der richtigen Seite und trug den nächsten Behandlungstermin ein.

Eine quälende Frage bedrängte plötzlich Harrison T. Sparks. Seltsam, er hatte nie daran gedacht, die Frage hatte sich nie gestellt. Aber jetzt war sie da. Sie musste damit zusammenhängen, dass er sich mit dem forcierten Aufbau der Handels-Union zum Wirtschaftsgiganten intensiv befasste. Angst stieg aus den verborgenen Gründen seiner Seele - die Angst, für den Aufbau mehr Zeit als vorgesehen zu benötigen, was wiederum bedeutete, dass er noch lange nicht in den Kreis derer aufstieg, die die Lebenskristalle empfingen.

„Wie ... wie lange noch kannst du den Zellenzerfall hinausschieben?“ Seine Stimme war heiser und schwankte. Sie verriet seine Unsicherheit und seine Furcht vor der Antwort.

„Bis hunderttausend Einheiten. Danach ist die Behandlung aussichtslos“, erklärte der Roboter mit mechanischer Sachlichkeit. Sparks hätte ihn dafür gerne umgebracht, zerschlagen, zerstückelt und dann eingeschmolzen.

„Und - wann ist das?“

Der Medo-Roboter klappte das Terminbuch zu und schob es an seinen ursprünglichen Platz. „Nach den aktuellen Körperfunktionsanalysen in vier Jahren. Sir, begeben Sie sich jetzt in den Ruheraum und halten Sie die zweistündige inaktive Phase ein.“

Der Flurbelag dämpfte seine Schritte. Leise schloss er die Tür hinter sich.

Harrison T. Sparks warf sich plötzlich nach vorn, ergriff das Terminbuch und schleuderte es gegen die Tür.

Vier Jahre nur noch!

Eine unsichtbare Faust drückte ihm die Kehle zu. Sein Puls beschleunigte, in seinen Ohren war ein fernes Rauschen wie Meeresbrandung. In vier Jahren war der totale Aufbau niemals zu schaffen. Mit sehr viel Glück vielleicht in zwanzig.

Aus vorbei!, hämmerte es in seinem Schädel. Er stieg nicht in den Kreis der Kristallempfänger auf. Die Unsterblichkeit, nach der er bereits die Hand ausgestreckt hatte, entglitt seinen Fingern.

Das brennende Kribbeln und Prickeln ergriff von seinem Körper Besitz.

Er stemmte sich aus dem Sessel und schob die Frachtlisten zur linken Schreibtischecke.

Vier Jahre noch!

Er klammerte sich an die aufkeimende Hoffnung, dass der verdammte Roboter eine Fehldiagnose gestellt hatte.

Die Hoffnung erlosch wie eine kleine Flamme im Tropenregen. Der seelenlose Roboter war eine präzise arbeitende und nie irrende Maschine.

Ganz plötzlich griff Harrison T. Sparks nach den Frachtbriefen und zog sie heran. Oben auf dem Stapel befand sich die Ladeliste der NAGAKO. Angeheftet waren ein Regierungsschein, der besagte, dass das Raumschiff für diesen Flug von der Regierung gechartert war, und eine Versicherungspolice.

Sparks hatte die Frachtbriefe zuvor nur gesichtet, aber nicht auf nebensächliche Details geprüft. Aufgefallen war ihm lediglich, dass eine Regierungs-Charter im Allgemeinen nicht auch noch durch eine Versicherung geschützt war. Ein Regierungsauftrag war schon Versicherung genug.

Harrison T. Sparks erlebte den Augenblick, in dem durch radikal veränderte Umstände Nebensächlichkeiten in den Rang von Hauptsachen erhoben wurden und ungeheures Gewicht bekamen.

Seine veränderten Umstände waren die Diagnose des Medo-Roboters, die hunderttausend Bio-Einheiten als nicht überschreitbare Grenze und die vier Jahre, die ihm gerade noch blieben. Die Nebensächlichkeiten waren der Frachtbrief der NAGAKO, der Regierungsschein und die Versicherungspolice.

Zusammen erlangten sie enorme Bedeutung.

Statt sich in den Ruheraum zur Ableistung der zweistündigen inaktiven Phase zu begeben, studierte Sparks die Ladeliste. Seine eisgrauen Brauen wanderten in die Höhe.

Die NAGAKO war erst vor elf Jahren in Dienst gestellt worden und rangierte noch in der Klasse der Neubauten. Sie zählte zu den zweihundert eigenen Schiffen der Solaren Handels-Union. Aufträge hatte die Union für wenigstens fünfhundert Fracht- und Transportraumer. Sparks selber hatte vor zwanzig Jahren damit begonnen, freie Handelskapitäne als Subunternehmer durch Kontrakte an die Union zu binden.

Diese Kapitäne, nach Bedarf mal Raumpiraten und mal freie Händler, flogen in der Regel mit abenteuerlichen Mannschaften und noch viel abenteuerlicheren Raumern.

Solange sie einen Auftrag ordentlich ausführten und für die Union immer noch ein Profit heraussprang, war dieses Subunternehmertum in Ordnung.

