Timetravel #39: Tödlicher Magnetsturm - Horst Weymar Hübner - E-Book
Beschreibung

TIMETRAVEL - Reisen mit der Zeitkugel Band 39 von Horst Weymar Hübner Der Umfang dieses Buchs entspricht 122 Taschenbuchseiten. Ein Sperrgürtel interstellarer Beobachtungsstationen liegt zwischen dem irdischen Sonnensystem und Epsilon Eridani. Seit drei fremde Raumschiffe, die Jahrtausende in einer geheimen Basis auf der Venus überdauerten, nach Epsilon Eridani flüchteten, rechnet die Menschheit mit der Rückkehr dieser Schiffe und den Nachkommen der Erbauer. Wird es eine kriegerische Rasse sein? Der Sperrgürtel ist eine Vorsichtsmaßnahme. Statt fremder Raumschiffe wird eine Dunkelwolke beobachtet, deren Fluchtrichtung aufs irdische Sonnensystem zeigt. Ein verheerender Magnetsturm eilt der Dunkelwolke voraus und zermalmt alles, was in seiner Bahn liegt. Völlig ungeschützt steht 2000 km über dem Erdäquator das größte Raumfahrzeug, das die Menschheit je gebaut hat - zu gewaltig, um auf einer Basis Platz zu finden, zu langsam, um dem Magnetsturm zu entrinnen. Es ist die fliegende Stadt. Und an Bord sind die Zeitspringer.

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Horst Weymar Hübner

Timetravel #39: Tödlicher Magnetsturm

BookRix GmbH & Co. KG80331 München

TÖDLICHER MAGNETSTURM

TIMETRAVEL - Reisen mit der Zeitkugel

Band 39

von HORST WEYMAR HÜBNER

 

Der Umfang dieses Buchs entspricht 122 Taschenbuchseiten.

 

Ein Sperrgürtel interstellarer Beobachtungsstationen liegt zwischen dem irdischen Sonnensystem und Epsilon Eridani. Seit drei fremde Raumschiffe, die Jahrtausende in einer geheimen Basis auf der Venus überdauerten, nach Epsilon Eridani flüchteten, rechnet die Menschheit mit der Rückkehr dieser Schiffe und den Nachkommen der Erbauer. Wird es eine kriegerische Rasse sein? Der Sperrgürtel ist eine Vorsichtsmaßnahme.

Statt fremder Raumschiffe wird eine Dunkelwolke beobachtet, deren Fluchtrichtung aufs irdische Sonnensystem zeigt. Ein verheerender Magnetsturm eilt der Dunkelwolke voraus und zermalmt alles, was in seiner Bahn liegt. Völlig ungeschützt steht 2000 km über dem Erdäquator das größte Raumfahrzeug, das die Menschheit je gebaut hat - zu gewaltig, um auf einer Basis Platz zu finden, zu langsam, um dem Magnetsturm zu entrinnen.

Es ist die fliegende Stadt. Und an Bord sind die Zeitspringer.

 

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author/ Cover nach einem Motiv von comfreak/pixabay, 2017

Originaltitel: Die fliegende Stadt

© dieser Ausgabe 2017 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

Prolog

Am 5. Juli 1984 glückte Professor Hallstrom das fantastische Experiment, winzige Substanzteile zu ent- und zu rematerialisieren. Er errechnete, dass diese Substanzteile im Zustand der Körperlosigkeit mit ungeheurer Geschwindigkeit in der 4. Dimension zu reisen vermochten – also nicht nur durch den Raum, sondern auch in die Vergangenheit und in die Zukunft. Mit seinem Assistenten Frank Jaeger und dem Ingenieur Ben Crocker begann er, diese Entdeckung für die Praxis auszuwerten. Er wollte ein Fahrzeug bauen, das sich und seinen Inhalt entmaterialisieren, dann in ferne Räume und Zeiten reisen, sich dort materialisieren und nach dem gleichen Verfahren wieder an den Ursprungsort und in die Ursprungszelt zurückversetzen konnte. Nach vier Jahren musste der Professor seine Versuche aus Geldmangel einstellen.

