Timetravel #47: Der Treck, der aus der Zukunft kam - Horst Weymar Hübner - E-Book
Beschreibung

TIMETRAVEL - Reisen mit der Zeitkugel Band 47 von Horst Weymar Hübner Der Umfang dieses Buchs entspricht 127 Taschenbuchseiten. Sie sind in einem unbekannten Zeitfeld hängen geblieben, das trenganische Invasionsschiffe errichtet haben. Die Zeitkugel bleibt im Überraum. Professor Hallstrom wagt einen Versuch und stößt mit marschierenden Truppenkolonnen zusammen. Wenig später erkennt er, dass er diese Begegnung in einer anderen Zeitebene hatte und dass er zufällig durch einen entstandenen Zeitriss getreten war. Die marschierenden Fremden beunruhigen ihn, umso mehr, als die Trenganer auf der Jagd nach einem abtrünnigen Volk sind, das mit Hilfe eines Zeitfeldes in die Zukunft gereist ist. Hallstrom zweifelt nicht mehr daran, dass er eine Begegnung mit den Abtrünnigen hatte. Er fragt sich, warum dieses Volk in der anderen Zeitebene Aufmarschräume besetzt. Als er mit seinen Freunden die Vorbereitungen der unduldsamen Trenganer erkennt, ist er sicher, dass eine Rückkehr jenes abtrünnigen Volkes aus der Zukunft unmittelbar bevorsteht. Durch Zeitrisse wollen sie in die Ebene des Jahres 2642 eindringen und die bereits von Invasoren besetzte Erde erobern.

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Horst Weymar Hübner

Timetravel #47: Der Treck, der aus der Zukunft kam

Science Fiction Roman

BookRix GmbH & Co. KG80331 München

Der Treck, der aus der Zukunft kam

TIMETRAVEL - Reisen mit der Zeitkugel

Band 47

von Horst Weymar Hübner

 

Der Umfang dieses Buchs entspricht 127 Taschenbuchseiten.

 

Sie sind in einem unbekannten Zeitfeld hängen geblieben, das trenganische Invasionsschiffe errichtet haben. Die Zeitkugel bleibt im Überraum. Professor Hallstrom wagt einen Versuch und stößt mit marschierenden Truppenkolonnen zusammen. Wenig später erkennt er, dass er diese Begegnung in einer anderen Zeitebene hatte und dass er zufällig durch einen entstandenen Zeitriss getreten war.

Die marschierenden Fremden beunruhigen ihn, umso mehr, als die Trenganer auf der Jagd nach einem abtrünnigen Volk sind, das mit Hilfe eines Zeitfeldes in die Zukunft gereist ist.

Hallstrom zweifelt nicht mehr daran, dass er eine Begegnung mit den Abtrünnigen hatte. Er fragt sich, warum dieses Volk in der anderen Zeitebene Aufmarschräume besetzt. Als er mit seinen Freunden die Vorbereitungen der unduldsamen Trenganer erkennt, ist er sicher, dass eine Rückkehr jenes abtrünnigen Volkes aus der Zukunft unmittelbar bevorsteht.

Durch Zeitrisse wollen sie in die Ebene des Jahres 2642 eindringen und die bereits von Invasoren besetzte Erde erobern.

 

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author

© Cover by ADELIND nach Motiven von Pixabay, 2017

© dieser Ausgabe 2017 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

Prolog

Professor Hallstrom glückte das fantastische Experiment, winzige Substanzteile zu ent- und zu rematerialisieren. Er errechnete, dass diese Substanzteile im Zustand der Körperlosigkeit mit ungeheurer Geschwindigkeit in der 4. Dimension zu reisen vermochten – also nicht nur durch den Raum, sondern auch in die Vergangenheit und in die Zukunft. Mit seinem Assistenten Frank Jaeger und dem Ingenieur Ben Crocker begann er, diese Entdeckung für die Praxis auszuwerten. Er wollte ein Fahrzeug bauen, das sich und seinen Inhalt entmaterialisieren, dann in ferne Räume und Zeiten reisen, sich dort materialisieren und nach dem gleichen Verfahren wieder an den Ursprungsort und in die Ursprungszelt zurückversetzen konnte. Nach vier Jahren musste der Professor seine Versuche aus Geldmangel einstellen.