Als Nebeneffekt war ein Rückgang der Raumpiraterie zu verzeichnen gewesen, was Harrison T. Sparks als sein persönliches Verdienst betrachtete.

Jedenfalls waren die Handelsrouten sicherer geworden, die Gewinne der Union waren gestiegen - und überhaupt war es besser gewesen, dass das Handelsgeschäft wieder überschaubar geworden war.

Sparks wusste gerne, wo er mit der Union stand und auf welcher Position sich die Konkurrenten befanden.

Die Regierungs-Charter für die NAGAKO war ein schmeichelhafter Auftrag für die Union. Und ein problemloser dazu. Die Regierung zahlte prompt und feilschte nicht.

Aber warum die Regierung für eine Kiste mit 67 Terra-Kilogramm ein ganzes Schiff gechartert hatte, das machte Sparks stutzig. Die Regierung war als knauserig verschrien, und zu diesem vielfach untermauerten Ruf passte nicht, dass sie speziell in diesem Fall die gepfefferten Frachtkosten zum Fenster hinauswarf.

Es sei denn, dass die Kiste einen so wertvollen Inhalt barg, der jede Frachtrate rechtfertigte.

Sparks überschlug die Daten.

Diplomatische Papiere, Wirtschafts- und Handelsabkommen und Ähnliches hätte die Regierung im Normalfalle durch einen Kurier überbringen lassen. Und höchstwahrscheinlich mit einem Regierungskreuzer.

Diese Wahrscheinlichkeit war in diesem Falle gering, denn die NAGAKO befand sich auf dem Rückflug von Mackenzie’s Mond im System Alpha Centauri zur Erde.

Derzeit befanden sich keine regierungseigenen Schiffe im Alpha-Centauri-System.

Die ominöse Kiste reiste nicht mit einem Kurier, sondern in der Obhut von vier Regierungsspezialisten, für die auf der NAGAKO vier Passagierkabinen hatten eingerichtet werden müssen.

Diese verdammte Kiste!

Bei 67 Terra-Kilogramm entfielen wenigstens sechzig auf die raumhitze- und säurebeständige äußere Verpackung und fünf bis sechs auf die vorgeschriebene und nützliche innere, die auch noch im Vakuum nicht barst.

Im besten Falle bestand der Inhalt aus zwei, im ungünstigsten aus einem Terra-Kilogramm Ware.

Aber welche Ware?

Vor fünfeinhalb Jahren war die NAGAKO von der Erde zu Mackenzie’s Mond gestartet, bis unter die Schotts und Luken vollgestopft mit Reservevorwärmkammern und Plasmaerzeugern und anderem technischem Material. Alles war für die Reparaturwerft der Union auf Mackenzie’s Mond bestimmt gewesen. Vorgesehen war, dass die NAGAKO ausgebrannte Plasmawandler zur Erde zurückbringen sollte, die auf der Werft nicht überholt werden konnten.

Aber da war der Regierungsauftrag dazwischengeplatzt. Statt der Plasmawandler hatte die NAGAKO nur diese merkwürdige Kiste und vier Regierungsspezialisten an Bord genommen und war Richtung Erde gestartet.

In einer Woche musste sie eintreffen. So stand es auf der Frachtliste.

Sparks rief über einen Kontrollschirm die Flugdaten der NAGAKO ab. Der Start war vor zwei Jahren und acht Monaten erfolgt, der Flug war planmäßig und ohne Störung verlaufen.

Sparks Gedanken kreisten um den unbekannten Kisteninhalt. Die Charter von Mackenzie’s Mond zur Erde hatte die Regierung 200 Millionen Lunar gekostet. Das war ein unvorstellbarer Preis für ein Terra-Kilogramm einer unbekannten Ware. Und selbst wenn es zwei Kilo waren, dann kam das Kilo immer noch auf 100 Millionen Lunar.

Sparks kannte viele wertvolle Frachten, aber nichts, das diesen Frachtpreis rechtfertigte.

Er drückte eine geschickt verborgene Taste auf seinem Schreibtisch. In der Wand gegenüber glitt ein Stück der Verkleidung beiseite und legte einen Bildschirm frei. Eine von Sparks geheimen Anlagen, von denen nur seine engsten Mitarbeiter wussten, weil sie am anderen Ende dieser Anlagen saßen.

Anatols Rufzeichen erschien auf dem Schirm. Sparks trommelte ungeduldig mit den Fingern auf die Tischplatte.

Nach einer Weile verblasste das Zeichen. Anatols hübsches Gesicht erstand auf dem Schirm.

Der Mann war der anerkannte Schönling im Stab von Sparks. Wenn die Rede von ihm war, bekamen die Mädchen schon den verklärten Blick.

Anatol wischte sich hastig die Lippen ab, und im Hintergrund des Bildes entschwanden anmutig geformte nackte Beine.