Die superreichen Mitglieder vom „Konsortium der Sieben“ In London boten ihm aber die fehlenden Millionen unter der Bedingung an, dass sie über den Einsatz der Erfindung bestimmen könnten. Der Professor erklärte sich einverstanden, konnte weiterarbeiten und vollendete am 3. Mai 1992 sein Werk: die Zeitkugel. Seit diesem Tag reisen der Professor, sein Assistent und der Ingenieur im Auftrag des „Konsortiums der Sieben“ durch die 4. Dimension.

1

Der dröhnende Knall ließ Plummer die Hände auf die Ohren pressen. Auf dem Sichtschirm sah er den Hochdruckverformer, der im Probelauf war, mit Titanengewalt auseinanderfliegen.

Ein Feuerball rollte aus den geborstenen Maschinenblöcken, füllte die nagelneue Produktionshalle und rollte auf die Aufnahmeoptik zu.

Dann war der Sichtschirm tot. Zwei Sekunden später war auch die Tonübertragung unterbrochen.

Plummer starrte auf die Anzeigen, als könnte er es immer noch nicht glauben.

Er nahm die Hände herunter, schaltete die Löschanlage der Produktionshalle ein, die zweihundert Meter von seinem Leitstand entfernt war, und gab Feueralarm.

Kelim stürzte herein. Er hatte in einjähriger Arbeit den Hochdruckverformer gebaut und in seiner übergründlichen Art jedes Teil dreimal überprüft „Ist das bei uns?“, fragte er. Dann sah er den toten Sichtschirm und wurde bleich.

Plummer gab für die benachbarten Industriedecks Gasalarm und schaltete die Absaugvorrichtungen ein, die die giftigen Dämpfe aus der brennenden Produktionshalle ziehen und in den Raum hinausblasen sollten.

Ein Glück, dass nur so viele Grundstoffe in der Halle gelagert hatten, wie für einen Probelauf nötig waren. Molekülverdichteter Mineraldünger war vor der Hochdruckverschmelzung eine teuflische Substanz.

Aber niemals explosiv!

„Ich fresse meinen alten Druckhelm, wenn da nicht jemand dran gedreht hat!“, sagte Plummer und bekam allmählich einen roten Kopf. Das war das sichere Zeichen dafür, dass er bis unter die Haare voll Wut steckte. „Zieh dich schon an. Die Schweinerei begucken wir uns aus der Nähe.“

Sie legten die Schutzkleidung an.

Als sie die Halle erreichten, war das Feuer aus. Geborstene und ausgeglühte Blöcke waren bis an die Schaumstahlwände geschleudert worden. Die Hitze war noch so stark, dass sie durch die Schutzkleidung drang.

Kelim fluchte entsetzlich. In dieser Halle wurde vorerst kein Mineraldünger produziert, das war sicher.

Der Dampf der Löschmittel wurde von den Absaugventilatoren nach oben in die Gitterschächte gerissen.

Plummer ging um die geborstenen Blöcke herum und betrachtete die schwarz verbrannten Wände. Plötzlich bückte er sich und hob eine zerfetzte Metallscheibe auf.

Es war der Schraubverschluss eines Sprengsatzes!

„Sabotage!“, knurrte er. Jede Art von Sprengstoff war hier draußen in der riesigen Anlage verboten.

Kelim bewegte die Hände, als hätte er bereits einen Hals zwischen den Fingern. „Wie ist er hereingekommen?“

Plummer antwortete nicht, aber er hielt den Schraubverschluss umklammert und verließ die ausgeglühte Halle. Draußen wandte er sich nach rechts und schritt auf den Gravoschacht zu, der durch alle Decks führte.

