Timetravel #36: Die Nacht der brennenden See - Horst Weymar Hübner - kostenlos E-Book
Beschreibung

TIMETRAVEL - Reisen mit der Zeitkugel Band 36 von Horst Weymar Hübner Der Umfang dieses Buchs entspricht 107 Taschenbuchseiten. Der Auftrag: Reisen Sie nach Plymouth im Jahre 1588 und nehmen Sie als Augenzeugen am Seekrieg der englischen Freibeuterkapitäne gegen die spanische Armada teil. Wir betonen ausdrücklich, sich auf englische Seite zu begeben. Berichten Sie ausführlich über den Verlauf dieses Krieges und die Sturmkatastrophe, der die Armada zum Opfer fiel. Wir interessieren uns ebenso für den englischen Angriff mit Brandschiffen auf die ankernde spanische Flotte. Klären Sie, ob Sir Francis Drake oder Lordadmiral Howard auf diese Idee mit den brennenden Schiffen kam. Konsortium der Sieben

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Seitenzahl:108

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Horst Weymar Hübner

Timetravel #36: Die Nacht der brennenden See

BookRix GmbH & Co. KG80331 München

Die Nacht der brennenden See

TIMETRAVEL - Reisen mit der Zeitkugel

Band 36

von HORST WEYMAR HÜBNER

 

Der Umfang dieses Buchs entspricht 107 Taschenbuchseiten.

 

Der Auftrag: Reisen Sie nach Plymouth im Jahre 1588 und nehmen Sie als Augenzeugen am Seekrieg der englischen Freibeuterkapitäne gegen die spanische Armada teil. Wir betonen ausdrücklich, sich auf englische Seite zu begeben. Berichten Sie ausführlich über den Verlauf dieses Krieges und die Sturmkatastrophe, der die Armada zum Opfer fiel. Wir interessieren uns ebenso für den englischen Angriff mit Brandschiffen auf die ankernde spanische Flotte. Klären Sie, ob Sir Francis Drake oder Lordadmiral Howard auf diese Idee mit den brennenden Schiffen kam.

Konsortium der Sieben

 

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author/ Cover nach einem Motiv von Philip J. De Loutherbourg, 2017

© dieser Ausgabe 2017 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

Prolog

Am 5. Juli 1984 glückte Professor Hallstrom das fantastische Experiment, winzige Substanzteile zu ent- und zu rematerialisieren. Er errechnete, dass diese Substanzteile im Zustand der Körperlosigkeit mit ungeheurer Geschwindigkeit in der 4. Dimension zu reisen vermochten – also nicht nur durch den Raum, sondern auch in die Vergangenheit und in die Zukunft. Mit seinem Assistenten Frank Jaeger und dem Ingenieur Ben Crocker begann er, diese Entdeckung für die Praxis auszuwerten. Er wollte ein Fahrzeug bauen, das sich und seinen Inhalt entmaterialisieren, dann in ferne Räume und Zeiten reisen, sich dort materialisieren und nach dem gleichen Vorfahren wieder an den Ursprungsort und in die Ursprungszelt zurückversetzen konnte. Nach vier Jahren musste der Professor seine Versuche aus Geldmangel einstellen.

Die superreichen Mitglieder vom „Konsortium der Sieben“ In London boten ihm aber die fehlenden Millionen unter der Bedingung an, dass sie über den Einsatz der Erfindung bestimmen könnten. Der Professor erklärte sich einverstanden, konnte weiterarbeiten und vollendete am 3. Mai 1992 sein Werk: die Zeitkugel. Seit diesem Tag reisen der Professor, sein Assistent und der Ingenieur im Auftrag des „Konsortiums der Sieben“ durch die 4. Dimension.

1

Das mörderische Entermesser fuhr sausend gegen Ben Crockers Hals.

Frank Jaeger, Bens Zeitreise-Gefährte und Freund, machte eine blitzschnelle Bewegung zum breiten Ledergürtel, in dem eine schwere doppelläufige Radschlosspistole und ein dreikantiger Handdolch steckten. Mit einem krachenden Schuss und der taubeneigroßen Bleikugel konnte er vielleicht noch diesen schwarzbärtigen Steinzeitmenschen stoppen, bevor er Ben den Kopf abschlug.