Die superreichen Mitglieder vom „Konsortium der Sieben“ in London boten ihm aber die fehlenden Millionen unter der Bedingung an, dass sie über den Einsatz der Erfindung bestimmen könnten. Der Professor erklärte sich einverstanden, konnte weiterarbeiten und vollendete sein Werk: die Zeitkugel. Seit diesem Zeitpunkt reisen der Professor, sein Assistent und der Ingenieur im Auftrag des „Konsortiums der Sieben“ durch die 4. Dimension.

Dieser Roman erzählt die Geschichte der Ausführung eines derartigen Auftrags.

1

Gewaltige Explosionen schossen dort in den Himmel, wo die Kugelraumschiffe der Trenganer standen. Heulende Feuerfontänen sprangen auf.

Es sah aus, als kämen sie aus den Schiffshüllen, als seien die Fahrzeuge der Fremden getroffen.

Aber immer wieder wurden die bläulich schimmernden Schutzschirme sichtbar und bewiesen, dass der Mantel aus unbekannter Energie alle Schüsse auffing und ihre Wirkung neutralisierte.

Flammende Bahnen liefen über die Schutzschirme und erloschen in Verästelungen.

Die Stahlhüllen der Schiffe leuchteten im Widerschein des Feuerorkans.

Die terranischen Truppen, verstärkt durch Polizeieinheiten, hatten um alle acht in Kelsey gelandeten Trenganerschiffe Einschließungsringe gelegt und feuerten mit allen Waffen, die verfügbar waren.

Meterdicke Strahlschüsse zischten aus den Stellungen, die in aller Eile auf den Straßen der Siedlung, in Parks, in Gärten und dicht bei den schutzverheißenden Wohnhäusern gebildet worden waren.

Das Fauchen der Strahlschüsse war lauter als der grelle Knall der Abschüsse und übertönte sogar die Trefferdetonationen auf den Schutzschirmen.

Aus größerer Entfernung griffen jetzt auch Neutrinobatterien in den einseitigen Kampf ein.

Blendend helle Spiralfeuerbahnen rasten aus den Vororten von Kelsey heran und transportierten in der Spitze Neutrinogranaten mit kurzen Stummelflügeln.

Mit berstenden Schlägen detonierten die Granaten in den Schirmfeldern der fremden Raumschiffe und überschütteten die nächste Umgebung mit Feuerkaskaden.

Die Hitze erreichte in der unmittelbaren Umgebung der Raumschiffe derart hohe Werte, dass die grünen Baumkronen aufflammten. In den Parks und Gärten breiteten sich Flächenbrände aus.

Der Rauch mischte sich mit dem schwarzen Qualm der detonierenden Granaten.

Gegenüber dem Muller-Haus geriet im Feuersturm ein Wohngebäude in Flammen.

Zwischen Entsetzen und Hoffnung schwankend starrten Professor Robert Hallstrom, Frank Jaeger und Ben Crocker auf das höllische Inferno. Das nächste Kugelraumschiff der Trenganer stand kaum zwei Kilometer entfernt.

Am Horizont erhob sich die Masse des achten Schiffes. Dazwischen lagen zehn Kilometer, die mit Feuer, Rauch, Explosionen und hellen Strahlschüssen angefüllt waren.

Heftige Turbulenzen rissen den Qualm in die Höhe und schufen freie Sicht. Kältere Luftmassen strömten in Bodennähe ins Kampfgebiet und entfachten einen heftigen Sturm.

Armlange Splitter von Neutrinogranaten prasselten in der Nähe der Zeitspringer herunter und zwangen sie in Deckung. Die Schutzschirme der Schiffe stießen die detonierenden Granaten mit kaum vorstellbarer Heftigkeit ab und schleuderten die Splitter weithin in die Umgebung.

Mit nervenzerfetzendem Kreischen stießen aus dem qualmverhangenen Himmel fünf Schnelle Raumkreuzer herab und feuerten Neutrinotorpedos auf die Ansammlung der fremden Schiffe.