Mit langen Schritten holte ihn Kelim ein. „Sollen wir nicht erst eine Meldung an den Boss machen? Die Produktion ist fest eingeplant. Jetzt muss alles geändert werden.“

„Die Meldung mache ich erst, wenn ich den Namen des Hundesohnes mit durchgeben kann und wenn ich weiß, wer dahintersteckt!“

„Da brauchst du deinen Kopf nicht zu strapazieren. Bessel, wer sonst? Der versucht doch ständig, uns irgendwo das Wasser abzugraben. Und die Produktion will er schon lange auf die Venus verlegen, weil er da voreilig zwei Fabriken gebaut hat, die nicht arbeiten dürfen. Jetzt wird er wohl die Genehmigung bekommen. Das verschafft ihm ein Jahr Vorsprung.“

„Der Wirtschaftsrat wird ihm jetzt die Genehmigung so wenig geben wie früher. Aber einen Vorsprung hat er. Und damit nimmt er uns den Markt ab.“ Plummer hatte den Gravoschacht erreicht.

Die Grünanzeige brannte, aus der matt leuchtenden Tiefe drang ein sanftes Summen.

„Wenn wir den Kerl nicht finden, der die Bombe gelegt hat“, fügte Plummer hinzu. „Wir müssen einen Beweis gegen Bessel haben.“

„Und du denkst, du findest ihn da unten?“ Kelim schaute in den Schacht. Gravofelder waren ihm noch nie geheuer gewesen.

„Ich wette, er hat gelauscht, bis er den Krach hörte. Er wird nicht damit rechnen, uns so schnell zu sehen. Irgendwie verrät er sich. Außerdem konnte er nur hier heraufkommen und wieder verschwinden. Das ist der einzige Schacht, der nicht überwacht wird.“

Kelim wusste es. Der Schacht hatte keinen direkten Zugang zu den Hangars und Frachtschleusen. In jedem Falle musste ein Benutzer durch Produktionshallen hindurch und damit durch die Sichtschirmüberwachung.

Die Überwachung war allerdings wertlos, wenn jemand wie der Bombenleger aus einer Halle gekommen und zum Gravoschacht gegangen war. Das Arbeitspersonal wurde nicht überwacht, lediglich jeder Zugang von den Schleusen und Hangars her.

Kelim schaute aus dem Druckfenster neben dem Schacht. Draußen stand Schwärze, in der ferne Sonnen funkelten. Etwas tiefer begann der milchige Mantel der Atmosphäre. Er konnte sogar die Krümmung erkennen.

„Los, suchen wir ihn!“, forderte Plummer ihn auf.

Sie traten in den Schacht und schwebten langsam nach unten. Bis das sanfte Summen erstarb.

Kelim schrie entsetzt auf und versuchte sich herumzuwerfen. Plummer streckte die Arme nach rechts und links.

Der Schacht war zu weit, seine Arme viel zu kurz.

Der fehlende Schwerkraftausgleich ließ ihn und Kelim siebzehn Decks tief stürzen.

2

Die Katastrophe brach wie der Blitz über die interstellare Beobachtungsstation E 3709 herein.

Godfrey, Shuster und Balmerini bildeten die Besatzung. Drei Männer, die als Ortungsspezialisten ausgebildet waren.

Mit an Bord war Waba. Er war kein Spezialist. Er war nicht einmal ausgebildet. Nach dem Sprachgebrauch der Flotte gehörte er zu den nützlichen Idioten.

Entsprechend gingen die Männer mit ihm um. War eine Antenne defekt, musste er hinaus, wenngleich das die Aufgabe von Godfrey war. Und wenn einer der Gravitationssensoren taub wurde, steckte Balmerini den Idioten in den mächtigen Panzeranzug, statt selber den Sensor auszutauschen.

Für den Fusionsofen der Station war Shuster zuständig. In den neun Monaten, die das Team schon Dienst machte, hatte er Waba zweimal gezeigt, wie der Wasserstoff in den Ofen gepumpt wird.

