Timetravel #46: Gäste der Erde - Horst Weymar Hübner - E-Book
Beschreibung

TIMETRAVEL - Reisen mit der ZeitkugelBand 46von Horst Weymar HübnerDer Umfang dieses Buchs entspricht 112 Taschenbuchseiten.Seit Jahren bereits ist das irdische Sonnensystem von einem Ring interstellarer Beobachtungsstationen umgeben. Schwerpunkt der Beobachtung ist Epsilon Eridani. Dorthin flüchteten drei fremde Raumschiffe, und dort erwartet man ihr Wiederauftauchen.Mit Beginn des Jahres 2642 häufen sich die Verluste an terranischen Händlerschiffen, die in das Gebiet zwischen Alpha Centauri und Tau Ceti vorstoßen. Diese Raumsektoren gelten als gefährlich, seit vor zehn Jahren eine gewaltige interstellare Gaswolke durchzog und ein Ausläufer im Schwerkraftfeld von Alpha Centauri hängen blieb und sich zu einem Materiewirbel zusammenzog.Schiffsrouten mussten verlegt werden, Handelsraumer, die vom Kurs abwichen und dem Wirbel zu nahe kamen, konnte man nur noch als Wracks aus der Gefahrenzone schleppen. Totalverluste gab es bisher jedoch nicht.Doch nun verschwinden Schiffe spurlos von den Ortungsschirmen. Als man den Vorgängen erhöhte Aufmerksamkeit schenkt, entdecken die Beobachtungsstationen fremde Kugelraumschiffe von nie gesehener Größe, die aus dem verdichteten Materiewirbel hervorstoßen und Kurs auf das irdische Sonnensystem nehmen.Die irdische Raumflotte wird in Alarmbereitschaft versetzt, denn jedem wird klar - die Fremden kommen!

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Horst Weymar Hübner

Timetravel #46: Gäste der Erde

Science Fiction Roman

BookRix GmbH & Co. KG80331 München

Gäste der Erde

TIMETRAVEL - Reisen mit der Zeitkugel

Band 46

von Horst Weymar Hübner

 

Der Umfang dieses Buchs entspricht 112 Taschenbuchseiten.

 

Seit Jahren bereits ist das irdische Sonnensystem von einem Ring interstellarer Beobachtungsstationen umgeben. Schwerpunkt der Beobachtung ist Epsilon Eridani. Dorthin flüchteten drei fremde Raumschiffe, und dort erwartet man ihr Wiederauftauchen.

Mit Beginn des Jahres 2642 häufen sich die Verluste an terranischen Händlerschiffen, die in das Gebiet zwischen Alpha Centauri und Tau Ceti vorstoßen. Diese Raumsektoren gelten als gefährlich, seit vor zehn Jahren eine gewaltige interstellare Gaswolke durchzog und ein Ausläufer im Schwerkraftfeld von Alpha Centauri hängen blieb und sich zu einem Materiewirbel zusammenzog.

Schiffsrouten mussten verlegt werden, Handelsraumer, die vom Kurs abwichen und dem Wirbel zu nahe kamen, konnte man nur noch als Wracks aus der Gefahrenzone schleppen. Totalverluste gab es bisher jedoch nicht.

Doch nun verschwinden Schiffe spurlos von den Ortungsschirmen. Als man den Vorgängen erhöhte Aufmerksamkeit schenkt, entdecken die Beobachtungsstationen fremde Kugelraumschiffe von nie gesehener Größe, die aus dem verdichteten Materiewirbel hervorstoßen und Kurs auf das irdische Sonnensystem nehmen.

Die irdische Raumflotte wird in Alarmbereitschaft versetzt, denn jedem wird klar - die Fremden kommen!