Die gefährlichen Raumtorpedos, deren Einsatz in der dichten Erdatmosphäre und in dieser Situation die planvolle Selbstvernichtung bedeutete, detonierten aus nicht erkennbaren Gründen bereits fünfhundert Meter über den Schiffen der Fremden. Sie entfachten keinen Feuerschlag, der im Umkreis von fünfzig Kilometern alles auflöste, sondern zerplatzten mit der vergleichsweise harmlosen Wirkung pulvergefüllter Geschosse.

Die glühenden Trümmer rieselten wie ein Funkenfall in die Batteriestellungen der terranischen Truppen.

Mit brüllenden Plasmatriebwerken jagten die Schnellen Raumkreuzer in dreihundert Meter Höhe über Kelsey dahin und verschwanden über Barstow Sekunden später in den Wolken.

Eine Druckwelle von nie erlebtem Ausmaß folgte ihrem selbstmörderischen Angriff und ihrem Abflug.

Professor Hallstrom hatte sich in seiner Deckung aufgekniet. Die Druckwelle schleuderte ihn rücklings zu Boden. Zentnerlasten drückten auf seine Brust. Titangewalten hielten ihn am Boden fest. Er meinte, das Brechen des Rückgrates zu spüren.

Verzweifelt schnappte er nach Luft. Der rasende Sturm drohte ihn zu ersticken.

Ben Crocker wurde über die gesamte Breite der Straße gewirbelt. Mit den Füßen voran schoss er in einem Vorgarten in einen frischen Erdhaufen, den ein niedergegangener Splitter aufgeworfen hatte.

Während ihm Sand und Erde in Mund und Nase fuhren, sah er Frank mit ausgestreckten Armen und Beinen hinter einer zusammenbrechenden Tür her ins nächste Haus fliegen.

Schlagartig platzten dort die Fenster zur Straßenseite hinein. Ben sah noch, dass das Dach nach hinten flog und aus seinem Gesichtskreis verschwand.

Dann deckten ihn Dreck, Trümmer, Unrat und zerfetztes Laub zu. Ein mörderischer Druck drohte ihm die Lungen zu zerquetschen.

2

Hallstrom versuchte später oft, sein Reaktionsvermögen in dieser Sekunde höchster Gefahr zu erklären.

Wahrscheinlich war es so gewesen, dass er die Gefahr ahnte, bevor er sie zu sehen bekam.

Er stemmte sich gegen den Druck, der auf ihm lastete, er zog den rechten Arm an den Körper und winkelte ihn an.

Es erschien ihm wie eine halbe Ewigkeit, bis er die Hand schützend über die Nase halten konnte. Es gelang ihm, Atem zu holen. Mühsam zwar, aber immerhin.

Die entsetzliche Angst, ohnmächtig zu werden und in diesem Zustand jämmerlich ersticken zu müssen, wich von ihm.

Ein unmenschlicher Luftstoß drohte ihm die Hand vor der Nase wegzudrücken. Dreck fuhr ihm in die Augen.

Der entfachte Orkan zerrte an seiner Kleidung.

Aus tränenverschleierten Augen sah er herumfliegende Dachteile und in den Turbulenzen tanzende Gegenstände.

Seine dreckverklebten Augen weiteten sich. Die aufgewühlten Luftmassen schleuderten einen Gleiter hoch über dem Land herum.

Wenn der brausende Orkan schlagartig verebbte und der Gleiter wie ein Stein in die Tiefe stürzte ...

Er dachte den Gedanken nicht zu Ende, sondern rollte sich herum und begann zu kriechen.

Sein Fuß verhakte sich irgendwo. Rasender Schmerz fuhr durch seinen Körper.

Er keuchte vor Überraschung und ungläubigem Erstaunen.

Wenn er Schmerzen aus dem Fuß und dem Bein spüren konnte, war niemals das Rückgrat beim Teufel!

Probeweise zog er das Bein an und fühlte Widerstand.

Er schaute zurück.