Die brüllenden und schreienden Freibeuter und Seeräuber in der Hafenkneipe waren von einem zum anderen Augenblick verstummt. Und der Rekrutieroffizier machte vor lauter Schreck mit dem Gänsekiel einen dicken Strich über seine Liste, wo er die Namen einzutragen hatte.

Bevor Frank Jaeger die Hand am klobigen Griff der unhandlichen Radschlosspistole hatte, riss Ben die bisher verdeckt gehaltene Hand mit dem schartigen Krummsäbel hoch und parierte den sausenden Hieb gegen seinen Hals.

Das Entermesser fuhr klirrend gegen den Krummsäbel und schlug einen Funken heraus. Dann rutschte es ab und landete auf dem Handschutz. Knapp fingerbreit von Bens Faust entfernt.

Ben setzte seine mächtigen Körperkräfte ein und parierte auch den Hebeldruck des Schwarzbartes, der ihm mit dem Entermesser den Krummsäbel aus der Faust zu drehen suchte.

Über die gekreuzten Klingen hinweg starrten sich die beiden Männer an.

Der Schwarzbart wütend und verblüfft und mit austretenden Schweißtropfen auf der Stirn, während an seinem rechten Arm die Muskeln anschwollen.

Und Ben grinsend und belustigt, wobei die gespannten Muskelstränge seinem Genick das Aussehen eines Stiernackens gaben.

„Na, du Großmaul? Was jetzt?“, reizte Ben den Schwarzbärtigen. Insgeheim wünschte er, dass der gewalttätige Kerl nie auf den Gedanken gekommen wäre, ihn anzugreifen.

Diese verdammten Seeräuber aber waren unberechenbar wie der Teufel und mit dem Entermesser schneller zur Hand als ein Mönch mit einem frommen Gebet.

Der schwarzbärtige Seeräuber stieß ein grollendes Knurren aus. Sein Bartgestrüpp klaffte auseinander. Keuchend sagte er: „Und du bist doch ein dreimal geteerter Lügenhund! Vielleicht sogar ein verkappter Papistenfreund! Da, die goldene Kette ...“

Er griff mit dem nackten linken Arm durch die gekreuzten Waffen hindurch nach der goldenen Kette, die auf Bens haariger Brust baumelte.

He!, dachte Ben. Der Kerl wird zudringlich und mit seinem albernen Geschwätz auch noch gefährlich! Dem muss ich doch gleich das Maul stopfen, bevor er das ganze Gesindel hier aufwiegelt!

Er griff mit der freien Hand nach einer kupfernen Weinkanne auf dem nächsten Tisch, warf sich mit dem Oberkörper zurück und riss das Krummschwert aus der Kreuzstellung mit dem Entermesser heraus.

Der massige schwarzbärtige Pirat torkelte nach vorn, als plötzlich kein Gegendruck mehr da war. Seine zuschnappende schmutzige Hand verfehlte die goldene Kette.

Bevor er sein freigekommenes Entermesser zum Stoß richten konnte, haute ihm dieser fremde Lügenhund die volle Weinkanne auf den Schädel. Das passierte schneller, als ein Augenzwinkern dauert.

Es gab einen dumpfen Ton. Roter Wein spritzte herum.

Schwer und wuchtig wie ein gefällter Baum schlug der Seeräuber auf den sandbestreuten Bretterboden und rollte mit verdrehten Augen und einem seufzenden Laut auf den Rücken.

Sein Entermesser, ein Mittelding von Schwert und Säbel, hatte sich mit der Spitze ins Bodenholz gespießt und wippte federnd.

Ein Aufatmen ging durch die Menschen in der Kneipe. Sie schienen den schwarzbärtigen Kerl sehr gut zu kennen. Ihre verblüfften Gesichter verrieten zudem, dass der Schwarzbart bis heute wohl noch keinen Kampf verloren hatte.

Ben betrachtete die völlig eingedrückte Kupferkanne in seiner linken Hand, grinste verwegen und sagte lachend: „Mir scheint, der Wein war ihm zu stark.“

Brausendes Gelächter ließ die Kneipe erzittern.