 

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author

© Cover nach einem Motiv von Pixabay, 2017

© dieser Ausgabe 2017 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

Prolog

Professor Hallstrom glückte das fantastische Experiment, winzige Substanzteile zu ent- und zu rematerialisieren. Er errechnete, dass diese Substanzteile im Zustand der Körperlosigkeit mit ungeheurer Geschwindigkeit in der 4. Dimension zu reisen vermochten – also nicht nur durch den Raum, sondern auch in die Vergangenheit und in die Zukunft. Mit seinem Assistenten Frank Jaeger und dem Ingenieur Ben Crocker begann er, diese Entdeckung für die Praxis auszuwerten. Er wollte ein Fahrzeug bauen, das sich und seinen Inhalt entmaterialisieren, dann in ferne Räume und Zeiten reisen, sich dort materialisieren und nach dem gleichen Verfahren wieder an den Ursprungsort und in die Ursprungszelt zurückversetzen konnte. Nach vier Jahren musste der Professor seine Versuche aus Geldmangel einstellen.

Die superreichen Mitglieder vom „Konsortium der Sieben“ in London boten ihm aber die fehlenden Millionen unter der Bedingung an, dass sie über den Einsatz der Erfindung bestimmen könnten. Der Professor erklärte sich einverstanden, konnte weiterarbeiten und vollendete sein Werk: die Zeitkugel. Seit diesem Zeitpunkt reisen der Professor, sein Assistent und der Ingenieur im Auftrag des „Konsortiums der Sieben“ durch die 4. Dimension.

Dieser Roman erzählt die Geschichte der Ausführung eines derartigen Auftrags.

1

Zwei Lichtwochen von der Funkfeuerstation entfernt stand der Materiewirbel im Universum.

Zehn Jahre zuvor war er nichts weiter als der Randarm einer gigantischen Dunkelwolke gewesen, die aus dem Zentrum der Galaxis gekommen und mitten durch ein benachbartes Sonnensystem hindurchgegangen war.

Die Dunkelwolke war weitergezogen, der armförmige Wolkenausläufer war vom Schwerkraftfeld des Systems Alpha Centauri eingefangen und abgetrennt worden.

Seitdem blockierte er die wirtschaftlichsten Flugrouten zwischen Alpha Centauri und Tau Ceti. Die kürzesten Strecken waren auch die billigsten.

Anfangs hatte der stationär gewordene abgetrennte Wolkenarm Durchflüge lichtschneller Raumschiffe gestattet. Die Elektronik der Schiffe war allerdings außer Rand und Band geraten.

Insgesamt betrachtet war der Nutzen damals aber größer gewesen als die Summe aller Schäden.

Nach einem halben Jahr bereits gab man die Durchflüge auf. Ohne erkennbaren Anlass hatte sich die Wolke zusammengezogen.

Ein paar Schiffe der Raumflotte waren in die Zusammenballung hineingestoßen und auf der anderen Seite auch herausgekommen, doch waren die elektronischen Einrichtungen so nachhaltig ruiniert, dass eine Reparatur teurer gekommen wäre als ihre Neuanschaffung.

Von diesem Kostenpaket hatte sogar die Flotte kapituliert. Für einen Handelskapitän wäre ein Flug durch die sich verdichtende Wolke vorsätzlicher finanzieller Selbstmord gewesen.

Fortan flogen die Händler und die Flottenkapitäne nur noch durch die Randzonen. Der Umweg kostete Zeit, doch war er sicher.

Derweil stellten Astrophysiker und Mathematiker Berechnungen und Vermutungen darüber an, wieso die längst entschwundene große Dunkelwolke nicht unterwegs schon in einem Sonnensystem hängen geblieben war, warum Alpha Centauri eine Randwolke herausgelöst und eingefangen, aber nicht in ihr Doppelsternsystem hineingerissen hatte, und weshalb sich die Randwolke zusammenzog.

Die Vermutungen überwogen.

Die Erkenntnis setzte sich durch, dass Gaswolken aus dem Zentrum der Galaxis anderen Eigengesetzlichkeiten unterworfen waren als jenen, die am Rande der Milchstraße Gültigkeit besaßen.