Sparks Erinnerung an solche Dinge war bereits lückenhaft. Die letzten fünfzig Jahre hatte er sich mit Leib und Seele der Union und der Mehrung ihres Reichtums und ihrer Macht gewidmet. Für frivole Abenteuer war da kein Raum geblieben.

„Ich bezahle Sie nicht für Frauengeschichten während der Dienstzeit!“, raunzte Sparks. „Lassen Sie Ihre Verbindungen zur Regierung spielen. Ich will wissen, was in der Kiste ist, die die NAGAKO geladen hat und die von vier Spezialisten bewacht wird.“

Anatols Gesicht verzog sich leicht amüsiert. „Sie bezahlen mich dafür, dass ich alles weiß. In der Kiste sind sechshundert Terra-Gramm Lebenskristalle.“

„Was?“

Sparks Ausruf drückte Zorn und Verwunderung und wütenden Vorwurf zugleich aus.

„Ich habe vor drei Tagen schon eine persönliche Notiz zum Frachtbrief geheftet“, verteidigte sich Anatol „Ich konnte davon ausgehen, dass Sie diese Botschaft längst gelesen haben.“

Während Anatol fragend vom Bildschirm blickte, suchte Sparks mit zittrigen Fingern zwischen der Ladeliste, dem Regierungsschein und der Police. Zu unterst fand er Anatols Notiz. Die Buchstaben begannen vor seinen Augen zu verschwimmen. Eine Folge der Injektion und der nicht eingehaltenen Ruhephase.

„Geht in Ordnung, Anatol. Es war mein Fehler“, sagte Sparks.

„Es wäre ein Anhaltspunkt“, meinte Anatol. „Die Lebenskristalle können aus dem Alpha-Centauri-System kommen. Vielleicht die erste Spur, woher die Regierung sie hat.“

„Aber genau wissen Sie es nicht?“

„Auch meine Macht ist begrenzt. Irgendwo gewinnen Agenten der Regierung diese Kristalle. Irgendwo im Umkreis von elf Lichtjahren. Um die Leute unanfällig für Bestechung zu machen, hat man ihnen Kristalle gegeben ...“

„Die Unsterblichkeit!“, knurrte Sparks. Seine Haut rötete sich.

„Sie sind unsterblich geworden und unbestechlich“, bestätigte Anatol. „Vielleicht kommen die Kristalle im Alpha-Centauri-System vor, vielleicht wurden sie auch dort nur umgeladen.“

„Was wir als sicher annehmen können“, polterte Sparks. „Wahrscheinlich wurden sie zwanzigmal umgeladen, in immer neuer Verpackung, um ihre Spur zu verwischen. Anatol, diese sechshundert Gramm bekommt die Regierung nicht. Die holen wir uns.“

„Bitte?“

Maßlose Verblüffung prägte den Ausdruck von Anatols Gesicht. „Sir, sind Sie in den Kreis der Unsterblichen aufgenommen ...?“

„Blödsinn, Anatol. Bestenfalls bin ich Anwärter. Aber ich habe nur noch vier Jahre Zeit. Der Roboter besaß die unglaubliche Rohheit, mir das zu eröffnen. Ich brauche die Kristalle jetzt.“

Anatol besaß neben vielen Vorzügen auch die Gabe, sich auf veränderte Situationen blitzschnell einstellen zu können. Dennoch wagte er Bedenken anzumelden. „Sir, es handelt sich um eine Regierungs-Charter! Und die NAGAKO ist außerdem unser Schiff!“ Damit brachte er bereits zum Ausdruck, dass er wohl begriffen hatte, wie sich Sparks in den Besitz der Lebenskristalle setzen wollte - durch einen illegalen Akt.

„Lockt Sie nicht die Unsterblichkeit, Anatol?“, fragte Sparks listig.

Sie lockte so sehr, dass Anatol unterlag.

„Gut, Sir, und wie?“

„Wir nehmen eines unserer schnellsten Schiffe. Deklarieren Sie das Unternehmen als Spezialeinsatz im Interesse der Gesellschaft. Suchen Sie eigenhändig die Mannschaft aus. Aufgabe ist es, die Kiste ungeöffnet bei mir abzuliefern.“

„Also ein Piratenüberfall“, verdeutlichte Anatol. „Man wird auf der NAGAKO unser Schiff klassifizieren. Denn mit einem Abschuss ist uns nicht gedient.“

„Es wird auf der NAGAKO keine Überlebenden geben!“

„Die Mannschaft wird einen Lichtspruch absetzen, wenn sie den Überfall erkennt. Und das wird sie. Annäherung und Andockmanöver dauern wenigstens eine Stunde. Also bleibt genug Zeit für einen Hilferuf.“

„Zum Teufel, dann lassen Sie unser Schiff irgendwie unkenntlich machen!“

„Ein Schiff ohne Registernummer ist noch viel mehr verdächtig, Sir!“

„Dann lassen Sie eine falsche Registernummer auftragen, Sie Esel!“ Anatol war wenig beeindruckt. Jedenfalls zeigte er es nicht. „Es muss eine Nummer sein, die im Register existiert. Wir brauchen einen Sündenbock, Sir!“