Der Wirt, der im Hintergrund an einem infernalisch qualmenden Feuer Fische röstete, scheuchte die leicht geschürzten Mädchen wieder zu den Gästen. Als der Schwarzbart wie der Blitz aus heiterem Himmel diesen stiernackigen Fremden angegriffen hatte, war das Weibervolk kreischend aus dem Gefahrenbereich in den Hintergrund geflüchtet.

„Niemand nennt mich ungestraft einen Lügenhund!“, verkündete Ben und machte mit dem Krummsäbel eine Bewegung über die Köpfe der Gäste hin. „Diesen Säbel habe ich mit eigener Hand dem Steuermann der Baschtarda entrissen, der mir damit den Schädel spalten wollte. Bei meiner Ehre, ich war der jüngste Offizier des Prinzen Johann von Österreich, und ich habe die gedeckten Vorderbatterien auf seinem Flaggschiff kommandiert, als wir die Türkenflotte bei Lepanto versenkten.“

Er machte eine Pause und ließ seine Worte wirkten. Jeder hier von diesen Seeleuten und Freibeutern wusste, dass die „Baschtarda“ das Flaggschiff jener gewaltigen Türkenflotte gewesen war, die vor siebzehn Jahren von den zahlenmäßig unterlegenen Geschwadern der Republiken Genua und Venedig, des Papstes, des Königs von Spanien und des Johanniterordens vernichtet wurde. Unter fürchterlichen Verlusten auf beiden Seiten.

„Und mich nennt dieser verlauste Kerl einen Lügenhund - mich, der ich mit heilen Knochen jener Schlacht entkam?“, donnerte Ben los. Er packte nach der schweren goldenen Kette an seinem Hals und schüttelte sie. „Ist das eine Lüge? Das ist ein Geschenk der Republik Venedig, liebe Freunde!“

Andächtiges Schweigen machte sich breit. Und jeder starrte auf den goldenen Löwen, der diese Kette zierte. Ein wahrhaft nobles Geschenk.

Sogar Frank Jaeger schwieg. Jedoch aus Sprachlosigkeit über die unverschämte Dreistigkeit, mit der sich Ben Crocker hier zum Helden einer Seeschlacht hochlobte, an der er nie im Leben teilgenommen hatte.

Bei allen Wasserteufeln, der wild verwegene Bursche spielte den Seeräubern in der Kneipe seine Heldenrolle aber so glaubhaft vor, dass die Kerle wie gebannt auf seine Lippen blickten.

Noch einer war sprachlos über die unbeschreibliche Frechheit Bens - Professor Robert Hallstrom, der sich etwas abseits gedrängt hatte, als plötzlich die Waffen geklirrt hatten. Hallstrom war noch immer so erschrocken, dass er vermeinte, im nächsten Moment noch vom Schlaganfall ereilt zu werden.

Himmeldonnerwetter, war Ben denn plötzlich ganz und gar verrückt geworden? Der brockte ihnen eine Suppe ein, an der sie alle drei beim Auslöffeln ersticken konnten!

Der Rekrutieroffizier fasste sich zuerst, streute Löschsand über den fetten Tintenstrich auf seiner Liste und meinte halb ablehnend und halb aufsässig: „Dann hast du doch für die Papisten gekämpft.“

Ben zeigte geistesgegenwärtig mit der Spitze seines angeblich bei Lepanto erbeuteten Krummschwertes auf den Offizier. „Richtig, Euer Lordschaft, sie haben mich nämlich mit zwei Beuteln Gold bezahlt. Seither weiß ich erst, wie gut spanisches Gold ist.“

Die Männer in der Kneipe lachten, der Offizier blickte unwillig. Sie alle hockten hier und warteten auf die Stunde, in der endlich die Armada des spanischen Königs Philipp draußen auf dem Meer auftauchen würde, angefüllt mit Soldaten, aber auch vollgestopft mit Schätzen.

Diese Schätze, das würden Kisten voller Gold sein. Gold, kühl und schwer und gleißend.