Die Kontraktion der Wolke hatte sich fortgesetzt. Ihre Ausdehnung von ursprünglich fünf Lichtwochen schrumpfte auf drei. Die Verdichtung der Materie machte auch das Durchfliegen der Randzonen unmöglich.

Vor fünf Jahren hatte es dann begonnen. Die Wolke war in Rotation geraten.

Ohne erkennbaren Anlass. Ohne Einwirkung der Doppelsonne Alpha Centauri, wie Messungen ergaben.

Gleichzeitig traten die Behinderungen im ohnehin schon auf Ausweichkurse angewiesenen Flugverkehr auf.

Schiffe, die näher als sechs Lichttage an der Rotationswolke vorbeiflogen, wurden von einem unvorstellbaren Sog erfasst und nach wenigen Stunden um Lichttage versetzt als Wracks ausgestoßen.

Über die Abläufe dieser Vorgänge in den Randzonen der Rotationswolke herrschte Unklarheit.

Beobachtungen von außen waren wegen der Materieballung nicht möglich.

Die Aussagen von Überlebenden solcher Unfälle deckten sich nur in dem einen Punkt - dass sie nämlich in dem Augenblick bewusstlos geworden waren, als ihr Schiff aus dem Kurs gerissen wurde.

Die automatischen Aufzeichnungen der Schiffe brachten ebenfalls keine Aufklärung. Die Anlagen waren durch unbekannte Kräfte zerstört worden.

Die herausgeschleuderten Wracks stellten gefährliche Hindernisse auf den Ausweichrouten dar.

Die Flotte wurde angewiesen, die manövrierunfähigen Schiffe aus der Gefahrenzone zu schleppen und möglichst kostendeckend zu arbeiten.

Ein Wrack erbrachte im günstigsten Fall ein Zehntel der Anschaffungskosten eines Neubaues, eine Bergung kostete zwei Zehntel des Neupreises.

Die Flotte legte gehörig drauf, und es ging die Rede, dass man nach jeder Wracksichtung ein deutliches Zähneknirschen aus dem Rechnungshof der terranischen Raumflotte hören könne.

Der Mindestabstand der Flugrouten zur rotierenden Materiewolke wurde auf zehn Lichttage festgesetzt. Schlagartig ging die Zahl der Unfälle zurück.

Natürlich gab es ein paar Kapitäne, die sich für hartgesotten genug hielten, dem Teufel ein Bein abzuhandeln. Um den Preis ihres Schiffes und ihrer Mannschaft wichen sie von den vorgeschriebenen Routen ab, versprachen sich einen Zeitgewinn von fünf oder sechs Tagen und hofften im Übrigen, dass es gut ging.

Andere gerieten infolge fehlerhafter Navigationsinstrumente in den Sog.

Das Bergungsgeschwader der Raumflotte wurde nicht arbeitslos.

Ein emsiger Kostenmathematiker errechnete schließlich, dass die Einrichtung und Unterhaltung von bemannten Funkfeuerstationen billiger kam als die Soldzahlungen eines Jahres an die Mannschaften der Bergungsschiffe.

Seitdem umgab ein Kranz von Stationen die rotierende Wolke.

In der Folgezeit waren nur noch drei Schiffe in den Sog geraten.

Unbestechliche Messeinrichtungen in den Funkfeuerstationen hatten die Vorgänge festgehalten, soweit sie von mechanischen Geräten überhaupt verfolgt werden konnten.

Das Fazit war, dass der Sog von unsichtbaren Trichtern ausging, die erstaunlicherweise völlig stabil waren und mit dreifacher Lichtgeschwindigkeit am Rande der Rotationswolke entlangjagten. Entgegen der Rotationsrichtung, die dem Uhrzeigersinn entsprach.

Der Sog reichte dort besonders weit in den Raum hinaus, wo die Trichter in den Streubereich des Sonnenwindes gerieten, der von dem Doppelgestirn kam.

Man vermutete, dass die Rotationswolke Energie tankte.