War eine Einspritzung fällig, ging er nicht mehr selber. Waba machte das. Waba, der Idiot, war das Mädchen für alles. Er war die betriebsamste Seele an Bord und hielt die Station in Schuss.

Sogar das Kochen hatten ihm die Männer nach einwöchiger Einarbeitungszeit ganz zu Beginn der Dienstperiode übertragen. Sie fluchten zwar über seine einfallslosen Künste, doch besser hätten sie es auch nicht gekonnt. Die portionierten Vorräte in Dosen waren auf die Erfordernisse einer achtzehnmonatigen Dienstperiode abgestellt und nicht auf das Angebot eines Feinschmeckerlokals.

Waba quittierte die Zornausbrüche der Männer jedes Mal mit einem Grunzen. Wenn er abräumte, klaubte er die Speisereste auf und verzehrte sie schmatzend, bevor er das Einweggeschirr aus der Abfallschleuse in den Raum schoss.

Ein heftiger Stoß ging durch die Station. Ein paar Instrumentengläser zersprangen. Die Spindtür schwang auf und gab den Blick auf die schaukelnden Panzeranzüge der Männer frei.

Starre Anzüge waren es. Sie sahen aus, als steckte in jedem ein Körper. Der Kopf fehlte allerdings.

Shusters Druckhelm fiel aus dem Spind und rollte bis zur Konsole, die die Mess- und Aufzeichnungssysteme für Gravitationsveränderungen enthielt.

Ein paar Augenblicke später hob es Balmerini sanft aus dem Sessel und den Helm vom Boden. Das künstliche Schwerkraftfeld der Station schwächte sich ab.

„Festhalten!“, brüllte Shuster und angelte mit der linken Hand nach seinem Helm, der an ihm vorbeitrieb.

Er verfehlte den Helm, weil genau in diesem Moment das Schwerkraftfeld stabil wurde.

Mit einem satten Knall schlug der Helm auf den genieteten Boden.

Balmerini, der auf den offenen Spind zugeschwebt war, führte eine unsanfte Landung vor.

Benommen war er nicht, nur unsagbar wütend. Er setzte sich auf, rieb den rechten Ellbogen und fauchte Godfrey: „Was treibt die verdammte Missgeburt mit uns?“

Godfrey war nicht zu Schaden gekommen; er hatte sich nur erschrocken, weil genau vor ihm die Instrumentengläser geplatzt waren.

Mit fliegenden Fingern schaltete er die Stationssichtanlage ein: Fusionsofenraum mit den gewaltigen Abschottungen - unterer Gang - die Vorratsräume - mittlerer Gang - Arbeitshalle - Hangar - Schlaf- und Freizeiträume - oberer Gang - Küche.

Und da lag er.

Er war mit der Zubereitung der zweiten Mahlzeit beschäftigt gewesen. An der Wand rutschte ein Klumpen Gemüse herab. Von der Decke tropfte Soße. Die Töpfe lagen hinter dem Mikrowellenofen.

Spuren einer Explosion, die für den heftigen Stoß verantwortlich war, konnte Godfrey nicht sehen.

Waba war ebenso überrascht worden wie sie. Ihn hatte es nur schlimmer erwischt. Die Servierplatten aus Schaumstahl waren aus dem oberen Schrankteil gesaust und lagen um ihn herum.

Der Idiot begann sich eben zu regen. Er fasste an den lang behaarten Schädel und grunzte in einer Tonlage, die allergrößtes Unbehagen ausdrückte.

Die Ursache für den Stoß und die Schwerkraftstörung war nicht in der Küche zu finden. Godfrey schaltete weiter.

Als alle sechsunddreißig Sichtschirme flimmerten, die der Anzahl der Räume einschließlich der Gänge entsprachen, war nirgendwo ein Explosionsherd zu sehen. Es hatte auch keine Wasserstoffverpuffung oder ein undichtes Rohr gegeben.