„Und sie haben mich zudem dafür bezahlt“, hob Ben die Stimme, „dass meine Batterien am trefflichsten schossen. Ich bin immer noch ein sehr guter Geschützkommandant. Außerdem“, fügte er listig hinzu, „kenne ich die Spanier und ihre Art zu kämpfen. Das könnte bald von Nutzen sein. Dann nämlich, wenn ihre Geschwader vor der Küste stehen.“

Wegen seiner Behauptung, immer noch ein sehr guter Geschützkommandant zu sein, war der schwarzbärtige Freibeuter auf ihn losgegangen.

Haarscharf hatte Ben daraufhin kombiniert, dass der Kerl wohl um seinen Posten fürchtete. Und das konnte doch nur bedeuten, dass der Schwarzbart Geschützkommandant war.

Zufrieden sah Ben, wie der Rekrutieroffizier hastig mit dem Gänsekiel auf der Liste herumkritzelte.

Hier im Hafen von Plymouth lagen die Kaperfregatten von Sir Francis Drake. Es war gut möglich, dass der Offizier für diese Schiffe Mannschaften anwarb. Zwar trug er eine königliche Uniform, doch seit Tagen schon ging alles drunter und drüber, Freibeuter rekrutierten Mannschaften für die Segler der Handelsherren, und Gesandte der Londoner Kaufmannschaft wiederum warben Besatzungen für die Kriegsschiffe der Königin Elisabeth.

Die Verwirrung und Bestürzung war allerorts anzutreffen, seit feststand, dass sich die spanische Armada gegen England wenden würde. Jeder begüterte Edelmann oder Kaufherr versuchte auf eigene Faust, ein Schiff aufzutreiben und es zu bemannen.

Der Rekrutieroffizier war mit seiner Schreiberei fertig, streute Sand über die feuchte Schrift, rollte die Liste zusammen und schob geräuschvoll seinen klobigen Stuhl zurück.

Er blickte zu Ben her und sagte mit seltsamer Betonung: „Sieh dich vor, Türkenfresser, du hast dir einen unversöhnlichen Feind geschaffen! Ein-Ohr-Smitty hat noch keinen Kampf verloren, weder zu Wasser noch zu Lande.“

„Seid bedankt für die Warnung, Euer Lordschaft!“, rief Ben dem Offizier nach, der der Tür zustrebte. Er erntete von dem Mann einen finsteren Blick und von den Umsitzenden Gelächter.

Wie war der Schwarzbart genannt worden? Ein-Ohr-Smitty?

Ben senkte den Krummsäbel, während die Leute vor Schreck verstummten.

Doch hatte Ben nicht die Absicht, dem Bewusstlosen den Kopf abzuschlagen, wie es vielleicht unter Seeräubern üblich war. Er schob mit der Schwertspitze dem Mann die verfilzten Haare hoch.

Das rechte Ohr war vorhanden.

Das linke aber nicht. Wo die Ohrmuschel gesessen hatte, war eine wulstige Narbe und die Gehöröffnung.

Es sah scheußlich aus. Ben zog den Krummsäbel zurück.

Ein Kaperkapitän, erkenntlich an seiner prachtvollen Kleidung und den Waffen, die nicht zu dieser Kleidung passten, sagte rülpsend: „Du wärest gut beraten, Türkenfresser, ihm den Kopf herunterzuhauen. Gib deinem Türkenschwert Blut zu schmecken. Ein-Ohr-Smitty vergisst nie etwas. Er wird sich für die Schmach rächen, wenn du ihm die Möglichkeit dazu lässt.“

„Ich will eine Batterie, nicht einen wertlosen Kopf“, sagte Ben und warf sich in die Brust. Sein geschlitztes Wams sprang noch weiter auf und gab den Blick auf seinen muskulösen Oberkörper frei.

Der Kaperkapitän pfiff durch die schadhaften Zähne. „Ah, daher weht der Wind, Türkenfresser! Nun, wenn deine Taten so gewaltig sind wie deine Worte, bekommst du vielleicht deine Geschützbatterie. Der Offizier steht in den Diensten von Sir Francis, und es sollte mit dem Henker zugehen, wenn er nicht schon eilt, ihm die Niederlage von Ein-Ohr-Smitty zu hinterbringen.“

„Das sollte mich freuen“, gab Ben unumwunden zu.