Die späteren Vorgänge schienen diese Annahme zu bestätigen. Die Rotationsgeschwindigkeit nahm laufend zu, und die Wolke zog sich auf einen Durchmesser von einer Lichtwoche zusammen.

Ein grimmiger Witzbold verbreitete in der Flotte das Gerücht, man habe es gar nicht mit einer Zusammenballung interstellarer Materie zu tun, sondern mit einem unbekannten und unbegreiflichen Intelligenzwesen, das sich an der Doppelsonne Alpha Centauri etwas aufwärmen wolle, bevor es die Weiterreise anträte.

Der Mann wurde gefeuert. Das Gerücht kursierte weiter.

Die weiteren Vorgänge schienen zu bestätigen, dass man es mit einer kosmischen Intelligenzform zu tun hatte. Die unsichtbaren Saugtrichter machten regelrecht Jagd auf Flugobjekte, die auch nur in die Nähe des geheimnisvollen Materiewirbels kamen.

Eine Funkfeuerstation ging auf diese Weise verloren. Die anderen wurden um drei Lichttage zurückgenommen.

Um zu erforschen, was sich im Zentrum des Wirbels abspielte oder möglicherweise verbarg, bekam ein Flottenkapitän den Auftrag, ein Raumtorpedo mit sauberem Kernsprengsatz in die Materiezusammenballung zu schießen.

Zugegeben, keine sehr feine, aber eine probate Methode.

Das Raumtorpedo verschwand so spurlos wie die Funkfeuerstation.

Auf die Explosion des Kernsprengsatzes wartete das Flottenkommando noch heute.

Die Saugtrichter rissen in einem Monat vier Schiffe von bisher als sicher geltenden Routen in die Rotationswolke hinein.

Der Materiewirbel wurde aggressiv und entwickelte sich zu einer ernsthaften Gefahr für die äußeren Planeten von Alpha Centauri.

Einwandfrei konnte angemessen werden, dass Methan und Ammoniak und freier Wasserstoff aus der Atmosphäre der Planeten gezogen wurde und ebenso im Wirbelzentrum verschwand wie die Raumer.

Vorsichtige Astrophysiker deuteten die Möglichkeit an, dass die Materieballung für weitere unliebsame Überraschungen sorgen könne.

Andere sprachen unverblümt von einer stellaren Katastrophe, die sich am Rande von Alpha Centauri anbahnte.

2

In der Funkfeuerstation vier führten sie eine Strichliste.

Jeder Strich stand für einen Totalverlust.

Im Augenblick war die Besatzung vollauf damit beschäftigt, einen havarierten Frachter von Tau Ceti in einen anderen Raumsektor zu dirigieren. Sein Tetraplasmatriebwerk war zusammengebrochen. Mit dem Hilfsaggregat führte er vorsichtige Brems- und Umlenkungsmanöver aus.

Ein paar Lichtminuten vor der zuletzt beobachteten Einfanggrenze des Materiewirbels erreichte er den Scheitelpunkt seiner flachen Flugkurve.

Den Männern in der Funkfeuerstation standen die Haare zu Berge.

Mit Ach und Krach gewann der Frachter den rettenden Kurs und glitt buchstäblich im Zeitlupentempo aus der Gefahrenzone. Hilfsaggregate wurden nur zu Korrekturen bei Andockmanövern verwendet.

Der Schub, der erforderlich war, um den 10000-Tonnen-Frachter in Schwung zu bringen, verkürzte die Lebenszeit des Hilfstriebwerkes rapide.

Drei Minuten nach Passieren des Scheitelpunktes der Bahnkurve glühten auch tatsächlich die Ringe der Schwenkdüse auf, lösten sich und schossen mit der ionisierten Plasmawolke nach hinten weg.

Gebannt starrte die Besatzung der Funkfeuerstation auf die Orterreflexe der Düsenringe. Der Frachter trudelte auf dem rettenden Kurs weiter. Um ihn brauchten sich die Männer nicht mehr zu kümmern.