Selbst im Herzstück der Station, wo sieben kostbare Marsorchideen die Sauerstoffproduktion besorgten, war alles in Ordnung.

Godfrey löschte die Stationssichtanlage und schaltete auf Außenbeobachtung um. Eine innere Störung lag nicht vor. Also war die Ursache draußen zu finden.

Aus hervorquellenden Augen starrte Godfrey auf die Schirme. Sieben zeigten ein flimmerndes Grau. Nur der achte vermittelte ein Bild.

Hinausgeschossenes Einweggeschirr trieb in der Nähe. Die minimale Anziehungskraft der Station hatte ausgereicht, den Abfall zurückzuholen.

Dahinter stand die K-2-Sonne von Epsilon Eridani, ein heller gelber Punkt in der Schwärze des Raumes. Sehr viel schwächer glühten darum verstreut die Sonnen benachbarter oder dahinterstehender Systeme.

Der 8. Planet von Epsilon Eridani, ein Über-Jupiter-Riese, siebeneinhalb Mal größer als Jupiter, war bei jeder Beobachtung des Systems immerhin noch als helles Staubkorn sichtbar gewesen, weil er von allen 17 Planeten dank seiner immensen Größe das meiste Licht der K-2-Sonne empfing und reflektierte.

Jetzt war er verdeckt.

Das Staubkorn, das er in der Optik der interstellaren Station E 3709 darstellte, schimmerte diffus. Wie durch einen Nebel hindurch.

Godfrey warf den Oberkörper nach vorn. Seine Hand griff nach dem Astronautenbesteck und fegte mit dem Gerät die Glassplitter von den Anzeigen.

Den Stoß hatten die Instrumente überstanden. Sie funktionierten. Nur ein paar Abdeckungen waren zum Teufel gegangen.

Shuster starrte zum einzigen wiedergebenden Sichtschirm hinauf, während sich Balmerini zu seinem Sessel kämpfte. Glas knirschte unter seinen Stiefeln.

Godfrey hantierte bereits an der Speicherautomatik und ließ das Bild des Systems Epsilon Eridani erscheinen, wie er es vor zwölf Stunden aufgenommen hatte.

Zum besseren Vergleich überspielte er die Konserve auf den Schirm neben der gegenwärtigen Übertragung.

Shuster stieß einen schnappenden Laut aus. Balmerini hörte auf, seinen Ellbogen zu massieren.

Vor zwölf Stunden hatte es in Richtung Epsilon Eridani noch keinen Nebel gegeben.

Jetzt war einer vorhanden und absorbierte weitgehend das reflektierte Licht des Über-Jupiter-Riesen.

Godfrey stellte die gegenwärtige Übertragung auf feinste Auflösung. Zugleich ließ er die Speicherautomatik mitlaufen.

In der Nähe des so plötzlich aufgetretenen Nebels glaubte er ein tintiges ovales Loch zu erkennen, einen Schlund, dunkler als der umgebende Raum.

Eine Eigenbewegung des unerklärlichen Nebels ließ sich nicht ausmachen. Die Form jedoch ließ den kühnen Schluss zu, dass er aus diesem Schlund hervorgebrochen war.

„Wie weit entfernt ...“ Balmerini schluckte, „... wie weit ist die Wolke?“

Godfrey aktivierte die Spektralsensoren. Sie waren so blind und taub wie die sieben Froschaugenoptiken.

Er wurde nervös und schob dem rätselhaften Stoß die Schuld zu. Nur eine Froschaugenoptik arbeitete einwandfrei und übertrug das Bild der fernen Sonne und den Nebel neben dem schwarzen Schlund.

Mit einer sicheren Bewegung zog er das Tentakelmikrofon vor den Mund.