Das Bein bewegte sich, aber der Fuß kam nicht frei. Ein Trümmerstück von einem Haus war herabgestürzt und klemmte es ein.

Hallstrom krümmte sich zusammen und schob mit den Händen den Träger aus Betonplast beiseite.

Der Fußknöchel brannte wie Höllenfeuer. Aber er kroch weiter und spähte nach einer besseren Deckung.

Die Beine gehorchten ihm. Rückgrat und Nervenstrang waren unversehrt. Nur das zählte im Augenblick.

Sein Gehör war durch den Kampflärm und das Brüllen des Orkans fast taub. Auf seine Ohren konnte er sich nicht verlassen.

Seine Augen tränten. Blätter, Dreck und Staub machten die Sicht vollends zunichte.

Er hatte keine Ahnung, wie es um ihn herum aussah. Von Ben und Frank entdeckte er keine Spur.

Seine Hände ertasteten eine sanft abfallende Böschung.

Keuchend blieb er liegen, rieb sich die Augen aus und erkannte genau vor sich einen jener flachen Wassergräben, die sich durch die gesamte Siedlung zogen und dazu dienten, bei Wolkenbrüchen das überschießende Wasser aufzunehmen.

Der Graben war bereits zur Hälfte mit Unrat und undefinierbarem Dreck gefüllt.

Er rollte sich hinein und spürte, wie sich unter ihm der Boden aufwarf. Feuchte Erde überschüttete ihn.

Als er die Arme schützend über den Kopf legte und nach dem tanzenden Gleiter hinaufblickte, war das Fahrzeug verschwunden.

Plötzliche Hitze trieb Hallstrom im Graben weiter. Mehr zufällig blickte er hinter sich.

Wo er eben noch auf der Grabenböschung gelegen hatte, wölbte sich ein frischer Erdring auf. Von Flammen umtost ragten die Heckflossen des Gleiters in den Sturm.

Das Fahrzeug war mit der Spitze voran tief ins Erdreich geschlagen.

Hallstrom zog es ruckartig die Kopfhaut zusammen. Hastig kroch er weiter.

Er bekam einen Lappen ins Gesicht. Als er ihn packte und in den Orkan warf, sah er, dass es sich um eine Jacke handelte.

Ein paar Meter weiter kroch er ächzend unter eine Betonplastplatte, die einen nach zwei Seiten offenen Kasten abdeckte.

Es handelte sich um den Sinkkasten zweier zusammenführender Regenwassergräben und um die tiefste Stelle in der näheren Umgebung.

Der Orkan hatte hier eine Menge Trümmer zusammengefegt, jedoch nicht so dicht, als dass Hallstrom sich unter der Platte nicht hätte Bewegungsraum verschaffen können.

Er hockte sich hin und sah durch das unwirkliche Licht den grellen Widerschein der Strahlschüsse und das Aufblenden der Explosionen.

Noch immer feuerten die terranischen Truppen mit allem verfügbaren Gerät.

Und wie es sich anhörte, wehrten sich die fremden Schiffe noch immer nicht.

Die Trenganer schienen grenzenloses Vertrauen in die Stabilität ihrer Schutzschirme zu haben.

3

Schwarze Rauchschwaden trieben gegen Ed Mullers Haus, zerteilten sich aber mitten auf der Straße und flossen wie an einer gläsernen Wand nach den Seiten ab.

Ungläubig starrte Ed Muller hinaus. Er kniete unter der Fensterbank und duckte sich jedes Mal, wenn ein greller Strahlschuss aufblendete.

Zwei Schüsse hatte er bereits direkt auf sein Haus losfahren sehen.

Getroffen hatten sie nicht.

Etwa fünfzig Meter entfernt hatten sie sich einfach in der Luft zerteilt. Ihre tödliche Energie war nach rechts und links, nach oben und in die Straße gegangen.

Der Straßenbelag war zernarbt und mit Trichtern übersät. Aus den größeren Löchern stieg Dampf.

Aus dem Wohnzimmer hörte Ed Muller das hysterische Kreischen einer Nachbarsfrau. Zwei Familien waren zu ihnen geflüchtet, als sich ein gewaltiger Schatten über die Straße gesenkt hatte.