Sie interessierte, ob der Materiewirbel auf so winzige Gegenstände wie ausgeglühte Düsenringe reagierte.

War er eine Intelligenzform, übersah er vielleicht die kleinen Trümmer.

Ein Raunen ging durch den Beobachtungsstand, als die Reflexe wie weggewischt vom Orterschirm verschwanden.

Der Wirbel hatte sich die Trümmer geholt und auch die Reststrahlung der ionisierten Rückstoßwolke geschluckt!

Mit dem Verdauen der Plasmawolke schien er jedoch Schwierigkeiten zu haben. In seinem Zentrum glühte es rötlich auf und machte die Materieballung teilweise transparent.

Ringe wurden erkennbar, in denen die Materie stärker konzentriert war als in der Umgebung. Sie lagen hintereinander um ein gemeinsames Zentrum.

„Aufzeichnung!“, schrie jemand.

Der Anblick des aufleuchtenden Materiewirbels war derart faszinierend, dass kein Mensch daran gedacht hatte, die optische Speicheranlage mitlaufen zu lassen.

Bevor sich eine Hand auf den Druckschalter senkte, war das Schauspiel bereits vorbei.

Und dann krachte es in der Station, als habe ein Raumtorpedo eingeschlagen.

Die Männer stürzten durcheinander. Die Mess-, Registrier- und Peileinrichtungen rissen aus den Verankerungen an den Wänden. Der Boden hob und senkte sich. Die Beleuchtung fiel aus.

Kein Besatzungsmitglied hatte den Schutzanzug angelegt.

Die Männer schlossen mit dem Leben ab.

Etwas hatte ihre Station getroffen. Dass sie noch nicht tot waren, ließ sich nur als wundersame Fügung bezeichnen.

Dem schmetternden Schlag und dem Kreischen reißender Metallanker folgte Stille.

Die Männer lagen starr und steif, wohin sie der heftige Stoß geschleudert hatte.

Bangen Herzens lauschten sie auf das typische Zischen entweichender Luft. Die Station konnte die Explosion gar nicht ohne Risse in der Außenhülle überstanden haben.

In die Todeserwartung mischte sich nach Sekunden ungläubige Verwunderung.

Die Sauerstofferneuerungsanlage summte so verhalten wie eh und je. Die Luft blieb atembar. Der Druck fiel nicht ab.

Nur langsam begriffen die Männer, dass sie vorläufig davongekommen waren.

Sie krochen unter den Peilerkonsolen und Messkästen hervor, schafften etwas Ordnung und machten eine Bestandsaufnahme.

Vier Besatzungsangehörige waren leicht verletzt, ein Mann hatte Rippenbrüche.

Sie waren billig davongekommen.

Was mit der Station geschehen war, konnten sie vom Beobachtungsstand aus nicht in Erfahrung bringen.

Die Bildübertragungs- und Sprecheinrichtungen zu den übrigen Räumen waren unterbrochen. Das Licht ging nicht an, und auch die Notbeleuchtung streikte.

Das dienstälteste Besatzungsmitglied übernahm das Kommando, ließ die Schutzanzüge anlegen und die wenigen Handlampen verteilen, die üblicherweise als Lichtquellen bei kurzen Ausflügen aus der Station dienten.

Die Verletzten blieben im Beobachtungsstand zurück. Die anderen erkundeten die Station, um das Ausmaß der Schäden festzustellen und herauszufinden, was eigentlich passiert war.

Die Schleusentür klemmte, eine Folge der Verwindung, die mit der Station vor sich gegangen war.

Sie ließ sich jedoch mit einem Stemmeisen aufbrechen und in die Wand schieben.

Der Stationskorridor war mit dem vorgeschriebenen Luft-Sauerstoff-Gemisch gefüllt. Teile der Verkleidung waren heruntergefallen.

Jemand hämmerte mit einem Metallgegenstand gegen die Tür des Ruheraumes.