„Waba, wir haben Störungen in der Station.“ Seine Stimme klang heiser. „Die Froschaugen und die Spektralsensoren sind blind. Geh raus und repariere sie.“ Er ließ das Mikrofon los und wandte sich zu Balmerini um. „Hilf ihm in den Anzug.“

Balmerini rieb den Ellbogen, der wie Feuer brannte. „In den Hintern werde ich ihn treten!“

Über die Lautsprecheranlage drang das Grunzen von Waba in den Kontrollraum der Station.

Balmerini trug Shusters Druckhelm, der ihm im Weg lag, in den Spind und schlug die Türen zu. Dann tappte er hinaus.

Zischend schloss sich die Schleuse hinter ihm.

Godfrey trommelte nervös mit den Fingern auf der Konsole und blickte auf die Feinauflösung.

Der schwarze Schlund bereitete ihm Unbehagen. Er hatte nur einmal in seinem Leben richtige Angst gehabt - als er bei der Raumflotte eingetreten war und als er seinen ersten Flug machte. In einem Kugelschiff war das gewesen, das nach gründlicher Überholung von einer Mondwerft in den Raum gestartet war. Er hatte sich so elend gefühlt, dass er sterben wollte. Die Kameraden hatten ihn ausgelacht.

Jetzt hatte er wieder Furcht. Die Wolke und der Schlund ängstigten ihn.

„Kannst du die Entfernung bestimmen?“, fragte Shuster, weil Godfrey auf Balmerinis Anfrage nicht geantwortet hatte.

„Wie soll ich den Winkel messen?“, fuhr Godfrey auf. Er reagierte seine Angst in Gereiztheit ab. Dann zog er wieder das Mikrofon heran. „Dauert es noch lange?“

Aus der Tiefe der Station meldete sich Balmerini. „Der Esel wäre glatt ohne Helm hinausspaziert, wenn ich nicht aufgepasst hätte. Er ist ziemlich aufsässig.“

„Er hat verstanden, was du mit ihm anstellen wolltest“, erinnerte Godfrey an den beabsichtigten Fußtritt. „Wo ist er jetzt?“

„Im Hangar. Ich lasse ihn das Reparaturboot nehmen, sonst verliert er wieder die Hälfte vom Werkzeug.“

Ein Dröhnen durchlief die Station und signalisierte, dass im Hangar die Magnetklammern gelöst und zu Boden gefallen waren.

Im selben Augenblick leuchtete auf Godfreys Konsole ein rotes Licht auf - Aufforderung für den Stationskommandanten, jeden zum Verlassen des Hangars anzuhalten, der keinen Panzeranzug trug.

„Komm aus dem Hangar! In dreißig Sekunden öffnet sich die Bootsschleuse.“

„Bin schon auf dem Mitteldeck“, antwortete Balmerini.

Die Rotanzeige auf der Konsole wechselte in sattes Gelb. Noch zwanzig Sekunden.

Die Robotik, die den Ausschleusvorgang leitete, übernahm bei zehn Sekunden das Herunterzählen.

Als das „Null!“ der blechernen Stimme den Kommandostand erfüllte, sprang die Leuchtanzeige auf Grün.

Ein schwaches Zischen war zu hören. Der Hangar war nicht völlig leergepumpt gewesen.

„Das hat ein paar Kubikmeter Sauerstoff gekostet“, bemängelte Shuster.

Vor der Kommandoschleuse klangen Balmerinis Schritte auf. Zischend glitt das Schott auf.

„Eines Tages vergisst der Kerl sogar den Anzug“, sagte der eintretende Balmerini und steuerte seinem Sessel zu. „Oder er lässt die Schleusen offen stehen und bringt uns alle um.“

„Beschwerden sind an das Flottenkommando zu richten“, erklärte Godfrey, ohne den Kopf zu wenden. Er stellte eine Verbindung zu Wabas Panzeranzug her und zur eingebauten Optik.

Das Licht draußen war miserabel. Waba hatte das Reparaturboot bereits verlassen, aber noch nicht die Lampe eingeschaltet.

Die Hülle der Station war stumpf und spiegelte nicht das Licht der fernen Sonnen.