„Vielleicht wirst du den Tag noch verfluchen“, meinte der Kapitän dunkel und geheimnisvoll.

Ben steckte den Türkensäbel in das Wehrgehenk, legte die Kupferkanne auf den Tisch, weil sie ihre Standfestigkeit eingebüßt hatte, und verließ mit einem Blick auf Frank Jaeger und Professor Hallstrom die nach Fischdunst und Holzrauch stinkende Kneipe.

Türkenfresser – seinen Spitznamen hatte er weg.

Das Stimmengewirr drinnen riss ab, als die geschnitzte Holztür hinter ihm zuschlug.

2

Hallstroms Gesicht war gelblich - ein sicheres Zeichen dafür, dass ihm die Galle übergelaufen war.

Bissig wie ein Bluthund schaute er Ben an und sagte zornig: „Sie sind wohl von allen freundlichen Geistern verlassen, was? Sie haben zu allen Zeiten schon den Leuten einen Bären aufgebunden - aber heute, das war die Höhe! Sie ... Sie Unglücksrabe, was wird denn, wenn Francis Drake wirklich auf die Idee verfällt, Ihnen auf einem seiner Seeräuberschiffe eine Geschützbatterie anzuvertrauen? Haben Sie überhaupt den sanften Schimmer einer Ahnung, wie man mit einem derzeitigen Schiffsgeschütz umgeht? Das Ding kann Ihnen mit Blitz und Donner um die Ohren fliegen! Ihre Eigenmächtigkeit soll doch gleich der Teufel holen! Und Sie am besten gleich mit. - Frank, meine Magentabletten, bitte, sonst zerreißt es mich.“

Frank Jaeger fischte eine unverfängliche Silberdose aus seinem Pluderwams und schüttelte Hallstrom eine Pille auf die Hand.

Ohne einen Schluck Wasser, sozusagen pulvertrocken, schluckte der Professor seine Magenmedizin hinunter.

Das wollte etwas heißen. Sonst brauchte er dazu ein volles Glas Wasser.

Ben hatte Hallstroms Vorwürfe geradezu genüsslich auf sich herabregnen lassen. Er grinste auch noch, und das ließ ihn noch fürchterlicher aussehen, als er sich schon hergerichtet hatte.

Speziell für dieses Zeitreise-Abenteuer hatte er sich den Schädel kahl rasiert und nach Art türkischer Seeräuber nur einen kleinen Zopf am Hinterkopf stehen lassen.

Unter seiner Nase prangte ein Schnauzbart mit nach unten gezogenen Spitzen.

Und in seinem rechten Ohr saß ein schwerer Goldreif.

Ben hatte sich wirkliche Mühe gegeben, wie ein Seeräuber auszusehen, der von den Türken einiges abgeschaut hatte. Dazu zählte auch seine Waffe.

Das Konsortium der Sieben hatte alle seine Verbindungen bemühen müssen, um aus den Museen die Utensilien herbeizuschaffen, die Ben gefordert hatte.

„Wohl bekomms“, meinte Ben feixend, als Hallstrom die Magenpille verschluckte. „Ich habe mich mit der Kanonierkunst vertraut gemacht und eine Menge Bücher darüber gelesen. Nach menschlicher Voraussicht werde ich also in der Lage sein, die Schiffsgeschütze im rechten Augenblick zünden zu lassen...“

„Gelesen!“, unterbrach Hallstrom ihn aufbrausend. „Ich dachte immer. Sie hielten Lesen für Zeitverschwendung. Schön, Sie besitzen theoretisches Wissen. Wo haben Sie es denn mal in die Praxis umgesetzt, wenn ich fragen darf?“

„Ich gedenke, mir hier auf einem der Kaperschiffe die praktische Erfahrung auch noch anzueignen. Wozu wohl sonst habe ich in dieser fürchterlichen Kneipe mit meinen Taten bei Lepanto etwas Wind gemacht?“, sagte Ben freundlich. „Dass der einohrige Smitty gleich auf mich losgehen würde, das war nicht beabsichtigt.“