Die Männer setzten wieder das Stemmeisen ein und befreiten sieben Besatzungsmitglieder, die während der Ruhephase überrascht und eingeschlossen worden waren.

Da hier niemand verletzt war, wurden die Männer zum Beobachtungsstand geschickt, weil sich dort die Schutzanzüge in einem zum Magazin umgebauten Nebenraum befanden.

Der Erkundungstrupp drang weiter vor.

Bisher deutete nichts auf eine Explosion hin.

Über Helmfunk tauschten die Männer Vermutungen aus. Einer meinte, dass ein Flottenkapitän aus zu großer Entfernung ein Raumtorpedo abgefeuert hatte, weil er angesichts des Materiewirbels das Hosenflattern bekam und versehentlich die Station erwischt hatte.

Der Dienstälteste unterband die einsetzende Diskussion: „Habt ihr überhaupt eine Vorstellung von der Zerstörungskraft eines Torpedos? Nein? Dann seid still und sucht weiter.“

Aus der Bordküche strömte den Männern Wasser entgegen. Der Tank war geborsten.

Im Maschinenraum, wo der Gravitationserzeuger und der Generator standen, entdeckten sie die Ursache für den Lichtausfall.

Der Kabelbaum war gegen eine gesplitterte Stahlplastikstrebe geschlagen und hatte sich regelrecht daran aufgespießt. Die Isolation einiger Stränge war beschädigt worden. Der Strom war vagabundierend über die Strebe ins Gerüst und die Hülle der Station gelangt, statt im Netz zu verbleiben.

Die Sicherheitsautomatik am Generator hatte den vorschriftswidrigen Abfluss des Stromes registriert und die Anlage abgeschaltet.

Die Männer isolierten die beschädigten Stränge, befestigten den Kabelbaum und setzten den Generator in Gang.

Augenblicklich strahlte wieder das gewohnte Licht aus den Leuchtbändern der Räume und des Korridors.

Die bisherige Erkundung hatte weder ein Leck noch einen Explosionsort erkennen lassen.

Nur der Hangar war noch nicht kontrolliert. Er lag hinter den Schlafräumen.

Als einziger Raum des Schiffes besaß er eine Druckanzeige, die von jedem Besatzungsmitglied beachtet werden musste, das den Hangar betreten wollte.

Der Eintritt in den Hangar bei geöffneter Außenschleuse hätte nicht nur für den Eintretenden fatale Folgen gehabt, sondern für die gesamte Station.

Nach der Anzeige war der Druck im Hangar etwas über Normal. Eine Lichttafel signalisierte, dass die Außenschleuse geschlossen war.

Auch hier klemmte die Tür. Viel stärker als bei den anderen Räumen.

Erst nach zehn Minuten hatten die Männer den Zugang geöffnet.

Die beiden Stationsboote waren von ihren Katapultvorrichtungen gestürzt und lagen auf der Seite.

Der Hangarboden war unter der Einwirkung einer unbekannten Kraft verformt und wölbte sich in der Mitte der Halle fast einen Meter hoch auf.

Verdutzt betrachteten die Männer die Verwüstung.

Die Aufwölbung des Bodens verriet, dass von unten her etwas gegen die Station gekracht war. Der Hangarboden war dicht geblieben, ebenso die Außenhülle.

Die Männer erkannten, dass sie unwahrscheinliches Glück im Unglück gehabt hatten.

Der Dienstälteste schleuste sich mit drei Freiwilligen aus, um das Ausmaß der äußeren Beschädigung festzustellen.

Die Hülle war exakt unter dem Hangar eingedrückt. Der vierköpfige Trupp fand bequem in der Delle Platz. An der tiefsten Stelle waren die Stahlplastikplatten zerkratzt und wiesen fingerstarke Rillen auf.

Etwas hatte hier die Station getroffen und war abgelenkt worden - etwas, das die Orter nicht erfasst hatten.

Feindselig spähte der Dienstälteste über den Rand der Delle auf den Materiewirbel.