Das unbekannte Raumschiff hatte diesen Schatten geworfen.

Furchtsam hatten die Nachbarn dem Ausfahren der Landestützen zugesehen.

Wäre es nach den Männern gegangen, so wären sie zu diesem Zeitpunkt noch vor dem Unbekannten davongelaufen.

Angesichts der gewaltigen Teleskopbeine weigerten sich die Frauen und die drei Kinder aber, das Muller-Haus zu verlassen.

Jetzt war an ein Fortlaufen nicht mehr zu denken.

Feuer zuckte rings um das Haus, verwüstete die Straße und fraß den Garten mit allem Grünzeug.

Hallende Donnerschläge von einer seltsamen Unwirklichkeit drangen an Ed Mullers Ohren.

Langsam begriff er, dass es dort draußen etwas gab, das ihm zwar den Schreck und den Anblick der heranzuckenden Strahlschüsse nicht ersparte, das diese Schüsse aber aufhielt und unschädlich machte.

Weiß glühende Feuerkaskaden stürzten in diesem Moment draußen nieder und setzten einen Streifen der Straße in Brand. Wieder schrie die Nachbarin.

Muller wünschte, dass sie woanders hinsah oder eine Ohnmacht erlitt. Seine Nerven waren durch die Vorgänge bereits arg mitgenommen, die Schreie der Frau strapazierten sie noch mehr.

Hinzu kam eine grenzenlose Wut auf die Truppen draußen.

Die Soldaten wussten doch, dass sich hier noch Menschen in den Häusern befanden! Dennoch hatten sie den Angriff auf das Raumschiff begonnen.

Ed Muller hörte hallende Explosionen und sah draußen Dreck und Trümmer heranfliegen. Ein halbes Dach war darunter.

Instinktiv duckte er sich und blickte mit einem Auge über das Fensterbrett.

Eine Kraft, von der er nichts sah und spürte, riss die Trümmer und das Dach ungefähr dort nach oben, wo der Streifen Straße brannte.

Etwas hüllte das gewaltige Raumschiff über seinem Haus ein und gab auch ihm und den Leuten in seinem Haus Schutz.

Eine flüchtige Berührung an der Schulter ließ ihn entsetzt herumfahren. Er fürchtete, dass die braunhäutigen Fremden eingedrungen waren, die hinter seinem Haus im Garten gebohrt hatten und die er mit seinem Strahlengewehr erfolglos unter Feuer genommen hatte.

Edda war es, seine Tochter. Nicht einer der Fremden.

Sie hielt diese goldene Kugel in der Hand, die sie von einem unbekannten und unheimlichen Mann mit Namen Marubeni geschenkt bekommen haben wollte. Eine sehr unglaubwürdige Erklärung, wie Ed Muller zunächst angenommen hatte.

Verschiedene Vorfälle hatten ihn dann aber vom Gegenteil überzeugt, und jetzt wusste er, dass dieser seltsame Marubeni nichts anderes als ein Späher dieser Fremden war, ein vorausgeschickter Kundschafter, der bereits Tage vor der Ankunft der fremden Raumflotte auf die Erde gelangt war.

Ausgerechnet seinen Garten hatte sich der Kerl aussuchen müssen!

„Komm nicht zu nah ans Fenster!“, warnte Ed. Er wusste jetzt, dass dort draußen etwas bestand, das die Strahlschüsse fernhielt. Da er nicht sagen konnte, was es war, blieb ein Rest von Unsicherheit und zweifelnder Skepsis.

Wenn dieses Etwas nun nicht mehr hielt oder unter dem Strahlenbombardement zusammenbrach?

Das Grauen würgte ihn.

Vom Haus und allem, was sich darin befand, würde nichts übrig bleiben. Wahrscheinlich gab es einen grellen Blitz, den keiner von ihnen mehr sah.

Edda blickte unschuldsvoll und kindlich neugierig aus dem Fenster.

„Er sagt, dass wir uns nicht fürchten sollen“, plapperte sie.

„Ist er im Haus?“ Ed Muller richtete sich auf. Er schwankte zwischen Wut und Furcht. Diesen Marubeni machte er dafür verantwortlich, dass das Raumschiff genau über dem Haus stand und es mit den Landebeinen wie mit einem Zaun umgab. Der Fremde hatte hier und in der Nachbarschaft seine goldenen Kugeln ausgelegt. Eine Art Landehilfe, nichts anderes. Wäre das Schiff hier nicht niedergegangen, dann wäre es nicht zum Angriff der terranischen Truppen mit all seinen Schrecken gekommen.

Freundliche Gefühle für Marubeni konnte Ed Muller wahrhaftig nicht empfinden.

„Er hat mit mir durch die Kugel gesprochen“, sagte Edda. „Es geschieht uns nichts.“ Voller Misstrauen wandte sie sich an ihren Vater. „Oder glaubst du ihm nicht?“

Entgegen seiner Überzeugung sagte er: „Doch, doch! Aber dieser entsetzliche Kampf draußen beunruhigt mich. Kannst du ihn nicht bitten, mit seinem Schiff davonzufliegen?“

„Mom hat ihn schon darum gebeten“, berichtete Edda. „Er sagt, das kann er nicht. Er muss erst etwas finden.“

„Bei uns?“

„Im Garten hinterm Haus.“

Vor Ed Mullers Augen entstand das Bild der drei braunhäutigen Fremden, die das Loch im Garten gebohrt hatten.

Die uralten Kammern und Höhlen, dachte er beunruhigt. Zum Teufel, es gibt gar keine andere Möglichkeit, der Bursche interessiert sich dafür und lässt seine Leute bohren! Was hofft er da zu finden? Die Hohlräume sind längst zugeschüttet!

„Sage ihm, dass ich in großer Sorge bin. Das Schießen wird heftiger“, sagte Ed Muller.

Edda ließ die goldene Kugel auf der Hand wippen. „Sein Raumschiff beschützt uns. Solange es hier steht, geschieht uns nichts. Es besitzt einen Schutzschirm. – Dad, was ist ein Schutzschirm?“

Ächzend wandte sich Ed Muller um und blickte aus dem Fenster.

Ein Schutzschirm also!

Darum hatten die gewaltigen Strahlschüsse dem Haus nichts anhaben können.

Nun verstand er, was den Qualm abhielt und die grellen Lichtbahnen zerteilte.

„Eine Wand aus Energie“, murmelte er. „Man sieht sie nicht.“

Er spürte, dass Edda neben ihn trat. Er hörte sie vorwurfsvoll sagen: „Du schwindelst, Dad! Eine Wand, die man nicht sieht, gibt es nicht.“

Er sah seine väterliche Autorität wanken. Mit zitternder Hand zeigte er hinaus, wo die Straße brannte und der schwarze Qualm sich zerteilte.

„Dort ist sie. Wäre sie nicht vorhanden, wären wir im Rauch schon erstickt.“

Er verschwieg, was die dicken Strahlschüsse angerichtet hätten.

4

Die Gewalt des Orkans flaute ab.

Hallstrom war vernünftig genug, in seinem Unterschlupf zu bleiben. Wahrscheinlich stand ein neuer Angriff Schneller Raumkreuzer unmittelbar bevor. Militärische Aktionen wurden von zwingender Logik diktiert.

Logik hieß in diesem Falle, dass einem erfolglosen Angriff einer zu folgen hatte, der bessere Ergebnisse brachte.

Im flachen Wasserauffanggraben stapelten sich Trümmer und zerbrochener Hausrat. Der Orkan hatte Gebäude zerstört und die Einrichtung herausgerissen.

Dumpf und wie aus größerer Entfernung als vorhin vernahm Hallstrom die Abschüsse und Detonationen. Ein Irrtum, wie er am gleichbleibenden Widerschein feststellen konnte.

Der Kampfplatz war noch so nah wie zuvor. Nur sein Gehör war fast taub.

Er riskierte einen Blick und sah Marubenis Schiff unverändert an derselben Stelle stehen.

Auch die anderen Raumschiffe der Trenganer hatten ihre Position nicht verändert.